08.10.2013
DER WUNSCHRING
Der Ring, der Ring, ein magisch’ Ding,
zwingt Erdenkraft ins Geister-Thing-;
dann steh’n die dunklen Mächte stille,
zu beugen sich des Ringes Wille.
zwingt Erdenkraft ins Geister-Thing-;
dann steh’n die dunklen Mächte stille,
zu beugen sich des Ringes Wille.
Wohl dem der einen Wunschring trägt,
irdisch’ Begehr’ im Herzen hegt --;
er dreht den Ring zur Geisterstund’,
bald wird ihm Wunscherfüllung kund.
irdisch’ Begehr’ im Herzen hegt --;
er dreht den Ring zur Geisterstund’,
bald wird ihm Wunscherfüllung kund.
Ein solches Kleinod war mein Gut,
ich kaufte es mit List und Blut -;
der Geist Saturns war mir erschienen,
ihm wollt’ ich bis zum Tode dienen.
ich kaufte es mit List und Blut -;
der Geist Saturns war mir erschienen,
ihm wollt’ ich bis zum Tode dienen.
Er ist der Herr der Bodenschätze,
weiß er doch Gold- und Silber-Plätze
und will, dass jener sie ergreif’,
der ehrt des Daimons Fingerreif.
weiß er doch Gold- und Silber-Plätze
und will, dass jener sie ergreif’,
der ehrt des Daimons Fingerreif.
Der muss ihn ehren im Betragen,
sich von dem Christos los zu sagen
und allen geistigen Trabanten,
der Christenkirche Lug-Gesandten.
sich von dem Christos los zu sagen
und allen geistigen Trabanten,
der Christenkirche Lug-Gesandten.
Den Schmied zu suchen war geheim,
ich fand ihn in Altklingenheim -;
er war von Wielands Meister-Art,
ein Gnom mit feuerrotem Bart.
ich fand ihn in Altklingenheim -;
er war von Wielands Meister-Art,
ein Gnom mit feuerrotem Bart.
Um Wunschheilkräfte zu erwecken,
schuf er das Ringlein mit zwölf Ecken;
er stach hinein, nach Schwarzer Mess',
den Satz: „NAINE-MI-X-PS”
schuf er das Ringlein mit zwölf Ecken;
er stach hinein, nach Schwarzer Mess',
den Satz: „NAINE-MI-X-PS”
Das meint: „Ich sag’ zu Christo nein !“
Ob Sonnenglanz, ob Mondenschein -,
ich bleib’ den ird’schen Göttern treu,
tausch' nimmer Weizen gegen Spreu.
Ob Sonnenglanz, ob Mondenschein -,
ich bleib’ den ird’schen Göttern treu,
tausch' nimmer Weizen gegen Spreu.
Mein Glücksringlein, mein Amulett,
weil’s Heil und Kraft zu fangen hätt’,
trägt weiteres Wort im weisen Witz,
das meint Genussjagd, heißt „GENITZ“.
weil’s Heil und Kraft zu fangen hätt’,
trägt weiteres Wort im weisen Witz,
das meint Genussjagd, heißt „GENITZ“.
Ich grub im Herz des Sachsenland's,
bei Oschatz nach des Schatzes Glanz,
tät mich mein Lebtag gut dran laben,
den Rest mitsamt dem Ring vergraben.
bei Oschatz nach des Schatzes Glanz,
tät mich mein Lebtag gut dran laben,
den Rest mitsamt dem Ring vergraben.
Wohl an fünfhundert Silberstücke,
vergrub ich an der Elbarm-Brücke
bei Pusteniz in einem Krug -;
ich hatt’ des Lebens längst genug.
vergrub ich an der Elbarm-Brücke
bei Pusteniz in einem Krug -;
ich hatt’ des Lebens längst genug.
Im Tod ging ich zum neuen Werde,
traf meinen Herrn tief in die Erde;
leb’ unbeschwert im Land der Seelen,
umglänzt vom Schimmer der Juwelen.
traf meinen Herrn tief in die Erde;
leb’ unbeschwert im Land der Seelen,
umglänzt vom Schimmer der Juwelen.
Auch dies’ ist besser als beim Christ,
wo keusche Einfalt Sitte ist --;
ich fand als geist'ger Antipode,
das bess’re Los auch noch im Tode !
wo keusche Einfalt Sitte ist --;
ich fand als geist'ger Antipode,
das bess’re Los auch noch im Tode !
PS: Im Jahre 1898 wurde in Paußnitz/Pusteniz (heute Ldkr. Riesa) ein Münzschatz von um die 500 Silber-Brakteaten in einem kleinen Keramikgefäß gefunden, dazwischen lag der zwölfeckige Ring aus nahezu reinem Silber. Abnutzungsspuren zeigen, dass er für längere Zeit getragen wurde. Mit einem Innendurchmesser von 18,8 mm ist er groß genug für eine Männerhand. Er ist mit seltsamen zunächst unverständlichen Schriftzeichen versehen. Sie Münzen datieren in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts. Der gesamte Schatz muss kurz nach 1150 vergraben worden sein. Es handelt sich um die Zeit der Sachsenkriege Heinrich V., in denen sich noch eindeutige Anzeichen des wiedererstarkten ostsächsischen Heidentums zeigten.
Die Inschrift ist in mittelhochdeutscher Sprache, in frühgotischen Majuskeln und Buchstaben der damals schon nicht mehr gebräuchlichen irisch-angelsächsischen Zierkapitalis abgefasst und beinhaltet offenbar antichristologische Bezüge. Die Inschrift lautet: NAINE MI XPS, in wörtlicher Übersetzung: „Verneine mich Christus“. Das überflüssig auszuschreibende, stillschweigend dazuzudenkende Personalpronomen „ich“ des Ringträges, lässt den Sinn „ich verneine Christus“ hervortreten.
Die angelsächsischen Zierkapitalis lassen uns in den nordwestgerm. Sprachraum schauen: dort bedeuteten die Begriffe ags. „naes“ und „naenig“ „durchaus nicht“ bzw. „kein“. Die indogermanischen Worte „na“, „no“, ahd. „neo“, „nio“, nhd. „nie”, stehen für „nie, nicht, nein”. Der mittelhochdeutsche Ringtext „naine mi“ ist konkret nicht anders zu übersetzen als: „nicht für mich“, „nichts für mich“, „nicht meine Sache“, - oder auch „verneine mich“, „verschone mich“, „lasse mich in Ruhe“, „bleibe mir fern“.
Diese Aussage bezieht sich auf schon erwähnte folgende Ringgravur „X-PS“, die als Abkürzung für „Christus“ zu deuten wäre. Dass es sich nicht um den Ring eines weltflüchtigen christlichen Asketen gehandelt haben kann, geht schon zwingend aus dem Umstand hervor, dass der Ring zusammen mit 500 Silbermünzen des sächsischen Großraumes im Keramikgefäß lag.
Alle die von mir in dem Gedicht genannten Ortschaften sind im engen Umkreis - im „Herzen Sachsens“ - real vorhanden !
Um 1150 schon weit gereist: Inschrift von „Ring von Paußnitz“ endlich entschlüsselt (von Julius Lukas 07.12.2019) – „Halle (Saale) - Chi und Sigma hatte Friedrich Röhrer-Ertl schnell entziffert. Etwas verschnörkelt, aber doch deutlich waren die beiden griechischen Buchstaben auf dem Ring zu erkennen. Chi, das wie ein „X“ aussieht und Sigma, das in einer Form dem heutigen „S“ ähnelt. „Doch da war noch dieser Buchstabe dazwischen, bei dem ich nicht so recht weiterkam“. Eine Art Rune, als hätte jemand zwei Mal die Fünf dicht aneinander geschrieben. „Solch ein Zeichen hatte ich zuvor noch nie gesehen“. Die doppelte Fünf ist nicht das einzige rätselhafte Symbol, das auf dem Ring zu sehen ist und das Friedrich Röhrer-Ertl in tage-, wochen- und sogar monatelanger Detektivarbeit dechiffriert hat. Der Münchner ist Epigraph, ein Spezialist für Inschriften. Anfang Dezember ist er nach Halle ins Landesmuseum für Vorgeschichte gekommen, um über die Entschlüsselung der geheimnisvollen Zeichenkette zu sprechen und zu erzählen, welche mysteriöse Botschaft sie beinhaltet. Denn der Ring, der in Paußnitz bei Riesa (Sachsen) gefunden wurde, stand im Mittelpunkt einer Sonderschau des Landesmuseums.
Die Ausstellung ist ein später Ruhm. Denn die Decodierung des Rings liegt [angeblich] bereits mehr als 15 Jahre zurück. Anfang der 2000er machte Arnold Muhl, der Referatsleiter für Dauerausstellungen im Landesmuseum, einen Zufallsfund. „Ich wollte eigentlich eine große Ausstellung vorbereiten“, erzählt er. In einem Münzschatz stieß er dabei auf einen Ring. „Der machte mich mit seiner eckigen Form und den geheimnisvollen Zeichen sofort stutzig - und neugierig.“ Als 1898 der Paußnitzer Gutsbesitzer Emil Schreiber bei Rodungsarbeiten auf seinem Anwesen einen vergrabenen Tonkrug zerstößt, findet er darin einen Schatz: 500 Münzen und einen Ring. Den runden Fingerschmuck will er eigentlich behalten, verkauft das 5,2 Gramm schwere Silberstück dann aber doch an das damals zuständige Museum in Halle. Dort gerät der Ring Hundert Jahre in Vergessenheit.
Erst 2001 wird er zufällig gefunden und seine geheimnisvolle Inschrift [nur scheinbar] entschlüsselt. Auf die große Bühne kommt der „Ring von Paußnitz“ aber erst jetzt [siehe Artikel-Datum]. Seit Mitte November läuft im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle die Sonderausstellung „Ringe der Macht“, in deren Zentrum der „Ring von Paußnitz“ steht. Dass so viel Zeit seit der Entschlüsselung vergangen ist, erklärt Museumssprecher Alfred Reichenberger so: „Eine Ausstellung über Ringe ist nicht ganz einfach zu gestalten und immer wieder zogen andere bedeutende Exponate wie die Himmelsscheibe die Aufmerksamkeit auf sich.“ Muhl begann nachzuforschen und fand den Ring auch in den Akten. 1898 wurde er von einem Gutsbesitzer auf seinem Grundstück entdeckt. Das Museum in Halle kaufte ihn an. Allerdings - so sagt es die Aktennotiz - galt der Ring seit den 1980er Jahren als verschollen. „Dabei war er bei den Münzen nur falsch abgelegt worden“, sagt Muhl.
Erste Versuche, dem Geheimnis des Rings näher zu kommen, scheiterten. Regionale Experten, die Muhl fragte, winkten ab. „Die meinten, dass er ohnehin nicht echt sei.“ Doch der Museumsmitarbeiter war sich sicher: „Wenn jemand solche Mühe in ein Silberstück steckt, dann muss das eine Bedeutung haben.“ Nur: Welche? Diese Frage ließ Muhl keine Ruhe und über einen Kollegen fand er schließlich auch zwei Experten, die ihm weiterhelfen konnten. Es waren die Epigraphiker Friedrich und sein Vater Olav Röhrer-Ertl. „Wenn man so einen Ring vorgelegt bekommt, dann haut es einen erst einmal um“, sagt Friedrich Röhrer-Ertl. Sein Vater habe ihm damals die Arbeit an der Entschlüsselung überlassen.
„Ich war noch Student, habe aber dieses Maulwurf-Gen.“ Sich durchwühlen, das musste er auch können. Denn so einfach gab der Ring seinen Geheimcode nicht Preis. Die Schriftzeichen kamen auch dem jungen Experten zu Beginn unbekannt vor. „Ich tastete mich deswegen langsam heran.“ Da die Münzen aus dem 12. Jahrhundert stammten, galt das wohl auch für den Ring. Röhrer-Ertl begann, nach Schriftstilen dieser Zeit zu suchen. „Ich habe in München Tage in Bibliotheken verbracht und Schriftproben verglichen.“ Seine Arbeit war, wie bei einem Puzzle mit 5 000 Teilen das eine zu finden, das passt. Zurückschrecken ließ ihn das jedoch nicht: „Man muss es so sehen: Mit jeder Schriftart, die man ausschließen kann, macht man ja auch einen Fortschritt.“ Doch nicht nur alte Schriftproben brachten Röhrer-Ertl weiter, sondern auch sein Wissen über das Mittelalter. „Ein Standard war, dass man Texte mit einem Kreuz begann.“ Und ein kreuzähnliches Symbol fand sich auch auf dem Ring. So wusste der Schmuck-Detektiv, wo die Botschaft begann.
Auch Chi und Sigma – die als „X“ und „S“ gut erkennbar waren – halfen ihm. „Im Christentum wird Christus oft durch Chi, Roh und Sigma dargestellt.“ Zwischen dem „X“ und dem „S“ musste also ein Roh stehen, das wie ein heutiges „P“ aussieht. Und in der Tat konnte man die dicht aneinander geschrieben Fünfen auch als mehrere verschlungene „Ps“ deuten. So entschlüsselte er das Geheimnis Stück für Stück. Von der Zeit um 1150 – also der Datierung der Münzen – entfernte sich der Forscher immer mehr. Und dann fand er eine Schrift, die auffällige Ähnlichkeiten mit den Zeichen hat: die Insulare Zierkapitalis. „Die stammt aus dem heutigen Schottland, war im 12. Jahrhundert jedoch komplett veraltet und im mitteldeutschen Raum auch nicht gebräuchlich.“ Allerdings, meint Röhrer-Ertl, könnte sie durch Mönche bis nach Mitteldeutschland gekommen sein - die waren für eine intensive Pflege ihrer Schriftkultur bekannt. Durch den Fund wurde deutlich, dass die Symbole eine Mischung aus der insularen und einer um 1150 aktuellen Schrift sind. Aus den Zeichen wurden somit Buchstaben und auch eine Botschaft: „NAINE Mi XPS“ – also: „Verneine mich, Christus“.
Hinter dem Satz, so deutet es Röhrer-Ertl bis heute, versteckt sich ein starkes Glaubensbekenntnis. Und durch die Dechiffrierung wollte es sein Schöpfer verbergen – wohl um es vor negativen Einflüssen zu schützen. „Das Mittelalter war eine vom Christentum geprägte Zeit“, erklärt Arnold Muhl. Eine der extremsten Formen des Glaubens war dabei die Selbstaufgabe. Das „Verneine mich“ könne auch als „vernichte mich“ gelesen werden, sagt Friedrich Röhrer-Ertl. Damit war gemeint, dass jemand sein ganzes Leben komplett in den Dienst des Christentums gestellt hat. Tempelritter und auch Kirchendiener hätten beispielsweise diesen Glaubenssatz gehabt. Allerdings: Wer genau den Ring anfertigen ließ – das wird wohl nie ganz zu klären sein. Und Zweifel, ob die Deutung von Friedrich Röhrer-Ertl zutrifft, bleiben. „Man kann sich nie ganz sicher sein und jeder neu archäologische Fund kann etwas ändern“, sagt er. Doch solange niemand eine andere Deutung des „Rings von Paußnitz“ vorlege, sei seine zweifelsohne die schlüssigste. (mz) --
Soweit der Hahnebüchene Übersetzungs-Unsinn von einem frommen Vernichtungswunsch durch den Erlöser-Christus.