05.09.2022

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Dr. Mainstream im OP-Raum - „Rückgrat raus!“ - 1951/1960 - von A. Paul Weber

RÜCKGRAT BEHALTEN !

Ein jeder einzelne Mensch hat Feinde
und ebenso jede Volks-Gemeinde.
Nichts nutzt es, da Du Frieden hältst,
jedoch dem Nachbarn nicht gefällst.

Ein Streit ist selten zu vermeiden,
denn Frieden halten, liegt an beiden.
Bald ist ein böses Wort gesprochen,
schon ist ein Streitfall ausgebrochen.

Dann heißt‘s kühlen Kopf bewahren,
schauen auf des Feind‘s Gebaren.
Das Wichtigste im Kampfgeschehen
ist’s, keinen Vorteil übersehen.

Kampfgeist und Kampfesmut behalten,
streiten, nicht anders als die Alten.
Das Rückgrat unverbieglich lassen,
doch möglichst ohne niederes Hassen.

Lass Euch Rückgrat niemals rauben,
auch nicht unter Daumenschrauben
und nicht in Not nach Niederlagen,
wenn Sieger's Tribunale tagen.

Die Kraft bezieht Ihr aus den Runen,
den stolzen Missions-Immunen,
die unüberwindbar Zeit durchwachen,
auch Seelen unbesiegbar machen !

Wenn ich von Rückgrat spreche, meine ich nicht unsere Wirbelsäule, sondern die Redewendung. Unter Rückgrat verstehen wir im übertragenen Sinne Begriffe wie

Mut
Charakter
Gradlinigkeit
Standhaftigkeit
Zivilcourage

Wer im übertragenen Sinne kein Rückgrat hat, hat keine Haltung. Beruflich oder privat stoßen wir immer wieder auf Menschen, die es allen recht machen wollen. Sie hängen Ihr Fähnchen in den Wind, egal aus welcher Richtung er kommt. Sie buckeln und schleimen; vor dem Chef, bei den Kollegen, im Freundeskreis.

Treffen wir auf sie, reden sie uns nach dem Mund, loben uns in den höchsten Tönen und kaum drehen wir ihnen den Rücken zu, orientieren sie sich an anderen und stechen uns vielleicht sogar „den Dolch“ in den Rücken.

Manchmal ist es einfacher dem Chef oder der Freundin nach dem Mund zu reden, ja zu sagen und seine Meinung für sich zu behalten. Im ersten Moment sind diese Menschen beliebter und werden geschätzt. Doch irgendwann fällt es auf und wir merken, dass auf sie kein Verlass ist, wir Ihnen nicht vertrauen können. Oft meinen es diese Menschen gar nicht mal böse. Sie sind einfach zu schwach und wollen es allen und jedem recht machen. Auf Dauer ist dies jedoch nicht möglich. Sie müssen sich selbst aufgeben und verleugnen um die Wünsche anderen zu erfüllen.

Hand auf´s Herz: Zeigen Sie Rückgrat in brenzligen Situationen? Stellen Sie sich auf die Seite derer, die keine Lobby haben? Vertreten Sie Ihre Meinung mit allen Konsequenzen?

Dies ist leicht gesagt, doch wenn wir uns ehrlich hinterfragen, ist es manchmal ganz schön schwer, Rückgrat zu zeigen und zu sich und seinen Bedürfnissen zu stehen, seine Wünsche zu vertreten und Schwache zu unterstützen. Wir haben Angst nicht mehr gemocht oder geschätzt zu werden, die Wertschätzung zu verlieren oder ausgegrenzt zu werden.

Rückgrat zeigen kann nur der, der auch ein Rückgrat, also eine Haltung hat. Der weiß, was er im Leben will, was er auf keinen Fall tun würde. Wir müssen unsere Werte kennen, einen Standpunkt haben, um diesen auch vertreten zu können.

Welche Werte sind Ihnen wichtig?

Was ist mir wichtig?
Worauf lege ich wert?
Was würde ich auf keinen Fall tun?
Was erwarte ich von anderen?
Was bin ich bereit dafür zu tun?

Wenn Sie diese kennen, kennen Sie auch Ihre Grenzen. Manchmal ist es wirklich cleverer den Mund zu halten. Wenn ich dies tue und weiß, warum ich es tue verliere ich nicht an Selbstbewusstsein. Bin ich jedoch ruhig, weil ich mich nicht traue und sage etwas, was ich gar nicht sagen möchte, macht mich dies klein und zerstört auf Dauer mein Selbstwertgefühl.

Herzliche Grüße

Alexandra Karr-Meng