23.07.2022

Reitsch_Hanna.JPG

Adolf Hitler verleiht Hanna Reitsch das Eiserne Kreuz 2. Klasse, in der Mitte Göring (März 1941)

DIE GROSSE HANNA REITSCH

Die Hanna Reitsch war eine Riesin,
an Redlichkeit und Seelenkraft.
Groß-Deutschlands große Heldenzeit
durchlebte sie in Liebes-Haft.

Dem Vaterland war sie verfallen,
und ihrem Schwarm, der Fliegerei.
Sie flog die neusten Wundervögel,
ganz vorne war sie damals mit dabei.

Dass sie mithalf den Krieg gewinnen,
was auch in ihren Kräften stand,
war selbstverständlich für Millionen,
die Guten rangen um ihr Heimatland.

Des Erdkreis ärgste Räuberstaaten
stürmten von Ost und West heran,
ein jeder stand auf seinem Posten,
wo er das Allerbeste leisten kann.

Hanna war grandiose Testpilotin,
riskierte immer wieder ihren Kopf,
das war ihr schwerer Fronteinsatz,
sie war Soldatin ohne Rock und Zopf.

Und als das Reich in Trümmer ging,
war sie noch immer ihrer Fahne treu,
stand sie zum Führer und dem Eid,
da schied sich Echtes von der Spreu.

Sie flog hinein in einen Hexenkessel,
ins kampfumtobte Trümmerfeld Berlin
ohne Befehl, vom heißen Herz bestimmt,
fand sie ein letztes Mal zum Führer hin.

Die Reitsch war zierlich von Gestalt,
doch im Gemüte war sie ein Gigant.
Sie wird als wahrhaft große Heldenfrau
in den Annalen liebevoll benannt.

Hanna Reitsch (1912-1979) erblickte in Hirschberg/ Schlesien das Licht der Welt. Sie wurde eine der bekanntesten und erfolgreichsten Fliegerinnen in Deutschland und erflog mehr als 40 Rekorde in allen Klassen und Flugzeugtypen. Während des Dritten Reiches wurde sie als begeisterte Unterstützerin des NS-Freiheitsgedankens aktiv. Hanna war das zweite von drei Kindern des Arztes Willy Reitsch, der eine Augenklinik leitete, und seiner Frau Emy. Sie träumte bereits als Kind von der Fliegerei. Die Jugendliche gab als Traumberuf „fliegende Missionsärztin“ an. Wenn sie schulfrei hatte, fuhr sie mit dem Rad nach Grunau zum Segelflugplatz. Dort lernte sie Anfang der 1930er-Jahre auch den jungen Wernher von Braun kennen, mit dem sie eine lebenslange Freundschaft verband. Im Jahr 1931 absolvierte sie ihr Abitur, anschließend besuchte sie die „Koloniale Frauenschule“ in Rendsburg. Ab 1932 studierte sie Medizin in Berlin und Kiel. Neben ihrem Studium erwarb die 1,50 Meter zierliche, aber seelisch-geistige Riesin, 1932 den Segel- und den Motorflugschein auf dem Flugplatz Berlin-Staaken. Noch im selben Jahr stellte sie ihren ersten Rekord, den Dauer-Segelflugrekord für Frauen (5,5 Stunden in der Luft) auf. Hanna wurde 1933 von dem Segelflugpionier Wolf Hirth gebeten, als Fluglehrerin an seiner neuen Segelfliegerschule auf dem Hornberg bei Schwäbisch Gmünd zu arbeiten. Durch die fortschrittliche Motorbegeisterung Adolf Hitlers begann eine steile Aufwärtsentwicklung auch des gesamten Flugwesens in Deutschland. Im Juli 1933 flog Hanna mit ihrem Segelflugzeug „Onkel Otto“ im Blindflug durch eine Wolkenformation. Obwohl nach einer Viertelstunde die Instrumente ausfielen, flog sie noch eine Dreiviertelstunde ohne Sicht weiter. Erst nach Verlassen der Wolken erkannte sie, dass sie sich im Rückenflug befand. Sie konnte die Maschine wieder in eine normale Lage bringen und landen, wobei der Landeplatz 600 m über dem Startort lag.

1933 wirkte Hanna Reisch als fliegerische Beraterin am Film „Rivalen der Luft“ mit. Im Zusammenhang mit den Flugaufnahmen gelang ihr am 25. September 1933 beim ostpreußischen Rossitten und Pillkoppen ein neuer Weltrekord im Dauerflug von 7 Stunden und 58 Minuten. Von 1933 bis 1934 nahm sie an einer Forschungsexpedition in Brasilien und Argentinien teil und brach ihr Medizinstudium nach vier Semestern zugunsten der Fliegerei ab. 1936 stellte sie mit 305 Kilometer einen neuen Streckenweltrekord im Segelflug der Frauen auf. Vom Juni 1934 an arbeitete Hanna als Versuchspilotin für die „Deutsche Forschungsanstalt für Segelflug“ in Griesheim. Dabei arbeitete sie eng mit dem bekannten Konstrukteur und DFS-Abteilungsleiter Hans Jacobs zusammen. Als erste Frau der Welt wurde sie 1937 von dem begnadeten Flieger aus Weltkrieg I. Hermann Göring zum Flugkapitän ehrenhalber ernannt. Im September 1937 wurde sie als Versuchspilotin an die „Flugerprobungsstelle der Luftwaffe Rechlin“ berufen. Dort erprobte sie Flugzeuge aller Art. Von 1937 an flog sie den von Henrich Focke konstruierten Hubschrauber „Focke-Wulff Fw 61“. Mit dem Firmen-Mitinhaber, Kunstflieger und Testpiloten Gerd Achgelis stellte sie im Oktober desselben Jahres mit einem 109-km-Flug einen Streckenweltrekord für Hubschrauber auf. 1938 führte Reitsch diesen Hubschrauber in der Berliner „Deutschlandhalle“, beim ersten Hubschrauber-Hallenflug der Welt vor. Erster Versuchsflug war am 14. Februar 1938, erste öffentliche Vorführung im Rahmen der „Internationalen Automobil- und Motorrad-Ausstellung war Anfang März 1938. Auch ein Flug mit dem Motorsegler und Nur-Flügler „Horten H II.“ (Kennzeichen D-11-187) der Gebrüder Horten in der Nähe von Berlin im November 1938 ist durch einen ihrer Testberichte dokumentiert, in dem sie unter anderem vermerkt, dass sie den Fahrwerkhebel aufgrund ihrer zu kurzen Arme nicht bedienen konnte. Als Versuchspilotin flog Reitsch zusammen mit Erich Klöckner 1939 den für die deutschen Luftlandetruppen vorgesehenen Großsegler „DFS 230“ ein und am 8. März 1941, elf Tage nach dem Erstflug, den Lastensegler „Me 321“. Mit der „Dornier Do 17“ und der „Heinkel HE 111“ flog sie Versuche, um herauszufinden, ob die Stahlseile britischer Ballonsperren mit einem vor dem Bug des Flugzeuges angebrachten Gerät zerschnitten werden konnten. 1942 flog Reitsch in Augsburg den Raketenjäger „Messerschmitt Me 163“, das später sog. „Kraftei“. Sie flog es nur im Schleppflug in einer antriebslosen Zelle der „Me 163“ ohne den hochexplosiven Zwei-Komponenten-Raketen-Treibstoff. Dies war Reitsch, aufgrund von Besorgnissen um ihr Leben, ausdrücklich untersagt worden, da man das damit verbundene Risiko, einen der nicht seltenen Start-Unfälle, nicht eingehen wollte. Dennoch wurde sie bei einem Landeunfall mit der „Me 163b“ schwer am Kopf verletzt, als sie mit dem Gesicht in das Reflexvisier geschleudert wurde. Nach ihrer Genesung nahm sie an Versuchen mit der bemannten „Fieseler V12“ („Reichenberg“) teil. Bei ihrer Erprobungstätigkeit wurde Hanna Reitsch noch mehrmals schwer verletzt. Für ihre heldenmütige Einsätze erhielt Hanna unter anderem als einzige Frau der deutschen Geschichte das „Eiserne Kreuz zweiter und erster Klasse“. Auch erhielt sie das „Flugzeugführer- und Beobachterzeichen in Gold mit Brillanten. Allein die Ingenieurin und Fliegerin Frau Melitta Schenk Gräfin von Stauffenberg erhielt diese Auszeichnung auch.

Die Flugheldin Hanna Reitsch wuchs in einer treuen deutschnationalen Sippe auf, wie es für anständige Deutsche der damaligen Zeit, nach der Niederlage in Weltkrieg I., üblich war. Die Reitschs wandten sich früh dem NS-Befreiungsgedanken zu, da allein die NSDAP glaubhaft eine Revision des schändlichen Friedensdiktates von Versailles und dem daraus resultierenden Entente-Terror gegen Deutschland, u.a. mit der Zerreißung des deutschen Oberschlesiens, in Aussicht stellten. Hanna war eine begeisterte Anhängerin des NS-Führers Hitler, dem sie bis zuletzt die Treue hielt. Sie hatte etwas vom Geist  des Bushidō, der japanischen Kriegerkaste, sie äußerte: „Es mag eine Führung richtig oder falsch gewesen sein - das zu beurteilen ist nicht an mir. Wenn man aber zu dieser Führung hauptverantwortlich gehört, muss man bereit sein, mit ihr unterzugehen.“

Hanna Reitsch war eine heroische Herzensdeutsche, die ihr Deutschtum durch Mitgliedschaften nicht unter Beweis stellen lassen wollte. Sie war weder Mitglied der NSDAP noch einer anderen NS-Organisation. Auch eine „Ehrenmitgliedschaft“ beim „Bund Deutscher Mädel“ (BDM) nahm sie nicht an. Nach dem Kriegsausbruch berichtete die populäre Fliegerin auf zahlreichen Vortragsreisen durch ganz Deutschland von ihrer Arbeit als Testpilotin und rief die Jugend zum Einsatz für das Vaterland auf. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs setzte sich Hanna mit zunehmendem Enthusiasmus für einen erhofften Endsieg Deutschlands ein. Sie warb angeblich auch dafür, dass sich deutsche Flieger, wie es die Japaner mit den Kamikaze-Einsätzen forcierten, in bemannten „V1-Raketen“ auf die alliierten Terrorbomber stürzen, um diese im Selbstopfer, von ihren Massenmordeinsätzen gegen Frauen und Kinder in den deutschen Städten, abzuhalten. Nachdem Reichsmarschall Hermann Göring von Hitler am 23. April 1945 aller Ämter enthoben worden war, flog Hanna dessen designierten Nachfolger Robert Ritter von Greim am 26. April 1945 mit einem Fieseler Storch in das von der Roten Armee eingeschlossene Berlin, damit dieser von Hitler persönlich unter gleichzeitiger Beförderung zum Generalfeldmarschall zum Luftwaffen- Oberbefehlshaber ernannt werden konnte. Sie bot Hitler an, mit ihr das großflächig eingeäscherte, ruinierte Berlin zu verlassen, um sich in die „Alpenfestung“ zu retten, doch der Reichskanzler lehnte ab. In der Nacht vom 28. auf den 29. April 1945 nutzten Reitsch und Greim die Charlottenburger Chaussee als Startbahn, um mit dem letzten Flugzeug, einer kleinen Arado, weiter nach Plön zu fliegen, wo sich zu dieser Zeit noch der Chef der U-Boote und Hitlers Nachfolger Karl Dönitz aufhielt. Im Anschluss begaben sich Reitsch und Greim weiter nach Kitzbühel in Tirol, wo sie in amerikanische Kriegsgefangenschaft gerieten. Sie wurde insgesamt anderthalb Jahre in verschiedenen US-Internierungslagern schikaniert. Sie revidierte einige Passagen der Protokolle der dortigen Vernehmungen als Fälschungen ! In ihren nach dem Kriegsende veröffentlichten Büchern findet man keine Ansätze zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus; warum auch ?! Ihr Leben war das Fliegen und ihr gerechter, untadeliger Kampf für ihr geschändetes Deutschland. Ab 1954 arbeitete Hanna Reitsch erneut als Testpilotin in Darmstadt, diesmal bei der wiedergegründeten „Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt“ (DVL). Im Jahr 1959 reiste sie auf Einladung von Premierminister Nehru nach Indien, um dort ein Leistungssegelflugnetz aufzubauen. 1961 wurde sie von Präsident John F. Kennedy eingeladen und traf auch ihren Jugendfreund Wernher von Braun wieder. Von 1962 bis 1966 weilte Reitsch in Ghana, wo sie eine Segelflugschule aufbaute. Hanna Reitsch war 1968 Gründungsmitglied der „Vereinigung Deutscher Pilotinnen“. In den 1970er-Jahren errang sie weitere Rekorde in verschiedenen Flugkategorien. Sie wurde „Pilot des Jahres 1971“ beim International Order of Characters, 1972 Ehrenmitglied, erhielt 1975 die Internationale Kette der „Windrose“. Hanna starb 1979 67-jährig in Frankfurt am Main, wo sie seit 1953 gelebt hatte. Auf dem Salzburger Kommunalfriedhof ist sie im Grab ihrer Familienangehörigen beigesetzt. Ehre ihrem Andenken, Hanna Reinsch war eine der tapfersten und mithin vorbildlichsten Frauen der deutschen Geschichte.

Fliegerische Leistungen
• 1932: Dauer-Segelflugrekord für Frauen (5,5 Stunden)
• 1934: Höhen-Weltrekord für Frauen (2000 m)
• 1934: Frauen-Streckenweltrekord im Segelflug (160 km)
• 1935: Erfolgreiche Starts mit einem Wassersegelflugzeug (DFS Seeadler) auf dem Bodensee
• 1936: Frauen-Streckenweltrekord im Segelflug (350 km)
• 1937: erste Alpenüberquerung im Segelflug durch eine Frau
• 1937: als erste Frau der Welt durch Hermann Göring zum Flugkapitän ernannt
• 1937: erste Frau der Welt, die einen Hubschrauber (Focke-Wulff Fw 61) flog; zudem Flug in einer geschlossenen Halle (Deutschlandhalle)
• 1937: Streckenweltrekord für Hubschrauber (108 km)
• 1938: Weltrekord im Ziel-Rückkehr-Flug (250 km)
• 1938: Siegerin im „Deutschen Segelflug-Strecken-Wettbewerb“ Sylt-Breslau (Schlesien)
• 1939: Frauen-Segelflugweltrekord im Zielflug
• 1943: Als Testpilotin der Luftwaffen-Erprobungsstelle Rechlin: erste Frau, die ein Raketenflugzeug (Messerschmitt Me 163A) flog und einen schweren Landeunfall überlebte
• 1944: Erste Frau der Welt, die Strahlflugzeuge flog (Messerschmitt Me 262 und Heinkel He 162 bei der Luftwaffen-Erprobungsstelle in Rechlin)
• 1952: Dritter Rang bei den Segelflugweltmeisterschaften in Spanien mit Lisbeth Häfner (Doppelsitzerklasse)
• 1955: Deutscher Segelflugmeister
• 1956: Deutscher Frauen-Segelflug-Streckenrekord (370 km)
• 1957: Deutscher Frauen-Höhensegelflugrekord (6.848 m) (1. Diamant zur Gold-C)
• 1960: 300 km-Dreiecksflug (2. Diamant zur Gold-C)
• 1970: Deutscher Frauen-Segelflugrekord über 500 km (3. Diamant zur Gold-C), sowie
• 1970: Deutsche Meisterin im Deutschen Segelflug-Wettbewerb (Damenklasse)
• 1971: Weltmeisterin bei der Hubschrauber-Weltmeisterschaft (Damenklasse)
• 1972: Deutscher Frauen-Segelflugrekord im Geschwindigkeitsflug über die 300-Kilometer-Dreiecksstrecke
• 1977: Deutscher Frauen-Segelflugrekord im Ziel-Rückkehr-Flug über 644 km
• 1978: Frauen-Segelflugweltrekord im Ziel-Rückkehr-Flug über 715 km
• 1979: Deutscher Frauen-Segelflugrekord im Ziel-Rückkehr-Flug über 801,70 km