28. August 2013 
                                                             Friesin_z.JPG
 
Die Friesin
 
Der hervorragende Religionswissenschaftler Wilhelm Hauer überschriftete eines seiner Bücher „Deutsche Gottschau - Grundzüge eines deutschen Glaubens“, 1935. Darin zeigt er das traditionelle Gottes- und Religionsverständnis des westindogermanischen Menschenschlages auf. Ein solcher Titel und Anspruch würde heute schon wegen mangelhafter etymologischer Kenntnisse auf gänzliches Unverständnis stoßen. Der Begriff „deutsch“ ist in seiner ursächlichen Bedeutung für den Sprachunkundigen nicht mehr zu erkennen.
 
Aber zu „deutsch“, „Deutscher“, „deutsche Sprache“ gilt immer noch was Altmeister J. Wilhelm Grimm in „Deutsche Grammatik I“, 3. Auflage, 1840, Seite 12 zu „thiudisk“ gesagt hat: „Der Sinn des Wortes ist gentil, gentilitius, popularis, vulgaris, was vom gesamten Volk im Gegensatz zu den einzelnen Stämmen gilt, heimatlich, eingeboren, allgemeinverständlich. Aber auch Nebensinn von heidnisch, barbarisch...“

Ebenso Friedrich Nietzsche: „Vergessen wir doch nicht, daß die Völkernamen gewöhnlich Schimpfnamen sind. Die Tartaren sind zum Beispiel ihrem Namen nach 'die Hunde': so wurden sie von den Chinesen getauft. Die 'Deutschen': das bedeutet ursprünglich 'die Heiden': so nannten die Gothen nach ihrer Bekehrung die grosse Masse ihrer ungetauften Stammverwandten, nach Anleitung ihrer Übersetzung der Septuaginta, in der die Heiden mit dem Worte bezeichnet werden, welches im Griechischen 'die Völker' bedeutet: man sehe Ulfilas. - Es wäre immer noch möglich, daß die Deutschen aus ihrem alten Schimpfnamen sich nachträglich einen Ehrennamen machten, indem sie das erste unchristliche Volk Europa's würden, wozu in hohem Maasse angelegt zu sein Schopenhauer ihnen zur Ehre anrechnete. So käme das Werk Luther's zur Vollendung, der sie gelehrt hat, unrömisch zu sein und zu sprechen: 'hier stehe ich ! Ich kann nicht anders !'“ („Die fröhliche Wissenschaft“, 1887, 166)
 
Nietzsche bezieht sich auf die gotische Bibelübersetzung des Bastards Ulfilas (Sohn eines Goten und einer Orientalin), also einem Text des 5. Jh., in dem sich der Adverb „thiudiscô“ zur Übersetzung des Ausdrucks für „Heiden“ findet. Die Frage nach Ursprung und Sinn des Wortes „deutsch“ ist damit bereits vollgültig beantwortet. Es handelt sich um ein Adjektiv, aus dem der Volksname (Deutsche) und der Landesname (Land der Deutschen bzw. Deutschland) abgeleitet wurde. In den verlorenen Salzburger Annalen kommt unter dem Jahreseintrag 919/20 erstmalig das Wort deutsch zur Bezeichnung des Reiches vor: „regno Teutonicorum“. Das zugrundeliegende indogermanische Substantiv „teuta“ = Volk/Stamm, findet sich im Sprachgut von Germanen, Kelten, Italiker, Illyrer und Balten. Aus diesem Grundwort ist mit Hilfe der verbreiteten germanischen Endung „-iska/o“ (z.B. Kind: kindisk / kindisch) eine adjektivische Form entstanden. Das Wort „deutsch“ - gotisch „thiuda", althochdeutsch „theoda“, „diot“ Volk, nutzte man also für „volkmäßig“, „volkstümlich“, im Gegensatz zum Gelehrtenlateinischen, das nur die christlichen Geistlichen verstanden.
 
Aus althochdeutscher Epoche kennen wir das Wort in unterschiedlichen Formen aus lateinischen und deutschen Texten: „teudisca lingua“, „theodisca lingua“ = deutsche Sprache; „diutisca zunga“ = „Deutsche Zunge"; „teutonico ritu“ = deutsche Schrift; die Sprachbezeichnung „teutonice“, „diutiscun“ = deutsch, oder „diutisk“ = nach deutscher Weise; „thiudiska liudi“ = deutsche Leute; daraus entstanden mittelhochdeutsch „tiutisch“, „tiutsch“, „diutisch“; mittelniederländisch „duutsc“, „dietsc" bzw. flämisch „dietsch“; englisch „dutch“; hochdeutsch: „deutsch“. Es gibt mehrere Belege dafür, dass man unter dem Oberbegriff „theodiscus“ die verschiedenen germanischen Dialekte zusammenfasste, z.B. das Angelsächsische, Langobardische, Fränkische, Bayerische, Sächsische, Alemannische und Gotische, so dass es ein Sammelwort im Sinne von Gesamtgermanisch darstellt.
 
Das Wort „deutsch“ setzt also den Überbau über die Vielheit der deutschen, d.h. germanischen Stämme, die Untergliederungen der germanischen Gesamtheit. Eine Idee steckt somit in dem Wort „Deutsch“. Sie beruht auf dem Grundgedanken des organischen Zusammenwirkens aller Glieder der deutschen Völker; die Verwirklichung der Idee des Deutschen bedeutet die gegenseitige Akzeptanz und Ergänzung aller Germanen und darüber hinaus visionär aller europäischen Indogermanen. In zahlreichen Personennamen kann man das Wort „diot“, mittelhochdeutsch „diet“, noch finden. So in Theudobald (der Volkskühne), Theudobert (der im Volk Glänzende) und Dietrich (Volksfürst). Auch das Zeitwort „deuten“ kommt aus dieser Wurzel; deuten heißt also: volkmäßig, verständlich machen, erklären.

Um das Jahr 840 schrieb der fränkische Universalgelehrte und Kirchenmann Rhabanus Maurus (776 - 856; von 822 - 842 Abt von Fulda) seine Schrift „De inventione linguarum“. Darin führt er ein Runenalphabet an, wie es die Marcomanni - jetzt Nordmanni genannt - gebrauchten, von denen jene abstammen, die die Theodisca lingua sprechen. Als Urschrift der Deutschen erklärte er also die Runenbuchstaben, aus deren fein durchdachten Gliederung wir heute wieder fähig sind das religiöse Weltverständnis unserer Vorfahren herauszulesen (ODiNG-Wizzod-Botschaft).

Wie wir es nunmehr verstehen, meint das heutige Wort „deutsch“ in seinen Wurzelformen das vorchristliche allgermanische Volk. Seit dem ersten Auftreten des judäochristlichen Gedankens bei einem seiner Teilstämme (den Goten) ist dieser Begriff folgerichtig als Kennzeichnung des natürlichen vorchristlich-heidnischen Volkes gebraucht worden. Aus neureligiöser Christensicht bezeichnete man als „deutsch“ die ursprüngliche, unbekehrte, noch selbstbewusste germanische Gesamtnation, welche in Gegensatz gebracht wurde zu dem seinen Ursprung verachtenden, umerzogenen, fremdgläubigen, eine Fremdschrift (Latein) gebrauchenden germanischen Christenvolk.

Diese Verständnisweise kann sich wegen der ca. 1.500 Jahre, welche inzwischen vergangen sind, natürlich nicht verschoben haben ! Sie mag für die meisten Menschen in Vergessenheit geraten sein, doch sie behält bis heute ihre uneingeschränkte Gültigkeit. Der wahre, unbetörte Deutsche ist folglich Heide bzw. ein eigen- oder volksgläubiger Mensch germanischen Geblüts, wobei die Definition „germanisch“ offen bleibt.
Da die volkliche Runenschrift ebenso unverlierbar zu ihm gehört wie die darin schriftlich verankerte ODiNG-Religion, wäre die Begriffsbestimmung dahingehend zu erweitern: Der Deutsche ist ein gallo-germanischer Mensch, welcher dem ODiNG-Runenglauben zugetan ist. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass es sprachlich falsch wäre, beispielsweise von einem deutschen Türken, Juden oder Chinesen zu reden. Richtiger müsste es in solchen Fällen heißen: ein deutschländischer bzw. ein in Deutschland lebender Türke, Jude oder Chinese.
 
Wer die Grundvoraussetzungen dazu besitzt und ein echter Deutscher (oder sich zum Deutschtum Gesellender) sein möchte, sollte sich also besinnen auf das Wesen der deutschen Idee. Wir sehen, dass es nicht nur zulässig ist, von deutschem Gott oder deutscher Gottschau zu sprechen, vielmehr ist dies ganz unverzichtbar, denn jedes Volk - ob westindogermanisches oder orientalisches - hat seinen eigenen genuin bestimmten Weg und sein eigenes Werdeziel. Vor diesem Hintergrund muss die Frage bzw. die Suche nach dem „deutschen Gott“ = dem „Heiden-Gott“ verstanden werden.
 
Quellen:
Herman Wirth, „Was heißt deutsch?“, 1934
Joh. Leo Weisgerber, „Der Sinn des Wortes Deutsch“, 1949
 
Bild: Friesentracht des Harlinger- und Wangerlandes um 1500. Die Trachten der Frauen im Reiderland waren ähnlich (Heimatmus. Peldemühle, Esens) Diese Frauen krochen nie zu Kreuze, sie blieben im Innern freie, kirchlich ungebeugte, stolze Germaninnen. -- „Kein Volk der Welt auf ähnlicher Kulturstufe hat den Frauen einen derart hohen Rang eingeräumt wie die Germanen.“ - Rudolf Much (1862-1936) Midiävist, Altphilologe, Religionswissenschaftler. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der Germanischen Altertumskunde und Sprachwissenschaft im heutigen Sinn.