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23.09.2022

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Abb. 1: oben: Muiredach-Hochkreuz, auf Friedhof - Abb. 2: unten: Durrow-Hochkreuz in der Abtei. Der Weltengott, nicht der „Gekreuzigte“, Jesus-Christus, trägt die Sinnbilder von Sonnenspiral-Säule und Kreuz-Säule in Händen, denn das christenkirchliche Kreuz-Symbol wurde als das neue, im geistigen Sinne welterhaltende Stützelement gedacht und gedeutet.

„Muiredach's High-Cross“ ist ein Hochkreuz (neben zwei weiteren) aus dem 9./10. Jahrhundert, das sich an der Klosterruine Monasterboice in der irischen Grafschaft Louth befindet. Das Kreuz von Muiredach ist das technisch beeindruckendste erhaltene Beispiel frühmittelalterlicher irischer Steinmetzarbeiten. Aus der Symbolik der Kreuze lernen wir einige Denk- und Betrachtungsweisen der frühmittelalterlichen Christenmenschen. Diese Hochkreuze sind zumeist an frühen Kirchenstandorten zu finden und können entweder schlicht oder verziert sein. Hochkreuze dienten einer Vielzahl von Funktionen, einschließlich liturgischer, zeremonieller und symbolischer Verwendung. Sie wurden auch als Markierungen für ein Heiligtum um eine Kirche herum verwendet; sowie Schwerpunkte für Märkte, die um Kirchenstandorte wuchsen. Die „größten“, oder „klassischen“, irischen Hochkreuze befinden sich in der Durrow-Abbey, der Abbey of Kells und in Monasterboice. Diese Hochkreuze sind mit Tafeln biblischer Themen geschmückt und beschriftet. Von wo die spätantike irische Beeinflussung erfolgte, von Rom, Alexandria, dem Vorderen Orient oder im 8. Jh. von England aus, ist ungewiss. Es ist anzunehmen, dass diese Kreuze bunt bemalt waren, wie da in der Antike üblich war. Bei solch hohen Kreuzen neigt die Ostseite dazu, Szenen aus dem sog. „Alten Testament“ und dem „Buch der Offenbarung“ zu zeigen, während die Westwand Szenen aus dem sog. „Neuen Testament“ zeigt. Hochkreuze können anhand der Inschriften, die sie tragen, datiert werden. Schwierig ist es, die Mehrheit der schlichten und unverzierten Hochkreuze zu datieren. Die frühesten irischen Hochkreuze in Kinnity, County Offaly, wurden auf 846-862 n.0 datiert. Sowohl das Kreuz von Muiredach als auch das Kreuz der „Heiligen Schrift“ in Clonmacnoice wurden auf etwa 900-920 n.0 datiert. Es wird angenommen, dass Hochkreuze als Steinversionen von verzierten Holz- oder Metallkreuzen entstanden sind; und die heute erhaltenen Steinkreuze gelten als letzte Entwicklungsphase des Hochkreuzes. Das Südkreuz von Muiredach trägt eine Inschrift auf der Unterseite der Westwand. Die Inschrift lautet: ÓR DO MUIREDACH LAS NDERNAD IN CHROS, was aus Gaeilge übersetzt „ein Gebet für Muiredach, der dieses Kreuz machen ließ“ bedeutet. Es wird angenommen, dass dieser wahrscheinlich „Muiredach mac Domhnall“ (gestorben 923) ist, der einer der berühmtesten Äbte des Klosters war. Er war auch der gewählte Abt von Armagh. Es gibt jedoch einen anderen Abt namens Muiredach , der 844 starb. Eine weitere Möglichkeit ist, dass sich Muiredach auf Muiredach mac Cathail (gestorben 867) bezieht. Das war ein König, dessen Territorium den Standort des Klosters umfasste. Das Kreuz ist etwa 5,8 m hoch; einschließlich der Basis, die 0,69 m (2 Fuß 3 Zoll) misst. Es besteht aus gelbem Sandstein. Der Hauptschaft des Kreuzes ist aus einem einzigen Sandsteinblock gehauen; Die Basis und der Deckstein auf der Oberseite sind aus separaten Steinen gesteinmetzt. Die Basis hat die Form eines Pyramidenstumpfes mit vier Seiten. Es misst 0,66 m (2 Fuß 2 Zoll) hoch und unten 1,45 m (4 Fuß 9 Zoll). Es verjüngt sich oben auf 1,12 m (3 Fuß 8 Zoll) mal 1,02 m (3 Fuß 4 Zoll). Der Hauptschacht ist rechteckig und misst 6 Fuß 6 Zoll (1,98 m) hoch; 2 Fuß 2 Zoll (0,66 m) mal 1 Fuß 8 Zoll (0,51 m) an der Unterseite. Verjüngung auf 2 Fuß 4 Zoll (0,71 m) mal 1 Fuß 7 Zoll (0,48 m) an der Spitze. Der oberste Stein oder Deckstein hat die Form eines Hauses mit einem schrägen Dach. Es wird angenommen, dass solche hausförmigen Decksteine Reliquiare darstellen könnten, die typischerweise diese Form im irischen Christentum annahmen. Die Steinmetzarbeiten sind bemerkenswert gut erhalten, besaßen aber ursprünglich noch feinere Details. Trotzdem sind bestimmte Details über Kleidung, Waffen und andere Dinge noch deutlich zu erkennen. Biblische Themen dominieren. Es gibt aber auch viele Stücke die geometrische Formen und Flechtornamente aufweisen.

Die synkretistische Bildsprache der irischen Hochkreuze

Die großen Segenshände

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Einige irische Hochkreuze thematisieren den nordischen solaren Heilbringer Helgi, mit den großen Segenshänden, im neuen Gewande als Jesus-Christus, wie er auf den bronzezeitlichen Felsritzbildern Schwedens in großer Zahl zu finden ist (Bild 3: Lauritz Baltzer No. 4 von Bräcketavlan, Schweden), ebenso vom vorkarolingischen Türsturz-Relief von Geisenheim (Bild 4: deponiert in Mus. Wiesbaden, Sammlung Nassauische Altertümer) bekannt ist, wo er als Sonnengott Frō-Freyr, mit der ihn kennzeichnenden Ing-Rune abgebildet ist und ebenso auf z.B. dem irischen Clonmacnoise-Hochkreuz (Bild 5: Museums-Original).

Die irischen Hochkreuze stammen aus einer Übergangszeit vom altheidnischen und jungchristlichen Mischbewusstsein. Der Erfolg orientalisch-jüdischen bzw. christlichen Ideenmuster, so skurril sie auch erscheinen mussten, mit ihrer Sündenvergebung, mittels des Glaubens an einen vergöttlichten Zimmermann und Sektenführers namens Jesus, wurde garantiert durch den Fanatismus und die eloquente Intellektualität hebräischer Schwärmer, die von syrischen Zentren, Alexandrien und Rom aus ihre Missionsreisen unternahmen. Vermögende jüdische Geldgeber zunächst, vom Schlage eines Marcion (ca. 95-160 n.0), später von überzeugten Schülern, unterstützten die Ausbreitung, ging es doch auch um die weltweite Predigt von jüdischen Stammesgott Jehova, die dem jüdischen Nationalgedanken immer am Herzen lag („Proselytenmacherei“). Man darf schon mit Fug und Recht von einer Übertölpelung reden, so wie der unermüdliche rabbinische Missionar, der sog. „Heilige Paulus“, es in seinen Berichten freimütig eingestand, indem er sich, um des durchschlagenden Missionserfolges willen, seinen diversen Ansprechgruppen anbiederte, ihnen zunächst nach dem Mund redete, um sie letztlich auf seine Seite zu ziehen (1. Kor. 9,19ff). Diese unehrliche Methode blieb Grundlage kirchenchristlicher Mission bis heute bei den indigenen Völkern. Die nördlichen Völker, zu denen auch die Iren zählten, wurden von der technischen Überlegenheit und scheinbaren wissenschaftlichen Überlegenheit mittelmeerischer und vorderasiatischer Stadtkulturen geblendet, mit ihren Buchreligionen und geistigen Höhen vorchristlicher Denker, wie Platon und Aristoteles und vielen anderen mehr. In dieser Phase der Überlegenheitsdemonstration des Südens wurden die Glaubenspositionen des Nordens übertrumpft, zurückgedrängt und es entstanden Mischformen der Religiostät, der Symbolik und der Liturgie, mit denen die Kirche, als Etappe zum angestrebten vollen Erfolg, sich abzufinden vermochte.

Die Doppelspirale des Sonnenweges sowie der Weltsäule/Irminsul

Kein neuzeitlicher Mensch hat vor mir und meinen Forschungsergebnissen den Sinn und die Form der Weltsäule-Irminsul gewusst, vielmehr schwelgten neuheidnische Gruppen und solche die es nur vorgaben zu sein, in den albernsten Devotionalien vor der Schnapsidee des Wilhelm Teudt, der den gebogenen orientalischen Lebensbaum und Königsbaum vom Externstein-Relief als Irminsul offerierte. Bornierte, unehrliche Möchtegern-Häuptlinge, wie RA J. Rieger verteidigten, ohne über das geringste Wissen um alteuropäische und vorderasiatische Ikonographie zu verfügen, den semitischen Lebensbaum als Logo für ihre deutsche „Artgemeinschaft“. Wie lächerlich er und seine ignoranten Anhänger sich damit in den Amtsstuben der Auguren machten, kann man sich unschwer ausmalen. Die Dattelpalme, die für die Römer als Synonym für Judea galt, steht in ikonographischer Form auf dem Wappenschild der vorgeblich erzdeutschen Gemeinschaften und etliche diesbezüglich stockblinde Autoren und Redakteure tappten und tappen bis heute, wie hypnotisiert, den einmal irrtümlich gewiesenen falschen Postulaten nach. Voran der „Ahnenerbe-Verlag“ im Dritten Reich, denn weder Herman Wirth, noch Alfred Rosenberg, oder der Urgeschichtsprofessor Julius Andree, waren imstande den Betrug zu durchschauen und richtigzustellen. Diese ganze deutsch-neuheidnische Generation der, man muss es so drastisch sagen, „Dattelpalmenanbeter“ und „Guido-List-Fantasie-Runen-Jünger“, ist nur unter größtmöglicher Nachsicht, bedingt ernst zu nehmen. Zweifellos waren viele Leute guten Willens, doch sie ließen sich mehrheitlich von Scharlatanen mit unzureichendem Kenntnisstand leiten. 

Zumindest die jährlichen Sonnenumschwünge sind durch Beobachter in den stichbandkeramischen Sonnenheiligtümern auf mitteleuropäischem und deutschem Boden, seit ca. 7.000 Jahren bekannt, wie sie in den Urkultzentren vom Isar-Donaubogen (Meisternthal, Künzig-Unternberg) sowie dem von Saale und Unstrut (Himmelsscheiben-Fundplatz Mittelberg, Goseck: ältestes Sonnenobservatorium Europas), anzutreffen sind. Die sonnenkultischen Kreisanlagen liegen nahe bei den Siedlungen, oft auf Hügeln. In Niederbayern fanden sich Kultrondelle im gewaltigen Ausmaß vom 300-800 m, ebenfalls aus dem 5. Jahrtausend v.0. Weitere Anlagen stammen aus der nordwestdeutschen Michelsberger Kultur, aus etwa 4.400-3.500, sowie der norddeutsch-urgermanischen Trichterbecherkultur, aus etwa 4.200-2.800 v.0. Die natürliche Weltbildschau, dass der jährliche Sonnengang einen Spiralweg um die Erde vorführt, in erster Jahreshälfte vom Süden aufsteigend zum Norden und in zweiter Jahreshälfte zurück in den Süden, muss eine frühe Erkenntnis nördlicher Bewohner gewesen sein, denn je näher man dem Äquator kommt, umso weniger spielen die damit verbundenen meteorologischen Umschwünge eine Rolle im Leben der Menschen. Der Sonne Lichtzunahme, Wärme, Fruchtbarkeit und Lebensglück bringende Spiralweg wurde schon in den Hochkulturzonen der nordischen Steinzeit als solcher erkannt und in Form von Spiralen, S-förmigen und gegenläufigen Wendeln, als Sinnzeichen von „Gottes Heilsweg“, aufgezeichnet. Die Doppelspirale wurde eine Metapher für die große, überall sichtbare und wirksame Weltpolarität, von Sommer-Winter, Tag-Nacht, Lebenswärme-Todeskälte, Hoch-Tief, Plus und Minus. Als verkürztes Symbol des heiligen Sonnenganges galt der einfache Sonnenkringel (Kringel.JPG), wie ihn schon der Sakralhammerkopf zeigt, aus dem irisch-megalithischen Ganggrab von Knowth, nahe Newgrange, im Boyne-Valley, das auf ca. 5.150 vor heute datiert wird. Auch Newgrange wurde um 5.150 v.0 erbaut; sie ist, mit Dowth und Knowth, eine der weltweit bedeutendsten Megalithanlagen. Ähnliche Datierungen weisen die beeindruckenden Tempel der wuchtigen, glatt geschliffenen Steinquader von Tarxien der Mittelmeerinsel Malta auf, mit den Doppelspiraldarstellungen und -friese (5.250-4.500 v.0). Unbekannt blieb, woher die Urbevölkerung Maltas ihre Impulse empfing. Natürlich ist nicht jede Neuerung auf die Mitbringsel von Eroberern zurückzuführen, Fernreisende, mit deren Kundgebungen und Kulturaustauschgütern, gab es zu allen Zeiten. Ziemlich exakt symmetrisch und korrekt in den Stein gemeißelt sind die beiden jeweils in die entgegen gesetzte Richtung gewundenen Spiralen, die sich in Haġar Qim (Malta.JPG) befinden. Bei den neolithischen Bevölkerungen - von Nord bis Süd - wurden Sonnenspiralen (z.B. Doppels.JPG + Brille_3.JPG) bedeutungsvolle religiöse Sinnzeichen. 

Die natürlichen Wanderbewegungen der Völker - nicht die imperialen, militärischen Eroberungszüge der Nationen - im euroasiatischen Großraum, gingen immer von Nord nach Süd, dem milderen Klima nach, denn den Menschen zieht es dorthin, wo er die wenigste Energie aufwenden muss, um seine Körpertemperatur zu erhalten. Auf ihren großen schon steinzeitlichen und bronzezeitlichen Expansionen in die iberische Halbinsel, die Balkanhalbinsel, nach Anatolien, den Vorderen Orient, nach Mittelasien und Indien, nahmen nordische Menschen ihre Weltanschauungen, ihren Sonnenkult, Sitten und Brauchtümer mit, so dass der solare Spiral-Symbolismus das gemeinsam verstandene Gemeingut der meisten Kulturvölker wurde. Die frühgriechisch-helladischen und orientalischen Künstler verbanden sehr bald die Idee der das Weltendach stüzenden Sonnen-Spiralsäule mit dem schlanken hohen Stamm der Dattelpalme, mit den nahrhaft-süßen Früchten, die im wörtlichen Sinne ihr Lebensbaum und ihr Königsbaum (Palmbäumchen-Zepter syrischer Fürsten) wurde. Die griechischen Tempelfirstschmuckwerke (Akroteria) und die Ionischen Säulenköpfe belegen diese Feststellung. In diesem Zusammenhang ist auch zu verstehen, warum die hohe Dattelpalme der Baum des nordischen Sonnengeistes Apollon wurde. Dass der Himmel mittels einer Tragesäule, im hohen Norden unter dem Nordstern, gestützt werden müsse, war gängige Auffassung der verschiedensten Völker. Von den Kelten an der Donau ist belegt, dass sie dem Makedonenkönig Alexander der Große sagten, sie würden nur eines fürchten, dass der Himmel über ihnen einfalle. Der Grönlandmissionar Poul Egede (1708-1789) berichtete von dem häufig gehörten Bedenken der Eskimos, dass der Himmel herbfallen könnte, wenn die ihn tragende Stütze vefault wäre oder aus anderen Gründen zu fallen drohe. Jende plausible Vorstellung, der über die Himmelsstütze laufende Sonnenbahn, führte zur Kombination von Säule und darüber liegenden Doppelspirale, wie es das urnordisch-bohusläner Felsritzbild der Abb. 13 vorführt, das ich als Prototypen der germ. Irminsul betrachte. Schon die westindogermanischen, anatolischen Hethiter nutzen für den Begriff „Himmel“ die Kurzform der Doppelspirale über dem Säulenzeichen. Protoanatolisch und Hethitisch gehören, mit dem Griechischen, Keltischen, Germanischen, Italischem (Latein), zum westlichen Zweig des Indogermanischen, also zu den Kentum-Sprachen.

Brillenspiralen sind also bei den Völkern Zentraleuropas schon in der Kupfersteinzeit bekannt, beispielsweise als Haar- oder Hals- bzw. Hängeschmuck. Bei den Germanen findet man Doppelspiralmotive und Brillenspiralen massiert in der Jüngeren Bronzezeit (1.300-800 v.0) bis zur Völkerwanderungsphase und skandinavischen Karolingerzeit (Goldbrakteaten). In der frühen Bronzezeit (1.700 v.0) trugen Frauen in Niederbayern bis zu Frauenidolen in Kanaan die Doppelspirale als Halsketten-Schmuckanhänger. Die Spirale war längst zum Zeichen der ewigen Wiederkehr von Geburt, Tod und Wiedergeburt gediehen. Thrakische und tessalische Frauenidole tragen die Doppelspirale als Schoßzeichen, denn aus der Vulva kehrt das Leben in den irdischen Kreislauf zurück.


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Abb. 6, 7, 8: Kulthammer-Kopf, mit Spiralsymbolik und dem Sonnenkringel (Kringel.JPG), von Knowth in Irland; Alter: ca. 5.000 Jahre. Um das Spiralprinzip des Hammerkopfes deutlich zu machen, schuf ich das Holzmodell (Abb. 8). Denkt man sich den Hammer-Stiel als Weltenstütz-Säule, breitet sich über ihr, auf den beiden Hammerseiten die Spiralen aus, denn eine Spirale mündet in das obere Schaftloch, während die zweite in das untere einmündet.

Für den der das Wissen und den Blick für die Irminsul-Erkennung entwickelt hat, finden sich geradezu massenhafte auf uns gekommene Darstellungen auf bronzezeitlichen Felsbilderwänden Skandinaviens, Kult- und Schmuckgegenständen, auf Fibeln, frühmittelalterlichen fränkischen Grabsteinen, hochmittelalterlich-gotländischen Taufstein-Reliefs, kirchlichen Tympani und Kapitellen; zuweilen vermischen sie sich mit dem kirchlich favorisierten Rankenwerk von Weinstock- und Lebensbaummotivanklängen. Im Besonderen war es die langobardische Kunst in Italien, die die altgläubigen Heilszeichen der Sonnenweg-Spiralen der Weltensäule mit der christlichen Kreuz- sowie Lebensbaum-Idee verquickten und daraus einen ungemein reichen, vielgestaltigen Bilderfundes entwickelten. Die langobardischen Bauhütten, nach der fränkischen Eroberung der langobardischen Fürstentümer im ganzen karolingischen Reich bald aktiv werdend, reichten ihre Ideenmuster an die Bauhütten der romanischen Kathedralen des West- und Ostfrankenreiches weiter.

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Abb. 10: Bronzezeitliche Gewandspange aus Västergötland, mit dem doppelspiraligen Sonnen-Heilsweg - Abb. 11: Kreuz von der St. Bridget-Quelle in Cliffoney, Irland - Abb. 12: Grobe Nachzeichnung des St Bridget's Cross, mit der Verbindung von Kreuz-Säule und der altgläubigen Sonnenweg-Doppelspirale.

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Abb. 13: Bronzezeitliche Ur-Spiralsäule (mit davor vollzogenem Stieropfer), Region Kasen, Bohuslän, Schweden - Abb. 14: Die als Missions-Trophäe verschleppte altsächsische Irminsul von Obermarsberg als Zentralsäule („Christussäule“) der Krypta Michaelskapelle in Fulda - Abb. 15: Weltsäulenkopf mit Sonnenhirsch auf Reliefstein der in altheidnischen  Traditionen stehenden Bogumilen, Adriaküste bei Cista Provo.

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 Oben links u. rechts Abb. 16: Bronzezeitliche Plattenfibel von „Vegstorp i Kareby“, Bohuslän, Schweden, aus Oscar Montelius, „Bohuslänska Fornsaker“, Stockholm, 1877, Fig. 8a, mit den Sonnenkreisen, den Sonnenzeichen, den Sonnen-S-Zeichen und den Sonnensäulen. - Unten links Abb. 17: Irminsuldarstellung auf Kapitell des 10./11. Jhs. der Krypta-Säulen des „St. Peter und Paul“-Domes zu Zeitz. - Unten rechts Abb. 14: Irminsulmotiv im Würfelkapitell der Krypta der Stiftskirche St. Servatius in Quedinburg.

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Oben links Abb. 18: Weltensäule-Detail der silbervergoldeten Haithabu-Spange, des 8. Jhs., im Landesmus. Schloss Gottorf. - Oben rechts Abb. 19: Völkerwanderungszeitliche (4. Jh.) silbervergoldete Spange, die die Sonne und ihre Sonnen-Weltsäule darstellt, von Vennebo, Roasjö, Westgotland, Mus. Stockholm. - Unten links Abb. 20: Silbervergoldeter Anhänger mit der Weltensäule und zwei Doppelwendel-Sinnzeichen des jährlichen Sonnenweges und Sonnenzeichen. Aus den langobardischen Füstengräbern des 3. Jhs. von Sakrau (poln. Zakrzów), Schlesien, 20 km nördli. v. Breslau (aus Dr. Grempler, „Der II. und III. Fund von Sackrau“, für Museum schlesischer Altertümer in Breslau, 1888, Tafel II.) Eine Schmuckweise der Granulation wurde angewendet, mittels zahlloser Goldkörnchen. - Unten rechts Abb. 21: NordeiDr. Grempler, „Der II. und III. Fund von Sackrau“, für Museum schlesischer Altertümer in Breslau, 1888, Tafel II.ngang-Tympanon der kleinen Kirche zu Grebhena-Zwochau, nordwestl. von Leipzig.

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Oben Abb. 22: Türstein aus der Franziskanergasse zu Würzburg, um 1100. - Unten Abb. 23: Würzburg, Gerbrunner Weg 22. - Beide Mus. Würzburg. In der kirchenchristlichen Kultsymbolik wurde aus Propagandagründen die heidnische Sonnenspiralsäule immer schmächtiger, im Vergleich mit dem klotzigen Kreuzzeichen, dargestellt, denn das Kreuz sollte im Bewusstsein der Gläubigen die Weltstützen-Idee ersetzen. Der katholisch gesinnte, aber solide Kenner der Bauplastik des Würzburger Domes, Rudolf Edwin Kuhn, in „Die Bauornamentik des St. Kiliansdomes in Würzburg um die Zeit des heiligen Bruno“ schreibt von St. Bruno (um 1005-1045), der unter den deutschen Kaisern Konrad II. und Heinrich III. „Italischer Kanzler“ war und sich als Kirchenbauer hervortat, dass er aus Italien lombardisch-langobardische Werkleute für den Dombau zu Würzburg mitbrachte: „Die Nachfahren eines germanischen Stammes hatten eine besondere Begabung für die Ornamentik, und zwar - wie wir noch sehen werden - keineswegs als Zierde allein, sondern auch mit einer religiösen Bedeutung. Sie reicht von ihrer noch heidnischen, dann ihrer arianischen, bis in ihre römisch-katholische Zeit. Als Ornamentspezialisten waren sie in ganz Westeuropa tätig bis hinauf nach Lund in Schweden.“ Dort am Dom zu Lund finden sich genau die gleichen Lebensbaum-Kapitellbilder wie wir es von Agister- bzw. Externstein-Kreuzabnahmerelief her kennen. „Das Heidentum und seine Vorstellungen des Baum- und Quellkultes“, schreibt Kuhn weiter, „waren in Franken latent noch fast bis zum Hochmittelalter vorhanden, wobei die Sachsenumsiedlungen Karls des Großen ebenfalls eine Rolle spielten. … So hat denn gerade in Franken der Baum- und Quellkult noch spät eine Wirkung gehabt, und St. Bruno gelang es, gerade am und im Dom, den heidnischen Lebensbaum ,Irminsul‘, durch das Kreuz zu erfüllen, also zu christianisieren.“ Hier zeigt sich, dass auch Kuhn den orientalisch-christlichen Lebensbaum von der nordisch-heidnischen Himmelssäule nicht zu unterscheiden verstand; er deutete irrtümlich Würzburger Spiralsäulen-Bilder als Lebensbaum-Darstellungen. Es ging mir an dieser Stelle jedoch allein um die Herkunftsdeutung der sakralen und profanen mittelalterlichen Würzburger Steindenkmäler. 

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Oben Abb, 23: Die nordjütländische mittelalterliche Kirche von Falslev, auf Südseite vom Mariager-Fjord, wurde ums Jahr 1100 aus Granitblöcken errichtet. Das Nordportal zeigt ein Bogenfeld, das von der Weltsäule gestützt wird und über das die Sonnen-Spiralbahn läuft. Zwei Tiere, Löwe und Bär, flankieren huldigend die „heidnischen“ Säule. - Unten links und rechts Abb. 24 + 25: Der normannische Taufstein in St. Mungo‘s Kirche Dearham, Cumberland, England, aus 11./12. Jh. Die Reliefs zeigen den Spiral-Sonnenweg, gegen den der Drachen-Teufel und der mythologisch bekannte Sonnenwolf züngeln, mit der bösen Absicht, ihn letztlich zu verschlingen.

Den nördlichen Völkern, zu denen auch die in die Balkanhalbinsel eingewanderten mykenischen Frühgriechen zählten, kannten den Weltsäulenkult der sonnenspiraligen kosmischen Welterhaltungssäule im höchsten Norden unter dem Nordstern, um den sich scheinbar ersichtlich der Sternenhimmel wie eine Käseglocke drehte. Die ironischen Griechen schufen aus dieser Anschauung ihre ionischen Säulen-Kapitelle und ihre Akroterien auf den mit Palmblattranken verzierten Tempelfirsten. Ein Prototyp solcher Himmelssäulen, bestehend aus dem statischen Himmelsstützelement und dem aufliegenden doppelspiraligen jährlichen Sonnenweg, fand ich in der frühbronzezeitlichen Felsbilderregion Kasen von Bohuslän Südwestschwedens. Sogar das Stieropfer, von dem der Atlantis-Bericht Platons spricht, findet sich im Klasen-Bildnis dargestellt. Die Altsachsen sprachen, wenn sie die Himmelssäule meinten, von einer „Irminsul“, ein Terminus für „mächtige, gewaltige Säule“. An den sog. „romanischen Kirchenbauten“, die eigentlich korrekt nicht romanisch, vielmehr frühmittelalterlich-germanisch genannt werden müssten, finden wir bis heute erhalten zahlreiche Zeugnisse von Irminsulen oder Abbildungen mit Irminsul-Anklängen, d.h. Symbolismen die aus Irminsul-Vorstellungen künstlerich-verklärend abgeleitet wurden. Das heidnisch-sächsische Irminsul-Zentralheiligtum hat Karl der rigorose Frankenkönig (748-814) im Sommer des Jahres 772 zerstören, durch Abt Sturmius vom Kloster Fulda beiseite schaffen und später von seinen Gehilfen beim Glaubensumbruch, nach Fulda abtransportieren lassen, wo es als verkürztes Rudiment der zentralen „Christussäule“ der Michaelskapellen-Krypta bis heute beschaut werden kann.