16.12.2025

Mütternacht_gut.JPG

Leuchtende Bechta / Luzia im alemannisch-elsäßischen Weihnachtsbrauchtum

Mit lautlosem Mitternachts-Stundenschlag
entfaltet sich heimlich der neue Tag.
Aus der jahresmitternächtigen Mütternacht
wird der Funke des jungen Jahres entfacht.
Dass die Urmutter zur Urzeit die Welt gebar,
dem gedenken die Weihenächte Jahr für Jahr.
Das Licht der Welt und des Lebens entsprang
dem Schoß der Mutter zum Schöpfungsanfang.
So trägt jeder Mutternachts-Jahresbeginn
den Welt-Werdemoment als wahren Feiersinn.

Jede Weihnacht mag die Licht-Mutter ehren,
als Geburtsgöttin wird sie das Jahr gebären.
Die Weitmutter führte im kultischen Rahmen
zur römischen Zeit die zierenden Namen:
Sie war Aphrodite, Venus, Eileithyia, Diana,
war die älteste der Moiren und Juno-Lucina.
Zur feienden Juno-Lucina riefen die Frauen,
jede Entbindung konnte man ihr anvertrauen.
Sie ist Göttin der Jahresgeburt geblieben,
licht-bringende Fee, die die Kinder lieben;
sie blieb der holde, der bescherende Geist,
den der Beschenkte am Heiligen Abend preist.
In der Wendenacht, Mutternacht, „Modranicht“,
da gebiert sie und bringt sie das neue Licht.
Da erblüht der lieblichste Brauchtumsstrauß,
die Venus, Frau Holde, heiligt Haus für Haus,
Mutter Berchte, Perchte besucht die Stuben,
beschenkt Große und Kleine, Mädel und Buben;
die heilige Lucia, Luzia, Lutzen, Lussibrud
trägt die Lichterkrone, die zündende Glut,
sie geht von Hof zu Hof und spendet den Trank,
sie wallt im weißen Gewande so blendend blank.
Der „Luchiendach“ galt einst als Jahresende,
man feierte zur „Lussinacht“ die Winterwende.
Ob sie als Feen-Führerin alleine erscheint
oder zur Dreiheit der Parzen/Nornen vereint,
das ist von Kultraum zu Kultraum verschieden;
manch‘ biederer Brauch wurd‘ später gemieden;
viele sinnreiche Sitten versanken verformt
in ein künstliches Denk-Konzept eingenormt.

Im Mittelalter hat man die Menschen bedrängt,
über Brauchtum Beichten und Büßen verhängt.
Bis zur Neuzeit langte das lauernde Fragen
und der Umerzieher untröstliches Klagen:
Mit der Muttermilch schien es sich zu vererben,
Altglaube wollte und wollte nicht sterben.
Von der Mutter zur Tochter weiter erhalten
konnte Liebe zum Brauchtum nimmer erkalten.

Zur „Nacht der Mütter“ am Heiligen Abend
empfing die Hausfrau die Huldreichen labend,
den „Drei Schwestern“ wurde der Tisch gedeckt,
mit kündenden Kerzen festlich besteckt;
eine Weiheschale wahrte den Weißbrotzopf,
und der Weihnachtsbrei dampfte im Walletopf.
Drei Messerchen luden die Mütter zum Mahl,
drei Segenssteinchen verlangte das Ritual.
Glut scheint verborgen, in Steinen versunken,
denn aus kaltem Kiesel entfliegt der Funken.
Ist dies die Bedeutung zu gebärender Stunde ?
Den verkappten Sinn kündet keine Kunde !

Zum Geburtsfest der Sonne und ihres Segens
gehört die Göttin der Geburt und des Hegens.
Ihr dreifaches Selbst in sämtlichen Zeiten,
ihre Töchter, müssen die Mutter begleiten.
Im Einst, im Jetzt und im kommenden Morgen,
da gaben, da geben sie Segen und Sorgen.
Das war schon des arischen Urvolkes Glauben,
ihn konnte kein Bruch, kein Umsturz rauben.
Von Alt-Indien bis Irland das gleiche Maß:
In Indien die Mamas, die göttlichen Ambas;
in Germanien die Nornen, die heiligen Disen,
in Gallien wurden drei Matronen gepriesen;
die römischen Parzen, der Griechen Moiren,
waren nicht zu vergessen, nicht zu verlieren.
An den Feen hing das Volk mit vielen Lieben,
bis heut‘ sind die Ewigen Mütter geblieben.

Kein Sturm hat den Faden zerrissen, verweht,
in den Jungfrauen „Warbed – Einbed - Wilbed“,
in uns‘ren Heiligen Madeln, den „Drei Marien“,
ist heidnischer Volksglauben weiter gediehen.

Zur hochheiligen Frau gehör‘n ihre Frauen,-
wer der Mutter traut, muss den Müttern trauen.
Mit der germanischen Gottesmutter, der Frigga,
fahren die „Sinthgunt, Fulla und Sunna“;
drei göttliche Schwestern mit guten Gaben,
an denen sich gern ihre Schützlinge laben.
Immer wieder sind es drei weibliche Wesen,
die Fügung und Fatum den Menschen erlesen,
die der Göttin helfen in deren Geschäften
mit all ihren guten, den göttlichen Kräften.
Dass drei Schwestern mit ihrer Mutter walten,
das mochte sich bis in die Neuzeit erhalten.

Im Glauben der Nachbarn der Nordgermanen
bewahrt‘ sich auch Glauben der eigenen Ahnen:
Die Madder Akka, Stammutter, mütterliche Erde,
sie hütet die Flammen des Lebens am Herde,
den Totenseelen weist sie die rettende Furt,
die Körperkleider webt sie zur Wiedergeburt.
Die Amba, Ana-Anu-Anna, die Akka, gibt Leben,
ihr sind drei Töchter, die Akkas, beigegeben.
Die Anna-neptis sind die Schwestern im Anger;
Muttergrund liegt geburtenschwer schwanger.
Für die Angermutter wurde ein Opfer gegossen,
das hat sie, die Akka, zur Julzeit genossen.
Auch die Altrömer einst im Fest Angeronalia
priesen jene, die Sonne und Zeiten gebar.
Es wurde die „Diva Angerona“ gefeiert, verehrt,
wenn der Sonnenweg wieder nach Norden kehrt.

Bis heut‘ blieb ein Brauchtumsrest bestehen,
die Lichtmutter ließ sich zum Lichtkind drehen
das weiß als Licht-Fee, die Wunder zu mehren,
will Kindern die Weihnachtsgaben bescheren.
Durch den Winterwald wallet sie manche Meile,
besucht weiteste Weiler zur weihenden Weile.
Von Hof zu Hof zieht sie, von Hütte zu Haus,
zur kümmerlichsten Kate kommt sie hinaus.
Dann pocht an die Pforten die Segensgestalt,
und sie erscheint zum weihenden Aufenthalt.
Im feierlichsten Frauengewand tritt sie ein,
sie strahlt in die Stuben den seligsten Schein.
Ihr Gesicht ist vom weißen Schleier verklärt,
wenn in Heiliger Nacht sie zu Menschen fährt.
Die Lebensrute hält sie zum heilenden Hieb,
solcher Schlag ist den Alten und Jungen lieb.
Des geflochtenen Birkenzweigs zarter Streich
macht sie alle an Glück und Gedeihen so reich.
Wie man auch der Weihnacht Weibwesen nennt,
das das Volk als Licht-Fee und Christkind kennt,
als „Fru Gode, Fraache, Bechte, Hulle, Holte“,
sie spielt stets Frau Friggas göttliche Rolle.

Göttinnen sind Gleichnisse für das Gebären,
das mütterliche Mühen, das Neigen und Nähren.
Den magischsten Moment mütterlicher Macht
meint die Mitternacht jährlicher Mütternacht.
Da gebiert die Göttin den göttlichen Glanz,
sie knüpft wieder des ewigen Werdens Kranz.
Die Sonne gebiert sie, die Zeit, das Jahr,
in verschwiegener Nacht ganz unwahrnehmbar.
All die Kultspiele der Wintersonnwend-Sitten
stell‘n die Mütter der Welt in ehrende Mitten;
die große Mutter und ihre Töchter, die Mütter;
jede Menschenmutter ihr Span, ihr Splitter.

Die Allmutter hat in tiefster, in heiligster Nacht
den heilbringenden Heiland hervorgebracht.
Der Gottheit Geburtsgesang ist zu erfahren,
ein Weihnachtslied wusste die Edda zu wahren.
Der Helgi-Hymnus hütet jene würdigen Weisen,
die den Mächtigen mit seinen Müttern preisen:
Als zu Urzeiten Anfang die Welten begannen,
von den Himmelshöhen weihende Wasser rannen,
da gebar die Gottmutter den Hochgemuten,
da erglommen im Glanzhain beglückende Gluten.
Noch währte die Nacht, als die Nornen kamen,
dem Königskind kürten sie Krone und Namen;
sie schnürten schimmernde Schicksalsbande,
webten güld‘nes Gespinst über alle Lande.
In die Fäden der Fügung knüpften sie Knoten,
die den Zeiten der Zukunft Ziele geboten.
In‘s Werde-Gewebe woben sie Glückes-Zwänge,
mit der Höhe verhaftet durch starke Stränge.
Drei Seile des Segens vom Himmel gespannt,
haben Sonnenheil über den Erdkreis gebannt.
Nach Norden warf eine Schwester die Schnur,
die legte des Lichtweges leuchtende Spur;
sie bestimmte die Bahn zum Nordberg hinauf,
den Anstieg zum Lichtsieg, zum Sonnenstauf.
So rolle nun, Glanzleib, du herrliches Rad,
über Gärten und Geesten den Götterpfad.
All die Weltweiten zwischen Wellen und Wind,
die wiesen die Mütter dem mächtigen Kind,
dass der starke Spross des Himmels und der Erde
einst sein Erbgut auf ewig erlösen werde.
Ihm verhieß Gott-Vater sämtliche Gaue:
den Sonnenberg, die Hochflur, die Himmelsaue,
den Schneeberg, das Ringheim, das Siegefeld,
all die Zonen unter dem himmlischen Zelt.
Es reinige sein Weltreich der rettende Same,
Herr, Heiland und Helgi, so sei sein Name.
Er leite ins Licht sein Land und sein Lehen,
das spannen die Schwestern, fügten die Feen.
Der Sohn ist gesandt zu Nutzen und Frommen,
mit ihm ist das Jahr der Gottheit gekommen.
Lichtsieg und Heil hebt an diese Stunde,
das ist der Friedensnacht freudvolle Kunde !

Heißt das Glanzkind nun Helgi oder Heliand,
vom Himmelsvater ist es hernieder gesandt,
aus der Allmutter Erde ist es geboren,
zum Lichtbringer-Heiland ward es erkoren:
zum Heilbringer-Helden gleich Helios-Heros,
wie der Aion, wie Apollo, Zeus und Dionysos,
wie Mithras, Agni, wie Ingvi-Fro und Indra,
wie Horus-Osiris und Wischnu-Hari-Krischna.

Der Sonnenball, der sich den Bergen entringt,
der Feuerfunke, der aus dem Felsen springt,-
so entsteigt der Lichtsohn dem Muttergestein,
Naturbild und Mythos stimmen gut überein.

Die Botschaft der HEILIGEN NACHT ist klar,
sie ist wahrhaftig und uralt und wunderbar.
Was zur Mutternacht geschah, war niemals tabu:
„Die Kore hat geboren, das Licht nimmt zu !“
Aus der Jungfrau ist der Aion auferstanden,
jetzt bringt er sein Sonnenheil allen Landen.
Sein Kultbild trug goldene Kreuzeszeichen,
den Sonnensinn zierend zu unterstreichen.
Als Mutter Indras galt die Neujahrsnacht,
die Wendenacht hat auch den Mithras gebracht.
Aus gebärender Felsmasse rang er sich frei;
froh eilten vom Felde die Hirten herbei.
Schon hielt er die Fackel in starken Händen,
um die Finsternis dieser Zeiten zu wenden.
Das glänzende Kind mit den goldenen Haaren
wird das Urlicht des Guten-Hellen bewahren.
Die erdhafte Aditi erschuf sonnenhaften Agni,
die Wintererde Rinda den Bui-Ali-Vali, Ingvi.
Aus Gäa-Rea-Hera ging das Zeus-Kind hervor,
aus Nerthus-Gerda-Jörd der Taggott Tiu-Thor.
Aus Erdmutter Isis der Harpokrates entspross,
die Erdgöttin Semele empfing den Dionysos.
Das Knäblein in Korb, Kästchen und Krippe,
der Liknites in der Getreidewiege, -Wippe,
der gottgesandte Prinz in glänzender Pracht,
zwischen gelber Garben köstlicher Fracht,
so erschien auch Skeaf auf goldenen Schauben,
als königliches Kind im nordischen Glauben.
Sein Schiff oder Schild erreichte den Strand
durch des huldreichen Gottes steuernde Hand.
Dies Kornkind, der Glücks- und Segenssender,
ein rühmlicher, rätlicher Reichtumsspender,
entspricht dem heiligen Heilbringer-Helden,
von dem Mythen und Mären in Menge melden.
Einst erblühten die Lieder der Bhagavadgita,
sie singen vom seligen Erlöserkind Krischna.
Des Hohen, Erhabenen allerhehrster Gesang
von überragendem, niemals erreichtem Rang,
tief weisen Trachtens tröstlichste Triebe:
das Lied von Erlösung durch Gottesliebe.
Der göttliche Urgeist, er singt und spricht,
des Krischnas Lehre ist Leitstern zum Licht.
Sein Vater Vischnu-Vasudeva das All ersann,
Prajapati, der Schöpfer, der Weitzimmermann.
Gottvater - Gottsohn, sie sind eine Person,
Mutter Maya ist Teil dieser höchsten Union.
Drei geschiedene Kräfte, und doch eine Macht,
wie wäre Gott Krischna würdiger gedacht ?!
Aus Aditi-Devaki, der Maya, ist er gekommen;
er wird wiederkehren, so hoffen die Frommen.

Er wird der Bosheit Oberwindung und Bindung,
dies war auch Zarathustras frohe Verkündung:
Des Sonnengeistes Erdankunft möge geschehen,
das war des Altglaubens Hoffen und Flehen !

Das Kind ist geboren, erwacht ist das Licht,
der Dunkelheits-Dämon doch schlummert nicht.
Junges Leben liegt immer in vielen Gefahren,
ängstlich sind Frauen, die Frucht zu bewahren.
Wie mühen sich Mütter, ihr Kind zu beschützen,
die zarten Sprossen zu stärken, zu stützen.
All die göttlichen Kinder verfolgt ein Feind,
der als lebenzerstörendes Zentrum erscheint.

Auch das Krischna-Kind wurd‘ zu töten gesucht,
vor König Kamsa ist es auf glücklicher Flucht.
Der bangt um Herrschaft, um Macht und Thron,
deshalb giert er zu morden den Schwestersohn.
Und er hört seiner Räte gar schaurigen Rat,
er schickt seine Schächter zur Schreckenstat.
Schon hasten die Häscher von Haus zu Haus,
ihre Messer, sie mahlen im gräulichen Graus.
Um das eine, das göttliche Kind zu erreichen,
sollen Mägdlein und Knäblein alle erbleichen.

Wie Devaki so gramvoll den Krischna umbangte,
auch die Leto in Ängsten nach Delos gelangte;
vor dem Erd-Drachen Python und seinem Groll
verbarg sie die Kindlein, - den lichten Apoll.
So entfloh auch die Isis, dem Seth zu entgehen,
auf schützender Schilfinsel kam sie in Wehen.
In schwerster Stunde, - schmerzüberschauert,
lag sie vom schleichenden Schaitan umlauert.
Sie hielt vor dem würgenden Wurm sich in Hut,
so gebar sie den Horus, die Göttliche Glut.
Und Rhea, dem geifernden Gatten zum Spotte,
beschirmte den Zeus in der kretischen Grotte.
Sie bat die Kureten, zu klirren, zu schwärmen,
um das Greinen des Knäbleins zu überlärmen.
Obwohl sie den Sohn mit dem Stein vertauschte,
trotzdem lugte der listige Kronos und lauschte.
Seine Kinder wollte er sämtlich verschlingen,
keines sollte um Krone und Zepter ihn bringen.

Also all diesen göttlichen Kindern hienieden
sind Nöte, Gefährdung, Verfolgung beschieden.
Ist des Übels Urgrund auch ungleicher Art,
es schlägt nach den schuldlosen Kindlein zart.
Eine grimmige Bestie bringt eiskaltes Grauen,
das Böse greifet mit gierigen Klauen,
Geißel und Gift dem Gedeihen, ist sein Gebot,
es ist das Alte, Dunkle, der Teufel, der Tod.
Er heischt Hader und Hass jedem heilen Hoffen,
das tröstende Licht wird doch nimmer getroffen.
Das sprossende Leben ist nicht zu besiegen,
froh und frei werden bald seine Banner fliegen.
Als ein Zeichen für diese gefahrvollen Zeiten
wollt‘ der Kalender uns ein Gedenken bereiten.
Wenige Tage nach der Mutter- und Wendenacht
wird „Unschuld‘ger Kinder“ im Feste gedacht.

Die Mutter Erde ist Ahnfrau aller Wesen,
sie lässt sie vom Tode und Leben genesen.
In ihr geh‘n die Wesen ermattet zur Ruh‘,
sie deckt sie mit schützendem Mantel zu.
Aus ihr steigt das Leben wieder herauf
und beginnt aufs neue den irdischen Lauf.
Es schläft im Schoße des Ackers der Ahn,
erst im Enkel erwacht er zur jungen Bahn.
Der Erdenbauch gebiert die Gebilde nur,
der Erdstoff nährt jegliche Kreatur.
Die Erdfrau, die die Geschöpfe erschafft
aus schier unerschöpflicher Lebenskraft,
sie gibt Geschlechtern Blut und Gebein,
so schenkt sie den Sippen das ewige Sein.

Das allhegende, allnährende HEIMATLAND,
als die göttliche Mutter ward es erkannt.
Gleich der Amme, die ihre Kindlein wiegt,
so die Landesgöttin verleiblicht liegt,
in den Auen, den Almen, dem Ackergrund,
in Seen und Bergen gibt sie sich kund,
in Fluren und Flüssen, im Fruchtgefild‘
erschaute der Mensch seiner Mutter Bild.

In den Armen der Mutter ruhen die Manen,
die Toten, die seligen Seelen der Ahnen.
Da hausen sie unter Steinen und Soden,
in den Hügeln der Heimat, im Sippenboden.
Die Gräberstätte, der schlingende Schlund
und des Saatfeldes fruchtgebärender Mund,
des Schollenschoßes schwangeren Schründe
sind der einen Göttin Grüfte und Gründe.
Die hehre Herrin, sie hehlt und heut,
sie birgt und gebiert, vereint und teilt.

Ihr Name war Terra Mater, Tellus, Titäa
oder Demeter-Ceres, Nerthus, Gerda, Gäa.
Nur Wortklänge schwanken im Zeitenstrom,
doch ein Erdmutterfest im einstigen Rom
stand genauso im kosmischen Jahresende,
wie die „Nacht der Mutter“ zur Winterwende,
die die kerngermanischen Völker kannten,
unsere nahen nordischen Vorverwandten.

Das bunte, biedere Mütterchen Erde,
es meistert das Muss vom Stirb-und-Werde.
Es mag sich aus magischer Macht verjüngen
in endlosen, lebenserneuernden Sprüngen.
Es erglänzt im jugendfrischen Geschmeid‘,
nie dreht es sich lange im alten Kleid.
Wenn die Flut verebbt, ein Glanz ergraut,
so wechselt das Weltweib die welke Haut,
im rastlos sich selbst gebärenden Gange,
wie die weise, todüberwindende SCHLANGE,
die das Kräutlein ewigen Lebens kennt,
die es besitzt, dies geheimeste Element,
die jährlich der alten Haut entschlüpft,
die immer neue Knoten des Lebens knüpft,
die ihr Ende mit dem Anfang verbindet,
deren Kunst nie endende Kraft verkündet,
die sich renkt zum verheißenden Ringe,
sie bürgt für die Neugeburt irdischer Dinge.

Die Tiefen des Todes, - des Daseins Turm
verbindet der schwere, schlüpfrige Wurm;
leichtfüßig wie Wasser und erdenschwer,
ist er Symbol für die „Ewige Wiederkehr“,
für Ebbe und Flut, für Fallen und Steigen,
für den Rundweg im unentrinnbaren Reigen.
Die Schlange ist Sinnbild für den Kreis,
der hinauf und hinab sich zu schwingen weiß.
Sie galt als Metapher mütterlicher Macht,
die als Ur-Materie alles hervorgebracht.

Was farbig vielfältige Fülle verbirgt:
Aus Wasser und Erde sind Wesen gewirkt.
Wo beide in Menge vermischt sich finden,
wo Mutters Ur-Stoffe sich verbinden,
im feuchten Boden, im Moor und Morast,
dort meint‘ der Mythos Mutters Palast.
Da sucht das Gleichnis der Göttin Revier,
Frau Frea wohnt im Fennsaal, in „Fensalir“.