09.08.2025

Totenschiff_letzt.JPG

HELDEN-GEDENKEN

Wie die bunten Blätter fallen,
von den stärksten Eichen-Bäumen,
fallen auch die größten Helden,
aus den kühnsten Lebens-Träumen.

Sank ein Kamerad zu Boden,
schwören seine Kampf-Genossen,
seinen Taten treu zu bleiben -,
das Minne-Bier war schon geflossen.

Dreißig Männer stehn im Kreise:
„Lieber Freund wir sehn uns wieder,
in Walhallas hohen Hallen“,
schallen ihre rauen Lieder.

In den Fäusten dreißig Schwerter,
klopfen an der Schilde Häute,
dröhnend steigt es zu den Sternen,
so klingt Wikinger-Geläute.

Die Freunde fassen seine Bahre,
geschmückt liegt er in roter Robe,
wie zur heiligen Hochzeits-Feier,
so geschieht‘s zu Odins Lobe.

Man hebt ihn über Bord des Bootes,
darin lodern schon die Flammen:
„Fahr' hinüber nach den Geistern,
woher unsere Götter stammen !“

Und das Boot wippt in die Nebel,
Feuerschein glänzt auf den Wellen,
Brände löschen die Strukturen,
um die Seelen freizustellen.

Das wahre Wesen aller Dinge
sind wohl körperlose Schemen.
Drum wär‘s unmännlich und sinnlos,
dass wir uns um Tote grämen.

Kraft gibt jedes Held-Gedenken,
Mut und Tatensinn fürs Leben.
Wir Wikinger denken im Realen
Trutz und Trank wird’s immer geben.

Das germanische Ahnengedenken oder Allerseelengedenken wurde im Winteranfangsopfer (vetrarnattáblót) vollzogen. Die Erwähnung ist in Snorris Ynglinga-Saga, Kap. 8 nachzulesen: „þá skyldi blóta i móti vetri til árs“, d.h. „Es war Pflicht zu opfern gegen die Winterzeit für ein gutes Jahr.“ Der ODING-Zeitkreis markiert den theologisch-rituel­len Hintergrund des Winteranfangs­festes durch die Asen­rune (Asen-Rune.JPG), die für den Geist- und Seelengott Wodan/Odin steht. In Hakonar saga góða (Hakon der Gute, 918-960) Kap.17, wird berichtet: „Im Herbst nahe dem Winter fand ein Opferfest [blót­veizla] in Lade statt und der König begab sich zu diesem. ... Der König setzte sich auch wirklich auf seinen Hochsitz. Als aber der erste Becher geschenkt wurde, da sprach Jarl Sigurd über ihm. Er segnete den Becher für Odin und leerte dann, dem König zutrinkend das Horn. ... Am näch­sten Tage, als man zur Tafel ging, dran­gen die Bauern heftig in den König und verlangten, er solle das Rossfleisch essen. Das wollte der König aber durchaus nicht. Dann forderten sie ihn auf, die Rossbrühe zu trinken. Aber auch das lehnte er ab. Endlich wollten sie, dass er von dem Ross­fett äße, doch er weigerte sich wieder. Da wurden die Bau­ern beinahe handgreiflich gegen ihn.“ Das erste Wei­hehorn wurde für den Asen Wo­dan/Odin getrun­ken. Weil der (christlich empfin­dende) König als eigentlich höchste heidnische Heils­in­stanz das Kult­mahl ablehnte, fürchteten die bestürzten Landleute ein heilloses Winterjahr.

Eine weitere Bestäti­gung erhalten wir aus Óláfs saga helga (Olaf der Hl., 995-1030), Kap. 107, wo es von den Drontheimern heißt, „dass die Bauern dort vielbesuchte Feste zu Wintersan­fang [at vetr­nóttum] abhiel­ten und dass es dort große Gelage gäbe. Dem König wurde erzählt, dass alle Becher dort nach altem Brauch den Asen geweiht [signuð Ásum] wurden. Auch wurde ihm weiter erzählt, dass man Rinder dort schlachtete und sogar Pferde, und dass man die Altäre mit ihrem Blut be­sprenge. Blutopfer hätten stattgefunden, und das sei als Grund angegeben, sie sollten einer bes­seren Ernte die­nen.“

Die Ynglinga saga berichtet in Kap. 15: „Da brachten die Schweden ein reiches Blutopfer in Upsala. Im Herbst opferten sie Ochsen, aber der Ertrag des Jahres besserte sich nicht. Im zwei­ten Herbst brachten sie Menschenopfer, doch der Ertrag des Jahres war wie­der der gleiche oder noch schlechter. Aber im dritten Herbst kamen die Schweden in großer Menge nach Upsala, wo die Blutopfer stattfin­den sollten. Da hatten die Häuptlinge eine Beratung untereinander, und sie waren darin einig, dass an diesem bösen Jahr ihr König Domaldi die Schuld trüge. Sie meinten alle, man müsse ihn opfern, um ein gutes Jahr zu erlangen, man sollte ihn ergreifen und töten und den Opferaltar mit seinem Blute be­sprengen. Und dies taten sie auch.“ Ebenfalls in den Rahmen des Winteranfangsfestes dürften die Ge­schehnisse fallen, die in Ynglinga saga, Kap. 43, dargestellt sind: „Es gab daselbst ein böses Missjahr und Hungersnot. Das schoben sie auf ihren König, denn die Schweden pflegten gute und schlechte Jahre ihren Köni­gen zur Last zu legen. König Olaf gab sich nur wenig mit Blutopfern ab. Das missfiel den Schwe­den, und sie glaubten, daher rühre das schlechte Jahr. Daher sammelten die Schweden ein Heer, unternahmen einen Zug gegen König Olaf, umringten sein Haus und verbrannten ihn darin. Dann weihten sie ihn Odin, indem sie ihn dem Gotte für ein gedeihliches Jahr opferten. Das ge­schah am Vänersee.“ Aus dem Gesagten geht hervor, dass zum Winteranfangsfest in Notzei­ten auch Men­schen-Bittop­fer für den Asen Wodan/Odin geweiht werden konnten.

Weitere recht ergiebige Zeilen zum Winteranfangsfest lieferte Snorri in Ferð sigvats skálds, dem Kap. 91 von Óláfs saga helga. Snorri bringt darin die schnurrigen Strophen des isländischen Skalden Sigvat (Rompilger), der im Auftrage des Norwegerkönigs Hl. Olaf wohl im Jahre 1017 eine Amts­reise nach Schwe­den unternahm. Die Strophen des Reimeschmieds nennt man Ostfahrtwei­sen (Austrfararvisur). Anfang des Winters (öndurðan vetr) zieht er mit zwei Begleitern los und er­reicht im Wald­gebiet We­stergötlands eine Ansiedlung, die er hof nennt. Da „Hof“ aber im Alt­nordischen „Hei­ligtum“ bedeu­tet, muss man sich fragen, ob er einen heidnischen Tempel meint oder sich nur ei­nen Scherz erlaubt. Auch an ande­ren Sagastellen erscheint einige Male der Be­griff „Hof“, ohne dass daraus hervorgeht, wie das zu ver­ste­hen sei. Jedenfalls dichtete Sigvat in 5. Strophe, die Einheimischen hätten die Pforten ver­schlos­sen gehalten, seiner abgespannten Reisegruppe keinen Einlass für ein Nachtlager ge­währt und un­ter Be­schimpfungen davongejagt. Er legte einer der abweisenden Frauen folgende Worte in den Mund: „Gakkattu inn, armi drengr, en lengra, Hæðumk ek við Óðins, erum heiðnir ver, reiði.“ - das heißt: „Bleib‘ draußen, geh‘ weiter, elender Bursche, ich fürchte Odins Zorn aufzureizen, denn ich bin Hei­din“, sie sagte: „Ein Albenopfer [alfablót] ist jetzt angesetzt“, erklärt Sigvat ergänzend. Weitere drei Männer, bei denen die Reisenden anklopfen, sind nicht einla­dender. Sigvat nennt sie „Ölvir“, was wohl verächtlich Kultbierbrauer bedeutet. Der „Ölvir“ war anscheinend der Bräuer und Hüter des Op­ferbie­res. Dieser Eigenname taucht in altnordischen Literatur noch mehr­­mals auf, ohne dass eine ein­deutige Erklärung möglich würde. Auch der bekanntermaßen freundlichste Mann der Region ließ den christli­chen Amtsträger nicht hinein. Er jammert in 9. Strophe: „Kein Heide nahm mich auf zur Übernach­tung ... Fort mit euch, hatte man uns des abends viermal zugeschrien.“ Durch das Gedicht Austr­farar­visur er­fahren wir, dass die Winteranfangsfeier ein Albenopfer war, sich also an die Seelen­geister rich­tete. 

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Der Heldengedenktag war ein Feiertag in der NS-Zeit, also des Dritten Reiches. Er ging durch Umbenennung aus dem bis dahin gültigen Volkstrauertag hervor. Im Zentrum der Würdigungen standen die millionenfache Trauer um die heldischen gefallenen Soldaten des Weltkrieg I..

In der Weimarer Republik wurde der Volkstrauertag vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge initiiert und durchgeführt.

Im Gesetz über die Feiertage vom 27. Februar 1934 wurde der Volkstrauertag auf den zweiten Fastensonntag festgelegt und in Heldengedenktag umbenannt. Die Umbenennung geschah nach direkter Intervention des Präsidenten des Volksbundes Siegfried Emmo Eulen bei Propagandaminister Dr. Joseph Goebbels. Der Charakter des Trauertages musste nicht wesentlich geändert werden, denn die Heldenverehrung gehörte im altdeutschen Volksbrauch zum Totengedenken von den gefallenen Vätern und Söhnen ohnehin untrennbar dazu. Hauptträger der NS-Feierlichkeiten waren die Wehrmacht und die NS-Partei. Dr. Goebbels als Minister für Volksaufklärung und Propaganda erließ die Richtlinien über Inhalt und Durchführung.

Am 25. Februar 1939 verlegte der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler per Erlass den Heldengedenktag auf den 16. März, den Tag der Wiedereinführung der Wehrpflicht, wenn dieser Tag auf einen Sonntag fiel, andernfalls sollte er am Sonntag vor dem 16. März begangen werden. Damit wurde die Bindung an den kirchlichen Kalender aufgegeben. Ursprünglich waren alle der Unterhaltung dienenden öffentlichen Veranstaltungen am Heldengedenktag untersagt. 1939 wurden der Erlass auf Veranstaltungen beschränkt, bei welchen „nicht der der Bedeutung dieses Tages entsprechende soldatische und heroische Charakter gewahrt“ war.