11.12.2025

Perchten_2a.JPG

Perchtentreiben in den Raunächten u. Dreikönigsnacht.

Od-Gott Wodin-Wodan galt als Ase und Psychopompos als die Summe aller germanisch-deutscher Seelenkräfte.

Wenn das Jahr seinen ersten Vollmond erhebt,
zu den Sternen die silberne Kugel hinstrebt,
aus nachtschwarzen Bergen der Ferne springt
und sich ein in den Reigen des Himmels ringt,
dann feiert die Gottheit ein artiges Feiern,
bald wird sie wieder die Sonne entschleiern.
Ein Fest der Drei Götter sowie der Fru Gode,
für die Weisen verwoben zum waltenden Wode.
Der schimmert im Mond, der die Seelen wiegt,
und der wandert im Wind, der die Weiden biegt.
Über frostharte Felder stiebt er den Schnee,
er tanzt mit den Flocken auf eisstarrem See.
Er wimmert und wirbelt in wildesten Weisen,
so will er die Große Rau-Nacht durchreisen.

Diese Nacht möchte Gott seine Guten besuchen,
in Kammern duften die Kerzen und Kuchen.
Vor den Katen lärmen die Knaben, die Knechte,
sie üben des Brauchtums gedeihlichen Rechte.
Mit Knall enden Peitschen, schlagende Glocken,-
von Licht und Lärm lässt sich Leben anlocken.
Drei Götter, drei Brände, drei Kerzenflammen,
lasst hinüber uns springen, dreimal zusammen.

Es reinigt das Feuer, es entlasten die Lohen,
es entsühnen die Kräfte der herrlichen Hohen.
Ihre fügliche Ladung wird festlich verkündet,
bis zum Morgen bleiben die Lichter gezündet.
Der Allmutter weiß sich die Muhme verpflichtet,
sie hat für Frau Berchta den Bissen gerichtet,
vom Fensterbord locken die dampfenden Kräpfel,
aus den Berchtelboschen äugen die Äpfel.
Heut' dürfen wir heimliche Wünsche enthüllen,
die möcht' uns die nahende Gottheit erfüllen.
Und dem Vieh steht bis hin zum Hahnenschrei,
das Reden nach menschlicher Weise frei.

Die Hausfrau bricht Heilbrot aus Honigteig,
auf den Tischen liegt segnendes Eibengezweig.
Bei der Esse der Urahn raunt weihende Worte,
da pocht es im Dreiklang an Läden und Pforte.
Alle schwärmenden, lärmenden Nachbarsbuben,
dringen verbutzt in Stallung und Stuben.
Sie vertreten sichtbar die heimlichen Holden,
sie soll‘n des Gehöftes Gedeihen vergolden.
Die Schläge der hölzernen Hämmerchen hallen,
und Würfe von prasselnden Erbsen erschallen.
Sinnzeichen Gottes in zaub‘rischen Zeiten,
sie vermögen, die magischen Mächte zu leiten.
Die Zotteln, die blanken, sie zepfeln, sie zieren,
auf langen Stecken springen die Schieren.
Der Schellenrührer schwingt jach sein Gerölle,
mit Rumpelglocken verjagt man die Trölle.

Wieder senkt sich die Stille heimelig sacht
auf die heilige Perchten-, Dreikönigsnacht.
Der Klöpfelinsabend ist klangvoll verklungen,
auf dem Herd zittern zaudernde Flammenzungen.
Der Bauer bringt Brand in die Räucherpfanne,
legt Bocksbart, Wacholder, Rossspan und Tanne
über gleißende Glut zum glückhaften Glimmen,
Gesundheit und Segen dem Heim zu bestimmen.
Nun ranken durch Räume die rauchigen Ringe,
nun wabert das weihende Schwadengeschlinge.
Es windet sich Weihrauch in Winkel und Ecken,
wo wollten sich Wichte des Übels verstecken ?
Und spät, nach des Rauchganges letztem Stapf,
stellt die Mutter dem Kobold den nährenden Napf.

Der Ohm schürt am Ofen obsorgend das Feuer,
schon hecheln die Scheite erhellend, geheuer.
Gesinde und Sippschaft, gelagert im Kreise,
zechen den Würzwein nach Altväterweise.
Es kommen in Pelzen von frostkalten Pfaden
die Genossen und Gäste zum Umtrunk geladen.
Sie läuten und lachen und wollen sich laben,
sie lieben der Trinkhörner leibliche Gaben.

Das Haus ist gereinigt, gesegnet die Stätte.
Es beginnt des Jahrkreises festliche Kette;
mit den Kosmos-Königen, dem göttlich Guten,
ihrer Dreiheit entfließen die Segensfluten.
Zum Gipfel hinan ist der Glanzmond gegangen,
jetzt wird er mit frommem Frohmut empfangen.
Hochneujahr ist da, - die Trinkhörner kreisen,
alle Mächte von Himmel und Erde zu preisen.

Und der erzweise Ehwart tritt aus der Runde,
der Großbauer bat ihn zur festlichen Stunde;
mit dem Daumen vermischt er Asche und Fett,
drei Macht-Runen malt er auf‘s Pfortenbrett.
Die Zeichen der Dreiheit als ziemliche Zier,
das heißt, die Drei Hohen weilten auch hier !

Wie ist dieser Zeitpunkt im Jahrlauf zu sehen,
wie der Berchten-/Dreikönigstag zu verstehen ?
Vielwurzelig hat sich ein Festknäuel verwoben,
zwei Hauptfeste sind hier zusammengeschoben.
Bedingt durch Verschiebung der Winterwende
und den Eingriff kalenderreformender Hände,
wurde Brauchtum der jährlichen Mutternacht
auf mehrere Nächte der Jul-Zeit verbracht.
Vier Nächte und Tage sind eng verwandt:
Es steht Lucina als Eleithyia bekannt,
doch gerad‘ in der Wendenacht (der alten),
wie Berchta und Holle, die Muttergestalten.
Galt ja Perchta als Prunkende, Prächtige,
als lichtbringend Mutternacht -Mächtige;
als längste Jahrnacht ist sie die Sehrende,
doch als „Barchta“ die Sonnen-Gebärende.
Mit dem Ersten Tag, den die Göttin gebar,
entsteigt der Neumond-Wendenacht, das Jahr.
Jeder Jahresbeginn liegt in Mutters Zeit,
drum trägt er mit Recht ihres Namens Kleid.

Doch des folgenden ersten Vollmondes Glanz
umschimmert des Lichtherrn dreiwesigen Kranz.
In den Tagen der jahr-ersten Mondlichtflut
hob der Lichtherr den Hammer, sein Attribut,
der Himmelskönig, ein einz‘ger in Dreien,
des Jahres gedeihlichen Fortgang zu weihen.
Wenn die Lichtgottheit ersten Segen gesendet,
ward ihr sicher ein Dankopfer zugewendet,-
im Gottesdienst mochten sich Ahnen befleißen:
Thunaersblostar, Thorrsblot müsste es heißen.
Im isländ‘schen Thorrablot blieb es bewahrt,
wenn auch in entartet-verkümmerter Art.
Die Winterwende ist die bedeutsamste Statt
auf der Weltzeituhr runischem Zifferblatt.
Die längsten Nächte, die kürzesten Tage,
das „Licht“ wird zum Steinbock in dieser Lage.
Nun gilt es zu klimmen den Nordberg hinan,
mit dem Kletterer fängt der Tiu-Kreis an.

Die Heiligen Drei Könige sind Wodan-Wili-We,
die in Gestalten geschiedene Ewigkeits-Idee.
Denn Gott war, er ist und wird immer währen,
drei und sechs woll’n den Zeitkreis erklären.
Die kosmischen Könige: Geist, Vater und Sohn,
steh‘n vereint zur unlösbaren Gottesunion.
Drei Götter, drei Fürsten, drei Lebensschritte,
das sind der Hohe, Gleichhohe und Dritte.
Hoch im Norden „Har-Jafnhar-Thridhi“ genannt,
ihr Symbol ward zu jeglichem Schutze verwandt.
Ober jedem Hoftor prangt‘ hütend ihr Zeichen,
da mussten die Schrate und Nachtmahre weichen.
Und so stehen auch über dem Eingang der Zeit
drei Runen der Gottheit als Jahresgeleit.

Drei_Runen.JPG

Perchtenlauf_19_Jh.JPG

Das Perchtenlaufen in einer Abbildung des 19. Jahrhunderts.

Mythologie und Brauchtum in den längsten Nächten des Jahres. Zur Mitte der Rauhnächte, nämlich zu Silvester, sollte Wotan mit den Toten zur Wilden Jagd aufbrechen. Denn in dieser Zeit steht nach altem Volksglauben das Geisterreich offen. Die Geister und die Seelen der Verstorbenen haben Ausgang. Dämonen können Umzüge veranstalten oder mit der wilden Jagd durch die Lande ziehen. Stalltiere sollen um Mitternacht die menschliche Sprache sprechen und über die Zukunft erzählen. Das ist spannend, hat aber nach manchem Glauben leider einen Haken: Menschen, die diese Tiere sprechen hören, haben nicht mehr viel davon, denn sie sterben unmittelbar danach. Nach altem Volksglauben sind die Rauhnächte auch zum Erstellen von Orakeln sehr geeignet. An Silvester wird dieser Glaube in Form des Bleigießens bis heute gepflegt.