24.07.2025

Wodan_Yggdrasil.JPG

Odin und Yggdrasil

Ich weiß, dass ich hing
am windigen Baum
neun Nächte lang,
mit dem Ger verwundet,
geweiht dem Odin,
ich selber mir selbst,
an jenem Baum,
der jedem fremd,
aus welcher Wurzel er wächst.

Ich gab mich nicht hin für Brot
und nicht für Hornvieh (Geld),
ich spähte nach unten,
nahm Runen auf,
laut lernte ich sie,
fiel wieder von dort.

Zu wachsen begann ich
und wohl zu gedeihn,
weise ward ich da;
Wort mich von Wort
zu Wort führte,
Werk mich von Werk
zu Werk führte.

Nun sind des Hohen Reden
in seiner Halle gesagt,
gar rätlich Reckensöhnen,
nicht rätlich Thursensöhnen.
Heil, der sie wies !
Heil, der sie weiß !
Er wahre sie wohl !
Heil, die sie hörten !

Edda – Odhins Runenlied (1,2) - Die Hávamál, des Hohen Lied.

Eine der bekanntesten Geschichten der nordischen Mythologie ist, ohne Zweifel, die Saga, wie Odin das Wissen um die Runen erlangte.

Nach der Überlieferung beneidete Odin (das Haupt hilfreicher Ahnengeister) die Nornen um ihre Fähigkeit, Runen zu schreiben. Da sich die Runen nur den „Würdigen“ offenbaren, hing sich Odin am eigenen Speer an den Weltenbaum Yggdrasil. Er hing dort für neun Tage und Nächte, bis ihm das Runen-Wissen erschien.

Nachdem er das Wissen der Runen erlangt hatte, war Odin nun im Besitz einer mächtigen und geheimen Kraft. Er wurde nun als weisester aller Götter gefeiert, da er das Wissen der Runen erlangte und sie den Menschen brachte.

Seither werden Runen nicht nur als eine Form der Kommunikation, sondern auch für magische Zwecke, Weissagungen und rituelle Handlungen verwendet.

Somit wurde Odin auch mit der Erfindung der Runenschrift, der Kunst der Poese und der Magie in Verbindung gebracht. Die Geschichte Odins soll betonen was dem Menschen möglich ist, was durch persönliche Opfer und Hingabe machbar werden kann. Die nordische und germanischen Mythologien sind reich an solchen faszinierenden Geschichten, welche die Taten und Eigenschaften der Götter in der Götterwelt plausiebel machen.

Die Nornen

Die Schicksalsweberinnen, auch Nornen genannt, haben sich ebenfalls an Yggdrasils Fuß niedergelassen. Sie sind wunderschöne Jungfrauen. Sie kümmern sich um den Urdbrunnen und darum, dass Yggdrasils Wurzeln ständig mit Erde bedeckt sind.

Des Weiteren bestimmen sie das Schicksal eines jeden Menschen. Ihre Namen sind Urd, Verdani und Skuld. Eine jede von ihnen hat ein eigenes Herrschaftsgebiet.

Urd ist das, was aus Urzeiten zu uns wirkt; sie ist die Vergangenheit.
Verdandi symbolisiert Werden und Vergehen; sie ist die Gegenwart.
Skuld ist das, was uns in der Zukunft erwartet – auch, was wir durch eigene Schuld erzeugen, vergleichbar mit dem Prinzip des Karmas.

Die Nornen wachen somit über das Leben eines jeden von uns, den Göttern und jedem anderen Lebewesen in den Welten. In der Völuspa steht Folgendes über die Nornen geschrieben.

Eine Esche [Eibe], weiß ich,
heißt Yggdrasil.
Den hohen Baum
netzt weißer Nebel;
Davon kommt der Tau,
der in die Täler fällt.
Immergrün steht er
über Urds Brunnen.

Davon kommen Frauen,
vielwissende,
drei aus dem See
dort unterm Wipfel.
Urd heißt die eine,
die andre Verdandi;
Sie schnitten Stäbe;
Skuld hieß die dritte.
Sie legten Lose,
das Leben bestimmten sie.
Den Geschlechtern der Menschen
das Schicksal verkündend.

Völuspa