18.08.2026

Die frei erfundenen Guido-List-Runen beherrschen bis heute die unkritischen Köpfe vieler Runen-Freunde !

Die nachtwandlerischen Nachfahren des Runen-Fantasten Guido List streuen unaufhörlich über das Weltnetz noch immer massenweise ihre einlullenden Sandsäckchen in die Augen leichtgläubiger Runen-Schwärmer. Ich frage mich: Wer hat solch ein immenses Interesse an der, man kann es nicht anders nennen, der runischen Verblödung der Deutschen ?

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Guido Karl Anton Paul List, alias v. List (1848-1919) war ein österreichischer Schriftsteller und Esoteriker. Er war ein populärer Vertreter der völkischen Bewegung und gilt als Begründer der okkultistischen Ariosophie.

darf als energischer, bienenfleißiger, kerndeutsch-romantischer Wotanist gelten. In seiner Geburtsstadt Wien begegnete er dem Bekannten seines Vaters, dem Designer Friedrich Fischbach, der im Wiener Museum eine Ausstellung für internationale Teppichmuster-Motive eingerichtet hatte. Fischbach hatte sich als Gestalter von Teppichmustern intensiv mit Sinnzeichenkunde beschäftigt, auch mit Runen, über die er gern dozierte.

Friedrich Fischbach (1839-1908) war ein in Aachen geborener Dessinateur, Ornamentist und Lithograf, Lehrer an Kunstgewerbeschulen, Kunsthistoriker sowie Autor von Artikeln und Büchern zur Textilkunst und Textilgeschichte. Außerdem veröffentlichte er Beiträge zur germanischen Mythologie, war Lyriker und Librettist von Märchenopern. Fischbach war Vorstands- und Ehrenmitglied des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung zu Wiesbaden. Außerdem war er Ehrenmitglied der Guido-von-List-Gesellschaft in Wien. Als solcher ist er den esoterischen Ariosophen und der völkischen Bewegung zuzurechnen.

Einige Texte von F. Fischbach:

Ursprung der Buchstaben Gutenbergs. Beitrag zur Runenkunde. Mainz 1900.
Orientalische Bunt-Stickerei-Vorlagen. Um 1900.
Die wichtigsten Webemuster bis zum 19ten Jahrhundert (Die wichtigsten Webe-Ornamente bis zum 19ten Jahrhundert). 1900, 1902, 1911.
Mythologische Wanderungen durch Asgart und Mittgart. Das goldene Buch der Germanen. 2 Bände, 1902.
Die schönsten Lieder der Edda, mit Erläuterungen als Volks- und Schulbuch. 1903.
Siegfrieda. Christentum und Heidentum. 1903.
Die Weltesche Yggdrasil. Beiträge zur Mythologie. 1906.
Siegfrieda. Altgermanische Walpurgisfeier und Einführung der Inquisition. 1907

Von Fischbach ließ sich der junge List befeuern und auf einen völlig falschen Weg freiester Fantasie führen. Als Sekretär des Österreichischen Alpenvereines und außerordentlich fruchtbarer völkischer Schriftsteller machte sich List einen Namen. Mit seinem Buch „Das Geheimnis der Runen“, 1908, postulierte er bereits auf S. 1 die Hauptfehleinschätzungen, welche die deutsche esoterische Runenliteratur des ganzen Jahrhunderts nachhaltig in die Irre führte:

Zum ersten, dass das ältere Buchstabensystem der Germanen 16 Zeichen besessen hätte und zweitens, dass die 18 Lieder im eddischen Hávamál (145 - 163) als Beweis zu werten seien für ein noch älteres, 18er Runensystem, welches der Autor, eigener Aussage gemäß, 1902 im Geist erschaute, als er nach Star-Operation mit verbundenen Augen verweilen musste. Es ist reiner Blödsinn, die eddischen Hávamál-Lieder geben über die Runen keinerlei Aufschluss. Es passen die Texte der 18 Edda-Lieder in keinem Falle zu den tradierten Begriffen jener Runen, die Guido List dazustellte.

Die zwei Zeichen, die ihm zu fehlen schienen, E (e-Rune_List.jpg) und G (g-Rune_List.jpg) musste er aus angelsächsischen Runenreihen entlehnen, um sie den 16 Runen beizugeben. Somit wurde seine 18er Runenreihe ein neuzeitliches Produkt ungezügelter Runen-Fantasie.

Trotzdem verbreitete sich das Konstrukt wegen a) der Geschlossenheit seiner Gesamtkomposition, b) dem Nichtvorhandensein alternativer Runen-Esoterik und c) einer damals breiten Schicht interessierter Laien, die nach gehaltvoll erscheinenden Runen-Deutungen verlangten.

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Guido Lists Runenreihen-Erfindung, von 18 Runen, die es real nie gegeben hat.