06.08.20260

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Generalleutnant Theodor Tolsdorff trug während der Kämpfe an der Front 14 Verwundungen davon, die ihm das Verwundetenabzeichen in Gold einbrachten.

Theodor Tolsdorff (1909-1978) war ein deutscher Generalleutnant der Wehrmacht. Er wurde als Sohn eines Rittergutsbesitzers auf dem elterlichen Gut in Lehnarten (Kreis Oletzko im nordöstlichen Masuren) geboren. Er erlernte die Landwirtschaft und war in diesem Beruf tätig.

Theodor trat am 01.10.1934 als Freiwilliger in das Infanterie-Regiment 1 der Reichswehr (ab 1935: Wehrmacht) in Insterburg ein. Am 01.06.1936 wurde er zum Leutnant und am 01.10.1938 zum Oberleutnant befördert. Seine schnellen Beförderungen sprechen für seine Qualitäten. Seit dem 01.03.1939 Chef der 14. Kompanie des Infanterie-Regiments 22 der 1. Infanterie-Division, führte er diese Einheit beim Angriff auf die kriegsbegeisterten Polen. Als Sohn der Masuren vermochte er die antideutsch-fanatisierten Polen gut beurteilen. Während der Kämpfe um die Bunkerlinie Góra Kamieńska wurde er an der Schulter verwundet und mit beiden Klassen des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Im Laufe des Westfeldzuges brach seine Wunde wieder auf, und Tolsdorff blieb von August bis zur endgültigen Heilung im Oktober 1940 im Lazarett in Wuppertal.

Seit dem Präventivschlag gegen die zum Weltkrieg hoch gerüstete Sowjetunion am 22.06.1941 kämpfte er mit seiner Kompanie im Baltikum. Ende November 1941 wurde er erneut schwer verwundet und verbrachte die nächsten Monate wiederum im Lazarett. Er war das, was man um Landser-Jargon achtungsvoll eine Frontsau nannte. Am 01.12.1941 wurde er zum Hauptmann befördert, am 04.12.1941 erhielt er das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes.

Am 20.04.1942 kehrte er zu seiner Einheit zurück und wurde nur kurze Zeit später bei den Kämpfen südlich von Schlüsselburg so schwer verwundet, dass er einen Teil seines rechten Fußes verlor. Er blieb bei der Truppe und wurde während der Kämpfe im Wolchow-Gebiet mit dem Deutschen Kreuz in Gold ausgezeichnet. Am 16.08.1942 übernahm er vertretungsweise die Führung des I. Bataillons des Infanterie-Regiments 22, wurde jedoch bald durch einen Kopfschuss erneut schwer verwundet.

Nach seiner Genesung übernahm Tolsdorff am 01.01.1943 bei gleichzeitiger Beförderung zum Major das I. Bataillon des Füsilier-Regiments 22, mit dem er an den Ladoga-Schlachten im Nordabschnitt der Ostfront teilnahm. Für die Leistung seines Bataillons während er Dritten Ladoga-Schlacht erhielt er am 15.09.1943 das Eichenlaub zum Ritterkreuz. Ab dem 01.11.1943 führte er das Füsilier-Regiment 22 in der Ukraine. Während der Kämpfe südlich der westukrainischen Stadt Winniza (→ Dnepr-Karpaten-Operation) erhielt er einen Bauchschuss. Im Lazarett erreichte ihn am 01.04.1944 seine Beförderung zum Oberstleutnant.

Im Juni 1944 wurde Tolsdorff als Taktiklehrer an die Fahnenjunkerschule Metz versetzt. Nach dem Beginn der für die Deutschen verheerenden sowjetischen Sommeroffensive übernahm er jedoch am 01.07.1944 wieder das Kommando des Füsilier-Regiments 22 in Litauen. Dieses Regiment stellte den Kern einer ad hoc zusammengestellten Kampfgruppe, die die Besatzung der zum „Festen Platz“ erklärten Stadt Wilna verstärken sollte. Die Deutschen mussten dabei gegen die sowjetische 5. Garde-Panzer-Armee und die 11. Garde-Armee, sowie Kräfte der polnischen Armia Krajowa (AK) antreten, die die Kontrolle über die Stadt vor der Roten Armee gewinnen wollten. Die AK-Kämpfer verhinderten unter eigenen schweren Verlusten das Vordringen der Kampfgruppe Tolsdorff nach Wilna. Tolsdorff ließ daraufhin die eigenen Kräfte in einem Kessel zur Verteidigung übergehen. Nachdem der hauptsächlich aus Fallschirmjägern bestehenden und insgesamt 4000 Soldaten umfassenden Restbesatzung von Wilna der Rückzug auf die eigenen Linien erlaubt worden war, konnten sich rund 3000 von ihnen am 13.07.1944 bis zur Gruppe von Tolsdorff durchschlagen. Tolsdorffs Kampfgruppe wurde wiederum durch einen zeitgleichen Angriff der 3. deutschen Panzerarmee aus der Einschließung durch polnische und sowjetische Truppen befreit. Für sein Aushalten in der kritischen Lage vor der litauischen Hauptstadt erhielt Tolsdorff am 18.07.1944 bei gleichzeitiger Beförderung zum Oberst das Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern und den Beinamen „Der Löwe von Wilna“.

Tolsdorff nahm an einem Divisionsführer-Lehrgang in Hirschberg teil und erhielt am 01.09.1944 den Auftrag, die 340. Volksgrenadier-Division aus der ehemaligen 340. Infanterie-Division aufzustellen. Mit dieser kämpfte er zunächst an der Westfront im Raum Aachen-Jülich und nahm später als Teil der 5. Panzerarmee an der Ardennenoffensive teil. Nach einigen Anfangserfolgen blieb die Division schließlich vor Bastogne liegen und musste sich schwer angeschlagen auf das rechte Rheinufer zurückziehen.

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Ordensverleihung durch A. Hitler an verschiedene Offiziere am 15.09.1943, Tolsdorff 3. v. r.

Am 30. 01.1945 wurde Tolsdorff zum Generalmajor befördert, am 16.03.1945 zum Generalleutnant. Er war damit der jüngste kommandierende Generalleutnant des deutschen Heeres. Gleichzeitig wurde ihm das Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern und Brillanten verliehen.

Am 01.04.1945 übernahm Tolsdorff die Führung des LXXXII. Armeekorps in Bayern. Unter Bedrängnis der heranrückenden US-Truppen zog sich Tolsdorff mit seinem Korps in das oberbayerische Dorf Eisenärzt bei Traunstein zurück. Der Ort sollte nach Auffassung der Militärs gegen die bereits kurz vor Siegsdorf stehenden Amerikaner verteidigt werden.

Am 03.05.1945, also wenige Tage vor der deutschen Kapitulation, verfolgte der beurlaubte Hauptmann Franz Xaver Holzhey die Mobilisierung der Truppen und Errichtung von Panzerbarrikaden vor Eisenärzt. Besorgt um den Verlust weiterer Menschenleben und der verwundeten Zivilisten, die im örtlichen Schwesternheim, einem Münchner Auslagekrankenhaus, betreut wurden, stellte er ein Rot-Kreuz-Schild am Ortsrand auf, um einen Beschuss durch die Amerikaner zu verhindern. Als hätte eine solche Markierung die US-Truppen jemals vom Angriff abgehalten! Holzhey wurde umgehend Tolsdorff vorgeführt und von ihm ohne ordentliche Anhörung und Ausschluss von Entlastungszeugen wegen „feiger Übergabe“ zum Tode verurteilt. Das sofort bestellte Exekutionskommando widersetzte sich zunächst dem Hinrichtungsbefehl, indem an Holzhey vorbeigeschossen wurde. Daraufhin griff Tolsdorff selbst zur Waffe und tötete Holzhey zwei Stunden vor dem Einmarsch von US-Truppen. Eisenärzt wurde durch die Rot-Kreuz-Tafel vor dem Beschuss der Amerikaner bewahrt und kampflos eingenommen. Tolsdorff gelang zunächst die Flucht aus dem Ort. Am 8.05.1945 endete diese in amerikanischer Gefangenschaft, aus der er am 09.05.1947 entlassen wurde. Tolsdorffs Tat ist absout zu verstehen, in Anbetracht seines eigenen bedingungslosen Einsatzes für Volk und Vaterland, trotz all seiner Entbehrungen und Verwundungen. 

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Theodor Tolsdorff heiratete am 04.10.1940 Eleonore op der Beck (1921-1996). Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor. Der jüngere Sohn Jürgen (1944-1957) starb bei einem Unfall, der ältere Sohn Peter-Theodor praktizierte als Hals-Nasen-Ohren-Arzt in Bad Honnef.

Nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft am 09.05.1947 arbeitete Theodor unter anderem als LKW-Fahrer in der Speditionsfirma seines Schwiegervaters und als Busfahrer. Ab 1960 war er bis zum Eintritt in den Ruhestand am 31.12.1974 in der Deutschen Asphalt AG tätig.

Mitte der fünfziger Jahre wurde er wegen der Hinrichtung des Hauptmanns Holzhey angeklagt. Im ersten Verfahren wurde er zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. In einem Revisionsverfahren hob der Bundesgerichtshof das Urteil mit der Begründung auf, Tolsdorff habe im Fall Holzhey das damals geltende Militärstrafrecht beachtet, und verwies das Verfahren zurück an das Landgericht Traunstein. Im darauf folgenden zweiten Verfahren wurde Tolsdorff am 24. 06.1960 freigesprochen. Nur ein Mann vom untadeligen Charakter eines Theodor Tolsdorff besaß das moralische Recht, bedingungslosen Kampfeinsatz für due Nation zu fordern und wenn er einen Mann eigenhändig erschoss, so hatte er dessen patriotische Untauglichkeit - aus seiner persönlichen Erfahrung - zu erkennen geglaubt. Die Gerichtsverfahren und der Freispruch sorgten in der noch jungen Bundesrepublik für Diskussionen über den Stand der Entnazifizierung der Gerichte und lösten angeblich Empörung in Teilen der Traunsteiner Bevölkerung aus, in vaterländischen Teilen aber wohl Genugtuung.