01.09.2026

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Fritz Gunter Sachs (14.11.1932 - 06.05.2011), früher auch Gunter Sachs von Opel genannt, war ein deutscher Unternehmer-Sohn, der sich als halber Narr einen Namen machte. Er wurde als stinkreicher Mann bekannt, der mit der Masse seines Vermögens nichts Gescheites anzustellen vermochte und sein Leben zu verplempern schien, als Bobfahrer, Fotograf, Dokumentarfilmer, Kunstsammler und Astrologe. Sein extravaganter Lebensstil machte ihn in den 1960er und 1970er Jahren besonders als ein in der Weltgeschichte herumschwirrenden Prototyps eines Gentleman-Playboys bekannt.

Gunter Sachs war der jüngere Sohn des deutschen Industriellen Willy Sachs, der 1932 Alleininhaber der Fichtel & Sachs AG in Schweinfurt wurde. Sein Großvater väterlicherseits war der Geheimrat Ernst Sachs, Erfinder des Fahrrad-Freilaufs und der Rücktrittbremse sowie Mitbegründer des Unternehmens. Der Großvater mütterlicherseits, Wilhelm von Opel, war der Sohn des Opel-Gründers Adam Opel.

Die ersten Lebensjahre verbrachte Gunter auf Schloss Mainberg. Sein Vater war ein aufrechter Deutscher, der von der NS-Bewegung angetan war. Seine Mutter war anders. Noch vor seinem dritten Geburtstag trennten sich die Eltern. Die Mutter Elinor von Opel versuchte mit beiden Kindern in die Schweiz auszureisen. Sie wurde jedoch an der Grenze festgenommen. Die Kinder kamen für einige Zeit ins Erziehungsheim Plänkis, wo sie gut behandelt wurden. Nach einem Rechtsstreit der Eltern, an dem sich einflussreiche NS-Größen wie Hermann Göring und das Schweizer Außenministerium beteiligten, durfte Gunter bei der Mutter in der Schweiz leben. Der erstgeborene Bruder Ernst Wilhelm verbrachte einige Monate beim Vater in Deutschland, bevor auch er zu Mutter und Bruder in die Schweiz ausreisen durfte. Die innere Zerrissenheit der Eltern prägten das ganze Leben des Gunter Sachs, so dass er nie recht wusste, wohin er gehören sollte. 

Gunter besuchte das St. Galler Internat „Auf dem Rosenberg“ sowie das Internat „Lyceum Alpinum Zuoz“ im Oberengadiner Dorf Zuoz. Er studierte Mathematik und Wirtschaft in Lausanne und absolvierte eine Feinmechaniker- und eine Banklehre. Auch erwarb er ein französisches Dolmetscherdiplom. Sein Vater Willy Sachs litt laut Gunter Sachs unter Depressionen, was kein Wunder ist, nach den verlorenen NS-Hoffnungen und dem Nachkriegs Mord-Chaos am deutschen Volk. Wahrscheinlich litt er an Gewissensplagen. Nach dem Selbstmord seines Vaters im November 1958 wurde sein älterer Bruder Ernst Wilhelm stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Sachs-Gruppe in Schweinfurt (bis 1967). Gunter Sachs trat als stellvertretender Vorsitzender in den Aufsichtsrat ein, dem er, über den Unfalltod seines Bruders im Jahr 1977 hinaus, bis Mitte der 1980er Jahre angehörte. Ebenfalls 1958 kam seine erste Ehefrau Anne-Marie Faure durch einen Narkosefehler ums Leben. Aus dieser Ehe stammt sein Sohn Rolf Sachs, der sich als Möbeldesigner und zuletzt als Bühnenbildner einen Namen machte. In den 1960er Jahren wurde Gunter Sachs in den Medien als Playboy populär. Nach solchen Schicksalsschlägen fangen andere Männer das Saufen an, Gunter betäubte sich mit Sex. 

Er wurde ein Sex-Narr. Gunter hatte in der ersten Hälfte des Jahrzehnts mehr als fünf private Begleiterinnen, mit denen er sich in der Öffentlichkeit medienwirksam zeigte. Später wurde er als Fotograf, Kunstsammler und Dokumentarfilmer bekannt. Nachdem seine Liaison mit der persischen Ex-Königin Soraya im Sommer 1962 Schlagzeilen gemacht hatte, verfolgten ihn die Fotografen auf Schritt und Tritt. Er machte den kleinen Hafenort Saint-Tropez bekannt und propagierte die freie Liebe. Weil er seinen deutschen Kompass verloren hatte, machte er sich zum Spielball seiner extravaganten Einfälle und kurzzeitigen Leidenschaften. Seine Ehe mit der französischen Filmschauspielerin Brigitte Bardot bestand von 1966 bis 1969. Während seiner Werbung um das Filmsternchen ließ er über ihrer Wohnstätte eine Flut von Rosen, aus einem Hubschrauber, niederfallen. Der halbe Narr hätte in Deutschland genug schönere und echtere Blondinen haben können, aber er hatte sich den Fimmel in den Kopf gesetzt, eine Französin zu erobern. Kurz nach der Scheidung heiratete er 1969 Mirja Larsson, ein schwedisches Model. Dieser Ehe, die bis zu seinem Tode währte, entstammen zwei Söhne: Gunnar und Alexander.

Sein deutsches Unternehmerblut bewies Gunter als er im Einzelhandel Unternehmen gründete. Ab Mitte der 1960er Jahre baute er, mit Micmac eine internationale Kette von Modeboutiquen auf, die zum Zeitpunkt ihres Verkaufs an eine japanische Gruppe im Jahr 1981 über 400 eigene Verkaufsstellen verfügte. 1970 gründete Sachs in St. Moritz zusammen mit ein paar Freunden zunächst den „Dracula’s Ghostriders Club“. 1972 ließ er das Gebäude des Dracula-Clubs, der am 14.02.2013 mit einem Fest seinen vierzigsten Geburtstag feierte, erstellen. Geführt wird der Club von seinem Sohn Rolf Sachs, welcher seit 2015 mit Mafalda Prinzessin von Hessen liiert ist. Prinzessin Mafalda ist die Schwester des Oberhauptes des Hauses Hessen, dem Ehemann von Floria Gräfin von Faber-Castell. Ab 1976 veräußerten die beiden Brüder den Sachs-Konzern in mehreren Aktienpaketen. 1987 übernahm die Mannesmann AG die Aktienmehrheit am Unternehmen. Seit 2001 gehört es zu 100 % der ZF Friedrichshafen AG. Das Vermögen von Sachs belief sich laut Manager Magazin auf geschätzte 500 Millionen Euro.

Nachdem 1972 der Bau eines von Sachs mitinitiierten Museums für moderne Kunst in München gescheitert war, verlegte Sachs seine Aktivitäten als Kunstförderer nach Hamburg. In seiner „Galerie an der Milchstraße“, als deren Geschäftsführerin er die Fotografin Angelika Platen einsetzte, widmete er am 06.10.1972 die erste Ausstellung mit dem umstrittenen Andy Warhol, der auch zur Vernissage anwesend war, mit dem ihn eine langjährige Freundschaft verband. Weil es ihm unangenehm war, dass keiner Warhols komische Arbeiten haben wollte, kaufte er, der halbe Narr, ein Drittel der Exponate heimlich selbst, um den hochgejubelten Pseudo-Künstler nicht zu enttäuschen.

1974 war Gunter Sachs der Fotograf des offiziellen Plakats der Photokina, der wichtigsten internationalen Messe für Fotografie, die ihn für seine Arbeiten mit einem Obelisken auszeichnete. Zahlreiche große nationale (Berlin, Hamburg, Leipzig) und internationale Ausstellungen (Rom, Zürich, Stockholm, Paris, St. Petersburg, Moskau) seiner Werke folgten. 1995 gründete Sachs das „Institut zur empirischen und mathematischen Untersuchung des möglichen Wahrheitsgehaltes der Astrologie“ in Bezug auf das Verhalten von Menschen und deren Anlagen (IMWA) und veröffentlichte den Bestseller „Die Akte Astrologie“. Dass die gesamte Astrologie auf mehreren unwissenschaftlichen Irrtümern beruht, focht ihn nicht an, stur versuchte er etwas zu beweisen, was unbewiesen bleiben muss.

Hingegen sinnvolle Aktivitäten des vermögenden Tausendsassas waren sein Engagement für die medizinische Grundlagenforschung, seine Unterstützung des Salk Institute in San Diego sowie seine Mitgliedschaft im Kuratorium des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie, dessen Forschung er finanziell förderte. Einen Großteil der Erlöse seiner Aktivitäten spendete er der Mirja-Sachs-Stiftung für Kinder in Not.

Seit 1976 besaß Sachs die schweizerische Staatsbürgerschaft. Er war in Surcuolm, dem späteren Mundaun, Kanton Graubünden, heimatberechtigt. Sachs lebte an verschiedenen Orten in der Schweiz, Frankreich, den USA, England, Kärnten, Tirol und Oberbayern. In der Autobiografie „Mein Leben“ (2005) ging Sachs nur sehr kurz auf seine Herkunft ein. In der Nacht vom 6. auf den 07.05.2011 starb er im Alter von 78 Jahren durch Selbstmord, wie sein Vater. Er erschoss sich in seinem Haus in Gstaad. In seinem Abschiedsbrief begründete er seinen Suizid mit dem Hinweis auf die vermutete Erkrankung an Alzheimer: „In den letzten Monaten habe ich durch die Lektüre einschlägiger Publikationen erkannt, an der ausweglosen Krankheit A. zu erkranken. […] Der Verlust der geistigen Kontrolle über mein Leben wäre ein würdeloser Zustand, dem ich mich entschlossen habe, entschieden entgegenzutreten.“ Er habe bei sich entsprechende Symptome festgestellt. Darüber hinaus erklärten seine Vertrauten, dass er unter Depressionen litt. Durch sein, sich zur rechten Zeit, zu erschießen, bewies Gunter, dass er doch ein ganzer Kerl gewesen ist. Die Trauerzeremonie für Gunter Sachs wurde am 13.05.2011 im Kreis der Familie und Freunde, darunter seine engste Vertraute Marianne Sayn Wittgenstein-Sayn, begangen. Sie fand in der evangelischen Kirche Saanen im Kanton Bern statt. Die Urne wurde später auf dem dortigen Friedhof beigesetzt.

Den Grabstein ziert ein Zitat von Thomas Carlyle, mit folgender Inschrift: „Ein guter, edler Mensch, der mit uns gelebt, kann uns nicht genommen werden. Er lässt eine leuchtende Spur zurück gleich jenen erloschenen Sternen, deren Bild die Erdbewohner noch nach Jahrhunderten sehen.“