09.04.2026
Elly Ney spricht über Beethoven: https://www.youtube.com/watch?v=Dh8PojIaRHA
ELLY NEY
Elly Ney empfand ihre Nähe zu Gott,
zur Gottheit des stürmigen Brausens,
sie erfühlte Wodan im inneren Ohr
und des wintergewaltigen Hausens.
Kein Komponist erlosch'nen Gehörs
war den kosmischen Waltungen näher
als Beethovens Seele im höheren Selbst,
dem genialen Künstler und Späher.
Den Ludwig van Beethoven begreifen,
das gelingt nur den höheren Geistern.
Er schuf die Noten einer Heiligen Schrift;
lesbar nur den seeligsten Meistern.
Und die große Elly Ney war kongenial,
sie vermochte Beethoven zu deuten,
sie erlauschte nordischen Gottes Lied
und erklärte es lauschenden Leuten.
Gepriesene Meister der deutschen Musik,
Richard Wagner und Ludwig Beethoven,
und die inspirierte Walküre Elly Ney,
zur Deutung der himmlischen Strophen.
Lasst sie uns ehren, heut‘, immerdar,
lasst die Lorbeer-Ranken uns winden,
für die heilige Fraue im Walhalla-Saal,
mit der wir im Dank uns verbinden !
Elly Ney gilt als bedeutendste Pianistin des zwanzigsten Jahrhunderts. Von den unvoreingenommenen Kennern wird sie als „Hohe Priesterin Beethovens" verehrt.
Elly Ney (1882-1968) war eine deutsche Pianistin, die als Interpretin des klassisch-romantischen Repertoires, besonders der Klavierwerke Ludwig van Beethovens, deutsche und internationale Anerkennung fand. Nach 1933 trat sie aktiv für die NS-Befreiungs-Ideologie ein und diente als Künstlerin im deutsch-nationalen Sinne. Diese Haltung führte seitens der Kriegsgewinnler und ihren Nutznießern, nach WK II. zu den hinlänglich bekannten würdelosen und nutzlosen Debatten über ihre Person.
Elly Ney wurde als Tochter des Feldwebels Jakobus Ney und der Musiklehrerin Anna Ney in Düsseldorf geboren. Da ihre Mutter nicht in einer Kaserne leben wollte, wechselte der Vater auf eine Beamtenstelle in Bonn. Kindheit und Jugend waren geprägt von einem soldatischen und musischen Elternhaus. Mit zehn Jahren wurde die hochbegabte Elly dem Franz Wüllner, dem Direktor des Konservatoriums in Köln vorgestellt, wo sie dann neun Jahre lang Schülerin von dem generösen Isidor Seiß war. Mit neunzehn Jahren gewann sie den „Mendelssohn-Preis“ der Stadt Berlin, mit zwanzig erhielt sie in Köln den „Ibach-Preis“. 1903 setzte sie ihre Ausbildung in Wien bei Theodor Leschetitzky fort, wechselte aber bald zu Emil von Sauer. Nach Beendigung ihres Studiums in Wien war Elly Ney von 1904 bis 1907 Lehrerin am Kölner Konservatorium und baute sich gleichzeitig eine Karriere als Konzertpianistin auf. 1911 heiratete sie den niederländischen Dirigenten und Violinisten Willem van Hoogstraten. Das Paar lebte zunächst in Schlangenbad und später in Bonn. Nach dem Ausbruch des WK I. verlor Hoogstraten seine Stellung als Kurkapellmeister in Honnef. Zusammen mit dem Schweizer Cellisten Fritz Otto Reitz gründete das Paar das erste Elly-Ney-Trio und gab in Deutschland, der Schweiz und in den Niederlanden Konzerte. 1918 bekam das Ehepaar eine Tochter, die spätere Schauspielerin Eleonore van Hoogstraten. Von 1921 an lebte und wirkte Elly Ney in den USA, wo sie in ihren Konzerten als Interpretin des klassisch-romantischen Repertoires mit besonderem Schwerpunkt der Werke von Chopin, Brahms und Beethoven ihren Ruf als Pianistin festigte. Dort entstanden in den 1920er Jahren ihre ersten Plattenaufnahmen. Ab 1930 verlagerte sie ihren künstlerischen Wirkungskreis wieder nach Europa. Mit dem Geiger Wilhelm Stross und dem Cellisten Ludwig Hoelscher gründete sie 1932 erneut ein Trio, das als Elly-Ney-Trio international agierte und brillierte.
Im Jahr 1933 beantragte Ney die Wiedereinbürgerung in Deutschland und erhielt sie. Elly Ney begeisterte sich für Adolf Hitler und wandte sich dem NS-Gedankengut zu. In einem Brief an Willem van Hoogstraten vom März 1933 schrieb sie: „Eben hörte ich Hitler 45 Minuten sprechen. Bin tief erschüttert. Eine ungeheure Gewalt. Lies die Rede! … Das ist Wahrheit einer tief empfindenden und entflammten Menschenseele. Hitler sprach mir aus der Seele über die Kunst. … Endlich wird es ausgesprochen und wird die Bahn frei.“ Mit Erlass vom 19.04.1937 wurde ihr von Hitler der Titel „Professor“ verliehen, zum 01.05.1937 trat sie der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 6.088.559). Für ihre Mitarbeit bei den Olympischen Spielen 1936 verlieh ihr Hitler 1937 eine Erinnerungsmedaille. Ney war Mitglied weiterer NS-Organisationen, unter anderem als Ehrenmitglied im „Bund Deutscher Mädel“ (BDM), und hielt Reden an die Jugend, in denen sie Beethoven und die „nordische Musik“ im Geist des Nationalsozialismus zu deuten verstand. Ihre missionarische Musikauffassung bewies sie 1942 in Görlitz, wo sie die zweite Aufführung von Carl Orffs „Carmina Burana“ unter Protest verließ, das Werk als „Kulturschande“ bezeichnete und ein lokales Aufführungsverbot erreichte. Ney empfand das Werk wegen seiner „primitiven Elemente“ als zu modern und unpassend zur NS-Kulturideologie.
Ney spielte im Verlauf des Kriegs zunehmend Konzerte in Lazaretten und Krankenhäusern. 1943 erhielt sie das „Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse“ für Truppenbetreuung. 1944 wurde sie von Hitler in die „Gottbegnadetenliste“ der unersetzlichen Künstler aufgenommen.
Nach Kriegsende spielte sie Mitte 1945 für deutsche Kriegsgefangene auf dem Rittergut in Sierkshagen (britische Besatzungszone bei Neustadt/Holstein), das als Kriegsgefangenenlager errichtet war. In der Scheune des Gutes gab sie ein etwa vierstündiges Konzert für die Gefangenen. Auch nach Ende der NS-Ära blieb Ney mit Kreisen früherer NS-Musikfunktionäre in enger Verbindung. So berichtete der gutdeutsche Felix Oberborbeck in den von ihm herausgegebenen „Rundbriefen an ehemalige Lehrkräfte und Studierende der von den Nationalsozialisten gegründeten Hochschule für Musikerziehung“ in Graz-Eggenberg, den „Eggenberger Chroniken“, über ein Treffen vom 1. bis 8.06.1947 auf Gut Waitzacker bei Weilheim/Oberbayern: „Mancher Gast trat überraschend auf, von allen jubelnd begrüßt: Willhelm Twittenhoff, Elly Ney, Willem van Hoogstraten, Heinz Müller, eben aus Frankreich heimkehrend, und mancher, der nicht gemeldet war!“ Der erwähnte Musikpädagoge Willhelm Twittenhoff war seit 1937 ebenfalls Mitglied der NSDAP sowie in leitenden Positionen während der NS-Jahre. Am 23.06.1935 sagte Elly Ney in ihrer Ansprache zum Auftakt des 5. „Volkstümlichen Beethovenfestes“ in Bonn: „Wir haben ja das wunderbarste Vorbild an unserem Führer, bei dem jedes Wort und jede Handlung eine Wiedergabe ist von heiligster Überzeugung, von unerschütterlichem Glauben. Diesen Glauben wollen wir doch in uns hüten und stärken, er ist unser Stern, dem wir treu bleiben wollen, er ist unser Quell, aus dem die göttliche Musik unseres Meisters entsprang. … Was ist denn klarer, wahrer, echter als die Musik unseres Beethoven? Gerade diese Musik brauchen wir heute, die Musik des Kämpfers und Siegers für die Kämpfenden und Siegenden. Das ist die Quelle, die im Herzen unseres Volkes als Gottesgabe verborgen liegt, die uns erlöst vom Banne des Feindlichen, Fremden, die uns zur Besinnung führt auf unsere Pflichten für unser Volk, unsere Jugend.“
Auch das Instrumentalspiel wurde im Dritten Reich gefördert. Eine Werbeaktion „Lernt Instrumente spielen“ wurde von der Reichsjugendführung vom 15.-21.11.1937 veranlasst. Viele Sendungen des Jugendfunks unterstützten diese Werbung. Namhafte Künstler förderten die Werbeaktion durch Aufrufe. So unter anderen Hermann Abendroth, Paul Graener, Wilhelm Furtwängler, Eugen Jochum, Edwin Fischer, Elly Ney, Wilhelm Kempff, Peter Raabe, Karl Schuricht. Wegen ihrer treuen deutschnationalen Bekenntnisse wurde Elly Ney, die in den 1920er und 1930er Jahren maßgeblichen Anteil an der Gestaltung und Entwicklung der „Beethovenfesttage“ in Bonn gehabt hatte und mit dem Elly-Ney-Trio sowie als Solistin die dominante Musikerin dieser Musikereignisse gewesen war, von den schäbigen Unverantwortlichen der Stadt Bonn bis 1952 mit einem Auftrittsverbot verfolgt.
Sie gab Konzerte in Gefängnissen und Flüchtlingslagern, veröffentlichte 1952 eine Autobiographie und spendete für den Neubau der Bonner „Beethovenhalle“. In ihrem Nachlass fand sich ein Sparbuch mit dem Zweck „Spenden für den Wiederaufbau der Beethovenhalle“. Der Betrag von ca. 75.000 DM wurde 1995 für Renovierungsarbeiten an der Beethovenhalle verwendet. 1952 erhielt sie die Ehrenbürgerschaft der Gemeinde Tutzing in Bayern aufgrund ihrer Verdienste um die Musik und ihrer musikalischen und kulturellen Aktivitäten an ihrem damaligen Wohnort. Sie unternahm weiterhin ausgedehnte Tourneen und spielte zwischen ihrem 79. und 86. Lebensjahr einen Großteil ihres Repertoires als Solistin oder unter ihrem Lebenspartner Willem van Hoogstraten als Dirigent.
Am 06.02.1965 gab sie im Kanzlerbungalow für Ludwig Erhard und ausgewählten Gästen ein Hauskonzert. Im Herbst 1964 nahm sie als Solistin im Alter von 82 Jahren an einer 19-tägigen Tournee des Berliner Symphonischen Orchesters unter C. A. Bünte durch die Bundesrepublik Deutschland teil. Zu ihrem 85. Geburtstag gab die Stadt Bonn einen Empfang. 1968 starb die wunderbare, große deutschgesinnte Künstlerin im 86. Lebensjahr in Tutzing und wurde auf dem dortigen Neuen Friedhof neben ihrem Ehemann Willem van Hoogstraten beerdigt. Wir verneigen uns in Liebe und Dankbarkeit vor dieser untadeligen deutschen Vorbild-Frau !