„Der Panzergraf“ v. Strachwitz


08.08.2026

Strachwitz.jpg

Hyazinth Graf Strachwitz von Groß-Zauche und Camminetz (1893-1968) war ein Generalleutnant und Panzerkommandeur in der Wehrmacht, und vorher Führer eines nach ihm benannten Freikorps im Selbstschutz Oberschlesien, während der polnischen Aufstände in Oberschlesien 1921. Er trug in WK II. den ehrenvollen Beinamen „Der Panzergraf. „Witz“, der zweite Namensteil von Strachwitz, ist nicht als slawisches Sprachrelikt zu verstehen, entspricht vielmehr dem althochdeutschen Begriff für klug, weise, gewitzt.

Die Familie Strachwitz ist ein altes deutsches Adelsgeschlecht und gehörte zu den vermögendsten Land- und Forstbesitzern Schlesiens. Seine Eltern waren der Landschaftsdirektor und Bailli des souveränen Malteserordens, Mitglied des Preußischen Herrenhauses, Graf Hyacinth von Strachwitz und dessen Ehefrau Aloysia von MatuschkaHyazinth war in erster Ehe mit Alexandrine Freiin Saurma von der Jeltsch verheiratet. 1947 heiratete er, nach dem Tod seiner Frau, seine zweite Gefährtin Nora von Stumm.

Seine Kadettenzeit in Lichterfelde absolvierte Strachwitz mit Manfred von Richthofen und Hans von Aulock. Beim Regiment Garde du Corps in Potsdam wurde er Leutnant. Nach dem Ausbruch des WK I. ritt er mit seinem Regiment in Frankreich ein. Nach einem gewagten, abenteuerlichen Spähunternehmen wurde er kurz vor Paris im September gefangen genommen und am 14.10.1914 zu Zwangsarbeit in Cayenne verurteilt. Die Überführung kam jedoch nicht zustande; er wurde über Lyon und Montpellier ins Zuchthaus der Île de Ré gebracht. Im Zuchthaus vom südfranzösischen Carcassonne fand ihn eine Schweizer Ärztekommission vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz apathisch und abgemagert vor. Daraufhin wurde er in die Schweiz überstellt und 1918 nach Deutschland entlassen.

Während der mörderischen Oberschlesischen Polen-Aufstände organisierte Strachwitz als Freikorpsführer den Selbstschutz Oberschlesien (SSOS). Im Mai 1921 zeichnete er sich in der erfolgreichen Schlacht um den Annaberg aus. Daraufhin wurde von den polnischen Freischärlern ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt.

Nach der Niederschlagung des polnischen Aufstandes gehörte er als Rittmeister der Reserve dem Reiter-Regiment 7 in Breslau an. Im Jahr 1935 bat Strachwitz um Übernahme in die Panzertruppe, die von den Generalen Lutz und Guderian aufgebaut worden war. Beim Panzer-Regiment 2 der 1. Thüringischen Panzer-Division in Eisenach leistete er fortan seine Reserveübungen ab.

Zum 01.12.1932 trat er der NSDAP und der SS bei. In der SS stieg er 1943 bis zum SS-Standartenführer auf und gehörte dem Persönlichen Stab des Reichsführers SS an. Im WK II. nahm er als Divisions-Nachschuboffizier am Militärschlag gegen dan kriegsversessenen und mördischen Polen-Staat und am Westfeldzug teil und bekam dafür als erster Offizier seines Regiments die Spange zum Eisernen Kreuz I. Klasse. Nach dem Krieg gegen Frankreich 1940 wurde der zum Major der Reserve beförderte Graf Strachwitz zur 16. Panzer-Division, die Generalmajor Hube führte, versetzt. Die Einheit war in Rumänien stationiert, wo sie als Lehrdivision für eine rumänische Armee verwendet wurde. Zu Beginn des sog. Wehrmachts-Unternehmens Barbarossa, dem offiziellen Kriegsbeginn gegen die Sowjetunion, die im Begriffe stand, in ihrem bolschewistischen Wahn, Europa verschlingen zu wollen, griff Major Strachwitz am 22.06.1941 hinter der Demarkationslinie an und zeichnete sich bei der sich anschließenden Schlacht von Dubno-Luzk-Riwne und in der Kesselschlacht von Uman aus. Dafür erhielt er am 28.08.1941 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Die Sowjetunion hatte ihre Angriffsarmeeen (um 6 Millionen Rotarmisten, mit um die 30.000 Panzerfahrzeugen) aus den östlichen Garnisonen nach Westen an die Demarkationslinie verlegt und plante den baldigen Großangriff gegen Westeuropa

Strachwitz_am_Panzer.jpg

Kommandeur des Panzerregiments „Großdeutschland“ Oberst Hyazinth Graf Strachwitz von Groß-Zauche und Camminetz vor seinem Kommandopanzer PzKpfw III. Rechts von ihm der Kommandeur des Panzergrenadier-Regiments, Oberst Karl Lorenz. 1943

Als Hauptmann und Führer der I. Abteilung im Panzerregiment 2 der 1. Panzer-Division (Kirchner) kämpfte er im Westen, bewährte sich in der Truppenführung und fiel besonders durch kühne Einzelaktionen auf - so brachte er einmal mit vier seiner Soldaten über 100 gefangene Franzosen mit, die er in ihrer Kaserne überrascht und kurzerhand zur Kapitulation überredet hatte. Im April und Mai 1941 kämpfte Graf Strachwitz an der Spitze seiner I. Abteilung zusammen mit dem Elite-Regiment Großdeutschland erfolgreich in Jugoslawien. Als im Juni der erwähnte Ostfeldzug begann, stand das Regiment erneut in vorderster Linie. Im Südabschnitt der Ostfront eingesetzt, stieß Strachwitz an der Spitze seiner Panzer über die russische Grenze vor, überrollte mehrmals Verteidigungsstellungen und Schützenverbände und unterstützte die eigene Infanterie. Bereits nach wenigen Kriegstagen im Osten wurde Graf Strachwitz verwundet. Durch einen Sanitäter notdürftig versorgt, blieb er bei seiner Truppe und führte sie in den gerade tobenden Kämpfen weiter an. Erst als der Feind zurückgeschlagen war, ließ er sich von einem Arzt behandeln. In den folgenden Wochen fungierte der verwegene Graf mit seiner Einheit immer wieder als Vorhut oder Stoßkeil, wobei er wiederholt zum Erfolg der 16. Panzerdivision beitragen konnte (u.a. Dubno-Werba, Stalin-Linie, Wosnessensk, Perwomaisk, Uman). Es folgten Einsätze am Mius und vor Charkow, ehe die 16. Panzerdivision erfolgreich als Stoßkeil der Sommeroffensive in Richtung Don fungierte. Als seine Abteilung während der erbitterten Panzerschlacht von Kalatsch innerhalb von 48 Stunden über 270 russische Panzer sowie mehrere Artilleriebatterien vernichtete, reichte die Division Graf Strachwitz mit Nachdruck zum Eichenlaub ein.

Im Winter 1942/43 führte Graf Strachwitz eine Kampfgruppe außerhalb von Stalingrad. Während den schweren Gefechten erneut verwundet und in ein Lazarett gebracht, erhielt der beherzte Truppenführer am 13.11. als erst 54. Heeresoffizier das Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen. Kurz nach seiner Genesung, die Katastrophe von Stalingrad ging ihrem Ende entgegen, kehrte er an die Ostfront zurück und übernahm am 01.01.1943 die Führung (m.d.F.b.) des bereits legendäre Panzerregiments der Heeresdivision „Großdeutschland“. Die Beförderung zum Oberst der Reserve erfolgte noch am gleichen Tag. Ehrenhalber wurde der Graf (01.09.1943) zum Standartenführer der Waffen-SS ernannt. Am 15.01.1943 wurde er zum Kommandeur des Panzerregiments ernannt. Es folgten Einsätze am Bug und bei Barwenkowo, wo die ihm unterstellten Panzer immer wieder große Abschusszahlen melden konnten. Bei Perwomaisk griff Strachwitz mit einer Kampfgruppe eine aus 300 Panzern und Fahrzeugen bestehende Feindkolonne an und vernichtete sie zum Großteil. Unter der bewährten und sicheren Führung des „Panzergrafen“, wie Strachwitz bald von seinen Männern genannt wurde, waren die neuen 55-Tonnen-Tiger-Panzer besonders effektiv. In Angriff und Verteidigung erwies sich das Regiment als maßgebend, so schossen während eines Panzergefechtes vier von Graf Strachwitz geführte Tiger binnen einer Stunde über 100 Feindpanzer ab.

Am 17.11.1942 erhielt er das Eichenlaub zum Ritterkreuz. Bereits zum Oberstleutnant befördert, gehörte Strachwitz mit seiner Panzerbesatzung beim Angriff auf Stalingrad zu den ersten deutschen Soldaten, die das Ufer der Wolga nördlich von Stalingrad erreichten. Der Oberst der Reserve erhielt als erster Regimentskommandeur am 15.01.1943 das Panzerregiment „Großdeutschland“, zur Bewährung und zur Probe. Nach der dritten Schlacht bei Charkow, bei der sein Regiment zahllose Sowjet-Panzer abgeschossen hatte, erhielt er am 28.03.1943 die Schwerter zum Ritterkreuz.

Am 01.04.1944 wurde Strachwitz zum Generalmajor befördert, wieder aktiviert und zum Kommandeur der 1. Panzer-Division ernannt, wenig später zum Höheren Panzerführer der Heeresgruppe Nord mit drei Panzerdivisionen und einer Panzerjagdbrigade. Am 15.04.1944 erhielt er die Brillanten zum Ritterkreuz

Am 01.08.1944 wurde er zum Generalmajor befördert. An der Spitze von nur zehn Panzern durchbrach er persönlich die Stellungen einer russischen Division und eroberte das westlich von Riga liegende Tukkum zurück, das zuvor aufgegeben worden war. Die zurück gewonnene Stellung bildete später die linke Flanke des Kurlandkessels. Als Generalmajor Strachwitz kurz darauf mit seinem Kübelwagen zum Gefechtsstand einer Division unterwegs war, fand er fast den Tod. Sein Wagen geriet ins Schleudern und überschlug sich mehrmals! Der Fahrer und seine Ordonnanz waren sofort tot, der Graf erlitt einen Schädelbruch sowie Verletzungen an den Rippen, Armen und beiden Beinen. Die Ärzte stellten ihm eine sehr lange Zeit im Lazarett in Aussicht. Durch ungeheuren Willen und Selbstüberwindung kam Strachwitz aber schnell wieder auf die Beine und erreichte nach wenigen Wochen seine Rückversetzung zur Truppe. Seine Verwundungen hätten eigentlich für drei Goldene Verwundetenabzeichen gereicht. Zwischen 1941-1945 wurde Strachwitz 14 x verwundet. Er überstand den Autounfall, acht diverse Kampfverletzungen, zwei Splitterverletzungen am Kopf und etliche andere Kleinigkeiten. Nach seiner Genesung stellte Generalmajor Strachwitz im Hinterland eine spezielle Panzerjagdbrigade auf und bildete sie - noch immer an Krücken gehend - für den Kampfeinsatz aus, hierbei kooperierte er mit dem hoch dekorierten Panzerjagdexperten Oberst Rudel. Aufgrund der immer schlimmer werdenden Kriegslage wurden jedoch Teile seiner Einheit wieder ausgegliedert und als Feuerwehr an die Front geschickt. Durch seine schwere Verwundung kam es für Graf Strachwitz zu keiner Frontverwendung mehr, am 01.01.1945 stieg er im Zuge der fünften Beförderung seit Kriegsbeginn zum Generalleutnant der Reserve auf. Somit war der Brillantenträger der ranghöchste Reserveoffizier der gesamten Wehrmacht.

Im Mai 1945 ergab sich der in hunderten Gefechten bewährte Panzergeneral den vorrückenden amerikanischen Truppen, kurz nach Kriegsende erfuhr er, dass sein jüngster Sohn (Leutnant Hubertus Arthur Graf von Strachwitz) noch in den letzten Kriegstagen als Infanterieoffizier gefallen war. Hyazinth war übrigens nicht der einzige Ritterkreuzträger der Militärfamilie geblieben. Hauptmann Ernst Graf Strachwitz war 1944 als Bataillonskommandeur eines Gebirgsjägerregiments beliehen worden, Mauritz Freiherr von Strachwitz 1945 als Generalleutnant und Kommandeur der 87. Infanteriedivision. Letzterer verstarb 1953 in russischer Kriegsgefangenschaft.

Nach der durch die Kriegslage der übermächten Reichsfeinde erzwungenen Kapitulation der Wehrmacht entließ Strachwitz seine Truppe und befahl ihr, sich nach Westen abzusetzen. Er selbst schlug sich durch das von tschechischen Partisanen unsicher gemachte Sudetenland bis nach Velden in Bayern durch, wo er von den Amerikanern gefangen genommen wurde. Seine Frau Alexandrine („Alda“) wurde während der Gefangenschaft von einem US-Armeefahrzeug überfahren und getötet, des Ehemannes Wunsch, an der Beerdigung teilzunehmen wurde ihm verweigert. Sein jüngster Sohn, Hubertus „Harti“ Arthur (geb. 11.03.1925), verlor ein Bein und fiel am 25.03.1945 in Holstein während der letzten Schlacht um Deutschland, nachdem er sich freiwillig zu den Truppen gemeldet hatte. Sein ältester Sohn Hyacinth (geb. 02.05.1920) wurde im Krieg schwer verwundet und war sehr lange ans Bett gefesselt, konnte sich aber nach dem Krieg erholen. Und seine tapfere Tochter diente als Nachrichtenhelferin.

Nach Beendigung seiner zweijährigen US-Kriegsgefangenschaft, riefen ihn die dortigen Machthaber nach Syrien, als Berater des Staatspräsidenten für Forst- und Landwirtschaft, um die Armee des Landes aufzubauen. Nach dem Sturz von Husni az-Za'im setzte sich Strachwitz mit seiner zweiten Frau in den Libanon ab. Im Juni 1949 traf er in Italien ein, wo er bei Livorno ein Weingut bewirtschaftete. Im Herbst 1951 kehrte er nach Deutschland zurück, wo er das „Oberschlesische Hilfswerk“ gründete. Er bekam mit seiner zweiten Frau noch einmal zwei Mädchen und zwei Jungen. Schließlich verstarb Hyazinth Graf Strachwitz am 25.04.1968. Offiziere der Bundeswehr hielten am Sarg die letzte Wache. Unser Dank und unsere liebevolle Ehrerbietung gehören dieser untadeligen Heldenfamilie für unser Vaterland ! 

Auszeichnungen:

Ehrenritter des Malteserordens
Eisernes Kreuz (1914) II. und I. Klasse
Schlesischer Adler II. und I. Klasse
Spange zum Eisernen Kreuz II. und I. Klasse
Panzerkampfabzeichen 5. Stufe mit Einsatzzahl 100
Verwundetenabzeichen (1939) in Gold
Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub, Schwertern und Brillanten
Ritterkreuz am 25.08.1941.
Eichenlaub am 13.11.1942 (144. Verleihung) als Oberstleutnant der Reserve und Kommandeur der I./Panzer-Regiment 2
Schwerter am 28.03.1943 (27. Verleihung) als Oberst der Reserve und Kommandeur des Panzer-Regiments Großdeutschland
Brillanten am 15.04.1944 (11. Verleihung)
Deutsches Kreuz in Gold am 29.05.1943
mehrmalige Nennung im Reichs-Wehrmachtsbericht

Strachwitz_Buch.jpg

„Generalleutnant der Reserve Hyazinth Graf Strachwitz von Groß-Zauche und Camminetz: Vom Kavallerieoffizier zum Führer gepanzerter Verbände“ von Autor Hans-Joachim Röll - Format: Gebundene Ausgabe.