TORHEITEN DER WILHELM TEUDT’s

 

TORHEITEN DER WILHELM TEUDT’s

 

„Not macht erfinderisch“ sagt man, womit zum Ausdruck kommen soll, dass Notzwang den Geist anregt, die Not abzustellen. Das ist ein guter, nicht selten auch ein erfolgreicher Mechanismus. Wer über die deutsch-germanische Geschichte nie nachdachte, vermag die Not derer nicht mitempfinden, die unter ihr leiden. Die andere „Sorte“ - wie Theodor Storm sie nannte - der daran Leidensunfähigen, sind diejenigen die außerhalb der deutschen Volksgemeinschaft stehen, die sich nicht als Deutsche erachten, oder sehr wohl deutsch vom Geblüt sind, sich jedoch nicht zugehörig fühlen wollen. Wer um die Geschichtsabläufe weiß und wem gleichzeitig ein fühlendes Herz in der Brust schlägt, wird bei ihrer Betrachtung tieftraurig, denn er muss eine einzige lange Kette von Vergewaltigungen der Volksseele erkennen. Nie war dieses Volk selbstbestimmt, in seiner Jugendblüte wurde es zu einer Fremdlehre teils mit List übertölpelt, teils brachial gezwungen -, jedenfalls genötigt seinem eigenen Geist, in Gestalt der eigenen Volksgottheiten, abzuschwören. Die sich daraus ergebenden seelischen Verwerfungen konnten nie ausgeheilt werden. Nichts in der Vergangenheit war doch wahrhaft ein echtes Eigenes des deutschen Volkes. Die Religion -, von einem Fremden jenseits der Alpen im altbösen, germanenfeindlichen Rom dominiert. Die scheinbare Kaiserherrlichkeit, und doch drückende Abhängigkeit von den Päpsten -, ein einziger demütiger „Canossa“-Gang. Die Kreuzzüge -, verschwendete Volkskräfte für ein fernes Land und ferne Interessen. Das gesamte Mönchs-, Kloster- und Kirchenwesen -, die Aufzucht einer bösartigen, lebensfeindlichen Natter am Herzen der Nation.

 

DIE VORDENKER

 

Doch auch immer wieder gebar das Volk Menschen die einen Weg zurück zum eigenen Ich suchten, die Heilskonzepte entwickeln wollten, um die schwärende Seelenwunde zu schließen. Auch der Mönch Martin Luther (1483-1546) war solch ein Mann der in einem germanisch geprägten Freiheitsbegehren die Deutschen aus der römisch-klerikalen Knechtschaft herauslösen wollte, was ihm zum Gutteil auch gelang. Der Ritter Ulrich von Hutten (1488-1523) war ein ganz wunderbar kompromissloser Kämpfer für das deutsche Freiheitsrecht. Ebenso der legendäre Arzt und Seelenkenner Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus (1493-1541), der die Deutschen zum Deutschsein ermahnte und in den heimischen Kräuter-Rezepturen die angemessene und heilwirksamste Medizin pries. Von dem Geistesriesen Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716), dem herausragenden Vorkämpfer der Aufklärung, stammt der Satz: „Erst wenn Religion und Vernunft übereinstimmen, entstünde eine wahrhafte Religion.“ Zahllos sind die Namen der Suchenden, der Reformatoren, der grübelnden und schaffenden Geister. Der gesamte Deutsche Idealismus, die Deutsche Philosophie empfing ihre Impulse aus diesem sehnsüchtigen Suchen nach einem für den freiheitlichen und logischen deutschen Geist tragbaren Weltverständnis. Die deutschen Denker und Dichter, das Doppelgestirn v. Goethe (1749-1832) und v. Schiller (1759-1804) rangen wortgewaltig mit. J. Gottlieb Fichte mit seiner Philosophie der Selbstfindung und Befreiung entzündete die Herzen der Jugend zur politischen Verselbständigung. Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) entwickelte eine Gottesschau vom „Weltgeist“ die der antiken und altgläubig-germanischen die moderne intellektuelle  Perspektive schenkte. Auch die Gebrüder Grimm (1785/6–1863/59), die Schöpfer der Germanistik und Erhalter des geistigen Vätererbes, fühlten sich - ihrer eigenen Aussage gemäß - berufen, ihr entrechtetes Volk zu erhöhen durch das Finden und Aufzeigen seiner entwerteten Goldenen Garben. Der mit seherischer Treffsicherheit begnadete Wilhelm Richard Wagner (1813-1883), der Dichter, Komponist, Schriftsteller und Theaterregisseur, wusste die alten germanischen Göttergesänge in großartiger Zusammenschau als Musikdramen auf die moderne Bühne zu bringen. Ernst Heinrich Philipp August Haeckel (1834-1919) war der große deutsche Arzt, Freidenker, Zoologe,  Philosoph und wissenschaftliche Maler der die darwinistischen Ideen erweiterte, indem er das biogenetische Grundgesetz formulierte, die einen ganz bestimmten Zusammenhang zwischen der Entwicklung des einzelnen Lebewesens und seiner Stammesentwicklung erkannte. Der letzte Titan jener Kettenzerbrecher war Friedrich Nietzsche (1844-1900) der die heuchlerische christliche Unmoral wider die Natur am deutlichsten zum Ausdruck brachte. Sein „Zarathustra“-Buch sollte die Grundlage einer modernen Religion der freien und starken Geister werden. Die verschiedenen nüchternen Wissenschaftszweige vornehmlich der nordeuropäisch-germanischen Menschen förderten wunderbare Erkenntnisgewinne über ihre und anderer Völker Früh- und Vorgeschichte zutage. Sie ließen dadurch die judäochristlichen Gefängnismauern, die von katholischen Dunkelmännern um die germanische Seele errichtet worden sind, zerbröckeln. Einer der Wegweiser der Archäologie war Gustaf Kossinna (1858-1931), der das kulturhistorische Verständnis von materieller Kultur entwickelte und die Vorstellungswelten der Menschen in Formen und Verzierungen nachwies, grob gesagt, nach dem Motto: „Zeig mir deine Keramik und ich weiß, wer Du bist!“ Er versuchte auf diese Weise erfolgreich den Ursprung der Germanen zu erforschen und die Frage nach der Herkunft der Indogermanen zu lösen, welche mit Sicherheit aus dem Nordraum stammen, aus den versunkenen Gebieten des heutigen Nordseeraumes, aus Schleswig-Holstein, und den Südküsten der Ostsee bzw. des  Baltikums.

 

DIE BLINDGÄNGER

 

So ist es nur allzu verständlich, dass nach machen Vorarbeiten die Puristen, die grundsätzlich deutschen Geister, nach einem Mehr, nach einem wahren deutschen Fundament Ausschau hielten. Mit heißem Herzen gingen sie daran und wurden zum Teil für ihr unablässiges Forschen mit beglückenden Fragebeantwortungen belohnt. Bei der Suche nach einem Weg zur wahren alten Volksreligion allerdings versagten die Vordenker fast völlig. Es handelte sich in der Regel um Menschen bei denen das suchende Herz so heiß brannte, dass der kühle, nüchterne Verstand überlodert wurde. Nur so sind die krassen Irrtümer und die schlimmen Fehlgänge der deutschen Neuheiden zu erklären. Da ist zuerst Friedrich Fischbach (1839-1908) zu nennen, ein Textil-Designer, der in Wien, Berlin, Hanau und Wiesbaden tätig war. Er glaubte die Urheimat der Edda-Mythen im Sauerland finden zu können. Die Runen vermaß er sich zu erklären aus dem irakischen Feuerkult. Seine unsinnigen Deutungen regten den Wiener Guido Karl Anton List (1848-1919) zu eigenen ebenso unsinnigen Arbeiten an. Beide ließen sich von wenigen schmalen Indizien zur Entwicklung weitreichender Fantasiewelten hinreißen. Das von List beschriebene 18-er Runen-Alphabet hat es in Wirklichkeit nie gegeben, die Beschäftigung mit diesem ist also ein kindhaft sinnloses Glasperlenspiel. Es entbehrt jeder Ernsthaftigkeit, ist mithin völlig ungeeignet, um den Geist der Runen - und über sie den der germanischen Vorfahren - kennen zu lernen. Lists Musterschüler wurde Rudolf John (1883-1930), der sich Rudolf John Gorsleben nannte. Seine anstudierten Voraussetzungen übertrafen die seines Lehrers bei weiten, doch auch er brach im dünnen Eis fehlender Wissenschaftlichkeit absolut ein und hinterließ hinsichtlich der Brauchbarkeit für eine heidnische Erneuerung und der Runenkunde auf dem Fundament tragbarer Quellen, rein nichts. Rudolf John war ein überaus respektabler Mann, doch reicht persönliche Ehrenhaftigkeit nicht aus, die wissenschaftlichen Mängel zu überdecken. Seine Runenlehre ist ohne jede Wurzel im Realen, er folgte den frei ausgedachten - aber schöngeistig geschmückten - Unsinnigkeiten Guido Lists. Nicht anders ist auch Karl Spiesberger (1904-1992) von den List’schen Runen-Fantasien - dem sog. „Armanenfuthark“ mit 18 Zeichen - nie losgekommen, er baute auf untauglichem Grund seine skurrilen gedanklichen Runen-Minarette auf. Nicht anders der Astrologe und „Runenforscher“ Friedrich Bernhard Marby (1882-1966), er schlitterte - wie ausnahmslos sämtliche der sog. „ariosophischen“ Akrobaten - auf der schlüpfrigen Schlammspur des Guido List weiter. Franz Wydrinski alias Franz v. Wendin, mit seinem Buch „Die Entzifferung der Felsbilder von Bohuslän, einschließlich der Urkunden über das biblische Paradies“ (1924), wollte den Schwachsinn glauben machen, er könnte in schwedischen Felsbildern den Nachweis dafür finden, das biblische Paradies hätte in Norddeutschland an der Ostseeküste gelegen. Die laienhafte Manier mit der er Felsbildplatten erklärt, zeigt sein Unvermögen. Alle diese Leute waren in unterschiedlichen Gradationen von Adolf Joseph Lanz bzw. Jörg Lanz von Liebenfels (1874-1954) beeinflusst. Er brachte, wie auch wie schon Houston Stewart Chamberlain (1855-1927), den Schwachsinn vom „germanischen Jesus“ ins närrische Gedankenspiel und die angeblich „arische Urbibel“, welche quasi nur von jüdischen Verschmutzungen gereinigt werden müsse, um als „urarisches Weistum“ in neuem Licht erstrahlen zu können. Derartige Verstiegenheiten sind beschämenderweise bis auf den heutigen Tag die nichts weniger als blödsinnigen Grundlagen der neuheidnischen Gruppen in Deutschland. Karl Maria Wiligut (1866-1946), alias Weisthor und Jarl Widar, stapfte mit seinem „Irminenglauben“ in den falschen, in die Irre führenden Fußspuren des Guido List weiter. Gewissermaßen den krönenden Unfug für eine im wahrsten Wortsinne ahnungslose Narrenschar - eigentlich gutwilligster Menschen - steuerte der Theologe Wilhelm Teudt (1860-1942) bei. Er, der von Kunst- und Religionsgeschichte keine blasse Ahnung hatte, aber seine fixe Idee wortreich und hartnäckig unter das Volk seiner Zuhörer zu bringen wusste, vertrat die verhängnisvolle Schnapsidee, das Baum-Ikonengebilde im Kreuzabnahmerelief vom Externstein sei ein getreues Abbild der heiligen altsächsischen Iminsul, die als Allsäule - nicht als Kultbaum - beschrieben worden ist. Hätte der Mann nur einmal in die damals schon vorhandenen Werke über orientalische Kunst hineingeschaut, hätte ihm sofort auffallen müssen, dass es sich bei dem rechtwinklig gebogenen Externstein-Bäumchen, mit den beiden Palmblattwedeln, um das orientalisch-altheilige Motiv des Dattelbaum-Lebensbaumes handelt. Schon damals bezeichneten die Fachleute dieses Gebilde korrekt als „Palmette“. Vereinen, wie den „Goden“, den „Armanen“ und der „Artgemeinschaft“, wäre jedenfalls die Peinlichkeit erspart geblieben, ein orientalisches Kultbaum-Logo als ihr mitnichten „urgermanisches Symbol“ im Banner führen zu wollen. Verhängnisvoll leichtfertig war auch das Wirken von Herman Wirth (1885-1981), dessen Arbeiten kompetenten Prüfungen nicht standhalten. Falsche und nicht vorhandene Felsbilder-Belege, ein deutlich unrichtiges Runenerklärungskonzept (eklatante Widersprüche im eigenen System), bis hin zu nachweisbaren bewusst vollzogenen Manipulationen, verdunkeln seinen Ruf als Wissenschaftler. Auch sein Lebenswerk ist verfehlt, ist ein Koloss auf tönernen Füßen.  Es ist tief traurigmachend, dass über diese Autoren, die sich mit Hingabe der deutschen Sache gewidmet haben - unter dem Gebot nüchterner Objektivität - keine bessere Beurteilung abgegeben werden kann und darf.

 

Während der Betrachtung dieser bedauerlichen Fehlgänge, leichtsinniger wie fundamentaler Trugschlüsse und Albernheiten „treudeutscher“ Autoren, sollte aber auch keinen Augenblick übersehen werden, unter welchen Eindrücken sie zeitlebens standen, nämlich unter einem Übermaß an gegnerischer Bosheit und Häme einer oftmals grundsätzlichen Feindschaft der antideutschen und antigermanischen Schreiber- und Kritikerzunft. Klein und eigentlich ohnmächtig nimmt sich die Gruppe derer aus, die sich für das prodeutsch-germanische Seelenringen entschlossen haben. Gegen sie stand immer die absolute Majorität der Klerikalen im Verein mit Panbabylonisten, mit ihrer „Ex-oriente-lux“-Predigt, die christlich-bürgerliche Presse und den reichlich vertretenen fremdvölkischen und fremdländischen Kräften im Lande.

 

Wilhelm Teudt - persönlich integer wie fast alle diese Kämpfer für eine Erneuerung des altdeutschen Heimatglaubens - ist so tragisch wie typisch in seiner für das Heidentum schädlichen Irminsul-Torheit, dass man sie durchweg salopp „Wilhelm-Teudt’s“ benennen könnte. Denn bei ihnen allen überwog der fanatisch-verbissene „Wille zur Findung“ ihre mitgebrachten fachwissenschaftlichen Voraussetzungen, einer echten Grundlagenentdeckung fähig zu werden. Sie haben durch ihre unwissenschaftlichen Schnellschüsse und banausenhaften Hirngespinste mehr geschadet, als dass sie für eine redliche Renaissance des Heidentums hätten hilfreich sein dürfen. Und doch und doch -, wir müssen ihnen für ihr kämpferisches Engagement insofern dankbar sein, dass sie den Willen zur Suche nach dem Ureigenen nicht aufgegeben und damit wach gehalten haben ! Und trotz ihren Fehlleistungen gebührt ihnen aus dieser Sichtweise Dank und Anerkennung ! Und von dem oft genug grauenhaften Schwachsinn und den geradezu bestialischen Hassgesängen der Antigermanisten wollen wir am besten schweigen.

 

WILHELM TEUDTs IRRWEG

 

Wilhelm Teudt schreibt in „Germanische Heiligtümer“, 1931, S. 47: „Die Irminsul, deren es im Germanenlande viele gegeben haben wird, und die später auch zur Verwechslung mit germanischen Heldenstandbildern Anlass gab, war ein ,Götzenbild’ oder wie die bessere Überlieferung sagt, ein truncus, eine Holzsäule, die symbolisch als Trägerin des Weltalls gedacht war also ein Sinnbild von tiefer, zurückhaltender religiöser Empfindung und weltweitem religiösen Denken. Wir glauben, dass uns an den Externsteinen innerhalb des Kreuzabnahmebildes ein getreues Abbild dieses Symbols aufbewahrt ist, wovon unten die Rede sein wird.“ Schon der Schluss, dass der lat. Begriff „truncus“ ausschließlich eine Holzsäule meinen müsse, ist falsch, er wurde in lat. Texten auch für Steinschäfte benutzt. Aber ob Holz- oder Steinsäule, wie kommt es, dass Teudt einen um 90° gebogenen Schaft als „Säule“ als Irmensäule zu bezeichnen wagte, ohne, dass sich ihm sofort die Feder sträubte -, keine Säule ist derart zu verbiegen, sie müsste zerbrechen und als Säulenschutt am Boden liegen ! Seine närrische Fixation die Irminsul zu finden - koste es was es wolle - ließen ihn jede Vorsicht über Bord werfen und erzeugten in seinem Hirn einen blinden Fleck der seinen Gedanken jedweden selbstkritischen Impuls verboten.  

 

Ob eine Irminsul am Externstein, in diesem versteckten Waldgebiet, gestanden haben wird oder auch nicht,  ist von zweitrangiger Bedeutung. Dass die eigentliche Irminsul auf der bekannten Anhöhe nahe der Eresburg - dem heutigen Obermarsberg - stand, ist hinreichend aufgeklärt worden; dort ist sie höchst verständlich, nämlich weit ins Land hineinblickend. Wichtiger sind im von Teudt gewählten Zusammenhang ganz andere Fragestellungen. Mit keinem Wort geht Teudt auf die Details des Externstein-Gebildes ein. Er fragt sich nicht, was die Rippungen unter den beiden Palmblattwedeln zu bedeuten haben, er begreift nicht einmal im Ansatz den Palmblattcharakter der sich an ihren Blattspitzen leicht rollenden beiden „Voluten“. Er fragt sich nicht, was die beiden kleinen darunter ansetzenden Röllchen bedeuten und welcher Aufgabe sie an einer „Weltsäule“ - die symbolisch das All zu tragen hat - dienen könnten. Für mich sind das Symptome einer mir absolut unfassbaren Gedankenlosigkeit ! Welch ein blinder Mensch Wilhelm Teudt, ohne jede Fähigkeit Formen wahrzunehmen und sie richtig zu deuten, war, zeigt sich auf Schritt und Tritt seiner Text-Durchschau. So schreibt er auf Seite 52: „Das Sockelbild, auf welchem sich das Hauptbild aufbaut, hat allen Erklärungen die größte Schwierigkeit bereitet. Es stellt zwei schlangen- oder drachenumwundene kniende Menschen dar mit einem großen Vogel etwa einem Schwan.“ Nicht erkannt hat Teudt dass es sich hier um den gewöhnlichen Flügeldrachen handelt, wie er auf zahllosen romanischen Reliefs ins Bild gesetzt worden ist. Nicht wurde neben einer Schlange oder Drachen zusätzlich ein Vogel oder ein Schwan ins Bild gesetzt, vielmehr die eine damals gebräuchliche Metapher des Satans. Seine Defizite an kunstgeschichtlichem Wissen, die Teudt hier so ernüchternd offenbart, ließen ihn das ihm völlig unverständliche Lebensbaum-Palmetten-Sinnbild vom Externstein zur „Irmisul“ umdichten. So kommt es, dass er bei seinen folgenden beiden Abbildungen auf Seite 53 die typischen orientalischen Lebensbäume - von Tieren flankiert - (Abb. 26 / 26a) im Kirchenschmuck vom Kloster Alpirsbach und Pavia als germanische Irmensäulen missdeutet. Derartigen Schwachsinn, die germanische Weltsäule gedanklich zum orientalischen Lebensbaum zu verunstalten, trieb dann beispielsweise ein Autor wie Hans W. Hammerbacher auf die Spitze, indem er Bücher des Titels veröffentlichte „Irmninsul: Das germanische Lebensbaum-Symbol“. Für alle diese Verschrobenheiten hat Wilhelm Teudt, als Altmeister des neuheidnisch-deutschen Irminsul-Unsinns, die unheilvolle Spur gesetzt. Eine große Schar naiver Geister folgt ihm darin - zur Schande des deutschen Heidentums - bis zu dieser Stunde.

 

„Wilhelm Teudt im Kampf um Germanenehre“, 1940 schreibt: „Das Elstertrebnitzer Bild - Ein wunderbares Bild ! es war nahezu unbekannt. Mir wurde das gute Lichtbild durch Herrn Wieck-Oldenburg freundlichst übersandt.“ Dann verweist er auf  den Text dazu aus „Bau- und Kunstdenkmäler“ (1879 - 1923) von Heinrich Bergner, welcher bezüglich der beachtenswerten strittigen Gebilde sachlich richtig vom „Palmbaum / Palme (Lilie ?)“ spricht. Teudt zitiert anschließend Erich Jung mit seinem Buch „Germanische Götter und Helden in christlicher Zeit“ (S. 230 f) wo es heiß, dass das Zeichen der Lilie als etwas dem Christentum Feindliches und Dämonisches empfunden wurde. Er stützt diese Annahme mit Hinweis auf Gorslebens „Hochzeit der Menschheit“ (S. 178), der auf die bekannte christliche Gleichsetzung von Lebensbaum und Kreuz aufmerksam macht. Teudt kann sich aber den bisherigen Deutungen nicht anschließen und bringt nun seine Willkürvermutung, die nur allzu gern von seinen nachfolgenden gedankenlosen Epigonen aufgegriffen wurde. Er schreibt (S. 95): „Auf diesem Bild erhebt Gott - einerlei ob man in ihm den Allvater oder den Gottessohn  erblicken will - seine Segenshand nicht allein über den Anhänger des neuen Glaubens, dem der Cruzifixus als heiligstes Sinnbild seiner Erlösung gilt und der bereit ist, Gottes Weisungen aus der Bibel entgegen zu nehmen, Gott erhebt auch seine Hand über den, der altgläubig an der Irminsul als Sinnbild der alles tragenden Gottheit festhält und sich ihren Segen durch irgendein ihr entgegengebrachtes Naturopfer erbittet. Die Charakterisierung  der beiden Religionen ist so eindrucksvoll wie nur möglich.“ (was Teudt gesperrt drucken ließ, habe ich unterstrichen) Die blödsinnige Gleichsetzung von Irminsul und Palmbäumchen/Lilie nahm hier ihren Anfang. Dass es - wäre dies' ein heidnisches Sinnzeichen - von Irminsulen im christlichen Mittelalter nur so wimmelt, und zwar in den Händen von Äbten, Äbtissinnen, Königen und Kaisern in den Buchmalereien und auf Münzprägungen, fiel W. Teudt bis zu seinem Tode nicht auf. Er hätte nur einen Blick in das bekannte Rechtsbuch des „Sachsenspiegel“ werfen müssen ! Um diesen Erklärungsmodus nicht zu verunsichern, übersieht der „Deutungsmeister“ den Nimbus ums Haupt des heidnischen „Irminsulhalters“, was einfach ungeheuerlich ist. Welcher noch so frühe christliche Kirchenvorstand hätte es mit seinem Selbstverständnis vereinbaren können und es geduldet, auf seinem Kircheneingangs-Bogenfeld den Heiden mit und den Christen ohne Heiligenschein hinzunehmen ?! Es muss hier nicht weiter auf die Deutung des Tympanon-Bildes eingegangen werden, ich habe in einer Arbeit die finale Aufklärung geliefert: DIE LÖSUNG DES ELSTERTREBNITZ-RÄTSELS

 

WILHELM TEUDTs LEISTUNG

 

Herr Gert Meier hat im „SYNESIS-Magazin Nr. 4/2007“ eine Besprechung zu Uta Halle’s „Die Externsteine sind bis auf weiteres germanisch“ (2002) abgegeben, worin er zurecht eine Lanze bricht für die Bedeutung des Wilhelm Teudt gegen die üblich gewordenen politischen Diffamierungen und Verdächtigungen. Seine innere Haltung habe ich an Teudt nicht zu bemängeln. Sein „Kampf um Germanenehre“ ist zu würdigen, er verdient Anerkennung. Meine Vorwürfe sind bekanntlich völlig anderer, nämlich sachbezogener Natur und bleiben auch nach G. Meiers Darlegungen in vollem Umfange berechtigt.

 

Wilhelm Teudt, als gediegener Charakter von hoher Sensibilität für das Unrecht am deutsch-germanischen Volk, schreibt vorzüglich informativ in „Germanische Heiligtümer“, 1931, S. 261 ff von den Räubereien des Frankenkönigs Karl, seinen hemmungslosen Bereicherungen in Germanien. Wenn ein nüchterner Betrachter diese historischen Abläufe beobachtet, wird’s ihm immer klarer und fällt es wie Schuppen von den Augen, dass die damalige politische Heiden-Hetze und -Hatz ein gewaltiges perfides Bereicherungsunternehmen gewesen ist. Indem die autochthone germanische Bevölkerungsgruppe des falschen heidnisch-sündigen Denkens bezichtigt wurde, hat man gleichzeitig ihre Entrechtung und beabsichtigte Enteignung legalisiert. Heidenbesitz und Heidenland wurden mit einem Federstich zu herrenlosem Gut deklariert, das den fränkischen Invasoren, genau besehen, aber dem Räuberhauptmann König-Karl, zufiel. W. Teudt schreibt: „Aber Karl begnügte sich nicht mit der Beschlagnahme aller Marken und wie man sonst das von ihm als herrenlos erklärte Volksland nannte (solittudo, confinium, desertum, vastum, eremus) und mit den eingezogenen Gütern aller derer, die sich ihm nichtwillfährig zeigten, oder die er sonst aus irgendeinem Grunde einzeln oder dorfweise von Haus und Hof vertrieb - er setzte seine Willkürherrschaft und Vergewaltigung eines rechtlos gemachten Volkes dadurch die Krone auf, dass er auch ohne Heranschaffung eines Grundes alles Land, was er selbst haben oder verschenken wollte, erst gewaltmäßig durch Vertreibung der Bewohner zur solitudo, zu einem desertum oder dgl. machte, um es dann als causa regis (königliches Eigentum) zu erklären !“  Es ist nun bezeichnend für linksgequirlte Leute vom Schlage einer Prof. Uta Halle, die zeitgeiststromlinienförmig den nationalen Denker und Kämpfer Wilhelm Teudt niederzumachen versuchen, aber nie ein Sterbenswörtchen fallen ließen, zu den Ungeheuerlichkeiten, ja zu den allerchristlichsten Verbrechen, die er zu benennen als seine Lebensarbeit ansah. Nicht anders der beamtete Claqueur Gregor Hufenreuter von der „Freie Universität Berlin“, welcher ins gleiche rote Hörnchen bläst, indem er der Frau Kollegin als zustimmender Rezensient für „H-Soz-u-Kult“ den Rücken stärkt. Von ihm stammen ähnlich gelagerte tendenziöse Arbeiten („Philipp Stauff. Ideologe, Agitator und Organisator im völkischen Netzwerk des Wilhelminischen Kaiserreichs“, 2011). Es ist ja um soviel leichter, unter staatlicher Deckung, einen gegen den Strom schwimmenden Außenseiter, wie es W. Teudt zeitlebens war, zu verketzern, als unangepasst und mutig etwas Unzeitgemäßes und Bewusstseinerweiterndes von sich zu geben, indem die Menschen in diesem Lande über christliche Albernheiten und klerikale Kapitalverbrechen aufgeklärt werden.

 

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