RUNEN-ODiNG-ZAHLEN-VERSTÄNDNIS

Rosettenfibel von Vaerlöse, Seeland / Dänemark, 2. - 4. Jh. - Beschriftung: ALUGOD = heiliger Gott / Heilgott / Gottesheil - Schreibweise von Gott = GOD = zahlenmythologisch  = 18 +  1 +  2 =  21 mit QS = 3 -- Der germ. Begriff god / Gott implizierte, dass der Ase Wodin-Odin in erster Linie Gott sein müsse.  

 

-o-o-o-o-o-o-o-

 

RUNEN-ODiNG-ZAHLEN-VERSTÄNDNIS

24 Runen – von O bis F



Das gemeingermanische Buchstaben-System ODiNG-FUThARK umfasst 24 Stäbe mit QS (Quersumme) 6. 24 ist die Zahl der Stunden des Tages und der Halbmonate eines altind. Sonnenjahres. Der Veda sagt (Satapatha Brahmana 10.4,2,2 u. 18): „Dieses Jahr, dieser Prajapati, schuf alle Geschöpfe, was Atem hat und was nicht, beide, Götter und Menschen [...] Insofern er sich 24 Selbste machte, deswegen hat das Jahr 24 Halbmonate.“ Das ind. „Gesetzbuch des Manu“, mit seinen 24 Kapiteln, soll uralt sein und repräsentiert noch heute die Grundlage der Hindu-Religion. Zahlenmythologisch erscheint die 24 als Produkt von 3x8, d.h. dem dreimaligen Vorhandensein des indogerm. Himmels- und Urgottes Tiu/Tyr (-Rune). Dreimal ist er zeitlich und räumlich präsent, in allen 3 Welten des Oben, des Unten und der Mitte sowie in den 3 Zeiten, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft („Er war, er ist, er wird sein !“). Das griech. und das germ. Alphabet besitzen analog solchen Verständnisses 24 Buchstaben, unter deren Zuhilfenahme die Gesamtheit aller Erscheinungen bedacht und ausgesprochen werden kann. Da der Mensch allein in Wortbegriffen folgerichtig zu denken und allein mit Hilfe von Zahlenwerten die Welt zu ermessen vermag, so wurden die beiden Instrumentarien der Entwicklung menschlichen Geistes ins wahrhaft kosmische Bewusstsein, zur mystischen Einheit von Buchstabe und Zahl zusammengestellt.

 

Von Aristoteles erfahren wir in seiner „Metaphysik“ (A. 5,986 a), die Pythagoreer hatten in die 24 Buchstaben die „Gesamtheit der Glieder des Himmels“, also die Totalität des göttlichen Raumes, hineingedeutet. Den 12 Zodiakzeichen stellte die hellenistische Astrologie seit dem 2. Jh. v.0 jeweils 2 Buchstaben bei. Seitdem man in den Sternen las, empfand man den Zusammenklang zwischen Himmels- und Buchstabenschrift - „Das Weltall entspricht dem Alphabet“, so war die Überzeugung. Das Weltwerden als Kreislauf zu verstehen und dementsprechend Buchstaben in Kreisform anzuordnen, war nichts außergewöhnliches für jene Zeit, in der wir die Runenentstehung annehmen müssen. Besonders das 1. Jh. n.0 erlebte eine Renaissance der griech. Philosophie, der Orphik und des Pythagoreismus, welche die Lehre der ewigen Wiederkehr geradezu ins Zentrum ihrer Verkündigungen emporhoben. Orpheus, Pythagoras und Platon schöpften aus dem Urstrom des vedisch-avestischen - auch sicher des keltisch-druidischen Geistes. Sie verhießen die unsterbliche Seele, dass also der Mensch nicht zum Tode, sondern zum Leben bestimmt sei.

 

Unter dem sog. „frühchristlichen“ Schriftenfund von Nag-Hammadi befindet sich eine gnostisch-iranische Schilderung des Zostrianos von seiner Himmelsreise durch die Gotteswelt (NHC VIII,1), also eines Anhängers der Zarathurstra-Religion. Im Text heißt es, dass er ewig lebt, diese Worte aufgeschrieben habe als er in der Welt (Kosmos) war, um die Seelen der Auserwählten seiner und folgender Generationen zu retten, zu erlösen, indem er ihnen die Wahrheit sagt. Auf Seite 132 Zeile 9 endet die Schrift mit einem Geheimtext von drei Achterreihen des griech. Alphabets, dessen Auflösung durch Umkehr möglich wird. Nicht anders werden die Runen nach der Überlieferung in drei altn. ættir („Geschlecht / Sippe / Familie / Abstammung“) von je acht Zeichen eingeteilt (vgl. z.B. Runenbrakteat von Vadstena / Schweden).

 

Auch christl. Gnostiker ließen sich vom Buchstabenkult inspirieren, dazu gehörte Basilides aus Syrien, der um 130 bis 140 in Alexandrien lehrte. Sein Hauptwerk, eine Auslegung des Evangeliums in 24 Büchern ist verschollen. Ebenso der Magier Markos, mit dessen Lehre Irenäus im zweiten Drittel des 2. Jh. n.0 in Gallien in Berührung kam, betrieb neupythagoreische Buchstaben-Allegorese, wie sie uns in feinerer Form als Runen-ODiNG entgegentritt. Die Markosier lehrten: „Nicht nur die 24 Buchstaben, sondern auch die mit ihnen bezeichneten 12 Stunden und Himmelszonen bilden ein in sich geschlossenes und gerundetes Ganzes. Sie sind zusammen der Äon, das Urbild der Zeit, ebenso wie die Fülle der Elemente, aus denen sich die Welt zusammensetzt. Da aber Mikrokosmos und Makrokosmos sich entsprechen, da der Mensch eine Welt im Kleinen, die Welt einen Menschen im Großen darstellt, so ist auch dieser Buchstaben-Äon menschengestaltig mit Haupt, Leib und Gliedern“, bei Markos eine Lichtjungfrau.

 

Basilides, Markos und andere kamen ersichtlich aus gleicher Schule wie der Runenmeister, mag es Erul, oder wer auch immer, gewesen sein. Gehen wir davon aus, wird begreiflich, warum seine Runenstabreihe rechts mit dem Begriff 0d beginnt und links mit Fuð endet. In altgerm. Bedeutung muss od, altn. oð („Gemüt / Geist / Seele“) - noch für uns verständlich - etwas gemeint haben, das mythisch gesehen, dem Leibhaft-Körperlichen vorausgeordnet erschien. In altn. Lautung bedeutet od („Spitze“), Oddviti („Anführer / Spitzenweiser), altn. oddr, dän. od, schwed. udd („Spitze / Gipfel). Oddviti wird der Ase Odin (Wodin) noch in einer Zusatzbemerkung zum mittelalterlichen isländ. Runenreimwerk getitelt. Das entgegengesetzte Ende ist leicht als „Fuß“ zu verstehen, wie das damals für eine bestimmte Dialektgruppe vielleicht sogar recht genau, groblautlich aber für den gesamten gemeingerm. Bereich verständlich gewesen sein muss.

 

Es grenzt an ein Wunder, dass bei alledem, was der Runenschöpfer in seinem Buchstaben-Maßwerk zu berücksichtigen hatte, er auch noch diese Idee - ebenso wie es Markos tat - einzugliedern vermochte. Kopf und Fuß besitzt also dieser Körper, bestehend aus 24 Buchstaben. Und auch hiermit gibt uns der Meister noch einen tiefsinnigen, philosophischen Rat. Der sinnbildhafte Kopf, das O (-Rune), raunt von unvergänglicher Seelenkraft aus feinstofflichem Ur-Etwas, wohin wir uns zurücksuchen sollen, aber keinesfalls als Traumtänzer und haltlos jenseitsflüchtige Spekulanten.

 

 

Vielmehr bedürfen wir auch des f (-Rune), des festen Fußes der pekuniären Grundlage, denn hierbei handelt es sich auch um ein Synonym für „Vieh“ bzw. „Hab und Gut“. Trotz seiner Wichtigkeit muss es nachgeordnet sein; so liegt die ganze Runenwelt zwischen O und F, zwischen Seele und Besitz, beschlossen.

Pin It