Sorgenfalten

LIEBE UND OPFER

LIEBE UND OPFER

Über „Liebe und Opfer“ hab' ich wohl nachgedacht....

Zwar ist es schon eine Weile her und die Gedanken kamen mir beim Sinnen über eine Frau die ich liebte, die mich aber verraten und belogen hat. Gern würde ich allein die Liebe predigen, doch wir erfahren Lug und Trug und Hass, wie könnten wir da nur lieben ?! Damals schrieb ich:

Ich hab' mir am Freitag, dem 29., den „Fliegenden Holländer“ von Richard Wagner angesehen (29 = Quersumme 11 = Zahl der Liebe). Wagner griff mit dem „Holländer“ die alte Sage vom „Fluchschiff“ auf. Hineingewebt in dieses Thema scheinen die verzweifelten Irrfahrten mancher Seemänner, die sich über lange Zeiträume durch die Weltmeere suchten, bevor sie die Heimat wiederfanden. Der griechische Mythos von Odysseus liefert dazu ein Beispiel. Auch die christliche Legende vom „Ewigen Juden“, welcher wegen des „Gottesmordes“
zur endlosen, fluchbeladenen Wanderschaft verdammt sei, klingt hier an.

Diesen Grundstoff formte Wagner in seiner zur Dramaturgie neigenden Gemütsart zum „Fliegenden Holländer“, einem Seemann, der vom Teufel dazu verurteilt ist, ewig übers Meer zu segeln, bis ihn die Liebe einer Frau vom Fluch erlöst. Die Sehnsucht nach Ruhe aus den Stürmen des Lebens empfand der damalige Wagner (1841) besonders heftig. Sie brannte in seinem Herzen, nachdem er in der französischen Fremde, in Paris, keinen Halt zu finden vermochte.

Der „Holländer“ ersehnt den Tod, der ihm ebenso versagt ist wie die Hoffnung auf Erlösung von endloser Irrfahrt und Liebe. Erlösung kann er - dem Wortlaut der Verfluchung zufolge - nur erringen durch ein Weib, das sich ihm in Liebe opfert. Hier erscheint erstmalig die echt wagnerische Idee: durch eigene Opferung die Erlösung eines anderen zu erreichen und damit gleichzeitig die eigene Erlösung zu gewährleisten durch Lebenssinnfindung und Heldentat. Wie soll der „Holländer“ mit einer liebenden Frau zusammentreffen auf sturmbewegter See ? Fast undenkbar, fast unerreichbar schwer scheint der Erlösungsweg. Alle sieben Jahre (Zeit- und Frauenzahl) darf der Ruhelose an Land, um den Versuch zu wagen, eine treue, opferbereite Frauenseele für sich zu gewinnen - und damit Heimat, Ruhe und Rast.

Die Frau, die zur Erlösungstat bereit ist, heißt Senta. Doch sie ist gespalten, sie liebt und wird in sinnlicher Leidenschaft wiedergeliebt, von ihrem Verlobten Erik. Senta schwor auch ihm die Treue. Wenn sie den „Holländer“ erlösen will, muss sie ihr altes Gelöbnis brechen. Sie ist zwischen sinnlich-weltlichem Glück mit Erik und ihrer geglaubten höheren Bestimmung zur Erlösungstat fürchterlich zerrissen. Der „Holländer“ erkennt den Zwiespalt, in den er aus Eigensucht das edle Frauenherz gestürzt hat, deshalb will er um ihretwegen auf eigene Erlösung und Liebe verzichten. Sein Schiff verlässt den Hafen, um sich wieder auf ewige, unerlöste, hoffnungsleere Irrfahrt zu begeben.

Doch Senta ringt sich von dem sie umschlingenden Erik frei und wirft sich von hoher Felsenklippe hinab ins Meer. Sie gibt sich den Tod, erlöst damit den Fluch, wächst über alltägliche Bürgerlichkeit, kleinliche Berechnung, Lebensgier und körperhafte Sinnlichkeit hinaus zur sich opfernden vorbildgebenden heldischen Geistgestalt. Der Satansfluch über den „Holländer“ verliert damit seine Macht, das Geisterschiff versinkt, der Erlöste steigt - die Geistgeliebte Senta umfassend - in die himmlische Verklärung. So endet Wagners „Fliegender Holländer“.

Es wird so gern von der Überhöhung und Heiligung sinnlicher Liebe gesprochen. Ein wichtiger Aspekt jeder körperhaften Leidenschaft ist es zwar, die fleischliche Triebhaftigkeit zu sublimieren, doch was Liebe wahrhaftig ins Große trägt, ist m.E. nicht - oder nicht ausschließlich - die perfekte leibhaftige Verschmelzung, sondern die geistige unlösbare Verbindung. Und diese ist allein durch gegenseitige Achtung, geistige Hingabe, Beschenkung und Verzichtsleistung - d.h. Opferung - zu erreichen. Eine Liebe ohne Opferbereitschaft offenbart sich als seicht, als heuchlerisch, als unecht -, als Spiel und Tand. Wer für den anderen nicht opfern will, liebt niemals wahr und tief. Da helfen keine Liebesschwüre und -beteuerungen. Liebe erweist sich ganz allein in der Opfertat ! Das ist zwar ein Aspekt, den unsere heutige Tingeltangel-Gesellschaft nicht hören und verstehen mag, Richard Wagner aber ist auch darin der große Seelenkenner und Lehrmeister.

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