Sorgenfalten

AUSLOTUNG DES FREIHEITSBEGRIFFES

„Der Mensch fühlt sich nicht frei wenn er ungebunden ist, sondern wenn er eine Aufgabe gefunden hat, die ihm als liebe Pflicht erscheint.“ - Gerhard Hess

Eine meiner 4 Bücherzimmerecken zwischen denen ich gefangen bin.
 

 

MISSBRAUCH DES FREIHEITSBEGRIFFES

 

Mit kaum einem anderen ähnlich verlockenden Begriff wurden die Menschen von den unter­schiedlichsten Demagogen und Ideologien derart hinters Licht und nicht selten auf gefährlich glattes, dünnes Eis geführt, ja auch bewusst geködert und betört, wie mit dem Versprechen: „Freiheit !“ Wie kommt es, dass der Mensch für den Klang dieses Wortes so empfänglich ist, dass er ihm so gerne glaubt, für ihn die größten materiellen Opfer an Besitz, Leib und Leben hinzugeben vermag, dass mithilfe der Freiheitsvision die bedeutendsten Impulse im Völker­leben gegeben und die größten politi­schen Umwälzungen eingeläutet werden konnten ? Die Antwort ist in den allzu­menschlichen Seelengesetzen zu suchen und daraus einfach sowie schlüssig zu beant­worten:

 

Das menschliche Bewusstsein der absoluten Unfreiheit ist derart allgegenwärtig, immer entscheidungsprägend, unverlierbar, allzeit beherrschend -, so dass die Illusion „Freiheit“, wie eine berückende Fata Morgana uns immer wieder in ihren Zauberbann schlägt. Sie ist freilich nie erreichbar und bleibt ein unrealistischer Menschheitstraum. Bestenfalls ist der relative Zustand von Freiheit in Form von zeitweiser Selbstbestimmung für den Einzelnen zu ge­winnen, und für ein Gemeinwesen, ein Volk, ein Staatsgebilde die Existenz ohne Fremd­bestimmung, also ohne Gewalteinwirkung, ohne manipulierenden Zwang durch äußere, an­dersgeartete Interessengruppen bzw. politische Mächte. Und auf diesem Felde, so gut wie allein, ist bedingungsloses Freiheitsstreben ehrenwert, wahrhaft legitim und lohnt sich rigo­roses, auch militärisch bestimmtes Handeln. Andernorts kann die Freiheitssucht fatale bis psychotische Züge von Un­reife, Albern­heit, Urteilsunfähigkeit, Borniertheit, partieller Blind­heit, Selbstzerstörung oder sogar Asozialität und Kriminalität annehmen.

 

Kaum einer ist sich aber der Totalität tatsächlicher Abhängigkeit von Hunderten Faktoren seiner Ein- und Angebundenheit bewusst, nur so ist es zu verstehen, dass der Mensch eine derartige übersteigerte Begeisterung für das Unerreichbare entwickeln kann. Eingewoben und verstrickt in eine Fülle von sozialen Netzen, müssen wir beständig Rücksicht nehmen auf die Regeln der Familie, der Sippe, der Freundeskreise, des Unternehmens, der Kommune, des Staates, des Kulturkreises in denen wir leben, denen wir unser Entstehen sowie unsere dauerhafte Existenz verdanken. So ziemlich unser ganzes Denken, unsere innere „Tafel der Werte“, die Art unse­rer Weltbetrachtungen, unserer Beurteilungen, unserer Ängste und Hoffnungen wurzeln fest in den Gegebenheiten in die wir zwanghaft hineingeboren wurden, aus denen wir uns trotz oftmals größter Anstrengungen nicht zu lösen vermögen. Wir können uns neue und immer neue Kleider anziehen und bleiben doch immer die Alten. Wohl vermögen wir uns zu ent­wickeln, aufzutürmen, zu entfalten, doch nie über das hinaus was in uns keimhaft angelegt war. Wohin wir auch reisen, wohin wir auch fliehen, wohin wir uns verirren mögen, wir nehmen uns überall hin mit. Uns von uns selbst zu befreien, von unseren Befähigungen oder Mängeln ist nicht möglich. Auszutreten aus unserer Rasse, unserer Blutgruppe, unserem Ge­schlecht, unserem Genotyp ist uns versagt. Das ist es, was der Menschenkenner Goethe mein­te, als er im „Faust“ den Mephistopheles sprechen lässt:  „Du bist am Ende - was du bist. Setz’ dir Perücken auf von Millionen Locken, Setz’ deinen Fuß auf ellenhohe Socken, Du bleibst doch immer was du bist.“    Der Volksmund drückt es einfacher aus, er sagt: „Keiner kann aus seiner Haut !“

 

KEIN FREIER WILLE

 

Das Verhalten des Menschen ist aufgrund neurobiologischer Ursachen vorherbestimmt, sagt der Hirnforscher Hans Markowitsch von der Universität Bielefeld. Die Frage nach dem Grund der Determiniertheit beantwortete der Wissenschaftler mit dem Verweis auf die damit einhergehenden evolutions­bio­logischen Vorzüge. Ein freier Wille sei gewissermaßen hinderlich, wenn es mal schnell gehen müsse. Es stelle einen Überlebensvorteil dar, wenn man „nicht ,zu lange’ nachdenkt, sondern selbst dann ,aus dem Bauch heraus’ entscheidet, selbst „wenn man meint, dies ,frei’ zu tun“.

 

Das erschütternde Ausmaß unserer tatsächlichen Unfreiheit wird erst in allerjüngster Zeit durch die Genforschung dargelegt. Sie beweist zweifelsfrei, dass der Mensch zum ganz über­wiegenden Teil aus festgelegten Bausteinen geformt ist, die nicht allein sein Äußeres bestim­men, sondern auch in ganz erheblichem Maße seine inneren, also geistigen und ge­fühls­­­mäß­igen Strukturen. Unsere Erbanlagen formen unser Sein in einem derartigen Fein­raster, dass sich unser Ich-bewusster Gestaltungsspielraum daneben immer bescheidener aus­nimmt. Wir können uns von unseren Genen nicht emanzipieren, weitest­gehend hilflos sind wir ihnen ausgeliefert; nur ein Ignorant kann nach diesen wissenschaftlichen Erkennt­nissen noch von der echten „Willensfreiheit des Menschen“ reden. Wir Menschen stehen unter dem Diktat der Gene, sind geradezu ihre Sklaven. Sie bestimmen unsere Statur, unsere Affekte, unsere Ta­lente und un­sere Krankheiten.

 

Forscher fanden heraus, dass die Beschaffenheit der Nervenfortsätze im Gehirn dafür verant­wortlich ist, wie intelligent wir sind. Diese sog. Axone sind mit einer isolierenden Schicht aus Myelin umhüllt. Je dicker diese Schicht ist, desto schneller werden Nervenimpulse weiter­geleitet und desto intelligenter ist der Betref­fende. Ein aus der Feder von Vincent Sarichs, eines emiritierten Anthropologen der Uni­ver­sity of California in Berkeley stammendes Buch belehrt über die rassische Ungleichheit der Menschen. Afrikaner schwarzer Hautfarbe ver­fügen im Durchschnitt über einen Intelligenz­quo­tienten von nur 70 Punkten, während der Durchschnittswert der Weißen in der Regel um ca. 30 Punke darüber liegt. Unsere Bewusst­seinsfunktionen, unser Lernen, unsere Reflexion sind hochgradig programmgesteuert. Diese sehr komplexen Programme inter­pre­tierte man früher - und mache Leute irrigerweise noch heute - als Entscheidungsfreiheit. Wir werden gesteuert. Bislang galten Hormone, also Testosteron und Östrogen, als alleinige Verursacher für geschlechtstypisches Verhalten, seit den Forschungen der Neurologin Jane Taylor weiß man, dass die Geschlechtschromosomen X und Y direkten Einfluss auf das Verhalten neh­men, ohne den Umweg über die hormonelle Steuerung. Bei Frauen ist die inhibitorische Kontrolle besser als bei Männern, sie können unmittelbare Reaktionen auf Reize besser unter­drücken, sie haben jedoch eine niedrigere physiologische Suchtschwelle, bleiben dem­nach ihren Gewohnheiten starrer verhaftet. Dass sogar Glaube und Spiritualität genetisch bedingt sind, legte der Biochemiker und Verhaltens­genetiker Dean Hamer als Forschungs­er­gebnis vor. In seinem 2004 erschienenen Buch „Das Gottes-Gen“ schrieb er, für die Religi­osität unzähliger Menschen sei zumindest teilweise ein Gen mit der Bezeichnung VMAT2 verant­wortlich. Es ist für die Ausschüttung chemischer Botenstoffe im Gehirn zuständig, die Stim­mungen und Gefühle steuern. Aus Studien von Peter Falkai (Universität des Saarlan­des) und Wolfgang Maier (Universität Bonn) geht hervor, dass fünf sog. Risi­kogene für Schizophrenie die Verbindungsstellen zwischen den Nervenzellen in einer Art und Weise beeinflussen, die zu einer krankhaften Veränderung der Hirnzellen führt. Ein Teil des Gehirns, der Hippo­cam­pus, ist bei Schizophrenen kleiner. Das Ergebnis dieser Hirnveränderung ist dann eine abnormale Verarbeitung von Informationen im Gehirn, was die für Schizophrene typischen Symptome auslöst wie Verlust der Wirklichkeit und Ich-Störung. Ein als p11 bezeichnetes Protein, das bei der Übermittlung des schlaf- und stimmungsregulierenden Botenstoffs Serotonin eine Rolle spielt,ist an den Veränderungen beteiligt, die Depressionen zugrunde liegen, erklärte der Wissenschaftler Per Svenningsson. Wissenschaftler um Virginia Willour von der Johns Hopkins University wiesen auf einem speziellen DNS-Bereich auf Chromosom 2 hin, der bei Manisch-Depressiven und Selbst­mördern große Übereinstimmungen aufzeigt. Das Alzheimer- Risiko liegt laut einer Studie mit fast 12 000 Zwillingspaaren zu rund 80 Prozent in den Genen, so Margaret Gatz von der Universität Südkalifornien in Los Angeles. Selbst Abhängigkeit vom Alkohol kann nach Erkenntnissen von Wissenschaftern des Nationalen Genomforschungsnetzes (NGFN) in Bonn, an den Erbanlagen liegen, und zwar an entschlüsselten Varianten im CRHR1-Gen.

 

Im Jahre 1901 wurden von Karl Landsteiner die vier verschiedenen Blutgruppen entdeckt: A, B, AB und 0. Sie unterscheiden sich durch das Vorhandensein oder Fehlen von Antigenen (Oligosacchariden) auf den roten Blutkörperchen. Die Blutgruppenträger verdanken ihren Ursprung unterschiedlichen Urmenschentypen („Haplogruppen“), was erklärt, dass sie in einer statistisch nachgewiesen Neigungsbeziehung zu bestimmten Krankheiten stehen. Da ihr Blut unterschiedlich reagiert, verarbeiten sie bestimmte Proteine/Lectine die in ihre Blutbahnen gelangen, entweder auf störungsfreie oder problematische Weise. Daraus ergibt sich die Empfehlung einer Blutgruppendiät, einer Rücksichtnahme auf bekömmliche oder abträgliche Ernährungsweisen. Nicht einmal in der vernunftgesteuerten Wahl unserer Speisen sind wir wirklich frei. So ist es kein Wunder, dass Menschen oft eine ähnliche Ernährungsweise wie ihre Eltern haben, was mehr von ihren Genen festgelegt ist als vom Speiseplan oder der persönlichen Entscheidung. Soziale- und Umwelt-Faktoren spielten dabei eine geringere Rolle als bislang angenommen, wie der englische Professor Tim Spector erkannte. Auch sind mittlerweile eine Menge geschlechtsspezifischer Unterschiede in der Nahrungsverwertung bekannt. So erhöht die gegenüber dem Haushaltszucker lange Zeit als unbedenklich geltende Fruktose zwar in bedenklicher Weise die Blutfettwerte der Männer, was zum Schlaganfall führen kann, doch nicht die der Frauen, deren Östrogen verhindert, dass Fruktose im Übermaß in Fett umgewandelt wird. Aus dem Längen­ver­hält­nis von Ring- und Zeigefinger sind Schlüsse auf die Veranlagung eines Menschen zu ziehen. Auf die Zeugungsfähigkeit von Männern beispiels­weise oder das sportliche Wurftalent von Frauen. Wie die Hände eines Menschen wachsen, entscheidet sich bereits sehr früh in der embryonalen Entwicklung. Dies geschieht unter Einwirkung zahl­reicher Hormone, denen der Embryo im Uterus ausgesetzt ist. Dazu gehört auch das män­n­liche Geschlechts­hormon Testosteron. John Manning, Professor an der University of Central Lancashire im englischen Preston, erforsch­te, dass ein Mensch in einem stärkeren Maße „männliche“ Eigenschaften ausbildet, je höher die Testosteron-Konzentration war, in der er als Embryo gebadet hat. Je größer die Differenz zwischen Ring- und Zeigefinger ist, desto höher war die Testosteron-Konzentration. Petra Kempel von der Universität Giessen: „Ich hätte nie geglaubt, dass wir diese Ergebnisse her­aus­bekommen.“Ihren Versuchspersonen wurden die Finger vermessen, sie mussten Aufgaben zum räumlichen Vorstellungsvermögen lösen. Die Ergebnisse der Studie unter­stützen, was sog. „Rollenklischees“ schon lange be­haupten: Im Durchschnitt hatten die Frauen eine schlech­tere Raumorientierung als ihre männlichen Kollegen. Innerhalb der Gruppe der Frauen waren diejenigen erfolgreicher, die ein eher „maskulines“ Fingerverhältnis hatten. Je kürzer der Zeigefinger in Relation zum Ringfinger war, desto besser die räumliche Vorstellungskraft.

 

GENE DIKTIEREN DEN GRAD DER GESUNDHEIT

 

Leipziger Forscher um Stephane Gesta berichteten über zwölf Gene, die festlegen, wo der Körper Fett bunkert. Aus der Aktivität der Erbinformationen konnten die Wissenschaftler zuverlässig die Statur und das Gewicht eines Menschen vorhersagen. Das Erbgut diktiert demnach, wer einen Bierbauch oder dicke Hüften bekommt. Auch die Laktose-Intoleranz ist auf ein einzelnes Gen zurückzuführen. Sie tritt vornehmlich bei Völkern in Asien und Südamerika auf und sorgt dafür, dass diese Menschen keine Milch vertragen. Das Gen für das Verdauen des Milchzuckers wird bei ihnen nach der Stillzeit einfach abgeschaltet. Arier dagegen vertragen alle Milchprodukte hervorragend. Am Stoffwechsel sind Hunderte Gene beteiligt, bei komplexen Erkrankungen wie Krebs, sind es einige Dutzend, erklärt Hannelore Daniel, Professorin für Ernährungsphysiologie an der Technischen Universität München. Das Gen GSTT1 etwa gilt als eines von vier Entgiftungs-Gene. Liegt seine Aktivität danieder, sammeln sich im Darm Zellgifte an, was Darmkrebs auslösen kann. Betroffene Patienten der chronischen Darmentzündung Morbus Crohn haben weniger sog. Defensine, eine Art körpereigene Antibiotika, die die Schleimhäute vor Bakterienbefall schützen, wie das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg mitteilte. Von dem Gen für das wichtige Verteidigungsmolekül beta- Defensin-2 haben Menschen, deren Dickdarm von Morbus Crohn befallen ist, weniger als Gesunde. Bestimmte Gen-Kombinationen erhöhen das Risiko für Herzinfarkte, das haben deutsche, britische und französische Forscher in einer Studie herausgefunden. „Insgesamt fanden wir auf unterschiedlichen Chromosomen sieben genetische Varianten, die das Herzinfarktrisiko um etwa 20 bis 30 Prozent erhöhen“, sagte Heribert Schunkert vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. Das sog. MEF2A-Gen produziert ein fehlerhaftes Eiweiß; dieses kranke Protein, das ja seit der Geburt existiert, kann später zum Herzinfarkt führen. Auch das Gen mit der Bezeichnung apoE4 kann Entzündungen in den Arterienwänden hervorrufen. Wer einen Fehler in seiner Erbanlage für das Protein Galectin-2 hat, bekommt mit größerer Wahrscheinlichkeit einen Infarkt, berichtet eine Forschergruppe um Toshihiro Tanaka. Wissenschaftler um Robert Sladek von der McGill University im kanadischen Montreal haben vier der offenbar wichtigsten Erbfaktoren identifiziert die Diabetes-Typ-2 erklären können. In einer Studie haben Bochumer Wissenschaftler um Professor Albrecht Bufe eine Genvariante entdeckt, die mit zum Asthmarisiko besonders im Kindesalter beiträgt. Mit Vergleichen des gesamten Genoms der gesunden und asthma-kranken Kinder waren sie auf Varianten einer Sequenz auf Chromosom 17q21 aufmerksam geworden, die die Protein-Gruppe ORMDL3 verschlüsselt. Varianten in dieser Gensequenz sind mit einem deutlich erhöhten Asthmarisiko verbunden. Menschen mit blonden und roten Haaren haben ein erhöhtes Hautkrebsrisiko als Dunkelhaarige. Verschiedene Farbpigmente reagieren unterschiedlich auf UV-Strahlung. Chemiker der Duke University haben eine wissenschaftliche Erklärung für das Phänomen entdeckt: Die Hautpigmente von Rothaarigen aktivieren mehr freie Radikale als die von Schwarzhaarigen und machen die Betroffenen damit anfälliger für Hautkrebs. Nachgewiesen ist, dass Gene den Aids-Verlauf positiv oder negativ beeinflussen. Die Entstehung von Karies und Parodontose, beides wichtige Ursachen für Zahnverlust, ist stark von genetischen Faktoren abhängig. Das haben Zwillingsstudien gezeigt. Offenbar spielt die erblich bedingte Funktion des Immunsystems dabei eine wichtige Rolle und vielleicht auch die Zusammensetzung des Speichels. Es sind sogar schon regelrechte Schlechte-Zähne-Gene identifiziert worden. Es wurde ein Zusammenhang zwischen dem Fingerabdruck eines Menschen und dessen Diabetesrisiko entdeckt. Dabei sind die Windungen des Daumens und des Zeigefingers entscheidend. Je unterschiedlicher diese ausfallen, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, an Diabetes zu erkranken. Da sich Fingerabdrücke und Bauchspeicheldrüse etwa zur gleichen Zeit bilden, werden auch beide gleichermaßen von Versorgungsengpässen oder anderen negativen Faktoren beeinträchtigt. Eine entsprechende Studie legte Henry Kahn von den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta vor. Bei der Anfälligkeit für Tuberkulose spielt ein Gen mit der Information für ein Protein namens MCP-1 eine Schlüsselrolle, das erklärt, warum die Krankheit nicht bei jedem ausbricht, der sich mit dem Erreger infiziert. Lutz Schomburg vom Institut für Experimentelle Endokrinologie der Charité fand einen Gendefekt, der starken Selenmangel im Blut bewirkt und damit Schilddrüsenhormonstörungen auslöst. Auf das Alter beim „ersten Mal“ haben die Gene ebenso einen „erheblichen Einfluss“, erklärte der Autor Ken Ong in einer Studie welche in der Fachzeitschrift „Nature Genetics“ (2016) erschien. Die Forscher untersuchten Gene von mehr als 125.000 Menschen. Sie erkannten dabei einen Zusammenhang zwischen 38 Genvarianten und dem Alter, in dem die Probanden das erste Mal Sex hatten. Die Wissenschaftler verglichen ihre Ergebnisse dann mit Daten von rund 241.000 Menschen in Island und 20.000 in den USA.

 

 

BIOCHEMIE LENKT DIE GEFÜHLE

 

Auch in unserem Paarungsverhalten sind wir alles andere als frei. Erregbarkeit, Begierde und sexuelle Funktion werden von einem einzelnen Gen beeinflusst. Es stellte sich heraus: Wer eine bestimmte Gen-Variante von DRD4 in sich trägt, ist stärker erregbar als jene die es nicht besitzen, berichten Richard P. Ebstein von der Hebrew University in Jerusalem. Auch erfas­sen wir unbewusst, wie unsere eigene Immunabwehr beschaffen ist, und können die eines möglichen Partners am Geruch erkennen, so der Wissenschaftler Manfred Milinski. Der uns attraktiv erschei­nen­de Partner, den wir „gut riechen“ mögen, verfügt über das jeweils passen­de immungenetische Ergän­zungs­programm für den poten­ziellen Nachwuchs. Wenn wir uns in unserem Kopf für die Wahl einer Liebesbeziehung entscheiden, hat sich unsere Körper­chemie längst schon festgelegt und signalisiert dem Hirn: „Den nimmst Du !“

 

Ob wir glücklich oder unglücklich sind hängt allein von der Chemie im Gehirn ab, nämlich von vier Nervenbotenstoffen: Dopamin, Noradrenalin, Serotonin und die Endorphine. Sie liegen jeder Emotion, jedem Gefühl, allem Denken, jeder Entschei­dung, jeder Erinnerung, jeder Beweg­ung und allem Tun und Lassen zugrunde. Und ihre Produktion, ihre Ausschüt­tungsmenge ist natürlich abhängig von den genetischen Konstellationen, denen wir unaus­weichlich unterworfen sind. Alles, was in unse­rem Gehirn abläuft, ist an sie gebunden. Ein ausreichender Dopaminspiegel ist mit allem Angenehmen, Erfreulichen und Vergnüg­lichen verbunden im Zusammenwirken mit den drei Enzymen Monoamin-Oxidase A und B und Cate­chol-O-Methyltransferase (COMT), sowie dem Botenstoff Noradrenalin und Hormon Ad­renalin -; ein zu niedriger, mit Niederge­schla­genheit, Deprimiertheit, chronisch schlechter Stimmung und Depressionen. Ein hoher Sero­toninspiegel in den Synapsen ist lebensnot­wen­dig. Serotonin gibt uns das Gefühl der Gelas­senheit, Ausgeglichenheit, inneren Ruhe und Zu­friedenheit. Es sagt uns, wann wir satt und zufrieden sind. Ein Mangel an Sero­tonin wurde bei mentalen Störungen wie Schüch­ternheit, sozialer Phobie und allen Angst­störungen, schw­e­ren lebensbe­drohlichen Depressionen, Migräne, zwang­haften Wieder­holungshandlungen, Aggres­sivität, häufig wiederkehrenden schwarzen Ge­danken über den eigenen Tod, ver­such­ten und vollen­deten Selbstmorden nachgewiesen. Noradrenalin erregt, aktiviert, macht uns wach und reaktions­bereit, wir sind aufmerksamer, motivierter, leistungs­bereiter. Die Endor­phine sind unsere Schmerzkiller. Oxytocin ist das vertrauens­bildende Hormon für mehr Liebe, Wollust, zwi­sch­en­menschliche Risiko- und K­oope­rations­be­reitschaft.

 

„FREI GEBOREN“ ?

 

Angesichts dieser Fülle von uns angeborenen Abhängigkeiten, Bestimmungen und Zwängen dürfte eigentlich kein nachdenklicher Mensch mehr davon reden, er sei „frei geboren“. Das Wissen darum drückt der Volksmund beispielsweise in dem Spruch aus: „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.“ Nur innerhalb des Wipfelradius eines Fruchtbaumes streut er seine Ab­le­ger, mehr oder minder dicht am Stamm. Wie sehr auch wir Menschen unserem Stamm ver­haf­tet sind, fällt insbesondere bei Hoch- und Sonderbegabungen auch dem diesbezüglich Blin­­des­ten auf. Besondere Befähigungen, Talente werden ganz auffällig von den Eltern auf die Kinder weitervererbt. Wir kennen historische Familien, in denen die musischen, oder pädago­gi­schen, militärischen, diplomatischen Qualitäten über Generationen weitervererbt werden, aus denen immer wieder auch Spitzenleistungsträger erwachen. In viel höherem Maße als in unse­rer Jetztzeit mit ihrer ethnischen Zer­rissenheit, der grassierenden Volksauflösung und den Nivellierungs­tenden­zen zum angepassten, mittel­mäß­igen Durchschnitts­menschen, mussten in früheren Epochen die eigenwilligen, starken Sippen-Cha­raktere ins Auge der Gemeinschaften fallen. Damals waren die Menschen der Volks­ge­meinschaft hinsichtlich ihrer genetischen Prä­gungen viel iden­tischer. Nur wenig fremdes Blut war in den Volkskörper eingesickert. Dem­entsprechend eigenbestimmt, geschlossener, enger ausge­richtet war der gesamte Genpool, und wegen der geringeren Vielfalt an Gen-Komplexen, konnten die vorhandenen Erbmerkmale ein­deutiger weitergereicht werden. War der Vater ein kriegerischer Held, dann war es so gut wie sicher, dass auch der Sohn „nicht aus der Art schlug“; war die Mutter eine begabte Nadel­­künstlerin, so stand ihr die Tochter an Befähigung mit Sicherheit nicht nach. Die Er­kenntnis von der Gleichartigkeit der Sippenangehörigen ließ in der germanischen Zeit unserer Ahnen die heute landläufige Meinung gar nicht aufkommen, dass es eine Art Individualseele gäbe, diese Idee brachte erst der gemeinschaftszerstörende Christianismus in unser Land. Man dach­te sich eine Sippenseele wie eine dauerhafte Lebenskraftader, aus der immer aufs Neue, wie Schösslinge aus einer Wurzel, die einzelnen Menschen hervorwachsen würden. So kam es, dass jede Schä­digung an Gut und Blut, jede Beleidigung, jede Herabsetzung eines Sippen­mitgliedes von jedem anderen der Sippe als absolut persönliche Ehrverletzung gewertet und geahndet wur­den, in dem Sinne: „Wer meinen Bruder geschlagen hat, der hat mich geschla­gen“. „Frei“ fühlte sich kein einziger Mensch und hätte es auch nicht sein wollen. Man stand unter dem Gesetz und damit unter dem Schutz der Sippe, des Volkes, und nur ein Schändling, der aus der Gemein­schaft hinausgejagt wurde, ist zu seinem Kummer und Nachteil als „frei“ erklärt worden. Er wur­de förmlich in die Schande der Freiheit, der Gesetzlosigkeit, der ehr­losen Ungebundenheit hinausge­wor­fen aus der Gemeinschaft der Wohlgeratenen. Damit war er auf den Stand eines wilden, un­ver­nünftigen, „vogelfreien“ Tieres hinabgedrückt, welches jedermann ungestraft töten dufte. Der engl. „outlaw“, der Freie, Gesetzlose, war der Verfem­te, Geächtete, Illegale, der Bandit. So gesehen, war „Freiheit“ nie ein Zustand erstrebens­wer­ter Ehre, ganz im Gegen­teil! In die selbst gewählte Gesetzlosigkeit begab sich der „Frei­schär­ler“ als Angehörige einer paramilitärischen Formation, der so genannten „Freischar“. Frei­willig nahm sie ohne aus­drück­­liche Ermächtigung durch eine kriegführende Partei an Aus­ei­nadersetzungen teil. Nach einstiger Rechtsauffassung mussten Freischärler, ergriff man sie, vor kein ordentliches Gericht gestellt werden, sie konnten von einem Standgericht abgeurteilt und sofort erschossen werden.

 

Erst der antike Christianismus, von einem egomanen Gesamtvertretungswahn befallen, ver­suchte gezielt die Menschen aus ihren traditionellen Heimatverbänden herauszulösen, sie ihren Völkern abspenstig zu machen, um aus der wüsten Abbruchmasse ein neues, ein geisti­ges Volk zusammenzuklauben, welches den selbsternannten klerikalen Führern zur ergötz­lichen Dienstpflicht untertan zu sein hätte. Also wurde der Individualismus gepredigt, die Vereinzelung und Entscheidungsfreiheit vor dem Judengott Jehova, mit dem alleinigen Hin­ter­­sinn, den aus dem stärkenden Volks­verband haltlos Herausgelösten und vorgeblich zu­nächst „Unerlösten“, umso leichter in die eigenen Reihen zu locken oder zu zwingen. Frei­lich bot das Christentum nur eine heuch­ler­ische und keine wahre Freiheit an, die Knecht­schaft vor der christlichen Obrigkeit, der Kurie, ja die totale Versklavung in dem Ideenwust von peini­gender Höllenangst und verzückter Seelig­keitssehnsucht nahm erst ihren schauerlich psycho­tischen Anfang.

 

LIBERALISMUS ?

 

Das eigennützige Zweckpostulat eines kirchlich gepredigten Liberalismus („Freiheitlichkeit“) war geboren. Frei waren angeblich die Menschen, aber nur, um aus ihren Artgemeinschaften kommend, sich in die Fron der „alleinseligmachenden“ Kirchenorganisation zu begeben. Es begannen sich Risse in den Blutsbeziehungen der Familien zu bilden, es wuchsen Verständigungsschwierigkeiten über den Glauben, man wurde sich zunehmend uneins über die Religion. Schon vorher gab es diverse Kultgruppen, unterschiedliche Weihungen, charismatische religiöse Prediger mit neuen Gotteserkenntnissen, doch erst mit dem fanatischen, römisch-straff organisierten Christentum, welches, aus den unseligen Quellen des Judentums schöpfend, den unauslöschlichen Hass auf alles Nicht-judäochristliche verkündete, entstand die aggressive Unversöhnlichkeit zwischen den Menschen, welche ja in den „Heiligen Schriften“ dieser Leute nachlesbar von ihrem vermeintlichen Sektenschöpfer bereits gewollt und geplant war: „Wähnet nicht, dass ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen; ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich  bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater, und die Tochter mit ihrer Mutter, und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter; und des Menschen Feinde seien eigene Hausgenossen. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig.“ (Matthäus 10,34-38) Ganz neu und ohne Vorbild war diese bösartige Form von Religion nicht, das missionsbesessene Altjudentum hat immer versucht, Proselyten zu gewinnen, hat es unternommen, die Menschen ihren angestammten Göttern, ihren Familien und ihrem Staate abspenstig zu machen und hat deswegen im kaiserzeitlichen Rom manche Verbotsdekrete und auch Ausweisungen wegen staatsgefährdender Umtriebe hinnehmen müssen.

 

Es hat dieser Hyperliberalismus, besser gesagt Pseudoliberalismus, die individuelle Freiheit, also die Bindungslosigkeit des Einzelnen, immer gepredigt auf Kosten des größeren Ganzen, des Gemeinwesens, des Volkes. Damit verkam allezeit Liberalismus sehr leicht missbräuchlich zur Rücksichtslosigkeit, zur Asozialität, zum Schmarotzertum, zum Anarchismus und Nihilismus, zur trostlosen Vereinzelung und Vereinsamung. Er schwächte in der Regel die Vitalität und namentlich die Abwehrkraft einer zunächst gesunden Sozialisierung, sei es die Familie, die Sippe, das Volk. Denn bei objektiver Betrachtung, kann keine Gemeinschaft ohne Aufgabe einzelner Rechte und Lebensansprüche ihrer Mitglieder existieren, und noch viel weniger, expandieren. Ohne Rechtsverzicht des Einzelnen ist das Gedeihen von Gesellschaften so gut wie undenkbar. Deshalb der sinnvolle ordnungspolitische Grundsatz: „Gemeinnutz geht vor Eigennutz !“ Radikales, unbeschränktes Streben nach Liberalismus muss zum Untergang der Gesamtheit führen. Nach heutigem Verständnis ist die „individuelle Freiheit“ nach „liberaler Überzeugung“ die Grundnorm und Basis einer menschlichen Gesellschaft. Wo die Freiheit des Einzelnen berührt wird, habe jede, auch die staatliche Gewalt zu enden; der Staat habe nur dann einzugreifen, wenn die Freiheit der Individuen verletzt wird. Wie weit ein Staat mit derartigen letztlich gemeinschaftszerstörenden „Werten“ kommt, das sehen wir am traurigen Beispiel Nachkriegsdeutschlands, das in einem Zeitraum von nur zwei Generationen sein autochthones, effizientes Staatsvolk einbüßte, einen Großteil seines Industriebesitzes verschleuderte, seine Wirtschaft an unkontrollierbare Machtgruppen verlor und seinen tödlich erdrückenden Schuldenberg - möglichst bis zum kommenden Offenbarungseid - notdürftig zu verschleiern versucht.

 

Gern benutzte Begriffe des liberalen Prinzips sind „Toleranz“ und „Meinungsfreiheit“. Bis zum Überdruss, bis zum Exzess werden gerade diese beiden „Errungenschaften“ von den Nutznießern des liberalen Systems verkündet und beschworen. Freilich lassen die liberalistischen Ritter ihre hochheiligen Prinzipien nur auf sich selbst anwenden, ungewünschte Meinungen werden unnachsichtig juristisch verfolgt und Andersdenkende mittels Spezialparagraphen - z.B. dem der „Volksverhetzung“ - zur Strecke gebracht. Eine selbstsuggestiv-selbstgerecht geprägt Meinungsjustiz urteilt mit besonderer Genugtuung gerade jene als „Staatsfeinde“ und insbesondere „Rechtsradikale“ ab, die sich für einen stärkeren und selbstbestimmten, also gesünderen Staat einsetzen -, oder gewisse Fragen, als bislang ungelöst bezeichnen, welche zur moralischen Basisschuld, von der Qualität eines neudeutschen Grundgesetzes, erklärt worden sind. Die Botschaft von der Meinungsfreiheit ist mithin auf weite Strecken als Phrase und Parodie zu durchschauen. Nicht anders verhält es sich mit der vielbeklaschten liberalen Toleranz, welche selbstredend keine Anwendung findet, sobald es sich aus Sicht der Mächtigen um unliebsame Meinungen und Gruppierungen handelt. Paradoxerweise gilt im Nachkriegsdeutschland, aufgrund des Dauerbesatzungszustandes mit Rechtsverlust gegenüber den Haupt-Weltkriegssiegern, der denaturierend wirkenden Kontrollratgesetze und der induzierten Urteilsunfähigkeit eines herangezüchteten Nutznießer-Klientels alles als tolerierbar und sogar förderungswürdig, was dem Ur-Europäertum und Deutschtum als Völker und Staatengebilde zum Schaden gereicht.

 

Der neuzeitliche Liberalismus, der des frühen 19. Jahrhunderts, korrespondierte in mehreren europäischen und außereuropäischen  Staaten mit dem Aufbruch nationaler Selbstbesinnung und völkischer Sichwiederfindung, und zwar deshalb, weil die Völker sich in ihren großstaatlichen Gebilden wie in ungeheuren, luftlosen Särgen eingemauert empfanden. Die Habsburgmonarchie ist dafür ein Beispiel, wie auch das spanische Reich, dem die südamerikanischen Länder einverleibt waren. Demokratie wurde damals als echte Volksregierung begriffen bzw. erhofft, im Gegensatz zu den Monarchien mit ihren übervölkischen Tendenzen ihrer zumeist großräumig-europäisch, oder sogar weltumspannend denkenden Dynastien. Leider haben sich sowohl Liberalismus wie auch der parlamentarisch-demokratische Organisationsgedanke vom Recht auf völkische Selbstbestimmung so gut wie gelöst und verfolgen heute geradezu das Gegenteil, nämlich die Unterdrückung einzelner völkischer Eigenwege. In den Lissabonner EU-Verträgen ist nun sogar das demokratische Prinzip völlig beiseite gelassen worden; Verwaltungstechnokraten ohne demokratische Legitimation besitzen jetzt schon in der EU die Macht, über die wahren Interessen der einzelnen Völker hinweg zu dirigieren.

 

BRINGT HYPERFREIHEIT CHAOS ?

 

Die identischen Begriffe „Marktwirtschaft“ und „Kapitalismus“ sind voneinander nicht abzugrenzen, ersterer wurde gezielt nach dem Weltkrieg II. eingeführt, um den durch Kommunismus und Nationalsozialismus vehement in Misskredit gebrachten Kapitalismus unter neuer Tarnbezeichnung beibehalten zu können. Der Ausdruck  ist vollkommen hohl, denn er bedeutet nichts anderes als den Warenaustausch über Märkte, was nie anders war. Die Herausputzung des Begriffes zur „Freien Marktwirtschaft“ meint ein illusionistisches Wirtschaftsmodell, welches angeblich florieren und sich selbsttätig korrigieren würde. Es handelt sich dabei um die Zugrundelegung einer völlig weltfremden Hoffnung, welche ebenso unrealistisch ist wie die Annahme mancher Naiver, dass der Mensch von Natur aus „gut“ sei. Der Mensch ist weder „gut“ noch „böse“, er ist nur selbstsüchtig, und diese Selbstsucht führt - lässt man sie frei gewähren - geradewegs in die Dominanz der Skrupellosen, der Egomanen, der Brutalen, der Unsozialen, der Kriminellen, der Finanzmogule -, also der Haie, die den irdischen Teich in einem progressiven Geschehnisablauf zu ihren Gunsten leer fischen. Dass der Marktmechanismus keiner Koordinierungseingriffe bedürfe, ist das Postulat allein derer, die selbst oder ihr Klientel von der marktwirtschaftlichen Aneignungsfreiheit profitieren. Der französische Philosoph und Soziologe Jean Baudrillard (1929-2007) kritisierte auch in Interviews den globalen Kapitalismus als eine Form der „ungeheuren Gewalt“, welche „mehr Opfer als Nutznießer“ schafft und daher zivilisiert werden müsse, weil letztlich im Kapitalismus „jeder nichtmonetäre Wert aufgehoben“ wird. Er sagte: „Die Abschaffung aller Regeln, genauer: die Reduzierung aller Regeln auf das Gesetz des Marktes ist das Gegenteil von Freiheit - nämlich deren Illusion. So altmodische und aristokratische Werte wie Würde, Ehre, Herausforderung, Opfer zählen darin nicht mehr.“ Gleiche Einsichten hatte längst vor ihm der deutsche Wirtschaftstheoretiker Gottfried Feder (1883-1941), welcher bereits 1919 die Schrift „Das Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft“ veröffentlichte und 1933 „Kampf gegen die Hochfinanz“. Er unterschied zwischen einem „schaffenden“ Kapital (Gewerbe- und Agrarkapital) und einem egoistische Ziele verfolgenden „raffenden“ Kapital (Handels- und Finanzkapital), das er vor allem mit einem bestimmten Volkstum assoziierte. Zu diesbezüglich gleichen Resultaten gelangten die Überlegungen Prof. Werner Sombarts (1863-1941), dem fundierten, im In- und Auslande geachteten Soziologen und Volkswirt, der sich mit nationalökonomischen, soziologischen, historischen und philosophischen Fragestellungen mit dem Schwerpunkt europäische Wirtschaftsgeschichte und dem Spannungsverhältnis zwischen Kapitalismus und Sozialismus beschäftigte, wobei er zunächst den marxistischen Sozialismus positiv bewertete. Milliardenbeträge lösen sich quasi in Luft auf, verschwinden in den Taschen der Betrüger, unzählige Anleger wurden und werden weiterhin um ihr sauer verdientes Geld betrogen. Solcherart waltet in wirtschaftsliberalistischen Systemen ein unkontrollierbarer Finanzliberalismus, welcher aus ethischer Sicht das wahre Chaos bedeutet. Freiheit ist immer verbunden mit der Entfesselung der Betrugswilligen, der Bösartigen, der professionellen Schnapphähne, der Gauner von Grund auf; Freiheit bringt immer das Übergewicht der moralisch Minderwertigen und führt schließlich die Herrschaft der Verantwortungslosen, der Bedenkenlosen, der Verächter aller höheren menschlichen Werte herauf. Denn so wie im Garten, nach Beendigung von Hege und Pflege, der einsetzende hemmungslose Wildwuchs die Nutzpflanzen durch das Unkraut überwuchern lässt, so muss in menschlichen Gesellschaften, nach dem Wegfall von ordnender Zucht und richtunggebendem Zwang, das Gesindel bald den Ton angeben und unaufhaltsam ans Ruder drängen.

 

Alles Große und Gute des Menschen und seiner von ihm geschaffenen Zivilisation und Kulturwelt basiert allein auf in rationale Ordnungen gesetzte individuelle Befähigungen, in feste Bahnen gezwungene Talente. Ohne Gehorsam, ohne Willenszucht gegenüber einem Gesetz oder einer Ideologie kommt kein positives Werk zustande. Ausschließlich alles Hohe ist systematisch nach bestimmten, oftmals weise erklügelten Programmen hinaufgezüchtet worden ! Um es auf seiner Höhe zu erhalten, möglicherweise noch zu steigern, ist seine gedeihliche Pflege und Hege vonnöten. Alles Gesunde, Reine, Wohlgeratene, Geistreiche, Edle, Feine, Aristokratische, Kunstvolle, Schöne bedarf der immerwährenden, nicht nachlassenden Fürsorge -, das Gemeine hingegen, das Dumme, Törichte, Primitive, Schändliche, Untermenschliche, Ungesunde, Verkrüppelte, Unschöne wuchert in geilster Weise von ganz alleine. So bedarf es keines Übermaßes an Freiheit, um dauerhafte gesellschaftliche Wohlfahrt zu gewährleisten, sondern einer straffen, sich an den irdischen Naturgesetzen orientierenden Ordnungsgewalt unter dem Motto: „Hilfe dem Edlen, Vernichtung dem Schlechten !“ Wobei sich diese beiden Auswahlbegriffe zu richten haben nach den Kriterien „Förderlich oder Abträglich“ aus Sicht der menschlichen Gesellschaft. 

 

ÜBERWINDUNG DES HYPERLIBERALISMUS

 

Liberalismus versteht sich heute durchgängig als linksliberal, hingegen spielen die einstigen Nationalliberalen keine Rolle mehr in der Gesellschaft bzw. in den meinungsbildenden Medien. Die „individuelle Freiheit“ gilt als höchster demokratischer Basiswert, aus dem sich eine Unmenge angeblicher Individualrechte ableiten würden. Getreu den pseudoliberalistischen Werteverzerrungen werden die Pflichten des Einzelnen gegenüber der Gesamtgesellschaft so gut wie nie thematisiert; gepredigt werden, insbesondere schon in den Schulen im überzogenen linkspolitischen Unterrichtsschwerpunkt - bis zur gezielten Indoktrination - die sog. „Menschenrechte“. Mehr oder minder bewusst übersehen wird dabei das elementare Menschenrecht auf Heimat-, Volks- und Ur-Religionserhaltung. Dass es lange vor einem möglichen „Recht auf Arbeit“, auf „Grundversorgung“, auf „Asyl“, auf „freie Ortswahl“ usw. das allererste menschliche Anrecht sein müsste, Volk, Heimatboden und die Eigenreligion zu bewahren, wird konsequent ausgeblendet. Der moderne nach linksextrem verirrte Liberalismus steht also den Werten der Arterhaltung in Bezug auf Geist, Blut und Boden ablehnend bis feindlich gegenüber.

 

Der gesamte heutige Freiheitsgedanke muss sich aber bezüglich seiner Daseinsberechtigung an der Richtschnur der wahren Ewigkeitswerte messen lassen, denn nur sie sind schützens- und erhaltenswerte Realitäten. Sämtliche Ideologien, auch die des „Liberalismus“, sind hingegen letztlich nur geistige Modeerscheinungen von unterschiedlichsten Gewichtungen im Verlaufe der Menschheitsgeschichte. Solche Gemeinschaften, gleicher oder verwandter Menschenarten, gewähren ihren Genossen das höchstmögliche Entfaltungsglück und die sicherste Erhaltungsgarantie. Volk, Volksgeist, Volksgesundheit und volkserhaltender Lebensraum, eben die angestammte seelische und materielle Heimat, stellen sich nach sorgfältiger Prüfung als einzige Dauerwerte dar -, Ideologien aber kommen und gehen; sie sind nichts als bestenfalls heißer Dampf, an dem sich zeitweilig die Gemüter schön lebendig erhitzen dürfen. Der Liberalismus ist demzufolge etwas was überwunden werden muss, bevor er sein begonnenes Zerstörungswerk an den dauerhaften, unverzichtbaren Werten seelengesunden Menschentums unserer gesamten Erde zu vollenden vermag !

 

Wir Menschen sind in keinem Moment unserer Existenz wirklich frei, wer uns mit dem Begriff der Freiheit, mit dem Slogan des Freiheitsversprechens lockt, kann es nicht ehrlich meinen. Wir sollten zukünftig strenger mit den Begriffen umgehen. Da es keine wahre Freiheit für uns geben kann, sollten wir sie auch nicht für uns persönlich verlangen oder leichtfertig als erstrebenswertes Ziel postulieren. Keiner ist ungebunden und das ist normal im Sinne von gesund, weil unumgänglich. Wir sind das vorgeprägte Produkt unseres Haplo-Typus, Gen-Typus, unseres Volkes, unserer Eltern und Voreltern. Wir sind wie die Blätter am Stammbaum unserer speziellen menschlichen Wesensart. Wir sollten in folgerichtiger Konsequenz unserer kritischen Erkenntnisse, solche Vereine, Parteien und jegliche Vereinigungen meiden, die den missdeutbaren, unehrlichen Begriff in ihrer Namensgebung, ihrer Firmierung führen. „Freiheit“ ist großteils nur eine Phrase ! Eine „Freie Wählerschaft“ besagt nicht, was die eigentlichen Zielsetzungen dieses Zusammenschlusses sein sollen. Eine „Freie-Demokratische-Partei“ verrät uns nicht, wo ihre Wertvorstellungen angesiedelt sind und mit wem sie koalieren mag. Wenn vielerorts „Freiheit“ in der Namensgebung nur bedeutet, dass man sich nicht festlegen möchte, oder sich nicht in die Karten blicken lassen will, so ist daraus dem Publikum gegenüber der unredliche Düpierungsversuch ablesbar. Werbende Begriffsschöpfungen wie „Freikirche“, „Freireligiöse“, „Freidenker“, „Freimaurer“, „Freigeister“, „Freie Christen“, „Freie Heiden“ stellen die Unreife oder die Unklarheit ihrer Urheber heraus, denn in Glaubensdingen verbietet sich von vorneherein eine derartige Wortwahl, weil bereits der Begriff „Religion“ die feste Anbindung an ein gewähltes Urheil impliziert.

 

Kein einziger Verein gründet sich auf der Vorstellung, ohne jegliche Vorga­ben, Schwer­punk­te, Anhaltspunkte, Ausrichtungen eine Mitgliederschar zusammenrufen zu wollen. Deshalb ist der nichtssagende, hohle Begriff „Frei­heit“ völlig ungeeignet, in irgend­einer Vereinigungs­überschriftung plakative Verwen­dung zu finden. Atheistisch Gesinnte gründeten schon 1881 den „Deutschen Freiden­ker­bund“, ihre Selbstbezeichnung als „Bund der Gottlosen“ wäre ehrlicher gewesen. Die „Frei­religiösen Gemeinden“ entwickelten sich beispielsweise als die sozialisti­schen Bewegungen in Deutschland zunahmen; 1908 gründet sich der „Zentralver­band pro­letarischer Freiden­ker“. 1921/22 schlossen sich diese linken Kräfte, im Schulter­schluss mit den Kom­munisten, zunächst zum „Volksbund für Geistes­freiheit“ und dann zur „Reichs­arbeits­gemein­schaft der freigeistigen Verbände der deutschen Republik“ zusammen. 1929 waren im „Verband für Freidenkertum und Feuerbestattung“ bereits einige Hundert­tausend Mitglieder organisiert. Zu all diesen Verbände schlossen sich allerdings so gut wie keine „religiösen“, sondern links­politische bzw. antivaterländische Ak­tivisten zusammen. Eine freidenkerische Freimau­rer­loge, der „Freimau­rer­bund Zur Auf­gehenden Sonne“, kon­stituierte sich 1905, gegen den sonst dort üblichen pseu­doreligiösen Riten-Hokuspokus und die Geheimnistuerei. In sämt­lichen dieser Verbände sind „germano­phile“, also deutsch­freund­liche, vaterländische, „mili­taristische“, also wehr- und selbstschutz­willige, „nationalistisch-rassistische“ also heimat­be­jahende, volksbe­wusste  Personen und Gruppen syste­ma­tisch ausgegrenzt worden, was hin­länglich unterstreicht, wie wenig „freigeistig“ sie in Wirk­lichkeit waren. Und was die Initiative der „Freien Christen“ anbelangt, so wurden sie 1999 von ehe­mals kirchlichen Theologen ins Leben gerufen, um gegen die Zustimmung der Kirchen zum Krieg gegen Jugoslawien ihre Stimme zu erheben. Sie wollen sich nur an den „Christus der Bergpredigt“ und an die alttestamentischen „Zehn Gebote“ halten. „Frei“ dürften auch sie sich demnach keinesfalls nennen, denn von „ihrem“ Christus haben sie sich allein die men­schen­freundlichen Filetstückchen herausgepickt und die unap­petitlichen geistigen Einge­weide beiseite geschoben; „ihr“ Idol befürwortet nämlich ausdrück­lich den Krieg (Matthäus 10,34-38) und seine grauenerregende Intoleranz gipfelt in den Wor­ten (12,30): „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich !“ und (Lukas 19,27-28): „Doch meine Feinde, die nicht wollen, dass ich über sie herrsche, bringet sie her und erwürget sie vor mir !“ In prinzipiell ähnlicher Manier müsste man auch die Vereinsbezeichnung „Freie Heiden“ reklamieren, denn die kategorische Verengung auf „frei“ entspricht definitiv nicht den Vereinsintentionen; in welcher Richtung „Freiheit“ gewollt und verheißen, oder „Befreiung“ von was oder wem angedacht ist, gelangt nicht zur Aussage, bleibt vielmehr im Nebulösen. Welcher Schindluder mit derartiger irrtums­trächtiger Wort­wahl getrieben werden kann und wird, erleben wir am krassesten bei Betrach­tung des Kultes mit dem „Tag der Befreiung“, welcher in der sowjetisch besetzen Zone (DDR) gefeiert wurde und als solcher auch in der BRD in gleichem Sinne zunehmend seit der Rede des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker im Jahre 1985 zum 40. Jahrestag unse­res Unterganges als freie Nation propagiert wird. Gemeint ist der 8. Mai 1945, der totalen Nie­­der­lage des „Dritten Deu­tsch­en Reiches“. Dass die feindlichen Alliierten in keinem Moment an „Befrei­ung“ dachten, vielmehr allein an Niederwerfung, Ausraubung, Zerstückelung, Ver­ge­waltigung, Kastration (s. ratifi­zierter US-„Mor­gentau-Plan“) und anschließende Umerziehung der Rest­deutschen, bleibt von den Lizenzmedien und den neudeutschen Kollaborations-Poli­tikern schamhaft verschwiegen. Erst die im Jahre 2013 gelüfteten alliierten Ausspähprogramme der „NSA“ zeigten das ganze Maß, einerseits an Hybris und Selbstgerechtigkeit und andererseits an Verachtung und Willkür gegenüber der übrigen Welt und - im Bruch angeblicher Freundschaft - dem Kriegsverlierer BRD.

 

Also Vorsicht im Umgang mit dem Freiheitsglauben, dem Freiheitswahn, sowie dem banausenhaften Wortgebrauch „Freiheit“ überhaupt ! Lasst uns eine Lanze brechen für das Verwurzeltsein, für das Bezogensein auf Werte die bedeutsamer sind als ein menschliches Einzelwesen. Wir müssen nicht total frei sein, um glücklich zu werden, wir benötigen einen kräftigen Halt, wir möchten uns anlehnen können, wir brauchen Hilfe, Zuwendung, Anteilnahme, wir nehmen das alles in Anspruch und bieten es gleichermaßen unseren Brüdern und Schwestern, unseren Kindern und Freunden. „Freiheit“ wie „Liberalismus“ sind Scheinwerte und leider zumeist sogar hohle Schlagworte. Wir brauchen keine Loslösung von Bezugsgrößen, sondern Anbindungen, Verbindlichkeiten, Lebensperspektiven, Aufgaben, Pflichten, wir wollen gebraucht werden, wir wollen arbeiten, schaffen, wirken, unsere Kräfte und Talente erproben, wir wollen dann stolz auf unser Werk sein dürfen, wir brauchen Anerkennungen, Würdigungen und das Gefühl, dass wir innerhalb unserer Gruppierungen, unseres sozialen Netzes angenommen, gemocht, vielleicht sogar geehrt werden.

 

Das ist uns allemal wichtiger als eine engstirnige, unreflektierte Freiheitsforderung, als eine egoistisch sinnlos gelebte Freiheit ohne Bezüge zu höheren Perspektiven, oder sogar ohne Rücksicht auf die Mitwelt. Das Bedürfnis und die Art und das Ausmaß unseres inneren Freiheitsverlangens, unseres geistigen und kulturellen Eigenlebens kann uns ohnehin kein Außenstehender vermitteln. Anstöße durch von außen kommende Erscheinungsbilder mögen wir erhalten können, doch unseren Weg zur wahren Befriedigung erfahren wir ganz allein durch die suchende Versenkung in unsere vorgegebene seelisch-geistige Wunschwelt.

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