Sorgenfalten

Das Pamphlet des Irenäus von Lyon

 
Das Pamphlet des Irenäus von Lyon

 

Der rabulistische Agitator für die frühchristliche Mehrheitskirche Irenäus von Lyon (um 135-202), Bischof im keltischen Lugdunum (heute Lyon / Frankreich), einer der sog. „Kirchenväter“, schrieb und veröffentlichte um 180 n.0 seine fünf Bände umfassende Polemik „Adversus haereses“ (oder „Contra Haereses") bzw. „Gegen die Häresien“ und setzte in weiteren Ergüssen die Glaubensregeln auf, wie er sie für gut befand. In seiner Vorrede gesteht der christliche „Bischof“, der als Gemeindeverwalter beamtet war, dass er die Sprache der Menschen seiner Gemeinde nicht beherrschte. Dann kokettiert der eitle Zungendrescher mit seinen angeblich „ungeübten Ausdrucksfähigkeiten“, obgleich er ein vortreffliches Griechisch sprach und schrieb. Er schreibt: „Du darfst jedoch bei uns, die wir unter den Kelten weilen und uns zumeist mit der barbarischen Sprache abmühen, weder die Kunst der Rede suchen, die wir nicht gelernt, noch die Kraft des schriftlichen Ausdruckes, den wir nicht geübt haben, noch schöne Redewendungen oder Dialektik, die wir nicht verstehen.“ Er will sich mit dem biederen, redlichen Nimbus des einfachen Wahrheitskünders schmücken. Auf schöne Redewendungen verstand sich der Mann aber vortrefflich und auf bösartige geschickte Verleumdungen seiner christen-gnostischen Mitbewerber ebenso. In Kap. 16,3 empfiehlt er hassvoll diese Menschen nicht einmal mehr zu grüßen: „Die aber von der Kirche abfallen und diesen grauen Mythen Glauben schenken, die sind wahrlich selbst gerichtet, und Paulus befiehlt uns, sie nach ein- und zweimaliger Ermahnung zu meiden. Johannes aber, der Schüler des Herrn, dehnte ihre Verurteilung noch weiter aus, indem er nicht einmal will, dass wir sie grüßen. 'Wer sie nämlich grüßt', sagt er, 'nimmt teil an ihren schändlichen Werken'. Und mit Recht…“

 
In 13/3 spricht Irenäus von „Markos dem Zauberer“, den er zwar dialektisch zu zerlegen versucht, aber doch eingestehen muss, dass ihm die große Persönlichkeit, mit dem ans Wunderbare grenzenden Einfluss auf die Gläubigen und besonders auf feinere Frauen, letztlich unverständlich bleibt. Er kann es sich nur so erklären: „Es ist aber wahrscheinlich, dass er einen Dämon als Beistand hat, durch den er zu wahrsagen scheint und die Weiber, die er der Teilnahme an seiner Gnade für würdig erachtet, wahrsagen lässt.“ Über die Buchstaben-Mystik des Gnostikers Markos schreibt Irenäus polemisch Folgendes, aus dem die konzeptionelle Denkverwandtschaft mit dem Zahlenkonzept Runen-Schöpfer hervorgeht: 14/5. „Diese bei uns gebräuchlichen vierundzwanzig Buchstaben sollst Du also als Abzeichen der drei Mächte betrachten, welche die ganze Zahl der oberen Urstoffe enthalten. Die neun Konsonanten stellen den Vater und die Aletheia [Wahrheit] dar, die lautlos sind, d. h, unnennbar und unaussprechbar. Die acht Halbvokale bedeuten den Logos und die Zoe [Leben], weil sie gleichsam in der Mitte zwischen den Konsonanten und Vokalen sind und den Ausfluss der oberen wie die Erhebung der unteren Äonen auf sich nehmen. Die sieben Vokale aber sind der Mensch und die Kirche, weil die vom Menschen ausgehende Stimme das All gestaltete. Denn von dem Widerhall seiner Stimme haben sie ihre Gestalt angenommen. Logos [Sinn / Vernunft] und Zoe haben also acht, Mensch und Kirche sieben, Vater und Aletheia neun Zeichen. Da aber die Rechnung so nicht stimmte, so stieg der bei dem Vater überzählige Buchstabe hinab, gesandt zu dem, von dem er getrennt war, um das Geschehene gerade zu richten, damit die Einheit der Pleromata [Fülle], nunmehr ausgeglichen, als Frucht hervorbringe eine Kraft in allen aus allen. So bekam der mit sieben die Kraft von achten, und es wurden alle drei Orte, an Zahl einander gleich, zu Achtheiten. Diese, dreifach genommen, geben die Zahl von vierundzwanzig. Die drei Urstoffe nun, welche nach ihm paarweise vorhanden sind, so dass sechs herauskommen, die die vierundzwanzig Buchstaben hervorbrachten, geben vervierfacht mit der Zahl der unaussprechlichen Vierheit ebendieselbe Zahl, die dem Unnennbaren angehören soll. Diese tragen die drei Mächte nach dem Bild und Gleichnis des Unsichtbaren. Die Bilder der Bilder dieser Urstoffe sind unsere drei Doppelbuchstaben; zählt man diese nach Analogie des Obigen doppelt hinzu, so bekommt man die Zahl dreißig." 
 
Unter 14/6 wird das Denken der Markosier weiter  beschrieben: „Denn der vollkommene Nous [Geist / Vernunft / Intellekt], der die Bedeutung der Zahl sechs wohl kennt und weiß, dass sie die Kraft der Schöpfung und Wiedergeburt in sich hat, offenbarte den Kindern des Lichts, dass die Wiedergeburt durch ihn nach Maßgabe dieser Zahl geschehen sollte. Deswegen sind auch die Doppelzeichen in dieser berühmten Zahl vorhanden. Fügt man sie zu den vierundzwanzig Urstoffen hinzu, so ist der Name der dreißig Buchstaben vollständig, vollzählig." Und über die Bedeutung des „o“-Lautes, den der Runen-Schöpfer an die rechte Spitze seines Systems stellte: 14/8. „Den Beweis nimmt er von den neugeborenen Kindern, die, nachdem sie aus dem Mutterleib hervorgegangen sind, den Laut jedes dieser Buchstaben aussprechen. Wie nun die sieben Kräfte den Logos preisen, so preist auch die Seele der Neugeborenen den Markus, indem sie ihn beweint und bejammert. … Deshalb ruft auch die Seele, wenn Leiden und Not zu ihrer Läuterung über sie kommen, „O“ zum Zeichen des Lobes, damit die obere Seele, die doch mit ihr verwandt ist, ihre Hilfe herabsende." 14/9. „So faselte Markus über das All, das ein Name von dreißig Buchstaben ist, über den Bythos  [Abgrund / Tiefe], der aus seinen dreißig Buchstaben entsteht, ferner über den zwölfgliedrigen Leib der Aletheia, von der jedes Glied aus zwei Buchstaben besteht, und über ihre Stimme, die sprach, ohne zu reden, über die Auflösung des unaussprechbaren Namens und über die Seele der Welt und des Menschen, insofern sich die Heilsordnung in ihnen abbildet.“ Im 15/1Kapitel berichtet Irnenäus über „weitere Phantastereien des Markus“. Die Erschaffung der vierundzwanzig Urstoffe verkündet ihm die allweise Sige [Schweigen / Stille] auf folgende Weise: Die Monotes und Henotes waren zusammen, aus ihnen gingen, wie schon gesagt, zwei Sprösslinge hervor, die Monas [Einheit] und das Hen [das Eine], macht zusammen vier, denn zweimal zwei sind vier. Die zwei und vier verbunden offenbarten die sechs. Diese sechs, viermal genommen, erzeugten die vierundzwanzig Gestalten. Die heiligsten Namen der ersten Vierheit können nur gedacht, aber nicht ausgesprochen werden und werden nur von dem Sohne erkannt, doch der Vater weiß, wie sie heißen. Die bei ihm mit Ehrfurcht und Glauben auszusprechenden Namen sind: Arretos und Sige, Pater und Aletheia. Die Buchstabensumme dieser Vierheit ist vierundzwanzig. Denn der Name Arretos enthält sieben, die Seige fünf wie auch Pater, und die Aletheia sieben, in Summa zweimal fünf und zweimal sieben genau gleich vierundzwanzig. Ebenso ergibt auch die zweite Vierheit: Logos und Zoe, Anthropos und Ekklesia, dieselbe Zahl von Buchstaben. Des Heilandes aussprechbarer Name Jesous hat sechs, sein unaussprechlicher vierundzwanzig; Yios Chreistos zwölf, das Unaussprechliche in ihm dreißig. Deshalb nennt er ihn das Alpha und Omega, um die Taube anzuzeigen, welche diese Zahl aufweist."- 15/5. „Wer aber wird deine Sige ertragen, die solcherlei schwätzt, die den Unnennbaren benennt, den Unaussprechbaren ausspricht, den Unergründlichen ergründet ! Die da sagt, es habe den Mund aufgetan, der unkörperlich und unsichtbar ist, und er habe den Logos hervorgebracht wie eins von den zusammengesetzten Lebewesen, und dieser Logos, der gleiche Wesenheit mit seinem Erzeuger und die Gestalt des Unsichtbaren habe, der bestünde aus dreißig Buchstaben und vier Silben ! Soll nun also der Allvater, der nach dir gleicher Wesenheit mit dem Logos ist, auch aus dreißig Buchstaben und vier Silben bestehen ? Oder wer wird es weiter ertragen, wenn du in Figuren und Zahlen, bald dreißig, bald vierundzwanzig, bald bloß sechs, den Schöpfer und Urheber von allem und den schöpferischen Logos einschließest ! Wenn du ihn zerlegst in vier Silben und dreißig Buchstaben, wenn du den Herrn des Weltalls, der die Himmel befestigt hat, in die Zahl 888 erniedrigst, als ob er dem Alphabete ähnlich wäre ! Wenn du den allumfassenden Vater in eine Vierheit, Achtheit, Zehnheit und Zwölfheit zerlegst und durch die oben genannten Multiplikationen das, was nach deinen Worten vom Vater unaussprechbar und unausdenkbar ist, erklären willst ! Du nennst ihn unkörperlich und unwesentlich und stellst seine Materie und Substanz aus vielen Buchstaben, die von einander abstammen, zusammen ! So bist du ein falscher Dädalus und schlechter Zimmermann der allerhöchsten Kraft. Du lässt ihn unteilbar sein und teilst ihn selbst in Muta, Vokale und Halbvokale. Indem du die Muta dem Vater des Weltalls und der Ennoia des Sohnes anlügst, hast du in die höchste Gotteslästerung und größte Gottlosigkeit alle gestürzt, die an dich glauben.“- 15/5. Wer aber wird deine Sige ertragen, die solcherlei schwätzt, die den Unnennbaren benennt, den Unaussprechbaren ausspricht, den Unergründlichen ergründet ! Die da sagt, es habe den Mund aufgetan, der unkörperlich und unsichtbar ist, und er habe den Logos hervorgebracht wie eins von den zusammengesetzten Lebewesen, und dieser Logos, der gleiche Wesenheit mit seinem Erzeuger und die Gestalt des Unsichtbaren habe, der bestünde aus dreißig Buchstaben und vier Silben ! Soll nun also der Allvater, der nach dir gleicher Wesenheit mit dem Logos ist, auch aus dreißig Buchstaben und vier Silben bestehen ? Oder wer wird es weiter ertragen, wenn du in Figuren und Zahlen, bald dreißig, bald vierundzwanzig, bald bloß sechs, den Schöpfer und Urheber von allem und den schöpferischen Logos einschließest ! Wenn du ihn zerlegst in vier Silben und dreißig Buchstaben, wenn du den Herrn des Weltalls, der die Himmel befestigt hat, in die Zahl 888 erniedrigst, als ob er dem Alphabete ähnlich wäre ! Wenn du den allumfassenden Vater in eine Vierheit, Achtheit, Zehnheit und Zwölfheit zerlegst und durch die oben genannten Multiplikationen das, was nach deinen Worten vom Vater unaussprechbar und unausdenkbar ist, erklären willst ! Du nennst ihn unkörperlich und unwesentlich und stellst seine Materie und Substanz aus vielen Buchstaben, die von einander abstammen, zusammen ! So bist du ein falscher Dädalus und schlechter Zimmermann der allerhöchsten Kraft. Du lässt ihn unteilbar sein und teilst ihn selbst in Muta, Vokale und Halbvokale. Indem du die Muta dem Vater des Weltalls und der Ennoia des Sohnes anlügst, hast du in die höchste Gotteslästerung und größte Gottlosigkeit alle gestürzt, die an dich glauben."
 
Im Kapitel 16/1, unter der Überschrift „Schluss der Zahlenspielerei“ ist Irenäus wiederum bemüht, das Zahlendenken der Gnostiker zu veralbern, aus dem bekannte pythagoreische Lehren anklingen: „Die Erschaffung der Äonen und die Geschichte vom Schaf, das verloren ging und wieder gefunden wurde, ist ihnen ein und dasselbe, und sie versuchen sie mystisch zu deuten, da sie ja alles auf Zahlen zurückführen, indem sie sagen, aus der Einheit und Zweiheit sei das All entstanden; und von der Einheit bis vier zählend, bringen sie die Zahl zehn zustande, denn die Summe von 1 und 2 und 3 und 4 ergibt die Zahl der zehn Äonen, Indem aber die Zweiheit ihrerseits bis zum Haltezeichen von sich ausging, brachte sie die Zwölfheit hervor, d. h. 2 und 4 und 6. Zählen wir aber wiederum in ähnlicher Weise von zwei bis zehn, so kommt dreißig heraus, worin die Achtheit und Zehnheit und Zwölfheit enthalten ist. Die Zwölfheit aber, die das Haltezeichen bei sich hat, nennen sie Leidenschaft, weil es immer hinter ihr her läuft. Darauf weise deswegen das Schaf hin, das fortlief und sich verirrte, weil von der Zwölfheit der Abfall sich vollzog. Und wie von der Zwölfheit eine Kraft sich abwandte und verloren ging, das beziehen sie auf das Weib, welches eine Drachme verlor, ein Licht nahm und sie wiederfand. Nun blieben aber von den Drachmen neun, von den Schafen elf zurück; diese Zahlen miteinander multipliziert ergeben 99, das ist genau der Zahlenwert des Amen." - 16/2. Ich will aber nicht zögern, Dir noch ihre andern Erklärungen kundzutun, damit Du ihre Frucht von allen Seiten kennen lernst. Der Buchstabe Eta ergibt mit dem Haltezeichen eine Achtheit, da es im Alphabet an achter Stelle steht. Indem sie dann wieder den Zahlenwert der einzelnen Buchstaben ohne das Haltezeichen zusammenzählen, erhalten sie die berühmte Dreißig. Bei Alpha nämlich beginnend und bei Eta aufhörend, erhält man durch Einsetzung des Zahlenwertes, wenn das Haltezeichen wegfällt, durch Addieren wirklich die Zahl dreißig. Denn bis Epsilon macht es fünfzehn, dazu Zeta = 7 macht zweiundzwanzig, dazu Eta = 8 - siehe, da hast du die wunderbare Dreißig ! Also sei die Achtheit die Mutter der dreißig Äonen ! Da nun aus drei Mächten die Zahl dreißig vereint ist, so ergibt sie dreimal genommen die Neunzig. So macht auch die Dreiheit mit sich selbst multipliziert neun aus - also stammt von der Achtheit die Zahl neunundneunzig. Und da nach dem Abfall des zwölften Äonen oben bloß zwölf blieben, so entspreche der Typus der Buchstaben völlig dem Schema der Rechnung: der elfte Buchstabe nämlich ist das Lambda, das den Wert dreißig hat, das stimmt zu dem Bild der oberen Heilsordnung, denn von Alpha bis Lambda, ohne das Haltezeichen und Lambda miteingerechnet, beträgt der Zahlenwert dieser Buchstaben neunundneunzig. Die Figur dieses Buchstabens aber zeigt an, dass er, der in der Reihe der elfte ist, zur Suche des ihm Ähnlichen hinabstieg, um die Zahl zwölf wieder voll zu machen und dann selbst voll zu werden. Das Lambda hat gleichsam auf der Suche des ihm Ähnlichen dieses gefunden und es an sich gezogen und den Platz des zwölften Buchstabens ausgefüllt, denn My ist aus zwei Lambda zusammengesetzt. Wegen dieser Erkenntnis fliehen sie auch den Ort der Neunundneunzig, d. h. die Mangelhaftigkeit, das Abbild der linken Hand. Sie streben aber nach dem Hen, der Eins, die zu den neunundneunzig hinzugelegt, sie zu der rechten Hand hinüberführt.“ Was wir diesem Text entnehmen können - mit Sicherheit nicht die korrekten Zahlenspekulationen der Markosier - aber deren Hochschätzung der Zahl 30/3.
 
In einem weiteren Kapitel 14 seiner Bücher beleuchtet Irenäus die „heidnischen Quellen der Gnostiker“. Dann in Kap. 16/6. nennt er die bekannten eigentlichen Urheber der Zahlenspekulationen: „Wenn sie ferner versuchen, das Weltall in Zahlen auszudrücken, so haben sie das von den Pythagoräern übernommen. Diese nämlich erhoben zuerst die Zahlen zum Urgrund aller Dinge und als Urgrund der Zahlen das Gerade und Ungerade, woraus das Wahrnehmbare und Übersinnliche bestehe. Das Eine sei der Urgrund der Idee, das Andre der Urgrund der greifbaren Gestalt; aus diesen zwei Prinzipien bestünden alle erschaffenen Dinge, wie eine Statue aus dem Erz und der Gestalt. Diese Lehre haben sie auf das angepasst, was sich außerhalb des Pleroma befinden soll. Das nannten sie den Anfang der Erkenntnis, insofern der Geist das erkennt, was zuerst angenommen wurde, und sucht, bis er ganz ermüdet auf das Eine und Unteilbare stößt. Darum sei der Urgrund von allem und das Wesen der gesamten Schöpfung das Hen, d. h, das Eins, und aus diesem stamme die Zweiheit und die Vierheit und die Fünfheit und die übrigen mannigfachen Paarungen. Dies wenden jene wortwörtlich auf ihr Pleroma und ihren Bythos an und bemühen sich auch, jene Verbindungen einzuführen, die von dem Hen ausgehen, was Markus freilich als seine ureigenste Erfindung ausgibt, indem er die Vierheit des Pythagoras als den Urgrund und die Mutter aller Dinge hinstellt.“
 
Schließlich stellt Irenäus in Kap. 33/1 seine ganze abstoßende überhebliche Geschwätzigkeit noch einmal unter Beweis, indem er kategorisch behauptet: „Es gibt keine Seelenwanderung“ - „Ihre Lehre aber von der Seelenwanderung wird dadurch widerlegt, dass sich die Seelen gar nicht mehr an das erinnern, was vordem gewesen ist. Wenn sie nämlich dazu ausgesandt wurden, um alles durchzumachen, dann müssten sie sich auch an das Vergangene erinnern können, um das Fehlende noch nachzuholen und nicht elendiglich immer um dasselbe sich abzumühen. Wenn sie deshalb auf die Erde kamen, dann konnte die Vereinigung mit dem Körper die Erinnerung und Erwägung der Vergangenheit nicht gänzlich auslöschen. Was nämlich jetzt die Seele, während der Körper schläft und ruht, bei sich sieht und im Traume erlebt, das teilt sie gemäß ihrer Erinnerung zum größten Teile dem Körper mit, und bisweilen erzählt einer wachend noch nach sehr langer Zeit, was er im Träume gesehen hat. So müsste sie sich auch dessen erinnern, was sie getan hat, bevor sie in den Körper kam. Wenn sie nämlich das, was sie während eines Augenblickes schaute und im Traume empfing, auch über den Traum hinaus noch weiß, nachdem sie sich dem Körper wieder mitgeteilt und in jedes Glied zerstreut hat, so müsste sie noch viel mehr das wissen, wo sie so lange Zeit und die ganze Ewigkeit des verflossenen Lebens gewesen ist.“
 
33/2. „Um diesen Einwand zu entkräften, hat jener berühmte Athener Plato, der die Lehre von der Seelenwanderung aufgebracht hat, den Becher der Vergessenheit erdacht, indem er glaubte, auf diese Weise der Schwierigkeit entgehen zu können. Ohne jeden Beweis stellte er es als Dogma hin, dass die Seelen vor ihrem Eintritt in dieses Leben von dem Dämon am Eingang mit Vergessenheit getränkt würden. Doch ohne es zu merken, ist er in eine noch größere Schwierigkeit geraten. Wenn nämlich das Trinken des Vergessenheitsbechers die Erinnerung an alles auslöscht, woher weißt denn du, Plato, dass deine Seele, bevor sie in den Körper kam, da sie doch jetzt in ihrem Körper ist, von dem Dämon die Arznei der Vergessenheit zu trinken bekam ? Erinnerst du dich nämlich an den Dämon, den Becher und deinen Eintritt, dann müsstest du auch das übrige wissen; weißt du dies aber nicht - dann ist dein Dämon erlogen und der Vergessenheitsbecher nicht kunstgerecht gemischt.“ Der gänzlich christlich verblendete Irenäus bringt die Arroganz auf, Plato Dogmatismus hinsichtlich seiner Seelenlehre vorzuwerfen und bemerkt nicht, dass sein gesamtes Elaborat ein unbewiesenes christliches Dogma an das nächste reiht.
 
.o.o.o.o.o.
 
„Markos der Zauberer“ und der ODING-Schöpfer müssen aus gleicher Quelle geschöpft haben, während Markus eine judäochristliche Gnosis entwickelte, formte der Runen-Schöpfer (Erul ?) für sein germanisches Volk eine gnostische Asa-Glaubenslehre --; dazu einige Verständnishinweise: In 14,9 schreibt Irenäus: „So faselte Markus über das All, das ein Name von dreißig Buchstaben ist, über den Bythos [Tiefe / Urgrund allen Seins], der aus seinen dreißig Buchstaben entsteht, ferner über den zwölfgliedrigen Leib der Aletheia [Wahrheit], von der jedes Glied aus zwei Buchstaben besteht, und über ihre Stimme, die sprach, ohne zu reden, über die Auflösung des unaussprechbaren Namens und über die Seele der Welt und des Menschen, insofern sich die Heilsordnung in ihnen abbildet.“ Auch Markos wird aufgefallen sein, dass die Addition der 24 Buchstaben 300 ergibt. In Markos Buchstaben- und Zahlenlehre spielt die „ausgezeichnete Zahl 6“ eine Hauptrolle, ebenso auch die 30 bzw. 3 und die 24 griechischen Buchstaben, wobei er „eine einzige Kraft in allen aus allem“ (Haer I 14.5) zu erkennen glaubte. Die Mutter ist von der („oberen“) „ausgezeichneten Zahl“ gestaltet worden und bediente sich - nun selbst eine, wenn auch von den gegenwärtigen Verhältnissen bestimmte „ausgezeichnete“ Zahl - zur Erschaffung der Welt der Hilfe der „Hebdomas“ (Woche / Zeit von 7 Tagen), des Demiurgen. (siehe Daniel Wanke, „Das Kreuz Christi bei Irenäus von Lyon“, 2000, S. 66) Wenn die 7 eine Frauen- bzw. Mutterzahl ist und ebenso als die Zeitphase der Weltentstehung gilt, musste der Runen-Schöpfer als 7. Rune das Birkenbaum-Göttin-Freia-Zeichen einsetzen.
 
Für die überirdische Entstehung Jesus entwirft Markos Herkunftsmodelle (Haer I 15,2). Irenäus versucht sie darzulegen: „Der unaussprechliche Ursprung Jesu aber ist folgender: Aus der Mutter des Weltalls ging nach Art einer Tochter die zweite Vierheit hervor, und so entstand die Achtheit, aus der die Zehnheit hervorkam. So wurde eine Zehnheit und eine Achtheit. Indem sie sich nun die Zehnheit verband und sie vervielfältigte, erzeugte sie die Zahl achtzig; und die achtzig wieder verzehnfachend, zeugte sie die Zahl achthundert. So ist die von der Achtheit und Zehnheit ausgehende Gesamtsumme 8 und 80 und 800 = 888, und der Name Jesous nach seinem Zahlenwerte gleichfalls 888. Da hast Du deutlich den überhimmlischen Ursprung Jesu, wie sie ihn lehren. Deshalb hat auch das Alphabet der Griechen acht Einer, acht Zehner, acht Hunderter und zeigt dadurch die Zahl 888 an, d. h. Jesum, der aus allen Zahlen besteht. Deshalb nennen sie ihn auch das Alpha und Omega, weil er aus allen entstanden ist. Fernerhin: Die Summe der ersten vier Zahlen, der ersten Vierheit, ergibt zehn, und das ist wieder der Zahlenwert des ersten Buchstabens des Namens Jesu. Der Name Christus besteht aus acht Buchstaben, das weist hin auf die erste Achtheit, die, mit der Zehnheit verbunden, Jesum gebar. Dieser wird auch Sohn Christus genannt, d. i. die Zwölfheit, denn der Name Sohn hat vier, Christus aber acht, was zusammen zwölf Buchstaben gibt - die Majestät der Zwölfheit. Bevor nun aber das Zeichen dieses Namens, d. i. Jesus, den Söhnen erschien, da lagen die Menschen in großer Unwissenheit und Verirrung. Als aber der Name der sechs Buchstaben offenbar wurde, und als der, welcher sowohl die sechs als auch die vierundzwanzig in sich hat, Fleisch wurde, um in den Gesichtskreis der Menschen herniederzusteigen, da wurden sie in seiner Erkenntnis die Unwissenheit los und kamen aus dem Tode ins Leben, indem dieser Name ihnen zum Weg wurde, der zum Vater der Wahrheit führt. Denn es war der Wille des Vaters, die Unwissenheit aufzulösen und den Tod zu zerstören. Das geschah, indem die Menschen ihn erkannten. Deswegen ist der Anthropos [geistiger Urmensch] auserwählt worden, der gemäß seinem Willen nach dem Ebenbild der oberen Kraft eingerichtet wurde.“ In 14,4 lässt Irenäus den Markos erklären, dass ihm die „Vierheit“ sagte: „Für geringfügig hieltest du das Wort, das aus dem Munde der Wahrheit du vernahmst. Es ist nicht der Name, den du kennst und meinst, sondern ein alter. Du hörst seinen Klang, aber verkennst seine Kraft. Jesous ist ein bedeutungsvoller Name, aus sechs Buchstaben bestehend, gekannt von den Auserwählten.“ Indem man die Zahlenfolge der ersten Tetras (Vierheit) addiert (1+2+3+4 =10) erhält man den griechischen Buchstaben „i“ (iota), den Anfangsbuchstaben des Wortes „Jesu“ und ebenso den Zahlenwert 10, weil man diesen im Buchstabenrechnen der Griechen durch das „i“ ausdrückte. Der Runen-Schöpfer folgte der pythagoreischen und markosischen Tetras-Idee und besetzte demgemäß die 10. Runenstelle mit dem Dreispross-Baldur-Zeichen.  
Pin It