Sorgenfalten

SO ODER SO ? - „BEDENKENTRÄGER“

 
 
SO ODER SO ?
 
Nur einem Herren kann man dienen,
nur einer Liebe ganz gehören -;
in einer Richtung laufen Schienen,
auf einen Gott nur gilt‘s zu schwören.
 
Und jeder muss einmal entscheiden,
auf welcher Seite will er stehen -,
zum Scheine kann er wohl auf beiden,
Fähnchen nach dem Winde drehen.
 
Zahllose „Götter“ gibt’s auf Erden,
die in den Menschenhirnen spuken,
die wohl in Nöten und Beschwerden
eröffnen ihre Himmels-Luken.
 
Doch keiner sollt’ sich übermessen,
nur seinen Himmels-Ausblick loben,
denn ob die Wahrheit er besessen,
erfährt er absolut erst droben !
 
Neid und Not gibt es hienieden,
der Mensch muss Position beziehen -;
erst nach Kriegen kommen Frieden,
mit sklavischem vor Siegern Knien.
 
So lang‘ die Macht-Parteien ringen,
im jeweiligen Völker-Streiten,
muss jeder sich zum Standort zwingen,
wo ist sein Platz, auf wessen Seiten ?!
 
Dramatisch macht es erst die Religion,
da Christentext ein Hirn verschränkt,
steht Gottesglaube wider die Nation,
wird‘s leicht zum Selbst-Verrat gelenkt.

 

 

DIE „BEDENKENTRÄGER“
 
 
Immer und immer aufs Neue muss sich der Mensch in den Wirrnissen seiner Zeit entscheiden, auf welcher Seite er Stellung beziehen will. Dramatisch wird für ihn diese Entscheidung, wenn sein Gottglaube ihm suggeriert er müsse sich gegen andere hohe Werte auf der Werteskala der Menschheit stellen, nämlich seine individuellen Lebensinteressen oder die seiner engeren Gemeinschaft oder sogar seiner Nation. Solche Fälle sind allein dort in krasser Form möglich, wo die Religion willentlich und erklärtermaßen in ihrem Grundlagenkodex die Nation im Sinne eines Volkserhaltungsrechtes verneint, wie es im Christianismus deutscher Ausprägung gegeben ist. In keiner anderen Religion klafft der Anspruch zwischen „religiöser Moral“ und „völkischem Selbsterhaltungsbedürfnis“ so weit auseinander. Undenkbar wäre beispielsweise im türkischen Islam, oder im japanischen Tennō-Shintoismus oder im indischen Hinduismus oder im jüdischen Mosaismus, dass Menschen im größeren Umfange auf die Idee käme, in Friedens- oder Kriegszeiten - wegen „moralischer Bedenken“ - auf die Seite des Landesfeindes überzugehen, wie es in Deutschland grundsätzlich denkbar ist und im Zeitlauf vor und während des Weltkrieges II. geschah. Das Ausmaß des die Fronten schwächenden Verrats seitens deutscher „Bedenkenträger“, bis in die höchste Generalität hinein, ist geradezu ungeheuerlich. Winston Churchill sprach mit ironisch-verächtlichen Unterton davon, dass ihm deutsche Verräter während des Krieges geradezu die Türen eingelaufen hätten. Ich werde mich hüten, die namentlich wohlbekannten „Verräter von Volk und Vaterland aus Religion“ pauschal und kategorisch zu schmähen, wenn auch der von ihnen verursachte Schaden kaum zu hoch veranschlagt werden kann. Jeder Mensch besitzt eine Wertetafel im Kopf, die ihn zu seinen Handlungen veranlasst. Das sei ihm aus freiheitlicher Sicht unbenommen, aber eine Beschau der verhängnisvollen „Bedenkenträger“ bzw.   
„Volksverräter“ gehört zur Aufarbeitungsarbeit der deutschen Geschichte.
 

 

MAN KANN NUR EINEM HERRN DIENEN !

 

KARL BARTH (1886-1968) war ein evangelisch-reformierter Theologe aus der Schweiz. Er gilt im Bereich der europäischen evangelischen Kirchen aufgrund seiner theologischen Gesamtleistung als „Kirchenvater des 20. Jahrhunderts“.

Barth wurde als erster Sohn des Theologieprofessors Fritz Barth (1856-1912) und Anna Katharina Barth, geborene Sartorius, geboren. Seine Kindheit verbrachte Karl Barth in Bern, wo sein Vater an der Universität Bern ab 1891 eine Professur für Kirchengeschichte und Neues Testament innehatte.

Von 1904 bis 1908 studierte Barth protestantische Theologie in Bern, Berlin, Tübingen und Marburg u.a. bei Adolf von Harnack (1851-1930), dem bedeutendsten Vertreter der liberalen Theologie im deutschen Kaiserreich, und bei Wilhelm Herrmann (1846-1922), einem profilierten Vertreter des Neukantianismus im Gefolge von Albrecht Ritschl (1822–1889). Nach einem kurzen Vikariat im Berner Jura ging Karl Barth erneut nach Marburg, um Immanuel Kant und Friedrich Schleiermacher zu studieren, die die protestantische Theologie des 19. Jahrhunderts maßgeblich geprägt hatten. In dieser Zeit arbeitete er als Hilfsredakteur für die „Christliche Welt“, eine protestantische Zeitschrift.

1909 wurde Karl Barth Hilfsprediger in der deutschsprachigen Gemeinde in Genf. In seiner Zeit als Pfarrer in Safenwil, einer Bauern- und Arbeitergemeinde im Kanton Aargau, begann Barths eigene Theologie zu reifen (1911 bis 1921). Mit den sozialen Problemen vor Ort konfrontiert, engagierte er sich für die Arbeiter seiner Gemeinde und beteiligte sich am Aufbau der örtlichen Gewerkschaft. Über seinen lebenslangen Freund Eduard Thurneysen bekam er Kontakt mit den damals prominentesten religiösen Sozialisten der Schweiz, Hermann Kutter (1863-1931) und Leonhard Ragaz (1868–1945). 1915 besuchte er darüber hinaus Christoph Blumhardt (1842-1919), der ihn tief beeindruckte und sein eigenes Denken stark prägte. Kurz darauf trat Barth der Sozialdemokratie bei und vertrat in ihr die Positionen des Zimmerwalder Manifests.

Barth wurde 1921 zum Honorarprofessor auf einen für ihn eingerichteten Lehrstuhl in Göttingen berufen. Er war nicht auf eine akademische Lehrtätigkeit vorbereitet. Doch durch intensive theologische Studien gelang es ihm kurzfristig, brauchbare Vorlesungsmanuskripte zu erstellen. So verlieh ihm die Universität Münster „wegen seiner mannigfachen Beiträge zur Revision der religiösen und theologischen Fragestellung“ bereits 1922 die erste Ehrendoktorwürde. 1925 folgte Barth ihrem Ruf und wurde ordentlicher Professor für Systematische Theologie in Münster. 1924 hatte er Charlotte von Kirschbaum kennengelernt. Der Ehebrecher begann ein intimes Verhältnis mit ihr unter den Augen seiner Frau. Die Situation im Hause Barth blieb bis zum Tod Frau Kirschbaums schmuddelig.

Die Machtübernahme des Nationalsozialismus, der Befreiungsbewegung von Kommunismus, übertriebenen kirchenchristlichen Ansprüchen und unglücklicherweise unreflektiert auch vom mosaischgläubigen Mitmenschen veränderte Barths Arbeitsschwerpunkt. Im Sommer 1933 gründete er mit Thurneysen die Zeitschrift „Theologische Existenz heute“, in der er seinen hinterhältigen Propagandakampf gegen das - wie es andere sahen - „völkische Erlösungswerk des Führers“ eröffnete. 1933, in der allgemeinen glückhaften Aufbruchsstimmung aus einem tausendjährigen Kirchenmuff, wurden in den Kirchen die Hakenkreuzfahnen entfaltet, „Deutschland, Deutschland über alles“ und das „Horst-Wessel-Lied“ gesungen, neben Luthers „Ein feste Burg ist unser Gott“. Bei den Kirchenwahlen im Juli 1933 ernten die von Hitler offiziell unterstützten Listen der „Deutschen Christen“ mehr als 75 Prozent aller Stimmen; ein demokratisches Votum für eine neue deutsche Kirche.

Die vom NS-Staat versuchte ideologische und organisatorische Einbeziehung der evangelischen Kirche in die große Aufbauarbeit stieß bald auf Widerstand einer protestantischen Minderheit. Barth wurde zum theologischen Lehrer der neu entstehenden klar antideutsch sich bekennenden „Bekennenden Kirche“ (BK). Auf ihrer ersten Bekenntnissynode am 31. Mai 1934 verfasste er im Alleingang die berühmte Barmer Theologische Erklärung, die von 139 Vertretern aus 18 Landeskirchen einstimmig angenommen wurde. Sie wurde die theologische Basis eines kirchlichen Widerstands gegen staatliche Einbeziehung für das deutsche Gemeinwohl. Ihre sechs Thesen und Antithesen fassten Barths bisherige theologische Arbeit konzentriert zusammen.

Die erste irreal-mythische These, die die folgenden begründet, lautet:

„Joh. 14, 6; Joh. 10, 1. 9 - Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben. – Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Wort Gottes auch noch andere Ereignisse, Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung erkennen.“

Barth verlor zwangsläufig als renitenter Antideutscher bald seine Bonner Professur, nachdem er den Beamteneid auf Hitler verweigert hatte, und war nach Basel umgezogen. Er war nur bereit gewesen, den Eid mit dem Zusatz „soweit ich es als evangelischer Christ verantworten kann“, zu leisten. Barths theologische Einmischung in die Politik wurde nun immer konkreter. Als Gastdozent in Aberdeen (Schottland) erklärte er im Frühjahr 1938:

„Es gibt unter Umständen eine nicht nur erlaubte, sondern göttlich geforderte Resistenz gegen die politische Macht, eine Resistenz, bei der es dann unter Umständen auch darum gehen kann, Gewalt gegen Gewalt zu setzen. Anders kann ja der Widerstand gegen die Tyrannei, die Verhinderung des Vergießens unschuldigen Blutes vielleicht nicht durchgeführt werden.“ - Aber wieviel „unschuldiges Blut“ hatte diese seine Kirche allein seit der Reformation vergossen !

Angesichts der Bedrohung des Reiches durch die tief ins deutsche Land hineinreichende Tschechoslowakei (die als Flugzeugträger gegen Deutschland bezeichnet wurde), und der sich daraus ergebenden deutschen Reaktion, forderte er im September 1938 in einem Brief an Josef Hromádka (1889-1969), Dekan der Prager evangelisch-theologischen Fakultät: „Jeder tschechische Soldat, der dann streitet und leidet, wird es auch für uns - und ich sage es heute ohne Vorbehalt: er wird es auch für die Kirche Jesu Christi tun, die in dem Dunstkreis der Hitler und Mussolini nur entweder der Lächerlichkeit oder der Ausrottung verfallen kann.“

Dieser Brief wurde in der „Prager Presse“ veröffentlicht und erregte viel Zorn in Deutschland, aber auch bei Europas Pazifisten. Barth schrieb dazu 12 Jahre später: Im Hromádka-Brief von 1938 habe ich - um des Glaubens willen - zum bewaffneten Widerstand gegen die stattfindende bewaffnete Drohung und angebliche „Aggression Hitlers“ aufgerufen. Ich bin kein Pazifist und würde heute in derselben Lage dasselbe wieder tun. Der damalige Feind der tschechischen und europäischen Freiheit bewies es in jenen Tagen durch die Tat und hat es nachher immer wieder bewiesen, dass seiner Gewalt nur durch Gewalt zu begegnen war. Zur Gewalt gegen die die Tschechei besetzenden Rotarmisten rief er hingegen nicht auf -, ein seltsam parteiischer Charakter !

Der Hetzer Barth empfand das perfide Verhalten Englands bei der Münchner Konferenz 1938 als „schweres Versagen“. Er ließ sich daraufhin in der Schweiz zum Soldaten ausbilden. Sein Schüler Dietrich Bonhoeffer nahm aufgrund der Barmer Erklärung am Widerstand gegen den Nationalsozialismus Teil. Barth hat dessen versuchten Tyrannenmord später ausdrücklich bejaht, Bonhoeffers Hinrichtung kurz vor Kriegsende soll ihm nahe gegangen sein. 1945 wurde der Gesinnungstäter Barth sogar Mitglied im „Nationalkomitee Freies Deutschland“, in dem massenmörderische Kommunisten, Antifaschisten, Sozialdemokraten eine proletarische Neuordnung für ganz Deutschland anstrebten. Der vermessene Glaubensritter schrieb in „Die Deutschen und wir“ Gottes (eines vorderasiatischen Gottes !) Stellung zu den Deutschen:

„Her zu mir, ihr Unsympathischen, ihr bösen Hitlerbuben und -mädchen, ihr brutalen SS-Soldaten, ihr üblen Gestaposchurken, ihr traurigen Kompromißler und Kollaborationisten, ihr Herdenmenschen alle, die ihr nun so lange geduldig und dumm hinter eurem sogenannten Führer hergelaufen seid ! Her zu mir, ihr Schuldigen und Mitschuldigen, denen nun widerfährt und widerfahren muß, was eure Taten wert sind ! Her zu mir, ich kenne euch wohl; ich frage aber nicht, wer ihr seid und was ihr getan habt; ich sehe nur, daß ihr am Ende seid und wohl oder übel von vorne anfangen müßt; ich will euch erquicken, gerade mit euch will ich jetzt vom Nullpunkt her neu anfangen !"

In seinem „Darmstädter Wort“ von 1947 bezeichnete der vollends durchgeknallte Barth den Marxismus als legitime Erinnerung der Christen an die Auferstehung der Toten und die Diesseitigkeit des „Reiches Gottes“. Er bekämpfte er energisch den christlichen Antikommunismus im aufkommenden Kalten Krieg und hielt an der verblendeten Vision eines demokratischen Sozialismus fest. Sein vollendeter christlicher Schwachsinn offenbarte sich noch in seinen letzten Glanzleistungen: Es heißt von Seiten seiner Lobhudeler, „Karl Barth fand seine eigene theologische Sprache ganz allmählich im Hören auf die Bibel. Nur dort fand er Gottes Wort für alle Menschen bezeugt: Jesus Christus allein ist für ihn dieses Wort. Aber derselbe Gott hat sich schon in der Heilsgeschichte des erwählten Volkes Israel offenbart: Dies war für Barth der Schlüssel zum Verstehen des Neuen Testaments. Indem Jesus Christus den „ungekündigten Bund“ Gottes mit Israel erfüllt, hat er die Menschheit in ihn einbezogen. So erhalten wir Anteil an den Israel geschenkten Verheißungen.“ - Bei aller Achtung des vom nationalem Impuls getragenen Judentums, darf ohne Bewertungsabgabe aus deutschpatriotischer Sicht konstatiert werden: Ein Hilfswilliger des Judentums, ein Knecht des Judengottes und seiner Geister ! Der Ruf zur unbedingten kirchlichen Solidarität mit dem Judentum wurde sein Vermächtnis an die Ökumene, deren theologischer Berater er seit 1948 war.

In der Biographie von E. Busch, S. 236 wird Barth zitiert: „...ich sah, dass das liebe deutsche Volk da anfing, einen falschen Gott anzubeten“. Ein weiteres Wort des Herrn Barth: „Ein nationalsozialistischer Sieg wäre für uns die denkbar größte Niederlage - dann lieber ein verwüstetes Deutschland !“ Für den fixiert judomanen Barth war Christus das einzige Abbild Gottes. Darum kann der Mensch nach dem Sündenfall Gott nur durch und in Christus erkennen. Deutsche Lutheraner haben diese schroffe Alternative zwischen analogia entis und analogia fidei stets als Problem gesehen („friss Vogel, oder stirb“) und den Streit um Brunners Imagolehre (1934) nach 1945 weitergeführt. Man warf Barth zurecht einen „Christomonismus“ vor, der die menschliche Realität „in Gott aufhebt“ und so unerreichbar werden lässt (G. Berkouwer). Seine Bibelexegese wurde als falsch und künstlich kritisiert, da er den Verlust der Erkenntnismöglichkeit des Menschen - die so genannte Formalimago - nicht belegen konnte. Barth predigte, die Versöhnung mit der Welt geschähe so, dass „Gott in Christus seinen Bund mit Israel erfüllt“. Die ganze Heilsgeschichte Israel-Judentums war für Barth daher per se sprechend, prophetisch, zukunftsweisend, und geht alle Völker an. Israel ist nicht nur Zeuge des Gerichts und der Gottesferne (so Barth noch in KD II/2), sondern Zeuge des Heils für die Christen und die Menschen aus den Völkern. Deshalb hat die Versöhnung der Völker mit Israel für Barth entscheidenden Vorrang: Das wäre das erste notwendige Christuszeugnis der Kirche aller Welt gegenüber (Eph 2,11ff).

Ohne das Judentum kann die Kirche der Welt keine Hoffnung verkünden: Dies hat Barth der Ökumene 1954 auf der Tagung in Evanstown eingeschärft. Denn der jüdische Glaube an den „Gott der Sklavenbefreiung“ widersteht allen metaphysischen Gleichungen von Welt und Gott: Darin steckt unabgegoltene Hoffnung für alle Sklaven. Nicht „Erlösung“ aus der bösen Welt durch ein weltloses Jenseits, sondern Befreiung dieser gut geschaffenen Welt von allen versklavenden Mächten ist die besondere Botschaft Israels. Der Dialog mit dem Judentum hatte für Barth bleibenden Vorrang vor dem allgemeinen Religionsdialog. Barth ist - ganz gleichgültig wie viele Papierseiten er mit seinen exaltierten judäochristlichen Ergüssen gefüllt hat - aus Sicht der von ihm bekämpften Seite, als ordinärer (gewöhnlicher) „Volksverräter“ einzustufen. Die morbide und heikle Frage, ob „Volksverrat“ unter gewissen Umständen legitim werden könnte, kann hier nicht nachgegangen werden.
 
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Dietrich Bonhoeffer (1906 - 1945) war ein antideutscher evangelisch-lutherischer Theologe, fanatischer Vertreter der sog. „Bekennenden Kirche“ und Widerstandskämpfer gegen das vom NS geführte Deutsche Reich. Der einseitig christlich und antivaterländisch überstudierte Bonhoeffer wurde nach Auslandsaufenthalten in Spanien und New York Privatdozent für Evangelische Theologie in Berlin. Gleichzeitig war er Jugendreferent und Mitglied in der Organisation des Ökumenischen Rates. Der blindwütige Mann, der die Gefahr des Europa überrollenden Bolschewismus-Kommunismus in seiner Tragweite nie erkannte, stellte sich schon kurz nach Adolf Hitlers Machtergreifung gegen das nationale wirtschaftliche und soziale Wiederaufbauwerk des Nazismus.

Er ereiferte sich früh im „Kirchenkampf“ gegen die volktreuen „Deutschen Christen“ und den sog. „Arierparagraphen“. Ab 1935 war er Chef des Predigerseminars der „Bekennenden Kirche“ in Finkenwalde, das bedenkenlos auch im Kriege bis 1940 illegal weitergeführt wurde. Etwa ab 1938 schloss er sich der Gesinnungstäter dem Widerstand um Wilhelm Franz Canaris an. Erst im Jahre 1940 erhielt der engagierte „Hetzapostel“ das fällige Redeverbot und 1941 Schreibverbot. Im März 1943 wurde er als „Wehrkraftzersetzer“ verhaftet und im Juli 1944 als erkannter und bekennender Reichs- und Volksfeind zum Tode verurteilt.

Der christirre Bonhoeffer war ein fanatisierter Theologe, der die kritiklos überzogene Bedeutung der sog. „Bergpredigt“ und „Nachfolge“ des galiläischen Zimmermannes Jesus (Jeshua) besonders betonte und persönlich vorleben wollte. Nie realisiert hatte der Wahnumfangene, die Differenz zwischen dem sadduzäischen Judentum und dem nicht- bis antijüdischen Galiläertum des Jeshua. Völlig unverständlich ist es, dass die deutschen Behörden ihm erlaubten, Gefängnisbriefe antideutschen Inhaltes zu schreiben, in denen er teils dümmliche, teils verbrecherische Visionen (aus heidnisch-deutscher Sicht) für eine künftige Hetzarbeit entwickelte.

Sein Vater war Karl Bonhoeffer, einer der nicht unbekannten Psychiater und Neurologen seiner Zeit. Seine Mutter Paula Bonhoeffer, geborene von Hase, war Lehrerin und stammte aus einer Familie evangelischer Theologen (Karl von Hase). Er wuchs in einer spießbürgerlichen Familie auf, die stets Hausbedienstete hatte. Eine durch und durch verkommene undeutsche Sippschaft. Seine Brüder und einige Vettern waren ebenfalls Partisanen im eigenen Land, die sich der deutschen Selbstfindung aktiv entgegenstellten. Bezeichnenderweise wählte er schon in der Prima Hebräisch als Wahlfach und gab Theologie als Berufswunsch an, aus der Fixation heraus, Religiosität und Gottglaube könne allein aus der Bibel definiert werden.  

Sein internationalistischer Werdegang: 1928 wurde er Vikar in der evangelischen Kirchengemeinde von Barcelona, 1929 Assistent an der Berliner Universität. 1930 legte er das Zweite Theologische Examen ab. Es folgte ein Jahr als Stipendiat am „Union Theological Seminary“ in New York. Dort lernte er in den Kirchengemeinden Harlems praktische Pastoralarbeit kennen und erlebte die Folgen der Weltwirtschaftskrise, die besonders die Neger und Farmer traf. Obwohl er der US-amerikanischen Theologie skeptisch gegenüberstand, beeinflusste ihn das Social Gospel stark. Veranlasst durch kritische Rückfragen der Amerikaner sowie den strikten Pazifismus seines französischen Mitstudenten Jean Lasserre begann der bis dahin in politischen Fragen zurückhaltende Bonhoeffer sich mit dem Thema Frieden auseinanderzusetzen. Seine tendenziösen Lehrveranstaltungen wurden ausreichend besucht und - bezeichnend - mit christlichen Gebeten eingeleitet. Bonhoeffer überraschte seine vom aufstrebenden Nazismus bewegten Hörer auch durch unter seinen Dozentenkollegen unpassenden Aussagen zum Zeitgeschehen. Der nächste Krieg sei entschlossen zu ächten,
... aus dem Gehorsam gegen das uns heute treffende Gebot Gottes, dass Krieg nicht mehr sein soll, weil er den Blick auf die Offenbarung raubt.
 
Dass „seine“ gesamte althebräische Bibel ein einziger Aufruf des Bibel-Gottes - bzw. seiner Interpretatoren - zum Krieg gegen die Nichtgläubigen („Nationen“) darstellt, scheint dem überschlauen Schwätzer völlig entgangen zu sein. Otto Dibelius ließ an der Technischen Hochschule in Charlottenburg 1931 erstmals eine Studentengemeinde einrichten, zu deren Leitung er Bonhoeffer beauftragte. Sie wurde jedoch von den Studenten überwiegend abgelehnt und 1933 beendet. Außerdem übernahm Bonhoeffer eine Konfirmandengruppe an der „Zionskirche“ in einem Arbeiterviertel in Mitte. Anfängliche Disziplinprobleme versuchte er mit Erzählungen biblischer Geschichten zu beleben, ohne die Jugendlichen zu deren Auswendiglernen zu nötigen. Er biederte sich schleimig an und erkaufte die Zuneigung durch Geschenke; er lehrte sie außerdem Schach und Englisch und beschenkte jeden zu Weihnachten, u. a. mit Stoff für einen Konfirmationsanzug. 1932 richtete Bonhoeffer zudem eine Jugendstube für arbeitslose Jugendliche ein, die jedoch 1933 von den Nationalsozialisten - bezeichnenderweise als „kommunistisch“ aufgelöst wurde.

Während eines dreiwöchigen Seminarbesuchs in Bonn traf Bonhoeffer erstmals den ebenfalls „theologischen Volksverräter“ Karl Barth persönlich. Beide trafen sich danach einige Male und standen im theologischen Gedankenaustausch. Bonhoeffer betonte damals schon stärker als Barth die Orientierung des Christen an der Bergpredigt und die praktische - d.h. antivölkische - Nachfolge Jesu als Aufgabe der Kirche.

An den Wochenenden zog Bonhoeffer zum angeblichen „Meditieren und Diskutieren“ mit seinen Studenten häufig in eine märkische Jugendherberge und kaufte 1932 eigens dafür eine Hütte am Rand Berlins in Biesenthal. Dort bildete er eine regelrechte Aktionszelle gegen „Volk und Nation“. Aus diesem „Bonhoefferkreis“ junger Menschen, die gegen ihr eigenes Volk eingestimmt wurden, gingen enge Seilschaften, ab 1933 Untergrundkämpfer im Kirchenkampf und ökumenische Delegationen hervor. Seine engen Freunde und Mitpfarrer waren Franz Hildebrandt und sein Schwager Gerhard Leibholz, beide jüdischer Herkunft. Bonhoeffer versuchte, über seinen Freund Paul Lehmann aus den USA den Chief-Rabbi von New York über die deutschen Ereignisse zu informieren. Er begann den Aufsatz „Die Kirche vor der Judenfrage“, den er nach dem am 7. April 1933 erlassenen Arierparagraphen entscheidend ergänzte. Er schloss ihn am 15. April ab, trug ihn dann einem Pfarrerkreis vor, wobei einige Angewiderte den Raum unter Protest verließen, und ließ ihn im Juni drucken, noch bevor die längst überfälligen Zensurmaßnahmen des NS-Behörden dies unmöglich machten. Bonhoeffer thematisierte damit als einer der ersten evangelischen Theologen neben Heinrich Vogel („Kreuz und Hakenkreuz“, 27. April) das Verhältnis der NS-Rassenlehre zum judäo-christlichen Glauben. Die biblischen Rassen-Gesetze des Richters Esra scheinen diesen Bibelfanatikern unbekannt geblieben zu sein.

Wie neben sehr guten humanitären Ansätzen, andererseits überdreht und verstockt christlich dieser Wirrkopf dachte, geht aus seinen Satz hervor: „Der Staat, der die christliche Verkündigung gefährdet, verneint sich selbst.“ - „DBW“, 12,353. - Ab Juni 1933 überstürzten sich die Ereignisse in der evangelisch-deutschen Kirche: Eine Mehrheit der „Deutschen Christen“ (DC) in der Preußischen Landeskirche setzte die Generalsuperintendenten dort ab und einen Staatskommissar, August Jäger, ein. Hitler ernannte Ludwig Müller zu seinem Vertrauensmann für Kirchenfragen, die DC versuchten ihn zum Reichsbischof zu machen. Der Intrigant Bonhoeffer setzte alle Hebel in Bewegung, eine bösartige evangelischen Opposition zustande zu bringen. Er schlug einen Beerdigungsstreik bis zum Rücktritt des Staatskommissars vor, den jedoch niemand für möglich hielt. Nach dem erdrutschartigen Wahlsieg der DC (ca. 70 Prozent Stimmenanteile) gegen die Jungreformatorische Bewegung bei den vom Staat anberaumten Kirchenwahlen am 23. Juli 1933 versuchten verschiedene antivölkische Gruppen, die gewählten Amtsinhaber ihrer Kirchen mit „Bekenntnissen“ zur Stellungnahme über ihren Glauben zu zwingen. Dazu erhielt Bonhoeffer zusammen mit dem Erlanger Theologen Hermann Sasse den Auftrag, einen reichsweit einheitlichen Bekenntnisentwurf zu formulieren. Ihr Entwurf erschien Ende August 1933 und wurde von Pfarrer Bodelschwingh, dem anerkannten Leiter der Betheler Anstalten, an 20 Gutachter versandt. Diese entschärften den Text dann vor allem bezüglich des kirchlichen Eintretens für die Juden gegen den Staat aus Bonhoeffers Sicht so weit, dass er schließlich die Unterzeichnung ablehnte. Dennoch war das Betheler Bekenntnis ein wichtiger Schritt zur Gründung der antideutschen „Bekennenden Kirche“ im Mai 1934.

Im April 1935 kehrte Bonhoeffer von einem Aufenthalt in London nach Deutschland zurück, nachdem er kurzzeitig eine Indienreise zu Gandhi erwogen hatte. Er übernahm für die „Bekennende Kirche“ nun die Ausbildung angehender Pastoren im Predigerseminar Zingsthof, das später nach Finkenwalde (in Pommern östlich Stettin) umzog. 1937 wurde das Predigerseminar, die Hetzzelle, vom Staat geschlossen, illegal aber weitergeführt. 1938 entschloss sich die Familie seiner Zwillingsschwester Sabine, deren Ehemann Gerhard Leibholz jüdischer Abstammung war, aufgrund der schlimmen weiteren Verschärfung der Judengesetzgebung nach England auszuwandern. Bonhoeffer nutzte seine Verbindungen nach England, wo Leibholz als Berater des Bischoffs Bell, der mittlerweile dem englischen Oberhaus angehörte, tätig wurde. Auf der Rückreise nach Deutschland machte er in London bei seiner Schwester und ihrer Familie Station. Hier erfuhr Bonhoeffer von der Hinrichtung des Pfarrers der Bekennenden Kirche Paul Schneider in Buchenwald. Nachdem die Geheime Staatspolizei - die im Kriege mit feindlicher Abwehr alle Hände voll zu tun hatte - am 17. März 1940 das letzte Sammelvikariat auf dem „Sigurdshof“ schloss, und am 14. Juli eine von Bonhoeffer geleitete „Freizeit“ polizeilich aufgelöst wurde, führte er Gespräche mit Hans Oster und seinem Schwager Hans von Dohnanyi über eine „Unabkömmlichkeitsstellung“ (UK-Stellung) für Abwehraufträge. Seine aus der ökumenischen Bewegung bestehenden Kontakte sollte Bonhoeffer für die Verschwörer nutzen, um mit den Alliierten Verhandlungen einzuleiten. Bonhoeffer war also nicht an der Planung der Attentate selbst beteiligt, sondern diente als Verbindungsmann, offiziell im Auftrag der Abwehr. Am 22. August 1940 erhielt Bonhoeffer „wegen seiner volkszersetzenden Tätigkeit“ Redeverbot „für das gesamte Reichsgebiet“.

Am 30. Oktober wurde der janusköpfige Bonhoeffer der Abwehrstelle München zugeordnet, stand also im Dienst des NS-Staates - bei gleichzeitigem Redeverbot und ab März 1941 auch Schreib- und Veröffentlichungsverbot. 941/42 unternahm er - u. a. mit Helmuth von Moltke für die deutsche Spionageabwehr und zugleich den internen Widerstandskreis - Reisen nach Norwegen, Schweden und in die Schweiz. In Sigtuna und Stockholm traf er am 31. Mai/1. Juni 1942 mit George Bell zusammen und übergab ihm geheime Dokumente über den Kreis der Widerständler und ihre Ziele für die britische Regierung. Damit verbunden war die Bitte um eine öffentliche Erklärung der Alliierten, zwischen Deutschen und Nazis nach Kriegsende zu unterscheiden. Auf diese Weise hoffte der Kreisauer Kreis die Erfolgsaussicht des geplanten Hitlerattentats zu steigern. Der britische Außenminister Anthony Eden ließ Bell jedoch wissen, dass eine Unterstützung des Widerstands oder auch nur eine Antwort nicht im nationalen Interesse Großbritanniens läge.

Am 13. März und 21. März wurden aus der Gruppe um Canaris, Oster und Klaus Bonhoeffer Anschläge auf Adolf Hitler verübt, die fehlschlugen. Am 5. April wurde Dietrich Bonhoeffer auf Grund eines zufälligen Aktenfunds bei seinem Schwager Hans von Dohnanyi wegen „Wehrkraftzersetzung“ verhaftet und im Untersuchungsgefängnis der Wehrmacht in Tegel gefangen gehalten. Im September 1943 wurde Anklage erhoben (die Anklageschrift [DBW 16, 433ff] wurde erst 1991 im Militärhistorischen Archiv Prag wieder aufgefunden). Das gegen Bonhoeffer eingeleitete Strafverfahren vor dem Reichskriegsgericht wurde jedoch zunächst von höheren Beamten, z.B. Karl Sack, die Verbindungen zu Widerstandskreisen hatten, nach Kräften aufgehalten. Am 20. Juli 1944 unternahm Claus Graf Schenk von Stauffenberg ein weiteres Attentat auf Adolf Hitler. Bei den nachfolgenden intensiven Verhören der Gestapo konnte Bonhoeffer und anderen Mitverschwörern keine Beteiligung daran nachgewiesen werden. Ein interner Streit führte aber am 22. September 1944 zum Aktenfund in Zossen. - Zur Aufbewahrung von Akten gab es in den Widerstandskreisen zwei Ansichten. Zum einen meinten manche, dass Akten, die die Widerstandstätigkeit belegten, aufbewahrt werden müssten, um den Alliierten nach für sie erfolgreichem Krieg nachzuweisen, dass es in Deutschland schon lange Opposition gegen Hitler gab und auf welche Personen die Sieger sich nun verlassen könnten. - Mehr muss über diesen Volksverneiner - der sich in höchster Kriegsnot seines Volkes auf die Gegenseite schlug - nicht gesagt werden !
 
 
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Otto Dibelius (1880-1967), evangelischer Theologe, war seit 1925 Generalsuperintendent der Kurmark in der Preußische Landeskirche. Er wurde im Jahre 1933 von der Mehrheit der „Deutschen Christen“, die sich Volk und Reich verpflichtet fühlten, abgewählt und in den einstweiligen Ruhestand geschickt. Aus Trotz und dem Gefühl der persönlichen Kränkung engagierte er sich aktiv für die antivaterländische sog. „Bekennende Kirche“. 1945 maßte er sich selbst den Bischofstitel an und war bis 1961/1966 Bischof von Berlin-Brandenburg, von 1949 bis 1961 zugleich Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland. 1954 wurde er außerdem zu einem der Präsidenten des Ökumenischen Rates der Kirchen gewählt.

Otto Dibelius wurde als Sohn eines Geheimen Regierungsrats in Lichterfelde geboren. Seit 1899 studierte er Theologie in Berlin bei Adolf von Harnack. Nach der ersten theologischen Prüfung besucht er von 1902 bis 1904 das Predigerseminar in Wittenberg. In Berlin trat er in den Verein deutscher Studenten ein. 1904 wurde er ordiniert und kam als Hilfsprediger nach Guben (Niederlausitz). Dibelius promovierte 1902 zum Dr. phil. und 1906 zum Lic. theol. und unternahm dann eine Reise nach Schottland. Dibelius machte in der kirchlichen Hierarchie eine rasche Karriere. 1926 veröffentlichte er sein vielbeachtetes, programmatisches Buch „Das Jahrhundert der Kirche“. Dibelius begrüßte zunächst - wie die absolute Mehrheit des evangelischen Kirchenvolkes - den Machtantritt des als Befreier von Siegerknechtschaft und Kriegsgewinnlertum umjubelten, demokratisch legitimierten Reichskanzler und Führer Adolf Hitler.

Am 21. März 1933 hielt er in seiner Eigenschaft als zuständiger Generalsuperintendent die Festpredigt am „Tag von Potsdam“. Darin lobte er die neue politische Entwicklung sowie die Maßnahmen der Regierung nach dem durch einen holländischen Kommunisten gelegten Reichstagsbrand, warnte aber bereits auch vor den angeblichen Gefahren einer Diktatur (hätte den damaligen Saustall eine Demokratie ausmisten können ?): Nachdem in der englischen Presse ganzseitige Erklärungen erschienen waren, dass das das Internationale Judentum dem neuen deutschen Reich den totalen Krieg erklärt hätte, begannen 10 Tage darauf die verwerflichen antijüdischem Maßnahmen der SA (NS-Sturm-Abteilung) gegen jüdische Geschäfte - noch blieb Dibelius seinem international umwetterten Vaterlande gegenüber loyal und erklärte völlig auf Parteilinie liegend (für uns Heutige höchst befremdlich):

„Schließlich hat sich die Regierung genötigt gesehen, den Boykott jüdischer Geschäfte zu organisieren - in der richtigen Erkenntnis, daß durch die internationalen Verbindungen des Judentums die Auslandshetze dann am ehesten aufhören wird, wenn sie dem deutschen Judentum wirtschaftlich gefährlich wird. Das Ergebnis dieser ganzen Vorgänge wird ohne Zweifel eine Zurückdämmung des jüdischen Einflusses im öffentlichen Leben Deutschlands sein. Dagegen wird niemand im Ernst etwas einwenden können.“

Dann begannen die menschlich zu verurteilenden, aber nach Parteilogik folgerichtigen Maßnahmen - des sich durch und durch deutsch empfindenden Staates - in Form der Zurückdrängung möglicherweise volksfeindlicher Elemente (7. April 1933 der „Arierparagraph“) und mithin die Entlassung jüdischer Beamten und damit selbstverständlich auch „getaufter Juden“ aus Kirchenämtern. Nachdem die „Deutschen Christen“, die die Kirchenwahlen am 23. Juli haushoch gewannen, und unter dem vom Reichskanzler eingesetzten „Reichsbischof“ Ludwig Müller die Kirchenverwaltung zu einer „Reichskirche“ umzuwandeln begannen, entstand eine innerevangelische Trotz-Opposition der beleidigten theologischen Leberwürste. Im nun beginnenden, von diesen vaterlandslosen Gesellen vom Zaun gebrochenen „Kirchenkampf nahm Dibelius eine oppositionelle, in althergebrachten, egoistischen kirchlichen Denkstrukturen verharrende Haltung ein. Aus dem scheinbaren Anfangssympathisanten für den jungen NS-Volksstaat wurde nun ein bösartiger Feind.

Dibelius ging am 1. Dezember 1933 als Kurprediger nach San Remo an der Riviera di Ponente, kehrte zum 1. Juli 1934 nach Deutschland zurück und trat danach in die Arbeit des Brandenburger Bruderrats der Bekennenden Kirche ein. In der Folgezeit trat er wiederholt für die Religionsfreiheit ein und wurde bei mehreren Gelegenheiten inhaftiert. Ihm wurde auch verboten zu predigen. Er hatte Kontakt zu Widerstandskämpfern, die 1944 einen erfolglosen Anschlag auf den demokratisch gewählten Führer und Reichskanzler verübten. Nach der militärischen Zerschlagung des nationalsozialistischen Volksreiches gierte Dibelius eine Führungsposition in der evangelischen Kirche an. Dibelius wurde Leiter der 1945 sich verselbständigenden Berlin-Brandenburger evangelischen Landeskirche.

Im selben Jahr trat Dibelius in die CDU ein. Als Mitglied des vorläufigen „Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland“ (EKD) verfasste er mit Theophil Wurm und Martin Niemöller zusammen das „Stuttgarter Schuldbekenntnis“ vom Oktober 1945. Dieser Text war an die Vertreter des ökumenischen Rats der Kirchen gerichtet und enthielt die kriecherischen Kernsätze: „Mit großem Schmerz sagen wir: Durch uns ist unendliches Leid über viele Länder und Völker gebracht worden... Wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben...“

1954 bis 1961 war Dibelius einer der sechs Präsidenten im Weltkirchenrat. Nach der Beschlussfassung zum Aufbau der Bundeswehr unterzeichnete er 1956 für die EKD den umstrittenen "Militärseelsorgevertrag" mit der Bundesregierung. 1958 wurde Dibelius die Berliner Ehrenbürgerschaft verliehen. 1967 starb Otto Dibelius, bezeichnenderweise von seinem antivaterländischen Kirchenklüngel gewürdigt als eine der „bedeutendsten Persönlichkeiten“ der evangelischen Volksverräter-Kirche im 20. Jahrhundert. Dabei muss unmissverständlich angemerkt werden, dass „Volksverrat“ ein historisches Delikt ohne Paragraph auch dann vorliegen kann, wenn er im besten Wissen und Gewissen begangen wird, nicht anders als bei regulären strafrechtlich relevanten Verbrechen.  
 
 
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Martin Niemöller (1892 -1984) war ein selektiv antideutscher christlicher Theologe und führender Vertreter der antivaterländischen sog. „Bekennenden Kirche“. Zuerst sei er „überzeugter NSDAP-Wähler“ gewesen, so heißt es. Sein Beispiel mag zeigen, wie zunächst redliche Menschen sich durch das Gift des paulinischen Christianismus zu Volksverächtern und Verrätern mausern können. Niemöller war der Sohn eines lutherischen Pfarrers und dessen Frau geb. Müller. 1900 zog die Familie von Lippstadt nach Elberfeld, dort legte er 1910 sein Abitur ab. Dann schlug er eine Offizierslaufbahn bei der Kaiserlichen Marine ein. Seit 1915 gehörte er der U-Boot-Waffe an und war ab Juli 1918 Kommandant des U-Bootes UC-67. 1919 nahm er seinen Abschied vom Militärdienst, weil er die neue demokratische Regierung ablehnte. 1920 diente er als Bataillonsführer in einem Freikorps (III. Bataillon der Akademischen Wehr Münster). Sein Lebensweg war demnach - aus vaterländischer Sicht - zunächst aller Ehren wert.

Im Jahre 1919 vermählte er sich. Bald darauf nahm Niemöller eine landwirtschaftliche Lehre auf einem Bauernhof bei Osnabrück auf. Da das Geld nicht für den Erwerb eines eigenen Gehöftes ausreichte, entschloss er sich zum Studium der evangelischen Theologie in Münster (1919-1923). Irregeleitete Motivation zum Studium war sein Bestreben, der orientierungslos gewordenen Nachkriegsgesellschaft durch die christliche Botschaft wieder Sinn und durch die kirchlichen Strukturen Ordnung zu vermitteln. Das Vikariat leistete er gleichfalls in Münster. 1924 wurde er Vereinsgeistlicher der westfälischen Inneren Mission. Während des Ruhrkampfes gegen den französischen Besatzungsterror beteiligte er sich noch als aufrechter Deutscher an der „Akademischen Wehr“.

Bald kam es hier zu Auseinandersetzungen mit der Erneuerungsbewegung der „Deutschen Christen“, denen eine sog. „Entjudaisierung“ (Betonung des Jeshua-Jesus als nichtjüdischer Galiläer) des Glaubens bei Beibehaltung seiner traditionellen Moralität vorschwebte. Zwar hatte Niemöller seit 1924 nationalsozialistisch gewählt und die Einführung des „Führerstaates“ 1933 begrüßt, aber die Vermischung von politischen Aussagen mit dem Glaubensbekenntnis lehnte er schärfstens ab, weil er die schlimmen Konsequenzen für Volk und Nation des Christenglaubens nicht zu überblicken vermochte. So war er im Mai 1933 einer der Gründer der Jungreformatorischen Bewegung und stellte sich an die Seite Friedrich von Bodelschwinghs.

Nachdem der üble „Arierparagraph“ zur „Gesundung und Rückfindung der Nation zu sich selbst“ eingeführt und in mehreren evangelischen Landeskirchen erste staatsfeindliche Pfarrerbruderschaften gegründet worden waren, rief Niemöller im September 1933 als Reaktion auf die Entfernung von „Nichtariern“ (Rassejuden) aus Kirchenämtern zur Gründung eines reichsweiten „Pfarrernotbundes“ auf; dem Bund traten etwa nur ein Drittel der Pfarrer bei. Seine vorrangigen Aktionen bestanden aus dem Protest gegen diese Maßnahmen des Staates sowie der Organisation von Hilfe für die Betroffenen. Diese mitmenschlichen Aktionen sind ohne Abstriche positiv zu würdigen. Historisch ist -unabhängig von moralischen Erwägungen - festzuhalten: Niemöller fiel den Anstrengungen des jungen Volksstaates in den Rücken, sein christlicher Dünkel war stärker als seine Treue zum Volk dem er angehörte. Der „Pfarrernotbund“ und andere Gruppen bildeten die Vorläufer der „Bekennenden Kirche“ (gleich einer „Fünften Kolonne“ von Reichsfeinden), die auf der 1. Barmer Bekenntnissynode vom 29. bis zum 31. Mai 1934 gegründet wurde. Auf dieser Synode wurde die „Barmer Theologische Erklärung“ verabschiedet, die das irrwitzige theologische Fundament der „Bekennenden Kirche“ bildete.

Die theologische Rechtfertigung war der in der evangelisch-lutherischen Kirche fest geschriebene Bekenntnisstand oder Bekenntnisnotstand (status confessionis), der gegeben ist, wenn die Kirchenoberen sich vom altbackenen lutherischen Bekenntnis - festgehalten im „Augsburger Bekenntnis“ - entfernen. Das sah der Pfarrernotbund gegeben in der so genannten Schöpfungstheologie der Deutschen Christen, die richtig und sinnvoll Schöpfungsordnungen, wie z.B. das Volk als Grundwert neben der jüdischen Bibel anerkannten. Niemöller dachte angeblich „nationalkonservativ“, aber nur insoweit, als sich alles Volksbezogene, also selbst das Leben der Nation der orientalischen Bibel-Idee unterzuordnen hatte. So erschien 1934 sein Erinnerungsbuch „Vom U-Boot zur Kanzel“. Er geriet durch seinen bedingungslosen Bibel-Fanatismus zunehmend in die Illegalität. Höhepunkt dieser Entwicklung war ein Empfang von Kirchenführern in der Berliner Reichskanzlei im Januar 1934. Dabei kam es zu einer direkten Konfrontation zwischen dem Reichskanzler Adolf Hitler und Martin Niemöller. Während Hitler in klarer Sicht den Kirchenkampf durch die Bekennende Kirche als „Kampf gegen den deutschen Staat“ verstand, versuchte Niemöller mit vergeblichem Sophismus deutlich zu machen, dass es sich angeblich nur um die Freiheit und Reinheit der Verkündigung auch aus politischer Verantwortung, aus „Sorge um das Dritte Reich“ gehe.

Schließlich schlug er - immer trotzköpfiger werdend - die radikalsten Wege innerhalb der Bekennenden Kirche ein. Der altpreußische Bruderrat, dem er angehörte, sah sich als „wahre Kirchenleitung“. Ein häretisch gewordener Kirchenrat könne nicht mehr Kirchenleitung sein. Dabei fand Niemöller nur sehr wenig Gefolgsleute, die meisten evangelischen Christen standen zu dieser Zeit noch treu zu Hitler und seiner postulierten „völkischen Befreiungstheologie“. Niemöller - immer noch scheinbarer Nationalsozialist - scheute sich nicht, vermeintliches „Unrecht“ zu benennen und die staatliche Kirchenpolitik zu attackieren. Unabhängig vom vorliegenden historischen Fall stellt sich die delikate Frage, inwieweit über „Recht und Unrecht“ sinniert werden kann, wenn es um die Gesundung und Rettung aus Todesnot eines Volkes geht ? Wo und wann waren jemals die großen Reformer der Weltgeschichte im engen bürgerlichen Sinne „moralisch“ ?! So wandte sich Niemöller zusammen mit einigen anderen Pfarrern gegen verbale Angriffe des belesenen Alfred Rosenbergs, des Chefideologen der Nationalsozialisten, was 1935 zu einer ersten kurzfristigen Verhaftung führte. 1937 wurde Niemöller erneut verhaftet und im Februar 1938 zu 9 Monaten Haft verurteilt, die er jedoch durch seine Untersuchungshaft bereits verbüßt hatte. Einen Tag später wurde er als „persönlicher Gefangener“ des Reichsführers im KL Sachsenhausen in ehrenhafter Haft gehalten. Seine zunächst angeblich geplante Hinrichtung soll der britische Lordbischof George Kennedy Allen Bell abgewendet haben, indem er die deutschfeindliche Internationale Presse über den „Fall Niemöller“ mit Informationen fütterte. Bei Kriegsausbruch 1939 soll er sich aus dem Konzentrationslager heraus (als ehemaliger U-Bootkommandant des 1. Weltkriegs) freiwillig zur deutschen Kriegsmarine gemeldet haben, was keine Legende zu sein scheint. Niemöller rechtfertigte seine Freiwilligenmeldung kurz nach dem Krieg damit, dass sein Widerstand gegen den Nationalsozialismus in erster Linie religionstheoretisch motiviert gewesen sei, zum lutherischen Ethos habe es aber auch gehört, für sein Vaterland zu kämpfen.

Hieraus wird die ganze fürchterliche Zerrissenheit dieser im Großen und Ganzen anständigen, ehrenwerten Menschen sichtbar, die sich die Entscheidung oftmals nicht leicht machten, entweder ganz zum vorderasiatischen Gott und seiner Kirche stehen zu sollen, oder zu ihrem eigenen Blut und Vaterland.

1941 wurde er in das Konzentrationslager Dachau verlegt. Dort war eine Anzahl Geistlicher verschiedener Konfessionen aus Deutschland, Österreich und den von deutschen Truppen besetzten Nachbarstaaten interniert (nicht anders machten es die US-Amerikaner mit gegen sie Krieg führenden Nationalitäten). Als „Sonderhäftling“ wurde er nicht wie die meisten Geistlichen im Pfarrerblock sondern im „Ehrenbunker“, einem abgegrenzten Sonderbereich unter recht guten Bedingungen gehalten. Dort hatte er Kontakt zu drei ebenfalls prominenten katholischen Priestern, Johannes Neuhäusler, Karl Kunkel und Michael Höck, die wie die anderen Dachauer Sonderhäftlinge viele Vergünstigungen genossen: Ihre Verpflegung war nicht schlechter als das der freilebenden Deutschen in damaliger Zeit, die Türen ihrer Zellen waren unverschlossen, so dass sie sich jederzeit besuchen konnten, sie durften auch hinaus ins Freie gehen.

Während seiner Haftzeit verstockte sich Niemöllers immer stärker, was als eine psychologisch verständliche Trotzreaktion gewertet werden darf. Hatte er bislang bis zu einem gewissen Grade den „Dienst am Volk“ als kirchliche Aufgabe betont, so meinte er nunmehr in der legendären „Kreuzigung Jesu Christi“ ein solches „Heilsgeschehen für alle Völker“ zu erblicken, welches den Dienst an einem bestimmten Volk (ausgenommen das bevorrechtige Bibelvolk) verbieten würde; daher hätte die Christenkirche vor allem an der Überwindung von Grenzen, Rassen und Ideologien zu arbeiten. Das war bei dem Manne eine sehr späte Einsicht in die von allem Anfang an bestehende Grundidee des Paulinischen Christianismus. Zudem musste er einsehen, wollte er im niedergeworfenen Nachkriegsdeutschland überhaupt eine Rolle spielen (und das wollte der Ehrgeizling), dass die Kirchen in Deutschland für die „nationalsozialistische Machtergreifung“ mitverantwortlich gewesen waren. Ohne diesen Kotau gab es im damaligen Deutschland vor den Lizensierungstischen der Alliierten keine noch so kleine Chance. Bis zum 19. Juni 1945 musste er amerikanischen Dienststellen noch in Italien zur Verfügung stehen, bevor er nach einem Hungerstreik nach Deutschland zurückkehren konnte. Niemöller behielt sich einen Anstandsrest, er verurteilte, u.a. in Briefen an den amerikanischen General Clay, das rechtswidrige Vorgehen der alliierten Besatzungsmächte. Den erst nach Protesten aus der amerikanischen Bevölkerung und einigen Anständigen aus der Politik (nur) offiziell ad acta gelegten ursprünglichen „Morgenthau-Plan“ (Plan des Beraters von Roosevelt) kennzeichnete er richtig als „das Vorhaben, das deutsche Volk bis zu seinen Wurzeln auszurotten“, ferner die Praktiken des „Nürnberger Gerichtshofes“ als „schwere Verdunkelung des öffentliches Gewissens“. Es erinnere „an die Behandlung der Offiziere des 20. Juli durch Adolf Hitler, wie man jetzt mit Wehrmachtoffizieren vor amerikanischen Tribunalen verfährt“. Auch den Bombenterror gegen die deutsche Zivilbevölkerung und Vertreibungen im Osten verurteilte Niemöller entschieden. Er müsse überdies im besetzten Deutschland Verhältnisse feststellen, „die auf Schritt und Tritt an die hinter uns liegenden Schreckensjahre erinnern“; die durch die Besatzungsbehörden zu verantwortende Zustände und Maßnahmen seien „selbst unter dem Naziregime niemals gewesen“.

In Deutschland hatte nach Niemöllers Rückkehr Otto Dibelius die Leitung der Kirche in Berlin übernommen. Für Niemöller schien kein Platz mehr zu sein, auch wenn er von 1945 bis 1955 dem Rat der EKD angehörte und - in Personalunion mit seinem Amt als Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau - Leiter ihres Kirchlichen Außenamtes in Frankfurt am Main war. Anders als Dibelius, der mit einer bischöflichen Struktur sympathisierte, dachte Niemöller an eine konsequente Überwindung des Landeskirchentums von bruderrätlichen Traditionen her: die Kirche solle von den Gemeinden her aufgebaut sein, territoriale Traditionen und konfessionelle Gegensätze dürften künftig nicht mehr von Bedeutung sein. Seit dem Frühjahr 1946 gestaltete er den Aufbau der hessen-nassauischen Kirche mit. Es gelang ihm, konzeptionelle Elemente der „Bruderräte“ in das „Leitende Geistliche Amt“, das bis heute kollegial das Amt des Landesbischofs wahrnimmt, einfließen zu lassen. Schließlich wurde er am 1. Oktober 1947 zum Kirchenpräsidenten berufen. Das Amt bekleidete er bis 1965.

Im von ihm mit erarbeiteten „Stuttgarter Schuldbekenntnis“ wird die Mitschuld der Kirchen für den Nationalsozialismus betont. Erst mit diesem historisch geradezu sklavischen Kniefall wurde den deutschen evangelischen Kirchen der Weg zurück in die ökumenische Nachkriegsgemeinschaft von Sieges Gnaden eröffnet. An den Vollversammlungen des Ökumenischen Rates der Kirchen nahm er von 1948 bis 1975 teil; von 1961 bis 1968 war Niemöller einer der sechs Präsidenten des ÖRK.

Scharfäugig indes kritisierte Niemöller die Gründung der Bundesrepublik Deutschland („In Rom gezeugt und in Washington geboren“), die Wiederbewaffnung Deutschlands, die Positionen der Kirche im Kalten Krieg sowie die kriegslüsterne Rüstungspolitik der Großmächte. Seine dabei oft treffend scharfen Formulierungen brachten ihm sowohl Ablehnung wie große Anhängerschaft ein. Niemöller polarisierte wie kein anderer Kirchenmann; er kannte nur Freunde oder Gegner (wie schon im Dritten Reich); Neutralität gegenüber Niemöller gab es nicht; er fühlte sich als evangelischer Papst. 1954 wandte sich Niemöller zunehmend radikal pazifistischen Positionen zu, um deren willen er auch nicht die Zusammenarbeit mit Kommunisten scheute (hatte er deren Massenmorde nicht registriert ?). 1959 attackierte er - der ehemalige Kriegsfreiwillige und U-Boot-Fahrer - die Ausbildung zum Soldaten als „die Hohe Schule für Berufsverbrecher“. Er blieb bis zum Ende ein ehrsüchtiger, widersprüchlicher Querulant. Die dümmliche Frage „Was würde Jesus dazu sagen ?“ (jener antike essenische Zimmermannshelfer) wurde zu einem Markenzeichen von Niemöllers christ-psychopathischem Denken.

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Paul Thomas Mann (1875-1955) war ein umstrittener Schriftsteller, der in Feindessold stehend, im Kriege gegen sein eigenes Vaterland hetzte. Es heißt, er wäre ein Meister der Ironie und des literarischen Manierismus gewesen; er schrieb Erzählungen und Romane, die das Ende des sog. bürgerlichen Zeitalters spiegeln. Man sagt, er habe sich bewusst in die Nachfolge des deutschen Bildungsbürgertums und von Dichtern wie Goethe und Fontane gestellt. Mit seinem gravitätisch-verschmitzten Stil soll er über ein unverkennbares Markenzeichen verfügt haben, das ihn in gewissen Kreisen populär machte. Ich meine, man muss ihn durchaus nicht gelesen haben, ihn nicht zu kennen, bedeutet absolut keinen Mangel ! Bereits mit Mitte zwanzig veröffentlichte er den Familienroman „Buddenbrooks“, für den er 1929 den Nobelpreis für Literatur erhielt. Während andere kämpften, bluteteten und für das Vaterland starben, hatte dieser Mann die innere Ruhe und Gleichgültigkeit während des Ersten Weltkriegs die Betrachtungen eines Unpolitischen zu schreiben, eine Apologie des kaiserlichen Deutschlands im Moment seines tragischen Unterganges.

Als politischer Essayist repräsentierte er die resignative Hinwendung des Wilhelminischen Bürgertums zur schändlichen Weimarer Republik und wurde, schließlich insbesondere in seinen schlimmen Radioansprachen „Deutsche Hörer !“, die er als Volksverräter aus Feindeslanden senden ließ, zu einem geschwätzigen Gegner des um den Bestand Deutschlands schwer ringenden Soldaten. Bedeutsam, so heißt es, sei sein umfangreiches Tagebuch, das private Ereignisse („schwule Geständnisse“) neben weltgeschichtlichen protokolliert.

Paul Thomas Mann, der jüngere Bruder von Heinrich Mann, war Sohn des Kaufmanns und Lübecker Senators Thomas Johann Heinrich Mann. Seine Mutter Julia (geborene da Silva-Bruhns) war mütterlicherseits brasilianischer Herkunft. Aus der Ehe gingen noch die Kinder Julia (Selbstmord), Carla (Selbstmord) und Viktor hervor. Thomas Mann begann schon früh zu schreiben und beteiligte sich 1893 mit Prosaskizzen und Aufsätzen an der von ihm mit herausgegebenen Schülerzeitschrift Der Frühlingssturm. Einen Brief an Frieda L. Hartenstein von 1889 unterschrieb der 14-Jährige mit der lächerlich-größenwahnsinnigen Unterschrift: „Thomas Mann. Lyrisch-dramatischer Dichter“. Er begann in einer Feuerversicherungsgesellschaft zu arbeiten. Die Bürotätigkeit - verrichtet am Stehpult - erschien ihm langweilig und anspruchslos. Sein Debüt als Schriftsteller gab er 1894 mit der Novelle Gefallen. In dem Magazin Gesellschaft veröffentlicht. 1895 kündigte Thomas Mann seine Tätigkeit bei der Versicherungsgesellschaft und begann, Vorlesungen an der Technischen Hochschule München zu besuchen. Damals dachte er an einen journalistischen Beruf. Als Thomas Mann 1896 mit 21 Jahren volljährig geworden war und monatlich 180 Goldmark aus den Zinsen des väterlichen Vermögens erhielt, konnte er als freier Schriftsteller leben. Von 1895 bis 1896 verfasste Thomas Mann Beiträge für die Monatsschrift „Das Zwanzigste Jahrhundert & 8722; Blätter für deutsche Art und Wohlfahrt“, deren Herausgeber sein Bruder Heinrich Mann war. Zusammen mit Heinrich verbrachte er eine Zeit in Rom. 1897 mieteten sich die Brüder in dem östlich von der Hauptstadt liegenden Städtchen Palestrina ein. Mann schrieb in der Zeit einige Novellen, unter anderem „Der kleine Herr Friedemann“, und begann mit dem Roman Buddenbrooks. Mann schrieb 1898 auch ein Jahr lang in der Redaktion des „Simplicissimus“. Manns extrem kurze militärische Zeit fand lediglich in den letzten drei Monaten des Jahres 1900 beim Münchner Leibregiment statt und endete mit einer Entlassung wegen „Dienstuntauglichkeit“ - einem Erlebnis, das man in der Musterungsszene in den „Bekenntnissen des Hochstaplers Felix Krull“ widergespiegelt finden kann. 1901 wurde Manns erster Roman „Buddenbrooks“ veröffentlicht. Die zweibändige Erstausgabe stieß kaum auf Resonanz. Die einbändige zweite Auflage von 1903 brachte den Durchbruch und machte Thomas Mann in der Öffentlichkeit einigermaßen bekannt. 1903 zeichneten sich ernste Missstimmungen zwischen den Brüdern Thomas und Heinrich ab. Der eitle Thomas fühlte sich von seinem Bruder als Künstler zurückgesetzt und kritisierte die „langweilige Schamlosigkeit“ in dessen Büchern. Der Kontakt brach zwar nicht ab, auch gab es in den Folgejahren immer wieder Annäherungsversuche, aber fortan ging man sich in der öffentlichen Auseinandersetzung um die Kunst in der Literatur lieber aus dem Weg.1904 lernte Mann Katia Pringsheim (Enkelin der Emanze Hedwig Dohm) kennen und begann um sie zu werben. Das überraschte umso mehr, als in seinem bisherigen Leben keine „Weibergeschichten“, wie beim Bruder Heinrich, aufgetreten waren. Im Gegenteil, schon zu seiner Schulzeit schwärmte er für einen seiner Mitschüler, in der Zeit vor seinem Werben um Katia hatte er eine schwüle Beziehung zu Paul Ehrenberg. Thomas Mann gab vor, seine Homosexualität nie richtig ausgelebt haben. Seine Schwärmereien für Jünglinge und für schwule Beziehungen fanden ihren Niederschlag in seinen Tagebüchern, Notizen und literarischen Arbeiten. Die ausersehene Katia zögerte zunächst, aber am 11. Februar 1905 heiratete sie Thomas Mann. In seinem zweiten Roman „Königliche Hoheit“ von 1909 hat dieser die Brautzeit literarisch verarbeitet. Das Paar hatte sechs Kinder: Erika, Klaus (Selbstmord), Golo, Monika, Elisabeth und Michael. 1912 äußerten Ärzte bei Katia den Verdacht auf Tuberkulose, was einen längeren Sanatoriums-Aufenthalt in Davos erzwang. Mann war, als er sie besuchte, angetan von der Atmosphäre des Sanatoriums und von Katias Schilderungen über die darin weilenden Gäste, aber auch von seinen eigenen Eindrücken. Sie inspirierten ihn zu dem Roman Der Zauberberg, den er 1913 begann, aber erst 1924 fertigstellte.

Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, vertrat Mann nur einen sehr verhaltenen Patriotismus. Er schrieb an seinen Bruder Heinrich: „Ich persönlich habe mich auf eine vollständige Veränderung der materiellen Grundlagen meines Lebens vorzubereiten. Ich werde, wenn der Krieg lang dauert, mit ziemlicher Bestimmtheit das sein, was man ‚ruiniert‘ nennt. In Gottes Namen ! Was will das besagen gegen die Umwälzungen, namentlich die seelischen, die solche Ereignisse im Großen zur Folge haben müssen ! Muss man nicht dankbar sein für das vollkommen Unerwartete, so große Dinge erleben zu dürfen ?“

Thomas Mann hielt den Krieg allerdings prinzipiell für notwendig, galt es doch aus seiner Sicht, den „verworfensten Polizeistaat der Welt“ - das zaristische Russland - „zu zerschlagen“. Der Fememord am jüdischen Reichsaußenministers Walther Rathenau am 24. Juni 1922 soll mitauslösend für Manns Entscheidung gewesen sein, öffentlich für diese Niedergangs-Republik und ihre dubiosen „Werte“ einzutreten. Mit seiner Rede „Von deutscher Republik“ trat er zum ersten Mal als politisch unklarer „Mahner und Befürworter der neuen Staatsform“ hervor. Demokratie und Humanität, so meinte Mann, seien eins, und da der Mensch dem Prinzip der Humanität folgen solle, habe er also nach einem demokratischen Zusammenleben zu streben. Er wurde auch Mitglied der liberaldemokratischen Deutschen Demokratischen Partei.

1924 veröffentlichte der Dichter seinen Roman „Der Zauberberg“. Er war auf Anhieb ein großer Erfolg. Danach kam Unordnung und frühes Leid und über die Ehe. 1925 begann der Autor mit der Arbeit an der Tetralogie „Joseph und seine Brüder“. Modell für die Konturen Josephs standen die jungen Menschen, von denen der Schriftsteller sich verzaubert fühlte. Auch der 17-jährige Klaus Heuser, ein Freund seiner Kinder, den Thomas Mann 1927 kennenlernte und über den er notierte, er sei seine „letzte Leidenschaft“, dürfte in die Figur des Joseph eingeflossen sein. Thomas Mann beteiligte sich als Gründungsmitglied der „Sektion Dichtkunst“ bei der Preußischen Akademie der Künste an Versuchen, das Ansehen der damaligen Literatur zu verbessern. Insbesondere wandte er sich - bezeichnend genug - gegen das damals geltende „Schmutz- und Schundgesetz“, das die schriftstellerische Freiheit einschränkte. In der Karikatur „Die Dichterakademie arbeitet“ wird unter anderem Thomas Mann als Kopist gewisser Elemente aus den Werken von Gerhart Hauptmann verspottet: „Man sieht, wie er dem naturalistischen Autor beim Schreiben über die Schulter sieht, selbst Papier und Feder in der Hand.“ Der Literaturnobelpreis war für Mann keine Überraschung. Am Nachmittag des 12. November 1929 erreichte ihn die Nachricht aus Stockholm. Er war sauer, dass sich das Komitee nur auf „Buddenbrooks“ bezog. Grund war der schwedische Literaturkritiker Fredrik Böök, der den Roman „Der Zauberberg“ für Schund hielt und ihn mehrmals verrissen hatte. Das Preisgeld betrug 200.000 Reichsmark. Einen Teil davon verwendete Mann, um die Schulden von Klaus und Erika nach ihrer Weltreise zu tilgen, außerdem wurde das Haus bezahlt, zwei Autos angeschafft und der Rest angelegt.

Schon in Stockholm hatte ein Journalist den Manns nahegelegt, das Geld „draußen stehenzulassen“ (dass Deutschland mit Krieg überzogen werden sollte, ahnte man im Ausland bereits.), aber sie verstanden es angeblich nicht. Als sie sich 1933 aus Deutschland verdünnisierten, verloren sie einen Teil ihres Vermögens, namentlich ihren Immobilien- und anderen Sachbesitz (den sie nach dem Kriege aber wiedererlangt haben dürften, wie andere auch.). Die Reichstagswahl vom September 1930 hatte den Nationalsozialisten einen gewaltigen demokratischen Stimmenzuwachs beschert. Thomas Mann, der wie viele andere deutschkritischen und feindlichen Skeptiker die junge politische Kraft der NSDAP mit Abneigung beobachtet hatte, verstieg sich zu einem „Appell an die Vernunft“, einer Rede, die er am 17. Oktober 1930 im Berliner Beethovensaal hielt und die als „Deutsche Ansprache“ in die Geschichte „antideutscher Machenschaften“ einging.

Zwischen dem republikanischen und sozialdemokratischen Publikum saßen aber auch viele überzeugte Nationalsozialisten, die verständlicherweise Manns Tiraden durch Zwischenrufe zu stören versuchten. Thomas Mann nannte den NS in vorauseilendem Gehorsam den Feinden des Reiches gegenüber „eine Riesenwelle exzentrischer Barbarei und primitiv-massendemokratischer Jahrmarktsrohheit“ und „Massenkrampf, Budengeläut, Halleluja und derwischmäßiges Wiederholen monotoner Schlagworte, bis alles Schaum vorm Munde hat“. Er schwadronierte, ob das deutsch sei und ob „das Wunschbild einer primitiven, blutreinen, herzens- und verstandesschlichten, hackenzusammenschlagenden, blauäugig gehorsamen und strammen Biederkeit, diese vollkommene nationale Simplizität in einem reifen, vielerfahrenen Kulturvolk wie dem deutschen“ überhaupt verwirklicht werden könne. Wenig einzuwenden hätte man hinsichtlich dieser Schimpfkanonaden, wenn der Biederling gleichzeitig auf die noch verbrecherischer handelnden Bolschewiken in Russland hingewiesen hätte (denn ohne sie hätte es nie eine Reaktion in Gestalt des NS-Staates gegeben) ! Der Beifall im Saal wird heutzutage gern als „groß“ beschrieben, drang aber nicht nach draußen durch. Thomas Mann zählte zu den wichtigsten gernegroßen Gegnern des NS, und seine Stimme hatte wegen seines hohen Ansehens im feindlich-missgünstigen Ausland großes Gewicht, aber seine zahlreichen Appelle - die er als abgehobener Sonderling posaunte - verhallten im Reiche selbst völlig ungehört.

Im Februar 1933 startete er mit seiner Frau eine längere Reise ins Ausland, nach Paris und Arosa, von der sie nicht nach München zurückkehrten. Als die Mitglieder der „Sektion Dichtkunst“ bei der Preußischen Akademie der Künste vom neuen Staat aufgefordert wurden, gegenüber der nationalsozialistischen Regierung eine Treueerklärung auf das Volk abzugeben, erklärte Mann mit einem Schreiben an den Akademie-Präsidenten vom 17. März 1933 seinen Austritt. Von der „Bücherverbrennung“ (symbolische Beseitigung von amoralischer und antideutscher Literatur) am 10. Mai 1933 blieben seine Werke zwar verschont, nicht aber die seines Bruders Heinrich und seines Sohnes Klaus Mann. Der viel umfänglicheren Bücherverbrennung (antideutsche Bücherverbannung), nach Beendigung des Krieges durch die Alliierten, vielen seine „Werke“ ebenso nicht zum Opfer. Der Entschluss, Deutschland den Rücken zu kehren, fiel den Manns nur deshalb nicht leicht, da sie ihr Sachvermögen zurücklassen mussten. Ein Teil davon konnte allerdings später auf Umwegen in die Schweiz geschafft werden. Zu finanziellen Engpässen kam es aber nicht, da sie rechtzeitig einen erheblichen Teil des Stockholmer Preisgeldes und auch Bargeld aus Deutschland in die Schweiz transferiert hatten. Die erste Station des Abganges war Sanary-sur-Mer in Frankreich. Letztlich zogen die Manns aber in die Schweiz und wohnten in Küsnacht in der Nähe von Zürich. Die Bewegungsfreiheit des Dichters verringerte sich, da sein deutscher Pass ablief und die deutschen Behörden dessen Verlängerung von Manns persönlichem Erscheinen in München abhängig machten. Das Ausbürgerungsverfahren, von dem 1934 lediglich 37 prominente Nichtdeutsche (darunter der „Salonkommunist“ Albert Einstein) betroffen waren, wurde in seinem Fall ausgesetzt. 1934 und 1935 reisten die Manns die ersten beiden Male in die USA. Den US-Amerikanern war der antivaterländische Hetzapostel als Propagandaredner natürlich willkommen und sie gewährten ihm gern auch ohne gültigen Pass die Einreise. In den 1930-er Jahren besuchte der Aktivist auch sechsmal Ungarn und wohnte dort u.a. beim Grafen Lajos Hatvany in Hatvan bei Budapest. Hier publizierte er mehrmals Texte in der 1854 gegründeten ungarischen deutschsprachigen Zeitung „Pester Lloyd“, so u.a. 1936 den Essay „Achtung, Europa !“. Die endgültige Übersiedlung Thomas Manns und seiner Sippe in die USA fiel zeitlich mit der Wiedervereinigung Deutsch-Österreichs zusammen. Bei der Ankunft in New York am 21. Februar 1938 baten ihn US-Reporter um eine Stellungnahme zu jener Entwicklung und fragten ihn, ob er das Exil als eine schwere Last empfinde. Seine hybride Antwort wurde am nächsten Tag in der New York Times abgedruckt: „Es ist schwer zu ertragen. Aber was es leichter macht, ist die Vergegenwärtigung der vergifteten Atmosphäre, die in Deutschland herrscht. Das macht es leichter, weil man in Wirklichkeit nichts verliert. Wo ich bin, ist Deutschland. Ich trage meine deutsche Kultur in mir. Ich lebe im Kontakt mit der Welt und ich betrachte mich selbst nicht als gefallenen Menschen.“

Erste Station des Aufenthaltes im Feindstaat USA war Princeton. Thomas Mann erhielt eine Gastprofessur an der dortigen Universität. Zugleich arbeitete er an seinem Roman über Goethe, der 1939 unter dem Titel Lotte in Weimar erschien.Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs war auf Feindseite längst geplant und löste Genugtuung und Siegeszuversicht aus. Der bestürzte und ambivalente Thomas Mann wurde nun zu zahlreichen Aktivitäten hingerissen. Er wurde Mitglied in mehreren Ausschüssen, die Emigranten unterstützten, unter anderem im „Unitarian Service Committee“ und im „Committee for Jewish and Christian Refugees“. 1940 begann er mit der indoktrinierenden Radiosendung „Deutsche Hörer !“. In monatlichen Abständen ausgestrahlt, wurden seine warnenden und schwülstig gefärbten Ansprachen in Kalifornien auf Platte aufgezeichnet und dann mit Luftpost nach New York gebracht. Per Kabel übertrug man sie von dort nach London, wo die BBC die fünf- bis achtminütigen Aufnahmen über Langwelle auf das Gebiet von Deutschland ausstrahlte. Die Alliierten banden diese Hetz- und Hassveranstaltungen in ihre allgemeine Demoralisierungstaktik und Propaganda gegenüber den Deutschen ein. Ein Hinweis darauf sind bereits die Worte „Deutsche Hörer !“, die allein schon suggerieren, die Sendung werde bei der deutschen Bevölkerung ankommen und Zuspruch finden. Der Zuhörer waren jedoch nur wenige, wie Hörerbefragungen ergaben. Die Einnahmen aus der Sendung spendete Mann dem „British War Relief Fund“. Eine der bekanntesten seiner düsteren Hasstiraden ist die Sendung vom 14. Januar 1945, während dem Hunderttausende deutscher Menschen gerade von den vereinten Feindnationen  und ihrem Mob - nicht allein in Ostpreußen - erbarmungslos hingeschlachtet wurden:

„Wäre dieser Krieg zu Ende ! Wären die grauenhaften Menschen erst beseitigt, die Deutschland hierhin gebracht haben, und könnte man anfangen, an einen Neubeginn des Lebens, an ein Forträumen der Trümmer, der inneren und äußeren, an den allmählichen Wiederaufbau, an eine verständige Aussöhnung mit den anderen Völkern und ein würdiges Zusammenleben mit ihnen zu denken ! – Ist es das, was Ihr wünscht ? Spreche ich damit Eure Sehnsucht aus ? Ich glaube es. Ihr seid des Todes, der Zerstörung, des Chaos übersatt, wie sehr Euer Heimlichstes zeitweise danach verlangt haben möge. Ihr wollt Ordnung und Leben, eine neue Lebensordnung, wie düster und schwer sie sich für Jahre auch anlassen wird.“

Mann wählte in der Zeit der Massenmorde nicht von ungefähr eine apokalyptische Ausdrucksweise. Allerdings machte er auch aus Hitler und seinen Getreuen in bissigen Teilen der Sermone auch Witzfiguren, um eine allzu starke Dämonisierung zu vermeiden: „Nun denn, der Krieg ist schrecklich, aber den Vorteil bringt er mit sich, dass er Hitlern davon abhält, Kulturreden zu halten.“ In den - von Deutschen kaum gehörten - Ansprachen wechselten sich moralische und bürgerlich-soziale Distanzierungen häufig ab. Thomas Mann war einer von nur wenigen in der Öffentlichkeit aktiven Gegnern des Dritten Reiches, auf die der deutsche Reichskanzler namentlich in seinen Ansprachen einging. Mann revanchierte sich mit Anspielungen auf die angeblichen rhetorischen Schwächen des „Führers“ und sonnte sich selbstgefällig in der vermeintlichen Richtigkeit seiner eigenen Prophetien (von den diversen Kriegserklärung an das Deutsche Reich vom März 1933 hat der sich so schlau fühlende Mann angeblich nie etwas erfahren.):

„Deutsche Hörer ! … Ich suchte mit meinen schwachen Kräften hintan zu halten, was kommen musste … - Den Krieg, an dem eure lügenhaften Führer Juden und Engländern und Freimaurern und Gott weiß wem die Schuld geben, während er doch für jeden Sehenden gewiss war von dem Augenblick an, wo sie zur Macht kamen und die Maschine zu bauen begannen, mit der sie Freiheit und Recht niederzuwalzen gedachten.“

Die unter dem Namen „Deutsche Hörer !“ bekannt gewordenen Hetzsendungen boten nach dem Krieg in Deutschland viel Diskussionsstoff. Es wurde von nicht wenigen die Scheußlichkeit Manns erkannt, dass er in seinen Propagandareden eine sog. Kollektivschuld –die man ebenso auch „Sippenhaft“ nennen könnte - aller Deutschen suggeriert hat. Mann selbst hatte zwischen sich und Deutschland, auch Nachkriegsdeutschland einen Keil getrieben: In seinem offenen Brief „Warum ich nicht nach Deutschland zurückkehre“ vertrat er die These von der Kollektivschuld der Deutschen. Verständliche Drohbriefe und Verrisse seines „Doktor Faustus“ waren die Folge. Es mussten einige Jahre vergehen, bis sich in der neudeutschen bzw. entdeutschten Öffentlichkeit wieder eine versöhnlichere Haltung gegenüber Thomas Mann einstellte. Aber auch von den USA war Thomas Mann nach dem Tod des US-amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt im Jahr 1945 zunehmend enttäuscht. Sein Entschluss, nach Europa zurückzukehren, verfestigte sich, als er im Juni 1951 vor dem Repräsentantenhaus im Kongress als „one of the world’s foremost apologists for Stalin and company“(einer der weltweit bedeutendsten Verteidiger Stalins und dessen Regimes) bezeichnet wurde. Er musste (wie schon zuvor die deutschen Emigranten Hanns Eisler und Bertolt Brecht) Rechenschaft über seine Aktivitäten vor dem „Committee on Un-American Activities“ ablegen. Genau ein Jahr später, im Juni 1952, kehrten die Manns in die Schweiz zurück. Schon 1949 hatte Thomas Mann anlässlich der Feiern zu Goethes 200. Geburtstag Deutschland einen Besuch abgestattet, und zwar in Frankfurt am Main wie auch in Weimar, was von der Öffentlichkeit misstrauisch und ablehnend beäugt wurde. 1955 verstarb Thomas Mann achtzigjährig im Zürcher Kantonsspital an einer Ruptur der unteren Bauchschlagader infolge von Arteriosklerose.

Die Wirkung von Manns Werken lässt sich kaum in wenigen Worten darstellen. Sein Leben und Werk war schon zu Lebzeiten umstritten und blieb es bis heute. Vielfach wurde seinen Werken Mangel an Genialität und Phantasie vorgeworfen, der sich nicht zuletzt aus seiner Arbeitsweise ergab. Manns Werke entstammen nicht einem plötzlichen Ausbruch an Kreativität, sondern sind das Resultat oft jahrelanger, täglicher, disziplinierter Kleinarbeit. Bertolt Brecht nannte ihn einen „regierungstreuen Lohnschreiber der Bourgeoisie“, Alfred Döblin bezeichnete ihn als den Herrn, „der die Bügelfalte zum Kunstprinzip“ erhebt. Freundschaftliche Beziehungen unterhielt Mann insbesondere zu dem Exzentriker Hermann Hesse und dem Juden Jakob Wassermann. Auch die Tatsache, dass er die meisten seiner literarischen Gestalten nach realen Vorbildern, teils aus dem familiärem Umkreis, teils aus seinem prominenten Bekanntenkreis, nachzeichnete, trug ihm wenig Freunde ein.

Wie ist Thomas Mann als geschichtliche Erscheinung insgesamt einzuschätzen ? Er entsprach bei genauem Hinsehen dem trottelhaften christlich-abendländischen Bildungsbürger - von denen es in wilhelminischer Ära so viele gab - die an den humanistischen Wert der westlichen Demokratien glaubten und somit zum Verräter an ihrem Volk wurden, indem sie den jungen germanisch-latent-heidnischen Aufbruch, den der Nazismus in der unbelasteter (!) Angangszeit verkörperte, in seinem positivem Erneuerungs- und Rettungskonzept für das altersschwache Europa nicht zu würdigen verstanden. Aus seinen Werken offenbart sich Mann als christlicher Schöngeist, welcher sehr wohl in jene Reihe derer einzuordnen ist, die aus solcher fremdgeistigen Trotz- und Fehlhaltung (aus deutsch-patriotischer Sicht !) heraus, zum Gegner des jungen, aus eigenen Seelenkräften zehrenwollenden Deutschtums des „Dritten Reiches“ wurden. Vom Ausmaß der späteren Kriegsverbrechen war diesen Leuten - ebenso wie den normalen Reichsbürgern - so gut wie nichts bekannt.

In Manns „Betrachtungen eines Unpolitischen“ (1918) sind die Zivilisationsliteraten „Gläubige“, die glauben, um auf diese Weise den von ihnen vertretenen Werten, allen voran der westlichen Demokratie, zum Durchbruch zu verhelfen. An einer Stelle heißt es: „Nein, der wahre Glaube ist keine Doktrin und keine verstockte und rednerische Rechthaberei. Es ist nicht der Glaube an irgendwelche Grundsätze, Worte und Ideen wie Freiheit, Gleichheit, Demokratie, Zivilisation und Fortschritt.“ (XII, 504) Der wirkliche Glaube hat es mit dem wirklichen Gott zu tun. „Gott“ wird damit zur Chiffre für das Nicht-Instrumentalisierbare. Trotzdem aber hat dieser Glaube an Gott Wirkungen. Er ist die heilige - durch keine profane Abzweckung zu entweihende - Verpflichtung auf die Liebe, das Leben und die Kunst, die allen dreien dient. „Was aber ist Gott ?“, fragt Thomas Mann, und er antwortet mit der Frage: „Ist er nicht die Allseitigkeit, das plastische Prinzip, die allwissende Gerechtigkeit, die umfassende Liebe ? Der Glaube an Gott ist der Glaube an die Liebe, an das Leben und an die Kunst.“ (XII, 504) Wo dieser Glaube gepflegt wird, erschließt sich die Außerordentlichkeit des Menschlichen. „Wie außerordentlich ist das Menschliche, - welches doch das Wahre und Wesentliche ist ! Die Religion aber, die Kultstätte, diese Sphäre des Außerordentlichen gibt das Menschliche frei und macht es schön … Die Mehrzahl der Menschen bedarf der Gebundenheit durch Ehrfurcht, um einen erträglichen und sogar schönen Anblick zu bieten; und daß sie den Menschen eine zugleich gebundene und menschlich-befreite Haltung verleiht, gilt mir als hohes, ästhetisch-humanes Verdienst der Kirche.“ (XII, 480 f.)

Thomas Mann sucht nach einem Kriterium, das es ihm erlaubt, zwischen falschem Glauben und wahrem Glauben, Religion und Götzendienst, zwischen dem wahren Gott und den Abgöttern zu unterscheiden. Man kann nicht sagen, dass er ein solches Kriterium in den „Betrachtungen“ schon gefunden hatte. Rückblickend sind sie nur ein Durchgangsstadium in Thomas Manns Behandlung der religiösen Frage. Es ist aber auffällig, dass sich in ihnen eine Annäherung an die christliche Tradition vollzieht, an das, was den sog. verkehrenden, instrumentalisierten Formen von Glauben und Religion als Wahrheit gegenübersteht. Auffällig ist die von Mann geglaubte Beziehung zwischen Demokratie und Christentum: „Christentum ist die Demokratie als Religion“, heißt es, oder auch: „Demokratie ist der politische Ausdruck des Christentums“. In Manns Vortrag „Von deutscher Republik“ vom Oktober 1922, wurde Christentum ganz positiv bewertet. Die kritische Auseinandersetzung mit dem Christentum, wie sie sich für Mann in jener Ambivalenz zwischen Instrumentalisierbarkeit und wahrem Glauben präsentiert, erweist sich letztlich als Akzeptanz gegenüber dem Christentum. Völlig irre und seiner freien Fantasie entsprungen sind derlei Auslassungen über die Affinität von Christentum und Demokratie -; das genaue Gegenteil ist quellenmäßig zu belegen.

Manns „Josephs-Tetralogie“, die - 1924 begonnen - seine Arbeits- und Lebenszeit in der zweiten Hälfte der Weimarer Jahre und dann im Exil während des „Dritten Reiches“ ausfüllt, ist voll von Bezügen zu christreligiösen Fragen. Die Frage des Menschen nach sich selbst wird hier im Medium der Mythologie, der Göttergeschichte bearbeitet. Aber diese Göttergeschichte ist die Geschichte einer Beziehung, der Beziehung der Menschen zu Gott, die dadurch, dass sie den christlichen Gott „entdecken“, mehr über sich selbst erfahren, und die Geschichte der Beziehung Gottes zu den Menschen, der in dieser Beziehung ein Gott der Menschen sein will und nicht ein beziehungsloses Absolutes. Theologie und Anthropologie bedingen sich gegenseitig. Aus den Göttergeschichten können wir das Menschenbild ablesen und aus den Menschengeschichten das Gottesbild. Aller Reduktionismus ist hier fehl am Platz: Weder ein anthropologischer Reduktionismus, der in der Gottesgeschichte nur Verschlüsselungen der Zustände des menschlichen Bewusstseins sieht, noch ein theologischer Reduktionismus, der die menschliche Seite der göttlich-menschlichen Beziehung negiert, wird der theandrischen Darstellungsform gerecht. „Gottesentdeckung“ und „Gotteserfindung“, „Menschenschöpfung“ und „Menschenerfahrung“ - diese Geschichte ist immer beides. Der Ausbruch aus der Geschichte in das, „was sie eigentlich meint“, wird vom Autor immer wieder verstellt. Die Geschichte ist ebenso narrative Theologie wie narrative Anthropologie. Beide sind nicht in Lehrsätze theologischer oder psychologischer Art transformierbar. Nur in ihrer Beziehung haben sie erschließende Kraft.

In dem Kapitel „Wie Abraham Gott entdeckte“ wird die Suche Abrahams nach dem wahrhaft Unbedingten nacherzählt: Er will ausschließlich dem „Höchsten“ dienen. Und so lässt sich der alte vorderasiatische Wetter- und Fruchtbarkeitsgott von Abraham [Thomas Mann] entdecken. Allerdings hat diese Entdeckung einen Preis. Sie beinhaltet die Einsicht, dass alles im jüdischen Stammesgott begründet sei, dass in seiner Einheit und Einzigkeit alles seinen Grund hat, „das Gute und das Böse, das Plötzliche und das Grauenhafte sowohl wie das segensvoll Regelmäßige“. Abraham erfährt, dass Gottes Lebendigkeit „das Böse mitumschloss“: „Er war nicht das Gute, sondern das Ganze.“ (IV, 433) Allerdings könnte Abraham zu diesem Gott, der das Ganze ist, kaum in Beziehung treten, wenn da nicht noch etwas anderes wäre - Gottes Heiligkeit. Durch sie wird Gott, wie Thomas Mann formuliert, „zum Maßstab des Lebens“ und zur „Quelle des Schuldgefühls“. Dieser alles in Allem wirkende Gott konfrontiert seine Geschöpfe mit einer Forderung, zum Wandeln in Reinheit vor Gottes Heiligkeit. Dieser Gott, der das Ganze ist, hat ein forderndes Ich und dadurch kann er für Abraham zum „Du“ werden. Der Gott, der alles in allem ist, ermöglicht, obwohl er auch in Abraham ist, die Identität Abrahams, des Erdenkloßes.

„Er war auch in Abraham, der ihn kraft Seiner erkannte. Aber eben dies verstärkte und erfüllte Urvaters Ich-Aussage und keineswegs war dieses sein gottvolles, mutiges Ich gesonnen, in Gott zu verschwinden, mit Ihm eines zu werden und nicht mehr Abraham zu sein, sondern hielt sich sehr wacker und klar ihm gegenüber aufrecht – in ungeheurem Abstand von Ihm gewiß, denn Abraham war nur ein Mensch, ein Erdenkloß, aber verbunden mit Ihm durch Erkenntnis und geheiligt durch Gottes Du- und Da-Sein." (IV, 431)

Mehr muss nicht gesagt werden, auch Thomas Mann ist einer der vorderasiatisch-christlich Verführten, die daraus zum Feind ihres eigenen Blutes wurden.

 

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Friedrich von Bodelschwingh (14. August 1877 in Bethel bei Bielefeld - 4. Januar 1946 in Bethel) war ein deutschsprechender judäochristlicher Theologe. 1910 übernahm er die Leitung der v. Bodelschwingh‘schen Anstalten Bethel von seinem Vater Friedrich. Ihm gelangen in der Zeit des „Dritten Reiches“ bemerkenswerte Erfolge gegen die „Aktion T4“, der Eliminierung lebensunwerten Lebens zur Hebung der Volksgesundheit, der sog. „Euthanasie“ der nazistischen brutalen Rigorosität, die als „Moral im Dienste des Lebens“ betrachtet werden konnte und wurde, wenn nicht so grauenhafte Begleiterscheinungen bei ihrer Umsetzung geschehen wären.

Er ist außerdem der Dichter des seinen verschrobenen Charakter aufzeigenden Kirchenliedes „Nun gehören unsre Herzen ganz dem Mann von Golgatha“ (1938). In einer Zeit, in der seit Jahrhunderten erstmalig ein Mann an die Spitze der Deutschen berufen wurde, der zunächst mit bewundernswerter Tatkraft sein Volk aus den Verirrungen und Verführungen der wirtschaftlichen Katastrophe, des Selbstvergessens und der Selbstverleugnung wieder hinauf ins Licht einer hoffnungsvollen, gesunden Zukunft führen wollte, dichtete der christlich-verträumte Bodelschwingh ein Lied zum Lobe eines seit zweitausend Jahren toten galiläischen oder sadduzäischen Zimmermannsohnes (Jehoshua/Jesus), den der Religionsfanatiker für „Gottes Sohn“ ansah. Dieser abgehobene Traumtänzer war wirklich und wahrhaftig in der mythischen Antike des Alten Orients stehengeblieben.

Zunächst verschloss sich Bodelschwingh nicht dem Gedankengut der Erbhygieniker. In einer Rede am 29. Januar 1929 zum Thema „Lebensunwertes Leben ?“ prangerte auch er die „katastrophale Entwicklung“ durch „die wachsende Anzahl der Schwachen an Körper und Geist, der Minderwertigen“ an. Er übernimmt die für uns heute so schmerzhaften Begriffe und Bezeichnungen wie „Ausmerzung der Minderwertigen“, „lebensunwert“ oder „minderwertig“. Er zeigte auch die Möglichkeiten auf, diese „Bedrohung“ abzuwenden, zum einen die Sterilisation, andererseits die Euthanasie. Die Euthanasie lehnte er ab, worin ihm aus heutiger Sicht zuzustimmen ist.

Bodelschwingh stand zunächst relativ treu zum jungen Volksstaat und verfasste am 29.03.1936 sogar aus eigenem Antrieb einen Aufruf zu den Reichstagswahlen. Zusätzlich leistete er am 21. Juli 1938 Adolf Hitler den Treueid. Bodelschwingh gelangen jedoch ab Mai 1940 zusammen mit einem verhetzten Pastor Paul Braune einige Störerfolge gegen die „Aktion T4“, die Euthanasie des Nazismus, dem im Ringen für Deutschland - in einem Krieg in dem es um Tod oder Leben der Nation ging - jedes Mittel zur Rettung des Volkes als höheres Recht erschien. Er rettete - wie es in heutigen Besprechungen heißt - einerseits vielen Menschen mit Behinderung das Leben, allerdings um den Preis, dass er seine schwer behinderten Heimbewohner den erlösenden Tötungen zuführte. Es war eine grauenhafte Zeit an den Fronten wie in der Heimat, die aus der sicheren Sicht einer Friedenszeit kaum nachzuempfinden ist.

1933 wurde Bodelschwingh  zum ersten „Reichsbischof“ gewählt, auf Widerspruch der Nationalsozialisten aber bald durch einen Besseren ersetzt, denn er war einer der berüchtigten Vertreter der sich antideutsch „Bekennenden Kirche“. Friedrich von Bodelschwingh der Jüngere gehört zu den ganz wenigen im Nachkriegs­deutschland hochgelobten Personen, die verdientermaßen gleich dreimal auf einer deutschen Briefmarke erschienen sind: Die Deutsche Post gab 1967 zum 100-jährigen Bestehen der Krankenanstalten Bethel, 1977 zu seinem 100. Geburtstag und 1996 zu seinem 50. Todestag jeweils eine Briefmarke mit seinem Konterfei heraus.
 
Die Kirchliche Hochschule Bethel: Diese Einrichtung ist eine staatlich anerkannte christliche Hochschule. Sie befand sich in Bielefeld-Bethel. Sie wurde im Jahre 1905 als Theologische Schule gegründet. Ihre Geschichte begann mit der von Friedrich von Bodelschwingh (geb. 1831, gest. 1910) erhobenen Forderung nach einer freien kirchlichen theologischen Fakultät und den regelmäßigen Theologischen Wochen in Bethel. Ziel Bodelschwinghs war es, eine tendenziöse theologische Ausbildung mit positiv-jüdisch-biblischer Prägung als Gegen­pol zur rein „wissenschaftlichen, universitären Theologie“ zu gründen.

Besonders verbunden war Pastor Bodelschwingh dem Schweizer Professor Adolf Schlatter, den er schließlich nach Bethel warb und der die fundamental-christliche Schule und die Theologischen Wochen nachhaltig prägte. Um das „Alte [altjüdische] Testament“ machte sich der Schweizer Pastor Wilhelm Vischer verdient. Weitere Mitglieder des Dozentenkollegiums waren Herbert Girgensohn (1946-55), Magister Hellmuth Frey, der Begründer der pneumatischen Exegese der Bibel. Aufgrund der fleißigen Hetzarbeit der antideutschen „Bekennende Kirche“ hat auch das Fach judäo-christlicher Kirchengeschichte in Bethel eine hohe Bedeutung gehabt. An der Kirchlichen Hochschule Bethel werden folgende indoktrinierenden Studiengänge angeboten: Ev. Theologie mit dem Berufsziel Pfarramt, Ev. Theologie mit dem Abschluss Magisterprüfung (Mag.theol.), Ev. Theologie mit dem Abschluss Diplomprüfung (Dipl.theol.). Die Kirchliche Hochschule Bethel besitzt sogar das Promotions- und Habilitationsrecht. Neu eingerichtet ist der Studiengang „Master of Arts in Diaconic Management“. Der Hochschule angegliedert ist das Seelsorgeinstitut als Einrichtung der Evangelischen Kirche in Deutschland. Die Kirchliche Hochschule Bethel ist Mitglied der Hochschulrektoren-Konferenz und des Evangelisch-Theologischen Fakultätentages. Die Kirchliche Hochschule Bethel ist besonders bei Studienanfängern wegen der vorzüglichen Sprachkurse in Latein, Griechisch und Hebräisch bei den Examenskandidaten bekannt.

Ab 1. Januar 2007 wird die Kirchliche Hochschule Bethel ein Arbeitsbereich der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel - Hochschule für Kirche und Diakonie werden. Die Pfarramtsausbildung wird dann nicht mehr in Bethel, sondern in Wuppertal stattfinden. Damit war eine über hundertjährige Tradition theologischer Ausbildung in Bethel an ein Ende gekommen.
 
 
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Eberhard Bethge (29. August 1909 in Warchau bei Magdeburg - 18. März 2000 in Wachtberg), war ein evangelischer Pastor und Theologe; bekannt geworden vor allem durch seinen verbissenen Einsatz, um die theologisch verbrämte antivaterländische Hetz- und Zersetzungsarbeit seines hoch verehrten Dietrich Bonhoeffer der breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen und schönzureden.

Bethge studierte Evangelische Theologie in Königsberg, Berlin, Wien, Tübingen und Halle, und wurde einer der ersten „Jünger“ an dem Propagandaseminar in Finkenwalde, das Bonhoeffer im antideutschen Sinne der sog. „Bekennenden Kirche“ installierte und leitete. Bethge wurde zu einem engen Spießgesellen Bonhoeffers und unterhielt mit ihm einen regen Briefverkehr, auch als Bonhoeffer inhaftiert und in den letzten Kriegstagen wegen Landesverrat bedauerlicherweise hingerichtet wurde. Er versippte sich sogar mit seinem Kumpel und heiratete im Mai 1943 die minderjährige, erst siebzehn Jahre junge Renate Schleicher, eine Tochter von Bonhoeffers ältester Schwester Ursula Bonhoeffer und Rüdiger Schleicher.

Bethge war in den Kriegsjahren ab 1943 Schreiber bei einer Abwehrtruppe in Italien und wird auch in dieser exponierten Position Landesverrat begangen haben. Als er im Jahre 1944 verhaftet werden sollte, floh er und stellte sich nicht den polizeilichen Untersuchungen, im Zusammenhang mit den Verstrickungen des sog. „Widerstandes vom 20. Juli 1944“.

Nach dem Krieg indoktrinierte Bethge zuerst junge Leute als Studentenpfarrer und war dann Referent des Evangelischen Bischofs in Berlin, dann war er mehrere Jahre Pastor in der deutschsprachigen Gemeinde in London, in welcher schon sein Vorbild Bonhoeffer von 1933-1935 gewirkt hatte. Vor allem aber begann er als unbeirrbarer Genosse seines angehimmelten Hauptmannes Bonhoeffer, dessen Ergüsse zu veröffentlichen, einschließlich der bis dahin unbekannten Fragmente eines Buches über theologische Ethik (Ethik, 1949), und auch die sehr persönlichen und theologisch ungemein einflussreichen Briefe aus der Haft (Widerstand und Ergebung, 1955).

Von 1962-1976 leitete Bethge das Pastoralkolleg der Evangelischen Kirche im Rheinland (Rengsdorf). 1969 wurde ihm der Posten eines Honorarprofessor in der Evangelisch-Theologischen Fakultät an der Universität Bonn zugeschanzt.
 
 
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Hans Meiser (1881-1956) war ein deutscher evangelischer Theologe, Pfarrer und von 1933 bis 1955 Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Meiser hat sich stark für das lutherische Bekenntnis engagiert, war in Nachfolge Luthers eindeutiger Kritiker des religiösen Judentums, fühlte sich aber ebenso der jüdischen Bibel als christlicher Glaubensgrundlage verpflichtet, dadurch wurde er innerlich zerrissen, ohne einen klaren, eindeutigen Weg finden zu können. Aufgrund seiner völkischen Hinneigung zur weltanschaulichen Richtungsgebung im „Dritten Reich“ und seinen antijudaistischen Äußerungen gilt er auch nach neudeutscher Nomenklatur zurecht als „umstritten“.

In seiner Geburtsstadt besuchte Meiser das Gymnasium. Nach anfänglicher Belegung der Fächer Volkswirtschaftslehre, Psychologie und Philosophie in München studierte er Theologie in Erlangen, Berlin und Halle. Nach dem Militärdienst als Sanitätssoldat 1904/1905 wurde er im Herbst 1905 in Bayreuth ordiniert und als Privatvikar in Weiden in der Oberpfalz tätig. Ab 1908 wurde er Exponierter Vikar in Haßfurt, ab 1909 Stadtvikar in Würzburg. Er heiratete Elisabeth, geb. Killinger, mit der er vier Kinder hatte.

In Nürnberg wurde er 1911 Vereinsgeistlicher des Landesvereins für Innere Mission. Im Januar 1915 wurde er Pfarrer in München an St. Matthäus und stand seit 1917 zudem der Münchener Diakonissenanstalt vor. Im Verlauf der bolschewistisch gelenkten, linksradikalen Münchener Räterepublik wurde Meiser als Geisel genommen (etliche Geiseln wurden damals erschossen). 1920 wurde er Pfarrer in München-Sendling, zugleich auch Mitglied der Bayerischen Verfassunggebenden Generalsynode und Mitglied des Landessynodal­aus­schusses (1920-1922).

1922 kehrte Meiser als Mitbegründer und erster Direktor des neuen Predigerseminars nach Nürnberg zurück und gründete die „Sammelstelle für landeskirchliches Schrifttum“ (das spätere Landeskirchliche Archiv der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern). Als Direktor des Predigerseminars war er für die Pfarrerausbildung in Bayern verantwortlich. 1928 übernahm Meiser als Oberkirchenrat im Landeskirchenrat kirchenleitende Funktionen, wobei er für das Schulwesen, die theologischen Prüfungen sowie für den Kontakt zur „Inneren Mission“ und zu den staatlichen Behörden zuständig war. 1929 wurde er Vorsitzender des Kirchlich-Sozialen Bundes in Bayern.

Im Jahr 1926 erschien im Nürnberger Evangelischen Gemeindeblatt ein dreiteiliger Aufsatz Meisers zur „Judenfrage“. Die Abhandlung ist eine sehr kritische Darlegung gegen das Judentum. Er befasst sich mit der Frage, wie sich Christen Juden gegenüber zu verhalten haben. Er beklagte die „Verjudung unseres Volkes“, bezeichnet „die Rassenfrage als den Kernpunkt der Judenfrage“ und forderte das „Zurückdrängen des jüdischen Geistes im öffentlichen Leben“ sowie die „Reinhaltung des deutschen Blutes“.

Er rief zur Judenmission auf: „Gerade wer von der Minderwertigkeit der jüdischen Rasse überzeugt ist, dürfte, wenn er nicht ein blinder Fanatiker ist, mit dem nicht zu rechten ist, nicht das Judenpogrom predigen, sondern müßte zur Judenmission aufrufen, weil in ihr die Kraft liegt, die Juden auch rassisch zu veredeln“. Trotz des Aufrufs zur Judenmission lehnte er aber absolut verantwortungsvoll die Eindeutschung der Juden ab, weil diese das deutsche Volk „rassisch verderben“, denn Gott habe „jedem Volk seine völkische Eigenart und seine rassischen Besonderheiten doch nicht dazu gegeben, damit es seine völkische Prägung in rassisch unterwertige Mischlingsbildungen auflösen läßt“. Es gelte hier der „Grundsatz, daß die Treue gegen das eigene Volk eine ernsthafte Christenpflicht ist“. Er sieht „etwas durchaus Berechtigtes in der Forderung nach Reinhaltung des Blutes“: „So wenig wir Mischehen etwa mit naturalisierten Slaven gutheißen können, so wenig können wir Mischehen zwischen Deutsch-Stämmigen mit Juden billigen.“

Der zwischen Volk und Vaterland einerseits und judo­manem Bibelfundamentalismus anderseits zerrissene Christtheologe führte dann wieder aus: „Vor allem können wir denen keine Gefolgschaft leisten, die Juden bloß um ihrer Rasse willen von vorneherein und ohne Ausnahme als minderwertige Menschen ansehen... Gott hat uns nicht zur gegenseitigen Vernichtung, sondern zum gegenseitigen Dienst und zur gegenseitigen Förderung geschaffen... Der Kampf gegen das Judentum hat unter uns solche Formen angenommen, dass alle ernsten Christen förmlich genötigt sind, sich schützend vor die Juden zu stellen.“ - Anhand solcher Texte offenbaren sich die grauenhaften Seelenkämpfe, die dieser durchaus ehrenwerte deutsche Christenchef innerlich auszufechten hatte.

Von Meiser ist bekannt, dass er das Alte Testament (die „Heilige Schrift der Juden“) als Grundlage des judäo-christlichen Glaubens gegen die volksbestimmte Hitler‘sche Staatsgewalt kraftvoll verteidigte, die bayerischen Hilfsstellen des „Büro Grüber“ massiv unterstützte und einer Anzahl Juden löblich zur Flucht aus dem Reich geholfen hat. Theoretische Volkserhaltung ist das Eine, aber Mord das Andere und Undiskutierbare ! 1934 protestierte er gegen die Kenntlichmachung der Juden, im nationalsozialistischen „Stürmer“ sowie in der Zeitung „Der SA-Mann“. Meiser wurde 1935 öffentlich als „Judenfreund“ angegriffen, weil er seine Christenschäflein zum nachsichtigen Verhalten gegenüber Juden aufrief und ermahnte. Mehrfach versteckte er Juden und verhalf ihnen zu finanziellen Mitteln für die Flucht. Neukirchlichen Darlegungen zufolge sollen durch Meisers Mitwirken ca. 126 Leute gerettet worden sein.

In seiner widersprüchlichen Art stand Meiser der völkische Bewegung positiv gegenüber. Er hielt es für einen Gewinn, „wenn unser Volk durch die völkische Bewegung wieder an seine Pflicht gegen die eigene Art und das eigene Blut erinnert wird.“ So dürfen wir Meiser als menschlich anständigen, aufrechten deutschen Volksgenossen würdigen.

Am 12. April 1933 bestellte die Synode Meiser zum Stellvertreter von Kirchenpräsident Friedrich Veit. Im selben Monat trat Veit im Alter von 72 Jahren angesichts zu erwartender Auseinandersetzung mit den Nationalsozialisten und aufgrund Rücktrittsforderungen zurück. Die Synode wählte Meiser am 4. Mai 1933 in das neue Amt eines Landesbischofs mit umfangreichen Vollmachten zur Kirchengesetzgebung entsprechend dem Führerprinzip. Am 11. Juni 1933 erfolgte in der Lorenzkirche in Nürnberg die öffentliche Amtseinführung unter starker Beteiligung von Vertretern des Staates sowie der NSDAP. Die SA erschien, um Ehrenspalier zu stehen.

Der Nationalsozialismus hatte sich durch die Einführung des Schulgebets kirchen- bzw. christenfreundlich gezeigt. Doch die NSDAP fühlte sich in erster Linie dem Volk als erhaltenswerter Wesenheit verpflichtet und so sollten die „Deutschen Christen“ und deren Kandidaten besonders gefördert werden. Hitler protegierte für das Amt des „Reichsbischofs“ den Theologen Ludwig Müller. Dem machthungrigen und neidischen Meiser gelang es, die bayerische Landeskirche vor der förmlichen Übernahme durch die „Deutschen Christen“ dadurch zu bewahren, dass er den Kurs der Kirche nicht allzu regierungsfeindlich bestimmte. So entzog er im Juni 1933 dem von der NS-Regierung ungeliebten weil intriganten Friedrich von Bodelschwingh, der von den Vertretern der Landeskirchen als Reichsbischof vorgesehen war, das Vertrauen. Er war sogar bereit, bei der Gründung der Reichskirche in der Nationalsynode in Wittenberg am 27. September 1933, Müller einstimmig mitzuwählen.

Die verständlichen Versuche der deutschchristlichen Führung der Reichskirche 1934, die Struktur der Reichskirche straffer zu ordnen und den Landeskirchen die Selbstherrlichkeiten zu beschneiden, begegnete die im August 1934 tagende landeskirchliche Synode mit dem Beschluss, dass eine Unterordnung der bayrischen Landeskirche als Befehlsempfängerin der Reichskirche (die nicht auf das lutherische Bekenntnis begründet war, sondern überkonfessionell, mit einem Schwerpunkt im unierten Preußen) nicht in Frage komme. Damit unterstützte sie Meisers selbständigen Kurs und sprach ihm ihr Vertrauen aus. Zuvor hatte Hitler am 13. März 1934 den Bischöfen Meiser und Wurm eine Unterredung gewährt. Dabei hatte Meiser erklärt: „Wenn der Führer bei seinem Standpunkt verharren will, bleibt uns nichts anderes übrig, als seine allergetreueste Opposition zu werden.“ Hitler erregte sich über - aus seiner Sicht - so viel bornierte Dreistigkeit der Kirchenpotentaten und zischte scharf: „Was sagen Sie ? Allergetreueste Opposition ? Feinde des Vaterlandes, Verräter des Volkes sind Sie.“

Im September 1934 lautete die Schlagzeile der „Fränkischen Tageszeitung“: „Fort mit Landesbischof D. Meiser ! Er ist treulos und wortbrüchig - Er handelt volksverräterisch - Er bringt die evangelische Kirche in Verruf“. Am 11. Oktober 1934 entsandte die Reichskirche den „Rechtswalter“ des Reichsbischofs, August Jäger, mit dem Auftrag nach München, die gesamte bayerische Kirchenleitung zu entlassen. Meiser, der in Rothenburg o. d. T. zu einem „Bekenntnisgottesdienst“ gefahren war, kehrte nicht direkt, sondern über Augsburg nach München zurück, um kurz darauf in der vollen Matthäuskirche in einem Bekenntnisgottesdienst aufs schärfste gegen dieses Vorgehen anzustänkern. Als Reaktion darauf wurde Meiser am kommenden Tag von der Gestapo in seiner Dienstwohnung gefangen gesetzt. In der Folge pilgerten Christen aus ganz Bayern teilweise mit Sonderzügen nach München, um dem festgesetzten Bischof ihren Beistand zu bekunden. In zahlreichen Kirchen Bayerns wurden Bitt- und Betgottesdienste abgehalten; die Altäre wurden mit schwarzen Tüchern bedeckt. Nach 14 Tagen kapitulierte die Reichskirche und ließ zu, dass die bisherige Kirchenleitung ihre Amtsgeschäfte wieder aufnahm. Bischof Wurm, dem ebenfalls ein etwa gleichzeitiger Absetzungsversuch galt, bezeichnete dies später als die „einzige innen­politische Niederlage Hitlers“.

In der Vollsitzung des Evang.-Luth.-Landeskirchenrates am 13./14. Dezember 1938 sagte Meiser: „Die Kirche ist nicht frei in ihren Entscheidungen und in ihrem Handeln: Die Kirche befindet sich in einer Abwehrstellung gegenüber dem politischen Willen des Staates. Die Kirche befindet sich in der Verteidigung.“ Leider war der Staat damals nicht in der Lage, zum zukünftigen Wohle der Nation (wie es einstmals dem englischen Herrscher Heinrich VIII. -1491-1547- gelang) diese Opposition ebenso zu bezwingen, wie es mit den staatsfeindlichen von Russland aus gelenkten Kommunisten und Gewerkschaften gehandhabt wurde. 1937 gehörte Meiser zu denen, die „Die Erklärung der 96 evangelischen Kirchenführer“ gegen Alfred Rosenberg, wegen dessen Anklageschrift „Protestantische Rompilger“, unterzeichneten. Nach der Neuwahl der Vorläufigen Kirchenleitung (VKL) schrieb diese eine kritische Denkschrift an Hitler, in der die Judenpolitik und die Angriffe auf die Gewissensfreiheit durch die nationalsozialistische Regierung kritisiert wurden. Meiser und andere lutherische Landesbischöfe aus den intakten Kirchen lehnten die Verlesung dieser Denkschrift in ihren Landeskirchen ab. Als die VKL dann vor der Münchner Konferenz 1938 eine kriegskritische Gebetsliturgie veröffentlichte, unterschrieb Meiser mit seinen lutherischen Kollegen eine Erklärung, wonach die Gebetsliturgie „von uns aus religiösen und vaterländischen Gründen missbilligt und für unsere Kirchen abgelehnt worden ist. Wir verurteilen die darin zum Ausdruck gekommene Haltung auf das schärfste und trennen uns von den für diese Kundgebung verantwortlichen Persönlichkeiten.“ 1938 ließ Meiser, wieder überraschend vaterlandstreu, die Pfarrerschaft den Eid auf den „Volksführer Hitler“ ablegen.

Auch als der „Deutsche Gruß“ auf Geheiß des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus zu Beginn des Religionsunterrichtes in der Schule eingeführt werden sollte, protestierte Meiser nicht. Zur umstrittenen Judenverfolgung schwieg er nach 1935, obwohl er von einzelnen aus der Kirche aufgefordert wurde, dazu erneut Stellung zu nehmen und deren Verdrängung aus dem deutschen Volkskörper zu verurteilen. So wandte sich der ehemalige Synodalpräsident Wilhelm Freiherr von Pechmann mehrmals an Meiser, um Stellung zu beziehen, zuletzt nach dem November 1938. Nach Kriegsende stellte Meiser sein Amt als Landesbischof zur Verfügung, wurde aber einstimmig wiedergewählt.

Im devoten Kniefall vor den alliierten Kriegsgewinnlern und Umerziehern zur hemmungslosen deutschen Unterwerfung, im sog. „Stuttgarter Schuldbekenntnis“ vom 19. Oktober 1945, bekannten die Bosse der einzelnen Landeskirchen, darunter auch Bischof Meiser, ihre „Mitschuld am Leid des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges“. Erst in März 1946 wagte man es, die bayrischen Pfarrer über die Erklärung zu informieren. Gleichzeitig erläuterte Meiser für seine Pfarrer, das Bekenntnis „nimmt nicht zur Frage der politischen Kriegsschuld als solcher Stellung“ und „scheidet die Kirche nicht vom Volk, sondern nimmt Kirche und Volk solidarisch zusammen“. Aus solchen Texten ersieht man bis über das Kriegsende hinaus die diesbezüglich ehrenwerte, weitschauende völkische Verantwortlichkeit Meisers.

Meiser war seit 1933 Mitglied des Exekutivkomitees des Lutherischen Weltkonvents. Das gab ihm die Gelegenheit unmittelbar nach Kriegsende in der Ökumene um Verständnis für die Entwicklung des deutschen Protestantismus zwischen 1933 und 1945 zu werben. Vor dem Exekutivkomitee des Lutherischen Weltkonvents in Uppsala am 26. Juli 1946, die das Ziel einer Versöhnung der Deutschen mit jener Gruppe ehemaliger skandinavischer Feinde (viele Skandinavier waren und blieben im Kriege treue Freunde Deutschlands !) verfolgte, bekannte sich der zwiespältige Meiser wiederum zur empfundenen Schuld. Er sagte: „Der Zusammenbruch ist uns zu einer religiösen Erfahrung geworden. Wir dürfen nicht die Sünden der anderen bekennen, sondern nur unsere eigenen. Wir nehmen alles als ein Gericht Gottes hin, weil unser Volk die Juden so schlecht behandelt hat...Ihr könnt uns glauben, dass es uns mit unserem Stuttgarter Schuldbekenntnis tiefer Ernst war...Wir können nur darum bitten, dass ihr das Unrecht vergeben wollt, das wir begangen haben." Er bekannte 1949 erneut eine Mitschuld an der nationalsozialistischen Politik Deutschlands bei der Friedhofsweihe für die Opfer des KZ Dachau. Dabei nahm das Bekenntnis nicht die Form einer Benennung von konkreten Ereignissen und Entscheidungen, sondern eine passivere Ausdrucksweise: „Wir denken daran, dass wir alle durch den Ungeist der Zeit, der zu diesen Gräbern geführt hat, mitschuldig geworden sind.“

Meisers Hauptaugenmerk galt nach dem Kriege der Eingliederung der Vertriebenen und Flüchtlinge aus den polnisch besetzten deutschen Ostgebieten wie auch der Eingliederung der von dort vertriebenen Pfarrer in die bayerische Landeskirche und der Unterstützung der notleidenden Bevölkerung. Die Eingliederung war auch deshalb problematisch, weil fast alle Neuankömmlinge aus der unierten preußischen Landeskirche kamen, deren Bekenntnis sich von dem lutheranischen unterscheidet. In Frage stand etwa die gemeinsame Teilnahme am Abendmahl. Somit mussten die Vertriebenen nach lutherischer Auffassung ihre Konfession wechseln, um nach ihrem unfreiwilligen Wohnsitzwechsel in der evangelischen Kirche tätig bleiben zu können, da es sich nunmehr um die bayrische Kirche handelte. Kirchlicher Schwachsinn pur.

Während der von der amerikanischen Militärregierung in Bayern angeordneten Entnazifizierung kritisierte Meiser die für diesen Terrorakt vorgesehenen Kategorien und beklagte „Entnazifizierungsopfer“. Vor allem wehrte er sich gegen pauschale Verurteilungen. Wieder machte er sich für die nun Entrechteten stark, wie er es schon im Nazismus getan hatte. Die für Behörden im Rahmen der Entnazifizierung geltenden Einstufungen und Entlassungskriterien übernahm Meiser trotz dem Diktat durch die Militärregierung nicht für die Landeskirche und es wurden keine Pfarrer entlassen. Für Meiser stand der Bestand und die Autarkie der Kirche im Vordergrund - damit beließ er nationalsozialistisch aktive Pfarrer, die auch in der Kirche für den Nationalsozialismus gewirkt und gepredigt haben, im kirchlichen Dienst. Damals herrschte ein großer Pfarrernotstand (118 „Amtsbrüder“ waren im Krieg gefallen, 59 galten als vermisst).

Meiser war maßgeblich an der Gründung zahlreicher Institutionen beteiligt, die heute noch für die Landeskirche Bedeutung haben. So gründete er 1946 für die aus dem Kriegsdienst oder der Gefangenschaft zurückkehrenden Pfarrer ein Pastoralkolleg in Neuendettelsau. 1947 wurde ebenfalls in Neuendettelsau eine kirchliche theologische Hochschule, die Augustana-Hochschule Neuendettelsau, gegründet. In Tutzing ließ Meiser ein Schloss am Starnberger See kaufen, wo die Evangelische Akademie Tutzing errichtet wurde, die seitdem Veranstaltungen zu Themen aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Kunst und anderen gesellschaftlichen Bereichen durchführt. Für die Bevölkerung Mittelfrankens wurde eine Volkshochschule auf dem Hesselberg geschaffen, aus der später ähnliche Einrichtungen in Bad Alexandersbad und Pappenheim hervorgingen. Am 1. Mai 1955 trat Meiser in den Ruhestand. Im Folgejahr verstarb er.
 
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Gertrud Luckner (1900 in Liverpool - 1995) war eine christophile „Widerstandskämpferin“ gegen den Nazismus. Sie fühlte sich, aufgrund ihrer fundamental-christlich inneren Haltung, eigenem Bekunden nach zum „Volk Israel in einer geheimnisvollen Weise hingezogen“. Sie wurde als Jane Hartmann geboren und von ihren Pflegeeltern, denen sie kurz nach ihrer Geburt übergeben worden war und die sie vermutlich evangelisch hatten taufen ließen, im Alter von 22 Jahren adoptiert. Nach Besuch des Gymnasiums in Berlin und Königsberg nahm sie 1925 das Studium der Volkswirtschaft an der dortigen Universität auf. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie sich mit Sprachkursen, Praktika in Familienfürsorge, Mütterberatung, Gesundheitsfürsorge und Berufsberatung. Über die Universität Frankfurt am Main, das Woodbrooke-College der Quäker in Birmingham, kam sie 1931 als fertige Diplom-Volkswirtin an die Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau, wo sie 1938 den Titel eines Dr. rer. pol. erwarb. Gertrud Luckner zeigte sich als überzeugte Pazifistin, sie gehörte dem Friedensbund deutscher Katholiken und seit 1931 auch den Quäkern an. 1934 ließ sie sich katholisch taufen.

Ihre antivölkischen Aktivitäten mussten dem völkischen Sozialismus (NS), der um innere Einheit und Beruhigung der zuvor gegeneinander gärenden Volksmassen bemüht war, suspekt erscheinen. Die, wie sie sich ausließ, „verbrecherische Ziele“ des Nazismus hatte die Dame vorgeblich bereits 1931 nach Lektüre von Hitlers „Mein Kampf“ erkannt. Von den verbrecherischen Aktivitäten und den Massenmorden der Bolschewiken-Kommunisten, gegen die die NS-Bewegung ankämpfte, hatte sie offenbar genau so wenig mitbekommen wie von den Völker- und Ketzermorden ihrer allerchristlichsten Kirche. Gleich nach der Machtergreifung 1933 wurde ihre Post von der Polizei sorgsam überwacht. Gertrud Luckner riet angeblich bereits kurz nach der NS-Machtergreifung Juden zur Auswanderung und half ihnen dabei in löblicher Weise. Seit 1936 war sie von der Caritas angestellt und setzte dort unter der Leitung und dem Schutz des Caritaspräsidenten Benedikt Kreutz ihre subversive Tätigkeit für Juden fort. Der Freiburger Erzbischof Conrad Gröber erteilte ihr zu ihrem Schutz im Dezember 1941 den bewusst verschwommen formulierten Ausweis, wonach sie „mit der Durchführung notwendiger Aufgaben der außerordentlichen Seelsorge" betraut sei. Damit konnte die Caritas-Mitarbeiterin viele Türen öffnen und zahlreiche Kontakte unterhalten, die zumeist konspirativ verliefen. Sie arbeitete zusammen mit Dr. Margarete Sommer in Berlin, mit P. Ludger Born SJ von der durch Kardinal Innitzer ins Leben gerufenen „Erzbischöflichen Hilfsstelle für nichtarische Katholiken in Wien“ und nicht zuletzt mit Rabbiner Leo Baeck, dem Präsidenten der „Reichsvereinigung der Juden", in Berlin.

In ständigen Reisen sicherte und überbrachte sie oftmals umfangreiche Geld- und Sachmittel der Juden. Zudem wird heute ihren demonstrativen Mut gelobt, sie hätte sich öffentlich an die Seite der Juden gestellt, sie sei mit ihnen spazieren sowie in deren „Gottesdienst gegangen“. Das dies noch mitten im Kriege, 1941, möglich gewesen sein soll, ist erstaunlich. Auch soll die Heldin jüdischen Abwanderungswilligen noch nach Kriegsbeginn zur „Flucht in die Freiheit“ verholfen haben. 1941 sei sie zum Tragen des „Judensterns“ (Hexagramma) aufgefordert worden. Erst im Jahre 1942 schöpfte angeblich die Gestapo Verdacht und überwachte engmaschiger ihre Kontakte. Die NS-Behörden vermuteten, sie betreibe über ihre Judenhilfe hinaus, zusammen mit Erzbischof Gröber, eine Nachrichtenzentrale ins Ausland und maßen der Angelegenheit eine gewisse Bedeutung zu.

Erst im März 1943 wurde sie verhaftet, über 8 Monate in verschiedenen Gefängnissen in Schutzhaft genommen und befragt und danach in das KL Ravensbrück verbracht.

Für die Haft wurde in der Weisung der Gestapo der Berliner Prinz-Albrecht-Straße 8 erklärt: „Sie gefährdet nach dem Ergebnis der staatspolizeilichen Feststellungen durch ihr Verhalten den Bestand und die Sicherheit des Volkes und Staates, indem sie durch ihre projüdische Betätigung und Verbindungen mit staatsfeindlichen Kreisen befürchten läßt, sie werde sich bei Freilassung weiter zum Schaden des Reiches betätigen.“

Sie scheint auch während ihrer Haftzeit von Freunden gut versorgt worden zu sein, denn, während an allen Fronten deutsche Soldaten verbluteten und deutsche Frauen zu Tode geschändet wurden, erhielt die einsitzende Widerstands-Heldin noch am 25. Februar 1944 Liebesbriefe und Liebesgaben. Einer der Briefe lautet: „Ich weiß, daß Sie weder Eltern noch Geschwister haben, die für Sie sorgen könnten. Darum habe ich mich bemüht, Ihre Adresse zu erhalten, um Ihnen nicht nur Grüße senden zu können, sondern um auch etwas für Sie sorgen zu dürfen. Heute morgen ging ein Paket an Sie ab.“ Adressat war „Fräulein Dr. Gertrud Luckner Nr. 24 648 Block 6 Frauenkonzentrationslager Ravensbrück“. Brief und Paket kamen von Dr. Margarete Sommer in Berlin-Kleinmachnow, Geschäftsführerin des „Hilfswerk beim Bischöflichen Ordinariat Berlin“. In Ravensbrück musste Frau Luckner den roten Winkel einer so genannten „Politischen“ tragen, sie wurde zur Arbeit, u.a. für die Firma Siemens & Halske, verpflichtet und kam am 3. Mai 1945 wieder frei.

Nach dem Krieg leitete sie die „Verfolgtenfürsorge“ der Caritas. Nach ihrer Pensionierung 1968 arbeitete sie an der Herausgabe und Redaktion des signifikanten „Freiburger Rundbrief zur Förderung der Freundschaft zwischen dem alten und neuen Gottesvolk - im Geist der beiden Testamente“. Gertrud Luckner war rüstig bis ins hohe Alter und verstarb mit 94 Jahren.

Ihre verdienten Ehrungen: 1953 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz und 1960 das Päpstliche Ehrenkreuz. 1951 wurde Frau Luckner als erste deutsche Katholikin vom Staat Israel eingeladen und neun Jahre später wird in der Nähe von Nazaret ein Gertrud-Luckner-Hain gepflanzt. 1966 zeichnete der Staat Israel sie in Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern aus, 1979 wurde sie Ehrenbürgerin von Freiburg im Breisgau. 1987 gab sich die Freiburger Gewerbeschule IV in ihrem Beisein den Namen Gertrud-Luckner-Gewerbeschule. Ein „Stolperstein“ ist vor der Schule als Gedenkstein in den Gehweg eingelassen. Der Deutsche Caritasverband stiftet im Andenken an Gertrud Luckner einen gleichnamigen Wissenschaftspreis, der im Oktober 2006 erstmals verliehen wurde. Mit dem Gertrud-Luckner-Preis zur Förderung der Wissenschaft in der Sozialen Arbeit wird alle zwei Jahre eine herausragende Abschlussarbeit aus Universitäten oder Fachhochschulen ausgezeichnet. Am 31. März 2007 wurde Gertrud Luckner von den Leserinnen und Lesern der Badischen Zeitung zur „bedeutendsten Persönlichkeit Freiburgs“ gewählt. Wie schön, für diese menschlich zu achtende, wenn auch nicht deutschsinnige, aber verdienstvolle Frau.
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