Sorgenfalten

F.B. Marby und der Osterhase

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Nach dem Ende seiner KL-Haftzeit im Jahre 1945 begann der Runenverwirrer Friedrich Bernhard Marby (1882-1966) aufs Neue mit der Verbreitung seiner schwachsinnigen Aufsätze. Bis auf den heutigen Tag werden seine Albernheiten und Fehlinformationen von dem engagierten „Runenvorsitzenden“ Rudolf Arnold Spieth ins Volk getragen -, zum Leidwesen all derer, die eine zeitgemäße gewissenhafte Runenbetrachtung anstreben. Und kein Staat, keine Institution legt solchen Volksverdummern das verhängnisvolle Handwerk, so wie es aus guten Gründen die NS-Behörden klugerweise taten. Ich beurteile F.B. Marby ausschließlich aus der kritischen Betrachtung des Runologen, eine Gesamtwertung seiner Person überlasse ich anderen. Dass Herr Marby ein äußerst streitbarer und streitwilliger Zeitgenosse war, welcher etliche Prozesse führte, muss nicht unbedingt nachteilig gewertet werden, doch dass er Gelder die ihm von Anhängern zur Verfügung gestellt worden sind, nicht zurückzahlen konnte, war bereits ein anhängiger Verfahrenspunkt vor der Spruchkammer die ihn - als volksschädigenden, gefährlichen Spintisierer - zur Haftstrafe verurteilte.   

In der von Herrn R.A. Spieth vertriebenen Schrift „Mitteilungen für Runenforscher“ vom April 1993, III. Jhg., finden sich all die Kuriositäten des Herrn Marby, die schon die Verantwortlichen vor dem Kriege zur Verzweiflung trieben. In seinem Aufsatz „Osterhasen wahren Geheimnis“ sind eine Fülle pikanter Dummheiten enthalten, die man sich zur österlichen Erheiterung ruhig zu Gemüt führen darf, gewissermaßen anstatt der verderblich-süßen Schokoladenostereier; Frohsinn und Lachen sind bekanntlich die beste Therapie !

Auf Seite 18 lässt sich Marby über den Luzientag aus: „Am 13. Dezember ist der Lucia-Tag. Lucia = Mars. Der Mars = Lux, Lux = Licht“. Kommentar überflüssig, es darf geschmunzelt werden. Von kuriosen Einfällen wurde Marby geradezu geschüttelt. Er schreibt weiter:

„Am 6. Januar, am Dreikönigstag, wirft der Schwede den abgeplünderten Lichterbaum mit dem Fluch „Dan, Fan“ aus dem Fenster hinaus (denn Fan ist der Teufel und der Teufel ist Lukifer, Lucifer, Lux, dessen gutes Wirken nun abgelaufen ist).“

Besonders nett: „Der Hase ist Sinnbild des Mondes, und zwar auf der ganzen Erde.“Weil der Hase nachts die Landschaft beleuchtet, heißt er auch ,Meister Lampe’“. Dass „lampen“ aus dem Mittelhochdeutschen kommt und eigentlich niederhängen bedeutet, dass der Hase daher der „Meister Hängeohr/Knickohr“ heißt, blieb Marby unbekannt. 

Von der Herkunft des unheiligen Rabbiners Saul-Paulus wusste Herr Marby offenbar auch nicht viel: „Eine Ausnahme machte Paulus, der jüdisch erzogene Grieche.“ Dass der Mann ein griechisch-römisch erzogener Jude war, blieb Mary unbekannt.

Auch ein Bonmot im ungekehrten Sinne: „So ist z.B. in der entsprechenden Literatur nachgewiesen, daß vor mindestens 6.000 Jahren sich die Menschen auch schon taufen ließen. Verschweigt man aber das der großen Masse, so hat das Verschweigen natürlich Gründe.“ Gewiss ließen sich die Menschen damals schon „taufen“, aber nur unbestritten vom himmlischen Regen ! Falls die damaligen Stichbandkeramiker aber tatsächlich bereits Taufriten kannten, so blieben sie uns jedenfalls unbekannt.

Mit den großen Zahlen hat es Marby gern zu tun: „Der Name ,Paderborner Osterhasen’ [Fensterbild im Paderborner Dom] ist schon falsch, denn um Osterhasen dreht es sich hier bestimmt nicht, außer, man gibt zu, daß dieses Bild rund 4.000 bis 6.000 Jahre alt ist. Das wäre möglich, denn das Wissen unserer Vorfahren war schon vor Hunderttausenden von Jahren sehr groß, wie die Runen beweisen.“ Das Wissen unserer Vorfahren war groß, ganz bestimmt, doch ein Hasen-Kirchenfensterbild vor 6.000 Jahren ? Unsinn !

Das Wort „Ei“ erklärt uns der Meister der idiotischen Wortumdrehung so: „Ei = Aeg, Eeg, Mehrzahl Aegger, Egger und ähnlich. Drehen wir das Wort Aeg um, so erhalten wir das Wort Gea [griechisch] Die Gea ist bekanntermaßen die Erdmutter. Genauer gesagt die Erdseele ... Und dann ist der Erdkörper, dort, wo die Oberfläche der Erde sich am schnellsten bewegt: ,Aegg’, das Erden-Ei (am Nordpol): der Erdapfel. ,Aeg’ = die Umkehrung von ,Gea’. Die Oberfläche der Erde bewegt sich am schnellsten am Äquator“. Na, herrlich, wie einfach doch alles durch Marby erklärt werden kann; die Frage bleibt, wo sich die Erde am schnellsten bewegt, am Nordpol nun, oder am Äquator ? Marbys Satzbildungen sind oftmals so losgelöst von aller Verständnisregel, dass man sich nach der Schulbildung dieses Mannes fragt.

Den friesischen Mädchennamen „Hilkea“ erklärt er uns: „Heilige Kea = heilige Erd-Seele !“  Weil „g“ und „k“ ja austauschbar wäre. Auch das Wort „Osiris“ ist leicht zu deuten: „bedenke: Os-iris. Os = Ochse = Stier.“ Und das Osterei bedeutet ja eigentlich Gea-Erde; und „Der Hase ist der Mond, und zwar der Vollmond um Ostern. ... Darum liegt unter dem Osterhasen das Osterei.“ Eben wie die Erde unter dem Mond liegt ! „Somit ist das Geheimnis des Osterhasen hier nun offenbart.“ Dergestalt lässt sich alles hintersinnig erläutern -; Meister der Etymologie, Marby, wir danken Dir ! smiley

Marby stolz: „Bei dieser Enthüllung des Osterhasen-Geheimnisses, das für uns schon lange kein Geheimnis mehr war, habe ich gleichzeitig auch auf die germanische Wissenswelt als die Quelle der klassischen Kultur, ja aller Kultur, hinweisen können. Das mag manchen Duckmäuser. ... aber darauf kann ich nun mal keine Rücksicht nehmen.“ Marby nahm halt zu wenig Rücksicht, insbesondere auf die Ergebnisse seriöser Wissenschaftlichkeit.

Zu guter letzt erklärt er uns noch den Begriff des christen-missionarischen „Heliand“: „,Hel’ = Ganz und ,and’ = Geist.“ Oh Gott, ein selbständiger Geist kann ja sehr unterhaltsam sein, doch so ganz abgehoben von allen Realitäten, das ist mehr als anstrengend, das ist eine Zumutung für den Leser.  >>Zu Ostern d.J. 1994<<

 

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F.B. Marby schrieb auf Seite 20 seines Buches „Runen-Gymnastik“, Bd. 3 u. 4, 1932 Folgendes:

„So ging das Wissen von den Raumkräften, von den Kräften der Richtung und Strömung, durch die Jahrhunderte, vielfältig geheißen, aber immer lebendig. Es ließ sich nicht ausrotten und – vor etwa zwanzig Jahren stellte dann auch die Wissenschaft eine Strahlung fest, die zweifelsfrei aus dem Himmel über uns kommt.

Zuerst nannte man die Strahlung nach ihrem Entdecker Heß die ,Heß’sche Strahlung', später setzte sich der Name ,Höhenstrahlung' durch, nachdem man sie eine Zeit lang auch als ,Ultragammastrahlung' bezeichnet hatte.“

In der dazugehörenden Fußnote sagte Marby weiter: „Wie der ,Zufall’ spielt. - Heß ist das alte Wort für Pferd, heute noch im Norden gebräuchlich. Das Pferd ist altes germanisches Sinnbild des Priesters." - Ja, der Hesse war im Mittelhochdeutschen noch ein Wort für den Hexer, den Zauberer --; aber das ist abzuleiten von hete = Hass, Feindschaft, und nicht von häst = schwed. Pferd.

Siehe auch:

 

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