Gespräch mit G. Heß - ODING-Religion

 

Gespräch mit G. Heß - ODING-Religion

 

Sprecher der Glaubensgemeinschaft „G-O-D“ in der BRD zwecks Darlegung ODING'scher Standorte

Wir haben den christlichen Glauben in Deutschland. Wieso brauchen wir eine Runensekte ?

Hier in Deutschland ist germanogallisches Heidentum eine verpönte Sache. Mache haben Angst zuzugeben, dass sie keine Christen mehr sind, wir leisten einen revolutionären Kampf für wahre Vielfalt und die Freiheit des Glaubens in unserem Land. Unser Denken entspringt der belegten Ur- und Heimatreligion dieser Nation. Wir wollen ebenso die staatliche Anerkennung wie es der verehrte Isländer Sveinbjörn Beinteinsson für sein Land durchgesetzt hat.

Sie waren der Initiator ?

Ja, seit meiner Kindheit habe ich mich für die alten Götter interessiert, wurde aber von meiner kirchenfrommen Schwester zum katholischen Messdiener gedrängt. Mit 18 las ich Nietzsches Zarathustra, da war es für mich aus mit dem Christianismus. Ich habe mir mein Wissen durch die Bekanntschaft mit einer Menge aussagestarker Menschen aufgebaut. Mein bester Lehrmeister war mein Freund Prof. Dr. Kurt Kibbert. Auch von Prof. Herman Wirth lernte ich viel, bis zu seinem Tod 1981 und meiner fast gleichzeitigen ersten Skandinavienreise.

Was sind Sie von Beruf ?

Reproduktionstechniker, Heilpraktiker, Gärtner, Schriftsteller und Dichter. Am Wiesbadener Heidenberg bin ich aufgewachsen, meine Vorfahren waren Bauern, Schmiede und Steinmetze mit eigenen Sandsteinbrüchen bei Freudenberg am Main.

Sie leben hier mit Ihrer Familie, aber die meiste Zeit verbringen Sie bei den Büchern ?

Nein, ich lebe seit einigen Jahren allein und würde mir eine heidnische Lebensgefährtin wünschen, die mit mir leben und nachdenken würde; ich sitze noch heute zumeist in meinem Lesezimmer oder am PC. Es gibt so vieles was ich mir noch erarbeiten und wissen möchte.

Sie waren krank oder sind es noch ?

Ich fühle mich gut, meine Glaubenskraft an die Heilwirkung des rechten Gottesbewusstseins, die Suche nach den guten Geistern, täglich eiskaltes Morgenduschen, Radfahren und die Kräuter, die ich mir aus der Natur hole, haben mich bis heute gesund erhalten.

Was schreiben Sie momentan ?

Immer noch arbeite ich an der Vertiefung der ODING-Wizzod-Erkenntnis, meinem Grundlagenwerk über den Runenglauben. Dazu kommen kürzere Abhandlungen, Geschichten, Lieder, Dichtungen.

Sind Sie noch in der Kirche ?

Nein, man muss aus der Christenkirche austreten, bevor man bei uns in der G-O-D aufgenommen wird.

Wann kam Ihnen die Idee, Ihren Glauben an die ODING-Runen zu einer Bewegung zu machen ?

Ich begann schon im Sommer 1982 das Runensystem zu durchschauen. Es gibt in unserer Jetztzeit weltweit nur einen Kopf der die Runenbotschaft, das älteste Mysterium der eurogermanischen Völkerfamilie, deuten und erläutern kann, und das ist meiner. Diese neue-alte Erkenntnis bot ich fast allen vorhandenen Heidengruppen als Geschenk an. Keiner wollte es annehmen, die hatten immer Angst, ich wollte in ihren Vereinen einen Leitungsposten übernehmen. Das war lächerlich, aber so kleinkariert sind halt Vereinsmenschen. Es fand sich damals eine Gruppe von suchenden Menschen die die ODING-Religion in die moderne Praxis umsetzen wollten.

Ist das eine bewusste Gegenbewegung zu den vielen fremdkulturellen Kirchen und Sekten ?

Ja, als Gegensatz dazu ist die G-O-D angedacht. Wir wollten den Menschen erstmalig eine Wahlmöglichkeit geben, indem wir ihnen ihre quellenbelegte Eigenreligion anbieten bzw. die Beschäftigung mit ihr, die Religion, die es in Altgermanien vor dem Christentum gab und die im Mittelalter ausgerottet wurde.

War diese alte Religion eigentlich im Volk immer noch unterschwellig vorhanden ?

Als sogenannter Aberglaube in machen Stücken, doch die Heidenverfolgungen, namentlich durch die Inquisition, haben leider ganze Arbeit geleistet.

Was meinen Sie, warum war diese Urreligion weit über 1.000 Jahre verborgen und tritt erst heute wieder ins Licht der Öffentlichkeit ?

Weil mit dem Glaubensrückgang des Christentums die Menschen wieder freier geworden sind überhaupt mal andere Religionen zu überdenken. Früher übte man die alten Kulte – in bäuerlich-abergläubische Formen abgesunken - höchstens nur versteckt, weil man Angst vor dem Kirchenterror hatte. Jetzt brauchen wir erst einmal etliche Jahre, um die geistige Luft wieder sauber zu machen für unsere eigengesetzliche Weltschau.

Sie sagen, die alte Religion war in machen abgesunkenen Formen doch noch im Volk lebendig. Wie äußerte sich dieses Lebendigsein ?

Der einfache Bauer und Handwerker aus dem Volk hat immer an Naturwesen geglaubt, wie Quellennymphen, Baumgeister, Elfen, Kobolde, Alben, also unholde sowie gute, positive Wesen, die die Menschen begleiten und ihnen helfen. Es können auch Verstorbene sein und Wesen in verchristlichtem Gewande. Man weiß nicht, wie und wo diese Wesen wohnen, man weiß nur, dass bestimmte Personen leichteren Kontakt zu diesen Wesen erhalten.

Nicht alle Menschen ?

Nein, nicht alle, weil sich nicht alle bemühen. Den einen ist es gegeben, die anderen müssten es üben.

Wonach suchen diese Wesen sich denn ihre Menschen aus, die sie begleiten wollen ?

Warum es bestimmten Personen zufällt, weiß man nicht. Es ist ein besonderes Glück, wenn einem diese Unterstützung eines guten Geistes zuteil wird. Sie haben nichts mit den sogenannten „Heiligen“ zu tun, wie wir sie von Beschreibungen der christlichen Kirchen her kennen.

Gibt es auf Ihrem Anwesen auch Geister ?

Zwar habe ich sie nie gesehen, aber ich spüre sie. Meine jüngere Tochter war überzeugt, dass in meinem Bücherraum mehrere Geister hausen, sie hatte ihr Zimmer dicht daneben. Sie konnte manchmal nicht einschlafen, weil sie Geräusche hörte, wenn die Tür zum überquellenden Bücherzimmer geöffnet war.

Wie nennen Sie sich bei der G-O-D, Heiden ?

Man könnte unsere Religion „Teutonische-Oding-Treue“ („teuton-oding-trú“) nennen. Die isländischen Altgläubigen bezeichnen ihren Glauben an die Asen, an die alten nordischen Götter, „asa-trú“. Wir wollen uns nicht so gerne einfach Heiden nennen, weil es so viele verschiedene Arten von Heidentum in der Welt gibt. Heide ist lediglich der große Oberbegriff, der besagt nicht viel.

Wie wollen Sie Ihre offizielle Anerkennung als Religion durchsetzen ?

Wir haben viel Zeit, wie machen keine Demonstrationen und wollen keine Aufstände anzetteln; vielleicht sollten wir etwas mehr Werbearbeit leisten. Wir gründeten die G-O-D als Vereinigung der Menschen, die an die wanischen Lichtwesen, die Asen und den Großen Asen Wodin glauben. Man sollte seinen eigenen Glauben nicht anderen aufzwingen, deshalb tun wir uns schwer mit Missionierung bei unseren Nachbarn. Die Menschen kommen von alleine, wenn sie soweit sind die belegbaren Quellen und unsre gute Absicht zu erkennen.

Welche Feste feiern Sie ?

Wir feiern drei Hauptkultfeste im Jahr, das Julfest Mitte Januar, das Siegfest im April und das Asa-Ahnenfest im Herbst. Wir hoffen immer auf eine größere Anzahl von Gästen die zu unseren Treffen, den blods, kommen. Blods sind unsere Feiern, das altnordische Wort für Opferfest.

Wird heute noch richtig geopfert ?

Keiner weiß genau, wie das früher bei den Zusammenkünften vor sich ging, aber wir opfern nichts Stoffliches mehr. Wenn wir uns treffen, wird die Zusammenkunft heiliggesprochen und gesegnet und wir halten ein Freundesmal ab.

Gibt es dabei die Funktion eines Hohenpriesters ?

Das war bekanntlich in Altisland der Alsherjargodi, derjenige Gode, der die höchste Macht, oder besser: das höchste Ansehen hatte. Früher hatte jeder Kreis seinen eigenen Goden. In Mittelgermanien wird es nicht viel anders gewesen sein. Einmal im Jahr trafen sie sich am Thingplatz. Sie übten sowohl politische als auch priesterliche Funktionen aus. Heute, bei uns, darf jeder der sich geeignet fühlt, das priesterliche Amt am Altar ausüben. Der Alsherjargodi sprach einstmals das Thing oder die kultische Zusammenkunft heilig und segnete sie. So sollten auch unsere Zusammenkünfte heute beginnen. Dann werden Vorträge gehalten, Gedichte verlesen, der alten Edda- Sagen gedacht, theologische Themen und Runenfragen besprochen und es wird auf die Gottheit getrunken.

Viel ?

Symbolisch, aus romantischem Bedürfnis, gebrauchen wir Hörner. Manche sind gute Trinker, jawohl, insbesondere unsere starken Männer aus Thüringen. Wir bereiten möglichst einen Met zu, den wir gerne kosten. Danach kann jeder aufstehen und sich äußern, wenn er etwas zu sagen hat.

Welche Götter, oder welcher Gott werden angebetet ?

Im bäuerlich geprägten Island wurde einstmals hauptsächlich Thor, das ist unser mittelgermanischer Donar, angebetet. Er genoss unter den Asen hohes Ansehen. Er ist als Gottesidee viel einfacher zu begreifen als Wodan/Wodin, der altnordische Odin. Wir sind heute alle keine Bauern mehr und die Naturerscheinungen die wichtig für Ackerbau und Viehzucht waren, sind für uns ohne größere Bedeutung. Deshalb steht bei uns, so wie in altgermanischer Zeit, der oberste Ahnengeist, der Ase Wodin im Vordergrund. Auch unsere Lehrmeisterrunde, die 24 ODING-Runen, huldigen keiner andere Gotteskraft mehr als dem Asen. Er ist in der Edda der Göttervater, Allvater und ist als Geist- und Seelengott die Urenergie, aus der alle anderen Gotteskräfte erst hervorgegangen sind.

Gibt es bei den Feiern einen Altar mit rituellen Werkzeugen ?

Wir haben je nach jahreszeitlichem Fest einen anderen Altarschmuck, doch das Edda-Buch als Sinnbild des Artgeistigen und das Schwert - offen oder verhüllt - als Sinnbild der in die Welt hineinwirkenden Geistkraft, gehört ebenso immer dazu wie die Weihe-Doppelaxt.

In der Regel wird Ihre Religion als Wotanismus oder Odinismus bezeichnet. Welche Rolle spielt dieser Gott genau in Ihrem Glauben ?

Jeder kann die Götter anbeten, die er möchte. Unser großer deutscher Reformator Luther sagte einmal, dass eines jeden Gott der sei, wonach sein Herz stünde. Wodan, oder nach anderer Schreibweise Wodin, der nordische Odin steht für die Weisheit, die Imagination und die Suche nach größeren Kenntnissen. Danach sehnen wir uns doch eigentlich alle, wer wollte nicht schlauer werden ?

Er ist auch der Gott der Magier und Zauberer, auch der Schwarzen Magie ?

Das ist ein Teil seines Vermögens, ja, absolut ! Ob einer mit seinem Wissen weißen oder schwarzen Galster treibt, das liegt an ihm selber. Wir überlassen diesen Bereich völlig dem Privatbedürfnis unserer Mitglieder. Jeder muss seinen eigenen Weg in die Welt der Geister und Götter finden. Wir sagen ihnen nur wie der Kerbstock der alten Runenweisheit aussah.

Aber der oberste Gott ist Odin, also männlich.

Wodin oder Odin war der Weisheitsgott aus dem der mittelalterlich-alchimistische Mercurius erwuchs. Er wurde immer, wie auch schon der antike Hermes mannweiblich gedacht. Wir weisen auf die Eddastelle Lokasenna 24 hin, aus der hervorgeht, dass auch unser Wodin, wie es sich für einen All- und Geistgott gehört, sowohl weibliche wie männlich Aspekte in sich trägt. Er ist der alles umfassende Große Geist der Germanen wie auch er Kelten, die ihn Teutates nannten. Aber auch weibliche Gottheiten, wie die Freija, werden bei uns geehrt. Das ist jedem freigestellt.

Ist die weibliche Gottheit gleichberechtigt oder untergeordnet ?

Gleichberechtigt ! Da gibt es keinen Unterschied. Wir verstehen die Götter ja als Kraftmächte, da gibt es keine Probleme wie im personifizierten Pantheon oder der menschlichen Alltagswelt.

Welche Rolle spielen die Frauen im Oding-trú, also bei der G-O-D ?

Wir sind ja im informativen Aufbau und wollen hoffen, dass sich zukünftig viele Frauen anschließen. Ich denke, es ist in etwa ausgewogen. Man muss ja vorher aus der Kirche austreten, und Frauen scheuen vielleicht diesen entscheidenden Schritt. Doch die Hexenszene zeigt, dass sich da etwas bewegt. Wenn die Frauen erstmal Blut geleckt haben und erkennen, dass wir eine frauenfreundlichere Religion anbieten als es das Christentum ist, ja eigentlich eine frauenverehrende, werden sie schon kommen.

Was verstehen Sie unter „Hexen“ ?

Eigentlich halte ich jede bewusste Frau für eine Art Hexe im ehrenvollen Sinne. Die Frau ist den Erdgeistern näher. Wenn sie ihre Kräfte zu nutzen versteht, vermag sie mehr als der Mann. Unsere Vorfahren dachten genau so, sie glaubten die Frauen stünden dem geheimnisvoll Heiligen näher. Deshalb hat die Christenkirche so viele starke Frauen umbringen lassen. Die wollten sich dem fremden Männerglauben aus dem Orient nicht beugen.

Welche Art von Kraft haben diese Frauen ?

Es spielt nicht die Hauptrolle welche Kraft oder Macht das ist, sondern wie sie sich mit unserer eigenen Kraft mischt. Auf das Zusammenspiel kommt es an. Meine eigenen Energien werden durch die magischen Kräfte verstärkt, bei allem, was ich tue. Diese Kräfte, die aus dem engen Kontakt mit den Naturdingen entstehen, waren früher in den Menschen vorhanden. Im Laufe der Zeit haben wir diese Fähigkeiten verloren und versuchen nun, sie durch Ersatzstücke wie stärkere Autos und größere Häuser, oder durch Drogen zu ersetzen. So langsam werden wir uns jedoch wieder bewusst, dass diese Kräfte tief in unserem Innern ruhen, und wir wollen sie wieder hervorholen.

Dies ist nur meine persönliche Meinung. Aber ich denke, die meisten Interessenten und Freunde unserer G-O-D gehen in diese Richtung. Alle, die sich ernsthaft damit beschäftigen, sehen es nicht viel anders. Man muss offen vor der Möglichkeit sein, dass wir mit unserem Geist sehr viel weiterreichen können als wir das im allgemeinen versuchen. Ungeheuer viel Gehirnkapazität bleibt ja bekanntlich ungenutzt. Wir haben die Fähigkeit, wieder Kontakt zu den Geistkräften zu bekommen. Diese Fähigkeit müssen wir kultivieren, wir dürfen sie nicht länger missachten. Da die Wissenschaft nur das anerkennt, was man mit dem Kopf und dem Verstand macht, hat sie uns von diesen Fähigkeiten und Möglichkeiten weggeführt.

Auch wenn es - wie Sie sagen - nicht darauf ankommt, möchte ich gerne mehr über diese magischen Kräfte wissen.

Es ist eine besondere Aufgabe unserer Religion, die Verbindung des Menschen zur Natur wiederherzustellen, zu allen Kräften, die in der Natur sind, um sie verstehen zu können. Es fließt ein Bach, es wächst ein Baum, der Mensch ist nur ein Teil dieses Prozesses. Er muss sich bewusst als einen Teil des Ablaufs der Naturkräfte empfinden, er muss mitzuschwingen versuchen in den Wellenbewegungen des kosmischen Auf und Ab.

Rächt sich die Natur, indem sie stirbt, weil der Mensch die Verbindung zu ihr verloren hat ? Ist das ihre Antwort darauf ?

Ja, ich glaube schon, nachdem Technik und Wissenschaft und Überfremdung über uns hereingebrochen sind, müssen wir uns erst einmal in Ruhe irgendwohin setzen und warten, dass die Seele wieder Tritt fasst. Die Menschheit kommt mir vor wie jemand, der aus Zwang im Kreise tanzt, wie eine Wüstenrennmaus. Es gibt eine Krankheit, die veranlasst die Erkrankten zu tanzen, sie können nicht wieder aufhören, bis sie erschöpft hinfallen oder sogar daran sterben. So ist heute die ganze Welt mit all ihren Kriegen. Die Welt tanzt sich zu Tode und kann nicht aufhören.

Wollen Sie die Zeit zurückdrehen ?

Nein, wir von der G-O-D setzen uns nun nicht verträumt in eine stille Ecke und wünschen uns die altgermanisch-keltische Urwelt zurück, da wären wir närrisch. Zwar haben wir den Glauben von früher, leben aber das Leben von heute. Keiner von uns will die Zeit um zweitausend Jahre zurückdrehen. Wir müssen unser Leben der heutigen Zeit anpassen. Wir können und wollen die technische Entwicklung nicht abschaffen, aber wir wollen nach unserer eigenen Art und Weise in dieser modernen Welt glücklich werden.

Sie lehnen Autos oder das Fernsehen usw. nicht ab ?

Nein, wir müssen nur lernen, damit umzugehen. Ich für meinen Teil habe das Fernsehgerät wieder abgeschafft, ich würde damit zu viel Zeit verlieren. Diese Dinge dürfen nicht die alte Ausgewogenheit der Menschen zerstören, die sie früher hatten. Die Wissenschaft hat uns unser Gleichgewicht im Leben genommen. Wir fühlen uns nicht mehr wohl. In meiner Jugend habe ich hier in Hessen auf dem Lande dieses Gleichgewicht noch bei den Älteren erlebt. Sie führten ein einfaches Leben, versuchten, niemandem weh zu tun, sie ruhten in sich. Menschen, die in sich ruhen, gibt es heute kaum noch. Das hat die rasende technische Entwicklung zerstört. Die überdrehte Jagd nach immer neuen Genüssen und künstlichen Geschenken, hat unsere Seele in einen Taumel hineingedreht. Wir müssen uns zur Ruhe gemahnen und unseren eigenen wahren menschlichen Mittelpunkt wiederfinden. Dazu will die G-O-D Hilfen anbieten.

Sie versuchen mit Ihrer Religion die Menschen wieder zu dieser Ausgewogenheit zu führen ? Das ist eines unserer Hauptziele.

Welches sind die anderen ?

Wie ich schon sagte, mit dieser Ausgewogenheit durch die neue Zeit, d.h. in die Zukunft hineingehen zu können und dabei das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Glauben Sie, die Menschen mit Ihrer Religion zur Besinnung bringen zu können, so dass sie mit dem Todestanz aufhören können ? In unserer Religion sehe ich absolut eine Hoffnung. Wir sind da an einem wichtigen Punkt. Sie fragten zu Anfang, warum der alte Glaube jetzt erst wieder aus dem Verborgenen hervorkommt. Ich antwortete, es war die Angst vor der Macht der Kirche. Aber es ist noch etwas anderes: Es war auch die Angst vor der Wissenschaft, die Anfang dieses Jahrhunderts aufkam. Die Angst, sich lächerlich zu machen, wenn man zugab, dass man an alte Göttermächte, Waldwesen, Elfen und Kobolde glaubte, dass es Geister gibt, dass es spukt.

Heute kann man es wieder zugeben ?

Heute stellt man die Wissenschaft wieder mehr in Frage. Man kann wieder zugehen, dass man etwas glaubt, was man nicht sieht. Diese übergroße Achtung vor dem technischen Fortschritt haben wir überwunden. Man sieht ja, wohin wir damit gekommen sind. Er hat uns nicht das gebracht, was wir uns vor einigen Generationen, als der Rummel in den Gründerjahren des 19. Jahrhunderts losging, erhofften.

Wollen Sie eine andere Gesellschaft schaffen ?

Keine Revolution. Die Wissenschaft hat uns auch Gutes gebracht wie die Medikamente, die Kenntnisse über Seuchen, das bequeme Reisen in ferne Länder. Wir dürfen nur die daraus entstehenden Gefahren nicht übersehen und sorgsam damit umgehen. Wir wollen auf unsere Seele warten, lernen, die Aggressionslust aus uns herauszutreiben, weniger zu verlangen, nicht meinen, alles haben zu wollen. Menschen können lernen, weniger aggressiv miteinander umzugehen, aufeinander zuzugehen, sich gegenseitig zu helfen. Und in ersten Linie sich selbst anzunehmen was die Voraussetzung ist auch andere in ihrem Anders-Sein in den ihnen gehörenden geistigen und stofflichen Heimaträumen zu akzeptieren.

Warum glauben Sie, das mit der ODING-Religion eher erreichen zu können als das Christentum mit seinem „Liebe deinen Nächsten“ ?

Unsere Religion ist - völlig anders als das Christentum - mit der Natur und mit der natürlichen Harmonie des Kosmos verbunden. Die Kirchen wehrten sich doch sogar mit grauenhaftem Hass gegen diese Harmonie. Beispiel: Fällung der heiligen Bäume, Hexenverbrennungen, Ketzerverfolgungen Andersdenkender. Sie erlaubten kein ungestörtes, normales Verhältnis zu den Dingen, die uns umgeben; stattdessen schreibt uns der Christianismus eine dogmatische starre Glaubenslinie vor. Dagegen wehren wir uns. Wie schaffe ich es, durch Ihre Religion zu dieser Harmonie zu finden ? Ändert sich etwas im täglichen Leben, wenn ich Ihre Religion praktisch lebe ?

Alles wird leichter. Wir sind ruhiger, selbstsicherer. Man hat Zeit, denn wir leben aus einer Religion die älter ist als das Christentum. Unsere Glaubensquelle bestand schon vor den kirchlichen Grundlagenschriften. Man fühlt sich auch dadurch wohler. Man nimmt es nicht so ernst, wenn etwas fehlt. Man lernt, Dinge hinzunehmen, auf sich zu nehmen und seine Kraft besser zu nutzen. Es ist nicht möglich, jeden Tag in diesen Zustand zu kommen und es ist nicht möglich sofort und dauerhaft dahin zu finden. Dazu braucht man Ruhe. Aber wir haben unser Ziel gefunden, das ist sehr viel !

Fühlt man nach den Feiern besondere Kräfte in sich ?

Nicht nur bei den Blods, den offiziellen Feiern, sondern allgemein durch das Zusammensein mit gleichgesinnten Leuten. Daraus kommt die Kraft. Man spürt die positive Wirkung des anderen, das verstärkt sich gegenseitig. Das ist ein Zusammenstimmen wie bei Instrumenten, ein Einklang, eine Harmonie. Mir ist die Verbindung zueinander wichtig, zur Natur, zu Germaniens alter Geschichte und Sprache, zu den großen Ahnen und ihren Denk- und Lebensweisen.

Können Sie die gewonnenen Kräfte auf etwas Spezielles richten ?

Vorsicht ! Mit der Kraft, die ich bekomme, kann ich anderen helfen. Aber das meine ich allgemein, indem ich eine positive Wirkung ausstrahle, nicht im Sinne von spezifisch Heilen oder so etwas, obwohl ich es bei meiner Tätigkeit als Therapeut natürlich versuche. Wir gehen nicht in Richtung Spiritismus und Okkultismus. Wir üben kein Tischeverrücken oder so. Man muss da stark aufpassen, das darf nicht durcheinandergeworfen werden, dass es ein Brei oder eine Suppe wird. Wer sich bereit fühlt dazu, der kann schon mal ein Runenorakel für sich oder andere werfen und deuten. Aber das Glauben daran bleibt Privatsache.

Dinge hinnehmen, wie sie sind, das hört sich so nach Fatalismus an.

Ja, eine Art bedingter Fatalismus. Ich stehe nicht in einem konstanten Kampf. Aber ich renne auch nicht vor den Problemen weg, und ich nehme Gegnerschaften an, ohne persönliche Abneigung gegen diese Leute zu empfinden. Ich habe mich lange engagiert bemüht den ODING-Glauben bekannt zu machen, nur darum ging es. Es gibt keinen Kampf um die Auslegung, denn wir sehen das absolut undogmatisch. Ich glaube in der Tat, dass vieles so kommen musste wie es kam, aber ich bin keinen Augenblick schicksalsergeben.

Wenn Sie nicht gekämpft hätten, wäre Ihre Religion bzw. Ihr Gedankengut nie bekannt geworden.

Es ist schwer, welche Methode man wählen soll. Die Leute müssen es aus sich selbst heraus begreifen, was los ist, wo wir stehen. Vorher muss man ihnen schon sagen: „Hör mal, da gibt’s auch was anderes !“ Aber den Machthabern wird man es klarmachen müssen, da ist noch Arbeit zu leisten.

Tun Sie das ?

Ich äußere mich - früher tat ich es engagierter - in Veröffentlichungen, in Reden und Gesprächen. Viel habe ich noch nicht erreicht. Wenn Wodin will, werden wir siegen und eines Tages wieder die erste Religion in unserem Lande sein. Wenn sich das Bewusstsein vieler Leute in unsere Richtung geändert hat, kommen wir an den Zeitpunkt, dass wir auf die Machthaber einen gewissen Druck ausüben. Aber man muss aufpassen. Zu großer Druck wirkt sich negativ aus. Wir haben eine lange Wanderung vor uns.

Was halten Sie von den neuen heidnischen Bewegungen in andren Ländern ?

Wenn sie den richtigen Weg gehen, ist es gut. Jeder hat doch heute vor Augen, dass es so nicht weitergehen kann, wie Umwelt und Natur und Menschenart zerstört werden. Wir müssen jetzt stopp sagen und wieder einen stärkeren Kontakt zur Natur, zum naturfolgenden Denken bekommen, uns als Teil der Natur erkennen. Aber die Leute müssen diesen Weg ohne Extremismus gehen, ohne Aggressionen, sonst schlagen die Mächte die heute noch am Ruder stehen erbarmungslos zurück.

Glauben Sie, dass Ihre neue - alte - Religion sich ausbreiten wird ?

Ich denke schon. Es gibt für deutsch-heidnische Puristen keinen anderen Weg. Es kann nur besser werden als es war. Wir werden es mit Ruhe und Gelassenheit abwarten.

gibu auja asa

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