Die Gundelrebe / Donnerrebe

Gundelrebe / Donnerrebe

 

Nach altem Brauch war die Gundelrebe (Glechoma hederacea) - auch Gundermann oder Donnerrebe genannt - der Hauptbestandteil einer kräftigen Kräutersuppe am Gründonnerstag (Donars-Feiertag) - also dem Tag vor Karfreitag, der mit den späteren christlichen Todesfeierlichkeiten um die angebliche Kreuzigung des kirchlichen Kultgottes Jesus nicht viel zu tun gehabt haben kann.

 

Neun grüne frische Frühjahrskräuter mussten es sein, so wie die neunte Rune, die Sonnensieg-Rune diesen Kalenderzeitrum prägt. Eine Überlieferung deutet darauf hin, dass unsere Vorfahren glaubten, durch den Verzehr der Kräuter eins zu werden mit den heiligen Kräften der Natur. Bis in die heutige Zeit wird in einigen Gebieten des deutschsprachigen Raumes die alte Tradition der Zubereitung dieser Gründonnerstags- oder Neun-Kräuter-Suppe gepflegt, so soll man diesen alten Brauch noch heute in der Region Toggenburg im Kanton St. Gallen finden können. Welche weiteren acht Kräuter im germanischen Suppentopf landeten, ist leider nicht mehr vollständig überliefert. Sicher ist jedoch, dass die ersten Triebe wildwachsender Frühjahrsblüher wie Löwenzahn, Brennessel, Gänseblümchen oder Vogelmiere ihren Platz in der Kultspeise fanden. Die Gundelrebe zählte neben Ehrenpreis, Hauswurz und Wegerich zu den «Gundkräutern», die haupsächlich bei eitrigen Wunden, Geschwüren oder Auswurf angewendet wurden. Der Name «Gund», soll – so deuten es Sprachforscher -  nach germanischem Sprachgebrauch Eiter, giftiges Sekret, Beule, faulige Flüssigkeit, Gift oder Wundjauche.

 

Im Volksmund wird Glechoma hederacea deshalb auch als der «Herr des Eiters» bezeichnet. In manchen Schweizer Gegenden wie etwa im Simmental BE, war es Brauch die Gundelrebe während der Pfingstpredigt zu pflücken, weil man glaubte, so ihre Heilkraft gegen eitrige Wunden und andere Krankheiten zu verstärken. «Gegen Eyter auf der Brust» Der Arzt und Botaniker Pier Andrea Mattioli (Matthiolus,1501 bis 1577) empfahl die Gundelrebe bei Schwindsüchtigen und solchen die «Eyter auf der Brust» hatten. Er war überzeugt von der giftausleitenden Eigenschaft der Gundelrebe, wenn diese zuvor in Wein gekocht wurde. So meinte er, durch die schweißtreibende Komponente der Pflanze würden die Gifte über die Haut ausgeschieden. Heute ist bekannt, dass die Gundelrebe den Wirkstoff Saponin enthält, der die Schweissdrüsendrüsen zur allgemeinen Entgiftung über die Haut stimuliert. In früheren Zeiten tranken die Büchsenmacher und Maler Gundelreben-Tee, um die Bleiausschwemmung aus dem Körper zu fördern. Der Maler George Catlin (1796 bis 1872), der die freilebenden Indianer in Amerika auf Leinwand festhielt, trank in regelmäßigen Abständen seinen sogenannten «Gill-Tea», um so einer Vergiftung durch das in den Farben enthaltene Blei vorzubeugen. «Gill» oder «Gill-over-the-ground» ist die englische Bezeichnung der Gundelrebe.

 

Dr. rer. nat. Peter Beyersdorff von der Firma Pekana entwickelte, angelehnt an überlieferten Entgiftungsrezepturen, das biologische homöopathisch-spagyrische Entgiftungsmittel TOXEX spag., indem die Gundelrebe mit enthalten ist. Ebi-Pharm vertreibt das Produkt in der Schweiz. Mehr Infos zu «TOXEX spag..» finden Sie auf der Homepage der Online-Apotheke: Kühe im Milchzauber Kühe bekamen das Kraut mit Salz und Hafer vermischt gegen angehexte Krankheiten und Infektionen verabreicht. Der verbreitete Glaube an den Milchzauber ist darauf zurückzuführen, dass die Pflanze als erstes Grün im Frühjahr ein wertvolles Futter ist, das die Milchbildung fördert. Vorbeugend gegen bösen Zauber wurde den Kühen nach dem ersten Frühjahrs-Austrieb auf die Weiden die Milch durch einen Gundelrebenkranz gemolken. Dieses Ritual sollte dazu beitragen, dass die Kühe stets gesunde Milch abgaben.

 

Eine Vielzahl von Milch-Zaubersprüchen haben sich bis in die Neuzeit hinein erhalten. War das Euter verhext, so konnte folgende Formel den Zauber lösen: Man winde drei Kränze der Gundelrebe und melke jeden Strich (Zitze) dreimal nach hinten durch die Kränze, gebe der Kuh die drei Kränzlein zu fressen und spreche dabei folgende Worte: «Kuh, da geb ich dir die Gundelreben, dass du mir die Milch wollst wieder geben!». Bei den Germanen galten Heilpflanzen, die in Milch aufgekocht waren als besonders wirksam, diese Ansicht ist bis in unsere Zeit hinein von der Volksheilkunde übernommen worden.

 

Heute weiß man, dass die ätherischen Öle der Gundelrebe sich sehr gut in Fett oder Milch lösen und dadurch eine verbesserte Wirkung bei Schnupfen und Bronchitis besitzen.

 

Bock, Bier und Donnerrebe

 

Doch nicht nur Heilkundler nutzten die Kraft der Gundelrebe, die auch als «Donnerkraut» oder die «Donnerrebe» bezeichnet wurde. In früheren Zeiten war sie neben Heidekraut, Mädesüss, Dost, Ginster, Gamander, Beifuss, Schafgarbe, Sumpfporst, Wermut, Fieberklee und sogar einigen der berauschenden Nachtschattengewächsefester Bestandteil des Bieres. Die volkstümlichen Namen der Gundelrebe wie Gartenhopfen, Erdhopfen oder Ale-hoof (vom hellen englischen Bier - «Ale») geben somit Zeugnis von der früheren Kunst des Bierbrauens. Mit der Einführung des Reinheitsgebotes im Jahre 1516 verschwanden jedoch die alten Bierkräuter in Mitteleuropa zu Gunsten des Hopfens (Humulus lupulus) aus dem Volkstrunk.

 

Saponine lösen zähen Schleim

 

Die Pflanze enthält ätherische Öle, Saponine (Seifenstoffe), Gerb- und Bitterstoffe und viel Vitamin C. Die Saponine und die ätherischen Öle lösen den Schleim in den Atemwegen. Das bislang nicht näher erforschte Glechomin ist ein Bitterstoff, der die Verdauungssäfte anregt sowie Herz und Leber stärkt. Da Glechomin für Pferde tödlich sein kann, darf Gundelrebenkraut hier nicht eingesetzt oder verfüttert werden. Die in der Gundelrebe enthaltenen Gerbstoffe haben die Fähigkeit wundes, schlecht heilendes und auch eiterndes Gewebe wieder zu straffen und zu festigen. Die Gerbstoffe der Lamiaceen besitzen zudem antivirale und antibiotische Eigenschaften und entlasten somit den Stoffwechsel bei Infekten aller Art.

 

Blütezeit von März bis Juni

 

Die Gundelrebe (Glechoma hederacea L.), in weiteren Volksnamen auch Blauhuder, Bundräbli, Eichefeu, Gunnelreif, Heilrauf, Huder, Zieckelskräutlein genannt, gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Die angenehm herb-würzig riechende Pflanze breitet sich mit ihren immergrünen kriechenden Ausläufern am Boden aus und siedelt sich gerne unter Hecken, an Zäunen, Wegrändern, auf feuchten Wiesen, lichten Wäldern und alten Mauern an. Der Name «hederacea» kommt aus dem Lateinischen und bedeutet «efeuartig», was sich auf ihre Blattform bezieht; «glechoma» dagegen hat seinen Ursprung im Griechischen und bezeichnet «eine Art Minze», zu denen die Pflanze schließlich zählt. Die Gundelrebe ist ein ausdauerndes Kraut mit einem wurzeltreibenden Rhizom und kurzen Stängelsprossen, die mit nieren- bis herzförmigen Blättern besetzt sind. In den Blattachseln wachsen die unpaarigen Scheinquirle von bläulichvioletten Blüten, deren Unterlippen dunkelrot gefleckt sind. Die geraden Triebe werden innerhalb der Blütezeit wenige Zentimeter über dem Boden abgeschnitten. Die Blätter können das ganze Jahr über gesammelt werden.

 

Gundelrebe in der Heilkunde Frische und getrocknete Gundelrebenblätter haben eine anregende und ausgleichende Wirkung auf den Stoffwechsel und sind besonders dann hilfreich, wenn eine langwierige oder eine mit Eiter einhergehende Krankheit behandelt werden soll. Gundelrebentee wie auch Gundelreben-Urtinktur (Urtinktur ist eine von der frischen Pflanze zubereitete Lösung) werden daher in der Heilkunde innerlich bei Husten mit zähem Schleim, chronischem Schnupfen, leichten Verdauungsstörungen, bei Nieren-Blasen-Beschwerden, Reizblase, eitrigem Harn, Leberschwellung aber auch zur Unterstützung einer Frühjahrskur und bei Stoffwechselerkrankungen eingesetzt.

 

Gundelreben-Tee

 

Ein bis zwei gehäufte Teelöffel (etwa drei Gramm) Gundelrebenkraut (Herba Hederae terrestis) mit 250 Milliliter kochendem Wasser überbrühen, fünf Minuten zugedeckt ziehen lassen und anschließend abseihen. Täglich zwei Tassen trinken. Den Tee nicht überdosieren, auch wenn derzeit keine Nebenwirkungen bekannt sind.

 

Gundelreben-Erkältungselixier

 

Zutaten für ein Getränk: 250 Milliliter heßse Milch, 1 Esslöffel Honig, 2 Esslöffel Gundelrebenblätter. Die Gundelrebenblätter in der heißen Milch für 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen, dann abseihen und mit Honig süßen. Heiß und schluckweise trinken.

 

Gundelreben-Urtinktur

 

Von der homöopathischen Urtinktur «Glechoma hederacea ø» werden dreimal täglich zwei bis fünf Tropfen mit etwas Wasser eingenommen. Nebenwirkungen und Gegenanzeigen sind nicht bekannt.

 

Gundelrebe in der Wildkräuterküche

 

Die Gundelrebe bevorzugt feuchte und nährstoffreiche Böden. Beim Sammeln ist daher auf eine gute Qualität des Standortes zu achten, da sie wie die Brennessel leider auch oft an verunreinigten Stellen wächst. Ideale Voraussetzungen für die Pflanze sind schattige Plätze im eigenen Garten oder eine Waldwiese unter Bäumen. Gundelrebe eignet sich frisch und getrocknet zum Würzen von Salaten, Gemüsen und Suppen. Wegen der guten Fettlöslichkeit der ätherischen Öle entfaltet sich ihr Aroma besonders gut in einer Kräuterbutter. Die Pflanze verströmt einen starken, balsamisch-aromatischen Duft, der beim Drücken auf die frischen Blätter freigesetzt wird. Diese schmecken herb bis scharfwürzig, sodass bereits eine geringe Menge für die Zubereitung eines Wildkräutersalates ausreicht.

 

Kräuterbutter-Brotaufstrich

 

Je eine kleine Handvoll feingehackte Gundelreben- und Schafgarbenblätter, Schnittlauch und Petersilie nach Belieben, 250 g Butter 2 TL Zitronensaft, 1 Knoblauchzehe und Meersalz. Die Butter so lange rühren, bis sie eine geschmeidige Konsistenz hat. Danach die frischen kleingeschnittenen Kräuter, die kleingehackte Knoblauchzehe und Zitronensaft unter die Butter heben. Mit Meersalz abschmecken.    

 

Gründonnerstags-Suppe

 

Der berühmte Naturforscher Alexander von Humboldt (1769-1859) war vom Arzt Christoph Wilhelm Hufeland von der Notwendigkeit einer natürlichen Lebensweise überzeugt. Daher schätzte er unter anderem die gesunde Kräutersuppe so sehr, dass er sie jedes Jahr über mehrere Wochen hinweg auf seinem Speiseplan stehen hatte. Bei der Zubereitung zählten als Zutaten vor allem Gundelrebe, Schafgarbe, Gänseblümchen, Brunnenkresse, Gartenkresse, Brennessel, Gartenampfer und Gartenkerbel zu seinen Favoriten.

 

Hier eine Variante dieser Suppe. Zutaten:

 

Je eine Handvoll (etwa 30 Gramm) kleingeschnittene Brennnesselblätter, Bärlauchblätter, Löwenzahnblätter, Rauke, Wegerichblätter, Vogelmiere und Gierschblätter, eine Handvoll Gänseblümchenblätter, 8 bis 10 Gundelrebenblätter, 2 EL Butter 2 Zwiebeln fein gehackt2 EL frisch gemahlenes Weizenvollkornmehl 125 ml süße Sahne 1 Liter Gemüsebouillonfrisch gemahlener schwarzer Pfeffer und Kräutersalz.

             

Die Kräuter waschen, abtropfen lassen und fein schneiden. In der geschmolzenen Butter die feingehackten Zwiebeln dünsten. Danach das Vollkornmehl darüber streuen und unter ständigem Rühren die Gemüsebrühe langsam dazu gießen. Die Suppe kurz aufkochen und dann für etwa fünf Minuten weiter köcheln lassen. Die kleingehackten Kräuter dazu geben und die geschlagene Sahne vorsichtig unter die Suppe heben. Zum Schluss die Gänseblümchen darüber streuen und mit Kräutersalz und Pfeffer abschmecken.

 

Gundelreben-Kartoffel-Suppe

 

Hildegard von Bingen erachtete die Gundelrebe für sehr wirksam im Alter, wenn Gewicht und Verstand abnehmen. Vom Gundermann sagt sie: "Die Pflanze birgt gewisse Kräfte in sich, die in den grünen Farbstoffen zu suchen sind, daher ist sie sehr hilfreich, wenn sie in Speisen und Suppen eingesetzt wird". Zutaten für 4 Personen: 500 g Kartoffel, 250 ml Wasser, 1 Liter Gemüsebouillon, 1 Stange Lauch, 2 Möhren, je eine Handvoll (etwa 30 g) Brennesselspitzen, Sauerampfer, Schafgarbe4 bis 5 Gundelrebenblätter, reine Handvoll Basilikumblätter, 2 EL Butter, 100 ml süße Sahne, 3 EL Weißwein, Kräutersalz, etwas Muskatnuss und Pfeffer.

 

Die Kartoffeln schälen, klein schneiden und knapp mit Wasser bedeckt garen. Den Lauch, die Möhren und die Wildkräuter zerkleinern. Das Gemüse für einige Minuten in Butter dünsten. Die gegarten Kartoffeln durch einen Kartoffelstampfer drücken, Gemüsebrühe, das gedünstete Gemüse und die Wildkräuter hinzugeben und mit Butter, Sahne, Weißwein und den Gewürzen abschmecken.

 

Wildkräutersalat

 

Zutaten für 4 Personen: Je eine Handvoll junge frische Löwenzahnblätter, Brennesselblätter, Brunnenkresseblätter, und Sauerampferblätter, 6 bis 8 frische Gundermannblätter. Zutaten für die Marinade: 4 EL kalt gepresstes Sonnenblumenöl, 200 ml Sauerrahm, 1 EL Zitronensaft, Kräutersalz und Pfeffer.

             

Die gewaschenen Löwenzahn-, Sauerampfer- und Brunnenkresseblätter werden grob gehackt, die Gundermann- und Brennesselblätter dagegen werden sehr klein geschnitten. Aus den restlichen Zutaten wird eine Marinade hergestellt und über die Wildkräuter gegeben. In einer großen Glasschüssel servieren.

 

PS: Im Wesentlichen ein Fremdbeitrag

Pin It