RUNEN UND BÄUME ?

HALTLOSE VERSUCHE DES UNVEREINBAREN

Sich um unsere germanischen Runensymbole zu bemühen ist nur löblich und förderlich. Wieder hat es ein neuer Runeninterpret unternommen das Thema aufzugreifen und sogar für ein esoterisch-medizinisch interessiertes Publikum ein runentherapeutisches System auszuarbeiten. Bei dessen Beurteilung wird aber dem Kenner wieder einmal die schlimme Diskrepanz bewusst die sich allzu oft zwischen Wollen und Wissen auftut. Was nutzt die schönwirkendste Runenerklärung wenn sie so gar nicht mit den ursprünglichen Gegebenheiten übereinstimmen mag, wem soll ein noch so ansprechend verpacktes Phantasiegebilde Nutzen bringen ?!

Der Autor Harald Knauss schrieb ein Buch des Titels „Die Urkraft der Bäume mit Runen entschlüsselt (Preis 25,- Euro). Dazu wird geliefert ein Testset zu den germanischen Baum-Essenzen in dem alle 24 Tinkturen von Harald Knauss von Ahorn bis Weide und die Notfeuertropfen in handlichen 10 ml- Fläschchen zum Austesten vorhanden sind (Preis 170 Euro). Der Preis der dann nötigen einzelnen 30 ml-Therapie-Fläschchen beträgt jeweils 11.80 Euro.

Der Ehlers-Verlag schreibt in seiner Produktinformation Frühjahr 2004 auf Seite 13: „Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt der Germanischen Natur- und Energielehre. Harald Knauss hat mit Hilfe der Runen die Energetik von 24 einheimischen Bäumen entschlüsselt. Dabei konnte er die spezifischen Wirkkräfte der Baumenergien dem germanischen Jahreszyklus zuordnen. Die germanische Kultur, die bis in die heutige Generation hineinwirkt. Kannte etliche Feste und Rituale, die eng mit dem Jahreszeitlauf und der Veränderung der Vegetation zusammenhängen. Harald Knauss ist es gelungen, die verschütteten Quellen der Weisheit unserer Vorfahren zu finden und das Natur- und Energieverständnis der germanischen Kultur unserem heutigen Verständnis zugänglich zu machen. Ausführlich erläutert er die 24 Bäume des germanischen Baumkreises........“

Das klingt alles sehr ansprechend, insbesondere für die Ohren von uns heidnischen Runenfreunden. Doch oh weh, oh weh, was hat sich Herr Knauss da Krauses ausgedacht: Bei der Eiben-, Birken und Kienspan-Rune ist die Zuordnung ja einfach, doch dann fängt Knauss’ens Phantasie so schäumend an zu wagen und zu wogen, dass der wahre Runen- und Baumkenner weder seine historischen Runen noch die heimatlichen Bäume vor lauter projizierten vermeintlich germanischen Urgewächsen nicht mehr zu erkennen vermag. Knauss’ens verworrener Wald wird zum verwunschenen Irrwald der uns auf die schmalen und abschüssigen Stege des Imaginären führt.

Die zittrige Espe stellt er wohl allein wegen der Namensähnlichkeit dem starken Seelengott Wodan, dem Asen () bei. Der Wonne-Rune () fügt er die Rose zu, obwohl die in germanischer Zeit in Germanien nicht heimisch war. Die damalige Heckenrose aber muss viel eher, entsprechend der Brauchtumstraditionen, als Todessymbol gedeutet werden. Der Vieh-Rune () gibt Knauss die Eberesche, der Urstier-Todesrune () schenkt er die Brombeere, der Gaben-Runen () fügt er willkürlich die Buche bei, die Eis-Rune () sieht sich mit der Tanne zusammengepresst, die Jahres-Rune () erhält den Ahorn als Geschenk, die Sonnen-Siegrune () wird der Linde beigeordnet, obwohl wir wissen, dass die Weide als Sonnenbaum galt. Warum die Weide der Pferde-Runen () gegeben wurde und der Menschheits-Rune () die Erle, ist so wenig nachvollziehbar wie die Zusammenstellung der Lauch- und Lein-Rune () mit dem Haselstrauch, oder die Doppelaxtrune des Himmelsgottes () mit der Fichte, oder die Vaterlands-Rune () mit dem Apelbaum, oder die Sonnengott-Rune des Ingwi Fro () mit dem Holunderstrauch.

Sich mit dieser schönen Materie zu beschäftigen ist lobenswert, auch diese Thematik in die Palette heilpraktischer Therapieangebote einzubeziehen, doch Wollen und Wissen müssen unabdingbar zusammenklingen, wenn keine Disharmonien entspringen sollen. Ist dieser legitime Grundanspruch nicht gewährleistet, kann keiner aus frohem Herzen danke sagen !

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