DER HEIDENBAUM

 

Für gewöhnlich wird er „Christbaum“ genannt, der uralte heilige Heidenbaum. Noch im Jahre 1936 nannte ihn die päpstliche Hauspostille, der „Ossevatore Romano“, „heidnischen Grünkult“ und untersagte diesen für die romanischen Länder. Was ist der ursprüngliche Sinn dieses Brauchtums, zum weihnachtlichen Jahresbeginn singrüne (immergrüne) Zweige oder Bäumchen aufzustellen ? Es war eine Beschwörung des fortdauernden Lebens, zur tiefsten Jahreszeit, der Jul-Phase, sollten auch im Winter noch grüne, lebensstrotzende Zweige das Leben des neuen Jahres herbeizaubern oder symbolhaft zumindest an das neue Lebenserwachen erinnern, den Menschen Hoffnung und Mut schenken. So etwa im Sinne von: „Seht her, auch im immergrünen Zweig nimmt das Leben seinen Fortgang, lasst euch nicht bange machen, das Leben ist immer da, es schlummert nur und wird eines Tages wiederkehren !“

Dafür geeignet galten alle immergrünen Blätter und Zweige, etwa der Fichte, Eibe, Tanne, der Mistel, Wacholder oder Stechpalme usw.. Dieser Brauch war eigentlich nicht nur ein Julbrauch, er wurde vielmehr bei allem Neubeginn angewendet. Wurde geheiratet, stellte man ein dauergrünes Bäumchen auf, zum Wiegenfest nicht anders, beim Neubau eines Hauses u.a.m.. In einzelnen Regionen unserer Heimat halten einige dieser altheidnischen Tradition noch unvermindert an. So sind wir sicher, auch der Brauch zur Wintersonnenwende einen grünen Baum aufzustellen ist urheidnisch und ebenso wenig christlich wie das gesamte übrige Weihnachtsfest, das wir als schon urmitteleuropäische Feierzeit über die hinter uns liegenden ca. 7.000 Jahre nachweisen können (z.B. Wintersonnwendheiligtum Goseck / Sachsen-Anhalt) .

In Süddeutschland und in den Alpenländern war es üblich, den Herrgottswinkel (den heidnischen oder christlichen Hausaltar) in der Stube zur Julzeit (Adventszeit) mit Grün zu schmücken, in das Trockenblumen und Silberdisteln gesteckt wurden. Als Sinnbild der wachsenden Lebenskraft stellte man am Barbaratag (ein Erdmutter-Gedenktag) Kirschzweige auf, die dann zum 24. Dezember (Mütternacht) erblühten. Auch wurden grüne Zweige unter die Stubendecken gehängt, um unholde Totengeister zu vertreiben. Die Geister verstorbener Christen, also Volksverräter, galten als besonders böse und gefährlich, wie wir aus einer Sagastelle Islands wissen. Landschaftlich unterschiedlich wurden auch Tannenzweige vor der Haustüre aufgestellt. In einem Sinnspruch aus dem 16. Jahrhundert heißt es: „Wer kein Tannreis stecket in sein Haus, der meint er lebt das Jahr nit aus !“ Also deutlich ein Lebenssymbol. Der wuchtigste und geheimnisvollste Nadelbaum in germanischen Wäldern war die Eibe und so ist es kein Wunder, dass diese auch zum heiligen Lebensbaum der Deutschen wurde und als 12. Zeichen in die Runenreihe (ODiNG-FUÞARK) unserer Ahnen Eingang fand.

Der erste mit Äpfeln geschmückte Baum wird angeblich um 1600 im deutschen Straßburg erwähnt. Der Chronist berichtet: „Auf Weihnachten richtet man Dannenbäum zu Straßburg in den Stuben auf, daran henket man Rosen aus vierfarbigem Papier geschnitten, Äpfel, Oblaten, Fischgold, und Zucker.“ Wie alt diese Sitten sind ist nicht überliefert, mit ihrem ersten schriftlichen Auftauchen ist ja keineswegs ihr Beginn markiert. 1755 werden sie in einer Berliner Zeitung bespöttelt, weil der Baum mit vergoldeten Kartoffeln geschmückt worden war. In Dresden taucht der Weihnachtsbaum 1786 auf. Bald wurde darüber überall gerichtet. In den Häusern der Reichen fand der Brauch als erstes in der Neuzeit wieder Eingang und wurde Äpfeln, Nüssen und Zuckerwerk geschmückt. Aber er trug noch keine Kerzen. Besonders nach der Zeit der Napoleonischen Kriege wurde der Brauch durch die umherziehenden Soldaten weit verbreitet. Nur in der katholischen Gegenden Süddeutschlands hielt sich die Aufstellung der Weihnachtskrippe. Man lehnte den Bauch als heidnisches Brauchtum und protestantische Erfindung ab.

Wie alt der Kult des immergrünen Baumes ist, ersieht man auch anhand der skandinavischen Felsbilder, wo bereits in germanischer Bronzezeit die Eiben- und Tannenbaumritzbilder vorkommen. Siehe die Abbildung einer Eibe mit den typischen Tochterauswüchsen und rechts daneben die von mir gesuchte, gefundene und abgeriebene schwedisch-bohuslänische Felsbildritzung der heiligen Eibe mit drei Wipfelsprossen und drei Wurzeln.

Fruchtbarkeitsbeschwörungen nahm man damals mit Tannen- oder Fichtenzweigen vor. Menschendarstellungen mit Nadelbaum-Zweigen in Händen kennen wir mehrere aus der Felsbilderwelt Skandinaviens. Wenn wir Heiden also heute einen Weihnachtsbaum / Julbaum aufstellen, können wir es in dem beruhigenden Bewusstsein tun, dass wir einem uralten Brauch folgen den wir sogar dem christlichen Brauchtum aufgenötigt haben. Noch ist der Siegeszug unseres nordischen Lebensbaumes nicht abgeschlossen, er erobert Jahr für Jahr neue Kultur- und Gesellschaftskreise in aller Welt.

Eibenbäume: Naturbild + Felsritzung von Lövasen (Bohuslan / Schweden)

 

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Privates Fangen ist jetzt strengstens untersagt !


Jul ist auch ein freudiges Fest voller Späße: Wer sich rechtzeitig zum Fest noch einen Weihnachtsbaum ergattern will, muss sich sputen, denn die Fangsaison ist so gut wie zu Ende und die Angebotsbestände nehmen rapide ab. In diesem Herbst flogen die Bäume ungewohnt hoch, so dass sich für die beauftragten weihnachtsmännlichen Weihnachtsbaumfänger das Geschäft schwieriger als üblich gestaltete. Da in den vergangenen drei Jahren die Bäume, aufgrund der allgemeinen Erderwärmung, recht tief zu fliegen vorzogen, wurde diesmal in den Hauptfanggebieten der extreme Höhenpflug beobachtet, welcher zwangsläufig die Fänger-Kommandos mit zunächst unüberschaubaren Problemen konfrontierten. Wegen der besonders bei den Nordlandfichten zu beobachteten Abwehrmutationen, ist es den Bäumen gelungen, den Weihnachtsbaumfängern bislang unbekannte Herausforderungen abzuverlangen, indem die Objekte, während ihrer Fluchtmanöver, Zickzack- und Spiraltörns flogen. Es mussten aus Neuseeland die seltenen Flughunde geleast werden, was die heurigen Weihnachtsbaumpreise zusätzlich in die Höhe trieb. Höchst bedauerlich ist der tragische Umstand, dass zwei Baume während der Verfolgungsjagt über dem Elbkanal, offensichtlich total irritiert durch die sie umschwärmenden Flughundrotten, jede Orientierung verloren, abstürzten und ertranken. Die sofort allarmierte Hamburger Wasserwacht vermochte die Bäume nur noch als Leichen zu bergen, die Wiederbelebungsversuche der Männer des Maltester-Hilfsdienstes blieben ohne Erfolg.

Viele Kunden waren von den gestiegenen Baumpreisen derart verärgert, dass sie sich mancherorts heimlich auf die private Jagt begaben, was die staatliche Weihnachtsbaumbehörde in Buxtehude zu einem einmaligen Schritt in der langen Geschichte der Weihnachbaumfängerei bewog, nämlich dem Entzug des Weihnachtsbaumberechtigungsscheins auf volle fünf Kalenderjahre, für alle jene Personen die beim unbefugten Fang in flagranti gestellt werden konnten.

 

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