DER GUNDERMANN

 

DER GUNDERMANN

 

Ein bescheidenes, aber durch schön geäderte Blätter hübsches Pflänzchen ist der am Boden rankende Gundermann (Glechoma hederacea) oder auch Gundelrebe genannt. Das Kraut ist in ganz Europa heimisch, ausgenommen die Gebirgsregionen. In den Alpen wächst es noch bis zu 1500 m Höhe. Es liebt vor allem frische, nährstoffreiche Wald- und Wiesensäume. In nitratreichen und feuchtebedürftigen sog. Saumgesellschaften ist der Gundermann zuhause. Bei mir wächst er an etlichen Stellen des Steingartens und im Haselnussheckenbereich. Am häufigsten ist er auf Böden mit einem p.H.-Wert zwischen 5,5 und 7,5, er gedeiht aber noch bei einem pH-Wert von 4,0. Er gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) und bildet lange, niedrige Ausläufer, aus denen von April bis Juni an den vierkantigen Stengeln die Blütenästchen mit halbquirligen, lichtwendigen, blaulila blühenden aufrechte Blütensprosse aufsteigen. Die Stängel und Blattunterseiten sind mitunter ins Rötliche gehend überlaufen. Bei einigen Arten sind die Pflanzenteile fein behaart, zumeist aber so gut wie kahl. Mit ihrem raschen Wachstum überziehen die efeu-artigen Ranken dekorativ die umgebenden Steine. Sein Name „Steinumwickler“ kommt aber weniger daher, wohl eher, dass der Gundermann bei allerlei Steinleiden hilft, so z. B. bei Leberleiden, Nierenleiden und Blasenleiden. Zudem löst der Gundermann auch die Harnsäure. Der Hauptspross kann bis zu 2 Meter Länge erreichen. Das, und seine Nützlichkeit für die Hausapotheke, empfiehlt den Gundermann als zierenden und sinnvollen Bodendecker im Wildpflanzengarten. Sein Geruch und Geschmack wird als harzig-aromatisch, minzähnlich und lakritzartig beschrieben. Bei den alten Deutschen galt der Gundermann als Schutzkraut, welches Zauber abwehren konnte. Man pflanzte ihn dazu um das Haus herum an.

 

NAMEN DES GUNDERMANN

 

Sein englischer Name ist Ground-ivy, also Grund-Efeu. In deutschen Gauen führt die Pflanze diverse Bezeichnungen: Guntermann, Gutermann, Gundelrebe, Efeu-Gundermann, Erd-Efeu, Grundrebli, Gundelrebli, Gundelrieme, Gunelreif, Gunnelreif, Goierke, Donnerrebe, Blauhuder, Heckenkieker, Heilrauf, Heilreif, Hälroff, Hurlekenkraut, Huder, Huderich, Huderk, Hundläuft, Joierke, Kiek-dörn-Tun (Guck durch den Zaun), Kräutchen-unter-dem-Zaun, Krüsken-dur-den-Tuun, Rüderk, Abbatz, Uderam, Udram, Udrang, Wald-Uschla (Schwaben), Zickelskräutchen, Frauarebli und Grundrebli (Schweiz), und im Harzer Krodotal auch Krodokraut. Für die volkstümlichen Namen des Gundermann gibt man verschiedene Deutungen an. Eine Erklärung ist, die Gundelrebe als das Heilkraut der Wunder wirkenden Kampf-Jungfrau Gunde (Gunar / Gunja) zu verstehen. Oder geht der Name auf die Anwendung des Krautes gegen Vereiterungen althdt. „gund“ = Eiter zurück. Eine weitere Deutung leitet den Namen davon ab, dass die Gundelrebe am Grunde kriecht.

 

GUNDRERMANN-VOLKSHEILKUNDE

 

Den Gundermann hat man in der Volksheilkunde immer gern verwendet. Gemäß dem „New Kreüterbuch“ von Leonhart Fuchs (1543) wurde es gegen Hüftweh, Gelbsucht, Leberleiden, und als harn- und schweißtreibendes Mittel gegen Gifte eingesetzt. Bis heute findet er Verwendung von Kräuterheilern gegen Abszesse, Tumore und Augenprobleme. Wegen seiner ätherischen Öle und der Bitterstoffe wurde und wird er von Naturkräuterfreunden als Gewürzpflanze geschätzt. Allerdings ist seine Unverträglichkeit für einige Säugetiere, besonders Pferde, zu beachten. Zwar kann der Gundermann nur im Übermaß giftig wirken (Bitterstoff Glechomin), doch soll sein Verzehr bei Pferden zu Todesfällen geführt haben. Rinder und Schafen vertragen große Mengen der Pflanze problemlos. Für die menschliche Ernährung eignet er sich hervorragend als Beimischung zu Gemüsen, Salaten oder Quark, wie ich es selbst seit Jahren mache. Da der Gundermann angenehm würzig schmeckt, verwendete ich ihn hin und wieder als Gewürz und mische ihn zur Kräuterbutter, Gemüsesuppen und Wildkräutersalaten. Sein Reichtum an Vitaminen, Mineralstoffen und ätherischen Ölen fördert den Appetit, die Verdauung und den gesamten Stoffwechsel. Gundermannblätter sind als Gewürz für mache Fleischspeisen zu empfehlen. Zu Heilzwecken werden Blätter und Blüten von März bis Mai gesammelt und zu Aufguss, Essenz oder Saft verarbeitet. Solche Verordnung empfiehlt die Kräutermedizin bei Leiden von Magen, Galle und Leber, Milz und Niere, gegen die Ruhr und gegen Würmer und Weißfluss. Das Kraut taugt vortrefflich zur Versorgung schlecht heilender Wunden. Der Gundermann empfiehlt sich gegen die Mundfäule als Gurgelwasser, außerdem beseitigt es als Waschung Grind, Fisteln Geschwüre und dergleichen. In einem mittelalterlichen Text heißt es: „Sankt Johannes ging über das Land, begegnete ihm Jesus Christus mit seinem gesandt: ,Sankt Johannes, warum bist du so traurig ?’ ,Warum sollte ich nicht trauern ? Mein Mund muß mir verfaulen !’,,Sankt Johannes, hol drei Gundelreben, Und laß sie durch deinen Mund schweben, So wird dein Mund gesund werden.’” (Marzell, „Unsere Heilpflanzen“, 1922, n. „SIEG, 122“) Der Saft des Krauts soll vorzüglich gegen Kopfschmerz helfen, ein Tee aus 15 gr. Kraut je Liter Wasser soll Leber und Milz öffnen und die Gelbsucht heilen. So ein Trank oder die pulverisierte Pflanze (ganzes Kraut mit Blumen) soll auch Schwindsüchtigen mit Eiter in der Brust helfen und gut gegen Steine sein. Der Tee gilt - wie schon erwähnt - als appetitanregend und verdauungsfördernd, er wirkt ebenso wie der Saft wohltuend auf die Schleimhäute der Atemwege und ist daher bei Katarrh, Verschleimung, Schnupfen und Husten empfehlenswert. Gegen erkältungsbedingte Ohrenleiden verwendet man den Aufguss als Ausspülung, die Blätter, in Eiklar zerstampft und auf die Schläfen gestrichen, sollen dem Schlaflosen helfen. Auch Hildegard von Bingen, die volksheilkundige Äbtissin vom Rupertsberg, empfahl die Gundelrebe bei Bronchialkatarrhen und zur Wundbehandlung. Tabernaemontanus widmete in seinem, im 16. Jh. erschienen Kräuterbuch anderthalb Seiten der Gundelrebe und schreibt unter anderem: „Es ist dies Kraut gut wider die Würm/wann man das Pulver den Kindern einbringen kann/dann es tödet dieselbige [Würmer] Diß Kraut samt Stängel und Blumen gepulveret - oder ein Tranck daraus gemachet - ist gut den Schwindsüchtigen und die Eiter auf der Brust haben.” Kräuterpfarrer Sebastian Kneipp verordnete Gundelrebentee bei Brust- und Magenverschleimungen.

 

GUNDERMANN-ZAUBER

 

Den Gundermann hast man zu etlichen zauberischen Zwecken herangezogen, auch als Abwehrkraft gegen Hexenzauber galt er. Der Gundermann galt in einigen Gegenden geradezu als schützender Hausgeist, der vor bösen Geistern schützt, wenn er neben dem Haus oder auf dem Bauernhof wuchs. Man hat aus ihm Kränze in der Walpurgisnacht geflochten. Bei unseren germanischen Ahnen war der Gundermann (vgl. Donnerrebe) dem Donar/Thor heilig und sollte möglicherweise vor Gewitter schützen. Man hängte Gundermann-Kränze am Hause auf, damit sie vor Blitzschlag schützen möge. Es wäre aber auch denkbar, dass die Beziehung zum Gott Donar profanere Gründe hatte, denn dieses galt als ein großer Zecher und die Donnerrebe wurde bei der Met- und Bierbrauerei verwendet. Vor der Kultivierung des Hopfend wurde der Gundermann aufgrund seiner Bitterstoffe zur Konservierung von Bier genutzt. Im Frühling gesammelte junge Blätter wurden als Gemüse gekocht, unter anderem in den Gründonnerstagsgerichten verarbeitet. Weiterhin vermag der Gundermann nach alter Auffassung vor Behexung des Kuh-Euters schützen. Dazu soll man aus dem Gundermann drei Kränze winden, die Kuh an jeder Zitze dreimal durch die hinteren Füße melken und anschließend die Kränze an das Tier verfüttern. Wenn man dazu die Worte „Kuh, da gebe ich dir die Gundelreben, dass du mir die Milch wollest wiedergeben” spricht, soll das nach den „Egyptischen Geheimnissen” des „Albertus Magnusbüchleins” sicher helfen. Zur Walpurgisnacht wurde die Pflanze gepflückt, weil man meinte, damit die Unholden erkennen könne. Wenn man beim Kirchgang zu Walpurgis einen Kranz aus Gundermann auf dem Kopfe trägt, erkennt man die Hexen beispielsweise an mitgeführten Besen, Melkeimern. Flechtet man zum 1. Mai einen Kranz aus Gundelrebe und setzt ihn sich auf, dann kann man die echten Hexen erkennen, heißt es. Auch wer zu Neujahr einen Strauß des getrockneten Krautes mit in die Kirche nimmt, soll sehen können, wer aus der Gemeinde sterben wird. („Chemnitzer Rockenphilosophie“)

 

GUNDERMANN-INHALTSSTOFFE

 

An fachlichen Zusammenstellungen zu den Inhaltsstoffen der Gundermann-Pflanze entnehme ich dies: Die Inhaltsstoffe sind Gerbstoffe, Vitamin C, Kalium, einige organische Säuren sowie Saponin, ätherisches Öl und der bislang unerforschte Bitterstoff Glechomin. Verschiedene Flavonoide (Cymarosid, Cosmosyn, Hyperosid, Isoquercetin und Luteolin-7-Di-Glukosid) und nicht-heterosidische Triterpenoide (Ursolsäure, n-Nonacosan, β-Sitosterol) isoliert. Sie enthalten auch 0,03 bis 0,06 Prozent ätherische Öle, die aus (−)-Pinocamphon, (−)-Menthon, (−)-Pulegon, α-Pinen, β-Pinen, Limonen, p-Cymen, Isomenthon, Isopinocamphon, Linalool, Menthol und α-Terpineol bestehen. Gerbstoffe sind mit 3 bis 7 Prozent vertreten. Daneben kommen noch ein nicht genauer bekannter Bitterstoff namens Glechomin sowie Marrubiin und Saponine vor. Die Blätter enthalten auch Lektine, die spezifisch N-Acetylgalactosamin binden und die den Lektinen der Hülsenfrüchtler (Fabaceae) ähnlich sind.

 

ZUSAMMENFASSUNG

 

Die weise Frau Hildegard von Bingen, die dem Landvolk auf die Finger geschaut und das altvölkische Frauenwissen gesammelt hatte, schrieb lobend: „Es ist eine Kraft aus der Ewigkeit und diese Kraft ist grün. [...] Wer Schmerzen oder Geschwüre in der Brust hat, soll gekochte und noch warme Gundelrebe um seine Brust legen...“ Zusammenfassung der Anwendungen: Gurgelmittel – Badzusatz - Pflanzenöl-Kompressen oder Salben bei schlecht heilenden Wunden, Geschwüren und Pickeln, vor allem bei Eiter - Absud- Waschungen bei. Hämorrhoiden - Tinktur bei chronischer Bronchitis, chronischem Schnupfen, Blasen- und Nierenkrankheiten - Waschungen mit Absud bei Hautkrankheiten - Tee-Kuren bei Durchfällen und Bäder gegen die Schmerzen bei Ischias und Gicht - bei Magenkatarrhen, Erleichterung des Abhustens bei Lungenerkrankungen und asthmatischen Anfällen, bei allen Lungen- und Halserkrankungen - frisch Blätter gehackt, aufs Brot bei Appetitschwäche - Tee-Tränke um die Gerbstoffe des Gundermann zu nutzen, binden neben Schwermetallen wie Blei auch Pestizide, die häufig von der Bevölkerung eingeatmet werden, bzw. die man mit dem heutigen „modernen“ Obst isst. Gundermann bindet sie und leitet sie aus.

 

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