DIE ODING-THEOSOPHIE

 

 

Die ODING-Theosophie, ebenfalls wie die Kabbala, das Essener-Christentum und eine Menge weiterer gnostischer Pflanzungen sind unmittelbar aus dem Humus der Gedankenfülle des ersten Jahrhunderts vor dem Beginn unserer Zeitrechnung hervorgegangen. Das erste Jahrhundert vor und das erste nach Null waren in geistiger Hinsicht überaus fruchtbar. Der Blick der Menschen in westlicher Hemisphäre weitete sich wie nie zuvor und die imperialistische Großmacht Rom sorgte durch ihre Organisation für einen Ideentransfer vom Orient bis Iberien, von Nordafrika bis nach Nordeuropa. Das schuf ein geradezu hektisches Klima gegenseitiger Anregungen und Konkurrenzen. Es begannen Philosophien, Theosophien und Volksreligionen unterschiedlichster Art miteinander zu wetteifern. Man begann auch niederzuschreiben, was an religiösen Konzepten vorlag oder in dem sich entwickelnden Synkretismus entstand.

Auch ein nordischer Mann, ein Kelte oder Germane, entwickelte aus den ihm bekannten eigenen und alpinen (aus ureuropäischen Traditionen) Sinnzeichen eine Buchstabenreihe, mittels der er die Religion der Hyperboräer für seine und alle nachfolgenden Zeiten in Wort und Zahl festbannen wollte: er schuf das ODING, die gallo-germanische Gottesschrift. Es wurde eine knappe, symbolisch reduzierte, doch die einzige uns erhaltene Nachricht aus der Frühzeit des keltisch-germanischen Europa. Es ist eine Gottesbotschaft, ein religiöses Grundgesetz, aus dem uns einerseits der unverfälschte Atem des uralten indoarischen Nordens anweht, zum anderen aber ist unverkennbar die geistige Handwerklichkeit der Gnosis erkennbar. Es ist somit, wie jegliches junge Werden und Gewordene, nicht ohne eigene Wurzeln und Bodenkraft, und doch auch ein typisches Kind seiner Zeit. Es kennt also Parallelen und Gleichklänge mit anderen ähnlichen „Produkten“ des gotterkenntlichen (gnostischen) Enthusiasmus. Diese gegenseitigen Bestätigungen unterschiedlicher Quellen, wollen wir im folgenden prüfen und erkennen:

Das „Sefer Jezira“, „Buch der Schöpfung“ ist der älteste und geheimnisvollste der kabbalistischen Texte. Die ersten Kommentare über dieses Buch wurden im 10. Jh. geschrieben, und der Text selbst wird bis auf das 6 Jh. n.0 zurückgeführt. Der Text vermittelt in einer schwer zu verstehenden mystischen Sprache die magische Anwendung der 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets und wurde demzufolge zu Zauberzwecken benutzt. Im Vers 2:2 heißt es: „Zweiundzwanzig Buchstaben: Er gravierte sie, Er meißelte sie, Er permutierte sie, Er wog sie, Er transformierte sie, und mit ihnen bildete Er alles, was geschaffen ward, und alles, was geschaffen wird.“ Mit dem Er ist zweifellos Gott gemeint, doch durch das Fehlen der Vokale in der hebräischen Schrift kommt ein merkwürdiges grammatikalisches Phänomen zustande: die in ausnahmslos allen Übersetzungen angegebene 3. Person ist nämlich auch durch den Imperativ ersetzbar. Damit liest sich der Vers auf einmal ganz anders: „Graviere sie, meißele sie, permutiere sie ...“ usw. - eine unmissverständliche Aufforderung zu magischem Handeln des Eingeweihten.

 

Gemäß dem Thora-Satz vom hebrä. „Tohu und Bohu“, was umgangssprachlich zum Tohuwabohu (Durcheinander) wurde, übersetzte Luther: „die Erde war wüst und leer“ (Gen. 1,2). Das „Sepher Jezira“ definiert das Chaos als Ursubstanz der magischen Schöpfung. Der vergleichbare Begriff im Germanischen wäre altn. Ginnungagap (gähnende Kluft/Leere), was in eddischer Kosmogonie der Name des kosmischen Urraumes ist, vor der Erschaffung der Welt (Vsp. 3).

In dieses mit magischen, schöpferischen Kräften gefüllte Sein, das stoffliche Nichtsein, stellt der Jezira-Text die Wirkmächte der Buchstaben. Durch sie, mit ihrer Hilfe wird die Schöpfung „gezaubert“, denn „Am Anfang war das Wort“ (Joh.-Ev. 1,1). Ebenso wächst der germ. Wodin/Odin nach seiner Runen(er)findung im unverkennbar seinsimmanenten Schöpfungsprozess „von Wort zu Wort und von Werk zu Werk“ („Havamál“. 141) zur Welt. In diesem Odin scheint sich so etwas wie die von Plato geschaute Weltintelligenz zu offenbaren -, der stoffbewegende Nous, die belebende Seele, die in verschiedenen Graden der Kraft jedem Atom innewohnt, im Stein verborgen liegt und sich erst im Menschen entschleiert. Auch die zur ausgehenden Republik beliebteste röm. Philosophenschule, die „Stoa“, sah die Welt als einen großen Organismus, beseelt von der göttlichen Weltvernunft („logos“). Gott war in ihrer pantheistischen Sicht in allem enthalten. Vornehmstes Ziel der Stoiker war Übereinstimmung der eigenen menschlichen Vernunft mit dem göttlichen Weltgesetz. Diese Schule zeigte also bereits deutliche monotheistische Tendenzen. Darin, die Verehrung des Allgottes durch das Bestreben die eigene Vernunft mit dem Logos in Harmonie zu bringen, bestand ganz wesentlich stoische Religion -, Weisheit galt als Zustand jener Übereinstimmung. Den für die christliche Ethik zentralen Begriff „Gewissen“ hat der religionserfindende Jude Saul-Paulus der Stoa entlehnt. Obwohl die Stoiker diesen einzigen Gott weiterhin mit Jupiter bezeichneten, hatte er mit dem altröm. Himmelsgott nichts gemein. Die ordnende Weltvernunft und die Welt galten nicht einmal als unsterblich, sondern waren - ähnlich wie die lenkenden Götter der „Edda“ (Vsp. 57) - selbst dem Untergang im periodischen Weltbrand, dem Urfeuer, geweiht.

Noch sind wir aber bei der Weltentstehung: Das hebrä. „Jezira“ spricht von geheimnisvollen 231 Toren „in einem Kreis wie eine Mauer“, die aus den 22 Konsonantenbuchstaben des hebrä. Alphabets gebildet werden. Sie stellen die 231 mathematisch möglichen Verbindungen zweier Buchstaben des Alphabets dar, wenn sich keine Kombination wiederholt: A und B werden beispielsweise also nur einmal verbunden, die Kombinationen AB und BA gelten als gleich. Die Rechnung wäre demnach: 22 X 21 = 462 : 2 = 231; 231 Buchstabenpaare bzw. 462 Buchstaben galten der kabbalistischen Schrift als geistige Ursubstanz aus der Er, Gott, die Welt erschuf. (Aryeh Kaplan, „Sefer Jezira“, Rita Ruther Verlag, 1994)

Die Quersumme von 231 ist 6 und von 462 ist es die 3. Was schien eigentlich an den Ziffern 6 und 3 so hochbedeutsam ?

Die 6 galt als „summus perfectus“, als ideale Gotteszahl und Symbolzahl des Alls und dessen Gegensatzvereinigung. Die älteste idg. Religionsurkunde, der „Rigveda“ 2, 27, nennt nur 6 höhere Götter, deren Zahl später auf 12 steigt und bald in ein Göttergewimmel auswuchert. In Zarathustras Religion gibt es 6 Gotteseigenschaften des „Weisen Herrn“, Ahura Mazdas (Yas-na 44): 1. das gute Denken, 2. die Wahrheit, 3. die Herrschaft, 4. die Fügsamkeit, 5. das Heilsein, 6. das Nicht-Sterben. Empedokles geht von insgesamt 6 Urgegebenheiten aus: „Feuer, Wasser, Erde und der Luft unendliche Höhe“. Dazu Liebe und Hass, die Anziehung und die Abstoßung. Das sind die Urkräfte, die, so wie sie uns Menschen bewegen, auch die Elemente beeinflussen.

Ebenso singen die Runen insbesondere das Loblied der Zahlen 24, 21, der 6, letztendlich aber der 3. Warum tun sie es, und wie tun sie es ?

24 besitzt QS (Quersumme) 6 und 21 führt über die „Theosophische Addition“ zur 6. Die 6 wurde Symbol für das All, weil es 6 Dimensionen gibt: Norden, Süden, Osten, Westen, Raumhöhe (Zenit) und Raumtiefe (Nadir). Deshalb spricht der „Rigveda“ (I. 67,5 u. I. 164,6) vom Urvater „Dyauspita, welcher als Handwerker den Erdboden und die 6 Welträume befestigt hat“. Und in Folgerichtigkeit der göttlichen Identität von Raum und Zeit heißt es im „Atharvaveda“ („Nrisinhapurvatapaniya-Up.“, 5,1): „Prajapati sprach: 6 Speichen hat jener große Kreis Sudarcanam [Sonnendiskus] und hat 6 Flächen. Denn 6 verschiedene Zeiten hat das Jahr.“ Das altind. Rundjahr wurde mit 360, also 6x60 Tagen gerechnet. Ganz ähnliche Vorstellungen pflegten die Altgermanen. Die bronzezeitliche prächtige goldene Sonnenscheibe aus Glüsing/Norderdithmarschen führt die 6 Speichen des Sonnenrades vor. Rund herum sind 26 Sonnenkreischen geordnet, zusammen mit dem Zentralkreis der Radnabe, sind es 27 (3X9).

Wie gesagt, die 6 galt in der Antike und besonders im neuplatonischen Weltsystem als vollkommene Zahl (griech. „arithmos teleios“, lat. „summus perfectus“), weil ihre Summe ihren Aliquoten (ohne Rest teilbaren) Teilen entspricht bzw. ihre Teilersummen gleich sind (einschließlich 1, ausschließlich der Zahl selbst). Sie bildet die Summe der ganzen Zahlen durch die sie selbst geteilt werden kann. Diese Definition geht mindestens zurück auf den griech. Mathematiker Euklid, der im 4. Jh. v.0 die „Elemente“, sein berühmtes Lehrbuch der Geometrie, verfasste. 6 hat die Teiler (Divisoren) 1, 2, 3; die Summe von 1+2+3 und das Produkt von 1x2x3 ergeben wieder 6, wodurch diese Zahl sowohl Summe wie auch Produkt ihrer Teile ist. (Julius Stenzel, „Zahl und Gestalt bei Platon und Aristoteles“, Darmstadt, 1959, 39) Solche Zahlen besitzen gewissermaßen einen Inhalt, der ihrem äußeren größten Wert entspricht; bei ihnen deckt sich Äußeres und Inneres. Da die 6 also ersichtlich aus 3 Kernteilen zusammengefügt ist, verweist sie unüberhörbar auf die Zahl 3, der noch verdichteteren (komprimierteren) Gotteszahl. Erst die Dreiheit: Gesetztes, Entgegengesetztes, Vermittlung („Thesis - Antithesis - Synthesis“) ergibt ein vollkommenes gedankliches Ganzes. Anfang, Mitte und Ende gehen von der Gottheit aus; so ordnete die Mystik vieler Völker ihr die 3-Zahl zu und entwickelte Triaden, „Dreifaltigkeiten“, wie schon im vedischen Altertum. Agni (Feuer), Vayu (Wind / Geistsonne), Surya (Sonne), später: Brahma, Vishnu, Shiva. Nach altnordisch-eddischem Zeugnis (Gylf. 5). Wodan, Wili, We (seelische Wallung, Wille, Weihtum). Den Pythagoräern galt die 3 als „Zahl des Alls“.

Die zahlengebundene Gott- und Welterkenntnis der Alten lautete also: Die Welt ist durch die 6 zu definieren und in deren Kern west die 3 als Gottes-Trinität.

Diese Gottesdreiheit ist in den diversen indogermaischen, ägyptischen und sumerisch-babylonischen Religionssystemen, wie auch in der späten paulinisch-christlichen Konstruktion offen ausgesprochen worden. Die Juden folgten dagegen streng der Ideenvorgabe des ägyptischen Ketzer-Pharao Echnaton mit seinem solaren Eingottglauben. Die andere Unterscheidung ist: der jüdische Gott schafft als personifizierter Schöpfer die Welt wie ein Werkstück, wie einen Tontopf, welcher vor ihm auf der Drehscheibe liegt. Der arische Gott ist hingegen mehr eine unpersönliche unfassbare Kraft, die selbst zu den Dingen der Welt wird, also als eine Art Antriebsenergie die dauernde Evolution bewirkt. Der Judengott schafft aus dem Werkmaterial der 231 möglichen Buchstabenpaare des 22 Zeichen umfassenden hebräischen Alphabets bzw. den 462 Buchstaben die Ideenwelt, aus der die Dingwelt abzuleiten ist.

In indogermanischen Systemen aber ist Gott selbst die Weltwerdekraft, die sich in den (ODING-) Buchstaben manifestiert. Dass Gott zur Welt wird, ist ein in indoeuropäischen Köpfen immer wieder aufs Neue erwachender, altarischer, gemeingermanischer und spätnordischer Gedanke, der in isländischer „Edda“ anklingt. Dort ist es Oðin-Wodin, der archetypische deutsch-germanische Volksgeist-Seelengott, welcher im Sturz aus dem kosmischen „Baum“ die runischen Ideenmuster der Schöpfung „findet“ und von Wort zu Wort, also von Plan zu Plan, mit der daraus erfolgenden schöpferischen Tat- an Tatreihung zur Dingwelt gedeiht (Havamal 139-142). Die gleiche Sprache theologischer Philosophie spricht das über tausend Jahre ältere, mithin älteste Zeugnis urgermanischen Denkens, der Runenring des ODING-Witod (ahd. wizzod = Gottesgesetz) des vermuteten Runenschöpfers Erul (aus dem 1. Jh. v. 0). Odin (Wodan/Wodin), der Ase (-Rune), der Ahnengeist mit dazugehörender Symbolziffer 21 erscheint als immanente Wirkkraft seiner Allschöpfung.

Der Runenkreis stellt diese Aussage in der einzig möglichen zahlenmythologischen Weise dar: Die arithmetische Summe von 21 beträgt 231. Die drei ersten Zahlen versinnbildlichen die Urschöpfung und ergeben in ihrer Quersumme 6, wie auch alle 24 geistigen Runen-Weltbausteine in ihrer Quersumme 6 erzielen, jene Ziffer, die die Raumtotale des Kosmos vertritt. Der germanische Gott Wodin galt demnach als Teilwesenheit und weltbewirkende Werdekraft des Alls, auch und im Besonderen des Menschen, was durch die zahlenmäßige Gleichwertigkeit des Gottesnamens und des Menschenbegriffes - nach ODING’scher Gematrie - unterstrichen wird: Mannaz (Urmensch) und Wodanaz (Geistgott) besitzen den gleichen ODING'schen-Zahlenwert.

Die gnostischen Zahlenkombinationen im kabbalistischen System des „Sefer Jezira“ und des runischen ODING sind gleich: Die 231 Buchstaben-Weltbausteine des Kosmos -, ob sie vom Judengott JAHWE als Werkmittel benutzt werden, oder ob sie im Weltwerdeprozess des germanischen Geist-Seelengottes, dem Asen WODIN, als symbolhafte Zahlenkraft sichtbar wird. Nach den alten Schriften - insbesondere der griechisch-ägyptischen Zauberpapyri des 1. Jh. nach Null - hat der jüdische Gott 72 Namen. Die 72 wurde zur Quersumme 9 addiert und stand somit für den griechischen 9. Buchstaben das „Th“, womit „Theos“, Gott gemeint war. Wenn wir unseren germanischen 24-er ODING-Runenkreis mit der hochheiligen 3 multiplizieren, ergäbe das 72 mit Quersumme 9. Die 9. ODING-Rune heißt „Sowilo“, „Sonne“. Dass der Runenkanon ein letztlich solarreligiöses System darstellt, ist auch durch naheliegendere Rechnungen erweisbar: Alle 24 Runen addiert, ergibt 300, also 3; die 3. ODING-Rune aber ist die ursprünglich sonnenring- oder auch sonnenrautenförmige Ing-Rune des Sonnen- und Wachstumsgeistes ahd. Ingo-Frô bzw. altn. Ingwi-Freyr.

Wenn wir die gnostische Arbeitsidee des hebräischen Schöpfungsbuches, des „Sefer Jezira“ zugrunde legen, also nicht von 22 Schriftzeichen, sondern von unseren 24 Runenbuchstaben ausgehen, dann ergäbe sich folgende Rechnung: 24X23=552:2=276. Dann stünden 276 paarige Runenkombinationen als Ideen- und Werdemuster der Schöpfung bereit, also 552 Runen insgesamt. Die Quersumme der 276 beträgt 15 bzw. 6, - wie könnte es anders sein ? Wieder entsteht die Zahl des Alls und folgerichtig die Summe der Runentotale unserer 24 Zeichen. Und die Kernzahl von 552 ist 12, was auf die 12. ODING-Rune, den gallo-germanischen Eiben-Weltenbaum hinweist. Der muss in weiterer Theosophischer Addition zur 3, der Kernzahl des Geistes und Gottesgeistes zusammenschrumpfen. Wir erleben mit dem 24-er Runensystem die gleichen Ergebnisse wie die Hebräer mit ihrem 22-er Konsonantenalphabet. Dieses Beispiel ist kein Einzelfall, es lassen sich weitere gleichlautende Zeugnisse beibringen. Wie ist dieses Phänomen zu verstehen und zu deuten ? Beide Schulen - das gallogermanische „ODING“ wie die hebräische „Kabbala“ - kommen aus der gleichen Zeit, also aus dem gleichen hellenistisch-gnostischen Bedürfnis- und Wissenstand. Die Gnosis war ja das Sammelbecken der vornehmlich indogermanischen, der persischen, indischen, griechischen, römischen und nordeuropäischen Gedankenflüsse -, freilich auch ebenso der sumerisch-babylonischen, ägyptischen und hebräischen Zugaben.

Aber, es war der Altmeister der Bibelexegese, der große Karl Gustav Adolf Harnack (1851-1930), der uns mitteilte: Die Gnosis war die erste Fundamentalkritik am Judentum. Am schärfsten drückte sich der antike gnostische Antijudaismus vielleicht in der Person des legendären Markion aus, der von der sich zunehmend judaisierenden römischen Christenheit verfolgt und schließlich gemeuchelt wurde. Eine Menge anderer Gnostiker distanzierten sich ebenso vom Judengott und seinen Anhängern. Hier ist nicht die Stelle den Gründen nachzugehen, die am Beginn unserer Zeitrechnung zu dieser breiten Abneigung führten. Es ist also ganz und gar nicht so, dass die Gnosis eine hauptsächlich jüdische und schließlich in mehreren Strängen ins Frühchristentum einmündende Geistesrichtung gewesen wäre. Aus dem gnostischen Sammelbecken erwuchsen - neben etlichen anderen Zweigen - das nationaljüdische Essenertum und das runische ODING-tum ebenso wie das kabbalistische Judentum und der alexandrinisch-römische Christianismus. Sie unterscheiden sich einmal durch die unterschiedliche Gewichtung ihrer gnostischen Zutaten und insbesondere durch ihre voneinander abweichenden Zielrichtungen. So wie damals steht auch heute und jetzt ein jeder vor der Frage, welchem der Pfade er sich anvertrauen mag, welchen er auf Redlichkeit und Wegetauglichkeit prüfen will.

Der Weg des Christentums wies und weist zunehmend in die Fremde und Verfremdung einer Selbstentwertung und schließlichen Selbstaufgabe. Das geistige Angebot des ODING hingegen mahnt zur Selbstfindung und -achtung. Es weist den Weg nach Hause in den beglückenden Bezirk der angestammten nordischen Seelenheimat. Das ODING raunt seit uralten Zeiten vom Geistgott des Nordens. Die heute nicht mehr zeitgemäß empfundene Frage lautete wohl einstmals an die Zuhörer der Runen-Parawaris: „Wessen Geistes bist Du, Zuhörer ? Bist Du ein Kind des Orients oder des mittelmeerischen Südens, oder bist Du von jener anderen Art für die die Runen geschaffen sind ? Erforsche Dich, Entscheide Dich !“

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