ODINGs SITTENGEBOT

 

 

Der Wert einer Religionsgemeinschaft, wie jeder gesellschaftsbildenden Ordnung, wird mit Recht zu allererst an ihrer Moral gemessen.

Wenn auch die Menschheit die historische Unwirksamkeit aller ihrer Moralsysteme eingestehen muss, so kann doch auch eine heutige Gesellschaft, wenn sie nicht zerfallen und zugrunde gehen will, nicht darauf verzichten, eine „Tafel der Werte“ aufzustellen, deren Forderungen zumindest von der starken Mehrheit ihrer Glieder freiwillig angenommen und dem widerstehenden Teil notfalls im Namen des Allgemeinwohles aufgenötigt werden darf.

Die von abendländischen Herrschern ihren Untertanen in der Regel aus realpolitischen Veranlassungen aufgezwungene christliche Religion - mitsamt deren Sittenkodex - brachte eine doppelte, deutlicher ge­sagt, verlogene Moral in die Seelen. Und dies nicht etwa deshalb, weil die „Gute Lehre Jesu“ von schlechten Gewalthabern missachtet worden wäre, vielmehr war die Doppelzüngigkeit ein wesentli­ches, bewusst eingesetztes Element christlicher Strategie seit Anbeginn.

In Evangelienstellen, wie z.B.: Mt. 10/14,15+34-36; 13/37-50; 15/13,14+24; Lk. 14/25,26; 19/27, Mk. 7/27, offenbart sich der vergöttlichte Zimmermannssohn „aus dem Hause David“ als würdiger Geistesspross des hebräischen Schreckenskönigs, welcher - wie kaum ein zweiter - in abgefeimtester Heuchelei eigenes Vor­teilsstreben, Raub, Massenmord und Schändung als von seinem Gotte Jahwe gewollt und abgesegnet erklärte. Reli­giös „berechtigte“ Unmenschlichkeiten gehören untrennbar zu den Wurzeln der wider­sprüchlichen judäo-christlichen Moraltraditionen, wie sie aus den diversen Bibeltexten herauszulesen sind. Die christ­lich-abendländische Gesittung dürfte angesichts dieser Ungeheuerlichkeiten keinesfalls als lobens- noch erhal­tenswert bezeichnet werden. Ein berechtigter Überlegenheitsanspruch gegenüber anderen Moralkulturen ist nicht erkennbar !

Das urgermanische ODINGsche Sittengesetz ist, mit Hilfe der ihm eigenen runischen Symbolsprache in seinen Grundzügen erschließbar. Wichtigste Aussage in diesem Zusammenhang ist die Gegenüber­stel­lung des Gottesbegriffes „Ase“ (Wodin) , auf 21. Stelle (21 = Quersumme 3) und dem folgen­den Begriff „Thurse“ (riesischer Unhold) auf Platz 22 (22 = Quersumme 4).

Es steht hier in offen­sicht­licher Gegnerschaft der runische Geistgott, der Ase Wodin, mit seiner mythischen Meister- und Son­nenzahl 21 bzw. heilvollen Gotteszahl 3, dem Großen Bösen, mit seiner Teufelszahl 22 bzw. der Ma­teriezahl 4 gegenüber - d.h. ethischer Anspruch widersteht bestialisch-materieller Weltgier.

Dieses dualistische Glaubenssystem, welches höchste sittliche An­sprüche an den einzelnen Menschen erhebt, ist aus der stammverwandten eranischen Zarathustra-Religion hinreichend bekannt, so dass wir aus deren Schrift­gut ("Awesta") Genaueres erfahren können.

Die Zahl 3 ist im ODING-Kult das zentrale Sinnbild für die gute Schöpfung; so befindet sich die Welt­baum-Rune, die „Eibe“ , auf 12. Position (12 = Quersumme 3) und die 3. Rune   gehört zur jünglingshaften Sonnen-, Liebes- und Fruchtbarkeitskraft Ingo-Fro/Ingvi-Freyr. Der urgermanische „Herr/Gott Ingo“ galt, wie die mittelalterlichen Quellen ausweisen, als strahlend heller, milder, güti­ger Geist. Von ihm heißt es in der "Edda" (Skirnismål 3): „Keines Mannes Frau und kein Mädchen kränkt er; und macht die Gefesselten frei“. Die mit ihm wesensmäßig gleichlautende Erscheinung ist der eddische Baldur. Auch er gilt als der Leuchtende, der Wunderschöne, der frei von allem Frevel ist. Der bedingungslos reine, solare Unschuldsgeist ist folgerichtig in Gestalt seines Sohnes Forseti, auch Richter-, Gerechtigkeits- und Versöhnungsgott. Die „gerechte“, über allen Menschenkindern gleichmäßig scheinende, milde (selten zu strenge) nordische Sonne lieferte unverkennbar die urzeit­liche Naturvorlage für die göttliche Metapher der ODING'schen 3-Zahl.

Somit kann uns ODING's Sit­tengesetz nicht mehr uner­gründbar erscheinen:

Das vorbildschenkende Ideelle, Reine, Geistgöttliche, Gute, Wahre, Schöne, steht wider das Trollhafte, Thursische, Unholde, Triebhaft-Böse, Lügendunkle, Stofflich-Ma­terielle.

Die kosmische Runenwelt in ihrer Heilsgesamtheit stammt aus dem Lichtwesen der Gottes-3, denn die Additionssumme aller 24 Runenbausteine ergibt 300, also 3. Der ernsthafte Runengläubige ist gehal­ten, dem ODINGschen Sittengebot, dem Lichtgesetz des Hellen, Reinen, Klaren, Wahrhaftigen, die Trugschatten Verjagenden, nachzueifern.

 

BILD: Die bildliche Vorstellung des Guten in menschlicher Symbolgestalt wurde unter kirchlichem Diktat von der idealisierten nordischen Männerschönheit auf den christlichen Kunstgott übertragen.