ODiNGs URSTOFF-LEHRE

 
 
Der Pythagoreer Empedokles von Agrigent (500 - 430 v.0) vermutete die Weltentstehung aus vier Urstoffen oder Elementen: Feuer, Wasser, Luft und Erde. Die stoffliche Vielfalt wird durch die Mischung dieser vier Grundstoffe erklärt, die stets alle miteinander, jeweils aber in unterschiedlichem Mischungsverhältnis am Aufbau der Dinge beteiligt sind - so dass sie einzig und allein über ihren wechselnden Anteil Zusammensetzung und Unterschiede der Materie bedingen.
 
Solch eine weitergereifte Verständnisweise muss auch dem ODiNG-Runenkonzept zugrunde liegen, denn es beinhaltet vier Urstoffzeichen an seinem Beginn, welche nach wohldurchdach­ten zahlenmythischen Regeln geordnet sind: 1. gebärendes Urelement Erde , 2. Urväter­liches Prinzip Luft , 3. männlich-geistige Wirkkraft Feuer , 4. weiblich-stoffliche Wirkkraft Wasser . Diese runische Urstoffolge ist aus Sicht einer mythologischen und gematrischen Genesis die verständigste und sinnvollste, welche sämtliche antiken Quellen ausweisen.

Nach Empedokles verfügt jedes Element über zwei Primärqualitäten. Die Erde ist kalt/troc­ken, Luft ist warm/feucht, Feuer ist warm/trocken, Wasser ist kalt/feucht. Durch die allge­mein angenommene (auch pythagoreische) Gleichsetzung von Makrokosmos und Mikro­kos­mos - also Parallelisierung von menschlicher Kleinwelt und kosmischer Großwelt sah man in der Menschwerdung etwas ähnliches wie beim Urzeugungsakt zwischen Erdmutter und Him­melsvater (griech. = Ge und Uranos; germ. Nerthus und Tuisto/Tiu).
 
So ist zu verstehen, dass hippokratische Ärzte jene urstoffliche Vierergruppe auch für die Er­klärung des Menschen durchsetzten, wobei sie den einzelnen Elementen je eine Körperflüssig­keit entsprechen ließen, die mit einem Organ in besonderer Beziehung steht. Erde korrespon­diert mit Schwarzer Galle/Milz, man verstand darunter die dunkle Milzpulpa (Melaina cholé), Luft = Blut/Herz (Sanguis), Feuer = Gelbe Galle/Leber (Cholé), Wasser = Schleim/Gehirn (Phlegma). Im Aufbau des menschlichen Lebens sind alle diese vier Säfte oder Humores in unterschiedlicher Weise beteiligt. Ihr Gesamt sollte ein ausgewogenes Mischungsverhältnis (Temperament) ergeben.
 
Die bis in die Neuzeit hinein gültige Konstitutionslehre basiert auf der Annahme, dass einer der vier Leibessäfte gegenüber den anderen dreien leicht überwog. Das Überwiegen der Schwarzen (dunklen) Galle ergibt den Melancholiker, den Traurigen. Überwiegen des Blutes führt zum Sanguiniker, dem Blutvollen. Überwiegen der Gelben (hellen) Galle bedingt den Choleriker, den Erregten. Überwiegen des Schleimes ruft den Phlegmatiker, den Trägen, her­vor.
 
Auch der planetarische Einfluss auf das werdende menschliche Leben ist bereits von antiken Autoren erwogen worden. Ebenso erblickte man im Tyrkreis (Tierkreis) die vier Grundtem­peramente: Erdzeichen (Stier, Jungfrau, Steinbock) = Melancholiker; Luftzeichen (Zwil­linge, Waage, Wassermann) = Sanguiniker; Feuerzeichen (Widder, Löwe, Schütze) = Choleriker; Wasserzeichen  (Krebs, Skorpion, Fisch) = Phlegmatiker. So sind die Runen in ihrer Betrachtung als Element- und Kalenderzeichen aussagekräftige Chiffren einer konkret fassbaren altgermanischen Buchstaben-Gnostik (Erkenntnislehre).

Das ODiNG-System basiert auf dem noch heute gebräuchlichen astrologischen Schema des Widderzeitalters. Die in der Graphik benutzen Begriffe der antiken Wandelsternkräfte (Plane­tengötter), Saturn, Jupiter, Mars, Venus, Merkur, Sonne, Mond sind durch germanische Ent­sprechungen zu ersetzen, z.B. Tui­sto/Mannaz, Donar/Thor, Tiu/Tyr, Wodin/Odin, So­wilo/Sol, Mane/Mani.

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