WAS IST DRAN AN HERMAN WIRTH ?

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WAS IST DRAN AN HERMAN WIRTH ?

 

Herman Wirth (1885-1981), so wie er sich offenbarte in vielen eindringlichen und wortgewaltigen Schriften, die uns mit einer Fülle von Informationen geradezu überschwemmen, und wie ich ihn kennenlernte, als der väterliche „Weise vom Berge“, war insgesamt eine wunderbare Erscheinung der deutsch-germanischen Volks- und Geistesgeschichte, für die wir gerne dankbar sein müssen. Er hat nicht allein Bücher von gewaltigem Umfang geschaffen, er hat auch Visionen, hat Träume geschenkt und das ist allemal das Größte was ein die Menschen liebender Mensch den Mitmenschen geben kann. Dass Herman Wirth einer der großen und tief Liebenden war, steht ganz außer Zweifel. Er liebte aus vollem Herzen das Volk als dessen Blutstropfen er sich empfand. Er liebte die Wissenschaftlichkeit als Ausdruck eines vornehmen Menschentums und er liebte den Wert des Fraulichen und die Idee des Mütterlichen im Privaten und bis in die Überhöhung der Religion, er war zutiefst ein Friedenswilliger, alles Martialische war seiner Wesensart fremd. Damit hat er seinen Lesern und Zuhörern das seelische Bild einer schöneren, feineren Welt ins Gemüt gesenkt, die wir auf seinen Wegen gewinnen könnten. Ja, er wollte neue Wege zeigen, er empfand sich unzweifelhaft als Begründer einer besseren Religiosität. So habe ich ihn verstanden, so habe ich „Vater Wirth“ geschätzt.

Wer aber einen Mentor ernst nimmt und seine Denkangebote, der prüft sie auch. Und wer Herman Wirths Konzeptionen mitsamt den dazugehörenden argumentativen Erläuterungen kompetent nachprüft, gelangt zur ernüchternden Einsicht, dass die weitreichenden Entwürfe des Altmeisters zwar von grandioser, intuitiv wahrer Natur sind, jedoch deren Ausdeutungsmodelle so nicht zutreffen und die einzelnen Bausteine im Gebäude als wenig hilfreich oder sogar als untauglich erkannt werden müssen.

 

HERMAN WIRTHS RING DES KULTISCHEN JAHRES

Tafel 1

Auch das von H. Wirths eigener Hand gezeichnete differierende altgläubige und christliche Jahresschema könnte prinzipiell dergestalt begriffen werden, doch hier beginnt, beim vorgeführten urepigraphischen  Instrumentarium, das Wunschdenken des Deuters. H. Wirths Arbeitsziel war es ja, die „Heilige Urschrift der Menschheit“ kennenzulernen und sein Anspruch bestand darin, sie seinem Publikum - mitsamt seiner darin erkannten Religion - überzeugend zu erklären. Weder ist es gelungen, eine die unterschiedlichen Kulturkreise der „Menschheit“ allumfassende „Heilige Urschrift“ zu erkennen, noch ist es möglich geworden, eine einfache prinzipielle Jahreslauf-Symbolik im Sinne H. Wirths beweisbar zu machen. Es gibt sie nicht, die simple Schemata der emporgereckten oder gesenkten Ärmchen der Jahrgott-Chiffre. Das wäre zu einfach, zu schön gewesen. Das Denkmälermaterial gibt das nicht her, in der Realität findet sich keine solche Regel der Darstellungsweise, weder im Altbildnis-Fundus der Völker, noch in jenem Europas oder des europäischen Nordens. Das System war zu bestechend einleuchtend, H. Wirth konnte sich davon nie verabschieden und so griff er - um es trotzdem für sein Publikum scheinbeweisbar zu machen - zu manchen unakzeptablen Unkorrektheiten. Daraus rührt meine persönliche Irritation, der Widerspruch zwischen meinem Eindruck den der Mensch Herman Wirth bei mir hinterlassen hat und dem Werkbefund ist nicht in harmonische Übereinstimmung zu bringen, ist kaum rationell und emotionell überbrückbar.

Tafel 2

Mit der Graphik „Der Jahreslauf des Gottessohnes, der Träger des ,Lichtes der Lande’“ hat H.W. eine so einprägsame urepigraphische Übersichtstafel geschaffen, dass man ihn hinsichtlich seiner zeichnerischen Leistungen bestätigen kann, leider entspringt die zugrunde liegende Idee allein der Vorstellungskraft des H. Wirth. Das Fatale ist, dass er derart eingesponnen war von seiner fix und fertigen Geistgeburt - lange bevor er die Quellen, also in der Hauptsache die nordischen Felsbilder selbst in Augenschein nehmen durfte - dass er die Realitäten daneben nicht mehr gelten lassen mochte. So kam es auch, dass er das wahre nordische Jahresschema, welches in den bronzezeitlich-skandinavischen Felsbildern sehr wohl vorhanden ist - als nicht der Rede wert erachtet hat, entweder achtlos daran vorbei ging, oder sogar bewusst verschwieg -, verschweigen musste, denn es widersprach seiner geheiligten falschen Theorie, die er zum Fundament aller seiner Werke machte.

Tafel 3

Mit der „Texttafel X“ (hier Nr. 3) aus „Der Aufgang der Menschheit“ demonstriert H.W. seine runische Einordnung ins Sonnenjahr. Im Text darunter heißt es: „Darstellung der ,langen Runenreihe’ (,Futhark’) als ursprüngliche Folge der Monatszeichen des nordatlantischen Gesichtskreissonnenjahres. Oben - die ,lange Runenreihe', rechtsläufig geschrieben; … in der Mitte - das Schema des achtfach geteilten Gesichtskreises mit den sinnbildlichen atlantisch-nordischen Farben der Himmelsrichtungen und Jahreszeiten sowie ihrer vokalischen Werte. Ringsherum die ,lange Runenreihe’ und die wichtigen Wechselformen ihrer Zeichen.“

Wir sehen, dass im rechten Lichtzunahme-Halbjahr keineswegs die Runen mit aufwärts gerecken Ärmchen den linksseitigen Runen der absteigenden Jahreshälfte gegenüber stehen, wie H.W. das in seiner Schautafel „Der Jahreslauf des Gottessohnes“ (hier Nr. 2) darüber angegeben hat. Dieses vermutete Prinzip kann mithin nicht zutreffend sein. Es kann schon deshalb nicht stimmen, weil das Himmelsgott-Zeichen des Tius-Tyr, die t-Rune (), im Frühjahr die „Arme“ gesenkt hält --; darüber hinaus jedoch ein völlig anderes Bildkürzel (Hieroglyphe) meint, nämlich das Prinzip der Welterhaltung, der Irminsul mit Säule und dem darüber befindlichen, von ihr getragenen Himmels-Dach (Himmels-Wölbung). Schon in der „Linea B“-Silbenschrift der altgriechischen Mykener taucht dieses Zeichen als „Ti / Di“, mit spitzem, gerundetem oder waagerechtem „Dach“ auf, offensichtlich für den indogerm. Himmels-Tageslichtgott Di / Dios / Zeus / Diēspiter.


Indem H.W. irrtümlich die rechtsläufige Runenfolge ins Sonnenjahr einzugliedern  versuchte, geschah es, dass typische Frühlingszeichen, wie , ,  auf die absteigende Jahreshälfte zu stehen kommen und typische Herbstzeichen, wie  , , auf die Frühlingsperiode. Die einzige Rune welche zum Jahresbeginn die „Arme“ erhebt, ist die Vieh- bzw. f-Rune , doch hierbei handelt es sich um die Hörner des Rindes. -- H.W. erwähnt selbst im Fußnotentext zu Tafel 3 „die ältere linksläufige Schreibung“ der Runenreihe, doch er berücksichtigte sie nicht für sein Jahresschema, so dass sein gesamtes Konzept Schiffbruch erleiden musste, bzw. in sich voller Widersprüche blieb. Die Vorstellung von der Aussagekraft der Zeichen mit erhobenen und gesenkten Runen-„Ärmchen“ war nichts als eine fixe Idee.

 

 

 

Das Original (Bohuslän / Tanum / Ryland) und mein Papierhandabrieb von einem der informativsten nordischen Felsbilder der Bronzezeit zum Verständnis des Jahres. Es haben H.Wirth und andere Forscher dieses hervorragende Quellenzeugnis in seiner Bedeutung nicht erkannt. Auch Karl Schneider versteht den Charakter des Felsbildes nicht im vollen Umfang, er sieht in den Doppelspiralen, in Schiff, Pferd und den beiden spiegelbildlich Kopf an Kopf stehenden männlichen Figuren, allein die beiden jugendlichen Götter der Dioskuren bzw. der Alcis („Die germanischen Runennamen“, 1956, S. 352 f), wobei ihm beizupflichten ist, jedoch im Verständnisrahmen der Jahresbegrifflichkeit. Die Ryland-Ritzung zeigt den Jahrgott, dessen beide Arme bzw. Jahreshälften, nämlich die Sinnbilder des Frühjahrens (Pferd) und des Herbstes (Kahn) umfangen. Noch in der rechtsbeginnenden Runensystematik des ODING stehen das Pferd (Rune e = ehu ) unmittelbar vor der Frühlingsgleiche (23. März) und die Rune des Totenschiffes (Rune k = kano ) exakt in der Herbstgleiche (23. September). - Die Nord-Süd-Achse des Jahres wird von den Runen o = odal zur Wintersonnwende und der Rune j = jera zur Sommersonnenwende, dem Zeichen für die Jahresteilung, bestimmt.

 

DAS ALTNORDISCHE JAHRESKONZEPT

j-Rune = sommersonnwendliche Jahresteilung

k-Rune = Kahn /Schiff    e-Rune = Frühlings-Ross

o-Rune = Schlingenzeichen des wintersonnenwendlichen Jahresbeginnes

 

Die e-Rune als frühjährliches Ross-Symbol

Die Ross-Rune steht im ODING-Runen-Jahrweiser unmittelbar vor der Frühlingsgleiche (23.03) , was mit der nordischen Mythentradion völlig übereinstimmt, denn das Ross bringt als Sonnen-Zutier auch das Jahreslicht herauf. Das ags. Runenlied erklärt zum 6. ODING-Futhark-Sinnbild: „Pferd ist vor den Menschen der Edelinge Freude, Ross auf Hufen stolz, wo unter­einander deshalb mäch­tige Männer Worte über es wechseln; und den Rast­lo­sen ist es immer ein Trost.“ Das wanderfrohe Tier wurde zum ge­schätzten Gefährten und Ver­trau­ten des Menschen. Rasch war das Ross, gleich Sonne und Zeit. Der bronzezeitl. Kultwagen von Trundholm/­Dänemark zeigt das Ross als Zugtier der Son­nen­schei­be. Zeitgleiche oder noch frühere Felsritzungen Skandinaviens (Balken / Ta­num / Schweden) und Rasiermesser­ver­zie­rungen bringen dasselbe Motiv. Das Ross gelangte als Tier der Sonnenbe­förderung ebenso zur Abbil­dung wie als Allross und Verkörperung der sich ewig weiterdrehenden Jahre bzw. der Zeit (Insel Tjörn, Svanrik Upesgard/Schweden. Der mythische Hengst ist „so wert gleich dem ge­samten All“, belehrt uns der Veda. Es ist urver­wand­ter indogerm. Geist, der sowohl die Sakralkunst des europäischen Nordens wie die altind. Schriften durch­zieht: „Aus Sonne ist das Pferd geschaf­fen“, erklärt der Rig­veda (1.163,2). „Die Sonne ist das unsterbliche Ross, das gut zie­hende“ (dto. 9.9,6). Sie ist „das weiße Ross, das hurtigste“ (Atharvaveda 20.153,8). Im Monat Phalguna (Fe­bru­ar-März) geschah im Altin­d. die vorbereitende Weihe des Asvame­dha, des Ros­s­opfers. Es war hochheilig, ja gera­dezu von kosmischer Be­deutung. Nach einem Jahr in sorgsam gehüteter Freiheit, wurde mit ge­präng­ereichem Ritus das Opfer im gleichen Monat vollzogen. Densel­ben Festtermin gibt das ODING an. Ver­anstalten durfte dieses Hochopfer nur ein Her­rscher, der, wie Ri­tualtexte aussagen, dadurch die Erreichung seiner höch­sten Wün­sche, Wohlfahrt und insbesondere Fruchtbarkeit seines Reiches anstrebte. Es heißt: „Königsmacht verschaffe uns das Ross, das von Opferspen­den begleitet ist.“ (Rigveda 1.162,22). Das steinkupferzeitliche Opfer eines jungen Pferdes wurde aus dem Schlamm des Ullstorpsa bei Ingelstad / Schonen / Schweden gehoben. In der Naht zwischen den Scheitelbeinen steckte ein Steindolch (Georg Wilke, „Kulturbeziehungen zwischen Indien, Orient und Europa“, 1913, S. 123) Bis ins Mittelalter reichen die Funde von Opferbestattungen; bei Quedlinburg fand man eine Opfergrube aus dem 8. Jh. mit zwei Pferden und zwei Hunden; ein Pferd trug ein kleine Glocke um den Hals. (Detlev Ellmers, „Zur Ikonographie nord. Goldbrakteaten“, 1972, S.242). Den Sonnenhengst schaute man zusätzlich im verstirnten Bild, des etwa zeitglei­chen heliakischen Pegasos-Aufganges. Die alten astrologischen Texte, die ins 2. bis 3. Jh. v.0 verweisen, enthalten neben dem rein astro­nomi­schen Terminus Equus („Pferd“), auch den mythischen Namen „Pe­gasus“ ne­beneinander. Der röm. Astrologe Mani­lius beschrieb die „Hälfte eines Pferdes, das zwei Flügel hat“. Und schon der griech. Dichter Aratos (270 v.0) erwähnte „das heilige Ross“ als Sternbild insbeson­dere des Fische-Monats: „Nun kommt der Wassermann hervor bis an die Lenden, des Rosses Huf' und Haupt weiß er her­aufzuwenden, und wie es springt, das Ross, vom Fische­paar beiderseits umspielt, streift an sein Haupt - du sahst es wohl bereits - des Wassermannes Hand, die rechte.“ Es gibt also genügend Gründe, das Ross zweifellos auch als nordisches Frühlingszeichen zu verstehen.

 

Die k-Rune als herbstliches Schiffs-Symbol

Für die ursprünglichen antiken Runennamen gibt es keine unmittelbare Überlieferung, wir sind auf relativ späte, mittelalterliche Quellen der Runengedichte angewiesen, die sich auf das verkürzte skandinavische und das verlängerte angelsächsische Futhark beziehen. Durch Vergleiche dieser Quellen lassen sich die echtheidnischen Namen für die Buchstaben des Ur-Futhark erschließen. Für die k-Rune muss der heidische Begriff zusammengedacht werden aus agls. cén = Kienfackel, got. chozma = Geschwür, altnord. kaun = Geschwür. Die zusammenstimmende Mehrdeutigkeit der Runen darf nie aus den Augen verloren werden. Da die k-Rune in der Herbstgleiche, also zum Beginn der Lichtarbeit steht, ist der Begriff „Kienspan / Fackel“ höchst verständlich, ebenso „Geschwür“, denn die Dunkelheit beginnt wie eine Krankheit am Lichtleib des Jahres zu schwären. Das altnorwegische Runenlied sagt dazu: „Kaun ist der Kinder Verderben; Unglück macht den Mann bleich“ und die altisländischen Verse steuern zum tieferen Verständnis bei: „Kaun ist der Kinder Unglück und des Unglücks Weg und des toten Fleisches Haus.“ Das „Haus des toten Fleisches“ war in der alten Ur-Runenzeit aber nicht ein Sarg, vielmehr im erwünschten Idealfalle ein Schiff der Leichenverbrennung. Wer sich kein Schiff leisten konnte, ließ von seiner Sippe zumindest eine Steinsetzung in Schiffsform um seinen Urnenhügel gestalten. Es ist von gelehrter Seite kombiniert worden, die Rune müsste sich auf ein urgerm. kano beziehen, denn die überlieferten Runenstrophen würden auf die alte Form des Schiffsbegräbnisses hinweisen. (Wolfgang Jungandreas, „Die germanische Runenreihe und ihre Bedeutung“, in: ZfdPh 60 (1935), S. 105-121). Auch der Runenforscher Helmut Arntz, („Handbuch der Runenkunde“, Bd. 1, 1935, 197 ff) hält diese Grundbedeutung „Schiff / Nachen“ für richtig, sieht aber darin auf Grund religionsgeschichtlicher Erwägungen nur ein Symbol, das auf die Erdgöttin Nerthus hinweist.

 

Abb. 1    Abb. 2

Auch anhand dieser Demonstration von runenkalendarischen Stimmigkeiten ist zu erkennen, dass die urrunische Kalendersymbolik des ODING aus einem nordischen Urverständnis der Jahresorganisation erwachsen ist. Das Sinnbild der Spirale und Doppelspirale gehören unbedingt dazu, gewissermaßen als Heilsmetapher des ewigen Umschwunges einer beständigen Wiederkehr. Im Doppelspiralbild der Abb. 1 (Hof Bardal, Breitstadfjord, Nord-Tröndelag, Norwegen) ist sogar allerdeutlichst der Hin- und Rücklauf des Sonnenweges gezeichnet, so dass wir hinsichtlich des Jahres- bzw. Zeitsinnbildes sicher sein dürfen. Die Doppelspirale ist auch in anderen Kulturen als Sinnzeichen nicht unbekannt, so finden wir sie beispielsweise im Schoßdreieck einer weiblichen Tonfigur aus einen thrakischen Grabhügel bei Phillippopel. Damit ist ihr Zusammenhang mit dem Ursprung des Leben, mit dem Werden und Vergehen aus der Großen Mutter anzunehmen. Doch so weitrechend dieses Sinnzeichen auch Ausdeutung erfahren haben mag, im Norden ist es in erster Line ein markanter Ausdruck der kalendarischen Jahressystematik.

 

Zum Vergleich kurzbeinige Pferdedarstellungen aus der jungpaläolithischen Grotte von Lascaux / Frankreich.

 

Jungpaläolithische Pferdebilder aus der Höhle von Les Combarelles / Frankreich

Dazu schreibt H. Wirth in „Aufgang der Menschheit“ (S. 17) so treffend: „Diese Offenbarung Gottes des Weltgeistes durch seinen Sohn in Zeit und Raum ist das ,Jahr Gottes’, die ,Drehung’, das ,Recht’. Auf diesem Gesetz des ewigen Wandels, des ewigen Wiederkehrens, des Entstehens, Vergehens und Wiedergeborenwerdens, beruht die sittliche Weltordnung. Der ,Gottessohn’ trägt das Himmelslicht, das ,Licht der Lande’: die Sonne ist nicht er selbst, sondern nur seine substantielle Offenbarung als Licht, Feuer, Wärme, als Leben erweckendes Prinzip.“ - Einen großen anheimelnden, beglückenden Offenbarungseindruck erzeugt der Meister der Visionen, doch H. Wirth hat in seinem „Aufgang“ mit nicht einer Abbildung das so immens wichtige nordische Leitsymbol der Doppelspirale berücksichtigt, er hat, obwohl er selbst davon sprach, dass die rechtsbeginnende Futhark-Reihung die „ältere linksläufige Schreibung“ sei, diese nicht erforscht und bearbeitet, wodurch er ein untaugliches System zur ungedeihlichen Grundlage seiner Bemühungen machte. Ohne tieferes Verständnis spricht er in „Heilige Urschrift der Menschheit“, Bildband, S. 61 von „Der Gottessohn in der ,Wurmlage’“ und „Der Aufsteigende: der seine Arme Hebende“ und durchschaut nicht, dass es sich bei dem „Aufsteigenden“ um nichts anderes handelt als um die alte Gebetsstellung, die sog. Adoranten-Körperhaltung, nicht aber um einen bedeutsamen Gestus von kalendarischer Aussagekraft. Abschließend ist zu sagen: Wer Herman Wirths Schriften nicht als fundamentales Evangelium betrachtet, zu seinen Auslassungen eine kritische Distanz bewahren kann, seine beigebrachten Quellenzeugnisse mit Vorsicht genießt, dazu auch die neueren philologischen und archäologischen Erkenntnisse berücksichtigt, insbesondere die kalendarische ODING-Runen-Decodierung ergänzend und korrigierend hinzuzuschauen versteht, dem können noch heute die Texte H. Wirths als Bereicherung seines Horizontes empfohlen werden.

 

 
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