ODING und ASTRO-TYR-KREIS

Copyright © Gerhard Hess - 1987

 

ODING und TYR-KREIS UND ASTRO-MEDIZIN

(Der Aufsatz erschien erstmalig in „Pen-Dragon“ - Herbstmond 1987)

 

Eine mich faszinierende Ahnung, dass die gemeingermanische Runenreihe als Kalenderzeichenfolge erklärt werden könnte - weshalb ich seit 1982 einen ununterbrochenen Weg durch die Literatur auf der Suche nach Bestätigung antrat - ist, wie ich sehr spät erst erfuhr, weder gewagt noch historisch unbegründet, wie ich anfangs glaubte, vielmehr machte schon die hellenische Sterndeutung sehr früh Gebrauch davon, die zwölf Tierkreiszeichen mit je zwei Buchstaben zu bezeichnen, ja vereinzelt verfuhr man bereits im gleichen Sinne mit den Monaten. 1 Ich eröffnete damit ein völlig neues Wissenschaftsfeld: Die realesoterisch-mythologische Dimension der Ur-Runenreihe.

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Stets hat der menschliche Geist versucht, die Geheimnisse seiner Welt zu hinterschauen, wie es der mittelalterliche Holzschnitt (Abb. 2) verbildlicht. Dass er sich dabei der Buchstabenreihe bedienen könne, weil in sie „die ganze Fülle und Vollendung der Wahrheit" hineingelegt sei, diesen Standpunkt vertraten gnostische Lehren Anfang des 2. Jahrhunderts. 3 Doch schon die ältere hellenistische Mystik glaubte die Weltgesamtheit in ihren 24 Alphabet-Zeichen eingebunden. „Die gesamte antike Buchstaben- und Zahlenmystik sowie die mit dieser vielfach verbundene Zeitenmystik trägt letzten Endes kosmischen Charakter.“ 4

 

Der Gedankenaustausch zwischen den Kulturen war zu allen Zeiten rege. Die Ströme der südwärts ziehenden Nordvölker - in der Urnenfelder- und Seevölkerbewegung - brachte starke dauerhafte Impulse in die Apennin- und Balkanhalbinsel, ebenso in den Vorderen Orient. Auch der Norden war Nutznießer durch Neuerungen aus dem Süden. Ebenso wie der ekstatische Kult der schrifterfindenden Gottheit der Germanen manche Anregungen aus der mediterranen Antike empfing, so verband auch der Schöpfer der germanischen Runenschrift Teile des uralten nordeuropäischen Sinnzeichenbestandes mit den Ideen griechischen Schriftdenkens. 5 Buchstaben als Zahlzeichen und Symbole für die Abschnitte des Sonnenjahres zu nutzen, gehörte zum alten Schriftverständnis, das bei der Erschaffung der Runenreihe nicht ohne Einfluss geblieben sein kann. Wenn wir die Reihe kosmischer Sinnzeichen notwendigerweise zum Kreis zusammenrunden, so erheben sich die beiden Fragen: Mit welchem Ende beginnt die Lesung, und auf welcher Jahreszeit liegt dieser Beginn ?

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Wir haben überzeugende Gründe, anzunehmen, dass die Runen als Kalenderreihe linksläufig gelesen wurden, welche folglich nach den drei Anfangsbuchstaben „O-D-ING“ zu benennen ist. Ebenso schwerwiegende Argumente veranlassen uns, den Jahresanfang in der Wintersonnenwende - im tiefsten Lichtstand von Sonne und Mond - zu vermuten. 7 Also konkret auf einem Schwarzmond auf - oder nahe - an der Wintersonnenwende. Der Sonnenjahr-Runenkombination fügten wir die bekannte Grafik des „Kosmischen Menschen“ hinzu und erhalten somit eine dritte Bezugsdimension. Ihren Beginn nimmt die Runenreihe mit dem Zeichen  zum Wintersolstitium etwa um die Mitte des heutigen Dezember im Sternbild des Schützen. Die Runenzeichen sind auf Anfang und Mitte der Monate gestellt; dadurch kommen zwangsläufig jeweils zwei Runen auf ein Sternbildsymbol. Die Grafik zeigt mithin, welche Runen mit welchen Sternbildern und Körperteilen korrespondieren (Abb. 1). Ein sehr altes Vorstellungsbild aus der Geistesgeschichte, welches die Gleichheit von Organisationsformen der großen wie der kleinen Welt lehrte, wird von der modernen Naturwissenschaft prinzipiell bestätigt. Ebenso wie die kleinsten Bausteine der Atome - auch jene des menschlichen Körpers - beschaffen sind, so ist auch die große Ordnung des Sonnensystems gefügt. Die Anhänger des Pythagoras glaubten, Gesetz und Zahl der der gesamten Erscheinungswelt innewohnenden Harmonie ergründen zu können. Führende theoretische Physiker und philosophische Mathematiker unserer Zeit bewegen sich mit ihren Betrachtungsweisen im Grunde noch heute im Pythagoreismus. 8

 

Theophrastus Paracelsus von Hohenheim (1493- 1541) vertrat in seinem Werke „Philosophia ad Atheniensis“, dass die Natur als Ganzes eine Einheit sei, trotz voneinander abweichender Erscheinungen. Alle Dinge im Universum seien aufs innigste miteinander verbunden und verwandt;- alle wirkten geistig, seelisch und körperlich aufeinander ein. „Und es ist eine große Wahrheit ..., dass es nichts im Himmel oder auf Erden gibt, das nicht auch im Menschen vorhanden ist; - und Gott, der im Himmel ist, ist auch im Menschen.“ - Das Weltall ist der Makrokosmos, der Mensch der Mikrokosmos; beide sind wesentlich eins, in beiden ist alles enthalten. Dies ist schon in der indogermanischen Lehre der Veden und besonders in der „Bhagavad Gita“ vortrefflich erklärt. 9 Ebenso scheint auch für die vorderasiatische Religionsgeschichte der Analogieschlusss unendlich bedeutsam geworden zu sein, dass der Mensch als Mikrokosmos teilhat am Geschick des Makrokosmos, des „Himmelsmannes“. 10

15 - Abb. 4

15 - Abb. 4a

Das antike Symbol für die Denkweise der Zusammengehörigkeit durch das Unterworfensein unter ein einziges Weltgesetz war das Pentagramm, der Fünfstern. Es ist das Zeichen für Mensch und Kosmos; denn aus fünf Elementen dachte man sich das All geschaffen: Feuer, Wasser, Luft, Erde und die „Quinta essentia“, den Äther, als eigentlichen Lebensträger. 11 (Abb. 5)

 

Diese Gleichung, Makrokosmos = Mikrokosmos, liegt der antiken Betrachtung zugrunde, welche die Tierkreiszeichen als Strecken der zwölfgeteilten kosmischen Ganzheit den verschiedenen Regionen des menschlichen Körpers zuwies. 13 Der Mensch galt nach Gotte Ebenbild geschaffen, und Gott ist das All. So wie im Sternbild des Widder, dem Frühlings-Äquinoctium, die Jahreshelligkeit beginnt, - mit welcher einst in Urtagen die Gottheit dem Chaos der Finsternismächte ein Ende setzte - so beginnt auch die mikrokosmische Ordnung der Sternzeichen mit dem Widder beim menschlichen Kopf. Denn durch die Vernunft als Produkt des Großhirns begann auch die Organisation der Menschenwelt. Am Ende des Tierkreises stehen die Fische mit ihren Bezügen zu den Füßen; - beide Symbole stehen für das erdhafte Prinzip mit starken Tendenzen zur sexuellen Sphäre. Der Fisch galt den Alten als Fruchtbarkeitssymbol. 14 (Abb. 4)

12 - Abb. 5

Die dazugehörenden Runenzeichen entsprechen exakt der Erwartung:  = Himmelsvater Gott, Tiwaz, altnord. Tyr, ahd. Ziu = Widder = Kopf = Geist.  = Erdmutter (Birke ist germ. Synonym für weibliche Gottheit) = Fische = Füße = Fruchtbarkeit. Kopf und Fuß, Gott und Göttin, Himmel und Erde, Geist und Körper =   16 Über die einzelnen dazwischen liegenden Positionen stelle ich dem Leser anheim, seine eigenen Betrachtungen anzustellen.

 

Wenn die menschlichen Körperteile und Organgruppen mit bestimmten Sternbildern und mithin Jahreszeiten kommuniziere so lag es nahe, medizinische Behandlungen dieser Teile auf jene Zeiten zu verlegen, in denen positive kosmische Einflüsse erwartet wurden. In den „Tierkreismännern“, die in keinem mittelalterlichen Bauernkalender fehlen durften, hat sich die Betrachtungsweise jener astrologischen Medizi niedergeschlagen. (Abb. 4) Man sah im Kalender nach dem Zeichen, in dem die Sonne stand, und wählte dann als Applikationsgebiet der vielgenutzten Therapien des Aderlasses oder des Schröpfens jenen vom jeweiligen Tierkreiszeichen beherrschten Körperteil. Aber man war dabei vorsichtig, denn stand der Mond gerade im gleichen Zeichen, so wurde gewartet, bis er es verlassen hatte (er benötigt 2 + 1/2 Tage zum Durchlaufen eines Zeichens) 17

 

Es entsprach den Tierkreisbildern: Widder  Kopf; Stier = Hals und Nacken; Zwillinge = Arme, Hände, Lunge; Krebs = Magen; Löwe = Herz, Brustwirbelsäule, Sonnengeflecht; Jungfrau = Eingeweide; Waage = Hüften, Nieren, Uterus; Skorpion = Genitalien; Schütze = Oberschenkel, Steinbock = Knie, Wassermann = Unterschenkel, Fische = Fuße 18 Schon im griechisch-ägyptischen Kulturmilieu der beiden Jahrhunderte vor der Zeitwen- de waren diese Zuordnungen bekannt; sie sollten von den esoterischen Weisheitslehren des „Hermes Trismegistus“, dem Dreimalgrößten, herrühren, der durch ein Ineinander- aufgehen vom altägyptischen Mondgott Thot / Theut mit dem griechischen Hermes erwachsen war. 19 Die Mysterienkulte des Weisheitslehrers, dem Erfinder der Schrift, dem göttlichen Arzt befruchteten die germanische Wodanreligion, deren Zentralgestalt nach antiker Auffassung dem Hermes/Merkur inhaltlich entsprach. Auch Wodan/Wodin/Odin galt als Schrifterfinder und Beherrscher des Heilzaubers  20

 

Da Runenmagie und Heilzauber die elementarsten Rollen im Wodankult spielten, so wäre es abstrus, wollte man annehmen, hier habe es keine Verknüpfungen gegeben. Um die Runenheilung anwenden zu können, muss man freilich mit der Schutz-Zauberkraft der Zeichen - im späteren Island varnargaldur genannt - vertraut sein. 21 Noch im 17. Jahrhundert lebte die Kenntnis der Runen im isländischen Volke fort, welches sorgfältig zwischen Bücherrunen, also Schreibrunen, und Zauberrunen unterschied. Aus der isländischen „Edda“ erfahren wir, dass die Rune „nauð“ =  gegen vergiftetes Getränk schirmte. 22 Diese Angabe wundert uns beim Blick auf Abb. 1 nicht im Geringsten, da doch diese Rune in Beziehung steht zum Sternbild Krebs mit Wirkung auf den Magen. Da eine Erklärung sämtlicher Positionen den Rahmen dieser knappen Arbeit sprengen würde, beschränken wir uns auf zwei weitere Stichproben: Der 11. Monat, der November, der Nebelmond, steht in seiner Düsternis, in der sich die Natur bzw. sinnbildlich der Jahrgott / Sonnengott zum Sterben neigt, ganz natürlich unter dem Sternbild des Skorpion, welcher den Alten als Synonym für die Macht des Bösen - des Teufels - galt. 23 Er, der „Große Schädiger", welcher den Jahresstier, die personifizierte Zeugungskraft, entmannt  24, wurde in der germanischen Religion im „Eiskalten Riesen“, im Winter-Thursen = der die Erde mit dem Schlafdorn schlägt, geschaut. Unverständlicher hingegen wird zuerst einmal die Sinnverknüpfung des Sternbildes Steinbock mit den Knien und den Runen  / erscheinen. Doch in den Knien konzentriert sich das Sinnbild des Kletterns, Springens und Laufens. Die Ing-Rune   ist die Hieroglyphe des jugendlichen Ingvi-Freyr, des germanischen Sonnenheros, der aufgrund seiner Placierung im Januar sehr wohl zu allererst ein Läufer, Springer und Kletterer sein muss, bis er seinen Sonnengipfelpunkt zur Sommersonnenwende erreicht hat. Selbst in seinem Namen Freyr / Frö aus der indogerm. Wurzel preu „springen“, ebenso wie anord. frãr „schnell“, mengl. frow = „eilig", altfries. frõ „freudig“, auch Frosch Hüpfer" liegen die Sinnbeziehungen zum froh-hüpfenden, rennenden Sonnenläufer klar zutage. 25 So dürfte der Sinnzusammenhang: Januar - Steinbock - Ingvi-Freyr - Sonnenheld - Knie eine hinlängliche Erklärung gefunden haben; denn die frühjährlichen Sonnensprünge nach Norden hin schienen den Alten wohl allein mit gesunden Kniegelenken denkbar. So finden sich etliche antike und mittelalterliche Darstellungen der Sonne mit Betonung ihres raschen Laufes durch Beigebung von drei oder vier Beinen. Trifos und Swastika gehören in diesen Verständnisrahmen. (Abb. 6)

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Diese Beispiele sollen genügen, um zu erkennen, dass der Schöpfer der gemeingermanischen Runenreihe eine kosmische Sinnzeichenkette konstruierte, welche folgerichtig nur als Kreis zu verstehen ist. Der Sonnen-Jahresbeginn kann allein im antiken Kalenderdenken auf der Mütternacht 27 liegen, der Wintersonnenwende mit der „Odal / Od“-Rune . Der astronomische Tierkreis nimmt seinen Anfang aber mit dem Widder im März. Hier steht, wie wir sehen, am einzig rechten Platz, die Tyr-Rune , das Signum des Himmelsgottes. In dieser Frühjahrszeit gelingt es ihm, wie die Edda erzählt, den Fenriswolf, eine Personifikation der Finsternismacht, zu binden. Gott Tyr wurde von römischer Seite dem Mars gleichgesetzt, von welchem bis heute der Monat März seinen Namen hat. Die Übereinstimmungen sind unübersehbar. Da der Zodiakus im germanischen Runenkalender mit dem Buchstaben  beginnt, welcher den altgermanischen Hochgott, Himmelsgott repräsentiert, dem zwangsläufig auch der Sternzeichenkreis untergeordnet war, so wäre es naheliegend und sinnvoll, diesen nicht „Tierkreis“, sondern „Tiukreis / Tyrkreis“ = Gotteskreis zu benennen.

 

ANMERKUNGEN
1 - Franz Dornseiff, „Das Alphabet in Mystik und Magie“, Leipzig/Berlin 1925, S. 84
2 - Abb. 2: Holzschnitt des mittelalterl. Weltbildes aus dem 16. Jahrhundert
3 - Franz Dornseiff, Das Alphabet in Mystik und Magie, Leipzig/Berlin 1925, S. 71
4 - Helmut Arntz, „Runenkunde“, Halle/Saale 1935, S. 232
5 - Heinz Klingenberg, „Runenschrift - Schriftdenken, Runeninschriften“, Heidelberg 1973, S. 65 ff
6 - Wolfgang Krause, „Die Runendenkmäler und ihre Sprache“ – „Die altgermanische Runenreihe“, S. 313 in: „Geschichte Schleswig-Holsteins", Bd. II „Von der Bronzezeit bis zur Völkerwanderungszeit“, Neumünster 1979
7 - Alfred Hillebrand, „Vedische Mythologie“, Bd. 1, Breslau 1927, S. 94/ Alfred Jeremias, „Handbuch der altoriental. Geisteskultur“, Leipzig 1929, S. 292 / Das delische Jahr, s. Martin P. Nilsson, „Die Entstehung und religiöse Bedeutung des griechischen Kalenders“, S. 54, in „Scripta Minora", Lund/CWK Geerup 1962 / „Röm. Priesterjahr“, s. Georg Fr. Unger, „Zeitrechnung der Griechen und Römer“, S. 632, in: „Handbuch der klass. Altertumswissenschaften", Nördlingen 1886/ Anglo-sächsisches Jahr, s. Beda Venerabilis, „Historia ecclesiastica gentis Anglorum, „De temporum ratione“, Kap. 13
8 - Oskar Becker, Größe und Grenze der mathematischen Denkweise, Freiburg/München 1959, S. 1 1 ff
9 - Franz Hartmann, „Grundriss der Lehren des Theophrastus Paracelsus von Hohenheim“, Leipzig 1898, S. 110, 119, 125
10 - Alfred Jeremias, „Handbuch der altoriental. Geisteskultur“, Leipzig 1929, S. 166
11 Fr. C. Endres u. A. Schimmel, „Das Mysterium der Zahl“, Köln 1984, S. 129 und 132
12 - Abb. 5: mittelalterl. Darstellung des Zusammenhanges der Planeten mit dem Menschenals Mikrokosmos, nach Agrippa von Nettesheim, „Liber quartus de occulta philosophia", 1565
13 - Franz Dornseiff, Das Alphabet in Mystik und Magie, Leipzig/Berlin 1925, S. 81
14 - Fisch als Fruchtbarkeitssymbol, s. J. Winthuis, „Das Zweigeschlechterwesen. . .“‚ Leipzig 1928, S. 136 f
15 - Abb. 4 von Johannes Regiomontanus (1436–1476) Temporal. „Deß weytberümpten M. Johan Künigspergers natürlicher Kunst der Astronomey kurtzer Begriff, von Natürlichem eynfluß der Gestirn, Planeten, unnd Zeichen, etc. Von den vier Complexionen, Natur und eigenschafft der Menschen, regiment durchs jar uber, mit Essen, Schlaffen, Baden, Purgieren, Aderlassen, etc. Auffs ordenlichst zuogericht, Franckfurt: Han“ [ca. 1560]. - 4a: „Homo signorum“ aus den „Trés Riches Heures“ des Herzog von Berry (1412-16; Chantilly, Museum Condé, Ms. 65, fol. 14v)
16 - Tyr-Rune () s. Rudolf Simek, „Lexikon der germ. Mythologie“, Stuttgart 1984, S. 419 f
Birk-Rune ( ) s. „Die jüngere Edda", Thule-Bd. XX, Jena 1925, S. 207, Kap. 184: Birke galt als Dichterwort für „Frau" und mithin für Muttergöttin Frigga, wie in christli: Zeit für Maria, s. dazu Wolfgang Lange, „Christliche Skaldendichtung“, Göttingen 1958, S. 42: „hervorragende Birke des Goldschmucks, Maria": Die im Fundgut belegte germ. -Göttin „Vercana" entspricht dem Runennamen „berkanan" = Birkenreis = Birkrune , s. dazu „Die germanischenGötternamen der antiken Inschriften", Halle/Saale 1936, S. 108 ff von Siegfried Gutenbrunner- Die germanische Auffassung von der geschlechts- bzw. fruchtbarkeitssymbolischen Bedeutung des Fußes tritt u. a. im eddischen Vafthrudhnismal, 33 zutage, wo des Urriesen „Fuß mit Fuß erzeugte" einen Nachkommen. Die germ. Gottesmutter Bertha/Berchta (geht etymolog. mit Birke zusammen) wurde der fruchtbarkeitsspendende große Fuß zum Attribut; er machte sie im Mittelalter zur „Berhte mit dem Fuoze", „Bertha au grand pied" u.ä. und in konsequenter christli. Übertragung hieß es „Wo die Jungfrau Maria hintritt, sprießen die schönsten Blumen aus der Erde". Handwörterbuch des dt. Aberglaubens, Bd. III, S. 225, 230 s. auch Helmuth Böttcher, „Die große Mutter“, Düsseldorf 1968, S. 309 ff
17 - Robert Henseling, „Umstrittenes Weltbild“, Berlin 1939, S. 125
18 - „Handwörterbuch des dt. Aberglaubens“, Bd. 1, Berlin/Leipzig 1927, S. 172 ff
E. Issberner-Haldane, „Kosmische Religion“, 3. Aufl. Berlin, S. 166 ff
19 - Luis Mac Neice, „Astrologie“, Ullstein-Verl. 1965, S. 126
20 - Karl Hauck, „Die Arztfunktion des seegermanischen Götterkönigs ...“‚ S. 98 ff in: „Festschrift für Helmut Baumann“, Sigmaringen 1977...
21 -  Olaf Daviðsson, „Isländische Zauberzeichen und Zauberbücher“, S. 105 - 167, in: ZfVkde 13
22 - Hugo Gering, „Die Edda“, Leipzig/Wien 1892, S. 313, Sigrdrifum61 8
23 - Rudolf Simek, „Lexikon der germ. Mythologie“, Stuttgart 1984, S. 412 f, „Thurse" Wolfgang Krause, „Untersuchungen zu den Runennamen II“, S. 99, in: „Nachrichten der Akad. d. Wiss.“, Gött., Jahrg. 1948, Nr. 2 / „Lexikon der Symbole“, Herder Freiburg 1980, S. 155 (,‚Skorpion")
24 - Die Mithrasreliefs zeigen den Lichtgenius Mithras, wie er - eine Erscheinungsform seiner selbst - den Stier, opfert, dessen letzte Kraft der Skorpion aus seinen Genitalien raubt, s. beispielsweise Günter Ristow, „Mithräische Ikonographie“, S.-150, in „Symbolon Jahrb. für Symbolforschung", Neue Folge, Bd.3, Köln 
25 - Friedrich Kluge, „Etymologisches Wörterbuch der dt. Sprache“, Berlin 1963, S. 220 f
Der Hüpfer, der Frosch, galt schon den alten Ägyptern als Auferstehungssymbol. - Seine bogenförmige Sprungbewegung gleicht dem Sonnenweg vom Auf- bis Untergangsort. Es blieb die alte Idee vom hüpfenden Sonnengott, auch in seinen Erscheinungsformen als Tier (bei den bronzezeitl. Germanen als Pferd, bei den Lappen als Rentier in der Sonne, bei Christen als Sonnenlamm Christi) bis ins Mittelalter erhalten, wo die Gläubigen zum Sonnen-Siegfest Ostern die Ostersonne drei Freudensprünge vollziehen oder Christus als Schäfchen in der Sonne hüpfen sahen. So verstehen sich auch die österlichen Spiele mit dem Ball als Sonnensymbol. Handwörterbuch des dt. Aberglaubens, Bd. VI, S. 1344 1354 f. Auf gleicher Verständnisebene erscheint das geglaubte „Tanzen der Ostersonne", da es bei den alten Tanzformen darauf ankam, möglichst hohe Sprünge zu schaffen; stets ist die Rede von „Tanzen und Springen". Wilhelm Angerstein, „Volkstänze im dt. Mittelalter“, Berlin 1868
26 - Abb. 6: Jörg Lechler, „Vom Hakenkreuz - Die Geschichte eines Symbols“, Leipzig 1934, S. 38
27 - Jahresbeginn der Angelsachsen mit der sog. „modraniht" = „Mütternacht' auf der Wintersonnenwende, s. Beda Venerabilis, „De temporum ratione“, Kap. 13 in Otto Sigfrid Reuter, „Germanische Himmelskunde“, München 1934, S. 436 f
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