ODING und TIR-KREIS

 

ODING und TIR-KREIS

 

Der astrologische „Tierkreis“ (Zodiakus) von 360° ist die Wegbreite um die Ekliptik, in der Sonne, Mond und die Planeten ihre scheinbare Bahn beschreiben. Um die Stellung der Sonne am Fixsternenhimmel ungefähr angeben zu können, teilten die alten Völker die Ekliptik in zwölf Bereiche à 30°, die sog. Tierkreisbilder, denen jeweils ein darin befindliches Stern­zei­chen zugeordnet wurde: Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skor­pion, Schütze, Stein­bock, Wassermann, Fische.

 

Die Bezeichnung „Tierkreis“ ist nicht ganz korrekt, da nur sieben Bilder wirklich Tiere darstellen und auch diese nur Symbole für dahinter stehende, gedachte Geistmächte sind – ursprünglich die zwölf antiken Doppelstunden- bzw. Monatsgötter. Die himmlische Kreisbahn wäre sinnvoller nach der Himmelsgottheit zu benennen, z.B. griech. Zeus, germ. Tiwaz, ahd. Tiu, altnord. Tir / Tyr. Nach dem altnordischen eddischen Namen des Himmelsgottes bezeichnen wir den „Tierkreis“ als „Tirkreis“.

 

Aus dem ODING-Runengefüge ist nun sogar die geistesgeschichtliche Berechtigung für solche Namengebung abzuleiten, und zwar folgendermaßen: Der altgerm. Himmelsgott Tiwaz (Tir) steht auf dem 8. Runenplatz ( ), denn er galt als Herr der 8-strahligen Windrose ebenso wie als Herrscher des obersten Himmels, welcher in der Fixsternsphäre über den bzw. außer­halb der sieben Planetenbahnsphären vermutet wurde. Als polarer „Tag“-Vater (lat. Dies­piter) nimmt dieselbe Himmelsgottheit vernünftigerweise auch die 2. Runenstelle ( ) ein, die im 24er Buchstabenkreis (bei Weiterzählung) gleichzeitig die 26. Position darstellen muss. Die Zahl 26 ergibt in ihrer Quersumme (2+6=8) wieder die Gottes- bzw. Tir-Zahl 8. Die Summe von 8 (1+2+3+4+5+6+7+8) ist 36, die Grundzahl des Kreises, auch des Him­melskreises von 360°. (Die Antike rechnete im zahlenmythischen Erkenntnisverfahren deka­dische Potenzen als Einer, die „Null“ blieb deshalb unbeachtet.)

 

Der Himmels- und Tagvatergott wurde deshalb auch als „26er“ bezeichnet, weil im Zeitraum von ca. 26.000 (nach modernen Berechnungen 25.868 bzw. 25.920) Jahren der Früh­lingspunkt (Stellung der Sonne zur Zeit der Frühjahrs-Tagundnachtgleiche) aufgrund des mangelnden Gleichlaufes der Erdachse einmal die volle Ekliptik umwandert. Aus menschlicher Sicht macht die Sonne die Runde durch den ganzen Tierkreis/Tirkreis. Dieser Vorgang wird Präzession des astronomischen Frühlingspunktes genannt; in etwa 72 Jahren bewegt er sich um 1° gegen die Tierkreiszeichenfolge nach Westen. Solch einen Zeitraum nannte man „Gro­ßes Jahr“ oder „Gottesjahr“.

 

Der griech. Astronom Hipparch (160-120 v.0), dem die Astronomie den ersten Sternen­katalog verdankt, erkannte und beschrieb - nach heutigem Wissensstand - als erster diese Zu­sammenhänge (128 v.0), welche dem Schöpfer des ODING nicht unbekannt blieben.

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