DIE SYMBOLIK DER 6 RUNISCHEN URLAUTE

 

Unsere urgermanische Buchstabenordnung des ODlNG-FUÞARK umfasst die 6 Urlaut-/Selbstlaut- bzw. Vokalzeichen in der Folge:   für o, e, ë, i, a, u; sowie 3 x 6 = 18 Mitlaute bzw. Konsonanten. Dagegen besitzt das heute gebräuchliche, aus dem Lateinischen entlehnte ABC nur 5 Vokal-, aber 21 Konsonantenzeichen.

Man könnte die Vokale auch als Kern- oder Seelenlaute bezeichnen; denn sie stellen das Grundgerüst der Sprache dar, auf welchem aufbauend sich der gesamte Sprachleib entwickelt hat. Es handelt sich dabei um Lautungen; die anlässlich bestimmter Eindrücke und Empfindungen aus tiefster menschlicher Wesensart hervorbrechen:

Wenn uns etwas hoch und hold vorkommt, loben wir: „o !“

Wenn Ehre oder Ehrlichkeit verletzt werden, sprechen wir: „e !“

Wenn uns etwas heiter und fein erscheint, meinen wir: „ê (ei) !“

Wenn uns eine fiese Spinne anwidert, schrillen wir: „i !“

Wenn wir uns am saftigen Braten laben, sagen wir: „a !“

Wenn es uns im Dunkeln gruselt, murmeln wir: „u !“

Ich halte es für nachweisbar, dass sich die Stimmungs-Charaktere dieser sechs altgermanisch-runischen Urlaute bis in unsere Tage kaum wesentlich verändert haben; wir Heutigen verspüren offensichtlich noch die gleichen oder zumindest sehr ähnlichen Gefühle beim Klang der sechs Urlaute wie unsere germanischen Vorfahren. Eine ernstzunehmende, umfassende Sprachuntersuchung mit dem Ziel, eine germanisch-indogermanische Urlaut-Wortstammlehre darzustellen, liegt bislang noch nicht vor. Es soll auch unumwunden eingeräumt werden, dass solch ein Versuch äußerst heikel ist und es schier unmöglich erscheint, Sicherheit zu gewinnen angesichts des mangelhaften uns verfügbaren Wortschatzes. Doch einstiges Urlaut-Verständnis blieb überliefert und ist erfahrbar zu machen: 1 . aus der hieroglyphischen Gestalt der runischen Buchstabenzeichen, 2. aus dem Zahlenwert jeder Rune, 3. aus den traditionellen Runenbegriffen, also den Bezeichnungen für jedes Runensymbol, 4. dem Kalenderort, der Mondphase und dem jeweiligen astrologischen widder-zeitalterlichen Sternbild, d.h. der Placierung der Runen in der ODINGschen Zeitweiserordnung. 1)

- O -

Der erste Urlaut, das „o“ = galt in der Antike als Laut, mit dem die „kleine“, die menschliche Seele die "große", die göttliche Weltseele um Anhörung oder Hilfe anruft. Ein „o“ erklingt als Ruf des Erstaunens, der Überraschung oder des Erschreckens, wenn unsere Seele durch Betroffenheit in Wallung gerät. Im Germanischen ist das „o“ der Urlaut des Wortes für „god“ = „Gott“. So ist es nur allzu verständlich, dass die „o“-Rune sowohl die erste Rune im ODiNG überhaupt und mithin der erste Selbstlaut des germanischen Buchstabensystems sein muss. Im kosmischen Jahresbeginn zur Wintersonnenwende, dem Fest der „Mütternacht“, befindet sich ihr Kalenderplatz. Sie ist in den Schwarz- bzw. Neumond gelegt, der nach Vorstellungen des Sympathiezaubers mit dem Gewinn eigener Fülle seine vermehrende Wirkung auf alles, was über der Erde wächst, auslöst. Das dazu passende Sternbild ist der kraftstrotzende „Steinbock“, das aufwärtsstrebende Klettertier. Der zugehörige Runenbegriff lautet „oðala“ mit der Bedeutung „Heimaterde-Artbesitz“. Aus der gottgegebenen Heimaterde erwuchs und erhält sich die gottesteilhaftige Mutterseele des Volkes, aus der jedem Einzelnen Heil und Halt zuströmen mag - so lautete die Gewissheit der Ahnen. Noch heute, wenn uns ein bewunderndes, frohes, hochschätzendes „o“ entfährt, loben wir gefühlsmäßig richtig das Vollendete, Wohlgeratene, Großartige. Das „o“ als Laut für das ethisch und ästhetisch Obere und den Beginn, vermag sich zu zeigen in Worten wie: lat. „origo“ = „Ursprung, Abstammung, Herkunft“ - germ. (eddischer Ur-Odin) "Od" = Gott, "od" = Schatz, Gut, Besitz, Seele - altnord. „or“ = „Anfang, Ursprung, Stirn“ - altsächs. u. altengl. „ord“ und ahd. „ort“ = „Spitze, Quelle, Anfang“ - norweg. odd = Spitze - altind. „oštha“ = „Lippe“.

- E -

Der zweite Urlaut ist das „e“ = , das an 6. Stelle der ODiNG-Runen postiert ist, also durch die „vollkommene Sechszahl“ geadelt wurde. Der dazugehörende Runenbegriff heißt „ehwaz“, das „Gottesross“. Sein Kalenderort befindet sich im Vollmondstand Ende Februar/Anfang März zum antiken heliakischen Aufgang des Sternenpferdes „Pegasos“ und ebenso in der Festzeit des indoarischen Rossopfers. Der Hengst war den Alten ein mehrschichtiges, heiliges Sinnbild, u.a. auch für den Volkskönig bzw. das Gottesstellvertretertum auf Erden, also für die gottgegebene Weltordnung. Es scheint, als ob wir die „e“-Begriffe altind. „evas“ = „Gang, Sitte“, altsächs. „eo“, ahd. „ewa“ = „Gesetz, Recht“, für die göttlichen Regeln, ebenso dazustellen dürfen wie das Personalpronomen germ. „ek“ = „ich“, als Begriff für das menschliche Selbst, das in diese sinnreichen Fügungen hineingestellt und eingebunden ist. Wenn wir uns ungerecht, unehrenhaft, unehrlich behandelt fühlen und dann zuweilen aus seelischem Urerinnern „e“ sagen, wollen wir dann nicht an Recht und Redlichkeit gemahnen, so etwa: „eh, he - nimm dich zusammen, das ist zu wild, zu wüst, so geht es nicht !“

- Ei -

Der dritte Urlaut „ê“ war ein Laut zwischen e und i, dem „ei“ nahestehend. Die stellvertretende Rune trägt den Begriff „eihwaz“ = „Eibe“, der immergrüne Lebens-, Todes- und Weltenbaum; dieses Sinnbild wird von der Zahl 12 vielsagend ergänzt. Die 12 galt als die volle Rundzahl auch des Himmelskreises mit seinen 12 Sternbildfeldern, in welche der symbolisch gedachte Weltenbaum hineinragt. Zur 12 gelangt man aber auch über die Multiplikation 3 x 4 bzw. Feuer x Wasser (Männliches x Weibliches). Die geglückte Verbindung von Gegensätzen wird hier demonstriert; dafür wirbt auch das Sternbild „Zwilling“ der „ungleichen Brüder“. So ist es nicht verwunderlich, dass insbesondere der „ei“-Laut manchen Widerspruch in sich birgt. Die Eibenbaum-Chiffre nimmt im ODiNG-Runenkalender den Zeitraum Ende Mai/Anfang Juni ein (zum vollen Mond), in dem es noch heute Volksbrauch ist, den Maibaum als Lebensbaumgleichnis zu errichten; handelt es sich doch um die Jahresspanne, in der Sonnenlicht und Naturleben wieder voll erblüht sind - wahrlich heitere, von Dunkelheit befreite, gereinigte, heilvolle, feierliche Mondläufe, in denen Freudenrufe wie: „ei wie fein“, „hei“, „heißa“, „juchhei“ der menschlichen Brust entfahren möchten.

- I -

Der vierte Urlaut ist das „i“ = mit dem dazugehörenden Begriff „isaz“ = „Eis“, bei dem uns Begleitgedanken wie „kaltmachen“, „eisiges Schweigen“, „Eisesnot und Kältetod“ in den Sinn kommen. Die Runenzahl 14 ist sicherlich mit Bedacht gewählt, denn es sind nach altem Mythos 2 x 7 = 14 unholde Geister aus Luft und Meerestiefen, welche weder Gnade noch Mitleid kennen und die Weltübel verursachen. Im Juni-Ende droht dieser Runenlaut, zu Beginn der wieder abnehmenden Tageslängen. Der Jahresgott scheint einen halben Mondlauf nach Jahreshöhepunkt und -wende verwundet; das Licht geht seinen Abwärtsgang ins Wintergrab hinunter. Die dem „i“ gehörende Mondgestalt ist der Vollmond, welcher - gemeinsam mit dem Sternzeichen „Krebs“ - Schwund und Rückwärtsgang ankündigt. Das „i“, im Zeitraum des höchsten Jahresstandes, ist auch der höchste, spitzeste Laut, der den stärksten Gegensatz zum breiten, lebenerhaltenden Atemlaut „a“ bildet. Die Lippen werden zurückgezogen und liegen dicht an den Zähnen, der Luftstrom schießt zielstrebig und nachdrücklich hinaus. Es ist der einzige Laut, bei dem wir der Welt die „Zähne zeigen“, ebenso wie beim Gefühl des Ekels und der Feindseligkeit. Die Stiche von des Igels Pieken oder der Biss einer Spinne können uns zu Schmerzensrufen wie: „pfui“, „igitt“, „fies“, „so ein Biest !“ veranlassen. Es scheint, dass die „i“-Rune kaum treffsicherer in die runische Begriffs-, Zahlen- und Kalenderfolge hätte eingeordnet werden können.

- A -

Der fünfte Urlaut ist das „a“ = des Runenwortes „anse / ase“. Es handelt sich um den Kultnamen des germanischen Seelen- und Geistgottes Wodan/Wodin/Odin. Als Schicksalsherr einer höheren Gerechtigkeit hält er das Sternbild „Waage“ über seine Zeit (aber als Geist- und Totengott ragt er schon hinein in den nachfolgenden düsteren „Skorpion“-Aspekt). Er ist es, der das „Auf und Ab“ der Waagschalen bestimmt. Die dazugehörige Zahl 21 mit Quersumme 3 gilt als die „MeisterzahI“ und geistige Weltallzahl (3 x 7), d.h. der „vergeistigten Welt“ oder der „Welt der Geister“. Auf Mitte Oktober fällt dieses Sinnbild, in die Zeit der Ahnengeister- und Seelenfeste, wenn die äußeren, stofflichen Lebenskräfte abnehmen und in gleichem Maße die unsichtbaren Wirkkräfte an Macht gewinnen. Der aus engster Mundstellung entstehende spitze, feindselig anmutende „i“-Laut steht der vollmundigen „a“-Lautung am deutlichsten entgegen. Der Ase, der Atemwindgott Wodin, will die Weltbeatmung bewirken; dies vermag er nur mit der weitesten Mundöffnung des Urlautes „a“. So ist das „a“ als Mundaufmacher der einzige Laut, welcher befähigt ist, die Verlebendigung in Gestalt des ersten und aller weiteren menschlichen Atemzüge zu symbolisieren. Die Begriffe altind. „asu“ = „Lebenshauch/-kraft“ und „atman“ = „Atem, Selbst, Seele“, griech. „atmós“ = „Dampf, Dunst“ (Atmosphäre = Dunstkreis der Erde), lat. „anima“ = " „Lufthauch, Atem, Seele“, got. „ana“ = „Atem“, altsächs. „aðom“, ahd. „atum“ = „Seele, Hauch, Geist“ bieten sich an, in den Zusammenhang mit der Lebenshauchrune „a“ und dem Asen Wodin/Odin gestellt zu werden.

- U -

Der sechste Urlaut ist das „u“ = , dem das Wort „uruz“ = „Urstier“ zugeordnet wurde, das alte, weithin verstandene Sinnbild der Himmelsgottheit/Naturkraft. Die Runenhieroglyphe zeigt das Stierhaupt mit nach unten gewendeten Hörnerspitzen. Was damit versinnbildlicht wird, ist das Taurobolium, das Gottesopfer im November, dem Opfer- und Todesmonat im alten Jahresverständnis. Die zugehörige Runenzahl 23, mit Quersumme 5, wurde in der Antike auch als Opferzahl begriffen. Dies Gottesopfer/Naturopfer soll ja kommendes Wachstum, frisches Gedeihen bewirken; ihm entquillt künftiger Jahressegen. Aus dem „Zu-Grunde-Gehen“ entsteht das Neue, so lautet irdische Erfahrungsweisheit. In die Tiefe des Jahres ist die „u“-Rune und ihr Symbolismus gestellt - sie weist den Weg in die Wurzelbereiche des Seins, zu den Brunnen in die Urgründe der Mütternächte. So wie der „u“-Buchstabe die Mundhöhle zum Schlund verengt, in dessen Grube drunten die Lautungen gemurmelt, gemurrt, gesummt, geraunt, getuschelt werden, so spielt sich im Grunde des verengten, lichtarmen Jahres das unheimliche, ungreifbare, dustere Grauen des Gottesopfers im Naturgeschehen ab. Wir erkennen, dass der dunkle Urlaut, das runische „u“, in seinem Verständnis-Gesamtumfang sowohl das Unten, das „Un-„ der Verneinung, das Unglückliche, Unholde, Ungeheure, das Unheil des Unterganges - aber auch die Ursache für den Umschwung und die Umlenkung zur neuen, vom Zeitkreis bedingten kosmologischen Ordnung des Runen-„o“ o am Ort (= „an der Spitze“), dem Obigen, der runischen Gottes-Offenbarung, bedeutet. Und da " Rune" nichts anderes als „Geheimnis“ heißt, erzeigt sich dieser „u“-vokalige Begriff selbst als das heilige Geheimnis aus den Urtiefen der Zeit. Und noch der erst aus dem späten Hochmittelalter auf uns gekommene heidnische Mythos der Runen(er)findung durch den germanischen Geist-Seelengott Odin/Wodan führt ein ur- und „u“-runisches Geschehen vor unser geistiges Auge. In den Edda-Strophen von der Selbstopferung Odins (Havamal 130, 139, 141) werden der Gottheit selbst die hochberühmten Worte in den Mund gelegt:

 

Ich weiß, dass ich hing am himmlischen Baum 2

neun ganze Nächte,

ger-verwundet und dem Odin geschenkt,

ich selbst mir selbst,

am Weltenbaum, von dem keiner weiß,

aus welchen Wurzeln er wurde.

 

Nicht Brot beglückte mich, auch kein Trinkhorn,

nieder spähte ich,

nahm auf die Runen, nahm sie schreiend,

rückwärts fiel ich von dort.

 

Trost und Kenntnisreichtum gewann mein Dasein,

auch Wachstum und wohlgeratene Ordnung,

Wort mich von Wort zu Wort wies,

Werk mich von Werk zu Werk wies.

 

Dazu schreibt denn auch ein bedeutender Kenner: „Odin, der göttliche Myste einer Initiation, erlebte seinen ,Tod' und seine ,Wiedergeburt' zugleich als makrokosmisches Sterben und Werden, dessen sichtbare Gestalt der veränderliche Mond ist." 3 Der „u“-Runenlaut u des Gottesopfers steht in einer Schwarzmondphase des November. Am Sternenhimmel droht der Todesstachel des erstarkten „Skorpion“. Die zeitweisenden Gestirne, Sonne und Mond, befinden sich also im kraftlosen Grunde ihrer Lichtmacht, aus der im Fortschreiten nur wieder ein Wachsen und Gedeihen zu erhoffen ist. Wodan-Odins Gotteswesenheit spiegelte sich gemäß den altgermanischen naturreligiös-begrifflichen Anschauungen sicherlich nicht nur in den beiden großen Himmelslichtern, vielmehr wurde sie als Wirkkraft verstanden, welche unsichtbar hinter der Gesamtheit der Erscheinungswelten pulsiert. Wir erkennen, wie eng die Selbstlautfolge im Buchstabensystem des ODiNG-FUÞARK mit dem germanischen Jahresgott-Mythos vom „Vergehen und Wiedererstehen“, verwoben ist. Der verwundete Gott schaut hinunter aus seiner Weltenbaumhöhe und sucht bei den Wurzeln des Seins die Runen, die Ur-ldeenmuster der Urschöpfung, welche den Bausteinen gleich sind, die für jede neue Jahreserschaffung gesucht und genutzt werden müssen. Von „Wort zu Wort“ seiner Gedankenfolge findet der göttliche Baumeister zum „Werk um Werk“ seiner schöpferischen Tatenfolge. Über das Opfer der „Selbsterniedri­gung“, dem Eingehen in die stoffliche Welt, schafft Wodan-Odin die neuen Strukturen materieller Dinge. Nach Aufnahme der Plangedanken - der Runen - „fällt“ er in die Schöpfung, sich selbst Schlinge für Schlinge einknüpfend. So muß die folgende und wiederum erste Urlaut-Rune der Welt- und Jahreswerdung ein Schlingenzeichen sein: o.

 

 

Standorte der Urlaute im Jahresrund

Vereinfachtes (idealisiertes) Schema des urgermanischen Sonnen-Mondjahres

mit den 12 Mondläufen bzw. 24 Schwarz- und Vollmondstellungen innerhalb eines Sonnenlaufs

Als wesentlichstes Ergebnis meiner Untersuchung erscheint jener Erkenntnisgewinn, dass die 6 Urlaute gerade so wie ein zusammengehörendes einheitliches Kerngehäuse dieselbe jahresmythologische Aussage abgeben wie die gesamte große geistige Runenfrucht von 24 Zeichen (mit Quersumme 6). Die 6 Urlaute sind so über den Jahreskreis hingeordnet, dass ihr lautlich-mythischer Charakter mit der Zeitspanne, die sie vertreten, bestens harmoniert: Der 1. Urlaut , „o“ im natürlichen Jahresbeginn der Wintersonnenwende; der 2. Urlaut „e“ im Frühlingsbeginn (Anfang der Wachstumsphase); der 3. Urlaut „ê“ im Lichthöhepunkt, einen halben Mondlauf vor der Sommersonnenwende; der 4. Urlaut „i“ im Lichthöhepunkt, einen halben Mondlauf nach der Sommersonnenwende ( Lichtabstiegsbeginn); der 5. Urlaut „a“ im Jahresbereich der Ahnenseelenfeste; der 6. Urlaut „u“ im Beginn des tiefsten Sonnenstandes, also des kleinsten Sonnenlaufbogens.

So unglaublich diese stimmigen Urlaut-Einfügungen in die runische Buchstaben- und Kalenderreihe auch sein mögen, durch einen „Meister Zufall“ sind sie ebensowenig zu erklären wie die Gesetzmäßigkeit, dass die hellen Laute „e“, „ê“, „i“ auf Vollmonden zu liegen kommen und die drei dunklen „a“, „u“, „o“ auf Dunkelmondzeiten. Meines Erachtens wurde mit vorstehender Zusammenschau ein weiterer Beweis erbracht für die ODiNGsche Erkenntnistheorie, die altgermanische Runenreihe als ein planvolles mythisch-kosmologisches und letztlich kosmotheistisches Netzwerk zu begreifen. Der gleichlautende Anspruch wird auch von Erklärern anderer Buchstabensysteme erhoben, doch fällt es denen schwer, auch nur annähernd eine derart vollkommene innere Geschlossenheit des Aufbaus nachzuweisen, wie es das germanische ODiNG-FUÞARK offenbart.

 

QUELLEN:
1 Gerhard Heß, ODING-Wizzod - Gottesgesetz und Botschaft der Runen, Mü. 1993
2 an. „vindgameiði“ = „dem Winde ausgesetzter Baum“, sinnvoller: an. „meiðr“ = Weltenbaum und an. „vind“ = „Wind, Sturm“, aber auch in Zusammensetzungen „Himmel“. Deshalb „vindmeiðr“ = „Himmelsbaum“ (!); „vindgameiði“ = „himmlischer Baum“ (?)
3 Heinz Klingenberg, Festschrift Siegfried Gutenbrunner zum 65. Geburtstag, Heidelberg 1972, S. 135
 
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