KOSMISCHE RUNENWAHRHEIT

 

ODiNG und „Primzahlkreuz“

 

Erahnt wurde es seit Generationen, dass in dem Schriftzeichensystem unserer germanischen Ureltern ein Geheimnis verborgen läge, welches von hoher, ja von grundsätzlicher Bedeutung sei. Als „Runen“ wurden die in ihrer Korpuseinheit bisher unverständlichen Ideogramme bezeichnet. Ein Name, der selbst schon in die richtige Richtung weist, denn „runo“ heißt nichts anderes als Geheimnis. Weil es nun auf der Hand lag, dass ein Mysterium vorhanden sein müsse und es demgemäß auch etwas zu enträtseln gäbe, so beschäftigten sich Grübler, Tüftler und Geisterseher unterschiedlichster wissens- und empfindungsmäßiger Voraussetzungen mit dieser Aufgabe. Die Ergebnisse waren bescheiden. So stellten Nachschlagewerke bis in unsere Tage hinein fest: Das Strukturprinzip der Runenreihe ist ungeklärt (dtv-Lexikon 1980). Mit der geglückten Entschlüsselung des Ur-Runen-Codes durch die Veröffentlichung des „ODiNG-Wizzod“, 1993, wurde eine neue Seite des Runenverständnisses aufgeschlagen. Einen Safe mit Zahlenschloss kann man erst öffnen, wenn die eingestellte Ziffernkombination bekannt wird. Geradeso verhält es sich mit dem Runengefüge. In die authentische, linksläufig zu lesende Runensystematik der 24 germanischen Urbuchstaben scheint nicht allein die Lehre von der altnordeuropäischen Gematrie (Zahlenmystik) und die Festzeituhr des lunisolaren gallogermanischen (naturmythologischen) Kalenderjahres hineingearbeitet zu sein, sondern auch ein Stück vom tiefsten Weltgeheimnis überhaupt, nämlich der Aufbauformel des Kosmos.

Um den Runenfreunden eine erste Vorstellung von der überraschenden Dimension neu gewonnener runologischer Eckwerte zu vermitteln, zitiere ich einen Forscher und Vordenker unserer Zeit, dessen Darlegungen das ODiNG-Wizzod in wunderbarer Weise zu bestätigen scheinen. Letztlich bleibt es freilich dem kritischen Leser überlassen, ob er darin übereinstimmt, aus dem Runengefüge, dem ältesten literarischen Zeugnis unserer germanisch-europäischen Völkerfamilie, u.a. eine Art Welt-Strukturformel herauslesen zu können. Der promovierte Chemiker Dr. Peter Plichta veröffentlichte 1995 die Zusammenfassung seiner mathematischen, chemischen, physikalischen Forschungen unter dem Titel „Gottes geheime Formel – die Entschlüsselung des Welträtsels und der Primzahlcode“.1/ Er bestätigte darin die pythagoreische und ODiNG’sche Vorstellung „Alles ist Zahl“ und verneint die Annahme, es handele sich bei den Zahlen und der Arbeit mit ihnen, also der Mathematik, um so etwas wie eine menschliche Erfindung. Die sinnbeseelte Natur – oder nennen wir sie im traditionellen Verständnisschema „Gott“ – arbeitet mit dem Dezimalsystem. Die naturwissenschaftlichen Disziplinen zur begrifflichen Eroberung unseres kosmischen Lebensraumes wurden durch die Wiederfindung des Dezimalsystems erst befähigt, Schritt für Schritt die Welträtsel zu entschleiern - meint Peter Plichta. Seine Überlegungen wurden im Streit der Fachleute relativiert. So korrigierte der Mathematiker R. Grzybowski 2/ : „Es basiert auf der Zahl Zehn, nicht auf dem Dezimalsystem.“ Aus der Perspektive antiker Zahlenmystik ist diese Differenz fast ohne Belang.

Das 10. ODiNG-Sinnbild ist die Algiz-/Dioskurenrune () als Metapher des „dezimalen“ bzw. auf der 10 basierenden, aber polar geprägten Weltganzen. Die Grundlage aller Naturwissenschaft sind die Elemente. Aus 81 stabilen chemischen Elementen besteht alles uns derzeit bekannte Sein. Das ist 3 hoch 4; 81 ist das Produkt aus 3x3x3x3. Diese beiden Werte (3 und 4) spielten in der alten mythologischen Weltbetrachtung eine herausragende Rolle. Sie standen symbolhaft für die großen, sich gegenseitig ergänzenden Weltgegensätze: Geist und Stoff, Feuer und Wasser, befruchtendes und gebärendes Prinzip. Die germanische Universalgottheit, die vergöttlichte Weltwerdekraft, die in sich alle diese Gegensätze mittrug, also aufhob, war „Allvater“ Wodan/Wodin. Im Runensystem erscheint diese Größe unter dem Kultnamen „Ase“ auf linksläufig 21. (Quersumme 3) und rechtsläufig auf 4. Position. Der theoretische (!) Kehrwert für die Ordnungszahlen der Elemente 1:81 = 0,1234567(8)(9)(10) führt die fortlaufende natürliche Zahlenfolge des Dezimalrechensystems vor („Das Primzahlkreuz I“, S. 411f). Zwar kommt es in jeglichem und nicht nur im Dezimal-Zahlensystem irgendwann zu solchen „Überschlägen“, d.h. zur reziproken Folge der natürlichen Zahlen. In einem System X gibt es nur 1 bis X Ziffern, zuzüglich der Null, im Dezimalgefüge also 0,1,2,3,4,5,6,7,8,9. Rechnen wir hier 10:81, so entsteht das theoretische Ergebnis 0,123456789(10). Da es aber keine größere Ziffer als 9 gibt, muss von der 10 des theoretischen Ergebnisses eine 1 abgezogen werden. Diese rückt nun eine Stelle nach links und wird dort zur 9 addiert. 9 + 1 ergibt jedoch wieder 10, deshalb wiederholt sich der Vorgang. Eine 1 wird abgezogen und zur 8 addiert, woraus dann die 9 hinter der 7 resultiert. Sinngemäß wird dieser Vorgang mit der 11, 12, 13 ... weiter durchgeführt. Somit entsteht die Periode 0,12345679, bei der die 8 zu fehlen scheint. Rechnen wir mit einem anderen Zahlensystem, wird die Zehn ersetzt durch die Zahl des Systems X; die Ergebnisse sehen dann entsprechend anders aus. Wir haben es aber definitiv mit 9 hoch 2 = 81 Elementen zu tun. Die 9 ist 10 minus 1, also (Dezimal-)System minus 1. Korrekt heißt unsere Rechnung 1:(10 – 1) ².

Diese mathematische Demonstration wurde für Plichta zu einer Art Schlüsselerlebnis für seine Konstruktion des Atommodells in Form des Primzahlkreuz-Gefüges. Das Kreuz besteht aus einem geometrischen Punkt und einem Raum darum, der in sich erweiternde Zahlenkreise eingeteilt ist. Aus einem solchen Gebilde erhofft der Erfinder alle Naturkonstanten ableiten zu können. Sein Primzahlzwillingskern (siehe Abb.) von der Gestalt eines 24er Kreises lässt die Entstehung des vierdimensionalen Raumes/Zahlenraumes erahnen, dessen Geometrie das Dezimalsystem sein muss. Die Zahl 24 ist dabei von mathematisch derart grundsätzlicher Bedeutung, dass wir Heutigen (vorausgesetzt, die Plichta-These erwiese sich als unzweifelhaft richtig) verwundert und von Hochachtung erfüllt auf die Einsichtstiefe unserer Vorfahren hinblicken dürfen, der jener 24 Positionen umfassende Runenkreis des ODiNG-FUÞARK zu verdanken ist.

Es würde den Rahmen dieser gerafften Abhandlung sprengen, wollten wir die Argumentationsbreite Plichtas wiedergeben, welche das dezimal geordnete - richtiger wohl, das auf der Zahl 10 beruhende „Schöpfungswerk“ vor unsere Augen führt. Ein zahlenmythologischer Fingerzeig muß der Antike schon aus dem Umstand erwachsen sein, dass die Anzahl der 4 Elemente (nach ODING-Reihenfolge: Erde (), Luft (), Feuer (), Wasser () in der Addition (1+2+3+4) die Summe 10 und in der Multiplikation (1x2x3x4) das Produkt 24 ergeben. Interessant ist auch, dass sich die ersten 9 Primzahlen, welche im 24er Ring vorkommen (2,3,5,7,11,13,17,19,23) in der Addition genau zur Dezimalzahl 100 aufsummieren lassen.

Zwar versuchten die meisten griechisch-hellenistischen Naturforscher und Theosophen die Materie in Gestalt der bekannten 4 Weltelemente zu begreifen und stellten sie in eine Art Gegensatz zum rein Geistig-Göttlichen, doch die irdischen Elemente Luft und Feuer galten bereits dem Numinosen sehr angenähert. Aber auch dem Wasser und der Erde gestand man unter gewissen Betrachtungswinkeln deutliche Beziehungen zum Seelenleben zu. Eine Ahnung, dass es keine rein materielle Materie geben könne, durchzieht das alte Schrifttum. Heute hat sich diese Meinung zur naturwissenschaftlichen Sicherheit verfestigt. Wir wissen, die Natur wird von 4 unabhängig voneinander wirkenden Kräften bewegt. Es sind dies: 1. die elektromagnetische Kraft, die die Wechselwirkung elektrischer Teilchen verursacht, 2. die Schwache Kraft, die den Energiehaushalt der Sonne und deren radioaktiven Zerfall bewirkt, 3. die Starke Kraft mit der Funktion, die Teilchen des Atomkerns zusammenzuhalten, und 4. die Schwerkraft, jener universelle Klebestoff, der Sternhaufen, Sonnensysteme und Milchstraßen auf Kurs hält. Die Zahl 4 galt (nicht nur aus den erwähnten Gründen) in alter Zeit ebenso als Materiezahl, „Weltzahl“, wie wir heute davon sprechen können, dass das, was wir - nunmehr unter Vorbehalt - als „Materie“ oder „materielle Körper“ bezeichnen, von 4 „materiellen“ bzw. auf die „Materie“ einwirkenden Kräften gesteuert wird. Plichta meint an einer Stelle, „dass alles Seiende dieser Welt seiner Bestandsstruktur nach dreifach und nach seiner Wirkstruktur vierfach ist.“ („Primzahlkreuz I“, S. 232).

Die ODiNG-Runenerkenntnis demonstriert die 3 als komprimierteste, wichtigste „Gotteszahl“. Das Leben auf diesem Planeten wird durch 3 chemische Ringsysteme aufrechterhalten, in deren Mitte sich 3 verschiedene Metallatome (Magnesium, Eisen, Kobalt) befinden - führt Plichta aus. Schließlich bestehen auch die Atome sämtlicher Elemente aus 3 Kernteilchen: Proton, Neutron, Elektron. Ein 4. Teilchen, das Photon, ist masselos und stellt die Einheit der elektromagnetischen Strahlung dar. Protonen, Photonen und Elektronen sind stabile Teilchen, d.h. sie können ewig leben. Dagegen gliedert sich das Neutron im sogenannten „Beta-Zerfall“ wiederum in 3 Teilchen: ein Proton, ein Elektron und ein masseloses Neutrino. Für die allgegenwärtige Dreifachheit räumlicher, stofflicher, zahlenmäßiger Strukturen liefert auch Plichta eine Fülle von Beweisen. Die Baupläne des Lebens beruhen hinsichtlich ihrer chemischen Grundstoffe auf der Dreifachheit der DNS (Desoxyribonukleinsäure der Chromosomen-Moleküle) und der Vierfachheit der Basen, die sich den Zuckermolekülen anhängen. Heute kann kein Unterschied mehr zwischen Materie und Energie gesehen werden, denn jede Masse ist nichts als eine ungeheure Ansammlung von Kraft, also ein hoher Verdichtungsgrad von Energie. So geht auch in der runischen Metaphysik jede Polarität und jeder scheinbare weltliche Gegensatz bei Addition aller 24 Ideogramme zur Summe 300, also zur göttlichen Energiezahl 3, ineinander auf. Jeder Stoff ist wieder in Energie umwandelbar. Beachtlich in diesem Zusammenhang ist, dass Max Planck „zwischen Religion und Naturwissenschaft nirgends einen Widerspruch, wohl aber gerade in den entscheidenden Punkten volle Übereinstimmung“ fand, nämlich in der Erkenntnis, dass alles Geist ist; zahlenmythologisch ausgedrückt: Alles ist „3“, alles ist „göttliche“ Energie. Wir betonen es mit Genugtuung, dass es nicht die judäo-christliche Theologie war, die ja den unversöhnlichen Gegensatz „hier Welt/Materie und dort Gott“ predigte, vielmehr waren es die indogermanischen Religionsphilosophien, welche diese modern anmutenden Thesen vertraten.3/

Im Geistigen sind 3 Elementarkräfte vorhanden, jene der Initiation, der Imagination und der Emotion. Unser durch Sonnenkräfte hervorgegangenes irdisches Leben gedieh in Gemeinschaft der 3 Grundlebensformen - von Pflanze, Tier und Mensch. Die Pflanzen stellen die Nährstoffe her, von denen sich Tiere und Menschen ernähren: Zucker, Fett, Eiweiß. Im Runenkreis steht an 3. Position das ursprünglich kleine kreisrunde Ringsymbol des (germanischen) Sonnengeistes (Ingo/Ingvi Fro/Freyr), der aufgrund eindeutiger Zahlensprache nur als eine jünglingshafte Emanation des herbstlichen 21-ers, des geistsolaren Wodin, aufgefasst werden konnte. Beim Weiterzählen über 24 hinaus wird aus 3. die 27. Stelle; 27 ist 3 hoch 3. Die Multiplikation dieses Runenwertes wiederum mit 3 (27 x 3) ergibt die 81 Weltelemente des Periodensystems. Die gemeinsame Quersumme (im mythischen Sinne die Kernzahl) von 27 wie von 81 beträgt 9 (=3x3). Da nun die 9. Rune () die Bezeichnung „sowilo“, „Sonne“ trägt, die hieroglyphische Form des Sonnenstrahles/Lichtblitzes aufweist und im ODiNG-Kalenderkreis auf April-Mitte liegt, ist davon auszugehen, dass durch sie die voll erblühte Sonnenkraft versinnbildlicht wurde. Mithin ist es schon erstaunlich, wie deutlich die Runensprache die sonnenhafte 3 als eigentliche Schöpferzahl herausstellt.

Die germanische Runengnosis ging, wie auch andere Gottsucher-Schulen der Antike, davon aus, dass die Zahl 3 das solare geistig-schöpferische Element markieren würde. Hingegen stünde die 4 für die schwere, weltliche Struktur der Materie. Ganz deckungsgleich formulierte auch der chinesische Weisheitslehrer LaoTse: „Die 1 erzeugt die 2, die 2 erzeugt die 3; die 3 erzeugt alle Dinge !“ Da Gott zwar aus Geist und Idee kommt, aber doch auch Schöpfer des dinglichen Stoffes ist, so bleibt die ODiNG‘sche Demonstration folgerichtig, indem sie Gott Wodan/Wodin im urtümlich linksläufigen Runensystem als Geist-Drei und in rechtsläufig weltlicher (für den profanen Schreibgebrauch gedachten) Runenbetrachtung als Materie-Vier vorführt. Dieser nach menschlichem Verständnis stimmige runologische Gegensatz wird aber wieder aufgehoben durch den Umstand des Zusammengehens sämtlicher addierter 24 Runenzahlen zur Endsumme 3, wie schon dargelegt wurde. Somit basiert die Runenlogizität auf einem Wissen oder Ahnen, welches über das vor 300 Jahren von Descartes und Newton begründete sogenannte kartesianische Weltbild hinauswies, d.h. vor ca. 2.000 Jahren bereits treffsicherer war als das Weltbild vom Beginn der Neuzeit. Nach diesem besteht die Materie aus festen Partikeln, und alle materiellen Erscheinungen sind ausschließlich auf materielle Ursachen zurückzuführen. Erst die großen Physiker des 20. Jahrhunderts (Max Planck, Werner Heisenberg u.a.) entlarvten diesen kartesianischen Irrtum, indem sie das Nichtvorhandensein fester Teilchen erkannten. Die immateriellen und ebenso die materiellen Wirklichkeiten stellen nur verschiedene Verdichtungsgrade von Urenergie dar, die in der ODiNG‘schen Gematrie durch die Zahl 3 symbolisiert wurde.

Als Bausteine alles Lebendigen benutzt die Natur drei Gruppen von Aminosäuren, welche als Urbausteine von Eiweißverbindungen aus einem Grundglied und einer variablen Seitengruppe bestehen. 19 dieser linksläufigen L-Aminosäuren sind asymmetrisch aufgebaut, eine jedoch - die ohne optisches Zentrum - zeigt eine symmetrische Seitengruppenanordnung. Plichta spricht hier im kernchemischen Sinne vom (19+1)-Gesetz. Daran, dass im ODiNG die Zahl 19 (Quersumme 1) die pränatale, also vorschöpfungszeitliche Urmutter bezeichnet (), sei erinnert. Aber auch der germanische Urvater (Tuisto = Zweiwesiger) mit seinem Zahlenwert 20 (), ergibt - mit der Urmutterzahl addiert - letztlich wieder die kosmische Energie-Drei (19+20=39; Quersummen-Seelenzahl 12 bzw. 3). Zwei von den 19 Aminosäuren gehören zur 3. Gruppe, sie besitzen jeweils zwei optische Zentren. Zusammen macht das 21 asymmetrische Zentren, welche die Natur bedarf, um Leben herzustellen. Wir erinnern uns, dass sich der germanische Lebensvater Wodin im linksläufigen ODiNG-System als der 21er darstellt. Auch hieraus wäre zu konstatieren, wie die zahlenmythische ODiNG-Sprache naturwissenschaftliche Fakten widerspiegelt. Das (19+1)-Gesetz fand der Autor als Organisationsstruktur auch innerhalb der 81 elementaren Weltbausteine. Bei Herausnahme des Wasserstoffs als dem ersten Element und Urbaustein, aus dem alles entstanden ist, zeichnet sich eine 4x(19+1)-Einteilung ab, denn 1x(1+19) Reinisotope mit nur einer Massezahl plus 1x(1+19) Doppelisotope mit 2 Massezahlen plus 2x(1+19) Mehrfachisotope ergeben im wahrsten Wortsinne die elemtare bzw. elementige Weltgesamtheit. Drei Arten Aminosäuren verwendet also die Natur als Grundstoffe des Lebens.

Die Kosmos-3 besteht real aus 2+1. Zwar setzt sich das Atomgefüge, wie schon erwähnt, aus Protonen, Neutronen und Elektronen zusammen, doch bleiben Neutronen nur innerhalb des Atomkerns stabil und zerfallen außerhalb von ihm nach wenigen Minuten in Protonen und Elektronen, also Plus und Minus. Indem die Runenmetaphysik ihre vorschöpfungszeitliche polare Urväterkraft auf Position 20 () setzte und den weltlichen Wirkvater durch die Zahl 2 sowie das Doppelhammer-Sinnbild () markierte, erwies sie sich nicht nur deckungsgleich mit altgermanischer Mystik (Tacitus, „Germania“), welche den göttlichen Urvater Tuisto als Zwilling begriff, sondern wird selbst von heutiger Chemie und Kernphysik aufs trefflichste bestätigt. Seitdem es dem deutschen Teilchenphysiker Walter Oelert 1995 gelang, ein Antiwasserstoffatom herzustellen, gilt als gesichert, dass in unserer Welt Antimaterie und Materie existiert. Antiatome stellen echte Spiegelbilder der Atome dar, nur mit entgegen gesetzter Ladung. Ihre Massen jedenfalls scheinen völlig identisch zu sein; fest steht, dass Protonen und Antiprotonen mit einer Genauigkeit von einem Zehnmilliardstel gleich schwer sind. Die frühe Erkenntnis von der dualen bzw. zweiwesigen Urgotteskraft hat sich aufs Neue experimentell als richtig erwiesen.

Das, was die runische ODiNG-Offenbarung verkündet, gehört zum Fundus altindogermanischer Gotterkenntnis. Von den urindischen Veda-Schriften über die Runen bis zur Mystik Meister Ekkeharts im 14. Jh. vernehmen wir den Kernsatz der Identität von Raum und Zeit und Gott. Als im 17. Jh. der jüdische Philosoph Spinoza ähnliche Gedanken vertrat, wurde er von seinen Glaubensgenossen mit dem großen Bannfluch belegt. Auch bei ihm ist Gott und die den Raum füllende Substanz, die notwendigerweise unbegrenzt ist, dasselbe. Dass dazu zwangsläufig auch der Mensch gehört, sollte als theosophisch-gnostische Wegweisung mit in Rechnung gestellt werden. Wir haben es erahnt, und Plichta scheint den Nachweis führen zu können, zu diesen beiden Größen gehört eine dritte Unendlichkeit, nämlich die der Zahl. Gott ist Raum und Zeit und Zahl !

Der bedeutendste multigeniale Kopf der Neuzeit, Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) prägte den Satz: „Cum deus calculat, fit mundus“, d.h. „Die Schöpfung der Welt ist eine Rechnung Gottes !" Damit ist ausgesagt, dass die Mathematik die eigentliche seinsschaffende Tätigkeit Gottes darstellt. Wenn Gott rechnet, dann entsteht die Welt. Dieser Leibniz'sche Gedanke ist eigentlich uralt. Zumindest ist er platonisch bzw. phythagoreisch. Aber auch der germanische Runenschöpfer hing ihm an. Sonst hätte er die Gottheit nicht als Zahlengröße definieren wollen und ihre Schöpfung als ein Zahlenwerk begriffen, das mit dem Gotteswert übereinstimmt.

Unser germanisches Runengefüge, das nach seinen linksläufig gelesenen ersten drei Symbollauten ODiNG (1= O, 2=D, 3=iNG) heißt, spricht eindringlich von der Gottes- und „Atommodellzahl“ 24 bzw. der 6 bzw. der All-Ordungszahl 3. Wieso ? Die Quer- und Kernsumme der 24 (2+4) ist 6. Die 6 baut sich aus den ersten drei Zahlen (1+2+3=6) auf. Die 8 symbolisiert im ODiNG-Kanon den räumlichen Himmelsgott Tiu (), der wiederum dreimal im runischen Zeitkreis existiert (3x8=24). Die Runengröße des himmelsräumlichen Vatergottes muss nach mathematischer Gesetzmäßigkeit durch die 8 deshalb markiert werden, weil sie als erste Kubikzahl zwangsläufig aus dem polaren Urvater Tuisto ( =2) hervorgeht. Über sein 8-armiges Primzahlkreuz, dem Strukturskelett des atomaren Zahlenraumes, strahlt Gott Tiu () hinein in die Unendlichkeiten des Raumes, der Zahlen und der Zeit.

Vor dem Hintergrund dieser Koordinaten lassen wir wiederum Plichta zu Wort kommen („Gottes geheime Formel“, S. 268): „Auch ich bin erst im Frühjahr 1994 dahintergekommen, dass die Umkehrung einer vierdimensionalen Geometrie, die sich von den Grundzahlen 1, 2, 3 aufbaut, dreieckig und achtzeilig ist. Zusätzlich muss die geometrische Form dreieckig sein, was sich nur mit 6-eckigem Wabenmuster darstellen lässt. Damit hatte ich die reziproke Geometrie des Primzahlkreuzes entdeckt.“ Die Übereinstimmung mit der ODiNG’schen Zahlensprache ist verblüffend. Um die Gedankengänge nachvollziehen zu können, welche zum Kosmosmodell-Primzahlkreuz des Peter Plichta führten, ist die Lektüre seiner Arbeiten anzuraten, die leider auch einige Schwachstellen aufweisen.

Die gefundenen Zahlengesetze des Universums rechnet der Autor einem göttlichen Bauplan zu. Er erklärt aber: „Für Menschen, die an Gott glauben, ändert sich nichts, sofern dieser Gottglaube nicht zu naiv-dualistisch ist, als sei Gott nicht zugleich als Logos der Bauplan, die Gesetzmäßigkeit der Welt selbst.“ („Primzahlkreuz II“, S. 204) Und an anderer Stelle: „Wenn etwas ewig ist, wie der mathematische Bauplan der Materie, kann dieser nur das göttliche Selbst sein. Das schließt nicht aus, dass dieses Göttliche zugleich ein eigenes, personales Selbstsein hat, was wir ‚Gott‘ nennen.“ („Primzahlkreuz I“, S. 467) Christliche Theologen waren davon überzeugt, dass sich die Existenz ihres Schöpfergottes aus der jüdischen Bibel belegen ließe. Weitere Gottesbeweise sind von den großen Kirchenlehrern immer wieder versucht worden, jedoch vergeblich. Nun zeichnet sich aber seit allerjüngster Zeit, kurz vor der Wende ins 3. Jt. n.0, eine ganz unglaublich erscheinende geistesgeschichtliche Wende ab. Die von den christlichen Umerziehern unseres Volkes verachtete, geschmähte, mancherorts noch heute fanatisch bekämpfte altgermanische Runenschriftsystematik erwies sich nicht nur als altehrwürdiger als jedes kanonische Zeugnis aus frühchristlicher Feder, sondern ist konzeptionell in hohem Maße deckungsgleich mit der Mathematizität des primzahlcodierten Atommodells und den dahinterstehenden Weltformeln. Aber auch unabhängig davon, ob Plichtas Primzahlkreuz-These Bestand haben wird oder nicht, die welterklärenden Runenzahlen stehen im Einklang mit dem neuzeitlichen Kosmosverständnis.

Seit dem Ende des 2. Jh. gingen christliche Eiferer daran, sich einen Kanon zu schaffen. Die verwickelte Geschichte dieses Bemühens wurde erst im 4. und 5. Jh. einigermaßen abgeschlossen, als die germanische Runenlogizität bereits ca. ein halbes Jahrtausend alt war. Nicht in christlichen und ebensowenig in den ihnen vorausgegangenen jüdischen Traktaten finden sich die ahnungsvollen Vorwegnahmen unseres heutigen, naturwissenschaftlich gereiften europäischen Erkenntnisstandes, sondern im religiösen Vermächtnis des urgläubigen Alteuropa. Da drängt sich uns aus Kindertagen die Mär von der falschen und der rechten Königstochter gleichnishaft in die Erinnerung. Lange, viel zu lange vermochte die „falsche Braut“ unser Urteilsvermögen zu betören. Erst heute hebt ein zaghaft-erschrockenes Erwachen an, während doch die meisten Mitmenschen noch im tiefen Schlafe liegen – in den Armen der „Falschen“. Aber die einstige, heute schon fast vergessen gemachte Grundfrage lebt wieder auf: Wer gab bessere Kunde, wer darf wahrhaft als göttlich inspiriert gelten, welches Gottesbild schließlich kommt der kosmischen Wahrheit am nächsten, jenes der fremdgläubig-orientalisch infizierten Eiferer und ihrer irregeleiteten Schülergenerationen oder jenes unserer als Heiden, Hexen und Ketzer hingeschlachteten runengläubigen Vorfahren ?

Man könnte aus den gewonnenen Erkenntnissen einige runentheologische und gleichzeitig naturwissenschaftliche formelgleiche Lehrsätze aufstellen. Als fundamental wäre herauszustellen: Das esoterisch-linke, nächtige Prinzip, geht dem rechten exoterischen voraus, deshalb wird der linksläufig als 21 bzw. 3 (2+1) definierte Wodin-Wert () mit dem rechtsläufig als 4 definierten Wodin-Wert () in die 4. Potenz gehoben (3 hoch 4 bzw. 3x3x3x3) zum Ergebnis der 81 stabilen Elemente der Periodenreihe. Aus dieser Sicht ist der germanische Geistgott unzweideutig als kosmische Schöpferkraft aufzufassen. Plichta nennt es das (3 hoch 4)-Gesetz, von dem er vermutet, dass es "und das Primzahlkreuz dasselbe sind“. („Das Primzahlkreuz I“, S.437) Beiläufig könnte man anmerken: Die Zahl der 81 stabil existierenden Elemente des Periodensystems entsteht ebenso als Ergebnis aus 9 hoch 2 (9x9), wie auch zahlenmythisch die Quersumme aus 81 = 9 beträgt. Daraus, dass die 9. Rune () den Begriff „Sonne“ trägt, resultiert der Hinweis auf die solare Zentralquelle aller Energie unseres Planetensystems.

Zum Ende der Schrift „Das Primzahlkreuz I“ lässt der Autor seinen Gesprächspartner resümieren: „Alle neuen Gedanken sind bekämpft worden. Das hier ist nicht bloß eine revolutionäre Idee, das hier stellt unser Weltbild auf den Kopf !“ An anderer Stelle sagt er: „Wahrscheinlich ist etwas Neues an die Öffentlichkeit zu bringen genauso schwer wie das Herausfinden selbst. Wenn die Wahrheit herauskommt, und diese bedeutet, dass das bisher Erreichte falsch ist, lässt sich das nicht einfach publizieren.“ (S.217) Diese Einschätzung trifft auf die zunächst so weit auseinander liegenden Ideen vom Runen-ODiNG und vom Primzahlkreuz gleichermaßen zu. Die Geschichte zeigt, dass sich neue Lehren über die Natur nur dann rasch durchsetzen können, wenn sie unstrittig mathematisch beweisbar sind. Die runentheologische ODiNG-Erkenntnis ist ein stimmiges mathematisches Modell, das aus sich selbst bewiesen wird. Ob es aber die bis ins Naturwissenschaftliche hineinreichende Bedeutung besitzt, von der wir arbeitshypothetisch ausgingen, das hängt wesentlich vom weiteren Schicksal der fachkundlich zu überprüfenden Primzahlkreuz-Doktrin ab. Wird sie als vierdimensionales Modell des Atomkerns und seiner Hüllenräume zahlensystematisch eindeutig zu beweisen sein und nicht nur eine angedachte Vision bleiben ? Das muss die Zukunft weisen.

 

  1. Peter Plichta, Das Primzahlkreuz Bd. I+II, 1991; Gottes geheime Formel, 1995
  2. An dieser Stelle danke ich dem Stuttgarter Zahlentheoretiker und Runenfreund Rainer Grzybowski für Verständnishilfen und Informationen zu den Thesen und zur Person Dr. P. Plichtas.
  3. Fritjof Capra, Der Kosmische Reigen – Physik und östliche Mystik, 1975/81
 
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