OD-INGE

 

Copyright © Gerhard Hess - Januar 2015,

überarbeitet am 19.12.2018

OD-INGE
 

Abb. 1 -Holzschnitt „Ottarshögen“ in Vendel/Uppland von Peringskiöld, 1725

Abb. 1a - Grabhügel des Schweden-Königs Ottar/ Othere, 6. Jh.

 

OD-INGE
 
Indem wir uns den untergegangenen und deshalb geheimnisvollen Od-Begriff erschließen, betreten wir die altheilige Kathedrale unserer nordischen Ahnenreligion. Der Od-Begriff, wie wir sehen werden, ist in einem der ältesten germanischen Urbezirke besonders häufig fassbar, im Schleswig-Holsteinischen bis zum Friesischen. Eine der Quellen schuf der friesische Historiker Sjoerd Pietersz (Suffridus Petrus) mit seinem Werk „De Frisiorum antiquitate et origine libri tres“, Colon, 1590. Eine andere Quelle stellt das angelsächsische Gedicht etwa des 6. Jh. namens „Widsith“ (Weitfahrt) dar, aus dem „Exeter-Book“, das aus dem 9./10. Jh. herrührt. Im Stabreim-Gedicht erzählt der Wandersänger, ein holsteinischer Myrginger aus edlem Geschlecht, bei welchen Völkern er sich umgesehen hatte. In Vers 85 berichtet der Skalde von seinem swæfischen bzw. suebischen Stamm der Myrgings oder Myrgingas (Sumpfbewohner), die südlich von Angeln, östlich der Eider lebten, dann erwähnt er die Amothings, dann die Ost-Thüringer, dann die Aesti an der suebischen Ostsee, dann die germ. Idumings, die nicht zu lokalisieren sind. Die Am-othings - der Aufreihung entsprechend - dürfen also etwa im Raum Mecklenburg vermutet werden. Der Sänger Widsith berichtet von seinem Myrginge-König Eeadgils und dessen Frau Ealhild, einer Tochter Eadwines (Audoin), wie es in Vers 98 heißt, der „Friedensweberin“, die er auf einer Reise zu ihrem Vater dem Langobardenkönig Alboin begleitete. Dieser schenkte ihm einen kostbaren Halsring im Werte von 600 Goldstücken, den er später seinem König Eadgils als Dank für ein Landlehen weitergab. Die Langobardenprinzessin Ealhild lobt der Skalde Witsith mit warmen Worten als „goldverzierte Königin“ deren „Achtung sich über viele Länder ausbreitete“. Seine eigene Vortragskunst, Beredsamkeit und sein Leierspiel lobt er auch: „viele Menschen hätten nie besseres Singen gehört“. Der im Jahre 375 verstorbenen Gotenkönig Ermanerich wird im „Widsith“ in diesem Zusammenhang nur unglaubhaft erwähnt. Vater von Alboin (Ælfwine, Aelfwine), dem Gründer des Langobardenreiches in Italien, war Audoin (Eadwine), der im Jahre 561 starb. Langobardenkönig Authari (Authachar, Otharius) herrschte von 584 bis 590. Auch der germanische Vornamen Edmud (Kurzformen: Eddo, Ede, Edo) kommt aus der Od-Wurzel, der Urform Odmund/Otmund; weibliche Formen: Edmunda, Edmunde. Edmund I. (altengl. Ēadmund) war ein angelsächsischer König (939-946). Er war Sohn von König Eduard dem Älteren und dessen Frau Eadgifu und Nachfolger seines Halbbruders Æthelstan. Edgar (auch: Eadgar, Ædgar, Adgar, Etgar, Eadgarus, Edgarus, Ædgarus war angelsächsischer König (957-959) von Mercia und Nordhumbrien. Sein älterer Bruder war König Eadwig. Die sächsische Urform von angelsächs.-altengl. Ēadmund ist Otmund mit der Bedeutung od = Besitz und munt = Schützer. Im Ungarischen hat sich die Form Ödön für Edmund erhalten. Ödön Josef von Horváth war ungarischer Schriftsteller der sagte: „Meine Muttersprache ist die deutsche“. Die diversen dialektischen und sprachgeschichtlichen nordischen Lautformen Auða, Audo, Ead, Æd, Aþa, Aði, Odil, Otho, Ótta, Otto bedeuten „Gutsbesitz, Reichtum, Seelenreichtum“, sie wurden im Deutschen zum Adjektiv „edel“ (westgerm. aþal-ja, ahd. edili), also „tugendhaft, tüchtig, gesittet, hervorragend, tapfer“ und zum Substantiv „Adel“. Das norwegische Geschichtswerk „Historia Norvegiæ“, sowie Snorris „Ynglinga Saga“ und „Heimskringla“, auch der Text des „Beowulf-Liedes“ besagen, dass der schwedische König Othere oder Óttarr zwei Söhne besaß: Eadgils (Aðils), der beim Sturz vom Pferd den Tod fand, und Eanmund. Der Name Aðils ist auch auf drei skandinavischen Runensteinen bezeugt. Verkürzt darf man sagen, aus dem germ. Begriff Odil, für den begüterten Friling, den Edeling und fürstlichen Erbhofbesitzer formte sich der Begriff Adel, so waren lange die Begriffe Odil/Adal schwankend. Im oben benannten Werk des Friesen Suffridus Petrus erfahren wir, der tatkräftige „Odilbald Hertog van Feysland“ (335-395) griff herrschend weit nach Osten ins vorsächsische Gebiet aus. Der Historiker Suffridus Petrus (1527-1597) schrieb in „De Frisionum antiquitate et origine”, dass der Friesenherzog Odilbald, die Stätten Enger, Driburg und Soest befestigt habe.
 
Runische Glückwunsch-Signatur auf der Rückseite der Plattenfibel vom Frauengrab 106 in Soest.
 
König „At(t)ala“ ist die Schreibweise der isländ. „Handschrift B“ der Thidrekssaga aus dem 13. Jh., sonst „Attila“, (altschw. Aktilius, Atilius) im Hunaland („Hünenland“). Sie berichtet von „Þiðrekr af Bern“ (Dietrich von Bern), unter dem man sich den Ostgotenkönig Theoderich den Großen (451-526) vorzustellen hat und/oder, durch die Vermischung mit einer westfälischen Sage, den Friesenkönig Atala, der im damaliges Zentrum des Hünenlands residierte, nämlich in Susa, dem heutigen Soest. Einige der reichen Gräberfunde vom Soester südöstlichen Stadtrand könnten bis in diese Sagenzeit reichen. Die meisten sind der Zerstörung durch Baumaßnahmen anheimgefallen. Insgesamt wurden 215 Bestattungen ergraben, von denen 202 von Menschen und 13 von Pferden stammten. Die meisten lagen in altgermanischen Baumsärgen. 11 Holzkammergräber sind typisch für die germanische Oberschicht des 6./7. Jhs. Der bekannteste Fund ist die prächtige goldene „Almandinenfibel“ aus dem Frauen-Holzkammergrab Nr. 106, mit ihrer rückseitigen Monogramm-Runenritzung. Der verdiente Forscher Heinz Ritter-Schaumburg deutete diese Runenanordnung in seinem Buch „Die Nibelungen zogen nordwärts“,1981 wohl korrekt als rechtsläufige Zeichenfolge des Königsnamens „A-T-A-L-O“. Doch das Runenmonogramm sagt viel mehr aus. Die „o“-Rune ist demonstrativ hervorgehoben, über der ebenso hervorgehobenen „g“-Rune, dem Malkreuz, mit der Bedeutung „Geben und Nehmen“ bzw. „Vermehrung“. Es handelt sich dabei um eine runische Beschwörungschiffre an die Gottheit mit dem Sinn: „Gebe gutes Seelenheil-Schicksal dem Atalo“. Im Grab fand man eine Anhänger-Münze Kaiser Justinians I. (Prägezeit: ca. 555-565). Das Grab gehört zwar der merowingisch-heidnischen Zeit an, die Plattenfibel aber könnte noch älter sein. Unterhalb des Monogramms sind ebenfalls Runen eingeritzt: „rada:daða“. Beides könnten (nach Wolfgang Krause) germ. Frauennamen sein. Es wäre also so zu verstehen, dass die Schmuckfibel dem Atalo, mit der ihm gewidmeten Segensformel, von einer runenwissenden aber schreibungeübten Frau aus der Elite geschenkt worden ist; später kam sie in den Besitz der Dame von Grab 106. Ritter-Schaumburg deutete die Runenkombination als Königsmonogramm. Das ist sie sicher nicht gewesen, denn sie ist von unsicherer Hand geritzt worden. Erst während des Ritzens formten sich dem Verfasser die Gestaltungsideen aus, er verbesserte, er korrigierte daran herum. Keinesfalls war es die bestellte Arbeit eines Fachmannes. Es sieht nach der „Glückwunsch”-Signatur eines weiblichen Schenkers an den Fürst Atalo aus.
 
Friesenherrscher Odilbald hatte zwei Söhne, von denen der eine „Udolph/Udoph/Odolf Haron Hertog van Frysland“ (340-433) war und des Myrgingen-Königs Tochter Svanna zur Frau nahm. Ein Friesenfürst namens Odilbald (435-470) wird erwähnt. Wohl der gleiche Fürst findet sich unter anderslautenden Daten: Odilbald (413-477) war König der Friesen/Fresonen/Frisii (lat: Odilbaldus).  Odilbald/Adelbold (lat: Odilbaldus/Adilbaldus) war Bischof von Utrecht (866-900), er residierte in Deventer als Utrecht von den Normannen bedroht wurde. Adalbold II. (1010-1026). Odolf/Odolaho/Adolph (auch Hodulf oder Berthold) war 5. Bischof (873-886) zu Münster (Mimigardefort). Der Männername Adolf leitet sich ab von Odolf, also Od-Wolf. Adalbald von Ostrevant (gest. 645) war ein fränkischer Adeliger und „Heiliger“. Fürst Odilbaldus/Adalbald II. (gest. 25.09.899). Der streitbare Odo Botnia (gest. 1399), dessen gleichnamiger Großvater um 900 in Marrum an der Küste eine Festung (Stins) hatte erbauen lassen, war der vierzehnte Gouverneur der niederländischen Provinz Friesland. Adalbold von Utrecht war Bischof von 1010-1026. Die Namen Odil- oder Adal-bold setzen sich aus der Vorsilbe Od und der Nachsilbe -bald, -bold zusammen, wobei letztere aus germ. balðraz „Herr, Held, Fürst“ kommt und zur germ. Gottesbezeichnung Baldur wurde: ahd. Balder, Palter, Phol, altnord. Baldr, altengl. Bældæg.
 
In der germanischen Gesellschaft wurden die Bezeichnungen der Sippen, Geschlechter, Clans, Dynastien so gebildet, dass dem Namen des Vorfahren der Zusatz von einem abschließenden -ung oder -ing zugesetzt wurde. Beispiele dafür: Aus dem germ. Rufnamen Gollo oder aus Rufnamen mit dem Namensbestandteil „gold“, entstand der Name Golling, dem Nachkommen des Gollo, wie er sich im Namen des Alexander Golling (Intendant des bayrischen Schauspielhauses von 1938-1945) erhalten konnte. Die Hessi sind ein germ. Volksstamm zwischen Fulda, Lahn und Main, von denen das heutige Land seinen Namen ableitet. Den Namen Hessi trug auch ein sächsischer bzw. ostfälischer Anführer gegen die fränkische Invasion unter König Karl. Er unterwarf sich 775 und erhielt 782 das Grafenamt. Das Land Hessen, erstmalig in einer Schenkung Otto I. im Jahre 966 erwähnt, erhielt seine Bezeichnung als „Heim der Hessi“. Der Nachkomme eines Hessi wurden zum Hessing, wie z.B. Friedrich Hessing, einem Pionier auf dem Gebiet der Orthopädietechnik. Die Immedinger waren ein sächsisches Adelsgeschlecht zur Zeit der Liudolfinger, zu deren Vorfahren auch der Sachsenherzog und Freiheitskämpfer Widukind gehörte. Der angelsächsische Drachenbesieger Beowulf stammte aus dem Geschlecht der Wægmunding. Die mythische Sippe der Wölsungen (altnord. Volsungr) entstammte dem Gott Odin, aus dem Sigi, Wölsung, der Drachentöter Siegmund (Beowulf-Sage), Helgi und Sigrurd/Siegfried, die Drachentöter, hervorgegangen sind. Die „Skjöldunga saga“ berichtet von der nordischen Königsfamilie der Skjöldung (angels. Scylding, plural Scyldingas), also von den Nachkommen des Skjöld/Scyld. Im 2. Buch von Saxo Grammaticus wurde „Helgi Hundingbana“ (Geweihter Hunding-Töter) mit dem älteren Skjöldung Helgo, dem Vater von „Hrólfr Kraki“, gleichgesetzt. Skjöld ist in der nordischen Sage ein Sohn Odins, der als Kind mit einem Schiff nach Dänemark gekommen sei, er gilt als Stammvater der Skjöldunge (Schild-Männer) bzw. der dänischen Skioldinger-Könige. Die Ynglings / Ynglinger / Inglinger waren das älteste bekannte skandinavische bzw. schwedische Königsgeschlecht, es regierte in Sigtuna, der ältesten Schwedenstadt. In Snorri Sturlusons „Heimskringla“ (Weltkreis), über die Geschichte der norwegischen Könige (um 1230 verfasst) und der angelsächsischen Beowulf-Sage, werden die Inglinge als Scylfings (altnord. Skilfingar) bezeichnet. Als ein Scylfing wurde auch im Beowulf-Epos König Wiglaf (gest. 839) bezeichnet, der ein Vetter von Beowulf gewesen sei und das angelsächsische Reich Mercia regierte. Er war Sohn des Weohstan („Weihe-Stein“) und letzter aus dem Geschlecht der Wægmundings. In altenglischen Abstammungstabellen, deren früheste aus dem 8. Jh. herührt, tritt die altangelsächsische Namesgebung zu Tage, die dem Sohn zum eigenen Rufnamen der Vatersnamen mit Anhängung eines -ing  zugab, um ihn damit als Abkömmling seines Vaters kenntlich zu machen. Im 9. Jh. entstand die „Historia Brittonum“, die dem Autor Nennius zugeschrieben wird. Darin wird „King Arthur“ als „dux bellorum“ (Feldherr) der Briten erwähnt, der die Sachsen in 12 Schlachten geschlagen habe. Ich führe im Folgenden nur wirkliche, in den Listen erscheinende Namen auf: Hieß der Vater Godwulf und sein Sohn Finn, dann war dessen voller Name „Finn Godwulfing“, hieß der Vater Winta, nannte sich der Sohn Winding, Beda = Beding, Eni = Ening, Woden = Woding oder Wodning oder Wodening, Osmod = Osmoding, Siggeot = Siggetoting, Uoden = Uodning Uuoden = Uuodening, Angelgeot = Angelgeoting, Oesa = Oesing, Oda = Iding. („Six Old English Chronicles”, ed. J. A. Giles, London, Henry G. Bohn, 1848) In der Manuskriptversionen „Tiberius B v“ der königlichen Genealogien bzw. Stammbäume von Northumbrian folgen in den Herrscherlisten einem Bældæg ein Wodning, einem Eomer ein Angelgeoting, einem Winta ein Wodning, einem Godulf ein Geoting, einem Weoðogeot ein Woding. Eine Voranstellung der „ing“-Endung fand sich auch: Seit mehr als 1000 Jahren, über 35 Generationen hinweg, hinterließ die Patrizierfamilie „Inghiramis“ in der toskanischen Stadt Volterra - südöstlich von Pisa - ihre Spuren. Ihre Mitglieder machten Karrieren in Kirche, Militär oder Wissenschaft. Ihre namentlichen Wurzeln liegen in Sachsen. Ein Jacopo Inghirami (1565-1624) war ein Admiral der toskanischen Flotte. Nach dem Astronom Giovanni Inghirami, der im 19. Jh. lebte, ist ein Mondkrater benannt. Sippengründer war der sächsische Graf „Herman Dux Saxonis“, er kam im Jahre 967 als Gefolgsmann des deutschen Kaisers „Ottos des Großen“ hierher und blieb wohl bei einer hübschen Toskanerin hängen.
 
Begriffsfundus
 
Der Versuch, das ursprüngliche Assoziationsfeld des germanischen Begriffs „auð-oð-od/t“ aufzuhellen und möglichst überblicken zu wollen und ihn in den noch erhaltenen Worten richtig zu deuten, ist natürlich keine leichte philologische Aufgabe. In Zusammenschau mit den Funden und Bildquellen erreichen wir trotzdem eine relative Sicherheit. Beschauen wir den Begriffsfundus: o-Rune = germ. ōþala-, ōþalam, got. ōþal, utal, an. ōðal, ae. œ̄þel, ēþel, as. ōthil, ahd. uodil, afries. ēthel = Stammgut, Heimstätte, Erbgut, Erbsitz, Erbbesitz, Landgut, Eigentum, Heimat, Vaterland (got. haimōþli: Runeninschrift des Goldrings von Petrossa); nhd. Kleinod = Schmuckstück. Aus dem Odal-Grundbesitz der Begüterten erwuchsen: germ. aþala- = Gut, Geschlecht, Art; germ. aþalō-, aþalōn, aþala-, aþalan = Führer, Vornehmer; an. aðal = Art, Begabung, Hof, Erbgut, Eigentum; an. aðal, isl. aðali, ahd. adal, edili = edle Gesinnung, Adel; an. aðild = Recht bzw. Pflicht einen Prozess zu führen; an. aðili = der Führer eines Prozesses. Die mythische Verwobenheit von Heimatboden und Seele, von dem seelischen Gewordensein aus den Gegebenheiten des Werdeortes, drückt sich aus in: an. óðr = Seelen­leben, Intellekt. Aus der Seelenbewegung und -erregung erwächst die Begeisterung, der Zorn, die Wut, auch Minnewut, also Liebe: idg. u̯āt-, u̯ōt- = angeregt sein, germ. wōda-, wōdaz, wōþa-, wōþaz = wütend, besessen, Wut, Zorn; an. ōði = wütend, rasend; an. ōðr = Erregtheit, Dichtkunst, Dichtung; an. ōðr = wütend, rasend; an. Oðrœrir = Name des Dichtermetes der den Geist zum Rausch (Ekstase) erregt; an. Óðr (Gott, Gatte der gegerm. Göttin Frija/Freya); gegerm. Wôðanaz, germ. Wōdin/Wōdan, altsächs. Uuoden, uþin (725 n.0), ahd. Wuoten, langobard. Godan, isl. Óðinn, nhd. Odin = Geistgott der den Seelenhauch-Atem „önd“ schenkt (Völuspá, 18). Ganz natürlich sind Geist und Geistgott in jedem Falle die Schöpfer, die Anschieber und mitunter auch die drängenden, drohenden Initiatoren zum Fortschritt: urn. utōn, an. ota = vorwärts schieben, anschieben, drohen. Dass die Gottesmacht Schrecken und Furcht auslösen kann, in ihrer oftmals scheinbar unbegreiflichen Willkürlichkeit, ist nicht nur aus der Bibel bekannt: germ. ōhtan, an. ōtti = Furcht, an. ōtta = erschrecken, an. ottask = sich fürchten, besorgt sein. Ein Wassertier ist zur gelegentlichen Verwirrung bei der Ortsnamensdeutung in diese Lautgruppe hineingeraten: idg. udros, germ. otra-, otraz, utra-, utraz, an. otr = Otter, Fischmarder. Die Vorstellungen von der Seele sind von jenen des Schicksals nicht zu trennen. Das Verhängnis wurde als etwas von höheren Mächten Gewobenes verstanden. Das persönliche Glück galt als Schicksalsgeschenk: idg. au̯-, au̯ē- = flechten, weben; idg. audʰ- = Glück, Besitz, Reichtum, germ. auda-, audaz = Gut, Glück, Habe; germ. audaga-, audagaz = glücklich; got. auds, auþs = Habe, Gut, Glück, Vermögen, Wohlstand; got. audahafts = beglückt, begnadigt, beseligt, selig; an. auðlegð, auðræði = Reichtum; got. audags = vom Schicksal begabt, selig; got. audagei = Seligkeit, Glückseligkeit, Glück, Freude; got. audagjan = selig preisen; an. auðigr, auðr, auðugr = reich, germ. auðanōn, an. auðna = Schicksal, Glück, Vorteil, an. auðr = Besitz, Reichtum, Gut, Schicksal, Tod, Norne, Weib, Gewebe; germ. audana-, audanaz = bestimmt; an. auðinn = vom Schicksal bestimmt; an. auðmjūkr = leicht zu bewegen, willig, demütig, schicksalsergeben; an. auðkvæðr = willig; an. auðkendr = leicht erkennbar; an. auðrāðr = leicht zu beraten. Alles Glück und aller Reichtum begannen sich auf der Erde zu manifestieren durch das Urweibliche dessen Sinnbild die nährende, mütterliche Kuh ist: an. Auðhumbla, schwed. Ödhumla (auð: Reichtum / umb: ringsum) = die mythische Urkuh. Vor des kosmischen Geistes irdischer Manifestation war nach germanisch-eddischen Kosmogonie Ginnungagap („Kluft der Klüfte“, „gähnende Schlucht“), also das materielle Nichts: idg. autio-, auto- = verlassen, öde; germ. auþinō = Leere, Ödnis; germ. auþa-, auþaz, auþja-, auþjaz = öde, verlassen; an. auðn = Leerheit, Leere, Öde, Ödland, Einöde, Wüste, Mangel; an. auðr, auðigr = öde, verlassen, leer. Ist es nun eine etymologische oder philosophische Frage, warum der vom Schicksal zugewiesene Besitz und das daraus resultierenden Glück mit der Ödnis lautlich zusammengehen ?
 
ODING
 
Der Begriff „Oding / Od-Ing“ bedeutet demzufolge „Od-Nachkömmling, Od-Kind. Er war mir zunächst völlig unbekannt als ich ihn als Kopf der rechts-beginnenden Ur-Runenreihen-Lesung erkannte, indem ich die ersten drei Runen zu einem Wort zusammenzog. Ich fragte mich, wenn das ein Begriff ist, was könnte seine Bedeutung sein ? Ich erforschte sie, wie ich es im vorangegangenen Text dargelegt habe. Sofort begann ich nach diesem Wort zu fahnden. Wenn es ein echter, und kein von mir konstruierter Begriff sein sollte, musste er im Sprachgut auch aufspürbar sein.  Ebenso wie die 24-er Ur-Runenreihe „endet“ rechtsseitig die schönste uns bekannte runische Langzeile um den Rand des südjütländischen Goldenen Gallehus-Hornes („ek hlewagastiR holtijaR horna tawido“) mit der Buchstabenfolge „DO“. Rechtsbeginnend wäre das letzte Wort als „Odiwat“ zu lesen, mit der germ. Bedeutung „Odi-Wasser / -Trunk“. Das würde in Anbetracht der runenmeisterlichen Tendenz zur Mehrdeutigkeit ihrer kryptischen Aussagen, sowie zum Objekt des sakralen Trinkgefäßes recht gut passen. Aus dem Horn bzw. den beiden Goldhörnern sollte der „Óðrœrir“, der Geist Odins, der geistanregende Dichter-Met getrunken werden.  Ich fand den Od-Begriff in mehreren Verwendungsformen, zuerst einmal als Familiennamen. Es wäre denkbar, dass die Sippen dieses Namens aus altheiligen Priestergeschlechtern hervorgegangen sind, also aus Ehwarten (Gesetzes-Wächtern), deren Namen auch bis auf unsere Tage im Familinennamensfundus erhalten blieben. In den Niederlanden verschwanden die meisten Megalithen, sie wurden für Bauarbeiten, Deichverstärkung und Pflasterstraßen verwendet. Doch die bäuerliche niederländische Gemeinde Borger-Odoorn, in der Provinz Drenthe, liegt in einem Gebiet mit einer Vielzahl von Großsteingräbern. Die größte Megalith-Anlage befindet sich in Borger; direkt daneben wurde ein „Hunebedcentrum“ (Hünengrabzentrum) errichtet. In einem Schreiben des Klosters „Ten Nije Licht“ aus dem Jahr 1327 wird der Ort Oderen genannt, in einem Manuskript von 1393 oods, in einem von 1545 Oideren und 1548 heißt es „die pastoer von Oderen". Auch der Chor der Kirche von Odoorn besteht aus einem Granitfelsen der aus einem Dolmen genommen wurde. Diese Gegebenheiten genügen, um bei der Stätte Oderen einen altgläubigen-altgermanischen Kultplatz der „Oding-Religion“ zu vermuten. In niederländisch Friesland (Goutum, Weidum, Jelsum) ist der Familienname Oding, Odink, Odinga nachweisbar, aber in Holland sind allgemein Namen wie Oedding, Ottink, Odingk, Otman zu finden. Odenhausen war der niederländische Familienname der Mutter von Joseph Goebbels (1897-1945), dem nationalen Sozialisten, engsten Vertrauen Adolf Hitlers, Gauleiter von Großberlin und „Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda“. Der Landwirtschaftsbetrieb des Bauern Gerhard Odinga liegt bei Wybelsum in der ostfriesischen Küstenmarsch bei Emden (2014). Walter Odington war ein im 14. Jh. lebender englischer Mathematiker und Musiktheoretiker. Er lebte als Benediktinermönch in Evesham und Oxford. Er schrieb neben zwei astronomischen Abhandlungen die Schrift „De speculatione musices“. - In Geschlechterlisten finden sich folgende Nachweise des Namens: In Geschlechterlisten finden sich folgende Nachweise des Namens: M. Katharine Oding, geb. ca. 1464, Münster Stadt, Westfalen - M. Katharine Oding heiratete 1485, Münster Stadt, Westfalen - Magnus Oding, geb. 1524, Celle, Hannover - Jan Voigts Oding, geb. 1625, Borken, Westfalen - Jan Voigts Oding, geb. 1631 in Borken, Westfalen - Magnus Oding heiratete 1551 in Braunschweig, gebürtig Hannover Berndt Oding heiratete 23. Jan. 1674, Altenberge, Westfalen - Jan Voigts Oding heiratete 1650 Borken, Iserlohn, Westfalen - Anna Oding, geb. ca. 1702 in Münster Stadt, Westfalen - Anna Oding, geb. 1704 in Münster, Westfalen - Bernardus Oding, geb. 05. Jan. 1706 in Alverskirchen, Westfalen - Anna Oding heiratete 1723 in Münster Stadt, Westfalen - Anna Maria Oding, geb. 16. Aug. 1763 in Borghorst, Westfalen - Theod. Henricus Oding, geb. 15. Nov. 1765 in Borghorst, Westfalen - Conradus Oding, geb. 22. Sept. 1734 in Heidelberg, Baden - Anna Oding, verst. 1769 - Johann Heinrich Anton Bernard Oding, geb. 21 Okt. 1830 in Münster Stadt, Westfalen - Francisca Wilhemina Oding heiratete am 27. Sept. 1831 in Beckum, Westfalen - Fred Oding, geb. 1833 in Mecklenburg - Mary Oding, geb. 1834 in Mecklenburg - Johann Theodor Melchior Oding, geb. 30 März 1838 in Münster Stadt, Westfalen - Maria Louise Oding, geb. 17. Okt. 1856 - Maria Louise Oding, geb. 02. Nov. 1856 in Danzig Stadt, Westpreußen - Johann Henrich Oding heiratete am 09. Juni 1859 in Roxel, Westfalen. Iwan Awgustowitsch Oding(1896-1964), Sohn eines lettischen Schlossers, war ein in Russland wirkender Materialwissenschaftler und Hochschullehrer. Hinzu kommen die Familiennamen Odding und Oeing/Öing aus Oeding/Öding. 23 Personen des Familiennamens Oeding lebten in Wedel, Krs. Pinneberg, an der Unterelbe, im Zeitraum von 1687-1884. Der germ. „a“-Laut verschob sich in mittelalterlichen nordwestgermanischen Gebieten zu einem „ae / ä“-laut und der „o“-Laut verschob sich in „oe / ö“, was sich im altenglischen 34 Zeichen umfassende Runen-System bereits wiederspiegelt. Deshalb bestehen die Formen Oding/Öding nebeneinander.
 
Das Sachsen-Thing zu Markelo und der Name Oding
 
Bei der Personen-Suche nach dem Namen Oding gibt es 158 Fundergebnisse. Der Familienname Oding kommt am häufigsten im deutschen Nordwesten, den sächsisch-friesischen Gauen vor. In den niederländischen Ortschaften: Meppel (4 - Provinz Drente), Collendoorn (3 - Provinz Overijssel), Feanwâlden (2 - Provinz Friesland), Groningen (2), Heemse (2 - schon von Missionar Lebuin beackert [ebenso wie Ootmarsum], war Muttergemeinde eines Kirchspiels - Provinz Overijssel), Leeuwarden (2), Amsterdam (1), Coevorden (1), Elsen (1), Emlichheim (1), Heesterkante (1), Jelsum (1), Rijssen (1), Vries (1), Workum (1), Yde (1), und Markelo (1). Eine niederländische Seite meint den Familiennamen „Oding of Odingh“ zuerst in Staveren (fries. Starum) im Jahre 1758 vermeldet zu finden. Stavoren ist die älteste der elf friesischen Städte und liegt in der niederländischen Provinz Fryslân. Den Quellen zufolge stamme der dortige Familienname Oding wahrscheinlich aus einem Bauernhaus in Borne, einem Dorf in der Nähe von Rijssen in der Provinz Overijssel (welche vor 1528 Oversticht benamt war). Rijssen ist von Markelo nur ca. 10 km entfernt. In der niederländischen Gemeinde Markelo lebte eine Grietje Oding (1644-1704). Markelo (altsächs. marka = Grenze, lôh = Wiese, Gehölz, hl. Hain) wurde bekannt als Versammlungsort der Altsachsen, von dem die Lebensbeschreibung des „Hl. Lebuin“ („Vita Lebuïnus“) berichtet. Diese Texte verlegen die Sachsen-Versammlung an die Weser, aber nur eine Ortschaft namens Marklo ist bekannt, nämlich das schon 1181 genannte Dorf Marclo in der niederländischen Provinz Oversticht, westlich von z.B. deutschen Bad Bentheim. Marklo liegt Luftlinie ca. 35 km westlich von Gronau in Westfalen. Die Gemeinde Marklohe im Landkreis Nienburg/Weser in Niedersachsen kommt als Lokalisation nicht in Betracht, sie trägt ihren Namen erst seit 1931. In der Lebensbeschreibung des britischen Kirchenagenten Lebuin (gest. um 775), der den zweifelhaften Ruhm eines katholischen „Heiligen“ errang, heißt es zwar: „in media Saxonia iuxta fluvium Wisuram ad locum qui dicitur Marclo“ (mitten in Sachsen an der Weser bei einem Ort namens Marklo), doch verfasst wurde der Text erst um 900, man wusste es nicht mehr so genau. 30 km östlich von Lebuins eigentlichem Missionszentrum, der niederländischen Stadt Deventer, lag Marclo, das heutige Markelo. Das ist naheliegend die Stätte wo Lebuin der Sachsen- und Friesenversammlung in der bekannten Überhebung der „Christen-Missionare“ den Untergang androhe, wenn sie sich nicht bekehren würden. Er erschien plötzlich unter den Anwesenden und gebot den christlichen Glauben anzunehmen, andernfalls drohe ihnen die gewaltsame Unterwerfung durch einen benachbarten König. Sie würden getötet mit dem Schwert und ihr Besitz gäbe der Sieger an wen er will, danach würden sie zu seinen und seiner Nachfolger Sklaven. Die Anwesenden waren über die Zumutung empört und vertrieben ihn vom Versammlungsort. Die üblichen Wunderlegenden-Mätzchen wurden kolportiert, der mit dem Tode bedrohte Lebuin hätte sich vor den Augen der Heiden im Stamm eines Baumes unsichtbar gemacht. Die Drohungen Lebuins - sollten sie vor dem Sachsenkrieg tatsächlich geschehen sein - standen im völligen Einklang mit dem, was die Sachsen unter dem Frankenkönig Karl erdulden mussten, der in diesen Jahren den Krieg gegen sie begann. Im Mittelalter war das Dorf Marclo/Markelo das Zentrum der gleichnamigen Gemeinde in Oversticht der Diözese Utrecht. Bis heute ist der Markloer Versammlungshügel als etwa 22 m hoher Thing-Platz, unter dem Begriff „De Dingspelerberg“ oder „Ding Spelsberg“, erhalten geblieben. Wir erkennen, in der niederländischen Provinz Oversticht/Overijssel - in der der sächsische Thingplatz Markelo lag - häuft sich der Familiennamen Oding auffällig.
 
Das Geschlecht derer von Oettingen und die Od-Kultstätten
 
Oettingen ist ebenso der Name eines ursprünglich westfälischen Geschlechtes aus Ahaus im westlichen Münsterland, das sich im deutsch-baltischen Raum niederließ. Dirick Ottynck erscheint Ende 15. Jh. im Zehntregister des Klosters Überwasser, der Lambert Ottingh wurde am 17.11.1480 Bürger von Reval, der Kaufmann Ewert Otting ist 1548 Ältermann der Großen Gilde, wird Ratsherr und später Bürgermeister und Gerichtsvogt in Riga und Johann Oettingen wird am 27.06.1687 durch Schwedenkönig Karl XI. in den Adelsstand der Livländischen Ritterschaft erhoben. Oettingen in Bayern (Lkr. Donau-Ries) an der Wörnitz war Sitz des Geschlechtes der Oettingen, die sich ableiten von den Staufer-Vorfahren, den 987/1007 urkundlich erwähnten Schwäbischen Pfalzgrafen Friedrich und dessen Vater Sieghard V. aus dem Geschlecht der Sieghardinger. Der Stammbaum der Grafen von Oettingen fußt, urkundlich belegbar, auf „Ludovicus comes de Otingen“, der im Jahr 1147 die alte staufische Gaugrafschaft im Ries als Lehen übertragen bekam und seinem Bruder „Chuno comes de Othingen“, urkundlich fassbar i.J. 1250. Das Geschlecht war auch im Teutschorden aufgeschworen. Zu beachten ist, dass die Sieghardinger, in Folge ihrer gewonnenen Lehnsherrenschaft, sich nach dem an sie gelangten Besitz zu „Othingen“ benannten und nicht umgekehrt. Das weit entfernte Benediktiner-Reichskloster zu Fulda hatte hier Besitzrechte, welche schon um 750 im Güterverzeichnisse des 744 gegründeten Klosters als Besitzung in „otingen“ aufgeführtwerden. Altheilige Stätten, also wichtige heidnische Hochburgen wurden von den weltlichen Herrschern zur Umgestaltung und Umerziehung in die Obhut der Missionsklöster verschenkt. Erst die erwerbstüchtigen Staufer haben dem Kloster seine dortigen Besitzrechte allmählich abgerungen. Der Umstand des frühen Fuldaer Klosterbesitzes darf als zusätzlicher Deutungsbeweis für die angedachte Stätte des altheiligen od-gottlichen Kultortes gelten. Der ursprünglich deutsch-lothringische Ort Ottingin an der Luxemburgischen Grenze, 1051 erstmals erwähnt, fiel am 23.02.1766 an Frankreich und heißt heute Ottange. 
 
Durch mundartliche und wortverändernde Umlautungen wurde aus dem „Oto / Odo / Oðo“ ein Otto mit doppeltem „t“, so dass eine Menge derartiger Ortsnamen nicht auf den Wassermarder Otter zurückzuführen sind, vielmehr auf einen Dorfgründer namens Odo. Dieser Vornamen war einstmals nicht selten: Odo von Cluny oder Odon von Aquitanien (878/879-942). Odo von Deuil (franz. Eudes - um 1110-1162) war ein franz. Benediktinermönsch und Geschichtsschreiber. Odo I. von Bayeux (auch Eudes - um 1030-1097) war Bischof von Bayeux und Earl of Kent. Odo von Metz war ein fränkischer Baumeister zur Zeit „Karls der Großen“. Odo von Cheriton (ca. 1185-1246/47) war ein Theologe und Fabeldichter. Ein augenfälliges Beispiel für die Vertauschbarkeit von „d“ zu „tt“ sind die dänische und die deutsche Benennung des dänischen Stadt „Odense“, auf der Insel Fünen, die sich aus einer Odins-Weihestätte namens „Odins-Vi“ entwickelt hat und deren deutscher Name „Ottensee“ lautet und auf einer mittelalterlichen Landkarte als „Ottona“ bezeichnet wurde. Die Großstadt Osnabrück in Niedersachsen muss schon vor dem Einbruch der Franken von einiger Bedeutung gewesen sein, denn im Jahre 780 existierte bereits eine Marktstelle und im Jahre 804 befahl „Karl der Große“ den Bischofssitz zu errichten. Er hätte das niemals getan, wäre Osnabrück nicht vorher schon Sitz einer altgläubigen Andachtstätte also eines heidnischen Zentrums gewesen. Auch die alte Schreibweise „Osenbrugge“ (Asen-Brücke) scheint eine solche Vermutung zu stützen. Das nordische Göttergeschlecht der Asen bzw. Osen werden den Namen geprägt haben. Der dortige Flussnamen „Hase“, möglicherweise aus einem alten „Osna“, hätte die gleichen Bedeutungswurzeln. Doch lautete der Stadtname in den Jahren um 1204 „Dodincthorpe“, worüber das „Osnabrücker Urkundenbuc“ informiert, mit Urkunden der Jahre 1202-1250. Der Name besteht aus den beiden Begriffen: „Dodinc“ = „odink/g“, mit vorangestelltem verkürzten Artikel „d“, und zweiter Wortteil: „thorpe“ = Dorf. Aschendorf ist heute Stadtteil der emsländischen Stadt Papenburg und einer der ältesten Orte Niedersachsens, der erstmals Mitte 8. Jh. als „Ascanthorp“ (Asendorf ?) in der „Vita Liudgeri“ erwähnt und in späteren Werken als „Asikinthorpe“ erwähnt wurde. Der Name könnte vom altgläubigen Göttergeschlecht der Asen abgeleitet sein, also auf ein asisches Kultzentrum hinweisen. Daraus resultiert wohl der Umstand, dass sich die strittigen Zehntrechte an der Ortschaft das Kloster Corvey und die Osnabrücker Kirche teilten. Osnabrück erhielt schließlich 1077 durch Heinrich IV. die Zehntherrschaft zugesprochen, aber 1252 kam es unter die Herrschaft des Bischofs von Münster. Auch der Umstand, dass Aschendorf den Sitz eines Freigerichts und dann als Gerichtsort erwähnt wurde, spricht für seine schon vorchristliche Tradition als Verhandlungsort. Auch hier hielt sich ein Familienstamm der Johanna Gertrud Öding (1675 - 6.6.1744)Eddigehausen, ein Flecken in Südniedersachsen, liegt in der Mulde zwischen dem Südwestausläufer des Wittenbergs mit der Burg Plesse, dem Ibenberg und dem Hainberg, im Nordwesten des Göttinger Waldes, nördlich der Stadt Göttingen. Im Jahre 1192 war der Name des Vorgängerortes Oddingehusen. Natürlich wird der Begriff heute als „bei den Häusern von Ottos Leuten“ gedeutet. Die hier entspringende Quelle heißt „Mariaspring“, folglich war sie in eigenbestimmter Germanenzeit einer Nymphe oder weiblichen Gottheit, möglicherweise der Gottesmutter Frija, geweiht. Bestätigt wird diese Vermutung durch die Weihung der ehemaligen Eddigehusener Pfarrkirche auf das „Unbefleckte Herz der Jungfrau Maria“ (und dem Patronat der „Apostel Simon und Judas Thadäus“). Um das Jahr 900 herum war diese Kirche die einzige zwischen Paderborn und Marsberg, die als Ableger des Benediktiner-Klosters Corvey die Missionierung der altgläubigen Sachsen voranzutreiben hatte. Kloster Corvey unterhielt hier einen Adelshof, was ebenfalls auf die vorchristliche Bedeutung der Stätte Hinweis gibt. Eine solche Bedeutung muss Eddigehusen in alter Zeit besessen haben, dass bis vor wenigen Jahren jedes Jahr die erste Bittprozession, der drei Bitt-Tage, zum Kreuz auf den Berg mit der versunkenen Kirche von Eddinghausen führte, wo um gedeihliches Wetter gebetet wurde. Oddingehusen wird ebenso als Oding-Kultort zu deuten sein wie die ca. 40 km Luftlinie nördl. von Altötting liegende Gemeinde Ottering (Moosthenning), die möglicherweise auf einen Otheri zurückgehen soll, aber ebenso gut eine Andachtsstätte des Gottes Wodan-Odan gewesen sein wird.
 
Ich glaube nicht an die vielen profanen Odo-Gründerväter, ich vertrete die Kultplatz-These. Edigheim wurde im „Lorscher Kodex“ im Jahr 772 zum erstmalig urkundlich erwähnt, entstand wahrscheinlich aber bereits im 6. Jahrhundert, ist somit eine sehr frühe Gründung. Historisch relevant ist der althochdeutsche Name „Otincheim“, der einen erstaunlichen Bezug zum gleichnamigen Brunnen aus der Handschrift des Nibelungenlieds aufweist, an dem Siegfried von Hagen ermordet wurde. Das „g“ in Edigheim ist lautvariabel mit dem „k“, welches im 5./7. Jh. im Laufe der hochdeutschen Lautverschiebung nach Vokalen zu „ch“ umgelautet wurde. Da aus dem späteren „ch“ kein „g /k“ werden konnte, vielmehr aus dem „g/k“ das „ch“, und die „o“-Anlaute den „e-„Anlauten vorausgingen und die verkürzte Endsilbe „ig“ vor „heim“ als das besprochene Suffix „ing“ zu deuten ist, muss die älteste Form des Ortsnamens „Ot(d)ingheim“ gewesen sein. Naheliegend denkbar wäre es, dass das uralte Sonnen-Jahresdrama des sommersonnwendlichen Siegfried-Todes als altreligiöses Kultspiel am heiligen Od-Ort jährlich aufgeführt worden ist -, eben auch im Odenwald zu Oding-Heim bzw. Edigheim. Dass der mythische Siegfried in altheidnischen Legenden als eine Emanation des jugendlichen Wodan gegolten haben wird, geht auch aus einem angelsächsischen Spruch hervor. Von solcher mythischen Heils-Tat Wodens spricht der aus alten Traditionen stammende altenglische Neunkräutersegen in der Harley-585-Handschrift (Brit. Mus.) aus 2. Hälfte 11. Jh.: „Ein Lindwurm [snican] kam gekrochen, zerriss einen Menschen, da nahm Woden 9 Ruhm-Zweige, erschlug da die Natter, dass sie in 9 Teile zerbarst.“
 
Beispielhaft für meine Kultplatztheorie dürften auch Oedingen und Altötting sein. Das Dorf Oedingen (Ortsteil der Gemeinde Stadt Lennestadt, Lkr. Olpe im Sauerland (Nordthein-Westfalen) wurde im Jahr 1000 zum ersten Mal in einer Urkunde erwähnt, die Kaiser Otto III. ausstellen ließ, anlässlich der Gründung von Kloster bzw. Damenstift Oedingen durch Gerberga von Burgund. Sie war die Tochter Königs Konrad III., entstammte also einer besonders kirchenfrommen burgundisch-französischen Linie. In einem Eigengüterverzeichnis vom Jahr 1144 des Sifrid von Boyneburg wird eine „qualiter concambium Odinge“ / „curia in Odinge“ / „scilicet abbatisse in odinge alheidis“ (Tausch des Haupt- bzw. Oberhof in Odingen) erwähnt. (vgl. Johann Suibert Seibert, „Urkundenbuch zur Landes- und Rechtsgeschichte des Herzogthums ...“, Bd. 1, 1839, S. 95). 1232 übertragen die „Pröpstin Guda von Oedingen“ dem Kloster Wedinghausen die „Äcker zu Odensvelt“ (SU II, Nr. 200). Am 24. 04. 1238 übergibt „Äbtissin Jutta von Meschede und Oedingen“, dem Grafen Gottfried II. von Arnsberg einen Wald, wogegen der Graf auf gewisse Rechte im „Odacker Walde“ verzichtet (SU II, Nr. 210). Am 06. 08. 1457 wird ein Rechtsstreit „zwischen dem Pastor zu Odyngen“ und einem Johan Keyser zu Elspe für Kayser entschieden. Zuletzt wohnten nur noch zwei Stiftsdamen in Oedingen, so wurde es 1533 aufgelöst. 1601 wurden den „armen Klosterfrauen zu Odacker“ einige Renten geschenkt.
 
Die Altöttinger Kirche, um das Jahr 700 erbaut, ist wohl der älteste bestehende Kirchenbau im rechtsrheinischen Deutschland. Die Legende sagt, hier habe der fränkische Christenagent, Bischof Rupert, den ersten christlichen Bayernherzog namens Theodo (Regierungszeit 696-718) getauft, woraus ablesbar ist, dass schon der altgläubige Kult jener Stätte eine hohe Bedeutung zumaß. Ein kirchenpolitisch so wichtiger Akt wie eine Herrscher-Taufe wurde ja nicht an ixbeliebigen Orten vorgenommen, sondern an traditionellen Kultplätzen, um diese im gleichen Zuge zu „entdämonisieren“ und kirchenrechtlich zu vereinnahmen. Urkundlich tritt Altötting 748 ins Licht der Geschichte, unter dem Namen Autingas, der latinisierten Form von Ötting bzw. Oetingen, einer Pfalz der agilolfingischen Bayern-Herzöge. „Aud/t-“ ist die gotische Form des „od / ot / oð“. Johann Georg Turmair, genannt Aventinus (1477-1534), ein deutscher Historiker und Hofhistoriograph, schuf die Altöttinger Chronik, die „Historia Otingae, Munich, 1528“. Er schrieb in der deutschen Version 1519 von dem „hochwirdigen und weit berumten Stifft Alten Oting …“. Ihre größte Zeit erlebte die Karolingerpfalz, als König Karlmann, der Urenkel „Karls des Großen“, 865 seinen kompletten Regierungssitz von Regensburg nach Oting verlegte und von hier aus bis zu seinem Tode 880 als König über Bayern und Italien herrschte. Der politische Glanz von Alt-Oting bzw. Altötting währte nicht lange, beim Ungarnsturm 907 wurde der gesamte Ort mit Pfalz, Stift und Basilika verwüstet. - Hinter dem bayerischen Altötting wird Deutschlands zweit­größte chris­tenkirchlich organisierte „Fuß­wallfahrt“ durchgeführt, von der altgläubigen Asenhochburg Osna­brück ausgehend, über Oesede (einem alten Klost­er­standort) und dem Rit­tergut Oeding­ber­ge, zur Wallfahrts­ka­pelle der „Schmerzhaften Mutter“ in Telgte, das eine deutsche Meile vor Mün­ster in West­falen liegt. An der Klause Oeding­ber­ge wird die erste Rast mit „Wort­got­tes­dienst und Predigt“ ein­ge­legt. Nur allzu naheliegend wäre die Vermutung, dass diese „Burg des Od­ing“ einstmals ein alt­heiliger Sitz eines priesterlichen Vorstandes und Lehrkörpers gewesen ist. Ein gallisches Wort für Holunder soll „odocos“ gewesen sein. Das wäre nicht verwunderlich, galt doch dieser Strauch auch den alten Deutschen als Lebensbaum. Der Glaube war, das Aushacken oder Verstümmeln eines Holunders würde Unglück oder Tod bringen. Aus dem 17./18. Jh. ist überliefert, dass die Menschen den Holunder um Verzeihung baten, wenn sie ihn fällen mussten. Es war nur Witwen und Kindern erlaubt, diesen zu fällen.Sein Verdorren zeigte den Tod eines Familienmitglieds an. Er galt als Abwehrmittel gegen schwarze Magie der Hexen, schützte vor Feuer, Blitzeinschlag und allerhand Krankheiten. Auch beherbergte er wohlgesinnte Hausgeister, was den Strauch in vielen Hausgärten heimisch werden ließ und zu dem Spruch führte, dass man vor einem Hollerbusch den Hut ziehen müsse. Die Namensähnlichkeit von „Frau Holle“ bzw. Holda (die Holde, Huldreiche), der germ. Muttergöttin, einem Kultbegriff für die Gottesmutter Frija, spricht für sich. Einer Legende nach soll der Erzbösewicht Judas sich an einem Holunderbaum erhängt haben. Er, die Metapher des Seelentodes, wurde vom Volksmythos ganz folgerichtig dem Heil- und Lebensbaum - dem Od-Baum - als kontrastierendes Abschreckungsbild zugesellt.
 
Einige odinische Ortsnamen außerhalb Zentralgermaniens vorab: Im Norden Frankreichs, Audresselles (Oderzell) (ein Stadtteil von Marquise), Audinghen (Odingham), in der Nähe von Radthun (Raventown), Tardinghen (Thordingham), Loquinghen (Lokingham) und Audembert (Odinberg). In Zentralfrankreich (Provinz Berry): Vatan (wie Wotan). In Dänemark: Odense (Odins Vi, d.h. Odins Heiligtum). In Finnland: Udensö („Udens Insel“, alternativ „Odins Insel“ genannt). In Norwegen: Onsøy (Norse: Óđinsøy; Odins Insel), Name einer Halbinsel (und auch Name einer Pfarrei und einer ehemaligen Gemeinde) in der Grafschaft Østfold. Óđinsakr (Odins Feld / Morgen), Name von drei Bauernhöfen (in den Pfarreien Svinndal, Gran und Hole). Óđinsvin (Odins Wiese / Weide), Name von drei Bauernhöfen (in den Pfarreien Buvik, Byneset und Meldal). Óđinsland (Odins Land), Name zweier Höfe (in den Pfarreien Bru und Kyrkjebø). Óđinssalr (Odins Halle), Name von zwei Bauernhöfen (in den Gemeinden Onsøy und Melhus). Óđinshof (Odins Tempel), Name eines Bauernhofes in der Pfarrei Ullensaker (die Namen der Höfe sind in der nordischen Form angegeben).
 
Im Kirchspiel Südlohn liegt die kleine westfälische Burgsiedlung Oeding. Ausge­rechnet ein „Heiliger“ Otger (ahd. „Besitzer des Spe­eres“) soll hier der älteste christl. Glaubensbote im 6./7. Jh. am Niederrhein gewesen sein und ist auch Patron der Oedinger „Mutterpfarre“, der „Urpfarre Lon“ bzw. Nord­lohn/Stadtlohn. Wer denkt da nicht sofort an den seinen Speer Gungnir tragenden Asen-Gott Odin ?! Man muss schon des öfteren schmunzeln über die durchschaubare Dreistigkeit christ­licher Schönfärbereien, Umdeutungen und Legendenverdrehungen. Wenig nördl. davon liegt Ottenstein. Des weiteren findet sich ein Oedingen/Odingen (bei Eslohe) im oberen Sauerland, das noch zur sächsischen Heerschaft Engern gehörte. Vom Oedinger Berg, mit seiner alten Wall- und Fliehburg, die im Jahre 1000 als Grundlage für die Errichtung eines Nonnenklosters diente, spricht eine Urkunde von 1533: „tho Odingen uff deine Berge...“. Lautverschiebungen von „o“ zu „e“ sind ebenso festzustellen. Dass der Anlaut zwischen Od-, Ott-, Ed- schwanken kann, ist nachgewiesen. Mundartlich sagen die Bayern „Eding“, wenn sie von (Alt-)Ötting reden. Un­weit von Trier sind zwei eng beieinan­der liegende Ort­schaf­ten aus frühester Besiede­lungs­­phase Edingen und Godendorf. Auch Belgien be­sitzt ein Edingen (franz. Eng­hien) und die flämische Ge­meinde Oet­ingen. Ein wei­teres Edingen wurde am Un­ter­lauf des Neckars ge­gründet. Auch gab es ein Edin­­gen/Neu­stadt in Westpreußen. Im Lahn-Dill-Kreis liegt der höchst­gele­ge­ne Ort unter den Nachbar­ge­mein­­den Oders­berg, in dessen Nähe der Ort Edingen an der Dill, doch die früheste Erwäh­nung nennt ihn im Jahre 1341 Ödingen. Gudensberg am Fuße des Odenbergs, mit der Obernburg, liegt südlich von Kassel. Um den Odenberg ranken sich zahlreiche Sagen des Wodin-Odin, er soll im Berg mit seinem Wilden Heer wohnen. Der Ortsname Gudenbergs wird in einer Urkunde von 1121 erwähnt, auf welcher der nordhessische Gaugraf Giso IV. als Graf von Udenesberc unterzeichnet. Der Name leitet sich von Odinsberg ab, ein ortsnamenstheoretischer Beleg, dass in altdeutscher Zeit dort Odin von den Chatten verehrt wurde. Es finden sich die Ortsbezeichnungen Wothenesberc (1123), Wuodesnberg (1131) und Wotensberg (1209) in Urkunden des 12. und frühen 13. Jahrhunderts, und noch 1672 wurde der Ort in einer Urkunde als Wutansberg bezeichnet. Im Norden vom Massivs des Kleinen- und des Großen Gudenbergs bei der Gemeinde Zierenberg, nordwestlich von Kassel, liegt eine Wüstung namens Eddinchusen 1261 / Odinghusen 1423 / Ödinghausen, Oedinghausen 15. Jh.. Ein weiteres Ödinghausen ist Ortsteil der Gemeinde Nümbrecht (Oberbergischer Kreis); um 1326/1335 genannt als  Oudehrußen, 1447 Odenkusen, 1579 Oedenkausen, 1603 Öekusen, Flurkarte von 1831 Oedinghausen, Oetinghausen ist Ortsteil der Gemeinde Hiddenhausen bei Herford und setzt sich aus den Ortschaften Oetinghausen, Oetinghauser-Heide und Arode zusammen. - Schließlich nannte man „Oding“ auch ein Steuergesetz und eine Naturalienabgabe, die die leibeigenen Bauern ihren Niedersächsischen Klosterherren zu entrichten hatten. Es könnte ein stehengebliebener Begriff aus Heidenzeiten für einen Opfertribut an die Od-Gottheit sein.
 
Bekanntlich waren die Alamannen / Alemannen eine frühmittelalterliche Bevölkerung des westgermanischen Kreises die aus dem deutschen Norden kommend ab dem 3. Jh. in den deutschen Südwesten einwanderten und dort Siedlungskerne errichteten, also in Baden-Württemberg, dem Elsass, Bayerisch-Schwaben, der Deutsch-Schweiz, Lichtenstein und Vorarlberg. Dort müsste der gemeingermanische Od-Begriff bis heute nachweisbar sein; er ist es: Otelfingen (schweizerdeutsch: Otelfingä) ist eine Gemeinde im Bezirk Dielsdorf / Kanton Zürich / Schweiz. Der Wildeber bzw. Keiler war das Wappentier des Herrengeschlecht der Otelfinger. Otelfingen wird erstmals im 11. Jh. im Zusammenhang mit dem Kloster Wettingen erwähnt. Die Gemeinde liegt im Furttal am Fuß der Berges, nahe der Stadt Zürich und an der Grenze zum Kanton Aargau. In der deutschsprachigen Schweiz blühten die Geschlechter namens Ott, Otten, Otter, Ottendorf, Ottenhausen (führten ein Rebhuhn im Wappen). Die Ott und Otto waren ein überaus zahlreiches Geschlecht an verschiedenen Orten der Eidgenossenschaft. Ein Dorf Ottikon bei Kemptthal (572 m ü. M.) liegt in der Grafschaft Kyburg im Kanton Zürich. Einer der prominentesten Besucher auf der Kyburg war der tüchtige erste deutsche König aus dem Habsburger-Geschlecht, Rudolf I. Er hielt sich samt Gefolge während 14 Tagen bei seinem Verwandten in der Kyburg auf. Ein Weiler Ottikon gehört zur Gemeinde Gossau in Kanton Zürich. Ein Mann namens Ottlin tat sich in der Schlacht am Gubel hervor, in Mühlhausen gab es einen Zunftmeister Ottlin oder Oettlin. Zu Baden wurde 1593 ein Benedictus Oderlin von großer Klugheit geboren, ein Nicolaus Oddi 1717 erblickte zu Perugia das Licht der Welt; er wurde Nuntius in der Eidgenossenschaft. Ein 1652 geborener Melchior Odermatt war Landamman. 1706 wurde ein Joseph Ode geboren. Es gab in der Schweiz die Familiennamen Odet und Odi. Ein Geschlecht in Walis waren die Odi, dazu ein Ritter des St-Ludwigs-Ordens trug den Namen. Ein Geschlecht der Stadt Genf waren im 18. Jh. die Odier. (Hans Jacob Leu, Hans Jacob Holzhalb, „Allgemeines Helvetisches, Eydgenössisches oder Schweitzerisches Lexicon“, Bd. 24, 1789).
 
Der ahd. Name Otmar (auch: Ottomar, Othmar, Ottmar, Othmer, Odomar, Odemar, ital. Odoardo) besteht aus den beiden Begriffen „ot/d" bzw. "odhil“ = „Besitz, Gut, Erbe, Seele“ und „mari“ = „berühmt, sagenhaft“, wie in Mär. Die friesischen Kurz- und Koseformen lauten: Omke, Omko, Ommo. Hervorgegangen ist der Name aus dem älteren „Audemar“, wie ihn zur Zeit des Merowingerkönigs Dagobert I. ein fränkischer Bischof des 7. Jhs. trug, der aus Burgund stammen soll: Audomarus (auch: Odemaars oder Omer; karolingisch auch Otmarus - um 600-670). Varianten von Audemar sind: Audemard, Audumard, Audumares, Audemare. Bischof Audemar wurde unter dem Namen „Saint Omer“ kanonisiert. Als Vornamen trug ihn Odemar v. Bodenhausen (1821-1868). Als Familienname wurde Odemar z.B. von einer deutschen Schauspielersippe getragen: Hofschauspieler Karl Julius Friedrich Odemar (gebürtig zu Magdeburg - 1858-1926) und Sohn Fritz Otto Emil und Enkel Fritz Erik Signy. Der zweigliedrige deutsche Familienname „Odebrecht“ bedeutet Od-Pracht, Od-Glanz. Der zweite Namensbestandteil: „preht“ zu „beraht“ (Adj.) = hell, glänzend, strahlend; germ. Grundform „berhtaz“, mhd. „berht“, nhd. nur noch als Namensbestandteil „Bert-“, „-bert“, „-brecht“ vorhanden. Es gab beispielsweise eine Johanna Odebrecht (1794-1856, geb. in Greifswald). Sie war Gründerin und Leiterin einer Armenschule in Greifswald und richtete wohltätige Stiftungen ein, die als „Johanna-Odebrecht-Stiftung“ bis heute besteht.

 

Die „Otingis“
 
 
Als erster bekannter heidnischer anglischer König des angelsächsischen Reiches von Mercia, gegen Ende des 6. Jhs., wurde Creoda oder Crioda bezeichnet („Historia Anglorum“, verfasst in 1. Hälfte des 12. Jhs.). Der Königsname wäre deutbar als Bezeichnung die ihm von Seiten der (auch) lateinisch sprechenden keltischen Vorbevölkerung des heutigen England gegeben wurde, aus lat. „credan“ (ne. creed) = Glaubensbekenntnis und „oda“ = Od-Religion. In Nordengland, vor der angelsächsisch/schottischen Eroberung, gab es den Volksstamm der - nach walisischer Aussprache - „Guotodin“, nach moderner walisischer Aussprache: Gododdin. Diese Kelten siedelten zum Ende der röm. Ära im heutigen nordöstlichen England und dem südöstlichen Schottland. Bekannt sind die Gododdin (Votādini) durch das im 7. Jh. entstandene Heldenlied „Y Gododdin“, das dem Dichter Aneirin zugeschrieben wird. Darin wird eine tragische Reiterattacke gegen die anrückenden Angelsachsen beschrieben, wohl in den Jahren 580/600. Nach langem Met-Besäufnis brechen die Krieger auf und fallen sämtlich, bis auf einen einzigen Mann. In der im 2. Jh. entstandenen „Geographike Hyphegesis“ des Geographen Ptolemaios werden sie als „Uotadini“ bezeichnet, woraus sich die Annahme ableiten lässt, dass es eine frühe nordöstliche keltische Gruppe gab die dem Od-Gott-Glauben anhing. Die Könige der Gododdin lebten traditionell abwechselnd in der Gegend um den Traprain Law und im heutigen Edinburgh.
 
Das Land Wigmodi (auch: Wigmodien, Wigmodia, Wimodi, altsächs. Wihmuodi) war ein sächsischer Gau an der Weser, etwa von Cuxhaven bis Bremen, einstmals umfasste er wohl das gesamte Weser-Elbe-Dreieck. Der Gau-Namen setzt sich zusammen aus germ. wig = Kampf/Streit und germ. mod = Gemüt/Sinn/Stimmung/Stolz/Macht, meint demzufolge etwa = Gau der Kampfsinnigen/Streitbaren. Die älteste sächsische Namensform lautet aber Wihmuodi, von ahd. wīhi = Heiligkeit/Heiligung/Weihe, so dass dieses altdeutsche Nordland korrekter als Heiliger-Gau zu verstehen wäre. Er deckt sich etwa mit dem alten Land Hadeln (Haduloha, meist als „Kampfwald“ gedeutet), dem Kerngebiet des sächsischen Volksstammes, in dem die Sachsen - von Jütland herankommend - zuerst Fuß fassten. Nach Widukind von Corveys „Res gestae Saxonicae“ (967/968), sollen die Sachsen mit Schiffen zunächst an den Küsten Hadelns (Hadolaun) gelandet sein. Im 11. Jh. wurde Haduloga oder Hathleria als Landschaftsbezeichnung für den Norden des Elbe-Weser-Dreiecks verwendet. Sehr passend ist, dass vor den Küsten des „Heiligen-Gaues“ Helgoland (englisch: Heligoland), das heilige Eiland, lag und ein Rest davon bis heute liegt. Eine Gemeinde im Land Hadeln ist Odisheim bei Cuxhaven, plattdeutsch Godshem genannt. Man könnte sich folgerichtig fragen, ob als germ. Gaunamen auch „Odien“ ohne eine Vorsilbe denkbar wäre, im Sinne von „Gau der Geistvollen“ oder der Od-Gläubigen“ ? Deren Bewohner müssten dann die Odingis geheißen haben. „Theoderich der Große“ Ostgotenkönig hatte um 520 den röm. Senator Cassiodor beauftragt, eine Niederschrift der Gotengeschichte anzupacken. Das Werk im Umfang von 12 Bänden wurde erst nach dem Tod Theoderichs (526) veröffentlicht, ging in den Wirren der Zeit verloren. Doch der Gote Jordanis, der nur über drei Tage Gelegenheit bekam, dieses Werk zu studieren, schrieb seine Geschichte der Goten „De origine actibusque Getarum“ , kurz „Getica“. Sie ist in lateinischer Sprache verfasst, abgeschlossen wohl bis zum 31. März 551 und veröffentlicht. In Kap. III beschreibt er die verschie­denen Volksgruppierungen der „Insel Skandza“, Skandinavien, darunter eine Gruppe des Namens „Otingis“, die nach dargelegten Sprachgesetzen also als Nachkommen oder Anhänger eines „Ot“ zu verstehen sind. Könnte es sich dabei um das Volk des Schwedenkönigs Othere handeln, der im Folgenden noch besprochen werden wird. Sprachlich wäre diese Erklärung denkbar. Es könnte sich bei den „Otingi“, deren Ruf zu Jordanis in den Süden gedrungen war, ebenso gut um eine Kultgruppe gehandelt haben, welche als Anhänger des nordischen Gottes „Odr / Od“ in Erscheinung traten. Dieser muss als eine bedeutende Gottesvorstellung geglaubt worden sein, galt er doch als Gemahl der gemeingermanischen Gottesmutter Freya (Gylfaginning, Kap. 23). Und das gemeingermanische runische Sinnzeichen-System „O.d.ing-F.u.ð.a.r.k“ wäre dann folgerichtig als die Heilige Schrift der „Odingi“ zu begreifen, also als „Oding-Wizzod“ (ahd. Wizzod = „Heilige Schrift, Gesetzbuch, Evangelium“) der Od-Gott-Kinder und der „Oding“ wäre als der einzelne Od-Gläubige anzusehen. Das ahd. „heroti“ meint die Obrigkeit, aber genau genommen, das Herrengesetz.
 
 
Aus dem nordischen Hause der Inglings-Scylfings stammt Ohthere / Ohtere/ Ohthere / altnord. Óttarr (möglicherweise aus der Urform Ohta-harjaz = Ot-Krieger / -Armee), ein Schwedenkönig der im 6. Jh. gelebt habe soll. Er greift die Geats (Gauts / Goten) an und später auch die Dänen, wobei er seinen Tod fand und zurück nach Schweden gebracht wurde, wo er im „Ottarshogen“ (Ohthere Hügel) der Vendel-Gemeinde im schwedischen Uppland ruht. Der Grabhügel ist 5 Meter hoch und 40 Meter breit (Abb. 1 + 1a). Die Form „oht“ wurde versuchsweise als ein Begriff für „furchterregend, fürchtet“ interpretiert. Er könnte in Zusammenhang stehen mit dem Wort für „Otter“, der deutschen Bezeichnung der Vipern (Kreuzotter) und Wassermarder „Otter“ (Fischotter ). Der Otter („Otur / Otr“) ist in der germ. Mythologie der Sohn des habgierigen Zauberers Hreidmar. Otr wird von Loki getötet, weshalb die Götter für den Totschlag an Hreidmar ein Wehrgeld (Wiedergutmachung) zu bezahlen genötigt werden. Den dafür notwendigen Schatz erpresst Loki vom in zeitweilige in Hechts-Gestalt im Wasserfall, oder nach anderer Form in „Schwarzalbenheim“ hausenden Zwerg Andwari-Alberich, mitsamt dem verfluchten Ring „Andvarinaut“ (Andvaris Gabe), der die Fähigkeit der Goldvermehrung innehat, auf dem aber ein Fluch liegt, jedem den Tod zu bringen, der ihn erwirbt („Reginsmál“, „Skáldskarparmáls“). Die Namensform des im 6. Jh. lebenden Schwedenkönigs Ohðere-Ohtere-Óttarr, den die Dänen schmähend „Vendelkråka“ (Vendel-Krähe) nannten, könnte also von „oht“ für „furchterregend“ gedeutet werden, doch eine naheliegende Alternative bietet sich an, nämlich die Erklärung aus gleichen Formen zu deuten aus denen der deutsche Vornamen Odo / Odho / Otto hervorgegangen ist, wie ihn beispielweise der Herzog der Bajuwaren Odilo / Oatilo, Uatilo (vor 700-748) trug, aus der Sippe der Agilofinger -, denn die Lautung „auð / oð / ot / od /“ für „Gut, Reichtum“ war im gesamten germanischen Sprachraum in diesem Sinne verständlich und nicht auf Süd- oder Nordgermanien beschränkt. W. Hauer führte aus: Sowohl „ôdal“, wie auch die anderen germ. Entsprechungen mit „auðna“ (Schicksal, Glück) und „auðr“ (Reichtum) gehen auf die indogerm. Wurzel „audh“ zurück. (J. Wilhelm Hauer, Schrift der Götter, 2006, S.126f, 199)
 
Ein weiterer noröner Namensträger dieser Art ist bekannt. Ohthere of Hålogaland (norweg. „Ottar fra Hålogaland“) war ein wohlhabender, mächtiger Kleinkönig aus Hålogalqand (Nordnorwegen), der im Jahre 890 auf einer seiner Reisen in England König „Alfred den Großen“ von Wessex traf. In seiner Beschreibung der nordischen Länder finden sich erstmalig die Begriffe Norwegen (Norðweg) und Dänemark (Denamearc), als nördlichsten Handelsplatz und Großgehöft nennt er „Skiringssalr“. In der norwegischen Tradition heißt es: „Ottar Vendilkråke“ war ein König aus „Ynglingeætta“, Sohn des Egill, aber die angelsächsische Tradition der Beowulf-Sage nennt den Vater des Ohthere („Faeder Ohtheres“) Ongenðeowund sein Sohn Aðísl / Aðils / athils / Adils, Adhel (angelsächs. Eadgils). Die korrekte angelsächsische Form wäre Ædgils. Der Name Adils war selten in Skandinavien, so dass er bei fast 6.000 skandinavischen Runeninschriften nur auf dreien anzutreffen ist. Diese nordische Namensform ist vom Urnordischen abzuleiten, aus Aðagīslaz (Athaist Abkürzung für Athala = „edel, vor allem“ (deutsch „adel“) und gīslaz = „Spross, Zweig“). Die gemeingermanische Form „Auda-gīslaz,  auða- bedeutet „Reichtums-Spross“. Das dt. Adjektiv „edel“, im Ablaut zu „Adel“ (ahd. adal, angels. aedel, aisl. adal), von dem das Adjektiv „edel“ mit Primärumlaut gebildet ist, kommt von germ. oðela („Odal, Sippen-Grund, Sippen-Eigentum an Grund und Boden, väterliches Erbgut“, das auch seelisch-wesenhafte Vorstellungen mit einschloss (ahd. uodal, asächs. othil, aengl. odel, aisl. odal). Aus dem ahd. „ot“ für „Besitz, Erbe“ ist der Vor- und Familienname entstanden. Varianten davon sind: Udo, Odo, Odilo, Othello, Otfrid, Odibald, Otfried, Othmar, Ottokar, Otloh, Ottmar, Ottheinrich, Ottomar, Othon, Otolt, Otker, Otrich, Othart und weibliche Formen wie Otburga, Ottburga, Otberga, Ottberga, Odilberta, Odilgard, Ottilie, Odelint, Ute. Das deutsche Herrschergeschlecht der Ottonen leitet sich von „Otto I. der Große“ (912-973) ab, aus der Sippe der Odonen. Heinrich der Große (946-1002), auch als Odo-Heinrich (französisch: Eudes-Henri) bekannt, trat als Herzog von Burgund die Nachfolge seines älteren Bruders Otto an. Es bietet sich der Schluss an, dass die Begriffe „Odal“-Besitzer, „Adels“-Geschlecht, „edel“-mütig, Klein-„Od“, „Odo-Otto“ sämtlich aus dem mehrdeutigen Urbegriff „Auda“ für Reichtum (materiell wie seelisch-geistig) wortgeschichtlich erwachsen sind.
 
Verzierte steinzeitliche Scherbe aus Dedelow /
Uckermärker Trichterbecher-Kultur
 
Die Schlingen-Rune und der od-ot-oð-Begriff
 
Ein Scherbenfund der Trichterbecherkultur aus der jüngeren Steinzeit der Uckermark, von einem Brandgrab bei Dedelow, zeigt einen Zierfries aus vorrunischen Zeichen in Gestalt der Odal-Rune. Ernst Sprockhoff setzt ihn auf die mittlere Stufe der jüngeren Steinzeit, entsprechend der nordischen jüngeren Ganggräberzeit, also: 2.800-2.400 v.0. (Megalithkeramik: Tafel 6/b, Fund von Dedelow, Kreis Prenzlau (Dorf im Nordosten Brandenburgs / Uckermark; entnommen aus Ernst Sprockhoff, „Die Kulturen der jüngeren Steinzeit in der Mark Brandenburg“, 1926, S. 16f) Zwei verschiedene Runenformen werden in der Angelsächsischen Reihe (Originalmanuskript „Cotton MS enthalten. Otho B 10“ aus Anfang 11. Jh. /1731 verbrannt), der Hrabanus-Maurus-Reihe sowie in der St.-Gallen-Codex-Reihe übereinstimmend mit den Namen „patria“ (Vaterland / Heimat) gekennzeichnet. Einmal das gewöhnliche Schlingenzeichen in Angelsächsischer Reihe, wo es als „öðel“ und im 1. St.-Gallen-Codex, wo es als „ôðil“, erscheint, während in der Hrabanus-Maurus-Reihe eine Runenvariante der A-Runenform „ôthil“ genannt wird, weil der betreffende Laut zwischen „a“ und „o“ lag. Mit etwa gleichem Zeichen wird der „o“-Laut als „othil“ in den „Codices Vindoborum“ angegeben. Das gewöhnliche Schlingenzeichen erscheint auch in 2. St.-Gallen-Codex-Reihe „odil“ ohne beigefügte Runenbenennung, während in den vatikanischen „Annales Brunwilarenses“ dem „ódil“-Begriff ein Doppelkreiszeichen vorangestellt ist, welches - so wie es mit der Feder gezogen wurde - gedanklich eine 8-förmig Doppelschlaufe zugrunde liegen könnte. In der angelsächsischen „Cotton-Hickes“-Reihe wird der „oe“-Laut mit Schlingenzeichen als „eðel“ aufgeführt und das „o“ als „os“ (Mund) wieder mit der veränderten „a“-Runen-Variante. Im altgerm. Schlingen oder Doppelschlingen-Zeichen fokussiert sich ersichtlich - wenn wir die Quellentrümmer zusammenlesen - ein geistiger Wert von hervorragender Bedeutung für die germ. Gesellschaft: die Heimat, die Sippen- und Geschlechtererde mit dem zwanghaft dazugehörenden Edelsinn, dem Adel, denn jegliche Hoheit war abhängig vom hoheitlichen Landbesitz. Das väterliche Erbgut, germ. „ōðela“ (ahd. „uodal“, altsächs. „ōthil“, angelsächs. „ōðil“, isl. ōðal“) machte den Adel aus und nur wer seit Urzeiten förmlich aus eigener Scholle hervorgewachsen war, konnte als von hoher Herkunft - eben von Adel - gelten. So war zweifellos der elsässisch-germ. Odilienberg, mit seiner über 10 km langen „Heidenmauer“, südlich Straßburg, nahe den Dörfern Oberehnheim, Heiligensteinund Burgheim, der heilige Sitz einer Odilia, nämlich der priesterlichen linksrheinischen Landesmutter. Und sie blieb - zumindest dem Namen nach - diesem Amt noch nach der Verchristlichung treu, als „Schutzpatronin des Elsass“, wenn schon aus dem Amt der altgläubigen Heilrätin die kirchenchristliche Mission eine Klosteräbtissin gemodelt hatte. Der Name Odilia, eine Nebenform von Ottilie, entstammt dem Althochdeutschen „ot/ od“ und bedeutet - wie wir erfuhren - so viel wie Erbgut, Heimbesitz oder Gutsbesitz. Die nicht ernst zu nehmende Kirchenlegende, erst aus dem 11. Jh., machte die „Heimat-Mutter“ Odilia zu einer blinden Tochter des streitbaren Herzogs Eticho, der im 7. Jh. lebte. Sie erhielt diesen Namen höchstwahrscheinlich deshalb, weil sie auf der Hohenburg des Odilienberges möglicherweise einer Klostergründung vorgestanden hatte. Gesichert ist das aber keineswegs. Der Begriff „Heimat“ kommt aus ahd. „hem-ode“, „heim-odil“. Die Volkserinnerung und der Volksmund folgen keinen grammatikalischen Gesetzmäßigkeiten, im altheiligen „ōd“-Begriff konzentrierte sich Das-Gute schlechthin: „Ōd“ bedeutete „Glück / Besitz / Kleinod“, ōd (Wurzel „wod“) bedeutete „Beseelung / Lebensatem / Lebenskraft und Zeugungskraft“. Der Beseelungs-Gott Wodin-Odin war der „Od“-Spender, der die Hauchseele einbläst und damit die Wiedergeburt vollzieht, wie es das Wodin-Haupt auf den mittelalterlichen Geleitmünzen, den Brakteaten, immer wieder in variierender Weise bildhaft vorführt. Und die Hauchseele wird als Schlangen-Metapher gedacht; „odil“-Schlangen-Schlaufen werden ins Bild gesetzt. Wodin-Odins Geist - vergegenständlicht als seine gefiederten Gehilfen - die Rabenvögel Hugin (Gedanken) und Munin (Erinnerung), markieren die Brakteaten-Künstler mittels der gleichen „odil“-Schlaufe als Geist-Seelen-Geschöpfe. Darum wird als „kenning“ (Synonym) die Menschenbrust als Sitz des Lebensatems auch „oðburg“ genannt. Der althochdeutsche Begriff „wuot“ bedeutet höchste „Seelenerregung“, „Minnewut“ ist die Aufregung welche die Liebe beschert. Im Altnordischen ist „ōðr“ die seelenerregende (enthusiastische) Dichtkunst und die Dichtung, und der zur heiligen Ekstase führende Dichtermet heißt „Oðrœrir“ (Geistanregender). Germ. „wōða“ ist der Gesang. Altnord. „Oddr” meint die „Spitze / Speer / Anführer“ und „oddrjōðr” ist der Krieger. Das kommt zwar aus einem anderen Wortstamm, aber was anderes als „ōðr“ führt Dichter und Krieger an die vorderste Front der Ehrungen und des Nachruhmes ?! Das altnord. Wort „ōtti” steht für „Furcht“ aus germ. „ōhtan”. Es könnte sich aus der Vorstellung einer Scheu vor dem Unfassbaren, Unbegreifbaren und schicksalhaft Regellosen, also aus einer Art Gottesfurcht, entwickelt haben. Altnord. „ōtta“ ist das „Morgengrauen“. Altnord. „ota” bedeutet „vorwärts, schieben, drohen“. Jedenfalls rief die „o“-Schlingen-Rune so viele heilige Erinnerungen hervor, dass der gotische Missionsbischof Wulfila im 4. Jh., bei der Schaffung seines Buchstabensystems, um die „Bibel“ ins Gotische zu übersetzen, auf diesen Runen-Buchstaben nicht verzichten wollte. Nur diese „o“-Rune („utal“) und die Opfer-Rune des „u“-Lautes („uraz“) übernahm er aus den eigenen Runen-Buchstaben, bei allen anderen bediente er sich des griechischen und des lateinischen Alphabets. Er verzichtete auf die Runennutzung, denn er weiß als Gebildeter, dass es sich beim Runenverbund nicht nur um ein Schreibmedium handelt, sondern um die kodierte Grundlage der germanischen Religion. Aber den Heils-Nimbus der „od“-Rune wollte er als einschmeichelndes, werbewirksames Element doch nutzen. Der rigorose Verdrängungskampf der Mönche gegen die Runen hatte noch lange nicht begonnen.
 
 
Völkerwanderungszeitlicher schwed. Brakteat „Skåne III“ mit „ota“-Begriff –
Wodins Kopf - beim Belebungshauchen - über der Opfer-Gesamtheit Ross/Stier -
Vorderbeine zur odal-Schlinge verschränkt, weisen das Tier als Seelenwesen aus.
Dort, wo in der bildhaften Formelsprache der „Brakteaten-Religion“ üblicherweise
der Seelenvogel vor dem Wodin-Kopf platziert ist, steht hier der „ota“-Begriff.
 
Auf den unteren Rand und Boden eines elfenbeinernes Amulettbüchschens aus einem Mädchengrab des allemannischen Gräberfeldes von Gammetingen sind jeweils drei Runen geritzt, „ado”, auf einer alemannischen Runenfibel von Gräberfeld in Weingarten (560-600) ist „dado” zu lesen, ob die Namen links- oder rechtsläufig zu lesen sind, bleibt offen. Ob es sich um Eigennamen handelt, oder nicht, es sind heilige Schutzverlautbarungen des Od-Begriffs. Vier der bekannten germanischen Goldamulette, sog. Brakteaten, weisen den „ot“-Begriff und dieselben formalen Eigenheiten auf: „Sie sind vor dem großen Haupt und über dem Kopf des Pferdes platziert, sie besitzen eine eigene Grundlinie, die Spitzen der Runen sind mit Punkten versehen.“ Der Runen-Altmeister Walter Krause hielt „ota“ für ein magisches Formelwort, Klaus Düwel hielt es neben altnord. „ótti“ mit der Bedeutung „Furcht, Schrecken“ und meint diese Wurzel ebenso im Männernamen „Óttar“ erkennen zu können. Ein in germ. Begriffswelt so sehr verbreiteter Name wie Óttar, ahd. Odo/Otto, der urnord. mit „Ōhta-harjaR“ belegt ist, kann aber unmöglich „Furcht und Schrecken“ meinen, sondern muss eine positivere Grundbedeutung haben. (Zitat und obige Abbildung sind entnommen aus Wilhelm Heizmann, „Formelwörter der Goldbrakteaten“ in „Ergänz. Bd. z. Reallex. d. germ. Altertumsk.“, Bd. 40, 2011, S. 573 ff) K. Düwel ist sicher ein hervorragender Mediavist, doch verliert er, der Kirchenchrist, bei seinen runischen Deutungsversuchen mitunter die nötige Objektivität. Tausende germanischer Mütter können nicht auf die abwegige Idee gekommen sein, ihre Söhnchen mit der Rufbezeichnung „Furcht und Schrecken“ zu benamen. Der norwegische Mediavist und Runologe Ottar Grønvik war jedenfalls näher am Pulsschlag runisch-altgläubiger Denkmuster, er hielt die Herleitung K. Düwels zwar für nachvollziehbar, jedoch „Ōtta“ für den Namen des auf dem Amulett abgebildeten Gottes oder eine seiner Kultbezeichnungen. Der Name könnte Bezug nehmen auf die kriegerische Schreckenskraft Wodin-Odins, wie es in der Ynglinga-Saga gesagt wird: „Odin konnte bewirken, dass seine Feinde blind oder taub oder schreckerfüllt wurden.“ Aber auf diesen einen Aspekt beschränkte sich eben nie die Gesamterscheinung des Heil-, Atem- und Geist-Seelengottes. Auch Wilhelm Heizmann kommt zur besseren Einsicht und erwähnt in diesem Zusammenhang die altsächsische Begriffsform „odag“ für „reich / vom Schicksal begünstigt / mit Glück und Wohlstand begabt“ und meint korrekt: „von einer odinischen Deutungsperspektive her betrachtet, ist es der Brakteatengott selbst, von dem dieses Heil ausgeht und das in Heilungs- und Regenerationsritualen seine Wirkung entfaltet.“ - Es gab keine allgemein verbindlichen Rechtschreibregeln, den diversen Stammes- und Kultgruppen darf man eine schwankende Lautung und Schreibung von „d / t“ wohl zugestehen.
 
 
 
Die runisch-germanische Urstammsilbe „od“
 
Damit sind wir der altgläubigen abgesunkenen Begriffsgruppe schon sehr nahe gekommen. Ebenso wäre möglich, dass der Name des Schwedenkönigs Ottar abgeleitet war von dem altnord. Wort für Poesie und Gesang: „odhr / óðr“. Einer der Belege für den Götternamen urgerm. „Wōdanaz“, altdeutsch „Wouton“, langobard. „Godan“, altsächs. „Uuoden“, altnord. Óðinn, fand sich aus 725 n.0 in der Form „uðin“ auf einem mit Runen beschrifteten Schädelfragment (Anders Hultgård, „Wotan-Odin“, in „Reallexikon der Germanischen Altertumskunde“, Bd. 35., 2007, S. 759 f). In den nordgermanischen Sprachen fiel das anlautende w- / g- vor dunklen Vokalen aus, so dass Formen wie Odin entstanden. Der Begriff ist gebildet aus gemeingerm. „wōda“, altnord. „ódr“, was mit dem neuhochdt. Wort „Wut“ nicht ganz zutreffend übersetzt werden kann, vielmehr mit „Begeisterung, Seelenwallung, geistige Erregung“. Deshalb vermag sich der Begriff auf die poetische Dichtung ebenso beziehen wie auf den religiös-ekstatischen Rausch und die wilde Begeisterung im Kampfgetümmel. Heute bedeutet zwar „óður“ im Isländischen „wütend, verrückt“, aber der „oðals-bóndi“ gilt noch als „Erb-Bauer“. Altnord. „óðr“ meint das Seelen­leben und den Intellekt. Nach den altpreußischen Sagen, die der Arzt, Politiker und Historiker Johannes Stüler (1460-1521) in seinem Werk „De Borussiae antiquitatibus“ hinterließ, gab es im 6. Jh. das Doppelgespann zweier adliger Brüder, namens Bruteno und Widewud (auch Weidewut / Waidewutis / Widewuto), die sich die religiöse und weltliche Herrschaft teilten, so wie das auch von anderen germanischen Volksführungen üblich war und bekannt wurde. Bruteno war Griwe (Priester) und Widewut für Waltung und Gesetzgebung zuständig. Wir können davon ausgehen, dass sich in dieser Region altgläubige rugische, gotische, gepidische, wandalische und altpruzzische Anwohner harmonisch zusammengefügt hatten. Der Gote Jordanes, Autor der Gotengeschichte („Getica 5,36“) berichtet von den dortigen Bewohnern: „An der Küste wo in drei Flussmündungen die Weichsel sich ins Meer ergießt, siedeln die Vidivarier, welche sich aus verschiedenen Völkern zusammensetzen; hinter diesen wohnen ebenfalls am Meer die Ästier...“ Der Name „Bruteno“ ist aus altpr. „Erkenntnis“, der die heilige Überlieferung Kennende zu deuten, und „Widewuts“ Begriff setzt sich zusammen aus „Waidin“ = Wissenschaft sowie „Wutis“ = Vorsteher bzw. Oberster. Letzterer hatte 12 Söhne unter denen er das Pruzzenland in entsprechend viele Gaue aufteilte, um sie daselbst als Kunigas (Adlige) herrschen zulassen. Im heiligen Hain von „Witland“, der Bernstein-Halbinsel Samland (Kreis Fischhausen), lag Romowe (auch Rummowe, Romehnen), wo die „tausendjährige Eiche“ wuchs und der Oberpriester Griwe seinen Wohnsitz hatte. Andere überlieferte Namen des Heiligtums waren Raunonia, Baunonia, Baunomanna, Bannomanna und Bantomanna -, Bezeichnungen deren zweiter Wortteil sich auf den germ. Begriff für Mensch/Menschen bezieht. (Johannes Voigt, „Geschichte Preussens“, Bd. 1., Königsberg, 1827, S. 159 ff) Das Gesamtland reichte vom Mündungsdelta der Weichsel bis an die Mündung der Memel, vom Frischen Haff bis weit über die masurischen Seen hinaus. Bei „Wutis“ ist der „w“-Laut vor dunklen Vokalen noch vorhanden (wie Wodin-Odin), was auf sein höheres Alter hinweist. Die Zentralsilbe ist wieder das germ. „ut / ot“, als Begriff für Gut-Geist-Seele.
 
Im Text der eddischen „Weissagung der Seherin“, der „Vǫluspá“ (18,4), werden dem ersten Menschenpaar die Göttesgaben zuteil: „önd gaf Oðinn, óð gaf Hœnir, lá gaf Lóðurr oc lito góða“, „Atem gab Odin, Seele gab Hönir, Lodur die Wärme und gute Farbe“. Odin, der selbst Seele-Geist ist, schenkt den Lebens-Odem. In seinem Atem-Geschenk gibt er sein Selbst - eben die Seelen-Geistkraft - folgerichtig mit hinein, so spendet er gleichzeitig Atem, Leben, Seele. Seine beiden anderen göttlichen Erscheinungs­formen, „Hönir“ (der Schwanen­gleiche) und „Lodur“ (der Fruchtbringende; germ. „lôdiz“, altnord. „lôð“ „Frucht, Ertrag“) zusätzlich Geist-Seele sowie Wärme und Farbe geben. Wie wären Sinn und Seele genau zu scheiden ? Dazu schreibt der Isländer Sigurdur Nordal: „önd, óðr: Hier wird eine Unterschei­dung gemacht zwischen dem Lebens­odem und der Seele. Önd bestimmt die Lebens­funktionen, ist Teil des Lebens und ist Mensch wie Tier gemeinsam. óðr ist der ,göttliche Funke‘ im Men­schen, der aufhöhere Mächte zurückgeht.“ (Sigurdur Nordal, „Völuspa“, 1980, S. 48) Der nordisch-mythische Begeisterungstrank, aus dem Speichel aller Götter heißt „Óðrörir“ (Seelenerreger), er schenkt höchste Gelehrsamkeit, Weisheit und Dichtkunst. Von diesem vortreff­lichen Met lässt die Götterlegende den Odin noch einmal zusätzlich trinken, da begann sein Geist zu wachsen, er fühlte sich wohl, ein Gedanken führte ihn zum nächsten und er kettete Werk an Werk („Hávamál“, 140-141). In einem naturreligiös klingenden Hymnus aus dem Stundenbuch „Te Deum“ der Hildegard v. Bingen (1098-1179) heißt es: „O Feuer des Tröstergeistes, Du bringst auch stets Menschen voll Einsicht hervor, beglückt durch den Odem der Weisheit. … weil du die Gaben des Lichtes verteilst.“

Der od-Begriff mōd, mit schwachem „m“-Anlaut, findet sich in germ. moða, angels., as., (ahd. môd bzw.muot / ais. mōð(r) / got. mōð(s) = Zorn) - mōd = Mut, Gemüt, Sinn, Geist, Stimmung, Stolz, Macht -; ahd. gimouti = Gemüt, Verlangen; angenehm -; ahd. muoten = Verlangen. Das hochdeutsche Wort „Mut“, aus ahd. môd/muot = Geist, Gemüt, heftiges Streben, innere Erregung, kommt wie „Wut“ (ahd. wuot, got. wōds, altnord. ōðr = Dichtkunst) aus gleichem Wortstamm und meint nichts anderes als „Seelenimpuls / Seelenregung“. Also entspricht ahd. môd, mhd. muot, goth. môds, altnord. môðr, schwed. dän. mod, alts. ags. fries. môd, niederl. moed, engl. mood = Sinn, Gesinnung, Mut, Inneres, Herz weitgehend dem lat. animus. Das Wort bezeichnet den inneren Menschen auf dem Grunde seines Gefühlslebens. Es kann Aufgeregtheit und Erbitterung bedeuten im Sinne von Wut und Zorn, oder auch meint es das Zentrum des Fühlens, Denkens, Begehrens, Strebens überhaupt, im Sinne von Gemüt. Es heißt in einem vorsichtigen sprachwissenschaftlichen Text der „Akademie der Wissenschaften, Göttingen“: „Es muss in dem Worte ursprünglich eine eigentümliche noch nicht aufgehellte Äußerung des germanischen Geistes ausgedrückt liegen, sei es nach der kriegerischen oder nach der religiösen Seite hin.“ Bei Zusammenschau des Sprachdenkmälermaterials ist die Aufhellung aber möglich ! Am besten erklärt man - nach allem was wir darüber wissen - das Wort als Seelenbewegung. Im Altenglischen ist me(o)tod das unpersönliche Fatum, auch im „Heliant“ erscheint metod als „Schicksalsfügung“, die ja allein von Gott gefügt verstanden werden konnte. Und ae. upōd - das „oben-od“ - meint „himmlische Seligkeit“. Das westgerm. ôdmôti, ahd. ôtmuot, mhd. odmüthig = „Langmut, Sanftmut / williger Muth / ein sich hingebender Geist“ meint ein dem Od gegenüber ergebener Sinn, ergebenes Gemüt. Wohl ebenso wie es folgende Begriffe meinen: mhd. geôtmüetec,geôtmutiger Geist = „ein zum Gottesopfer bereiter Geist“ undminnenmuot = „ein zur Minne/Liebeshingabe bereites Gemüt, bereiter Geist“. Die Wut (nicht im Sinne von Zorn !), wie die Dichtung, bis zur Gottesbezeichnung Wuotan-Wodin, gehören zur gleichen Begrifflichkeit, denn sie entstehen aus der Ursache einer Seelenwallung, sie sind Ausfluss, Produkt also Manifestation einer Seelenwallung. Naheliegend ist die Annahme, auch der Mutter-Begriff ist aus gleicher Wortwurzel entstanden: germ. mōdor = Mutter as. mōdar, ais. mōðir, ahd. muoter -, so dass „Mutter“ die sinnvolle Bezeichnung dessen ist, aus dem die Ursubtanz des Gemütes bzw. der Seelencharakter einer Sippe und eines Individuums bezogen wird. Der angelsächs. Begriff „metian“ = erwägen, got. „mitōn“, ahd. „mezzon“ = ermessen, führte zu „me(o)tod“ m., altsächsisch „metod“ (met-od) = Schicksal / Schöpfer Gott, dessen Urbedeutung folglich „zugemessener Seelengeist“ heißt. Wenn mit dem Körpertode der Leib seine Funktionen verliert, also stirbt, wird nach alter Auffassung die Seele leiblos frei und beschränkt mithin ihr Sein auf das Nurseelische, also auf das „Od“. Der Anlaut „t“ im Wort für Tod - „t-od“ - könnte erklärt werden mit dem Abschliff aus „to/zu“, wie er noch heute im Bayrischen gebraucht wird: „z’“. Verhältnis- oder Vorwörter (Präpositionen) der Art wie „zu“ und „hin“, auch Fallfügteile oder Lagewörter genannt, bedürfen eines Nennwortes bzw. Namenwortes (Nomen), also eine syntaktische bzw. sinnvolle Ergänzung durch einen Begriff auf den sich das Verhältniswort bezieht. So bedeuten beispielsweise die Verhältniswörter „hin“ und „zu“, in den Formen „hinsehen“, „zusehen“: „sich-optisch-auf-etwas-Räumliches-“ oder „sich-gedanklich-auf-etwas-Zeitliches-zubewegen“. Die Vorsilbe „zu“ wird beim Gebrauch von Zeitwörtern verwendet, wie „zuletzt“, „zuallerletzt“, „zu guter Letzt“, „zu Ende gehen“. Ihre sprachgeschichtlichen Formen sind in den bekannten Schwankungen zwischen „t“ und „z“: Althochdeutsch „zuo“, Niederdeutsch „tau“, Angelsächsisch „to“, Altniederdeutsch „tō. Das gemeingermanische Adjektiv „tot“, althochdeutsch „tōt“, schwedisch „död“, englisch „dead“, gotisch „dauðs“, führte zu dem Tätigkeitswort (Verb) „töten“, dem „tot-machen“, althochdeutsch „tōden“, gotisch „dauðjan“ und dem substantivierten Begriff der „Tote“, althochdeutsch „tōto“. Die Kernwortwurzel aller dieser Begriffsschöpfungen ist unabweisbar die Ur-Silbe od, nämlich die 1. Ur-Stammsilbe - gebildet aus dem 1. Vokal und dem 1. Konsonanten des runischen rechtsbeginnenden ODING-Systems.
 
Der altnord. Begriff „oddur“ (Spitze / Speer), käme als Erklärungsvariante für den Schweden-König „Odhere-Ottar“ auch in Betracht, er wurde ebenso gebraucht für die Speerspitze wie für eine Landzunge. Vornamen wie Odger, Oddgeir waren im Norden üblich. Ein „Oddar“ soll im 10. Jh. als Glaubensbote in Holsteinischen Oldenburg tätig gewesen sein, ein „Otger“ im 6./7. Jh. den Niederrhein missioniert und später ein Kloster am elsässischen „Odilienberg“ gegründet haben und ein „Odino“ soll im 12 Jh. als Abt in Rot bei Memmingen in Glaubensdingen beschäftigt gewesen sein. „Oddny“ ist die neue Spitze, der altnord. „Odd-“ ist der an der Spitze stehende Anführer, „Odda-maðr“ ist einer dessen Stimme den Ausschlag gibt, der „Oddviti“ ist der Häuptling, die „Oddnaug“ ist die Spitzen-Frau und „Oddleif“ der Spitzen-Vorfahr. Es gibt bekanntlich im Süden Islands, im Bezirk Rangárvellir, der heutigen Gemeinde Rangárðing ytra, den Ort „Oddi“. Die Stätte liegt auf einer Landzunge zwischen den Flüssen Ytri- und Eystri-Rangá, so dass die Entstehung der Ortsbezeichnung sicher erscheint, wenn auch eine spätere christenkirchliche Legende ihre eigene „fromme“ Ausdeutung beibrachte. Es hätten Christenleute Speere vom Himmel herabfahren sehen, die ihnen bedeutet hätten, dort eine Kirche zu errichten, wo die himmlischen Speerspitzen niedergehen würden. Der Ort war der Hauptsitz eines der mächtigsten Adelsgeschlechter Islands im Hochmittelalter (13./14. Jh.), der „Oddaverjar“. So wie es uns erscheinen muss, wären der altnord. Frauennamen „Oddny“ (Werde-Spitze) und „Oddrún“ als Spitzen-Rune zu verstehen, obgleich bei Personennamensbildungen, durch unzählige Nachweise ersichtlich, allgemein die größte Gestaltungsfreiheit herrschte. Ich erkläre „Oddny“ als Werde-Spitze weil altnord. „ný“ die Phase des sich erneuernden, zunehmenden Mondes bis zum Vollmond bezeichnet. Der isländische „Hof Oddi“ wurde nach der Verchristlichung ein Zentrum der lateinischen Gelehrsamkeit und Bildung. Zur dortigen Oddaverjar-Sippe gehörte auch der Kirchenmann Sæmundur Sigfússon (1056-1133), der die Schriften der „Älteren Edda“ sammelte und dessen gelehrter Enkel, der Gode Jón Loftsson, in „Oddi“ den Skalden, Historiker und Edda-Autor Snorri Sturluson (1179-1241) ausbildete. Welche Vorstellung wir uns von der damaligen dortigen Christenart machen müssen und uns nicht zu wundern brauchen, dass Sigfússon die altheidnischen Texte sammelte, geht daraus hervor, dass sein Bruder Rúnólfr (Runen-Wolf) ein Gegner des Christentums war und er bei seinem außerehelichen Sohn den heidnischen Vornamen Åsmund akzeptierte. Er wurde „Sæmundur fróði“ (Sæmundur, der Gelehrte) genannt. „Fróði“ (Gelehrter) trug die Bedeutung von „weise, erfahren, klug“ und wird in Heidenzeiten ein Kult- oder Beiname des Gottes Freyr gewesen sein, wobei sich die Bezeichnungskombination aus „Fr-“ für Freyr und „-óði“ für klug zusammensetzte.

 

Die heilige Stätte der Königshügel Alt-Uppsalas
 
„Gamla Uppsala“ (Alt-Uppsala) ist die Siedlung des zentralen Machtzentrums Alt-Schwedens, der Hauptstadt des Reiches der Svear, mit den drei bedeutenden Hügelgräbern der Ynglinge-Könige. Manche Sagen ordnen die Gräber den drei nordischen Göttern Thor, Oden und Frey zu. Die alten Quellen geben an, dass hier der Opferplatz mit dem heiligen Brunnen war. Man hat Teile eines Prozessionsweges gefunden, der zu den Königsgräbern geführt haben wird. Das nahe Gräberfeld beherbergt um 3.000 Grabstätten. Der Missionar Adam von Bremen berichtete von religiösen Feiern mit einer Unzahl von geopferten Menschen, Pferden und Hunden, die ringsum in den heiligen Bäumen gehangen hätten. Diese Schilderung, die er vom dänischen König Sven Estridson gehört haben will, wird heute stark bezweifelt, weil sie wahrscheinlich mehr dem Ziel diente, die christliche Mission im altgläubigen Norden anzukurbeln. Snorris „Heimskringla“ gibt an, dass im 5./6. Jahrhundert die Könige Aun, Adhel /Adils / Eadgils-Ottarsson und Egil in Alt-Uppsala begraben wurden. Der Westhügel oder Thors-Hügel wird auch „Adils 'Mound“ genannt. Eine Ausgrabung in diesem Hügel erwies, dass hier ein mächtiger Mann im Jahre 575 begraben wurde, auf einem Bärenfell mit zwei Hunden und reichen Grabbeigaben. „Uppsala öd”, altnord. „Uppsala auðr” oder „Uppsala øðr” (Fülle- / Reichtum- Uppsalas) war der Name einer Sammlung von Ländereien die als Kronbesitz der heidnischen „Könige von Uppsala“ galten und auch im Mittelalter zum Besitz der schwedischen Krone gehörten. „Uppsala öd“, dessen voller Umfang unbekannt ist, war eine erste Gründung schwedischen Staatseigentums, die, wie Snorri Sturluson erklärte, durch den Fruchtbarkeitsgott Freyr begründet worden sei.
 
DIE ODAL-RUNE AM KULTBAU
 

1.) Träger-Kapitell des Lesepults im „Tempietto Longobardo“ in Cividale

  2.) Kapitell aus den Tempelresten von Windisch-Oberburg

 
Wenn es so ist, dass das Schlingenzeichen der „o“-Rune den von mir erkannten hohen Symbolwert besaß, als Anfangszeichen der Runenbuchstabenreihe und dem Wizzod der germanisch-altdeutschen Volksreligion, dann wäre ebenso zu vermuten, dass sie nicht allein ihren Amulett-Charakter auf völkerwanderungszeitlichen germanischen Gürtelschnallen und auf den mittelalterlichen Goldbrakteaten unter Beweis stellte, sondern auf eindeutig kultischen Gerätschaften. Haben solche Nachweise möglicherweise die Christenkirchenzensur überlebt, oder sind sie restlos von klerikalen Fanatikern ausgetilgt worden ? Die Funde beweisen unzweifelhaft das Schlingenzeichen als Sinnbild für das Seelenleben in Form der Metaphern von Seelen-Schlangen und -Vögeln, die auf den Fundbildern mit der „o“-Rune verbunden wurden, um sie als solche kenntlich zu machen. Darüber hinaus gibt es einen krönenden Beweis für die altheilige Ehrwürdigkeit der „o“-Rune an einem Sakralbau. Die norddeutschen Völker der Alemannen und Langobarden trugen den Runen- und den Wodankult in den Süden und erlebten in einem über Jahrhunderte hinwegreichenden Prozess ihre schrittweisen synkretistischen, glücklicherweise aber nie vollendeten Verchristlichungen, weder in der katholischen noch der protestantischen Form. Den altheidnischen Symbolismus und seine Sinninhalte aber vermochte die Mission zunächst auszulöschen. Über Generationen vermischten sich altheidnische Glaubensvorstellungen und Symbolismen mit denen der byzantinischen und römischen Kirchen. Die Überreste eines solchen Tempels oder einer Kapelle in der altgläubig-germanische Relikte zur Geltung traten, fanden sich auf dem Gebiet der heutigen Schweiz, in der Nordwestschweiz bei Brugg, im Flusstal von Aare und Reuss. Dort liegt Windisch, wo sich eine keltische Schanzanlange und von 15 v.0 mit Unterbrechungen bis 401 n.0 das römische Legionslager Vindonissa befand. Der Ortsname bedeutet im Keltisch-Helvetischen „Ort des Windon“. Die altehrwürdige Bedeutung der Stätte erweist sich aus dem Umstand, dass hier Kloster und Bischofssitz in christlicher Zeit entstanden. Viele keltische und römische Funde wurden hier aus dem Boden gehoben. 1956 musste im Ortsteil Oberburg das „Haus Schatzmann“ einem Mehrfamilienhaus weichen. Beim Abbruch des alten Mauerwerkes kamen 9 Baufragmente zum Vorschein, die in zweiter Verwendung, zum Vorgängerbau einer 1360 genannten Kapelle gehörten.
 
Dieses ursprünglich keltoromanische Siedlungsgebiet gehörte wohl im 5. bis Beginn 6. Jahrhundert zum Reich der Burgunder, dies ergibt sich aus der Teilnahme der Bischöfe von Martigny, Genava und Windisch an der burgundischen Synode von Epao-Jenne. 111 Gemeinden des westlichen Mittellandes tragen heute noch Namen auf -inges, -ins, -ens. Es sind Umbildungen der ursprünglich deutschen Endung -ingen. Vufflens am Genfer-See heißt ursprünglich Wölfingen, wie es auch ein Wülfingen in der Ostschweiz gibt. Der arianische Burgunderkönig Gundobad ließ im Jahr 501 seinen Bruder Godegisel, den Teilkönig in Genf, ermorden und setzte dort seinen Sohn Sigismund als dessen Nachfolger ein. Dieser trat gegen den Willen seines Vaters im Jahre 506 (nach anderen Quellen bereits 497) zum Katholizismus über, wurde 516 Gundobads Nachfolger und nahm den Titel „Magister militum“ an, während ihm der oström. Kaiser Anastasios I. den Ehrentitel „patricius“ verlieh. Um das Jahr 517 verheiratete König Sigismund seine Tochter Suavegotho mit dem Frankenkönig Theuderich I.. Nachdem sich Sigismund von dem damals sehr rührigen Katholiken-Bischof Alcimus Ecdicius Avitus die Legende vom „Martyrium der Thebäischen Legion“ mit dem „Mauritius-Kult“ hatte aufschwatzen lassen, gründete er i.J. 515 das Kloster St. Mauritius (St. Maurice), das älteste der Schweiz. Es liegt am südöstlichen Ende des Genfer Sees. Urheber der Legende war eigentlich Bischof Eucherius von Lyon, dessen Sohn Salonius vor 441 Bischof von Genf geworden war. Avitus bekämpfte energisch den in Burgund vorherrschenden Arianismus und leitete 517 das von ihm einberufene 1. burgundische Konzil in Epao-Jenne, zur Durchsetzung der katholischen Glaubensvariante, wo der Arianismus verboten wurde. Im Jahr 522 ließ Sigismund seinen Sohn Sigerich erdrosseln, da er ihn verdächtigte, sich gegen ihn verschworen zu haben. Dadurch verlor er die Freundschaft mit Theoderich dem Großen und verband sich noch näher mit dem oströmischen Hof zu Byzanz, der ihn aber auch nicht retten konnte. Von den Ostgoten und den Merowingern angegriffen, wurde Sigismund von seinen eigenen Landsleuten an die Franken ausgeliefert die ihn mit Frau und zwei seiner Söhne in einen Brunnen warfen.
 
Erster Bischof von Windisch soll Bubulcus (517–534) gewesen sein, auf den Cromatius (534 bis 552), 585/590 verlegten die alemannischen Herzöge das Bistum von Windisch nach Konstanz an den Bodensee. Beim Vorgängerbau der Kapelle von Windisch muss es sich um einen etwa im Jahre 517 abgerissenen arianischen Sakralbau gehandelt haben aus der germanischen Endphase des röm. Imperiums (König Odoaker 433-493), oder der Ostgotenzeit (König Theoderich der Große, 451-526), in denen synkretistische christlich-heidnische Mischreligionsformen des Arianismus üblich waren. Bei den in zweiter Verwendung vermauerten Baufragmenten im Mauerwerk des abgebrochenen Hauses handelt es sich um Säulenbasen, Kapitelle, Konsolen und Kämpferplatten. Einzig die vorliegenden Stücke wurden aus dem Schuttberg gerettet. Die geometrischen Muster, Flechtbänder und der florale Schmuck entsprechen dem langobardischen Stil, sind aber von den Steinmetzen eher provinziell und nicht von der Perfektion geschaffen wie sie in den langobardischen Hochburgen ausgeführt wurden. Alle Elemente sind aus Kalkstein behauen und besitzen in den Rillen teilweise Reste von roter Ocker-Farbe und Hämatit. (Katrin Roth-Rubi, „Die frühmittelalterlichen skulpierten Architekturstücke aus Windisch-Oberburg - Komplex Haus Schatzmann“ - Beide Abb. aus dieser Schrift.) Das Kapitell von Windisch-Oberburg zeigt die Odal-Rune, das Schlingenzeichen der Seele und des runisch-germanischen Seelenglaubens. Ebenso erscheint das Sinnzeichen in kantiger Version auf dem Träger-Kapitell des Lesepultes des „Tempietto Longobardo“ (Langobardentempel) von Cividale in der Provinz Friaul, dem alten oberitalienischen Langobardenland. Das Kapitell von Windisch-Oberburg (Abb. 1) zeigt die Odal-Rune, das Schlingenzeichen der Seele und des runisch-germanischen Seelen- und Schicksalglaubens. Ebenso erscheint das Sinnzeichen in kantiger Version auf dem Träger-Kapitell des Lesepultes des „Tempietto Longobardo“ (Langobardentempel) von Cividale in der Provinz Friaul, dem alten oberitalienischen Langobardenland. Dort steht die „o“-Rune (odala) kombiniert über der „g“-Rune (gibor), wie auf der berühmten goldenen Scheibenfibel des Frauengrabs 106 von Soest in Westfalen. Es handelt sich um den runischen Beschwörungsappell bzw. die Heilsformelbitte: „Seele/Schicksal sei vermehrt/verbessert !“. Die gleiche Runenkombination zeigt die Silberblech-Fibel aus dem Soester Frauen-Baumsarggrab 149. Die 8 Punkte in der Zeichenkombination vom Lesepultträger-Kapitell weisen auf den 8. Raum über den 7 Wandelsternsphären hin, dem Raum der Himmelsgottheit Tiu (8. Oding-Rune), auf den auch Clemens von Alexandria (150-215) schrieb: „Wem Jesus die ewige Seligkeit schenken will den hebt er in die 8.“Im Herzen des Viertels oberhalb eines vorbestehenden frühchristlichen Gebäudes wurde die Mutterkirche der Langobarden errichtet. Der Tempel soll Mitte des 8. Jhs. errichtet worden sein, wo die Gastaldaga, die langobardische Fürstenherberge stand, deren Bau auf den Herzog von Friaul und späteren König Aistulf bzw. Astolfo (Krönung: 749) zurückgeht und seiner Gattin Giseltrude. Die norddeutschen Langobarden besetzten nach ihrer Südwanderung zwischen 568 und774 die italienische Halbinsel und schufen ihr Königreich, das sich vom Friaul und den Alpen bis nach Benevento und Apulien erstreckte.
 
ZUSAMMENFASSZUNG DES WESENTLICHEN VOM ODING
 
Altnord. „Óðal / Óðaljörð“ bezeichnet den Teil des Grundbesitzes (Stammgut, Erbgut, Erbbesitz, Heimat, Vaterland) der sich über lange Zeit bzw. über Generationen im Besitz einer Familie befand und damit dem „Óðalsréttur“ (Odalsrecht) unterlag. In den Wiener Handschriften des „Hrabanus Maurus“ wird die o-Rune  mit „othil - patria“ gekennzeichnet, im „St. Galler Codes“ = „ôðil - patria“, in der angelsächsische Runenreihe = „öðel - patria“, in der Runenliste „Hickes thes. III. tab. VI.“ = „eðel“, in „Hickes gr. anglosax. p. 135“ = „eðel“, in „Codex sangallens .270. p. 5.2.“ = „odil“, in „Codex Isidori Parisiens. p. 4.“ = „oðil“. Die Odal-Odil-Rune symbolisiert also das Stammgut, das Vaterland, und gleichzeitig das seelische Erbe bzw. die Sippenseele, die nach altnordischer Vorstellung mit dem irdischen Stammgut untrennbar verbunden ist. Mein Studium der Runendenkmäler, hinsichtlich des Gebrauches der oðal-oðil-Rune, erbrachte die Erkenntnis, dass sie in der heidnisch-mittelalterlichen Ikonographie den „fylgjur“ (Seelentiere, übernatürliche Begleitgeister, Schutzgeister) angehängt wurde. „Fylgjur“ wurden in der Regel in Form eines Tieres geglaubt, häufig erscheinen sie den Gläubigen im Schlaf, sieht man sie im Wachzustand, gilt das als ein Omen des unmittelbar bevorstehenden Todes. Es handelt sich um eine Art Totem-Wesen, denen eine mythisch-verwandtschaftliche Verbindung zwischen dem Individuum bzw. seiner Sippe und einer bestimmten geheiligten Tiergattung zugetraut wurde, deren Fähigkeiten und Verhaltensweisen dann als „Vorbilder“ galten und auch als glückbringende „Hamingja“ (Schutzgeist, Glückskraft, Geschick) in Erscheinung treten konnten.
 
Das runische Sinnzeichen (o) vereinigte in sich die Vorstellung einer schicksalsbestimmten irdisch-seelischen Einheit des Menschen, als Teil einer Familien-Gesamtheit, die durch einen Urstammboden-Besitz und eine Urstamm-Eigenartigkeit für die übrigen Menschen in Erscheinung tritt. Dieses Clan-Bewusstsein bekundete man in der nordischen Gesellschaft durch Namens-Anhängungen von ung-/ing-Endungen, so wie es noch in dt. Worten wie „Frühling“, dem Kind der Frühjahrszeit, und „Engerling“ (Boden-Kind), der Larve des Maikäfers, zum Ausdruck kommt (Anger, ahd. „angar“, mhd. „enger“ bezeichnet ein grasiges Landstück, Weideland). Die rechts-beginnende Runen-Sinnzeichen-Lesung findet die Runenfolge  (od) am Kopf der Ordnung, ihr folgt das Zeichen für „ing“, so dass sich die Lesung    (o.d.ing) ergibt, die im dargelegten Sinne, als ursprüngliche runenschöpferische Metapher für das konzeptionelle Evangelium einer glückbringenden heimatlich-seelischen Glaubensgewissheit aufzufassen ist -, als die in Runen geronnene geistig-religiöse Emanation des Geist-Seelen-Gottes „Od-(W)Odin“. Die Ing-Rune - separat gedeutet - steht ebenso für die solare germ. Gottheit Ingwaz, so dass gelesen werden könnte: „OD-Ingwaz“ = Geist-Sonnenkraft. Letztlich aber erhebt sich die Frage, wie diese Folge der drei ersten runischen Lautzeichen der rechts-beginnenden Lesung korrekt zu prononcieren sind ? Dürfen sie problemlos als „Oding“ gelesen werden, wurden sie in aktiver Runenzeit so gelesen ? Bei den ersten beiden Zeichen für „o“ und „d“ gibt es sprachlich keine erwähnenswerten Schwierigkeiten, bei Lautung des dritten aber sehr wohl. Dazu schreibt Gerhard Alexander in „Die Herkunft der Ing-Rune“ („Zeitschrift  f. dt. Altert. u. dt. Literatur“, Herausgeb. Kurt Ruh, Bd. 104, 1975, S. 1f): „Der Lautwert der Rune war, jedenfalls ursprünglich, nicht einfacher velarer Nasal, sondern ,ng’ bzw. ,ing’. Da die Runenritzer der ,ng'-Rune keineswegs grundsätzlich dort ein ,i’ voranstellten wo es lautlich wohl nötig gewesen wäre, dürfen für die –Rune Lautwerte ,ing’ sowohl wie ,ng’ angenommen werden.“ Es darf also der Begriff „Oding“ ohne Einschränkung so gelesen werden wie wir es auch noch im heutigen Leseverständnis gewohnt sind.
 
-o-o-o-o-o-o-o-o-o-
 
„Eine neue wissenschaftliche Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise durchzusetzen, dass ihre Gegner überzeugt werden und sich als bekehrt erklären, sondern vielmehr dadurch, dass die Gegner allmählich aussterben und dass die heranwachsende Generation von vornherein mit der Wahrheit vertraut gemacht wird.“

 Max Planck: Wissenschaftliche Autobiographie, Leipzig, 1928

 

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