ORAKEL-STÄBE 13 bis 24

 

  Orakelstab 13: Schritt über die Schwelle

Runenbegriff: Jahr, Sinngehalt: Auf- und Abstieg des Zeitlaufes

Mondcharakter: gebärender Vollmond

Tyrkreisort: Zwillinge/Krebs

 

Das Jahr, die Zeit, gleicht einem Baum mit 13 Ästen; 6 Stufen symbolisieren die Welt der Abstiegsmächte und die anderen 6 Stufen jene der Aufstiegskräfte - dazwischen aber ragt die Spitze des Weltberges. 13 ist mithin die Zahl, welche des Zeitganges immerwährenden sinnvollen, aber auch oft negativ erschei­nenden Wechsel des Abstieges versinnbildlicht. Einerseits handelt es sich zunächst um das Symbol einer reifen Vollendung. Die Zeitrune steht jedoch unter dem zur Neuorientierung führenden Zwillingseinfluss, der sich mit des Krebses Rückwärts­gang addiert. Sie raunt von einer sich anbahnenden Veränderung, von dem Ausklingen einer Werdephase, vom Einmünden der Entwicklung in eine neue Ebene (Transformation). Oft markiert sie das Ende hochfliegender Pläne, den Beginn eines Abwärtsschwunges, der  Verabschiedung eines Jugendtraumes. Jedenfalls wird ein Tor durchschritten. Das könnte eine Bewußtseinswandlung ebenso bedeuten wie Übergang in einen neuen Seinszustand - auch Siechtum und Tod, was jedoch im Sinne der Reinkarnationslehre nur wiederum ein Zeit­segment im fortlaufenden Wechsel von Sterben und Geborenwerden darstellt.

 

Orakelstab 14: Erlöschen des Antriebs

Runenbegriff: Eis, Eisen

Sinngehalt: Tod des Frühlings-/Aufstiegsgeistes (Baldur, Jarilo, Kostromas, Adonis, Tamuz)

Mondcharakter: erblühter Vollmond

Tyrkreisort: Krebs („der böse Krebs“)

 

Der Eisstab gibt sich zu erkennen als einseitig negativer Aspekt der Eibe, des Bogen- und Giftpfeilbaumes. Im eddischen Mythos wird aus der unscheinbaren Schmarotzerpflanze Mistel ein tödlicher Pfeil - darum schenke auch geringfügig aussehenden Gefahrenmomenten deine Aufmerksamkeit. Eis oder Eisen sind die Allegorien rasch hereinbrechenden Todes. Der Harmpfeil, das Schwarz­albengeschoss, hat sein Ziel erreicht in Gestalt eines schlimmen Schicksals­schlages. Noch gestern hielten wir uns, vom Glücke verwöhnt, für unverwundbar - heute schon schnappt sie zu, die Schere des bösen Krebses, der aufzehrenden Erkrankung oder des finanziellen Ruins. Des Todes Eishauch berührt dich in irgendeiner Art und Weise, umklammert sehr bald dein eigenes Lebenszentrum oder weht nahe an dir vorbei, um dich in einem anderen Herzen zu treffen. Immer bedeutet zwar die Todesrune Unheil und Verderben; doch sollte der Betreffende versuchen, den sinngebenden Opferaspekt zu erwägen.

 

  Orakelstab 15: Erneuertes Heil

Runenbegriff: Not (Notwende)

Sinngehalt: Schaffung der frischen, verjüngten Feuerkraft

Mondcharakter: gebärender Schwarzmond

Tyrkreisort: Krebs/Löwe

 

Die Not-/Nutzenrune der Notwendigkeit zeigt das Kreuz der Kreuzung vom waa­gerechten „weiblichen“ und senkrechten „männlichen“ Balken, welche sich aus Mutters 7 und Vaters 8 zur 15 bzw. 6, der All-Zahl, vereinigen. Der Tyrkreisein­fluss spricht die gleiche Sprache: Der stille, weibliche Krebs verbindet sich mit dem brüllenden männlichen Löwen. Es ist ein Zeichen des Feuerheiles, der glücklichen Verbindung einer fruchtbaren Ehe, des gedeihlichen Zusammen­wirkens polarer, sich ergänzender Kräfte. Not findet ein Ende, Mangel wird beseitigt, Widerstände werden beiseite geschoben. Eine junge, unangekränkelte Kraft bricht sich Bahn, alte Untugenden werden abgelegt, Fehlgänge korrigiert; aus neuen Positionen wachsen berechtigte Hoffnungen auf reichen Zugewinn herrlicher Ernten, materiellen oder spirituellen Reichtums. Unüberhörbar fordert diese Rune auf, aktiv an der Heilsgestaltung mitzuwirken, damit aus dem Kreuz mühevoller Qual einmal der sieghafte Feuergeist wieder triumphierend hervorleuchten möge.

 

  Orakelstab 16: Gefahr und Rettung

Runenbegriff: Hagel

Sinngehalt: göttliche Zwillinge, Dioskuren / Ashvinau / Alkes (Helgi und Höder, Heil und Harm, Horus und Seth)

Mondcharakter: erblühter Vollmond

Tyrkreisort: Löwe

 

Die Hagelrune orakelt möglicherweise von jäher Vernichtung, von Hagel­schauern, also überraschend hereinbrechenden Unwettern, wie sie der Hoch­sommer zu bereiten vermag. Dort, wo solche Gefahren drohen, sind aber den tatkräftigen Pflichttreuen die rettenden Helfer nicht fern, so dass das Schlimmste verhütet wird. Jene schützenden „Wetterherren“, welche einen Schauerschaden eindämmen können, gleich welcher Art er auch sei, erblickte man einstens in den Alkes/Dioskuren, den beiden Söhnen bzw. Teilwesenheiten des Himmelsvaters, dem Löwenpärchen, den Doppellöwen zweier Körper, die in einen Kopf zusam­menlaufen. Der starke Schutzcharakter dieses Stabes drückt sich ebenfalls aus in seiner Quersumme 7, welche auf die Erd-/Allmutter der Götterzwillinge hin­weist. Wer sich die vereinigte Vollkraft der Heilsmächte zunutze macht, den schirmt auch im „Hagelschlag“ seine Glückshaut.

 

Orakelstab 17: Gereifte Glückseligkeit

Runenbegriff: Wonne

Sinngehalt: jubelnder Wonnemut unter Himmelsvaters und Erdmutters Segen

Mondcharakter: gebärender Schwarzmond

Tyrkreisort: Löwe/ Jungfrau

 

Dein Weizen ist aufgegangen, golden leuchten die wogenden Felder reif zum Schnitt; dem Himmelsvater (1+7=8) sowie dem hier zahlenallegorisch nach­geordneten Erdenweib, vertreten durch die mütterlichen Zahlen 1 und 7, sei Dank. Auf wohlverdiente sowie „in den Schoß gefallene“ Freuden weist diese Rune der Kraft und Erfüllung hin. Typisch „männliche“ Löwen-Merkmale: vitale Lebensfreude, Zuversicht, Stolz und Ehrgefühl vereinen sich mit den „weiblichen“ Jungfrau-Eigenschaften, welche in diesem Stabe zum einträchtigen Wohlklang zusammenschwingen. Von Komplikationen und Schwierigkeiten weiß die Rune kein Wort zu berichten, aber vielleicht gemahnt sie daran, nicht allzu sorglos die Ernten einzuheimsen und zu verzehren, sondern auch im Wohlleben und Genuss Vorsorge zu treffen für magere Zeiten, Vorausschau zu halten auf möglichen Mangel, auch während der guten Perioden nicht nachzulassen, sein Feld zu bestellen, damit immer wieder der Segen einer Erntewonne anheben kann - im materiellen sowie im mentalen Bereich.

 

Orakelstab 18: Vertrag und Verpflichtung

Runenbegriff: Gabe

Sinngehalt: Dankgabe- bzw. Vermehrungskreuz des Vertrages zwischen Mensch und Gott

Mondcharakter: erblühter Vollmond

Tyrkreisort: Jungfrau (leichter Löwe-Einfluss)

 

Erntegaben sind dir zuteil geworden; die numinosen Mächte (Erdmutter-Him­melsvater) schenkten dir ihr Produkt, ihren Sohn, das „Brot des Lebens“. Im Weizenkorn, im Gerstensaft genießt du den Leib und trinkst das Blut des herrlichen Sonnensohnes (Fro / Frej / Jarilo). Sämtliche den Menschen zuteil werdenden Wonnen erwachsen dem rüstigen Wirken, auf welchem ein höherer Segen ruht. Die himmlische Weihung zu erlangen, bedarf es des Gebetes und der Gabe, mit deren Hilfe sich der Mensch wie eine Efeuranke hinaufwindet ins spendende Licht. „Geben und Nehmen“ meinen die sich kreuzenden Hände des Runensymboles der sonnenkräftigen Vermehrung; hierauf beruht der Vertrag zwischen Gottheit und Menschheit ebenso wie jedes andere gedeihliche Zusammenwirken. Die Rune erinnert an Erfüllung von Verträgen: Wie willst du fordern, wenn du nicht gegeben hast! Hast du deine Dankgabe, Gegengabe, entrichtet ? Bist du ein korrekter Partner, dessen „Geben und Nehmen“ im ausgewogenen Verhältnis zueinander steht ? Bist du bemüht, die besten Jungfrau-Einflüsse zu pflegen, wie das Streben nach innerer und äußerer Reinheit, Vollkommenheit, Ordnung, Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit ? Bist du treu, bist du dir selbst treu geblieben, damit dir auch der Sonnensegen treu bleiben mag ?

 

  Orakelstab 19: Hinab zu den Müttern

Runenbegriff: Fackel

Sinngehalt: Beginn zunehmender Finsternis, Allmutters Niedergang (Nertha-Frigga-Idun, Demeter, Ischtar, Isis)

Mondcharakter: gebä­render Schwarzmond

Tyrkreisort: Jungfrau

 

Von der Weltenmutter „raunt“ diese Rune, von körpererschaffender Wirkkraft, welche im herbstlichen Niedergang aus blühenden Höhen hinabsteigt in die Grabkammern der bergenden HeL Zur Nuss, zum Samenkern wird die Lebens­mutter, die sich in allen ihren Geschöpfen offenbart. Die Fackel, den Kienbrand des Lebens, nimmt sie mit hinunter, die Nacht beginnt, die Kälte, das Geschwür am Jahresleib, hebt an zu wachsen. Die Rune wispert leise von langer Krankheit und Hoffnungslosigkeit, von Mutlosigkeit angesichts des Welkens und Blätterfalls. Die Mutter gebiert, und so muss sie auch verschlingen. Doch jede trockene, leblos erscheinende Nuss birgt einen süßen, unvergänglichen „Seelenkern“, aus dem eine Wiedergeburt möglich wird. Dies ist auch das tröstliche Signal der Urmutter-Jungfrau im Sternenkreis; sie hält das Auferstehungssymbol, spica, die Ähre, verheißungsvoll empor. Unter diesem Aspekt würde die Rune von einer Chance sprechen, die einem äußeren Niedergange innewohnt, wenn er zur Selbst­besinnung auf den eigenen Wesenskern zu führen vermag.

 

Orakelstab 20 : Reise-Ratschlag

Runenbegriff: Raido (Wagen-Ritt-Reise)

Sinngehalt: Fahrt (Seelenreise)

Mondcharakter: erblühter Vollmond

Tyrkreisort: Waage (leichter Jungfrau-Einfluss)

 

Diese Rune kündigt längerfristige Ortsveränderungen an. Damit könnte auch eine spirituelle Reise im Sinne einer Bewusstseinserweiterung gemeint sein - ja sogar die „letzte Fahrt“ auf dem Wagen des Totenkärrners bzw. der Seelenritt nach Walhalla/Gimle, dem jenseitigen Aufenthaltsort guter Seelengeister. Streng­genommen wohnt jeder Reise eine gesteigerte Gefährdung inne - ist es eine Rückreise, so vermag sie zur Seligkeit hinzulenken, doch in der Regel  haftet ihr ein negativer Aspekt an. Die Reise ist zumeist eine Flucht vor dem eigenen Ich, ist Rausch und Betäubung. Nichts Wesentliches ist auf Fernreisen zu finden. Was die Menschenpflanze zur Entfaltung wahrhaft braucht, findet sie im eigenen Wurzelraum. Somit warnt die Rune vor dem Reiserausch in die Fremde des Selbstverlustes und rät zur Reise der Selbstfindung und der Ich-Erkenntnis. Solch ein Gang führt am Stamm des Lebensbaumes hinab zu den Müttern und Vätern, aus denen wir emporgewachsen sind. Die Rune steht im Einfluss der Waage und appelliert an Ausgewogenheit, Gerechtigkeit, Vermittlungswillen in dieser und auch in Richtung jener Welt. Gelingt es dir, Frieden mit deinen Ahnen zu halten ?

 

Orakelstab 21 : Weltseele - Menschenseele

Runenbegriff: Ase (Wodan)

Sinngehalt: Geistgott-Weltatem-Weltseele (Brahman-Vayu, Osiris-Thoth, Hermes-Merkur, Teutates-Lug)

Mondcharakter: gebärender Schwarzmond

Tyrkreisort: Waage

 

Mit 24 Runen, den Ideenbildern aus Wort und Zahl, schuf der Ase Wodan die transzendenten Bausteine der Welttotalität. 24 erbringt in Gestalt ihrer Quersumme die Kosmoszahl 6, die ebenso als geheimnisvolle Charakter­offenbarung in der 21 geistert (1+2+3+4+5+6 = 21). Beide, die Gesamt­­zahl der Runen sowie die Asenrune, bergen zahlenmystisch als ihren kleinsten Nenner die 3, jene Chiffre des geistigen Wesenskernes der Dinge schlechthin. Der heilige Weltgeist, kosmischer Atem, die Seele des Seins, Wodan, den die Ahnen Allvater nannten, ermisst nach seinem Maßstab die Seelen, wenn er dereinst an der Sternenwaage steht während des letzten Gerichtes, da die Geister des Lichtes vonjenen der Finsternis geschieden werden. Seine Rune gemahnt zur Wachsamkeit gegenüber Moloch Mammon und seiner Meute. Und sie prophezeit Hilfe durch den Geist der Wahrheit und Ausgewogenheit. Ein rechter Rat wird erteilt werden. Die Winke Wodans entspringen immer jener höchsten Verant­wortung, die zu beurteilen der enge Menschengeist sich nicht vermessen darf, obgleich unser Geistesfunke dem großen, ewigen Weltenfeuer des Asen ent­stammt. Seine Rune predigt die Vergeistigung, fordert auf zum Nachsinnen, Besinnen, Übersinnen, Tiefsinnen; sie verlangt die kämpferische Stoff­über­windung durch den Geist des Lichtes.

 

Orakelstab 22: Tod und Tiefel

Runenbegriff: Thurse-Dorn (Unhold, Troll, Dämon)

Sinngehalt: Tod in der Materie durch Hingabe an deren Geist (Loki-Widersacher-Tiefel, Angraman, Seth)

Mondcharakter: erblühter Vollmond

Tyrkreisort: Skorpion (leichter Waage-Einfluß der negativen Waagschale)

 

Der reine Lichtgeist strebt nach letztlicher Überwindung der Lügenseele (Loke) sowie dessen Kreaturen: der wölfischen Gier (Fenriswolf), des Geistestodes (schwarze Hel) und der Weltschlange fluchbeladener Wiedergeburten (Mitgard­schlange). Die Einzelwesen des Lichtgegners in eine einzige ungeheure Gestalt zusammengeschaut, das ist der große Thurse, der Riesentroll, der Winterdämon, der mit „dorniger Rute“ die Völker in den Schlaf des materiellen Selbstvergessens hineinpeitscht. Der Thursenstab erinnert immer daran, auf der Hut zu sein vor negativen Skorpion-Tendenzen, gleichgültig ob sie im eigenen Inneren wesen oder uns aus der Umwelt bedrohen: Zerstörungs- und Rachsucht, Hass, Zynis­mus, Unduldsamkeit, Neid, Provokationsfreude, Leidensgenuss. „Wahnsinn-Wollust-Wut“, „Taumel-Tollheit-Trunkenheit“ bringt der Thurse, bestialische Instinkte, Streben nach dem goldenen Staub der Welt, Mammonanbetung, also Tod aller wahren Lichtgeistigkeit. So erscheint die Rune wie ein Mahnmal ge­gen Verführung und Welttrug, gegen das Erlöschen des guten Geistes in den Fall­stricken des Stoffes. Oft tritt eine weltliche Versuchung an uns heran - siegt die Treue, oder siegt der Troll ? Diese Frage kann nur aus dem gesamten Runen­orakelverband entschieden werden.

 

  Orakelstab 23: Opfersinn

Runenbegriff: Ur (Wild-, Gottesstier)

SinngehaIt: Versiegen der Vegetationskraft, Opfertod des kosmischen Stieres (Prajapati, Osiris, Wodan-Fro/Frej, Dionysos, Tamuz)

Mondcharakter: gebärender Schwarzmond

Tyrkreisort: Skorpion

 

Der Stachel des Skorpion fand sein Opfer, der Schuss auf den Sonnenhirsch erreichte sein Ziel, der göttliche Jahresstier, die Fruchtbarkeits- und Lichtallegorie ist tödlich getroffen. Dies ist die Rune des Todes infolge eines vorhersehbaren Niederganges - keines Eisblitzes aus heiterem Himmel, sondern des folgerich­tigen Dahinscheidens, dem neues Aufblühen erwächst. Im ewig-erneuernden, welterhaltenden Wechsel muss Altes vergehen, um dem jungen Kommen Nahrung und Raum zu schaffen. So mag jeglicher Tod als zeitverjüngender Opfergang geschaut werden - ein düsteres Empfinden der Trauer wird trotzdem bleiben. Eindringlich stellt dieser Stab das Bild der Vergänglichkeit vor uns hin mit allen daraus resultierenden Konsequenzen. Werden wir in der Entkörperlichung auf höherer Seinsebene alle diesseitigen Rätselfragen durchschauen, welche Wodan mit seinem welterschaffenden Opfertod geknüpft hat ? Doch muss die Urrune nicht unbedingt den letzten Schritt in die Walhalla meinen - der Mensch stirbt auch schon vorher viele kleine Tode. Dieser Orakelzweig raunt die Schlüs­selworte des Sternenskorpions „Stirb und Werde“, und er preist dessen beste Aspekte: Hingabe für die hohe Idee, die in der Wertskala dem menschlichen Sein des einzelnen noch übergeordnet erscheint – Verzicht und bewusster Gang in die Tiefe - Erkenntnis der Opfernotwendigkeit und daraus resultierende Opferbereit­schaft.

 

  Orakelstab 24: Höherer Lohn

Runenbegriff: Vieh (Besitz, Habe)

Sinngehalt: der Opferhingabe bzw. dem allgemeinen Wohlverhalten entquellende Segenskeime

Mondcharakter: erblühter Vollmond

Tyrkreisort: Schütze, Skorpion-Einflüsse

 

Aus der Opferhingabe der Skorpion-Phase erhebt sich jener tiermenschliche Zen­taur, der den sehnsuchtsvollen Pfeilschuß in die Auferstehung des weltlichen Erwachens hineinschleudert. Der Stab ist im wesentlichen von Schütze-Einflüs­sen geprägt, zukunftsorientiert, hoffnungsfroh, von umfasssender Einsicht, Großzügigkeit und schwungvoller Aktivität. Als Zeichen des Besitzes, speziell der beweglichen Habe, wurde dieses Runenwort stets gedeutet. Gemeint ist aber nicht das sinnlos raffende, knechtende Zinskapital, sondern das hilfreich ordnen­de, den Wohlstand der Gesamtheit hebende, anständige Geld aus redlichen Einkünften, denn die „Viehseele“, jenes präexistente, vorweltliche Ideenbild, welchem das Nutzvieh erwuchs, galt als Synonym für „guten Sinn“. Unter diesem Aspekt fordert uns die Viehrune auf zum Wohlverhalten gegenüber Mitmensch und Kreatur. Das Vieh, ja die Tiere allgemein, jene noch unvollkommenen Ge­schwister des Menschen, bedürfen unserer Fürsorge und liebevollen Anteil­nahme im sich gegenseitig stützenden Ring des Lebendigen. Der Orakelzweig spricht vom materiellen Segen, der aus transzendentem Bewusstsein - gepaart mit Verantwortungsgefühl für diesseitige Harmonie - erwächst. Sie könnte derartigen Zugewinn ankündigen oder aber dergestaltige Ermahnungen aussprechen. So singt gerade jene Rune, welche in schlichtestem Wortgewande einhergeht, das erhabene Lied von der höheren Habe, von den geistigen Schätzen der rechtschaffenen Seele, über die erst im Gegenzug des numinosen Gnadenaktes das Füllhorn weltlichen Wohlstandes ausgegossen wird. Unangekränkelten Gefühls vermag sich demnach der Besitzer beständigen Reichtums seiner irdischen Schätze zu erfreuen, galten sie doch als sichtbare Zeichen jener „himmlischen Ortes erworbenen Huld“. Unter solcher Betrach­tungsweise darf die Viehrune als verpflichtender Wegweiser gelten: Segens­gaben in dieser wie in jener Welt erwachsen allein aus der Beachtung des Rita, des heiligen Weltgesetzes der Wahrheitsordnung. Im karmischen Sinne wird letztlich und dauerhaft kein Unschuldiger Strafe erleiden und kein Unwürdiger Lohn empfangen.

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