ORAKEL-STÄBE 1 bis 12

 

Orakelstab 1: Gebärendes Ur-All

Runenbegriff: Odal

Sinngehalt: keimhafter Beginn urstofflicher Werdung (Urda-Wodan, Hermhekate)

Mondcharakter: gebärender Schwarzmond

Tyrkreisort: Schütze / Steinbock

 

Anfang und Ende treffen sich in diesem Stab als Verkörperung von Tod und Wiederbeginn: Es häutet sich die Schlange der Ewigkeit (summus deus); - die menschliche Seelenkraft (Kundalini) richtet sich auf. Der Schicksalsfaden der Wodan-Urda wird neu geknüpft. Das kann einen Schritt ins Unbekannte be­deuten. Der urmütterliche Wink der Nertha / Gaea / Aramati / Maya / Isis, der Welt­weberin, heißt aber auch: Zuwachs oder Abgang innerhalb des Sippenkreises. Ein weiteres Thema ist die persönliche Entwicklung: Hervorgerufen durch eine Schicksalslaune, könnte ein neuer Lebensabschnitt beginnen. Es sind hier aber allgemein nicht die dramatischen, aggressiven Ereignisse gemeint, die blitzes­gleich aus heiterem Himmel einschlagen, sondern die leisen Ruder­bewegungen, welche trotzdem dauerhafte Kursänderungen hervorrufen – auf guten empor­führenden Bahnen, ist doch das gründliche, ernsthafte, vernünftige, zielstrebige Ziegenfisch / Steinbock-Prinzip in diesem Stab ebenso wirksam wie der zukunfts­weisende Schütze-Charakter.

 

   Orakelstab 2: Polarer Impuls

Runenbegriff: Tag

Sinngehalt: Entstehung von Wirkvaters Wechselkraft (Thor/Donar, Indra, Zeus, Taranis)

Mondcharakter: erblühter Vollmond

Tyrkreisort: Steinbock

 

Vom Tagerwachen spricht dieser Stab - vom Aufgehen einer Tür - vom wirk­frohen, kühnen Kampf gegen Hindernisse; Gelegenheiten werden genutzt, Widerstände beseitigt. Ein tatkräftiger Anfang ist gemacht. Steinbock-Prinzipien, wie Disziplin, Objektivität und nüchterne Zielsetzung bestimmen diesen Stab. Die Rune versteht sich geradezu als Aufforderung, Chancen rechtzeitig zu ergreifen, bevor sie vorübergegangen sind. Andererseits könnte sie als Warnung begriffen werden vor allzu großer Rücksichtslosigkeit in Verfolgung enger, egoistischer Zielsetzungen. Nicht der bedingungslose Triumph, vielmehr ein Sieg - eingefügt in die rechte Ordnung, aus der Verpflichtung für das Ganze, im Yin- und Yang-Gleichnis - ist anzustreben.

 

   Orakelstab 3: Erwachender Lichtgeist

Runenbegriff: Ingu

SinngehaIt: aufstrebender, sich entfaltender Sonnensohn (Agni-Krishna, Mithra / Mithras, Hor-Apollo, Helgi-Fro / Frej)

Mondcharakter: gebärender Schwarzmond

Tyrkreisort: Steinbock/Wassermann

 

Diese Rune verheißt werdende, wachsende, glückliche Erfüllung. Ein segens­volles, erfolgreiches Projekt wird begonnen. Das beharrliche Aufwärtsstreben des Steinbocks mischt sich mit Wassermann-Impulsen: ethische, moralische, ideali­stische, humanitäre Grundsätze, Wahrheitsliebe, Gewissenhaftigkeit. Der reine, fruchtbare Licht/Feuergeist, das Prinzip des Heiles und der Gesundheit schlecht­hin wirkt in diesem Stab als keimhafte Kraft, aus der sich die ganze Fülle aller menschlichen Hoffnungen zu entfalten versprechen. Die Rune gilt als Signal für das Ende von Bedrängnis und Sorge, als Zeichen der Wende zum Besseren. Sie schließt aber auch die Aufforderung mit ein, keinen Augenblick in hoffnungs­seliger Glücksgewissheit zu verharren, sondern im gläubigen Eifer für den Erfolg  mitzuwirken. Der runische Schwerpunkt liegt im Intelligiblen, rein Geistigen und könnte somit auch auf erfolgreiche Examina hinweisen.

 

Orakelstab 4: Fruchtbarkeitsstrom

Runenbegriff: Lauch und Lache

Sinngehalt: Ur-Wasser-Pflanzen-Mond Frucht­barkeitseinheit (Lebenssaft, Kwasir / Soma)

Mondcharakter: erblühter Vollmond

Tyrkreisort: Wassermann

 

Jene der Urmutterkuh entspringenden vier Lebenswasserströme erwirken und durchdringen als Somasaft die Welt der Erscheinungen von der Himmelspflanze, in Gestalt des Vollmondes, bis zur unscheinbaren, aber heilkräftigen Lauch­zwiebel. Aus dieser Rune rinnt die allwissende Weltenfeuchte urmütterlicher Weisheit; sie kündet von Ahnung und Intuition, Spiritualismus, ja seherischer Kraft aus erdnahen, wurzelstarken Potentialen. Wassermann(-frau)-Strömungen, wie originelle, erfinderische, sprühende geistige Gaben, spielen ihre Rolle. Tief eingeborene Instinkte drängen danach, die Oberhand zu gewinnen und den Logos zu überwältigen. Man sollte versuchen, sich ihrer zu bedienen, ohne sie allein regieren zu lassen. Der Rune wohnt übersinnlich-magische Gewalt inne, fördernd, heilend und segnend zu wirken. Als Orakelstab könnte sie Genesung bedeuten bzw. Weihung jeglichen Wachstums.

 

  Orakelstab 5: Ergänzung zum Einklang

Runenbegriff: Mannus

Sinngehalt: polarer urmenschlich-göttlicher Weltgeist, Mondcharakter:

gebärender Schwarzmond

Tyrkreisort: Wassermann / Fische

 

Der Stab verkörpert Intelligenz, Kultur und soziale Harmonie, beste menschliche Eigenschaften und Möglichkeiten, Ausgewogenheit gleichberechtigter kosmi­scher Kräfte von Yin und Yang, des Weichen und des Harten, des Weiblichen und des Männlichen. Die Fische-Qualitäten: Hilfsbereitschaft, Opferfreude, Einfühlsamkeit, Beweglichkeit werden hier gemeinsam mit den gedeihlichen Wassermannkräften relevant. Die Rune erinnert daran, dass neben den vier Grundbaustoffen der Welt auch das fünfte Element, die Quinta essentia, Be­standteil des Menschen ist, der damit unmittelbaren Anteil hat am Gottesgeist. Die Gottheit verwirklicht sich in einem jeglichen von uns. Außer der Aufforderung, sich jener Weite und Geschlossenheit höchsten Menschentums bewußt zu werden, will die Rune Ratgeber sein, dass viele Probleme aus eigenem Handeln ableitbar und deren Lösungen somit in uns selbst zu suchen sind. Mannus könnte aber auch heterosexuelle Liebesbeziehungen oder einen Eheschluss voraussagen; auch auf diesem Wege suchen menschliche Teilwesenheiten ihre Einmündung in die Erfüllung und Vollkommenheit.

 

Orakelstab 6: Raum - Zeit - Ganzheit

Runenbegriff: Hengst

Sinngehalt: kosmische, raumzeitliche, positiv-negative Erscheinungseinheit

Mondcharakter: erblühter Vollmond

Tyrkreisort: Fische / Pegasos

 

Ein Schlüsselwort zur Erfassung des Fische- bzw. Pegasos-Aspektes lautet: All-Einheit; Zeugung und Fruchtbarkeit gehören zu seinen Wesensmerkmalen. Um die Rune zu verstehen, muss die traditionelle Bedeutung des Pferdes im indo­germanischen Kulturkreis verinnerlicht werden. Der rasende Kosmos, die Einheit von Raum und Zeit, wird im Gleichnis des Rosses geschaut; mithin gleicht ihm die Gottheit selbst, welche in heiliger Kommunion der menschlichen Leiblichkeit während des Frühlingsrossopfers zum Zwecke der Katharsis zugeführt wurde und wird. Die  symbolhafte Gottnähe macht das Ross selbst zum lebendigen Orakel, auf dessen Wiehern und Stampfen gehört werden möchte. Als All-Ross könnte der Stab das Kommen himmlischen Lichtes (Schimmel, altnord. Skinfaxi), aber auch die Erscheinung chrhonischer Mächte (Rappen, altnord. Hrimfaxi) prophe­zeihen, je nach Charakter des Orakelverbandes. Jedenfalls spricht der Stab von rascher Veränderung bestehender Gegebenheiten. Der kosmische Hengst führt die Sonne herauf zur Wohlfahrt der Welt und bringt das Licht wieder hinab in der Hel- oder Höllenfahrt. Ei glücklicher Runenstellung wird der Stab auf starke Befruchtung positiven Fortschrittes hinweisen.

 

  Orakelstab 7: Muttervermögen

Runenbegriff: Birke

Sinngehalt: empfangende, bergende Weltenmutter (Nertha-Freja-Frigga, Aditi-Aramati, Hera-Demeter, Ishtar, Isis)

Mondcharakter: gebä­render Schwarzmond

Tyrkreisort: Fische/Widder

 

Der Birkenbaum, an dem nach Prophetie einer alten westfälischen Sage die Ent­scheidungsschlacht am Weltende geschlagen wird, ist als Repräsentant der All­mutter wahrhaftig ein Herzgebilde der stofflichen Welt. Jener Ausgang des Ringens zwischen dem heilvoll ordnenden guten Sinn und dem satanischen Trieb der Materie um den Besitz des gebärenden Schoßes wird der Erde Schicksal letztlich allein bestimmen. Der positive Aspekt der Rune vereint den hingebungs­vollen, fruchtbaren Fische-Charakter mit dem willensbetonten, aktiven Widder-Einfluss zur harmonischen Synthese. Der Brauch junger Mädchen, ihrem Lieb­haber ein Stück Birkenholz zur Ermutigung zu schenken, deutet ebenso das Runenverständnis an wie der Brauch, die Kinderwiegen aus Birkenholz anzu­fertigen. Der Stab spricht von fraulich-stiller Kraft, dem Willen zu empfangen, neues Werden in sich zu tragen und schließlich auch im Opfergang des Gebä­rens des Lebens Fortbestand zu sichern. Für Fruchtbarkeit, Regeneration und Dienst an den Ewigkeitswerten schlechthin wirbt dieses Orakelwort, und ebenso dafür, alle der Gesundheit entgegenstehenden schädlichen Gewohn­heiten abzu­legen, wie beispielsweise Alkoholmissbrauch, Tabakgenuss und jegliche schwä­chenden Suchtmittel; eine Mahnung zur Natürlichkeit, die Gesetze der Großen Mutter zu achten, die Wurzeln und den Sinn des Daseins als Gottes­auftrag zu begreifen zur Weitergabe und Heranziehung des Lebens, um in die­sem Selbst­verständnis erdmütterliche Geborgenheit zu finden.

 

  Orakelstab 8: Ordnungsgewalt

Runenbegriff: Tiu

Sinngehalt: Himmelsvater/Gott  (Tiwaz-Tyr-Heimdall-Irmin, Dyaus-Sius-Zeus, Mars-Jupiter)

Mondcharakter: erblühter Vollmond

Tyrkreisort: Widder

 

Die Tiu-Chiffre meint jene machtvolle männliche Widder-Energie des befruch­tenden Lichtes und der raumerhaltenden Yang-Kraft, welche als unverzichtbarer Bestandteil  auch eine marsische, lichtkämpferische (hl. Georg) Komponente trägt. Sie erinnert daran, dass es Fügungen gibt,  denen wir uns geduldig unter­werfen müssen; sie ermutigt,  für diese Ewigkeitsordnungen tapfer einzustehen. Sie gemahnt zum unerschütterlichen Selbstvertrauen, wenn wir uns im Recht befinden und unsere Handlungen im Einklang stehen mit der positiven Gliede­rung der Dinge. Der eddische Mythos zeigt den Himmelsgott Tyr in selbst­über­windender Bereitwilligkeit, wie er, um der Errichtung einer dauerhaften Regelung willen, den Mächten der Tiefe (Fenriswolf) eine seiner eigenen Hände hinopfert. Die Rune ruft uns zu: Greife dem Schicksal in den Rachen - zwinge es; du musst vielleicht auch opfern und verzichten; vom großen Ziel weiche keinen Zoll breit ab.

 

  Orakelstab 9: Steigende Lichtkraft

Runenbegriff: Sonne

SinngehaIt: erblühte, gipfelstürmende Sonnengewalt (Fro / Frej) 

Mondcharakter: gebärender Schwarzmond

Tyrkreisort: Widder / Stier

 

Des Widders Feuereifer und des Stieres eigenwillige Beharrlichkeit verschmeIzen zur Synthese der Sonnenrune. Das Siegmal ist das Zeichen der bereits erblühten und dennoch weiter aufsteigenden Glückseligkeit schöpferischen Willens und Erfolges. Die herrlichen Fähigkeiten männlicher Energie sind ins Licht getreten und wirbeln - blitzende Lichtsalven verströmend - dem Höhepunkt entgegen. Die Rune der sieghaften Kraftentfaltung will aber auch ermahnen, dass aus seinen Schattenwinkeln heraus „Judas“, der ewige Verräter des Himmelslichtes, lauert, welcher um jener „30 Silberlinge“ des kleinen materiellen Vorteils willen jede Sonnenschönheit dieser Welt zu schänden sucht. Sie Siegrune warnt vor tückischen Anschlägen von außen und ebenso vor den Fallstricken aus dem eigenen Inneren, die da wären: Hochmut, Eitelkeit und allzu sonnenkraftselige Selbstgerechtigkeit.

 

  Orakelstab 10: Erscheinung der Vollkommenheit

Runenbegriff: Elch-Herr

Sinngehalt: Auferstehung der Blumen-Licht-Gerechtig­keitsallegorie (Bal-Belenus-Apollo-Baldur)

Mondcharakter: erblühter Vollmond

Tyrkreisort: Stier

 

Wem dieser Schicksalsstab zufällt, der hält das würdige Los kraftvoller baldu­risch-apollonischer Gelassenheit in Händen. Im maßvoll Guten, Starken des „weißen Stieres“ pendelt das All. Die Rune spricht vom Triumph des Rechtes und einer Gerechtigkeit, welche solide begründet scheint auf den vier Grund­elemen­ten, den Teilwesenheiten allen Seins (1+2+3+4=10). Sie zeigt auf, dass zu aus­ladenden Blätterkrone eines Baumes ein ebensolches Wurzelwerk gehört, dass der Gipfel nicht wäre ohne das Tal, ein Tag nicht erlebt werden könnte ohne vorausgegangene Nacht und die Ordnung allein durch Niederzwingung der Chaosmächte zu gewinnen ist. Freilich, nichts ist bestehender als der Wechsel, jede Harmonie, der trefflichste Rechtsvergleich und Vertrag sind eng befristet, denn die Kräfte der Dekompensation ruhen nicht. Die Rune mag Genesung nach schwerer Krankheit andeuten, die Rehabilitierung nach einer falschen Be- oder Verurteilung oder die Erlangung einer angemessenen Besoldungsgruppe bzw. eine anstehende Beförderung.

 

  Orakelstab 11: Lieblicher Reiz

Runenbegriff: Pertha

Sinngehalt: Überschwang lieblichen Wachstums (symbolisiert durch Pertha-Berta, Freja-Nanna-Idun-Vanadis, Venus-Aphrodite, Ischtar-Isis)

Mondcharakter: gebärender Schwarzmond

Tyrkreisort: Stier (Kuh)/Zwillinge

 

Diese Rune wispert von weiblicher Wesenheit, von langmütigen Sternenkuh-Tendenzen, die von Venus beherrscht werden, von anpassungsfähiger, regsa­mer, veränderlicher Zwillings-Charakteristik, vom „Herd der Hestia“, der „Mai­wonne der Maia“, den „Äpfeln der Aphrodite/Idun“, dem „Füllhorn der Freja“. Ein Gewinn, ein Geschenk oder Erbe fällt dir zu - ein Glück wird dir zuteil - eine Sehnsucht  findet Erfüllung. Die Große Mutter reicht dir den Gral, die Schale mit dem heiligen Wasser der Fruchtbarkeit und des Lebens, für einen seligen Augen­blick. Daraus ist dir gewährt, einen Tropfen holdester Köstlichkeit zu schlürfen. Oft ist es der schelmische Elf Astrild (Eros-Amor), welcher zwei Herzen fürein­ander anrührt, so dass sie gemeinsam vor Diotima, der Liebe Priesterin, hinknien mögen, um ihren Segen zu empfangen.

 

  Orakelstab 12: Waltende Wechselkraft

Runenbegriff: Eibe

Sinngehalt: die sich gegenseitig  erhaltende Polarität kosmischer Kräfte

Mondcharakter: erblühter Vollmond

Tyrkreisort: Zwillinge

 

Die zwillinghafte Eibe, der heilige Lebens- und Todesbaum Wodans, trägt gleich ihm die 3 als Quersumme des Geistes. Sie wächst im dritten Himmelshaus, das folgerichtig von Merkur beherrscht wird. Wie jegliche Glut segnend und verseh­rend erscheinen kann, so streiten in der immergrünen Welteibe Yggdrasil zwei Kräfte, nämlich Adler und Drache, miteinander - wie im kosmischen Raum, so auch in jeglicher Menschenbrust. Zwei sich gegenseitig stützende Mächte - Yin und Yang, Leben und Tod, das Heilige und der Hader - wirken in dieser Rune, die uns zuruft, mit stoischer Gelassenheit Wellenberge und -täler des Seins zu meistern; im Heil ohne Überschwang, im Harm ohne Niedergeschlagenheit weiterzuschreiten. Wem es gelingt, jene Runenraunung in voller Tiefe zu verinnerlichen, gelangt auf den Weisheitsgipfel. Welches Los auch die drei Schicksalsmütter (Moiren, Parzen, Nornen) zuteilen, die drunten am Fuße der Welteibe hocken, füge dich vertrauensvoll in die Notwendigkeiten; denn nach Karmagesetzen ist alles vorbestimmt: Auf die gute Tat folgt letztlich der Lohn, und auf die böse Tat folgt letztlich die Vergeltung.

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