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27.01.2022

Die Sonnenwenden - Das urdeutsche astronomische Wissen der Bronzezeit
und vom urdeutschen Großreich, mit seinen erstaunlichen Kulturschöpfungen.
 
 
 
 
Die Himmelsscheibe vom „Mittelberg“ an der Unstrut, bei Wangen-Nebra hat ein Alter von ca. 4.000 Jahre. Ein Holzrestchen erlaubte eine C-14-Messung, das Ergebnis: 3.600 Jahren. Zunächst beschauen wir das Bildprogramm der Scheibe. Die Goldapplikationen: Sonne, zunehmender Sichelmond, Plejaden (Siebengestirn), Randleisten (die linke fehlt), 25 Sterne, Sonnenbarke (die im Mythos die Sonne über das Nachtmeer zurück zum morgendlichen Wiederaufgang im Osten bringt). Die Materialien der Bronzescheibe stammen: Kupfer aus Ostalpengebiet, Zinn aus Cornwall (Südwestengland), Sonnen- u. Mond-Gold aus Cornvall, das weitere Gold aus unterschiedlichen Lagern. Verwendet wurde die Scheibe, indem sie der Kalenderbeobachter, mit der Bildseite nach unten, über den Kopf hielt, die Sonnenbarke nach Süden ausgerichtet. Dann befinden sich links von ihm die östlichen Sonnenaufgänge und rechts von ihm die westlichen Sonnenuntergänge. Ihre beiden Randbögen, besser Horizontbögen, stellen das für den mitteldeutschen Menschen der Bronzezeit sichtbare Sonnenjahr dar. Innerhalb dieser beiden, im einstigen Originalzustand vorhandenen, goldenen Randleisten, bewegen sich die täglichen Sonnenbahnen, d.h. die Sonnenauf- und die Sonnenuntergänge, von der Wintersonnenwende beginnend, nach Norden hinauf, zur Sommersonnenwende. Und von dort wieder hinab, zur Wintersonnenwende. Das Jahr teilt sich dadurch in genau zwei Hälften, nämlich in das erste Halbjahr des Sonnenanstieges, mit der Lichtzunahme bis zur Sommerwende und dem zweiten Halbjahr des Sonnenabstieges, mit der Tageslichtverringerung, von der Sommerwende bis zur Winterwende. Die stammverwandten Arioinder nennen das erste Halbjahr den „Götter-Weg“, das zweite Halbjahr aber den „Ahnen/Manen-Weg“. Verbindet man die Randleisten-Endpunkte mittels Linien, erhält man Winkelwerte von  82°, die für Mitteldeutschland bzw. den etwaigen Fundraum zutreffend sind.
 
                                       
 
4.000-jährige Kalenderscheibe vom Mittelberg bei Wangen/Nebra an der Unstrut. Nur ca. 20 km entfernt liegt das 7.000-jährige Wintersonnwend-Heiligtum von Goseck. Im 9. Jh. „Gozacha“ (später Gozzesburg, Gotza, Gozca, Gozacha, Gezeka = Gottesacker / Gottesfeld). Über siebentausend Jahre erhielt sich im Ortsbegriff die Erinnerung an die sakrale Bedeutung der stichbandkeramischen Anlage. Ebenso die Kalenderortungsstätte des „Mittelberges“, der kein Berg inmitten von Bergen ist, vielmehr das Zeigerzentrum der ablesbaren Jahresuhr.
 
Wenn man sich die beiden Rand- oder Sonnenhorizont-Leisten zu einem geschlossenen Kreis zusammendenkt, haben wir das Sonnenjahr, mit seinen 365 Tagen, vor dem inneren Auge. In diesem Jahreskreis sind die altgermanischen 24 Oding-Runen in der hier vorgestellten Abfolge postiert und verkünden den mythischen Charakter der entsprechenden Jahresfestzeit. Die Mittelberg-Scheibe zeigt auf, wie wichtig unseren Vorfahren die Kalendererkenntnis und die damit einhergehende Jahresorganisation gewesen ist. Das Problem stellte sich ein, den großen Sonnenzeiger mit dem nicht weniger beachtenswerten Mondzeiger, zu koordinieren. 12 synodische Mondphasen passen in ein Sonnenjahr, doch ein solches Mondjahr, von 354 Tagen, ist ca. 11 Tage kürzer als das Sonnenjahr. Damit die Vollmond- und Neumond-Feste immer etwa an der gleichen Stelle im Sonnenjahr begangen werden können, müssen die beiden Jahresgestirne einander angeglichen werden. Eine derartige Prozedur ist allein im Norden nötig, weil hier - im Gegensatz zu äquatornahen Regionen - krasse klimatische Wandlungen vorherrschen, so dass eindeutige Frühlingsfeste und ebenso eindeutige Herbstfeste zu begehen sind. Um die Sonnen- und Mondjahres-Differenz auszugleichen, muss „geschaltet“ werden, d.h. es muss in gewissen Abständen ein 13. Monat in den Zeitweiser eingeschoben werden. Es handelt sich dann um ein „Dreizehnmonatsjahr“, wie es der angelsächsische Historiker Beda Venerabilis in seinem Werk „De temporum ratione“, des Jahres 725, vom Kalenderbrauchtum seiner altdeutschen Vorfahren angab. Man nennt solche Jahresorganisationen „luni-solare“ Schemata. In meinem Buch „ODING-Wizzod“ (1993) gab ich an, dass Schaltmonate folgendermaßen einzusetzen sind: jeweils nach dem dritten, dann nach dem zweiten und wieder nach dem dritten Jahr. Kritiker meiner Ausführungen bezweifelten damals, dass Germanen einen Luni-Solar-Kalender im Gebrauch hatten, erst der Fund der Himmelsscheibe, im Jahr 1999, bestätigte unbestreitbar meine Darlegungen. Die Sensation ist, dass die Himmelsscheibe exakte Angaben zur Schaltregel zu geben vermag.
 
Eine der praktischen Aufgaben der Scheibe war es, den Studierenden den Schlüssel in die Hand zu geben, in welchem Jahr der Schaltmonat einzusetzen sei, um die Differenz zwischen Mond- und Sonnnjahr auszugleichen. Der heliakische Auf- oder Untergang der Plejaden wurde in vielen Kulturen als Beginn und Ende des landwirtschaftlichen Jahres beobachtet. Ihr Frühaufgang, also Sommerbeginn, geschieht im Mai/Juni, ihr Frühuntergang, also Winterbeginn, geschieht im November.
 
Der Astronom Ralf Hansen, vom Planetarium Hamburg, fand die Erklärung für die Bildkonstellation der Mittelberg-Scheibe in einem babylonischen Text, nämlich folgende Schaltjahresregelung: Wenn in der ersten Frühlingsmondphase die zunehmende Mondsichel sofort in Konjunktion bei den Pejaden steht, ist alles in Ordnung, dann muss nicht „geschaltet“ werden. Steht aber die Mondsichel erst nach drei bis viereinhalb Tagen nach Neumond, in Konjunktion zu den Pejaden, also schon etwas dicker herangereift ist (wie er sich auf der Scheibe dargestellt findet), dann muss ein 13. Monat ins Jahr eingeschaltet werden. Zur Vertiefung des Verständnisses: Harald Meller schreibt zu den Plejaden in „Das Wissen um Zeit und Raum: Himmelsdarstellungen in der Bronzezeit“, 2006: „Sie dienten als Hilfsmittel zur Einteilung des bäuerlichen Jahres, das nach der letztmaligen Sichtbarkeit der Sternenkonzentration am 10. März beginnt und am 17. Oktober mit ihrem erneuten Untergang am westlichen Morgenhimmel endet. Aus dieser gut zu beobachtenden Auffälligkeit ergibt sich der Termin für die Frühjahrssaat. Als weitere Besonderheit verbirgt sich hinter der auffälligen Anordnung auf der Himmelsscheibe eine Schaltregel zur Abstimmung des kürzeren Mondjahres mit dem längeren Sonnenjahr. Für ihre Anwendung ist die Stellung der Plejaden zum Sichelmond und die Dicke der Sichel ausschlaggebend. Die Goldapplikation entspricht einem 4,5 Tage alten Mond. Erscheint der Mond im Monat März in dieser Form zusammen mit den Plejaden, so muss ein Schaltmonat in den Jahresverlauf eingefügt werden.“ Die Scheibe weist eine weitere, zum gleichen Ziel führende, Schaltregelung auf, die in der Sternen-Anzahl codiert ist. 25 Sterne sind - über die Scheibe verteilt - vorhanden; wenn auch zwei - durch spätere Umgestaltungen der Scheibe - überdeckt wurden. Dazu kommen die sieben Sterne der Plejaden, macht zusammen 32 Sterne. Wenn vom vorangegangenen Monat, dem Vorfrühlingsmonat, 29 Tage (synodische Mondphase) vergangen sind und die Plejaden stehen beim ersten Sichelmond, ist das Jahr in Ordnung. Aber wenn das erst nach 32 Tagen der Fall ist, gilt es als Anzeichen für das „Schalten“. So erklärt sich der Sinn welcher den 32 Sternen zugrunde liegt.
 
Schauen wir die extrem dünnwandigen „Goldhüte“ dazu, auf denen sich Sonne und Mond in ähnlichen Symbolen wie auf der Himmelsscheibe wiederfinden, kommen wir zu dem Schluss, dass das protogermanische Germanien schon in der Bronzezeit als eine Region überdurchschnittlicher wissenschaftlicher Innovationen und technischer Leistunen erkannt werden muss. Vier solcher kegelförmig getriebenen Goldblecharbeiten wurden gefunden. Meller schreibt: „Die Goldhüte sind alle mit einem ähnlichen kanonartigen Muster aus Buckelscheiben, Kreis-, Rad- und Punktornamenten verziert und durch Friese und Leisten in Zonenunterteilt. Lediglich das Berliner Exemplar zeigt sichel- und mandelförmige Symbole. Bis auf den Hut von Schifferstadt wird jeder Kegel durch ein sternenartiges Muster aus länglichen Zacken bekrönt. Die Fülle aus bereits besprochenen Sonnenornamenten und insbesondere der sternförmige Abschluss machen die Verwendung im Kontext eines Sonnenkultes wahrscheinlich. … Denn hinter der Kombination und der Anordnung der Verzierungselemente des „Berliner Goldhutes“ verbirgt sich einer These nach ein komplexes Zahlenspiel, das deutliche Bezüge zum Verhältnis zwischen Mond- und Sonnenphasen erkennen lassen soll. Eine  konkrete  Funktionsbestimmung als lunisolarer Kalender ergibt sich daraus nicht, doch bezeugt der Goldhut aus dem Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte eine prähistorische Himmelsbeobachtungund projiziert die erkannten Regeln auf einen Bildträger, ebenso wie die 500 Jahre ältere Himmelsscheibe von Nebra.“ Ich konnte 1993 nachweisen, dass auch der „Sonnenwagen von Trundholm“ (um 1.400 v.0), ein dänischer Moorfund, auf seiner Goldseite ein ornamentales luni-solares Kalenderzählwerk demonstriert (Veröffentlichungen u.a. 1994 in DGG, 42. Jg. Nr. 3 - ISSN 034-5710 - Juni 1994 in Pen-Tuisto 34, ISSN 1015-1664 - „Das Tor zum Licht BAB ILU“, II/1994, 7. Jg. - „Elemente“, Nr. 6, 1998, ISSN 0177-2430).
 
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     Das Herz Europas - Das irminige Urreich der Deutschen
 
Eine Erklärung vorweg: Der Begriff „irminig“ ist ein germanisch-altdeutscher Ausdruck für „großartig, grandios“. Die Deutschen und das Land der Deutschen sind das „Herz Europas“, sagt so mancher vor sich hin und denkt dabei allein an geographische Gegebenheiten, ohne die tiefe Tragweite dieser Vorstellung zu verstehen. Wie entstand dieses zahlenmäßig so unbedeutende, doch im Weltvergleich außerordentliche, nämlich geistig-omnipotente Volk der Deutschen ? Es handelt sich um eine glückliche Mischung, die sich den Herausforderungen ihres mehrheitlich herben Lebensraumes hervorragend angepasst hat. Dazu bemerkte im 1. Jh. heutiger Zeitrechnung P.C. Tacitus, der römische Autor der „Germania“ (2:1): „Die Germanen selbst möchte ich für Ureinwohner halten und durchaus nicht durch die Einwanderung und den Aufenthalt anderer Völkerschaften vermischt, weil einerseits in alter Zeit nicht zu Land, sondern auf Flotten diejenigen ankamen, die ihre Wohnsitze zu verändern suchten, und dann weil das unermessliche und sozusagen widerwärtige Weltmeer jenseits nur selten von unserem Erdkreis aus zu Schiff besucht wird. Wer hätte ferner, ganz abgesehen von der Gefährlichkeit eines unwirtlichen und unbekannten Meeres, Asien, Afrika oder Italien verlassen sollen, um nach Germanien zu ziehen, in das wüste Land mit rauem Himmel, abschreckend für den Anbau und den Anblick, außer wenn man es zum Vaterland hat ?“ Das einheitliche schöne Erscheinungsbild der germanischen Menschen, von der in der antiken Literatur die Rede ist, beweist, dass sich in der deutschen Volksmischung der lang-schenklige, hellhaarig-blauäugige Schlag dominant durchgesetzt hatte. Zusammengewachsen war er durch zunächst zwei verschiedene Kulturgruppen. Einmal die harten, seetüchtigen Nordseeküstenjäger, aus den Kulturen der Maglemose- (ca. 9.000 bis 6.500 v.0) und Kongemose-Leute (6.000 bis 5.200 v.0), welche sich zur Ertebölle-Kultur (5.100 bis 4.100 v.0) entwickelten. Ihre kriegerischen Bootsmannschaften drangen von den Nord- und Ostseeküste über die Flussläufe ins Innere des späteren germanischen Großraumes ein und trafen dort auf die Siedlungen der bedächtigen Bauern aus der stichbandkeramischen Expansion (4.900 und 4.500 v.0) aus dem europäischen Südosten, vom Unterlauf der Donau bzw. dem Westufer des Schwarzmeeres. Diese Leute müssen genetisch mit den Nordküstenmenschen verwandt gewesen sein, denn noch die später dort siedelnden Makedonen und Thraker werden als hellhaarig beschrieben, eine genetische Mutation die sich allein im UV-lichtarmen Steinzeit-Norden entwickelt haben kann. Die beiden Kulturen gingen ineinander auf, zum mitteleuropäischen Urtypus. Daraus entstand die Trichterbecher-Kultur (4.200-2.800 v.0), deren Einflussgebiet von Südschweden, Dänemark, Nord- und Ostseeküstenräume, Mitteldeutschland bis ins heutige Polen reichte. Dazu empfehle ich das Buch von Carl-Heinz Boettcher „Der Ursprung Europas - Die Wiege des Westens vor 6.000 Jahren“, 1999. Die Trichterbecherleute waren waghalsige Seefahrer, die an der Atlantikküste, dem stürmischen Golf von Biskayatrotzend, nach Süden vorstießen, sich im nordwestspanischen Asturien niederließen und dort ihre Megalithgräber und bronzezeitlichen Felsritzbilder hinterließen, wie in Skandinavien. Hier wie dort werden noch heute die gleichen genetischen Haplogruppen verortet. Aus den Regionen Brandenburgs und des westlichen Baltikums erwuchs die Schnurkeramiker-Kultur (2.800-2.300 v.0), mit ihren Hiebwaffen den sog. „Bootsäxten“ (bootsförmig gestaltigten Äxten) und ihrem Hügelgräberbau. Die Schnurkeramiker, die - wie für die Archäologen üblich - nach ihrer eigenartig bemusterten Tonware benannt sind, scheinen keine fremdartigen Neuankömmlinge gewesen zu sein, sondern lediglich einen zunächst nomadischen Lebensstil und eine neue solare Glaubensform mitgetragen zu haben, die sich von dem solaren Glauben der Megalithiker irgendwie unterschied. Ihre Gruppen zogen mit ihren Viehherden vom Nordostes in Richtung Süden und Südwesten in Europa umher. Wenig später tauchten aus dem europäischen Südwesten neue kampfbogenbewaffnete Reitergruppen der Glockenbecher-Leute auf (2.600 bis 2.200). Auch diese Menschen suchten in den Gebirgen - wie die Stichbandkeramiker - nach Metallen und verstanden viel von Metallurgie. Auseinandersetzungen wird es wohl gegeben haben, wenn beide Wandergruppen aufeinanderstießen. Dann fochten berittene Bogenschützen gegen berittene Hiebwaffenkämpfer. Aus der Verschmelzung beider Völker entstand der erste ur-deutsche Ordnungsstaat der Aunjetitzer-Hochkultur (2.300 bis 1.500 v.0), mit seinen Fürsten- und Königs-Zentren im Raum des alten Thüringer-Reiches.
 
Aus diesem wohlorganisierten, hochkulturellen Herrschaftsgebilde stammt die Himmelsscheibe vom Mittelberg bei Wangen/Nebra, die erste realistische Himmelsdarstellung der Welt überhaupt. Die Forschung beginnt jetzt zu verstehen, warum die Himmelsscheibe in diesem frühdeutschen, sinnvoll verwalteten Obrigkeitsstaat ihre zwingende Notwendigkeit hatte, denn die Beherrschung der Zeit ist die Grundvoraussetzung für jede funktionierende Verwaltung. Dazu ist das Werk von Harald Meller u. Kai Michel, „Die Himmelsscheibe von Nebra - Der Schlüssel zu einer untergegangenen Welt im Herzen Europas“, 2018, zu empfehlen. Die Bedingungen des dortigen Lebensraumes, im Harzvorland, waren ideal, die schwarzen Lösböden für die Landwirtschaft ertragreich. Auch kreuzten sich hier die nord-südlichen und ost-westlichen Fernstraßen der Kaufleute. Gewaltige, reiche Fürstentümer müssen sich im heutigen Sachsen-Anhalt entwickelt haben und sicher auch zu Zeiten prächtige Königshöfe. Das Land war noch im 17. und 18. Jh. übersät von den beeindruckenden Grabhügeln der diversen Herrengeschlechter. Sie mussten bedauerlicherweise der landwirtschaftlichen Technisierung weichen. Der gewaltigste Grabhügel europaweit ist zweifellos der frühbronzezeitliche „Bornhöck“, im Saalekreis, nördlich von Raßnitz (Ortsteil von Schkopau), aus dem, wie anzunehmen ist, der große „Goldschatz von Dieskau“ herrührt. Der um 1.800 v.0 errichtete Grabhügel wies eine Höhe von über 20 Metern und einen Durchmesser von 65 Metern auf. In der Umgebung sind die Reste mehrerer weiterer Grabhügel erkannt worden. Bis ins 19. Jahrhundert prägte der „Bornhöck“ die umliegende Landschaft weiträumig und markierte seit dem 18. Jhd. die Grenze zwischen Sachsen und Preußen. Im Zuge der Braunkohleförderung wurde 1844 die Genehmigung zur Abtragung des Hügels erteilt. Die kleine Gemeinde Gottenz (1371 Gotentz) liegt wenige Kilometer nordöstlich vom „Bornhöck“. Gottenz liegt auch keine 10 km westlich von Grebehna, wo ich an der kleinen Dorfkirche des 12. Jhs. - zu meiner Freude - in den 80er Jahren das Spiral-Irminsul-Tympanon gewahr wurde. Der Grabhügel von Dieskau, auch inmitten anderer, lag östlich vom Schlosspark auf dem Feld. Der „Hallberg“ bei Osmünde, zwischen Benndorf und Osmünde, lag unmittelbar an der „Alten Salzstraße“. Der „Leubinger Hügel“, erhebt sich im Ortsteil von Sömmerda (Thüringen). Er hatte eine Höhe von ca. 8,5 m und einen Durchmesser von ca. 34 m, einen Umfang von 145 m und ein Bauvolumen von 3270 m³. Die hölzerne Grabkammer konnte dendrochronologisch auf etwa 1.942 v.0 datiert werden. Das Fürstengrab von Helmsdorf war ein um 1.840 v.0 errichteter Grabhügel zwischen Augsdorf und Helmsdorf, im Lkr. Mansfeld-Südharz. Er wurde auf einem Gräberfeld der Schnurkeramiker errichtet.
 
Das Verbreitungsgebiet der sog. Aunjetitzer-Kultur (absolut irritierende Bezeichnung nach einem tschechischen Dorf-Fund) zieht sich von Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Böhmen, Mähren, Schlesien, Südwestslowakei bis Niederösterreich nördlich der Donau. Die Menschen dieser Kulturgemeinschaft, mit ihren Herrschaftssitzen im Thüringischen, hatten ihren Sonnenkult, besser gesagt, ihre Lichtreligion. Sehr ansprechend rekonstruiert ist das Heiligtum von Pömmelte, südlich der Landeshauptstadt Magdeburg, ein Zentralheiligtum des alten Glaubens. Man hat es „das deutsche Stonehenge“ geheißen, das bereits 2.000 Jahre vor den britischen Kultstätten seine religiöse Blütezeit feierte. Absolute Datierungen grenzen die zeitliche Einordnung auf 2.335 bis 2.050 v.0 ein. Ein zielgerichteter Abbau der Anlage geschah zwischen 2.135 und 1.985 v.0, wie kalibrierten C-14-Daten belegen. Die Funde belegen, dass Pömmelte über Jahrhunderte als zentrale Kultstätte fungierte. Die heutige Rekonstruktion ist eine Holz-Erde-Architektur mit sieben Ringen aus Palisaden, Gräben und Erdwällen und einem äußeren Durchmesser von 115 Meter. Durchbrochen werden diese von Toren, durch die an den uralten Jahresfesten die Sonne sichtbar wurde. Zahlreiche Deponierungen, wie Scherben von Keramikgefäßen, Tierknochen, Steinbeile und Mahlsteine, dazu menschliche Skelette, erzählen von der einstigen Nutzung, mit vielfältigen Ritualen. In einem eigenen Ausstellungsraum finden sich Grabungsfunde und weitere originale Objekte aus der Region, die jene wichtigen Kulturen aus der Steinzeit und der frühen Bronzezeit erklären, einer Zeit vor über 4.000 Jahren. Die Forschung gibt an: „In dem Bauwerk sah man wohl einst ein Abbild des Kosmos, in dem die Menschen Kontakt zu den Naturkräften aufnahmen. Bei mystischen Ritualen wurden hier Trinkgefäße aus Keramik zerbrochen und der heiligen Erde übergeben. In Schächten im Kreis graben sowie im Innern der Anlage fand man auch weitere Opfergaben wie Steinbeile sowie Tierknochen als mögliche Speisereste.“ In mehreren Schächten fanden sich Skelette von Kindern und jungen Frauen; möglicherweise sind sie bei nahen Unfällen ums Leben gekommen und im Heiligtum beerdigt worden. In der Osthälfte des Kreises liegen junge Männer in Embrionalstellung, das Gesicht der aufgehenden Sonne zugewandt. Es sieht so aus, als hofften sie auf ihre Wiedergeburt.
 
Die Thüringer
 
Auf welche Weise dieses frühe, in der Mitte Germaniens liegende, protogermanische Reich seinen Untergang erfuhr, wissen wir nicht, doch der Thüringer-Stamm des Raumes muss von seiner würdevollen Erinnerung provitiert haben. Die Thüringer (Thuringi, Tueringi oder Thoringi) galten als das hoch geehrte Germanenvolk in der Spätantike. Aufgrund einer Untersuchung von Belege des Wortes hält der Germanist und Namensforscher Wolfgang Haubrichs die Stammesbezeichnung von einer germ. Basis „þur-“ abgeleitet, mit der Bedeutung: „stark, machtvoll, groß, reich“. Die Schreibungen mit „th“, „t“ und „d“ sind Übertragungen aus dem germ. „þ“. Es gab immer mal wieder Kräfte- und Stammesverschiebungen in der Großgermania. Um 100 v.0 drangen artverwandte Hermunduren aus dem Gebiet der unteren Elbe nach Thüringen ein und überlagerten und vermischten sich mit dortigen Landsassen. Im Jahr 3 n.0 vereinigte der Fürst Marbot die Markomannen vom Maingebiet, mit Hermunduren, Turonen, Quaden, Langobarden und Semnonen in einem gewaltigen Bund. Im Jahre 8 v.0 wurde er König der suebischen Markomannen und versuchte sich mit dem Römerreich gut zu stellen, was ihm letztlich übel ausging, im Gegensatz zum Cheruskerfürsten Armin, der die Römer, unter Oberbefehl des Feldherrn Varus, 9 n.0, in der sog. „Schlacht im Teutoburger Wald“ besiegen konnte. Marbot blieb in Opposition zum Cheruskerfürsten, dem „Befreier vom Römerjoch“. Armin bot Marbot ein antiröm. Bündnis an, und sandte ihm daher das Haupt des Varus zu. Marbot erwies sich - in seinem Friedenswahn - als hartnäckiger „Volksverräter“, er lieferte den Kopf des Germanenfeindes an den Rom-Kaiser Augustus aus. Auch blieb er schändlich neutral, als in den folgenden Jahren Rom seine grausamen, massenmörderischen Unterjochungszüge gegen Armin unternahm („Germanicus-Feldzüge“). Im 4./5. Jahrhundert n.0 wanderten Nordgermanen, Angeln und Warnen, in Siedlungsgebiet der elbgermanischen Hermunduren ein, woraus sich schließlich der Stammesverband der Thüringer bildete. Frankenkönig „Karl der Großen“, also im 8. Jh., ließ das überlieferte Stammesrecht der Thüringer, das „Lex Angliorum et Werinorum hoc est Thuringorum“, aufschreiben, das für die von den Stämmen der Angeln und Warnen bewohnten Gebiete in Thüringen Geltung besaß. Die Angeln siedelten im südlich der Unstrut im „Gau Engilin“ (fränkisch: Englehem), während die Warnen im Lande „Werinofeld“, zwischen Saale und Elster, wohnten. Ihr gemeinsames nordisches Erbe, die vielen gewaltigen Hügelgräber aus dem protogermanischen Reich Bronzezeit, die vielen unvergessenen Kultstätten, zusammen mit den dort weitergereichten Urzeitsagen, schufen ein elitär-thüringisches Bewusstsein. Schließlich kam den Thüringern die Ehre zu, dass einer von ihnen, aus politisch einflussreicher Sippe kommend, Odoaker/Odovakar (der Od-Wackere), Sohn des Edekon und einer Skirin, die Regierung von Westrom übernahm. Seiner Tatkraft ist es zu verdanken, dass das verhasste Rom erstmalig in germanische Hände griet. Die Mehrheit der germanischen Legionäre in Italien wählte am 23. August 476 Odoaker zu ihrem Anführer, d.h. zu ihrem „rex“ bzw. König. Der gotische Historiker Jordanes berichtet in seiner „Getica“ (Gotengeschichte), Odoaker sei „Torcilingorum rex habens sicum Sciros, Heruls diversarumque gentium auxiliarios“, d.h. „König der Torcilingi“, also der Toringi (Thüringer), welcher zur Unterstützung auch über Skiren, Heruler und weitere Völkerschaften geboten habe. Er beseitigte den röm. Schattenkaiser General Flavius Orestes und erhob sich zum „rex Italiae“ („König von Italien“). 
 
Doch noch nochmals ein Rückblick: Um das Jahr 400 erwähnte der römische Schriftsteller Flavius Vegetius Renatus den Name Toringi im Zusammenhang mit weißen Pferden. Sie werden kultischen Zwecken der Zukunftsdeutung gedient haben, ein Brauch den man später auch von den Slawen berichtete. Im zweiten Jahrhundert n.0 vermerkt der Geograph Claudius Ptolemaios das „Heim der Teurier“. Der dramatische Sturz der Thüringer ist geschichtlich nachvollziehbar. Sie wurden vom Hunnenkönig Attila überrannt und mussten ihm für die „Schlacht auf den Katalaunischen Feldern“, des Jahres 451, Soldaten stellen. Die Schlacht ging, mit großen Menschenverlusten für die Verlierer, Attila und seine Koalitionäre, verloren. Diese Schwächung durch die Hunnen war der Beginn vom Ende der stolzen Thüringer. Zwar errichteten sie 453/4, nach dem Zusammenbruch der Hunnenherrschaft, im Raum zwischen Donau, Main und Elbe erneut einen eigenen Herrschaftsraum. Es gilt im 5. Jh. als das mächtigste germanische Reich außerhalb der alten römischen Reichsgrenzen. Doch die Thüringer hatten durch Hunnenherrschaft und Krieg zu viele gute Blutlinien verloren. Ihr König Herminafried war, dem friedenstiftenden innergermanischen Verschwägerungssystem folgend, mit Amalaberga einer Nichte des Ostgotenkönigs Theoderich verheiratete. Erst nach dem Tod Teoderichs im Jahr 526 nutzten die katholisch-abtrünnigen Franken die Gelegenheit und griffen an. Vielleicht aber verfügte die Allianz von Franken und Sachsen, die den Thüringer-Staat in die Zange nahmen, über absolut überlegene militärische Kräfte. Die merowingischen Franken, in Koalition mit den Sachsen, machten ihm schließlich mit der Schlacht an der Unstrut, im Jahr 531, ein Ende, in welcher der Thüringerkönig Herminafried gefallen ist. Im folgenden Jahr 532 wurde auch das Burgundenreich von den christlichen Franken zerschlagen. Das „Iring-Lied“ oder die „Iring-Sage“, deren Originaltexte bisher nicht aufzufinden waren, beschreibt die Flucht, Vertreibung und Mord der thüringischen Königsfamilie. Das Thüringer-Territorium wurde unter den Siegern aufgeteilt, wobei Gebiete nördlich des Harzes an die Sachsen gingen und der Süden an die Franken. Um die edlen Thüriger in besonderer Weise zu schmähen, wurde sie zum „Schweinezins“ gezwungen, ein Tribut, demzufolge sie dem fränkischen Königshof jährlich 500 Schweine zu liefern hatten. Und um die widerspenstige thüringische Volkssubstanz der Gebiete östlich der Saale auszudünnen, ließ man das Einsickern von Bauern aus dem Ostraum zu, so dass sie von Slawen besiedelt wurden, somit dem Germanentum verloren gingen. Die letzte Angehörige des Königshauses war Radegundis, eine Nichte des Königs. Der katholische, siegreich-grausame Frankenkönig Chlothar I. verschleppte sie, zwang sie im Jahr 540 zur Heirat und zum Christenglauben. Der Wüterich hatte zuvor zwei der drei hinterlassenen minderjährigen Söhne seines Bruders Chlodomer eigenhändig ermordet. Radegunde floh, wurde aber ergriffen und zurückgebracht. Vor ihr hatte Chlothar bereits vier Frauen geehelicht. Im Jahr 587 starb Radegundis in fränkischer Gefangenschaft. Das Reich der Thüringer lag zerschlagen und dem Frankenreich einverleibt, ohne Aussicht auf Befreiung.