Anfrage zur Schalt- und Jul-Regel

 

RUNENKALENDER-ANFRAGE:

 

 

Lieber Guntram ! Durch die Tatsache, daß 2013 ein Tri-Lida-Jahr (mit einem runenlosen Monat) war, beginnt Othala erst am 1. Hartmond [Januar] 2014. Dadurch wird Ingwaz auf den 30. Januar verschoben, was die Hochjulfeier ziemlich spät erscheinen läßt, wenn man berücksichtigt, daß dieses Fest normalerweise auf den 1. Neumond nach Jul=WSW fällt.

Wie denken Sie darüber?

Mit herzlichem Dank und Gruß … die aus dem Chattengau
 
ANTWORT DER GOD:
 
Dass es solche Extremschwankungen im luni-solaren Kalender unserer Ahnen geben kann, ist für uns Heutige unschön, aber nicht zu vermeiden, wenn die Jahresuhr „nach dem Mond geht“. Ich habe Ihre Angaben nicht nachgeprüft, sie werden schon stimmen. Wenn man derartig späte mondgebundene Hochjulfeiern vermeiden will, für die heutige Heiden wenig Verständnis aufbringen, muss man halt zur mondlosen Regel übergehen, indem man die Runen auf unsere 12 festen Jahreseinteilungen bzw. 24 Sonnenmonatsanfänge und -mitten positioniert. Die Julzeit währte nunmal - wie uns der Angelsachse Beda Venerabilis (672-735) in „De temporum Ratione“, Kap. 13, mitteilte - über zwei volle synodische Monate, einen vor und einen nach der Wintersonnenwende. Das alte Hochjul bzw. die Julabschlussfeier war ein Mittwinterfest und Mittwinter liegt auf Mitte Januar. Dass bei Mondberücksichtigung dieser Termin bis Anfang Februar pendeln kann, ist leider so. Ich gebe anschließend einige Infos über Jul, damit Sie - falls Sie es selbst nicht griffbereit haben - ein Überblick nehmen, wie weit Weihnachts-Ausklangsfeiern bzw. wie weit der Weihnachtsfestkreis - aufgrund der Beeinflussung durch uralte Traditionen - reicht.
 
13.01. - Der „St.-Knut-Tag“, schwedisch tjugondedag jul oder „tjugondag Knut“, norwegisch „St. Knuts dag“ oder „tyvendedags jul“, finnisch „nuutinpäivä“ ist der 20. und letzte Tag der Weihnachtszeit in Schweden, Norwegen und Finnland und wird am 13. Januar gefeiert.
 
In großen Teilen des Christentums - das sich aus listigem Kalkül den vorchristlich-heidnischen Festtraditionen möglichst anzupassen versuchte - dauert die Weihnachtszeit dreizehn Tage. Sie beginnt am 1. Weihnachstfeiertag  (25. Dezember) und endet mit dem Tag der „Heiligen drei Königen“ (6. Januar). In Schweden, Norwegen und Finnland dauert die Weihnachtszeit ganze zwanzig Tage und endet erst am 13. Januar. In der katholischen Liturgie galt bis zur Liturgiereform „Darstellung des Herrn“ (2. Februar) als Ende der Weihnachtszeit. An diesem Tag werden traditionell die Kerzen und der Schmuck von den Weihnachtsbäumen entfernt. Dies kann in einem feierlichen Rahmen stattfinden, der in der Plünderung der übrig gebliebenen Süßigkeiten, mit denen die Bäume verziert waren, endet („julgransplundring“). Insbesondere für die Kinder kann das noch einmal ein festlicher Höhepunkt sein. Anschließend werden die Bäume aus der Wohnung entfernt und entsorgt.
 
Im ländlichen Finnland wurde noch bis in die Nachkriegszeit der Knutstag am 13. Januar durch Umzüge begangen, in denen ein maskierter Knutsbock (FI nuuttipukki), oft in Gefolge, von Haus zu Haus zog. Diese Gestalt war in Tierfelle gehüllt, bis zur Unkenntlichkeit maskiert und in der Regel auch gehörnt. Als eine Art früher Anti-Weihnachtsmann mit vorchristlichen, heidnischen Wurzeln war der Knutsbock vor allem furchteinflößend; er verteilte keine Geschenke, sondern bediente sich frech an allem, was im Hause vom Weihnachtsschmaus übrig geblieben war - nicht zuletzt an alkoholischen Getränken. Dieser Mummenschanz ist mittlerweile in Finnland fast völlig verschwunden. Übrig geblieben ist von diesem Brauchtum aber nicht zuletzt der Name(nsteil) „-pukki“, Bock, denn der finnische Weihnachtsmann wird „joulupukki“ genannt (wörtlich: „Weihnachtsbock“, nicht: „-mann“; vgl. altnordisch: Jul/Wintersonnenwendfest). Der finnische „joulupukki“ ist heutigentags eine gutmütige, großväterliche Gestalt, die den weltweit bekannten Weihnachtsmann-Darstellungen folgt: weißer Bart, ein wenig dickbäuchig, in Rot gekleidet und mit Zipfelmütze.
 
17.01. Im christl. Kultkalender  steht hier Anton / Antonius - lat. „Vornstehender“; Attribut: Schwein. Er wurde nach christl. Erzählung von „teuflisch“ schönem Weib „versucht“, vermochte jedoch ihren Verführungskünsten zu widerstehen. Der germ. Sonnen- und Fruchtbarkeitsgott Frô / Freij / Freyr / Fricco / Balder hatte starke Beziehungen zur Sexualsphäre; er wurde in Liebesnöten angerufen. Adam v. Bremen bescheinigt dies dem heidn. Fricco-Idol: sum ingenti priapo : „mit gewaltigem Zagel [Penis]“ (Hamburg.-Kirchengesch. IV,26). Für ihn wurde Anton als christl. Ersatzspieler eingewechselt. In dessen Legende findet sich die christl. Gleichung: „liebeshungrige Frau = Teufel“. Völlig widersinnig, aber bezeichnend ist, dass verchristl. Volk ausgerechnet den so spröden hl. Antonius als Helfer in Liebessachen anrief. Freyr‘s solares Attribut war der Eber Gullinborsti („Goldborstige“). Der Sonnenherr trug wohl auch den Kultnamen Frô-Forasizzo / Forseti / Fosite, das meint den „Vorsitzenden beim Thing“ (laut Gylf. 31, Sohn Baldurs). Diese Bezeichnung latinisiert bedeutet Anton („der Erste“). Ihn stellte man mitsamt dem Schwein als Ersatzfigur in die richtige Zeit, so dass ihn das Volk als „Swiene-Tüns“ annahm und nach jahrhundertelanger Umerziehung an seinem Tage den Schweinebraten als Armenspende zur Kirche trug. An vielen Orten (z.B. Flanderns) pflegte man Schweinsköpfe zu opfern, die nach der Messe an der Kirchentür verkauft wurden. In flämischen Gemeinden ziehen Gruppen verkleideter Männer von Tür zu Tür, um Überreste an Fleisch und Wurst zu erbetteln, die dann gemeinsam verzehrt werden; Tanzvergnügungen schließen sich an. Sicher handelt es sich dabei um späte Ausläufer des heidn. Schlachtfestes -, des Jul-Eberschlachtens. - Noch unser Weihnachtsstollen ist als Kultgebäck dem Schweinerücken nachgebildet. Ebergebäcke sind in Schweden zum Julabend üblich auch in Frankreich buk man cochelins auf Neujahr. (Grimm, Mythol. 1968, Bd.I, S.51 / 176f) In Böhmen bringt das „Goldene Weihnachtsschweinchen“ die Kindergeschenke d.h. die Kinder hoffen, nachdem sie den ganzen Weihnachtstag tapfer gefastet haben, es am Abend über die Wand huschen zu sehen. Und wir alle freuen uns noch heute, wenn wir „Schwein gehabt“ haben und ebenso über Neujahrs- und Glücksschwein, dem Attribut des huldreichen Frô / Freij / Freyr.
 
25.01. - „Pål mit dem Bogen“ - in norw. Runenstabkalendern. Das Volk hielt Pål für einen großen Kriegshelden der den halben Tag kämpfte und den Rest des Tages Ruhe hielt. Ungewiss bleibt, ob christl. Paulus oder Pal-Bal-Balder gemeint war; wahrscheinlich liegt eine Vermischung vor. Auf dieser Mittwinterzeit lag einst das heidn. Julfest. Nach christl. Legende ist es der Tag „Pauli Bekehrung", an dem sich Saulus-Paulus „bekehrte“, also zum scheinbar Besseren wendete. Der Tag ist mit gutem Bedacht gewählt, gilt er doch (auch in skand. Runenstabkalendern) als Mittwintertag, an dem „der halbe Winter vorbei ist“, sich also zum Besseren wendet. Hauptfest der Seiler, deren christl. Schutzpatron Paulus wurde, weil sie während ihrer segensvollen Handwerksverrichtung, gleich dem Winter und ihrem Patron, rückwärts schreiten. (Rudolf Kleinpaul, Das bekränzte Jahr, 1920, S.20)
 
Zur Frage nach JUL
 
Da die alte Julfeier begrifflich als „Mittwinterfest“ ausgewiesen ist, erhebt sich die Frage, wann war Mittwinter ? Die altgerm. Zweiteilung des Jahres unterschied Winter und Sommer. Die heidnische Mittwinter-Julfeier würde genau auf Wintersonnenwende / Weihnachten (21.12. bzw. Julianischen Kalender 24.12.) liegen, wenn man streng den astronomischen Sonnenjahresdaten hätte folgen dürfen: also auf Herbstgleiche den Winterbeginn, und auf Frühlingsgleiche den Sommerbeginn setzen könnte. Die meteorologischen, witterungsmäßigen Gegebenheiten der Winter- und Sommerfolgen stimmen jedoch mit den astronomischen Terminen nicht überein.
 
Als Anfangs- und Endpunkte (Wintertag und Sommertag) dienten im christl. Mittelalter Michaelis (29.9.) und Ostern (22.3. bis 25.4.), oder Martini (11.11.) und Walpurgis (1.5.), oder in den Niederlanden Matthei (21.9.) und Gertraut (17.3.). Im spät „gekristeten“ Skandinavien war es der 14.10. (winternetter) und 14.4. (firsta sumarsdag). Mittwinter zwischen Matthei und Gertraut lag auf Mitte Dezember, zwischen Michaelis und dem frühesten Ostern auf Wintersonnenwende des Julianischen Kalenders, zwischen dem skandinavischen Wintertag und Sommertag auf Januarbeginn, und zwischen Martini und Walpurgis auf Anfang Februar. Tatsächlich reicht der aus dem heidnischen Jul hervorgegangene christ. Weihnachtsfestbogen vom Dezemberbeginn 1. Advent-Sonntag und endet liturgisch am 13. Jan. (Knut-Tag) bzw. erst 20. Jan. und 2. Februar (England) mit dem Beginn des Frühlingsfeierbogens.
 
Da Oktoberende-Novemberbeginn altgermanische Winteranfangszeit war und Sommerbeginn auf Maianfang (Walpurgis) lag, kam Mittwinter auf Mitte bis Ende Januar. Weil wir jedoch im Altgermanischen von einem lunisolaren Jahressystem ausgehen müssen, also mit echten Mondmonaten zu rechnen ist, schwanken die Feierdaten von Jahr zu Jahr innerhalb eines Zyklus von vier Wochen. Der Angelsachse Beda Venerabilis berichtete im 8. Jh., seine Vorfahren hätten zwei Jul-Monate gehalten, einen vor und einen nach der Wintersonnenwende des Julianischen Kalenders. Liegt nun ein Mondmonat vor und einer nach der Wintersonnenwende - und das Mittwinterfest lag folglich auf einem mondabhängigem Datum - dann fiele im germanischen Idealjahr (wenn der Mondmonatsbeginn-Neumond auf WSW lag) das dreitägig-nächtige Julfest - deren Hauptfeier, laut Snorri, Hökunott (Knöchel- bzw. Fußnacht) genannt wurde - auf den 25. Januar. Diesen alten Mittwintertag vereinnahmte die Christenkirche durch das Fest Pauli-Bekehrung; so wie sich der Winter von diesem Moment an zum Besseren kehrte, und zurück schritt, so drehte sich auch nach christl. Legende der Apostelfürst. Es ist gleichzeitig das Hauptfest der Seiler, deren Schutzpatron der Paulus wegen seines Bekehrungsfestes zu Mittwinter wurde. Die Seiler müssen gleich ihm und dem Winter rückwärts schreiten während ihrer Handwerksverrichtung der Längung eines Seiles.
 
Beda Venerabilis (De temporum ratione c.13) berichtet, der altnordisch-angelsächs. Winteranfang habe mit dem Vintirfyllith begonnen und führt aus: „Vintirfyllith kann als Zusammensetzung mit neuem Namen Wintervollmond ausgesprochen werden.“ Ob der angelsächs. Begriff Vintirfyllith wirklich Wintervollmond meinte, und nicht Winterfülle, Wintererfüllung, Winterschwängerung, lässt sich anhand des Wortes nicht mit Bestimmtheit sagen. Der Kirchenmann Beda irrte auch anderenorts mit seinen Erklärungen alter heidnischer Monatsnamen. Gesetzt den Fall, er hatte Recht, dann war es nordgerm. Brauch, mit einem Vollmond im Oktober die Winterzeit beginnen zu lassen. Da die Mondphasen im beweglichen Mondjahr über die 12 feststehenden Sonnenjahreseinteilungen - deren eine der Oktober ist - hin und her schwanken, erhebt sich die Frage, der wievielte Jahres-Vollmond (vom Jahresbeginn der Wintersonnwende gerechnet), als Oktobervollmond gegolten hat ? Gehen wir vom Jahresschema aus welches Beda bei Beschreibung des heidn. Kalenders seiner Vorfahren unterlegt, dann begann das Jahr mit Wintersonnwende des Julianischen Kalenders am 25.12. Liegt im Idealjahr die Neumondphase des ersten Jahresmonds auf diesem Datum, dann erscheint der 10. Jahresvollmond am Oktoberanfang und der 11. am Oktoberende. Beide könnten demnach der gesuchte Oktobervollmond sein. Im gesteuerten Lunisolarjahr schwankt der erste über September- und Oktobermitte und der zweite über Oktober- und Novembermitte. Es ist aber aus mehreren Gründen anzunehmen, dass der 11. Jahresvollmond der in den November hineinpendelnde, jener einstige Winteranfangsvollmond war. So galt z.B. der Plejadenuntergang im Novemberbeginn als ein Winteranfangssignal, und im ODiNG-Kalender-Runenkreis droht auf dem 11. Vollmond die unholde Winterriesen-Thursenrune . Auch hier ergänzen sich sämtliche Quellenberichte zu einem sicheren Ergebnis.

Die Hochjul-Feierzeit war also ca. Mitte Januar, auf einem Schwarzmond. Die 3. ODiNG-FUÞARK-Rune, die Ing-Rune (ursprünglich ein kleines Kreischen, später eine Raute) steht für das Fest. Da JUL den Sonnengang-Anfang symbolisiert, eignen sich als Jul-Schmuck Räder, Sonnenmotive, Spiralen; da es eine Haupt-Seelenzeit ist, gehören Schlingengebäcke dazu. Da der Sonnen- u. Fruchtbarkeitsgeist Ingo-Fro der Hauptpatron der Feier ist, wird auch das Sonnenschweinchen (Gullinborsti) ins Bild gesetzt (Stollen = Schweinerücken-Kuchen). Der Steinbock steht am astrologischen Himmel u. Gott Donar-Thor ist der Weihegott zu jedem Beginn. Ihm steht der Bock nahe (denk‘ an sein Bocksgespann); das Resultat ist der große „Jul-Bock“ aus Stroh, auf den die Gaben für die Kinder gesteckt werden können. Einen kleinen Jul-Bock, auch Pferdchen (Sinnbilder des Wodin) können unter den Jul-Baum gestellt werden. Äpfel (Sinnbilder des Lebens) und Nüsse (Sinnbilder des versteckten Lebens) gehören dazu. Und natürlich Lichter in allen Formen.
 
Die Temperaturen lagen im Frühmittelalter, also zwischen 500 und 900, deutlich unter den heutigen Durchschnittswerten. Die niedrigen Temperaturen und das feuchte Klima führten zu dichten Urwäldern in Deutschland und Skandinavien. Vom 4. bis ins 6. Jahrhundert gab es einen Temperaturrückgangng. Ebenso zwischen 750 und 850. Danach stiegen die Temperaturen stetig an, was unter anderem die Besiedlung Islands (874) und Grönlands (999) durch die Wikinger zur Folge hatte. Ab ca. 1300 begann dann der stetige Temperaturrückgang als Anfang der kleinen Eiszeit (von ca. 1400 bis ca. 1850). Das bedeutet, die damalige Mittwinter-Jul-Festzeit war schneereicher und allgemein härter als in unseren Zeitläufen.
 
Man sieht auf diesem Runenkalenderschema wie sich z.B. das 1. Kalenderzeichen (das im Idealfalle auf einem Wintersonnwend-Schwarzmond liegt), die odal-Rune ,  im Laufe eines Jahres verschiebt, was die übliche Schaltregel erzwingt (jedes 2. und dann 3. Jahr ein 13-Monats-Jahr).

 

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