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Kalender-Trommel von Hornsömmern, Foto: David Körner
 
 
THÜHRINGER - ÄLTESTE KALENDER-GENIES
 
Das „Thüringer Becken“, mit seinen Randzonen, ist eine der ältesten Kulturlandschaften der Erde. Es wird vom Flusssystem der Unstrut durchflossen, seine fruchtbaren Auen, fischreichen Gründe und wildreichen Forsten umfassen eine Fläche von rund 2.700 Quadratkilometern, die schon in Urzeiten zum Siedeln einluden. Als eine Tochterkultur der jungneolithischen nordischen Trichterbecherkultur und der Baalberger-Kultur (4.200-3.100 v.0) entstand im Spätneolithikum (3.200-2.800 v.0) hier die Walternienburg-Bernburger-Kultur, die auch in Gebieten des heutigen Sachsen-Anhalts und Frankens beheimatet war. Die Walternienburger im Saalemündungsgebiet zeichneten sich durch die ihre Hinterlassenschaften der Tiefstichkeramik aus. Scharf gegliederte Henkeltassen sowie Hängegefäßen mit Ösen nutzten diese Urthüringer. Die Bernburger-Leute produzierten etwas differenzierte Tonwaren, doch beide Gruppen verzierten ihre schmucken Tiefstichmuster mit einer weißen Paste. Auffällig sind ihre Tontrommeln, ihre Doppelstreitäxte, Schiefermesser und dreieckigen und trapezförmigen Feuersteinpfeilspitzen. Ihre Ärzte vollzogen bereits ausheilende Schädeltrepanationen (kreisrunde Öffnungen der Schädelkalotte). Die Toten wurden in Steinkisten und Steinkammergräber beigesetzt. Man fand Höhensiedlungen und Kultheiligtümer wie die Schalkenburg bei Quenstedt und der Steinkuhlenberg bei Derenburg. In dieser Zeit, um 3.000 v.0, vollzog sich die Vereinigung von Ober- und Unterägypten, womit die Geschichte des Pharaonenreichs erst begann. Und das berühmte Sonnenheiligtum von Stonehenge in England bestand lediglich aus einem kreisrunden Erdwall und einem Graben, bevor die markante gigantische Megalithformung erst ab 2.500-2.000 errichtet wurde. Für eine deutlich ältere Datierung fehlt bisher der eindeutige Beweis.
 
Abrollung des Kalendariums der Hornsömmern-Trommel
 
Eine der Attraktionen unter dem Fundmaterial stellen die ca. 200 Tontrommeln dar, die man in den deutschen Großsteingräberanlagen gefunden hat. Trommelbilderritzungen kennen wir auch aus der bronzezeitlichen skandinavischen Felsbilderwelt. Einige der Trommeln führen eingeritzte Kalendermarkierungen des Mond-Sonnenjahres. Eine der Kalender-Trommeln wurde als Briefmarkenbild der DDR von 1970 dem Publikum vorgestellt. Besonders schön ist die Trommel von Hornsömmern (Unstrut-Hainich-Kreis), mit deutlichem Dekor von Strichelungen, die sich als Kalendermarkierungen ausweisen. Eine Nachbildung ist im Thüringischen Landesmuseum in Weimar zu bewundern. In Hornsömmern  wurde ein Steinkreis von sechs Metern Durchmesser vor einem Großsteingrab der Bernburger-Kultur gefunden. Dieser Vorplatz des Gemeinschaftsgrabes wird als Kult- und Opferplatz gedeutet.
 
Die Verknüpfung von Kalendarien und dem Trommeln, also der Ton- bzw. Musikproduktion, macht nachdenklich und regt zu Deutungsversuchen an. Es kann sich nur um rituell verstandene Tonfolgen gehandelt haben. Welche anderen Musikinstrumente stimmten mit ein ? Erklangen sie zu Ehren einer Gottheit ? War es die Begleitmusik zu Stammestänzen, zu Sonnentänzen, zu Reigentänzen, um den spiraligen Sonnenweg im Rhythmus nachzuvollziehen ? Wollten die Tänzer zur Wintersonnwendphase der müde erscheinenden Sonne mit Tamtam und Tanz wieder Mut machen, zum Weiterlauf ? Erfolgte während der Klänge von Trommeln und schrillen Pfeifen das wintersonnwendliche Stieropfer, von dem wir die Auerochsengehörne als Bodenzeugnisse bei den Toren vom Sonnenkultplatz Goseck (bei Naumburg) fanden ? Das Alter des Gosecker Wintersonnwendkultrondells liegt auf 4.800 v.0. Von seinem Mittelpunkt aus sieht man die Torfluchten im SSO, des Sonnenaufganges zur Weihnachtszeit und im SSW jene des Sonnenunterganges. Man feierte also das nordische Julfest, mit Stieropferriten, vor ca. 7.000 Jahren. Alle diese urdeutschen Kulturen befleißigten sich der Zeit-Betrachtungen und -Berechnungen, bis in die Bronzezeit hinein, aus der uns Kalender-Bronzegefäße bekannt sind, wie das vom „Königsgrab von Seddin” (um 800 v.0).

 

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