DIE GOLDENEN (KALENDER-) HÜTE

 

DIE GOLDENEN (KALENDER-) HÜTE

 

Zu dem Schluss, dass es sich um Hüte handeln muss, kommen deutsche Archäologen und Historiker, die meinen, das Rätsel hinter einer Serie von seltsamen aber wunderschönen goldenen kegelförmigen Objekten gelöst zu haben, die bei bronzezeitlichen Fundstätten über Zentraleuropa verteilt gefunden wurden. Vier dieser aufwendig verzierten Kegel wurden bei Grabungen in Deutschland, Frankreich und der Schweiz, während der letzten anderthalb Jahrhunderte geborgen.

Einige vermuteten, dass diese Kegel als dekorative Kappen gedient hätten, die auf den Spitze hölzerner Stäbe befestigt waren und auf bronzezeitlichen Kultstätten gestanden hätten. Historiker des Berliner Museums für Vor- und Frühgeschichte bestätigen im Jahre 2002 mit ziemlicher Sicherheit, dass die mysteriösen Kegel ursprünglich als Zeremonialhüte von bronzezeitlichen germ. Parawaris bzw. Priestern getragen wurden. Solchen Personen wurden übernatürliche Kräfte nachgesagt, weil sie die Fähigkeit besaßen, die korrekte Zeit für Aussaat, Pflanzung und Ernte zu bestimmen.

Sie sind als „Herren der Zeit“ angesehen worden, weil sie Zugang zum göttlichen Wissen hatten, das sie befähigte, gewissermaßen in die Zukunft zu sehen. Davon ist auch Wilfried Menghin überzeugt, der Museumsdirektor, der Detailanalysen der 3.000 Jahre alten und ungefähr 75 cm hohen gehämmerten Goldkegel ausführte, die um 1995 in der Schweiz gefundnen u. vom Museum erworben wurden.

Menghin und seine Mitarbeiter entdeckten, dass die 1.739 Sonnen- und Halbmondsymbole, welche die Oberfläche des in Berlin befindlichen Kegels verzieren, einem wissenschaftlichen Code entsprechen, der fast exakt dem „Metonischen Zyklus“ (vom Griechischen Astronom Meton 432 vor 0 -, ungefähr 500 Jahre vor Fertigung des Kegels) welcher das Verhältnis zwischen Mond- und Sonnenjahr beschreibt. „Die Symbole auf dem Hut sind logarithmische Tabellen, die es erlauben die Bewegungen von Sonne und Mond im Voraus zu berechnen“, erklärte Menghin, „daraus schließen wir, dass die bronzezeitlichen Menschen in der Lage waren, empirische astrologische Langzeitbeobachtungen durchzuführen.“ (Wilfried Menghin, „Der Berliner Goldhut - Macht, Magie und Mathematik in der Bronzezeit“, 2010)

Diese Funde verändern also radikal das Standardbild der Europäischen Bronzezeit, in der eine Gesellschaft von primitiven Bauern in rauchgefüllten Hütten lebte und mit mehr als einfachen Werkzeugen dem Boden ihre Existenz abtrotzte. Menghin: „Unsere Funde belegen, dass die Bronzezeit eine viel höher entwickelte Periode Europas war, als wir bisher gedacht haben.“ Ein zweiter Kegel, der nahe bei Schifferstadt in Deutschland 1835 gefunden worden war, hatte einen Kinnriemen am Rand befestigt. Dieser Kegel, der ebenfalls mit Sonnen- und Mondsymbolen verziert ist, ist das früheste Beispiel und wird mit 1.300 vor der Zeitrechnung datiert.

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Zu den bedeutendsten Religionsdenkmälern der alteuropäischen Bronzezeit zählen hohe kegelförmige Goldblechkegel, von denen bisher vier bekannt sind.

Der mit drei deponierten Bronzebeilen zu datierende Fund von Schifferstadt ist der älteste, aus dem 14. Jh. v.0. Nach dem Zahlenwerk zu urteilen, wussten die Gestalter des ornamentalen Programms der Goldhüte um die genaue Dauer von Sonnen- und Mondjahr und der solaren und lunaren Monate, um die nötigen Schaltjahre zur gegenseitigen Anpassung von Mond- und Sonnenkalender [ebenso wie beim über 1.000 Jahre späteren runischen ODING-Zeitweiser] , sowie um den 19-jährigen Zyklus, in dem bestimmte Mondphasen auf den selben Tag des Sonnenjahres fallen, Mond und Sonnenjahr also gewissermaßen zur Deckung kommen.

Die goldenen Kegelhüte waren wohl symbolischer Ausdruck dafür, dass ihre Träger um die Ordnung von Himmel, Erde und Zeit Bescheid wussten, mit den Herren dieser Ordnung, den Göttern, durch ihr Wissen verbunden waren und so auch für den Bestand dieser Ordnung, von der die Jahreszeiten und das Leben von Mensch und Tier schlechthin abhingen, Sorge tragen konnten.

 

Goldener Hut von Schifferstadt. Zählwerk und kalendarische Rechenzyklen zu 9, 12 und 18 lunaren und 9 und 18 solaren Monaten.

 

„DER HERR DER ZEIT“. Fiktion des bronzezeitlichen Priesterkönigs in seinem Ornat. Goldschätze, Trinkgefäß und Antennenschwert nach Originalfunden. Zeichnung von Wilfried Menghin, dem Autor des Buches „Der Berliner Goldhut“, 2010

Die GOD dankt Herrn Kurt Kocher (Heko Verlag) für seine langjährigen Forschungen und Informationen zur Kalenderwissenschaft, die wir aufmerksam begleitet haben.

 

Bild: Goldener Hut von Schifferstadt