21.04.2022
„Ahnenerbe“-Unsinn

Ob es sich bei dieser oberen Karte um eine NS-Nachahmung eines tibetischen Weltschemas, wie es darunter zu sehen ist, handelt, das, von wem auch immer, der Forschungsgemeinschaft Ahnenerbe zugegangen ist, oder um eine der vielen Nachkriegsfälschungen, ist ungewiss. Die Form der Pseudo-Irminsulen spricht eher für letztere Möglichkeit. Richtig bleibt leider, dass die Palmetten-Irminsul eine krude Unsinns-Idee war, die auch in Ahnenerbe“-Publikationen Eingang gefunden hatte. Die original tibetische Fassung ist wohl während der SS-Tibet-Expedition angekauft worden.

Mit ein Hauptgrund, warum so viele Selbstdenkunfähige Deutsche und andere, nicht von der blödsinnigen Leitidee von der Palmbaum-Irminsul loskommen, liegt an den Fehlleistungen und Fehlleitungen der „Studiengesellschaft für Geistesurgeschichte Deutsches Ahnenerbe“, die ihnen  altehrwürdig gilt und deren Unsinnigkeiten, sie nicht den Mut und die Kraft aufbringen, abzusondern und möglichst vergessen zu machen, um sich zumindest nicht der berechtigten Lächerlichkeit preiszugeben. Dem „Reichsführer SS“, Heinrich Himmler (1900-1945), tun diese Leute sicherlich keinen Gefallen, falls sie das glauben, denn er war es nicht, der die Schnapsidee des evangelischen Pfarrers und völkischen Laienforschers Wilhelm Teudt (1860-1942) unterstütze. Das „Ahnenerbe“, von dem deutschvölkischen Enthusiasten Herman Wirth (1885-1981) gegründet, war nie eine Instanz welche gewissermaßen sakrosankte Lehrsätze hätte verkünden können, im Gegenteil, es war - wie der Name sagte - eine Studiengemeinschaft, von zum Teil ganz kontroversen Auffassungen, sehr unterschiedlich gearteten Personen. Man war sich nur in Einem einig, nämlich in den absolut ehrenwerten Zielvorstellungen, die Dunkelräume unserer deutschen Frühgeschichte etwas aufhellen zu wollen. Es gab große Spannungen, geistige Spannweiten und Vorbehalte zwischen den Akteuren. So nahm Herman Wirth die Vertreter der Gido-List’schen Runen-Kunde nicht ernst, zu denen Karl Maria Wiligut (1866-1946) gehörte. Er selbst wurde von Alfred Rosenberg (1892-1946) nicht für voll genommen und musste sich auch u.a. der Angriffe durch Mathilde Spieß-Ludendorff (1877-1966) erwehren, die zwar nicht zum „Ahnenerbe“ gehörte aber eine starke Stimme war, aufgrund ihrer großen Leserschar und ihrer vielen Anhänger. Sie hielt, auf diesem Wissensgebiet eine völlige Dilettantin, vom „Runen-Hokuspokus“ gar nichts. Der Indogermanist Walther Wüst (1901-1993) wurde 1937 Präsident der „Forschungsgemeinschaft Ahnenerbe“. Er scheint für die Thesen des W. Theudt etwas offener gewesen zu sein, aber nicht aufgrund ernster Studien zum Thema „Irminsul-Weltsäule“, sondern weil er den völkischen Vorkämpfer aus politischer Sicht schätzte.
 
Dennis Krüger schreibt in „Das SS-Ahenenerbe“: „...Zur Verbreitung des Gedankengutes des Ahnenerbes diente vor allem die monatlich erscheinende Zeitschrift „Germanien“ sowie zwei unregelmäßig erscheinende Veröffentlichungen zur Genealogie, „Zeitschrift für Namenforschung“ und „Das Sippenzeichen“. Daneben übernahm das Ahnenerbe auch die Periodica „Wörter und Sachen“, „Wiener Anthroposphische Mitteilungen“, „Zeitschrift für die gesamte Naturwissenschaft“ und „Der Biologe“ (bis 1939) sowie die ex-österreichischen Veröffentlichungen „Zeitschrift für Volkskunde“, „Wiener Prähistorische Zeitschrift“, „Materialien zur Urgeschichte der Ostmark“, „Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes“, „Zeitschrift für Karst- und Höhlenkunde“ und die niederländische Zeitschrift „Hamer“ die man sich seitens des Ahnenerbes nach dem Anschluß Österreichs (bzw. Besetzung der Niederlande) ohne viel Aufwand einverleiben konnte, obgleich sie - bis auf die beiden letztgenannten - für das Amt lediglich von untergeordneter Bedeutung waren. Die Zeitschrift Germanien indes, existierte bereits seit 1929 und wurde von dem für seine Schrift über die Externsteine bekannt gewordenen Wilhelm Teudt im Rahmen einer „Vereinigung der Freunde germanischer Vorgeschichte“ begründet.  Seit 1933 erschien die Publikation monatlich, um ihr „eine breitere Grundlage und eine größere Beweglichkeit zu verschaffen“.  Mit dem Anschluß der Freunde germanischer Vorgeschichte an den Rosenberg nahestehenden „Reichsbund für Deutsche Vorgeschichte“ 1935, der dem Interesse des Ahnenerbes zuvorkommen sollte, wurde im Gegenzug des SS-Amtes „Germanien“ offizielles Organ des Deutschen Ahnenerbes unter seinem Kurator Himmler. Bereits vorher war das Anliegen Germaniens, dem Deutschen das geistige Leben der germanischen Urahnen näher zu bringen und die „Bekämpfung des Geschichtsirrtums, als ob die deutsche Kultur nur ein Ergebnis der Romanisierung und Christianisierung sei“  zu vollziehen, mit dem späteren Auftrag weitestgehend identisch. Auch die Veröffentlichung von Artikeln von Laienforschern, die allerdings nicht der Wissenschaftlichkeit entbehren durften, wurde beibehalten. Einige Forschungsergebnisse wurden auch als Monographien im angeschlossenen Ahnenerbe Stiftungs-Verlag veröffentlicht. Vereinzelt, wenn auch spärlich, wurden Themen der neueren Geschichte aufgegriffen, zumeist jedoch in Zusammenhang mit germanischem Brauchtum....
 
Unter dieser Masse von Publikationen, also mehr oder minder wissenschaftlichen Texten, befand sich eine beachtliche Anzahl hochgeistiger Gedanken und Erkenntnisse, zweiffellos natürlich auch einige Fehlgänge und unhaltbare Spekulationen.  
 
Diese beiden Zeichen erschienen auf Buchtiteln des „Ahnenerbes“, so dass sich bis heute uneinsichtige Nachbeter finden, die die Dattelpalmen-Irminsul für ein authentisch-germanisches Abbild der Irminsul halten. In Wahrheit handelt es ich um eine Nachzeichnung des geknickten Lebensbaumen-Palmbaumes rechtsseitig vom großen Kreuzigungs-Relief des in Jerusalem zum Tod verurteilten jüdischen Zimmermanns, Rädelsführers und Gotteslästerer (aus jüd. Sichtweise) Jeschua-Jesus.
 
Innentitel von „Germanien - Monatshefte für Germanenkunde”, Heft 1/ Januar- 1942
 
Bei dem geknickten, oder richtiger, um 90° vom Todeskreuz abgebogenen Lebensbaum im Externstein-Relief, aus Anfang 12. Jh., haben wir ein getreues Abbild des ikonographischen orientalischen Dattelbaum-Lebensbaumes vor uns, wie er in unzähligen Varianten aus der Sakral- und Profan-Kunst des Nahenostens anzutreffen ist. Im germanischen Mythos gibt es keinen Lebensbaum, dessen Idee erst die Bibel-Missionare in den Norden brachten. Unsere nordischen Vorfahren kannten die Idee des Weltenbaumes, sowie die „Allsäule“, die das All trägt, also das Himmelsdach, nämlich die „Irminsul“, deren Begriff  nichts anderes meint als die „gewaltige Säule“. Keinem der völkischen „Spezialisten“, die sich mit dem Forschungsthema „Irminsul“ beschäftigten, waren die vorderasiatischen Kunsterzeugnisse bekannt. Wilhelm Teudt kannte sie nicht, dem Externstein-Archäologen und „Professor für Urgeschichte“ Dr. Julius Andree (1889-1942) waren sie unbekannt, ebenso Prof. Herman Wirth und dem gesamten Mitarbeiterstab des „Ahnenerbes“. Zumindest habe ich keinen Einspruch gegen die Vorstellung des Externstein-Baumes als „Sul“ von dort wahrnehmen können. Die das Gebilde als „Palmette“ richtig einstuften, waren allein die christenkirchlichen Polemiker die allerdings aus ihrer grundsätzlichen Opposition zum deutsch-nationalen Aufbruch kaum einen Hehl machten und deswegen von den Treudeutschen nicht ernst genommen wurden.