DER SARGSTEIN VOM EXTERNSTEIN

Abb. 1 a/b

Die Haupt-Irminsul, die Frankenkönig Karl 772 zerstören ließ, stand zwar nicht am sächsischen Externstein-Heiligtum, dafür lag diese stille Stätte zu fernab im Waldgebiet und ungeschützt. Die Irminsul erhob sich weit sichtbar - geschützt von der etwas weiter unterhalb gebauten sächsischen Grenzfeste Eresburg - dem heutigen Obermarsberg (Tius-Berg). Doch war der Externstein, nach allem was wir über ihn in Erfahrung bringen konnten, das große uralte Heiligtum der dortigen urzeitlichen, der keltischen und dann germanischen Religionskultur. -- Der umstrittene sogenannte Sargstein (Abb. 1 a/b) beim Externstein gilt aus christlicher Sicht als mittelalterlicher Nachbau des Jerusalemer Grabes des judäo-christlichen Kunstgottes, um dort Wallfahrten durchzuführen, von denen jedoch keinerlei Nachrichten vorliegen. Die Autoren Christian Gottlieb Clostermeier, Wilhelm Engelbrecht Giefers und Alois Johannes Fuchs haben dazu ihre unbewiesenen, höchst fantasievollen Vermutungen zu Papier gebracht. Dagegen hat der Autor Freerk Haye Hamkens („Der Externstein“, 1971) berechtigte Zweifel erhoben. Die damaligen Externstein-Besitzer, die Mönche des Klosters Abdinghof von Paderborn, vermerkten noch am 17.08.1621, dass „der Egsterstein nur eine schlichte Kapelle gewesen“ sei. Dass von nah und fern fromme Pilgerscharen zum Externstein gewallfahrtet sein sollen, wie W. Giefers schreibt, ist nun völliger Unsinn, denn darüber müsste zumindest eine Kirchenurkunde vorhanden sein. Da die Grabsteinanlage beim Externstein ohne christliche Vorbilder dasteht, muss die vorurteilsfreie Forschung nach vorchristlichen Vergleichsobjekten Umschau halten. Dabei stößt man auf etliche Arkosolien, von denen ich hier einige vorstellen werde.

Abb. 2 a/b  

Beim bulgarischen Dorf Tatul befindet sich ein altheidnisches thrakisches Fürstengrab (Abb. 2 a/b), welches dem Externstein-Grabstein sehr ähnlich ist. Beachtenswert ist, wie Maximos von Tyrus im 2. Jh. schreibt (VIII., 8), dass die thrakischen Päonen ihren Sonnengott („Helios“) in Gestalt einer Sonnenscheibe auf einem hohen Pfahl verehrten -, also einer Art Irminsul. Sie wohnten an der Donau, etwa im heutigen Ungarn. Nach Bekanntwerden dieser thrakischen Stätte dürfte die christliche Interpretation des Externstein-Grabes noch einmal mehr in Frage gestellt sein ! Die Megalithanlage wird traditionell für das Grab des thrakischen Sängers Orpheus gehalten. Nördlich des Heiligtums gibt es weitere Felsgräber und Felsnischen mit kultischer Bedeutung. Der „Orphismus“ war eine Glaubensrichtung der indogerm. Thraker, die dem altnordischen keltisch-germanischen Glauben an die Seelenwanderung verwandt war. Im rituellen Kontakt mit den Seelen Verstorbener nutzte man die Sargsteine. Noch im christlichen Mittelalter suchten die deutschen Menschen ihre Sippengräber der Verstorbenen auf, hielten Zwiesprache mit den Seelengeistern, feierten dort zu gewissen Festtagen („Dadsisas“), bis die Christenkirche diese Bräuche durch heftige Strafandrohungen unterband. Im sog. „Indiculus superstitionum et paganiarum“ („Kleines Verzeichnis des Aberglaubens und des Heidentums“), aus karolingischer Zeit der gewaltsamen Sachsenmission des Frankenkönigs, wird als heidnische Unzucht bezeichnet, in 1. und 2. Position der Kapitularien: „Über das Opfer an Gräbern der Toten“ und „Über das Opfer über den Toten, d.h. Totenmahl“. Der altdeutsche Totenkult ist mithin älter als die sich daraus erst entwickelnden christlichen Kultbräuche und lange vor der angeblich im Hochmittelalter kirchlicherseits vorgenommenenGrab-Christi-Gestaltung am Externstein.

Durch neuere archäologische Funde wurde die erste Besiedlung der Stätte von Tatul auf 4.000 v.0 datiert. Nach Meinung bulgarischer Wissenschaftler war der Ort Heiligtum und Grab eines einflussreichen thrakischen Herrschers, der hier nach seinem Tod vergöttert wurde. Diese Funde sind für die Archäologen ein Indiz, dass das Heiligtum in dieser Zeit ohne Unterbrechung genutzt wurde. In dem Felsengrab hat man i.J. 2004 die Wurzel eines Weinstocks gefunden, deren Alter auf 3.000 Jahre bestimmt wurde. -- Text der bulgarischen Tourismusbehörde: „Das Heiligtum ist ein Gesteinskörper, und seine Spitze schaut wie ein Pyramidenstumpf aus. Der Komplex besteht aus zwei Sarkophagen, eine viereckige Grundlage für den Hauptaltar und einen drei Meter tiefen Ziehbrunnen. Der Komplex existiert seit dem Ende des V. Jahrtausends und dem Anfang des ІV. Jahrtausends v. Chr. Davon zeugen die Tongefäße, die in der Region gefunden wurden. -- Die Felspyramide und die Gruft in ihrer Nähe, wurden ХVІІІ – ХІ. Jahrhundert v. Chr. aufgebaut. Zu dieser Zeit erlebte das Heiligtum seinen ersten großen Frühling. Ringsum wurde einen Kreis aus Tonaltären formiert, wo Opfergaben dargeboten wurden. Hunderte von Kultgegenständen wurden gefunden – menschlichen Tongötzen und Wirbel für Spindel, Gefäßmodelle, Gegenstände aus Bronze und Abbildungen des Sonnengotts. -- Während Ausgrabungen in 2004 – 2007, wurden auch einzigartigen Objekte aus Ton gefunden, die sich auf den Kult mit der Sonne beziehen – drei Räder für Modelle von einem Himmelswagen und ein Teil von einer goldenen Maske. -- Im ХІІІ – ХІІ. Jahrhundert v. Chr. wurde das Heiligtum durch Erdbeben beschädigt. Die Historiker glauben, dass die Sarkophage, der Pyramidenstumpf und die seitliche Kammer die Grabstätten von Orpheus und von dem thrakischen König Rhesos darstellen. Laut der Mythologie herrschte Rhesos im südlichen Teil der Rhodopen und er nahm an dem legendären Trojanische Krieg teil."

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Abb. 3: Mátala ist ein Dorf an der Südküste Kretas, wo schon in der Steinzeit in das Gestein des steilen Uferfelsens Höhlungen gearbeitet wurden, deren Zweck unbekannt blieb. In römischer Zeit wurde sie als Grabstätten benutzt. -- Aus der antiken griechischen Stadt Milet an der Westküste Kleinasiens (heutige Türkei) finden sich Rundbogengrabanlagen aus Phase II. des ca. 4. Jh. v.0., wie es die archäologischen Untersuchungen am Kazartepe erwiesen. -- Abb. 4: Ein Sarkophag mit Nische, aus einer Felswand gehauen, findet sch im lykischen Balbura (südwestl. Kleinasien, heutige Türkei). Die Lykier waren ein griechisch geprägtes indogerm. Volk, dessen blühende Städte erst durch die Arabereinfälle untergingen. Der Stein müsste, aufgrund seiner Schlichtheit, aus alter Lykierezeit herrühren (3. / 1. Jh. v.0), denn aus hellenistischer und römischer Zeit kennt man von dort aufwendige, hervorragend gearbeitete Sarkophage. -- Abb. 5: Ein Sarkophag in einem Felsengrab der antiken Stadt Termessos in Pisidien (Süden heutiger Türkei). Dank ihrer hohen Lage und der Wehrhaftigkeit seiner Krieger gelang es der Stadt ihre weitgehende Autonomie, Identität in persischer und hellenistischer bis in die römische Zeit zu bewahren. Schon der frühe griech. Dichter Homer (um 800 v.0) berichtete von ihr. Termessos hatte seine Blüte zwischen dem ersten Jahrtausend vor 0 bis etwa 200 n. 0. Die diversen Rundbogengräber dürften in der Zeit Alexanders des Großen und seiner Diadochenstaaten entstanden sein. Ebenso die hellenistische Nekropole in Sagalassos, in  Pisidien am Fuße des Taurusgebirges, weist etliche hervorragend erhaltene in den Felsen geschlagene Arkosolgräber auf, bis in die röm. Kaiserzeit. -- Die ehemalige römische Stadt Abritus, nahe der heutigen bulgarischen Stadt Razgrad, ist zu einem sehenswerten archäologisch-touristischen Reservat gestaltet worden. Ende des 1. Jhs. n. 0 entstand hier ein röm. Kriegslager auf den Ruinen einer alten thrakischen Siedlung. Im 5./6. Jh. entwickelte sich auch ein christliches Zentrum, das von den Avaren und Slawen Ende des 6. Jhs. zerstört wurde. Die Arkosolien-Reliefplatten stammen aus röm.-vorchristl. Zeit, aber die vielen schönen Rundbogen-Grabreliefs scheinen einer altthrakischen Bau- und Kunsttradition zu folgen. Die Rundbogengräber der thrakischen Kultur könnten eine Fortsetzung der Tradition prächtiger Begräbnisse mit monumentalen Gruften sein, unter majestätischen Grabhügeln, deren Anzahl in Bulgarien zwischen 10.000 bis 60.000 geschätzt werden.

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Abb. 6: Der Steinsarg mit der Kopfaussparung am Externstein ist nicht typisch für christliche Steinsärge, das Jerusalemer sog. Gartengrab (irrtümliches Jesus-Grab) kennt sie nicht und der Rest unter der Grabeskirche gibt dafür auch keinerlei Anhaltspunkte. -- Abb. 7: Das Grab befindet sich im südöstlichen Vorort von Jerusalem namens Talpiot, in dem unter anderem - nach umstritten gelesenen Inschriften - die Gebeine eines „Jesus, Sohn des Josef“ in Knochenkästchen (Ossuarien) begraben worden sein sollen. Der Filmemacher James Cameron und Journalist Simcha Jacobovic drehten 2007 einen Film, in dem sie die These aufstellten, es handele sich um das Familiengrab Jesu Christi. Dieser sei hier mit seinen Eltern, seinem Bruder, seinem Sohn und seiner Frau Maria-Magdalena bestattet worden. Ihre Knochen lägen in den Knochenkästen, die in den hinteren Ecken standen. Die israelischen Wissenschaftler erklärten den Fund als Fälschung. -- Abb. 8: Der mit Binden umwickelte Leichnam war in Altjudäa zwar üblich, aber dass er in einer Rundbogennische gelegen habe, entspringt der freien kirchenchristlichen Fantasie (das Bild stammt von einer bibelpropagandistischen Netzseite). -- Natürlich gibt es in Jerusalemer Grabanlagen auch Rundbogennischen, so wie es sie auch gibt von altrömischen, altmaltesischen usw. Katakombengräbern gibt, doch typisch für Jerusalemer Gräber sind sie nicht. -- Die Steinsärge mit der Kopfaussparung sind aus nordeuropäischen Grablegungen (auch in Trier) hervorragender Persönlichkeiten bekannt. Im Orient waren sie - meines Wissens nach - nicht üblich. -- Ganz offensichtlich aus vorchristlicher Zeit stammen die maltesischen „Salina-Bay-Catacombs“, nahe den Salzpfannen; sie sind die einzigen Grabgänge der Inseln, die zum Teil von der Oberfläche sichtbar sind. Jede der Katakombe hat einen eigenen Eingang, Tür an Tür und beinhaltet meist mehrere Sarkophage, die einzeln aus dem Felsen geschlagenen sind. Diese haben ein stufenartiges Steinpolster am Kopfende mit zwei kreisförmigen Doppelaussparungen. Anzunehmen ist, dass die Köpfe von jeweils zwei Verstorbenen in diese Mulden gelegt wurden.

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Die in Jerusalem für christfromme Touristen gezeigten sog. „Gartengräber“ mit der Rollstein-Verriegelung (Abb. 9, 10, 11) sollen aus der Zeit Jesuha-Jesus’s stammen. Sie weisen keine Ähnlichkeiten mit dem Externstein-Grabfelsen auf, weshalb dieser nicht als Nachbildungsversuch des „Jesus-Grabes“ bezeichnet werden darf. Das „Gartengrab“ (Abb. 10) stammt aber aus dem 7. Jh. vor 0 und gehört zu einer größeren Grabanlage, hinter der noch wesentlich besser erhaltene Gräber zu sehen sind. Auch der Innenraum des „Gartengrabes“ (Abb. 13, 14) hat keine Ähnlichkeiten mit dem Externstein-Grab. Der Leichnam lag in der linken Ecke mit den Füßen unter der erkennbaren Aussparung. -- Bei Aufnahme Abb. 13, des „Gartengrabes“ aus dem Jahre 1906, ist noch die Zwischenwand zu sehen die heute nicht mehr vorhanden ist. -- Abb. 12: Der Eingang zum sog. „Grab des Josef von Arimatäa“, einem jüd. Familiengrab aus der Zeit des Jeshua-Jesus. Josef aus Arimatäa erbat vom röm. Landpfleger  Pilatus den Leichnam und bestattete ihn in dem neuen Grab, „das er für sich selbst in einen Felsen hatte hauen lassen“, welches in dem Garten lag in dem man Jeshuda hingerichtet hatte (Mt. 27, 57-60; Joh. 19,38-41). Als Ersatz für das nunmehr von Jeshua belegte Grab hatte sich Josef dieses neue Grab schaffen lassen. Es wird demnach kaum sehr viel anders ausgesehen haben können als das hier gezeigte.
 
Da nach neueren Erkenntnissen die Insel Malta nicht vor dem 4. Jahrhundert christianisiert wurde, können die dortigen Akrosolgräber in den Katakomben keine christlichen Erzeugnisse sein, sie sind urmaltesisch-phönizisch-römischer Natur. Auch die Katakomben beispielsweise unter der St. Pauls Kathedrale in Rabatt weisen die gesuchten Rundbogengrabnischen mit dahinterliegenden Wannensärgen auf (Abb. 15, 16, 17). Malta wurde nicht wie die Mehrzahl der römischen Provinzen in vorkonstantinischer Zeit christianisiert, sondern erst während der Mitte des 4. Jahrhunderts, in dem keine Katakomben mehr angelegt wurden. Dass der „Völkerapostel Paulus“ (Apostelgeschichte 28,1) im Jahre 59 n. 0 nicht auf Malta, vielmehr auf der westgriechischen Insel „Melite“ (Kephallenia) gestrandet ist, stellte definitiv Heinz Warnecke („Die tatsächliche Romfahrt des Apostels Paulus“, 1987) fest.

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Von der maltesischen Meersalzgewinnung rührt der Name Salina her. Die Siedlung liegt nahe der „St Paul’s Bay“, gehört aber zum „Local Council“ von Naxxar. Die Region von Naxxar war, wie Funde in den Höhlen von Tal-Qattara und Ta’ San Brinkaw und Reste megalithischer Bauten in Tal-Qadi und Qaliet Marku zeigen, bereits in Stein- und Bronzezeit besiedelt. Wie an mehreren anderen Orten erscheinen auch auf dem Gemeindegebiet von Naxxar die unerklärlichen sog. „Karrenspuren“, so in Meernähe bei Salina, bei it-Tarġa und bei Għadira tal-Wej. Im Bereich der Stadt finden sich Gräber aus Zeiten der Phönizier und die Katakomben von Salina und Magħtab. Auch die Salina-Gräber (Abb. 18+ 19) weisen die für die Steinzeitkultur Maltas typischen Spiral- und Doppelspiralbilder auf, welche den jährlichen Sonnenweg symbolisieren. Diese Gräber mögen eventuell auch in christlicher Zeit genutzt worden sein, doch nicht in ihr geschaffen. Die Doppelspirale ist nachweisbar ein religiöses megalithisches Leitmotiv von Schottland bis nach Sardinien und Malta. -- Damit sind die Rundbogennischengräber - die sog. Arkosolien - als eine uralte vorchristliche Bauform  wahrscheinlich gemacht. -- Auch die Gräber an der „Salina Bay“ werden irrtümlich als „römisch-frühchristlich“ bezeichnet. Wären sie durch frühe Christen geschaffen worden, ließen sich christliche Motive finden, das ist nicht der Fall. Damit ist gesichert, dass die Spiralornamente vom maltesischen Salina keinesfalls von Christen herrühren können. -- Die Spirale ist ein uraltes Symbol der Megalithkulturen, aber an keinem Ort ein originär judäo-christliches Sinnbild. Ich vermute, dass die Ureinwohner Sardiniens und Maltas über den atlantisch-megalithischen Ausdehnungsweg von Nordwesteuropa eingewandert sind und somit aus dem hohen Norden ihren Sonnenspiralkult mitbrachten. -- siehe auch: IRMINSULEN im Bild

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Abb. 20: Steingräber, „The Barrows”, Heysham / Lancashire – Sie werden unterschiedlich datiert, vom 8 bis 11 Jh. Ob sie heidnisch oder christlich einzustufen sind, ist völlig offen. - Abb. 21: Felsensärge auf dem altheiligen Odilienberg im Elsass (Füße, also Blick nach Osten).

Der römisch-katholische Theologe und Kunsthistoriker, also christliche Interpret Alois Johannes Fuchs („Im Streit um die Externsteine - Ihre Bedeutung als christliche Kultstätte“, 1934) schrieb: „Das Felsengrab an den Externsteinen wurzelt als Bogennischengrab vollkommen in der christlichen Tradition.“ Dem muss entgegengehalten werden, was zusammenfassend festzustellen ist: Der Externstein-Grabsteinfelsen weist in keinem wesentlichen Detail Gleichheit mit den in Frage kommenden Jeshua-Jesus-Gräbern in Jerusalem auf. Die aufwendigen Gräber in Judäa waren mit Verschlusssteinen versehen, sie besaßen keine körperhaften Vertiefungen, sondern bankartige Ablagen im Vorgrab oder auch  wannenförmige Vertiefungen. Zudem ist bemerkenswert, dass als die älteste deutsche Nachbildung des Jerusalemer Grabes, das „Heilige Grab“ in der Stiftskirche St. Cyriakus in Gernrode (Harz) gilt, welches vermutlich bereits 1080 in das südliche Seitenschiff eingebaut wurde. Es handelt sich dabei um kein Arkosolium ! Rundbogengräber - ähnlich dem vom Externstein-Grabstein - sind aber in den Nekropolen mehrerer vorchristlicher bzw. heidnischer Kulturen anzutreffen, und zwar in der maltesischen (Salina), in der thrakischen (Tatul), in der helladisch-frühgriechischen (Milet), in der griech.-hellenistischen (Termessos), sowie in der römisch-kaiserzeitlichen (Abritus).

Arbeitshypothetisch müssen wir davon ausgehen, dass der Grabfelsen vom Externstein-Heiligtum ein Teilstück der uralten heidnischen Gesamtkomposition der Anlage war und im sakralen Zusammenhang mit dem Kult des Jahrgottes stand. Die Gotteserkenntnis der ewigen Wiederkehr des mit der Gottheit gleichgesetzten Lichtes war Grundlage der megalithischen Religionen. So wie Mond und Sonne ihren beständigen kosmischen Aufstieg und Abstieg von Abnahme und Zunahme der menschlich erlebten Lichtbeglückung vollziehen, so nachvollzogen die Gilden der Gläubigen bzw. der Kultgruppen im heiligen Spiel die Geburt, den Tod und die Wiedergeburt der in diversen Formen personifizierten Gottheit. -- Der hartnäckige kirchenchristliche Versuch, den Externstein - trotz einer erdrückenden Fülle von Argumenten - als eine frühe, allein christliche Sakralanlage darzustellen, zeigt einmal mehr die traditionelle hemmungslose Lügenbereitschaft der Kurie und ihrer Hilfstruppen, wenn es darum geht, zur höheren Ehre ihrer Gottesvorstellung die historischen Wahrhaftigkeiten zu verbiegen.  

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Abb. 22: Das Tympanon des Perdón-Portals der „Real Basilica De San Isidoro“ in León/Nordwestspanien  stammt aus 1063 bis 1149; es zeigt in rechter unterer Ecke die Grablege des christlichen Kultgottes, nach seiner propagandistisch verkündeten angeblich erfolgten „Auferstehung“, mit Sargdeckel und  Sargwanne ohne Kopfaussparung. -- Abb. 23: Meine Frau Elke von 1.80 m Länge im Externstein-Sargstein (1980)

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