Erschütternde Verblendung

 „Ihr müßt dem Mann, der stark durchs Leben geht, Den rauhen Ton und harten Schritt schon gönnen: Wer wach und klar im hellen Morgen steht, Begreift nicht, wie noch andre schlafen können.“ - Julius Lohmeyer (1835 - 1903), Gründer der die Zeitschrift „Deutsche Jugend“

 

 

 

Im Hintergrund falsches Palmbaum-Lebensbaum-Idol,
davor korrektes Spiral-Sonnenbahn-Irminsul-Idol

 

 

Es gibt Torheiten, über die man schmunzeln möchte - einige, über die man sich aus­schütten könn­te vor Lachen, und es gibt solche, da steigt der bittere, würgende Ekel in die Kehle, dass man glaubt, ausspeien zu müssen. Eine solche erschütternde Torheit ist der Glaube mancher patrio­tischer Deut­scher, das umgebogene Baumgebilde im „Christusbild des Externsteines“ sei die HEILIGE IRMIN­SUL des altdeutschen Artglau­bens, von der die Fränkischen Annalen der Karolingerzeit berich­ten.

 

Der Lehrer Wilhelm Teudt (1860-1942) brachte jenen unsinnigen Gedanken im Jahre 1929 auf, den er in seinem Werk „Germanische Heiligtümer“ publizierte. Seitdem gei­stert er durchs völkische Deutschland wie ein epidemischer Wahn, gleich dem Miauen franzö­si­scher Nonnen und dem deutschen Geißlerunwesen des Hochmittelalters. Es mag viele Gründe für europäische Nach­barn ge­ben, hinter vorgehaltener Hand „deutsche Borniertheiten“ zu verla­chen, doch dass die Deut­schen dafür immer wieder selbst solche Vorlagen liefern, ist höchst bedauerlich. Jeder Kenner der Kunst­ge­schichte weiß, dass das um­strittene Gebilde im Externstein­relief nichts anderes darstellt als die stilisierte Dattel­palme des Orients - nur gewisse Landsleute schei­nen es nicht wahrhaben zu wollen: Eine germa­ni­sche Dattelpalme - lächerlich !

 

Nun ist es zunächst völlig gleichgültig, was die Benediktinermönche, die dieses Externsteinbild zu Be­ginn des 12. Jh. herstellen ließen, sich dabei gedacht haben. Sicherlich sollte der Palmbaum etwas ver­kör­pern, was den papsthörigen Klerikern der damaligen Zeit feindlich er­schien (Kai­ser­tum, Juden­tum ?), sonst hätten sie ihn nicht in der verbogenen Form verewigt. Doch gleichgül­tig, wen oder was man damit meinte - unmöglich ist, dass man damit das altdeut­sche Heidentum kennzeichnete ! Die vor­derasiatische Dattelpalme vertrat nie und nimmer den sächsisch-germani­schen Alt­glauben !

 

 
Abb.1 Abb.2 (oben) Abb. 3 (unten)  Abb. 4

 

Jedes einzelne Detail der Externstein-Palme entspricht den semitischen Vorbildern. Auf einem Elfen­beinkästchen aus Nimrud, ca. 800 v.0, wird der ikonographische Dattelpalm-Lebensbaum von Böcken flankiert (Abb. 1). Man muss sich die Dimension der Narretei so recht verge­gen­wärtigen: Deutsche, die sich voll Schaudern ab­wenden von der ihnen aufgezwungenen judäochristlichen Schmachreligion, fin­den bei ihrem Kampf gegen das christliche Todeskreuz nichts besseres als den orientalisch-semitischen Lebens­baum ! Ein Beispiel für diese „antichristliche Palme“ einer neudeutsch-heidnischen Vereini­gung zeigt Abb. 4.

 

Wenn die jüdische Bibel von Palmen spricht, ist die Dattelpalme (Phönix dacty­lifera) gemeint. Sie kann bis zu 50 m hoch werden. Die Wipfel krönen 40-60 dunkelgrüne bis zu 3 m lange Blattzwei­ge. Um die Fruchtbarkeit zu vergrößern, wendeten die vorderasiatischen Völker die künstliche Bestäu­bung an. Assyrische Abbildungen zeigen den Vorgang, auch in der rabbini­schen Literatur wird diese Methode erwähnt. Jericho („die Pal­men­stadt“, 5 Moses 34,3; Ri.1,16) war von einem Palmenwald umgeben. Dieser Baum war der her­vor­ragendste Wirtschaftsfaktor Ju­däas. Außer den Früchten, die er in großer Menge hervor­bringt, lieferte der Stamm Bauholz, mit den Blättern deckte man die Dächer und flocht daraus Matten, Kör­be, Zäune. Das Bild der Dattelpalme lieferte die vielfältigen künstlerischen Motive für den Schmuck assyrischer, babylonischer, jü­di­scher Tem­pel­wände (1. Kön. 6, 29-32. 35; 7, 36; 2. Chr. 3,5). Pfeilerkapitelle aus Jerusalem (Abb. 2) be­wei­sen ihr Herkommen aus dem phönizischen Lebens-Palmbaum-Motiv. Als Sie­ges­zei­chen dien­ten Palm­­zweige auch beim Einzug Jeschua-Jesu in Jerusalem (Joh. 12,13). Die Palme war so ty­pisch für den Ori­ent und namentlich für Israel, dass sie auf römi­schen Münzen als Symbol für Judäa galt. Sie prangt auf der Münze des Prokurators Coponius (6-9 n.0) ebenso wie auf der Siegesmünze Vespasians mit der In­schrift „Jud­aea capta“, d.h. „Judäa ist erobert“, 70 n.0 (Abb. 3).

 

Auf welchen Wegen die Idee und die Abbildung der altorientalischen, nahrhaften Dattelpalme in das Externstein-Kreuzabnahmerelief des 12. Jh. hineingelangte, bleibt eine zwar spannende, aber letztlich doch zweitrangige Frage. Aufgrund des vorhandenen Vergleichsbildamterials dürfen wir sicher sein, dass wir den heiligen Baum des Gottes Assur, den semitischen Lebensbaum, in Gestalt einer seiner bekannten Kunstformen, im Externstein-Relief vor uns haben. In idealisierter Gestal­tung wurde er von diversen Organisationen, wie "Ahnenerbe", "Goden", "Armanen", "Artgemeinschaft", als Logo übernommen (Abb. 4).

 

Die als germanische Irminsul ver­kannte orientalisch-semi­tische Dattelpalme (in ihrer im Orient üblichen schematisierten bzw. ikonographierten Form) errang einen Platz im Be­wusst­sein des jungdeutschen Hei­den­­tums --, irreführender könnte ein Verbandszeichen nicht sein !

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