Die Dattelbaum-Kultstele des Orients ist keine Irminsul

 
 
 
Die Dattelbaum-Kultstele des Orients ist keine Irminsul

 

Die phönizische Kunst mischte babylonische und ägyptische Motive, wie Löwen (Symbol der Kraft), Sphinxe (Symbol der Weisheit ?), Lotos (Symbol der Lebenskraft) und Palmetten bzw. den Hl. Kultbaum (Symbol des Lebensbaums) der aus dem Anschauungsbild der Dattelfruchtpalme hervorgegangen war, eine der Ernährungsgrundlagen der vorderasiatischen Stadtkulturen. Der Dattelfrucht-Lebensbaum wurde im Bereich der Sakral- und Schmuckkunst in der ausführlichen Form mit 4 Rankenarmen dargestellt, welche aus dem Heilszeichen des Dreiwinkel-Sinnbildes hervorgehen. Zwei Arme (Voluten) schwingen nach den Seiten oder nach oben, während die beiden oft sehr viel kleineren sich nach unten kringeln. Der Palmblattwipfel ist mitunter nur durch drei Blattwedel (wie in Abb. oben re.) oder durch deutlich gerippte Palmblätter angedeutet (wie in Abb. unten li.).
 
Die 5 Elfenbeinplättchen des Tablos:  Oben links und oben Mitte = Palmetten aus denen stattliche Lotosstengel emporstreben, phönizisch. - Oben rechts = Dattelpalmbaum-Ikone, von zwei männlichen Wesen (Bestäubungs-Genien, da die Dattelpalme zweihäusig ist und die weibl. Bäume mittels der Samenwedel befruchtet wurden) flankiert, neuassyrisch, 8./7. Jh. v.0 - Unten links = Sphinx vor halber Dattelbaum-Ikone (rechtes symmetrisches Gegenstück fehlt), neoassyrische Periode, spätes 10. bis 6. Jh. v.0 (von Nimrud, Brith. Mus.) - Unten rechts = Sphinx vor halber Dattelbaum-Ikone (linkes symmetrisches Gegenstück fehlt), 9./8. Jh. v.0 (von Nimrud, Brith. Mus.). Ich gab die Datierungen aus der Fachliteratur an, aber alle diese vorderasiatischen Kunstwerke stammen aus etwa 10. bis 6. Jh. vor Ztr. 
 
Die gebogene Dattelbaum-Ikone im Kreuzabnahmerelief vom Externstein (bei Horn-Bad-Meinberg), dessen Entstehungszeit stil- und motivgeschichtlich (z.B. wegen „Flügeldrachen“) auf das 12. Jahrhundert angesetzt werden muss, entspricht in allen Details den vorderasiatischen Kultbäumen. Dass sie von dem Laienforscher Wilhelm Teudt als altsächsisch-germanische „Irminsul“ („All-Säule“) missgedeutet wurde, muss als peinlicher Fehlgriff aus ignorantem zeitgeistbedingtem Enthusiasmus verstanden werden. Die germ. „Irminsul“ bzw. „Säule des [großen] Himmelsgottes Irmin“, unter dem Tiu/Tyr zu verstehen ist, war eine Stützsäulen-Metapher, welche das Sinnbild des Sonnen-Jahrganges, nämlich die Doppelspirale trug. 

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Palmetten-Kapitelle: 1 bis 3 aus Nimrud - 4 aus Tharros - 5 Jarro de la Colecction Vives
 
(aus Martín Almagro-Gorbea, Mariano Torres Ortiz, „La escultura fenicia en Hispania”)
 
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Zwei assyrische Reliefs mit Dattelpalmen-Abbildungen, davor Männerköpfe.
Die Blattspitzen schwingen am Ende leicht nach oben, wie bei den Palm-Ikonen 
Die Dattelfrüchte hängen als Pergel von den Ästen.
 
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1. Abb. = Dattelpalme (Phoenix)
 
2. Abb. = Detail von assyrischem Relief, Soldaten brechen im Feindesland angehackte Dattelpalme um.
 
Abb. 3 = Dattelbaum-Kult-Stele vom Externstein-Relief als Irminsul-Fantasie. Die Wipfelblätter fehlen zum Zeichen der Unfruchtbarkeit, denn die Externstein-Palmette ist - im Gegensatz zum daneben stehenden Christenkreuz - ein Unglücks-Sinnbild, das den antipäpstlichen Kaiser Heinrich V. versinnbildlicht, welcher am 11.02.1115 die Schlacht am Welfelsholz verlor, so dass die gregorianischen Mönche triumphierten.
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