WIE ES ZUM EXTERNSTEIN-RELIEF KAM

 
UND IHR SIEGES-RELIEF AM EXTERNSTEIN
 
Abb. 1 - Kaiser Heinrich IV. (1050-1106)
übergibt seinem Sohn Heinrich V. (1081-1125)
die Herrscherinsignien
Abb. 2 - Verbogene Palmbaum-Ikone vom Externstein-Relief,
ohne Mittelspross (Symbol der Unfruchtbarkeit) - 1115
Abb. 3 - Die Dattelpalme als Kaiser-Baum
auf dem deutschen Krönungsmantel des 12. Jhs.
 
 
HEINRICH V. UND DIE MÖNCHE
 
Das war ein Deutscher König gut,
von stolzem Sinn mit Kraft und Mut.
Er zog nach Rom mit klirrendem Heer,
verlangte vom Papst seine Kaiser-Ehr‘.
 
Der Papst doch war von starrem Sinn,
schaut‘ eitel über die Deutschen hin.
Da fasste ihn Hoyer von Mansfeld an,
des Heinrichs treuer Feldhauptmann.
 
Der Sachse reckte die schwere Faust,
hat Papst Paschalis den Latz gezaust
und zwang dem Römer den Willen auf,
nicht zu behindern der Krönung Lauf.
 
Der Mansfeld mit dem breiten Schwert,
in Eisen gewandet, ein Ritter wert.
Er focht für den König manchen Strauß,
schlug Fürsten aus Lehen und Land hinaus.
 
Nur einmal verlor er Schlacht und Stolz,
an blutiger Walstatt vom Welfesholz.
Der Wiprecht focht für den Gegen-Herrn,
traf Hoyers Haupt mit dem Morgenstern.
 
Papsthörigen Mönchen, mit geilem Groll,
waren Herzen und Hirne des Hasses voll.
Die Benediktiner, im weiten Reich,
schlugen den Kaisern viel' böse Streich‘.
 
Und als Herr Heinrich Ostsachsen verlor,
jauchzte der Mönche hochmütiger Chor.
Sie schlugen ein Bildnis des Sieges ein,
der Felswand am heidnischen Externstein.
 
Ein Kaiser der ihrem Papst widerstand,
galt Mönchen als teuflicher Knecht im Land.
Sie gaben dem Steinmetz den Werk-Befehl,
zu schaffen ein kirchliches Stein-Juwel.
 
Es zeigt den getretenen Kaiser-Baum,
zur Demut verurteilt an Kreuzes Saum.
Als Triumpf-Bild über die weltliche Macht,
ward es dem Kaiser zum Hohne erdacht.
 
 
 
Der aus der Sippe der Salier stammende Heinrich V. (1081-1125) war deutscher König und Kaiser des sog. „Heiligen römischen Reiches deutscher Nation“. Er musste sich mit dem Reformpapsttum des Paschalis II. (1099-1118) herumärgern. Um das ihm abgestrittene bisherige Investiturrecht, also die königliche Amtseinsetzung geistlicher Würdenträger im Reiche, zu wahren, nahm er im Jahre 1111 Papst Paschalis II. in Rom gefangen und erzwang seine Kaiserkrönung. Paschalis II. war als Angehöriger des Benediktinerordens ein sog. monastischer Mönchspapst. Die Mönche hatten sich für die Inthronisierung Heinrichs V. stark gemacht, weil sie geglaubt hatten, mit ihm ein leicht lenkbares kirchliches Werkzeug in die Hand zu bekommen. Zu ihrem Schrecken verfolgte er aber - nicht viel anders als sein Vater es getan hatte - konsequente Reichspolitik. Als er die „Ungeheuerlichkeit“ beging, sogar dem Papst in Rom seinen Willen aufzuzwingen, kochten die Seelen der Überfrommen und es wurde - wo es nur möglich war - gegen ihn intrigiert. Seine zunehmend unflexible, harte Haltung im Norden des Reiches spielte den Hetzern in die Hände. Es bildete sich eine Fürstenopposition um Pfalzgraf Siegfried und Wiprecht von Groitzsch, die schließlich in der Schlacht am Welfesholz (14.02.1115) siegreich war, so dass der Kaiser seinen Einfluss in Ostsachsen auf Dauer verlor. Des Kaisers treuer Feldhauptmann der große Hoyer von Mansfeld fiel in der Schlacht im Zweikampf mit Wiprecht. Die Benediktinermönche waren fanatische Gregorianer (Vertreter der Auffassung der Papst müsse des Kaisers Oberherr sein) und jubelten dementsprechend über den Sieg gegen den „heidnischen Kaiser“ und errichteten das Siegesmal im altheiligen Externstein im Teutoburger Wald. Der Corveyer Abt Erkenbert von Homburg (gestorben 1128) ist zwar von Heinrich V. selbst eingesetzt worden, hatte aber auf Seiten der Kaisergegner am Welfelsholz mitgefochten, wurde gefangen genommen und musste sich durch Lösegeldzahlung  freikaufen. Dem mit Erkenbert befreundeten Paderborner Benediktiner-Abdinghof-Kloster gehörte der altheilige Externstein in den die Mönche das bekannte Großrelief der „Kreuzabnahme Christi“ einmeißeln ließen. Es demonstriert den vom dominanten zentralen Kreuz-Symbol abgebogenen Kaiserbaum, der zusätzlich durch den darauf tretenden Nikodemus (Neutestamentliche Gestalt) gedemütigt wird. Bei dem Kaiserbaum handelt es sich um den ikonisierten altorientalischen Dattelpalmenbaum bzw. Lebensbaum, welcher als sog. Lilie die abendländische Herrscher-Insignie wurde, wie sie es schon in den altorientalischen Fürstentümern war.
 
Abb. 1 - Kaiser Heinrich IV. übergibt seinem Sohn Heinrich V. die Herrscherinsignien. Federzeichnung aus Weltchronik des Ekkehard von Aura (1085-1125). (Staatsbibliothek Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Cod. Lat. 295, fol. 99r)
 
Abb. 2 - Der unfruchtbare, geknickte Kaiser-Baum - ohne Mittelspross - im von den Benediktinern ab dem Jahre 1115 eingemeißelte Kreuzabnahme-Relief vom Externstein, als dessen Initiator nur der einflussreiche Abt Erkenbert vom Kloster Corvey in Frage kommt.
 
Abb. 3 - Der Kaiser-Baum auf dem deutschen Krönungsmantel aus einer normannischen Werkstatt Siziliens des 12. Jhs. wurde vom 13. Jh. bis zum Reichsende eine Krönungs-Insignie. Die Stickereien des Mantels verdeutlichen die königlicher Macht: Zwei spiegelbildlich dargestellte Löwen (Sinnzeichen der Kaisermacht), jeder ein Kamel (Sinnzeichen des Islam) schlagend. Zwischen den beiden Löwen erhebt sich die stilisierte Dattelpalme nach Art des orientalischen Lebensbaumes. (weltliche Schatzkammer der Wiener Hofburg)
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