DER MARTINSTAG

 

DER MARTINSTAG
 

Am 11.11. steht im kirchenchristlichen Kultkalender „St. Martin“; was hat es mit dieser Legendengestalt aus heidnischer Sicht auf sich ?

Martin - lat. „Marsisch-Kriegerischer“; man veranstaltet Fackelläufe. Martin ist eine christenkirchliche Kalenderverkörperung der germ. Gottesmetapher Tiu-Wodin, was durch Attribute und Wesensmerkmale unterstrichen wird: Ritter mit Pferd (Schimmelreiter) und Schwert, dem weiten „Himmelsmantel“ des göttlichen Allvaters, und heilender Arzt. Martin ist als Mars-Tiu-Wodin / Mithras-Ersatz insbesondere zu erkennen am urgläubigen Gänserich-Symbol, das seit Jahrtausenden von vielen Göttern, z.B. Brahma / Amun / Apollo / Mars / Harpokrates-Horus, auch von Wodin in Anspruch genommen wurde (Zeus nähert sich der Leda als Schwan). Ein völkerwanderungszeitlicher Talisman (Brakteat: „Tunaland-A“) demonstriert den Gestaltentausch des Geistgottes, wie das Wodinhaupt aus dem Ganterbalg hervor wächst. Das altgläubige Kultgericht Lichtgans, der Lichtbraten, die Martinsgans wird noch heute gern verzehrt. Von der Übereinstimmung des christl. Martin mit Odin-Wodin berichtet die skandinavische Legende von König Olaf Tryggvason: Im Herbst d. J. 995 sei er während einer Fahrt nach Norwegen auf Insel Mosterö gelandet, wo ihm hl. Martin im Traum erschien. Dieser habe befohlen, anstatt des Gedächtnistrinkens für Odin (Wodin) und andere Asen, jetzt „Martinsminne“ zu trinken.

Zwar gehörte es sicher zum allgemeinverbindlichen altgläubigen Ritus das Stieropfer für die Jahresfruchtbarkeit zu erbringen, doch blieb es unvermögenden Familien gestattet, ein Ersatz-Bluot (-Opfer) zu leisten aus „Ton und Teig“. Das älteste erhaltene norw. Gesetz (Anfang 11. Jh.), verbietet ausdrücklich diesen Brauch. Für Opfer und sich anschließende Mahlzeiten kneteten die Frauen Götterbilder, deren Symbole oder geheiligten Tiere aus Teig. Sie wurden an geweihter Stätte gebacken und teils der Gottheit dargebracht, teils verzehrt. Obwohl diese Gebildbrote, Fladen, Kuchen nur ein Ersatz für das wertvollere Tieropfer waren, glaubte man doch, dass durch den Segen des Parawari (germ. Priester) die geheimnisvoll-göttliche, segenbringende Kraft in sie eindrang, sich auf die Genießenden heilwirksam übertrug. Das „Märtenhörnlein“ ist ein Überrest heidn. Stieropferfeiern. Denn die Faszination, welche, vom Stieropfer ausgehend, jeden einzelnen Gläubigen erfasste, war gewaltig, wie wir aus der Kultgeschichte der Osiris- und Mithrasreligion wissen. Sie lag begründet in der Glaubensanimation in Richtung eines ewigen Lebens, so wie es ein Pyramidentext an Osiris ankündigt: „Du bist davongegangen und wiedergekommen. Du bist entschlafen und wieder erwacht. Du bist gestorben und lebst trotzdem.“ Schon im ägypt. Alten Reich identifizierte sich der Gestorbene im Totenbuch mit dem „weißen Stier“ und dessen Wiederauferstehungskraft. Im iran. Bundahishn („Schöpfungsbuch“) heißt es, dass zum Ende aller Tage ein Heiland kommen wird, um mit dem letzten Stieropfer die Toten aufzuwecken und die Menschen unsterblich macht. Das Stierköpfchen mit neunstrahliger Stirnrosette (vergl. s-Rune = 9. Zeichen) als Grabbeigabe des Frankenkönigs Childerich, lässt gleiche Auferstehungshoffnungen vermuten. Aufgrund solcher weit verbreiteter Verständnismustern, ist zu vermuten, dass sich der germ. Wodin-Frô-Myste mit dem „Weißen Stiere Frej“ - gleichsetzte, gleichfühlte. Wer von dem verlebendigenden Stieropfer zu sich nahm, wer sein Fleisch aß und sein Blut trank – und sei es nur in Form eines nachgebildeten Brotes – der hoffte, mit der ihm zufließenden Stierkraft, das ewige (Seelen)Leben zu erlangen. Den Gläubigen schien gewiss: So wie Horus-Osiris, Dionysos-Zagreus und wie der Frej-Wodin aus den Grüften des stofflichen Vergehens auferstanden sind, so werden alle im Geiste auferstehen, die darauf hoffen und die richtigen Riten ausführen.


 

Neue heidnische „Martinsliedlein“

Ein Heide saß im kalten Schnee

Ein armer Heide saß im Schnee,
ihm tat der frost’ge Hintern weh.
Sankt Martin, der vorüber ritt,
gab ihm noch einen Stiefeltritt.
Da heulte laut der arme Mann
und sah ihn voller Ärger an.
Sankt Martin zog des Weges fort
und tat nach Christengottes Wort.
Geschrieben steht: „Seid Christen gut,
und quält die Heiden bis aufs Blut !“
Ein Christ wird leicht vom Wahn gelenkt,
wohl dem, der nicht wie Christen denkt !





Leicht verbessert, frei nach Martin Luther

Durch die Strassen

Durch die Strassen auf und nieder
leuchten die Laternen wieder:
rote, gelbe, grüne, blaue,
Lieber Wodin, komm und schaue !

Wie die Blumen in dem Garten
blühn Laternen aller Arten:
rote, gelbe, grüne, blaue,
Lieber Wodin, komm und schaue !

Und wir gehen lange Strecken
mit Laternen an den Stecken
rote, gelbe, grüne, blaue,
Lieber Wodin, komm und schaue !



Text: Lieselotte Holzmeister (leicht geändert von Guntram)
Melodie: Richard R. Klein

 

Ich geh mit meiner Laterne

Ich geh mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir.
Über Asgard leuchten die Sterne, in Mitgard leuchten wir.
Der Hahn, der kräht, das Rösslein scharrt.
oder auch: Ein Lichtermeer zu Wodins Ehr !
Rabimmel, rabammel, rabum.

Ich geh mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir.
Über Asgard leuchten die Sterne, in Mitgard leuchten wir.
Der Wahrheit Licht, verlösch mir nicht !
Rabimmel, rabammel, rabum.

beim Nachhausegehn: Ich geh mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir.
Über Asgard leuchten die Stern', in Mitgard leuchten wir.
Kein Licht ist aus, im Weltenhaus.
Rabimmel, rabammel, rabum.

Kleines Fräulein, kleiner Mann

Kleines Fräulein, kleiner Mann,
steck dein helles Kerzchen an,
trag dein Licht aus unsrem Haus
in die dunkle Welt hinaus.

Kleines Fräulein, kleiner Mann
steck dein helles Kerzchen an,
brennt dein Lämpchen irgendwo,
werden rings die Heiden froh.

Kleines Fräulein, kleiner Mann
steck dein helles Kerzchen an,
Lichter hier, und Lichter da,
Wodin, der ist uns immer nah.

Melodie von „Lasst uns froh und munter sein...“

Lasst uns froh und munter sein

Lasst uns froh und munter sein
und uns heut von Herzen freun !
Lustig, lustig traleralala,
nun ist Wodinsabend da, nun ist Wodinsabend da !

Nehmt den Kürbis in die Hand,
rasch das Talglicht angebrannt !
Lustig, lustig traleralala,
nun ist Wodinsabend da, nun ist Wodinsabend da!

Springen wolln wir kreuz und quer
übers liebe Feuer her.
Lustig, lustig traleralala,
nun ist Wodinsabend da, nun ist Wodinsabend da !

Allen Kindern nun zum Spaß
wirft auch Wodins Huld uns was.
Lustig, lustig traleralala,
nun ist Wodinsabend da, nun ist Wodinsabend da !

Und dann backt nach altem Brauch
uns die Mutter Kuchen auch.
Lustig, lustig traleralala,
nun ist Wodinsabend da, nun ist Wodinsabend da !

Nach der Freude danken wir
unsrem deutschen Godh dafür.
Lustig, lustig traleralala,
nun ist Wodinsabend da, nun ist Wodinsabend da !

Laterne, Laterne

Laterne, Laterne,
Sonne, Mond und Sterne.
Brenne auf mein Licht,
Brenne auf mein Licht
doch das Licht meiner runischen Wahrheit nicht

dieses Lied stammt aus Hamburg (leicht heidnisch verändert)

Wodin war ein frommer „Mann“

Wodin, Wodin, Wodin thront hoch überm Tann.
Zündet viele Lichter an,
dass er oben sehen kann,
was er unten hat getan.

Wodin, Wodin, Wodin ritt durch dunklen Wald,
Wind, der wehte bitter kalt.
Saß am Weg ne Christgestalt,
wäre gar verblödet bald.

Wodin, Wodin, Wodin hält und unverweilt
seine Wahrheit mit ihm teilt.
Ohne Dank er weitereilt.
Geistes Not war nun geheilt.

Reicher Mann

Hier wohnt ein reicher Mann,
der uns was geben kann.
Viel soll er geben,
tapfer soll er leben,
selig soll er sterben,
Walhalla auch erwerben.
Lasst uns nicht so lange stehn,
denn wir müssen weitergehn, weitergehn.

Held Wodin

Held Wodin, Held Wodin, Held Wodin ritt durch Schnee und Wind,
sein Ross, das trug ihn fort geschwind.
Held Wodin ritt mit leichtem Mut,
sein Schwert deckt’ ihn wohl scharf und gut.

Im Schnee, da saß ein blöder Mann,
und schaut gebannt die Bibel an:
"Oh helft mir doch aus meiner Not, sonst wird die Torheit bald mein Tod !"

Held Wodin, Held Wodin, Held Wodin zieht die Zügel an,
sein Ross steht still beim blöden Mann.
Held Wodin mit dem Schwert zerteilt
den Unsinnsschinken unverweilt.

Held Wodin, Held Wodin, Held Wodin schenkt ihm Runen still,
der Blöde rasch ihm danken will.
Held Wodin hilft doch nur in Eil’
auch diesem Mensch mit Gottesheil.

Zu dem Lied kenne ich noch eine weitere Strophe:

Held Wodin legt sich nie zur Ruh,
er tritt auch bald auf Dich hinzu.
Drum sprich: "Hab Dank, du Gottesmann,
für das, was du an uns getan".





    
Wodinsgans und Wodinshörnchen:

Wodinsgänse


· Man nehme:
(Quarkölteig)
· 200 Gramm Quark
· 100 Gramm Zucker
· 8 Esslöffel Öl
· 6 Esslöffel Milch
· 1 Eigelb
· 1 Päckchen Vanillezucker
· 1 Prise Salz
· 400 Gramm Mehl
· 1 Päckchen und 2 gestrichene Teelöffel Backpulver
· nach belieben etwas Bittermandel
Quark nach und nach mit Milch, Öl, Ei, Zucker, Salz gut verrühren.
Das Mehl Mehl mit Vanillezucker, Backpulver und (gegebenenfalls) Bittermandel dazu geben.
Teig auswallen, Gänse ausschneiden (siehe Schablone), und auf gefettetes Blech oder mit Backpapier ausgelegtem Blech legen. Mit Glasur (Eigelb) bestreichen. Für das Auge eine Rosine eindrücken.
Backen: Ca. 20 Minuten bei 200 Grad.

Wodinshörnchen

· Man nehme:
· 500 Gramm Mehl
· 30 Gramm Hefe
· 1 Ei
· 80 Gramm Zucker
· 60 Gramm Margarine
· 1 Esslöffel Rumaroma
· 1/4 Liter lauwarme Milch
· 1 Eigelb

Mehl in eine Schüssel geben, in die Mitte eine Vertiefung drücken und die Hefe hineinbröckeln. Die Hefe mit 1 TL Zucker, 5 TL Milch und etwas Mehl verrühren und gehen lassen. - Nach 15 Min. Ei, Zucker, Margarine, Salz, Rumaroma und Milch dazugeben, alle Zutaten verkneten, bis sich der Teig vom Schüsselrand löst. - Gehen lassen, dann den Teig zum Rechteck formen, in spitzwinklige Dreiecke schneiden, diese rollen und zu Hörnchen formen. - Auf einem gefetteten Backblech nochmals gehen lassen. Das Eigelb mit 2 EL Milch verquirlen, auf die Hörnchen streichen und bei 200 Grad ca. 20 Minuten backen.

Das Wodinshörnchen hat die Form einer Stiergehörns und erinnert an den im Schlachtmonat November geopferten göttlichen Urstier.

 

Bild: St. Martin im Kloster Beuron

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