FASENACHT

 
FASENACHT

Wer kennt den Sinn der Fasenacht,
ur-deutsch ist dieses Fest !
Die Fruchtbarkeit ist angesagt,
die Säfte steigen lässt.

Der Jahreskreis geht auf die Reis‘,
es hebt das Frühjahr an,
der Lenzing fordert seinen Preis,
er ist ein strenger Mann.

Er mahnt zu Liebe, Lust und Tanz,
denn Leben ist ein Ring,
und keiner lebt sein Leben ganz,
wenn es nicht weiterging !

Es rundet sich der Ring im Kind,
das ist die Frucht der Lust,
die Freude, dass wir fruchtbar sind,
erwacht jetzt in der Brust.

Das Tageslicht wird wieder lang,
es blaut der Himmel auf,
schon tönt der Vöglein Jubelklang,
die Sonn‘ begann den Lauf.

Wenn sich der Tage Länge dehnt,
wird alle Sehnsucht neu -,
nie trefflicher wird’s knapp erwähnt,
durch jenes „Weck-Worscht-Woi“.

Ein taffer Kerl - ein Mädelchen,
braucht jede Faselei,
dazu das Liebes-Fädelchen,
das die Verbindung sei.

„Wurst un Weck“ soll‘n sich vertragen,
ihr Sinn meint „Mann und Maid“.
Der „Wein“ lässt sie es wagen,
zu jeder Fasel-Zeit.

 
PS: Faseln heißt Fruchtbarmachen, daher der Begriff Fase- oder Faselnacht bzw. Faselnächte = Nächte der Fruchtbarkeit. - Die kirchenchristliche Wortwahl fälschte daraus erst im 12. Jahrhundert die „Fastnacht“ was „Nächte vor der Fastenzeit“ bedeuten soll. - In der südwestdeutschen schwäbisch-alemannischen Tradition nennt sich diese Festzeit weiterhin, ohne das dazugestellte „t“: „Fasnet“, „Fasnacht“ oder „Fasent“. - Mit dem dritten Schwarzmond des Jahres (1. war im Idealjahr 21.12. „Mütternacht“ / Wintersonnenwende) begannen im alten Germanien die Faselnächte, das frühjährliche Fruchtbarkeitsfest mit Kleidertausch, Maskentreiben und Eheversprechen. Der Dialektausdruck „Weck, Worscht un Woi“ entstammt den rheinfränkischen Mundarten und ist Spruch und Feldzeichen der Mainzer „Fastnacht“. - Mit dem „Weck“ ist ein „Paarweck“ bzw. Doppel-Brötchen gemeint, das die Vulva ebenso versinnbildlicht wie die „Worscht“ den Penis. Beide finden sich im Fruchtbarkeitsrausch nur zusammen, wenn der „Woi“ als Liebesgeist, die beiden vereint.
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