III. Hauptmann Eruls Idee

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FADAR RUNA

Erzvater Runar im Ahnen-Od,
gültiger Geist aus germanischem God,
du sahst, wie das Sonn’rad des Nordens stieg,
der schimmernde Hammer das Südland schlug,
sprangst mit dem Lichtheer von Sieg zu Sieg -,
ertrugst auch das Ende in Trauer und Trug.
 
Erzvater Runar im Ahnen-Od,
dich neigte nicht Drangsal, nicht Todesnot -,
verloren die Schlachten, das Volk zerfallen,
blutend in fremdem Gebirge geborgen,
als heimloser Gast in garstigen Hallen -,
die Seele geschunden von brennenden Sorgen.
 
Erzvater Runar im Ahnen-Od,
du brachtest ein bessres neues Gebot -,
warfst dir vom Halse den würgenden Wicht,
der von Unglaube, Feigheit und Kleinmut sprach;
aufleuchten musst' wieder erloschenes Licht,
gesühnt sollte werden die Schande, die Schmach.
 
Erzvater Runar im Ahnen-Od,
du buhltest um Lebens-Gebräu und -Brot.
Du fandest God und das God fand dich.
Du sangest der Zukunft das Zauberlied,
aus Sinnmarken fügtest du meisterlich
die ratweise Schöpfung, du Runenschmied.
 
Erzvater Runar im Ahnen-Od,
du wiesest den Enkeln den waltenden Wod.
Um seinen Gewinn kreist der Runen Gewalt.
Wer ihn erkennt, sich selbst begreift,
der weiß seiner Gottheit ganze Gestalt -,
der steht für Segen und Sieg gereift.
 
 Island, im Lida 6999 n.M.

 

Die Kimbern und Teutonen verließen um 120 v. 0 ihre norddeutschen Siedlungsräume, um im Süden neue Lebensräume zu finden. Sie brachten 113 und 105 den Römern Niederlagen bei, bevor sie 102 und 101 vernichtend geschlagen wurden. Ihre Spur verliert sich dann in den Geschichtsquellen. Insgesamt legten die beiden Stämme in rund 20 Jahren 7.000 Kilometer zurück. Es vergingen 270 Jahre, bis wieder größere germanische Stämme (Markomannen) in Italien eindrangen. – Durch die Niederlage der Nordgermanen muss es einen Glaubenswandel gegeben haben, der schließlich zur Wodin-Religion der Runen führte.

 

Hauptmann Eruls Idee
 
Zum Los der römischen Sklaven hier die Passage eines Briefes des röm. Philosophen und Naturforschers Seneca (1-65 n.0), (8, 70, 20-21), in der es heißt: „Neulich in der Gladiatorenschule ging einer von den Germanen auf den Abort. Dort stieß er sich das Holz, das zum Reinigen des Afters mit einem Schwamm versehen ist, tief in die Kehle und tötete sich, indem er die Atemwege versperrte. Man urteile über die Tat des entschlossenen Mannes, wie es einem jeden richtig erscheint, solange feststeht: Vorzuziehen ist der schmutzigste Tod der saubersten Sklaverei.“ Und der röm. Senator Symmachus (342-403 n.0) schrieb in einem Brief an seinen Bruder, 2, 46): „Eine Anzahl von Sachsen aus der Gesamtzahl derer, die ich als Volksbelustigung vorgesehen hatte, ist vom Tod abgezogen worden. Wann hätte denn der Wachdienst die unfrommen Hände der verzweifelten Gruppe hindern könne, da bereits der erste Tag des Gladiatorenspiels 29 Sachsen sah, die sich ohne einen Strick die Kehle zerbrochen hatten ? Nicht mehr abgeben möchte ich mich daher mit dieser familia [von Sklaven], die nichtsnutziger ist als Spartacus, sondern will diesen Schaukampf für den Kaiser durch eine Darbietung von wilden Tieren aus Afrika ersetzen.“
 
Aus der Beschriftungsweise von „Negau-A“ geht hervor, dass Hauptmann Erul der zeitweilige und letzte Träger des Helmes war. Ist er tatsächlich ein Angehöriger der nordgermanischen  Invasionsarmee gewesen, dann wird ersichtlich und verständlich warum er möglicherweise eines Tages zurückfand nach Norika, wo sein Volk den ersten triumphalen Sieg über die Römer erfochten hatte, wo das Gottesheil noch bei den Seinen war. Gehörte er - was anzunehmen ist - zur Heeresabteilung der Kimbern, so hatte er Norika wenige Monate vor seiner Gefangennahme ein zweites Mal kennenlernend durchzogen. Es ist kaum anzunehmen, dass der Hundertschaftsführer Erul seinen Militärdienst regulär beendet hat, andererseits müsste er lange genug dabei gewesen sein, um seinen Dienstgrad zu erringen. Er wird sich nicht legal von der Truppe entfernt haben, um seinen Kriegshelm im gleichen Weihtum abzulegen wie sein einstiger Mitstreiter nach dem Sieg von Noreia. Wie lange und wo er Aufenthalt nahm, um sich seinen Schriftstudien und sonstigen Wissenschaften zu widmen, bleibt uns verborgen. Aber aus der Sprache seiner Schöpfung, des 24-er Runen-Systems, geht zweifelsfrei seine Kenntnisnahme der pythagoreischen Buchstaben- und Zahlenmystik hervor. Der damaligen Denkweise folgend, begriff er sein geniales Werk als einen Beschwörungs- und Bitt-Hymnus, gerichtet an die göttlichen Mächte des Diesseits und des Jenseits.
 
Nach abenteuer­lichen Gefangenschafts-, Lehr-, Militär- und Wan­derjahren wird der Runenvater sein, auf germanische Bedürfnisse zugeschnittenes Sinnbild- und Laut­zeichensystem, entwic­kelt ha­ben. Er verwendete dafür die ihm bekannten urnordischen Be­griffszeichen sowie alpenlän­dische vorlateini­sche Alpha­betbuch­sta­ben einer dort beheimateten kelto-germanischen Bevölkerung, deren Lautsystem dem Nord­germanischen noch näher stand. Die angenommene Verwandtschaft entzieht sich der Beweisbarkeit, einige Autoren halten sie für möglich, auch wegen der Vergleichbarkeit von skandinavischer Felsbildkunst der Hällristningar und den Felsbildern der Camunni im lombardischen Val-Camonika: „So kamen wir zu dem Ergebnis, dass die Verbindung von Sinnbildern und Alphabet, wie sie vor allem in der Val Camonica deutlich ist, der Grund für die Übernahme gerade des norditalischen Alphabets durch die Kimbern gewesen sei.“ (Franz Altheim / Erika Trautmann, „Kimbern und Runen“, 1941, S. 10) Ob es sich bei den „Alpengermanen“, wie behauptet, wirklich um einen Mythos handelt, sei dahingestellt, doch die von Caesar erwähnten, den Helvetiern benachbarten „Tulingi“, machen einen germ. Eindruck durch das germ. Suffix -inga-. Das Val Camonica liegt westlich der Grenzen des keltischen Königreiches Noricum, welches  ebenso eine sehr alte, bereits vorrömische und voretruskische Schriftkultur besaß; das erweist auch der von mir genannte urnenfelderzeitliche Schriftstein von St. Andrä. Erul lehnte sich aber an keines der vorhandenen Alpha­bete an,  sondern griff jeweils heraus, was ihm für sein Vorhaben geeignet erschien. Die Abweichungen seiner Runenschrift von den Vorlagen sind zwar erheblich, doch die Verwandtschaft ist nicht zu übersehen.  Die Lautwerte der Runen    entsprechen den Alphabetzeichen F R H I S T B, das könnte kaum ein Zufall sein. Er ging eigene Wege, hatte eigene Gedanken, so wählte er z.B. nicht das kantige alpenländische R, sondern eine R-Rune bei der sich nie der Beistrich an den Hauptstrich anlehnt. Neun seiner Zeichen sind keinesfalls aus diesen Vorlagen ableitbar:    Er schuf ein ganzheitliches Verständnissystem in dem Lautwerte, Zahlensymbolismen und Bildkürzel in einer umfassenden sakralkalendarischen Schau zusammenwirken. Seinem Werk lag unver­kenn­bar - in jener düsteren Stimmung, welche die germanische wie die keltische, also die große gallo-germanische Nie­derlage, die Demütigung durch das imperiale Rom ausgelöst hatte - die inbrünstige Idee einer Glau­bens­vertiefung, oder religiösen Neugestaltung zu Grunde. Seiner Schöp­fung - dem ODiNG-FUÞARK - wohnt eine in sich geschlossene, rekonstru­ierbare Bot­schaft, ein inbrünstiges Evangelium inne. Für die­ses reformierte Ver­ständnis steht nicht mehr der uralte indogerman­ische „vanische“ Himmelsgott ai. Dyaus Pita, gr. Zeus pater, lat. Jupiter / Diēspiter, germ. Ti­waz / Tiu (8. Rune  ) im Mittel­punkt - dessen vernichtenden Gottesurteil die verlorenen Schlachten zuge­rechnet werden mussten - sondern der „asische“ Seelen-Geist-Kriegs­gott Wodanaz (21. Rune      ) - wie ich hin­reichend nach­gewiesen habe. Mit den von Runen-Meistern missionarisch gelehrten Runen griff unter den Germanen die Wodan-Religion um sich. In ihr rückte der alte Himmelsgott zwar an zweite Stelle zurück, obwohl ihm noch hohe Ehrung erhalten blieb (3x8=24). Aus der Geisteshaltung die­ser Od-Gott- / Wodanreli­gion - die seelenstärkende, seelenbewegende - er­wuchs den ger­ma­nischen Völkern die Kraft für weitere Aus­einander­setzungen, und be­reits we­nige Genera­tionen später, zum endgültigen Sieg über die infame, so oft verschlagen und trügerisch handelnde - eben imperialistische - römi­sche Skla­venhalterge­sellschaft. Die Seelen­haltung der Wodan-Religion ist mithin auch das Ergebnis eines germanischen Lernprozesses. Das Vertrauen in die Gerechtigkeit des himmlischen Gottesurteils musste zwangsläufig für die Überlebenden Teutonen und Kimbern nachhaltig erschüttert worden sein. Sie erkannten, dass Lug und Trug weiterhilft als ihre typische aus Schlichtheit und Naivität geborene, auch noch urdeutsche gutgläubige Redlichkeit. Die neue Wodan-Religion erlaubte - hieß sogar gut, zumindest gegenüber Gegnern - die geistvoll-listreichen Ränke bis hin zur trügerischen Übertölpelung. Bezeichnend ist ein altnordischer Beiname des Runengottes: „Vilir“ (Überlister).
 
Setzen wir die aufgezeigten Umstände der Runenschöpfung voraus, zeichnen sich immer weiterreichende Verständnisdimensionen ab. Der Grundmythos der Wodin-Odin-Religion ist die Runenfindung, die durch den Geistgott erfolgt sein soll, als er vom Speer durchbohrt, am Leben blieb und in diesem Zustand zwischen Tod und Genesung visionär die Runen erdachte. Dass ein gottbeseelter Erfinder in sich die Stimme Gottes zu hören glaubt, wäre nach menschlichen Seelengesetzen nichts Außergewöhnliches. In seinem Runenlied, einem Einschub in der Havamal (138-141) der Edda heißt es nach gestraffter Übersetzung Simrocks: „Ich weiß, dass ich hing am windigen Baum, neun lange Nächte, vom Speer verwundet, dem Odin geweiht, mir selber ich selbst. Ich hing an einem Ast des Baumes dem man nicht ansehen kann aus welcher Wurzel er wuchs. Sie boten mir keinen Bissen und keinen Trank. Da neigte ich mich nieder, auf Runen sinnend, lernte stöhnend die Stäbe -, endlich fiel ich zur Erde. Neun Hauptlieder lernte ich vom weisen Sohn Bölthörns [an. „Sohn des Verderbens / Unglücks / Schadens“], dem Vater der Bestla, und trank einen wunderbaren Trunk, geschöpft aus Odhrörir [an. „der zur Begeisterung / Verzückung / zum Wonnerausch Anregende“]. Zu gedeihen begann ich und begann zu sinnen, ich wuchs und fühlte mich wohl. Wort aus Wort verlieh mir das Wort, Werk aus dem Werk verlieh mir das Werk.“ An einem realen Baum muss er dabei nie gehangen haben, „der windige Baum“ könnte im Ursinn als Metapher für Leben und Schicksal verstanden worden sein. Was hier ein vormals auf den Tod verwundeter Krieger geschildert, ist sein zeitweiliges Weggetretensein, die erfolgte Genesung und sein Lernen der ihm vorher unbekannten Schreibkunst auf dem Krankenlager, sein Belehrtwerden durch einen weisen „Sohn der unheilvollen Fremdmacht“. Wenn wir es wagen wollen, den Wodan-Odin-Mythos weitergehend zu historisieren, würde es sich sogar ohne Zwang anbieten, die Bestla - deren Begriff als „Geliebte“ oder „Ehefrau“ gedeutet wurde - als diejenige junge Frau zu identifizieren, welche sich des verwundeten Eruls annahm und gesund pflegte. Die Ineinssetzung Eruls mit der inspirierenden Gottheit, die er fortan unter seinen Landsleuten verkündete, wäre als Initialzündung der Runen-Religion zu deuten. Auch Otto Höfler, der verdiente Germanist, vermutete eine einzelne Erfinderpersönlichkeit: „Die Reihenfolge der Runen selbst, so starr sie gewahrt worden ist, konnte bisher von niemandem einleuchtend erklärt werden, weder nach Gesichtspunkten der graphischen Form noch des Lautwertes noch der mit den einzelnen Runen verbundenen Begriffssymbole, welche letztere nicht ganz so konstant sind wie die Reihenfolge des ÄF [Ältere Futhark]. Gerade deshalb aber, weil diese Reihung in keiner Weise nahe zu liegen scheint, ist der Schluss erlaubt, dass sie nicht allmählich zustande gekommen ist, sondern dass ein Mann die Reihe festgesetzt hat und alle seine Nachfolger dieses Vorbild in strenger Überlieferung gewahrt haben.“ (Bespr. d. Runenbuch v. H. Klingenberg, „Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur“, Wiesb., 54. Bd., Heft 1, 1975, S. 52) Unter welchen Umständen lebte und lernte der junge Nordgermane Erul nach seiner Gefangennahme durch die Römer im Jahre 101 v.0 ? In den fast 30 Jahren bis zum Sklavenaufstand muss er in der glücklichen Lage gewesen sein, sich bedeutende Kenntnisse anzueigen.
 
DER WEG IN DIE FREIHEIT
 
Der Kimmerier-Kimber Erul könnte den Sklavenaufstand unter Führung des Thrakers Spartakus (73 -71 v.0) erlebt und Anschluss gefunden haben. Vielleicht ist er erst im sehr wohl disziplinierten Befreiungsheer zu seinem Hauptmann-Diplom gekommen, so dass er ein „c / k“ vor seinen Namen setzen lassen mochte. Zwischen Kelten, Germanen und Thrakern gab es eine ethnische und kulturelle Urverwandtschaft. Letztere errichteten auch beachtliche Hügelgräber zu Ehren ihrer vornehmen Toten. Zudem werden sie als trinkfeste und raubeinige Haudegen von den Griechen gezeichnet. Archilochos verwünschte einen Freund: „Schiffbruch soll er erleiden und in Salmydessa sollen ihn die Thraker holen … mit struppigem Schopf.“ „Er trinkt wie ein Thraker“ war ein beliebter abfälliger Spruch. So galt den Griechen auch Dionysos, der Gott des Rausches, des Weines, als thrakisch. Singen und Tanzen sowie Instrumentalmusik und Lyrik beschrieb man als Domäne der Thraker. Xenophanes beschrieb sie als blauäugig und blond. Es waren also alle Voraussetzungen gegeben, sich gut zu verstehen, soweit sich tatkräftige, waffenfähige Kerle zeitweise zu arrangieren vermögen. Spartacus beabsichtigte keinen politischen Umsturz und die Beseitigung des mörderischen röm. Sklavenhalter­systems, so hoch gespannt waren seine Pläne nicht, er wollte mit den Befreiten die sich ihm angeschlossen hatten, nach Norden ziehend, über die Alpen entkommen. Sein keltischer Genosse Krixos versuchte mit etwa zehntausend gleichgesinnten, auf Rache bedachten Galliern, Rom anzugreifen, um die Sklaverei abzuschaffen. Spartakus aber lenkte sein Heer nach Norden, der Freiheit entgegen, bis in die voralpine Provinz „Gallia Cisalpina“, die das heutige Norditalien und kroatische Istrien (Histria) umfasste. Jene röm. Armee, deren Aufgabe die Sicherung der Bergpässe war, gab diese auf, um Spartakus anzugreifen. Sie wurde im Frühjahr 72 n.0 ebenso bei Mutina (heute Modena) vernichtend geschlagen wie auch die Truppen eines zweiten herbeigeeilten Konsuls. Zweifellos eine herausragende militärische Leistung und ein Beweis für die Fähigkeit des sicherlich in Überzahl aus Germanen bestehenden Sklavenheeres. Der Weg über die Alpen ins westliche Gallien oder zurück nach Norden war freigekämpft. Aber Spartakus wendete sich, ohne dass wir seine Beweggründe ahnen, wieder Richtung Süden. Den tragischen Ausgang des Aufstandes kennen wir.
 
Von Mutia führten direkte Wege in die keltischen Berge, über das Etschtal, den Brennerpass zur Donau hin -, oder auch über ca. 250 km zum keltischen Udine und von dort über den Plöckenpass, den alten ostalpenländischen Handelsweg, nach Noricum und darüber in die freie Keltika und Germanika. Erul wird die Chance genutzt haben, er wird nicht im überschäumenden Siegestaumel des Sklavenheeres mit in den Süden gegen Rom und in den Tod gezogen sein, er wird die Truppe verlassen haben und über die Bergsteige nach Norikum gewandert sein, um das zu tun was wir schon beschrieben. Wann und wo wird er seinen Helm „Negau-A“ abgegriffen haben ? Jedenfalls brachte er ihn während einer Etappe seiner Heimfahrt - als Dankopfer, als Bittgabe für eine glückliche Heimkehr - in das gleiche Tempel-Depot in das, nach dem Triumph der Schlacht von Noreia, ein hochrangiger Kimbern-Kamerad den Helm „Negau-B“ abgelegt hatte. „Hochrangig“, weil ein gemeiner Wandersoldat keine Dankesgabe an die Himmlischen für den Heeresverband, oder Teilverbänden, in Sakralgebäuden abzulegen befugt ist. Prof. Dr. Markus Egg führte während eines Interviews aus: „Ich habe wegen der Verbreitung der Inschriften der späten Negauer Helme vermutet, dass dieser Kultplatz möglicherweise nicht im Umfeld von Negau, sondern irgendwo im italienisch-slowenischen Grenzgebiet gestanden haben könnte.“ Es wäre gut denkbar, dass dem Erul in den Bergen die ehemaligen keltischen Waffengefährten, die Tiguriner, weiterhelfen konnten. Alles ist offen, manches ist wahrscheinlich, oder nur möglich. Ob er als 15-jähriger 101 v.0 die Invasoren-Niederlage von Vercellae, oder ob er als 45-jähriger 72 v.0 den Rebellen-Sieg bei Mutina (Modena) erlebte, wie er von dort die ca. 400 km (Luftlinie) nach Noreia überwinden konnte -, wir werden es wohl nie erfahren. Allein wird er nicht gewesen sein, zusammen mit kimbrischen Kameraden wird er das große Abenteuer der langen Wanderung in die Nordheimat Jütlands gemeistert haben. Auf diesem gefahrenvollen Weg, der eine Gruppe von Verschworenen zusammenschweißen kann, unter Eruls Führung, wird der Kern der kimbrisch-herulischen Wodan-Anhänger gediehen sein. Wann der Runenmeister von seiner aufwühlenden Vision ergriffen wurde, die zur runischen Schrifterfindung führte, vermögen wir ebenfalls nicht zweifelsfrei zu ergründen. Gesichert bleibt allein, dass dieser Mann existierte und dass er als Namenspatron anzusehen ist für die späteren Erilari, die Runenmagier, wie ebenso für die beweglichen, kampffrohen Wanderscharen der Heruler
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