Der Runen-Vortrag

Runen-Vortrag 33. - SONNEN-THEOLOGIE II.

 

SONNEN-THEOLOGIE - II.

Die 4 Runen-Positionen des ODING’schen Metamorphosen-Zirkelschlages der Sonnen-Zeichen demonstrieren sonnentheologische Vorstellungen des Runen-Schöpfers und, anzunehmenderweise, seiner im Runenkonzept verankerten Asa-Lehre. Ich beginne die Erklärung bei der Notwendigkeits-Rune (), wie das Zeichen in den alten Runen-Listen genannt wird. Der allgemein verkürzt als Not-Rune bezeichnete Stab ist als Notwendigkeits- oder Notwende-Symbol zu begreifen. Der Stab steht im Idealjahr auf Mitte Juli bzw. auf dem 16. Juli, etwa dem Zeitraum in dem, alter Tradition folgend, das rituelle Notfeuer in deutschen Dörfern gerieben wurde. Dazu wird allgemein erklärt, dass es ein Brauch des germ. Feuerkultes sei. Es sei ein Feuer, das ursprünglich angezündet wurde, wenn eine Seuche unter Menschen oder beim Vieh ausgebrochen war. Erklärt wird der Begriff Notfeuer aus Niedfyr oder Nodfyr also als „Reibefeuer“, aus ahd. hniudan „reiben“. Dieses Verständnis ist höchstwahrscheinlich unvollkommen, denn die Notwendigkeits-Rune lenkt unseren Blick auf eine mit dem Not-Feuer verquickte Mythologie. Das Notfeuer wurde bereits im 8. Jh. erwähnt und hat sich bis ins 20. Jh. erhalten. Aus den bei besonderer Veranlassung entzündeten Feuern - so heißt es offiziell - entwickelte sich ein alljährlich wiederkehrendes Notfeuer, das zum Höchststand des Sommers angebrannt wurde, wo sich nach dem Volksglauben Drachen und böse Geister in der Luft aufhielten. In vielen Gegenden wurde das heidnische Notfeuer auf den christlichen „Johannistag“ festgesetzt mit den so genannten „Johannisfeuern“, die auch oft noch „Notfeuer“ genannt wurden. Ursprünglich sind diese Feuer aber als Mittsommer-Feuer zu verstehen. Traditionell wurden die Flammen von Zwillingen oder zwei jungen Burschen errieben und zwar ohne den Gebrauch sog. künstlicher d.h. neuzeitlicher Mittel, also ohne Brenngläser oder Funkenschlag mittels Stein und Eisen. Das Feuer wurde gezündet durch das dauerhafte Reiben eines Strickes über Holz oder dem Reiben zwei Hölzer aneinanander mittels Drillstricken, in verschiedenen technischen Durchführungsarten. Schon daraus ist das hohe Alter der Sitte abzulesen. Zwischen den erriebenen Notfeuern auf den Wiesen trieb man das Vieh hindurch, um es vor den Krankheiten der glühend heißen „Hundstage“ zu immunisieren. Das Neufeuer wurde auch auf die Küchenherde geholt, weil man davon ausging, die alten Feuer seien abgenutzt und nicht mehr rein genug. Im Laufe des Glaubenswechsels, mit dem Verflachten altgläubiger Erinnerungen, verloren sich die ursprünglichen Bedeutungen, erinnerlich blieb der Landbevölkerung allein, dass es sich um ein notwendiges Nutzen-Feuer handeln würde.  
 
Nun muss man wissen, dass die priesterlichen Riten und eigentlich sämtliche heiligen Handlungen - im Glauben der Alten - eine geradezu zwanghafte Auswirkung hatten. Das heißt, gewisse Beschwörungen, Opferrituale, Götteranrufungen veranlassten die Heilsmächte ihrerseits im gewünschten Sinn den Wünschen zu entsprechen, wenn nicht schwerwiegende Gründe möglicherweise dagegen sprachen. Die Macht der richtig vollzogenen Riten kam aus dem Wissen der Priester und lag in Händen der Priester, oder ganz allgemein derer, die die korrekten Zauber-Sprüche und -Handlungen usw. zu sprechen und vorzunehmen fähig waren. Darüber muss man sich nicht verwundern, denn nicht sehr viel anders verhält es sich bis zum heutigen Tag auch in den z.B. christlichen Kirchen. Dort spricht man noch heute von der „Macht des Gebetes“. Der Priester hat noch heute die scheinbare Macht von Gott - nach der katholischen Beichte - Sünden zu vergeben oder nicht zu vergeben. In der „Eucharistie“, so meinen noch heute die Christgläubigen, vollzöge sich der rituelle Zauberakt einer Verwandlung von der Oblate zum „Leib Christie“ und aus dem Rotwein zum „Blut Christie“. Man könnte mit dem Anführen von derlei Beispielen fortfahren. Der arioindische Veda gibt uns eine Vorstellung vom eben Gesagten, dass nämlich geglaubt wurde, von den heiligen Riten ginge die Macht aus, gewünschte Prozesse in Gang zu setzen.
 
Welche geglaubten Prozesse bewirkte nun das Notwendigkeits-Feuerreiben () zu Mittsommer (16.07.) in alter Zeit ? Nach 9 Werdeschritten entsteht aus dem Kreuz der -Rune die erblühte Sonnen-Rune () zu etwa Mitte April (18.04.), also kurz vor Sommerbeginn. Aus dieser -Rune gebiert sich zu Mitte Januar (19.01.) das Sonnen-Kind, der Ingo-Frō () -, aus dem nach weiteren 9 Werdeschritten der solare Wodin-Odin (), Mitte Oktober (12.10.) erwächst. Aus dem göttlichen Asen entstammt schließlich, indem der Kreislauf sich vollendet, wieder die Notwende-Rune ().
 
Fest-Daten im alten Norden u. ihre Runen-Positionen
 
In den altnord. Quellen wird ein Mittsommer-Opfer (miðsumarsblót - Hkr. I S. 380) nur einmal erwähnt, scheint demnach keine überregionale Rolle gespielt zu haben, oder nicht mehr in dieser heidnischen Spätzeit. - Die Quellen, die schon vom christlichen Julianische Jahresschema Kunde geben, bezeichnen die Mittwinternacht (midsvedranótt) auf dem 14. Januar. Auf den Runenstäben liegt sie in der Regel beim 12. Januar. Weil die Jul-Endzeit mit den Festspielen für Gott Ingvi-Freyr als auf Mittwinter angegeben werden, sind wir legitimiert, die mittwinterliche Ing-Rune () - auf dem 1. Schwarzmond des Jahres - als altechte Jul-Festzeit-Marke zu bewerten. - In dem altnord. Text Hk. (Thule-Bd. 15, 182 / 196) von Snorri Sturluson (1178-1241) heißt es: „Thorir war gewohnt, so lange das Heidentum herrschte, jedes Jahr drei Opfer zu halten; eines zu Winterbeginn, ein zweites zu Mittwinter, ein drittes im Sommer.“ Und in Ynglingasaga Kap. 8 heißt es: „Geopfert werden sollte gegen die Winterzeit für ein gutes Jahr und im Mittwinter für das Frühlingswachstum. Das dritte Jahresopfer aber, zum Sommer gehalten, galt dem Sieg.“ Genau heißt es bezüglich Sieg-Opfer: „at fagna sumri“ („[um] „den Sommer [zu] begrüßen) und: „til sigrs“ („für den Sieg“). Wenn mit der Sieg-Feier der Sommer begrüßt werden sollte, muss sie unmittelbar vor der Sommerzeit gelegen haben, wie es unsere Sonnen-Sieg-Rune () tut. Im isländ. Runenlied wird zur S-Rune erklärt: „Sonne ist der Eismassen Töter.“ Der darauf folgende Sommerbeginn lag auf Mai-Anfang (run. Idealjahr: 03.05.) bei der -Rune. Der Sommertag (sumardagr) wird auf den Runenstäben mit dem 14. April angegeben. Das ist recht genau der Zeitpunkt auf dem im ODING'schen Runenkalender die Sieg- bzw. Sonnen-Rune () auf dem 5. Jahres-Neumond postiert ist, so dass wir davon ausgehen können, das von Snorri genannte Siegopfer (Sigrblót) muss jeweils exakt zu dieser Runen-Jahreszeit () stattgefunden haben. - Wenn der Mittwintertag auf Mitte Januar angenommen wurde, muss logischerweise im Kalenderkreis exakt gegenüber der Mittsommertag (midsumarðagr) zu suchen sein, eben dort wo die Notwende-Rune () postiert ist, nämlich auf dem 16. Juli im ODING’schen Idealzeit-Kalender. - Der Winterbeginn bzw. die Winternacht (Vetranótt) wird auf den Runenstäben zum 15. Oktober vermerkt. In der Ynglingasaga Kap. 8 wird vom Winternachts-Opfer (vetranattablót) berichtet. Da die Winternacht auf dem 15. Okt. lag und die -Rune des Asen Wodin im altgläubigen Runen-Kalender auf dem 12. Okt. steht, so darf daraus geschlossen werden, dass das Winternachtsopfer als identisch mit dem ursprünglichen Asen-Alfen-Opfer () anzunehmen ist. 
 
Das gesamte kosmisch gedachte ODING-System summiert sich zahlenmythologisch zur sonnensymbolistischen Zahl 300, also QS 3. Die Notwende-Rune () trägt Zahl 15 mit QS 6 = 2x3 -, in Theosophischer Addition entsteht aus 6 = 21 mit QS  3. Die Sonnen-Rune () trägt die Zahl 9 = 3x3 -, in Theosophischer Addition 45 mit QS 9 = Super 3 bzw. potenzierte 3. Die Ing-Rune () trägt die Zahl 3. Die Asen-Wodin-Rune () trägt die Zahl 21 mit QS 3 -, in Theosophischer Addition 231 mit QS 6 = 2x3. Die Addition der 4 Jahres-Runen-Positionen wäre: 15+9+3+21 = 48 QS 12 (Mondmonate) bzw. 3. Man feierte aber - folgt man der altnord. Literatur - nur 3 Jahres-Sonnen-Hauptfeste, die Mittsommer-Notwende-Feuerreibung war offenbar in altnord. Zeit keine Feier von überregionaler Bedeutung (oder nicht mehr). Die 3 Hauptfeste waren Jola-Blot (eine Mondspanne nach WS), Sigar-Blot (eine Mondspanne nach FG), Asa-Blot (eine Mondspanne nach HG). Die Addition der Zahlenzuordnungen der 3 Sonnen-Feste wäre: 3+9+21 = 33 QS 6 mit Kernzahl 3, denn 1+2+3 = 6.
Pin It